
RIEBENBAUER/STADLER (2025) bwp@ Wipäd-AT7 2025 5
Mit diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, welche Impulse internationale Auditprozesse für
die kritische Reflexion und kontinuierliche Verbesserung der bestehenden Übungsfirmenarbeit
bieten können. Dazu wird in Kapitel 2 auf die Rolle eines umfassenden Qualitätsmanagements
in der Übungsfirmenarbeit eingegangen, bevor in Kapitel 3 die Konzeption und die Ergebnisse
des Erasmus+ Projekts PEN-QM vorgestellt und Erfahrungen im Zuge der Testung und Pilotie-
rung der Projektergebnisse präsentiert werden. Abschließend wird in Kapitel 4 ein Fazit gezo-
gen.
2 Qualitätsmanagement und Übungsfirmenarbeit
„Qualität ist immer ein Thema – ob im unternehmerischen Kontext, in der Schule oder der
Erwachsenenbildung.“ (Gramlinger et al., 2019, S. 423) Die kontinuierliche Entwicklung und
Sicherung qualitätsvoller Übungsfirmenarbeit ist ein wesentliches Ziel erfolgreich umgesetzten
Qualitätsmanagements. Was aber Qualität in Bezug auf die konkrete Übungsfirmenarbeit
bedeutet, ist zunächst immer eine Frage des normativen Standpunkts bzw. des definierten
Anspruchs. Qualität ist ein relationaler Begriff, welcher im Wesentlichen die Übereinstimmung
zwischen einem gewünschten und dem tatsächlichen Zustand eines Betrachtungsgegenstands
beschreibt (Brüggemann et al., 2024, S. 3–4; Gramlinger et al., 2019, S. 387). Qualitätsmanage-
ment umfasst in letzter Konsequenz also nicht nur das Feststellen und Korrigieren von Abwei-
chungen, sondern auch das Steuern von Prozessen mittels Festlegung und Interpretation von
normativen Zielvorgaben. Zur (Vor-)Strukturierung dieser Ziele können in der Übungsfirma
bewährte Modelle der betrieblichen Praxis herangezogen werden, auch wenn aufgrund der spe-
zifischen Bedürfnisse für den Bildungsbereich häufig eigene (darauf aufbauende) Modelle ent-
wickelt werden. Im Bildungsbereich haben die Lernenden als Empfänger:innen von Bildungs-
leistungen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der stattfindenden Bildungsprozesse. Als Mit-
produzent:innen sind sie nicht zuletzt auch in der Übungsfirma am Erfolg qualitätsvoller Bil-
dung beteiligt (Gramlinger et al., 2019, S. 387–425; Reese & Sommerhoff, 2018, S. 6–7). Ein
möglicher Ansatz, ein umfassendes Qualitätsmanagement in kaufmännischen Übungsfirmen
mit dem Konzept der lernenden Organisation zu verknüpfen, ist beispielsweise das ganzheitli-
che Konzept des Total Quality Managements (TQM) (Brüggemann et al., 2024, S. 201–222;
Trummer et al., 1997, S. 1–16).
Der Hauptzweck von Übungsfirmen ist immer das Lernen ihrer Teilnehmer:innen im und am
betrieblichen Modell. Wenn im Zusammenhang mit Übungsfirmenarbeit von Qualität gespro-
chen wird, muss sowohl auf die Gestaltung und Weiterentwicklung des (pädagogischen) Lern-
ortes, als auch des (Modell-)Betriebs abgestellt werden. Es darf also nicht nur darum gehen, ob
die Dinge richtig getan werden, sondern auch darum, ob die richtigen Dinge getan werden
(Trummer & Berchtold, 2002, S. 183–192; Stock & Riebenbauer, 2008, S. 1–7). Der Einsatz
von Qualitätsmanagement in der Übungsfirmenarbeit zum Zweck der Kontrolle und Inspektion
durch Lehrkräfte oder übergeordnete Instanzen greift daher zu kurz (Berchtold & Trummer,
2000, S. 33). Vielmehr steht die laufende Weiterentwicklung und Veränderung von Übungsfir-
menarbeit unter zentraler Beteiligung der Lernenden im Mittelpunkt des Qualitätsmanagements
in der Übungsfirma. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Prozess der regelmäßigen Selbst-
und/oder Fremdbewertung anhand definierter Kriterien, und die darauf aufbauende Implemen-