Impulse für die Übungsfirmenarbeit durch internationale Audits – Ergebnisse aus dem Projekt PEN-QM PDF Free Download

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Impulse für die Übungsfirmenarbeit durch internationale Audits – Ergebnisse aus dem Projekt PEN-QM PDF Free Download

Impulse für die Übungsfirmenarbeit durch internationale Audits – Ergebnisse aus dem Projekt PEN-QM PDF free Download. Think more deeply and widely.

www.bwpat.de
bwp@ Österreich Spezial 7 | September 2025
Beiträge zum
18. Österreichischen Wirtschaftspädagogik-Kongress
am 25. April 2025 in Graz
Hrsg. v. Silvia Lipp & Michaela Stock
Elisabeth RIEBENBAUER & Jakob STADLER
(Universität Graz)
Impulse für die Übungsfirmenarbeit durch internationale Audits
Ergebnisse aus dem Projekt PEN-QM
Online unter:
https://www.bwpat.de/wipaed-at7/riebenbauer_stadler_wipaed-at_2025.pdf
www.bwpat.de | ISSN 1618-8543 | bwp@ 20012025
Herausgeber von bwp@ : Karin Büchter, Franz Gramlinger, H.-Hugo Kremer, Nicole Naeve-Stoß, Karl Wilbers & Lars Windelband
Berufs- und Wirtschaftspädagogik - online
RIEBENBAUER/STADLER (2025) bwp@ Wipäd-AT7 2025 1
ELISABETH RIEBENBAUER & JAKOB STADLER
(Universität Graz)
Impulse für die Übungsfirmenarbeit durch internationale Audits
Ergebnisse aus dem Projekt PEN-QM
Abstract
Die Lehr-Lern-Form Übungsfirma stellt Lernenden eine Unternehmenssimulation zur Verfügung,
anhand derer sie ihre wirtschaftlichen Kompetenzen selbstständig auf- und ausbauen können. Doch auch
die Weiterentwicklung der Simulation an sich ist wesentlich, damit sie im Kontext sich ständig ändern-
der Arbeitswelten nicht an Relevanz und Wirksamkeit verliert. Vor diesem Hintergrund ging das Eras-
mus+ Projekt PEN-QM der Frage nach, welche Impulse internationale Qualitätsaudits liefern, um Ler-
nende mit der Methode Übungsfirma zielgerichtet auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorberei-
ten zu können. Im Rahmen des Projekts wurden Leitfäden erarbeitet, welche eine Grundlage und
Unterstützung für die Durchführung von Audits zwischen Übungsfirmen bieten. Darüber hinaus wurde
eine digitale Plattform zur Anbahnung und Durchführung der jeweiligen Audit-Prozesse entwickelt. Die
Projekt-Outputs wurden schließlich im Rahmen internationaler Austauschprogramme erprobt und
angewandt. Die Erfahrungen verdeutlichen, dass strukturierte Reflexion und Feedback im Rahmen der
Audits neue Impulse zur Weiterentwicklung der Übungsfirmenarbeit liefern können und der Auditpro-
zess zugleich vielfältige Kompetenzen fordert und fördert.
Impulses for practice enterprise work through international audits
Results of the PEN-QM project
Practice enterprises provide learners with a simulation that they can use to develop and expand their
business competences independently. However, the further development of the simulation itself is also
essential to ensure its relevance and effectiveness in the context of constantly changing working envi-
ronments. The Erasmus+ project PEN-QM explored, which impulses international quality audits can
provide, to prepare learners for future challenges using the practice enterprise method. The project part-
ners created guidelines that offer a basis and support for the implementation of international audits. In
addition, a digital platform was developed to initiate and carry out the respective audit processes. Finally,
the project outputs were tested and applied during international exchange programs. The experiences
illustrate that audits can provide new ideas for the further development of practice enterprises through
structured reflection and feedback and that the audit process simultaneously demands and promotes a
wide range of competences.
Schlüsselwörter: Übungsfirma, internationale Audits, Qualitätsmanagement, berufliche
Handlungsfähigkeit, Unternehmenssimulation
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1 Handlungsfähigkeit durch zukunftsorientierte Übungsfirmenarbeit
Die Basis für gelingenden Übungsfirmenunterricht ist eine betriebswirtschaftlich valide Unter-
nehmenssimulation zu Lernzwecken, anhand derer Lernende mittels Verknüpfung von Denken
und Handeln ihre berufliche Handlungsfähigkeit kompetenzorientiert weiterentwickeln kön-
nen. Für die Wirtschaftspädagogik (WIPÄD) am Standort Graz ist diese mehrdimensionale
Lehr-Lern-Form bereits seit vielen Jahren ein wichtiger Forschungsbereich. In den dafür vor-
gesehenen Lehrveranstaltungen durchliefen seit 1996 bereits über 1.000 WIPÄD-Studierende
im Rahmen ihres Studiums eine Übungsfirma und lernten dadurch die Methode aus den Per-
spektiven der Lehrenden und Lernenden kennen. Durch Besuche in schulischen Übungsfirmen
und dem begleiteten Anwenden und Weiterentwickeln des Gelernten im studienintegrierten
Schulpraktikum bilden die Lernenden dabei nicht nur ihre Handlungsfähigkeit als Lehrkraft
aus, sondern prägen zugleich ein Stück weit auch die von ihnen besuchten Übungsfirmen
(Riebenbauer, 2021, S. 131133; Stock et al., 2016, S. 4072).
Das Unterrichten mit der mehrdimensionalen Lehr-Lern-Form Übungsfirma ist nicht nur für
Studierende eine didaktische Herausforderung, denn das für die Entwicklung der Handlungsfä-
higkeit so wichtige, betriebswirtschaftlich valide Modell entsteht sowohl in der Schule als auch
an der Universität nicht von alleine. Vielmehr ist es die Aufgabe von Lehrenden, unter Berück-
sichtigung und Einbeziehung der Lernenden das entsprechende Modell zu gestalten und dieses
auch laufend weiterzuentwickeln. Ziel ist dabei kein direktes Abbild der Realität, sondern viel-
mehr ein realitätsnahes Modell, durch welches „alle zentralen in der Wirtschaft vorkommenden
Zusammenhänge, Abläufe bzw. Prozesse und Geschäftspartnerschaften realitätsnah modelliert
bzw. nachgebaut werden“ (Stock et al., 2019, S. 532). Wenn Lernende zukünftige berufliche
Herausforderungen selbstständig bewältigen können sollen, muss auf Seiten der Lehrenden
darauf geachtet werden, dass das Modell auch relevante Entwicklungen der entsprechenden
zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt der Lernenden berücksichtigt. Darunter fällt aktuell etwa
der vermehrte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Arbeitsalltag, aber auch andere Be-
reiche der digitalen Transformation oder neue Anforderungen hinsichtlich nachhaltigen Wirt-
schaftens. Nur wenn Lernende im und am Modell Erfahrungen mit diesen Trends und Entwick-
lungen sammeln und diese anschließend reflektieren können, entwickeln sie jene Kompetenzen,
welche sie für die Bewältigung der entsprechenden zukünftigen Herausforderungen benötigen
(Stock et al., 2019, S. 529536; Stock et al., 2022, S. 1718; Tramm & Gramlinger, 2006, S. 7
8).
Als Ansatz, die vielfältigen und hochkomplexen Veränderungsdynamiken unserer Zeit herun-
terzubrechen, definiert das Zukunftsinstitut (2025) insgesamt elf Megatrends der Zukunft, wel-
che anschließend wiederum in zahlreiche Untertrends untergliedert sind. Sie decken Entwick-
lungen in den Bereichen Future of Work, Globalisierung, Mobilität und Sicherheit genauso ab,
wie die Urbanisierung, den demografischen Wandel und Veränderungen im Bereich Gesund-
heit oder Wissenskultur (Zukunftsinstitut, 2025). Diese zukünftigen gesellschaftlichen Ent-
wicklungen zu antizipieren und anschließend angemessen in einem betriebswirtschaftlich vali-
den Modell zu berücksichtigen, bleibt für Lehrkräfte aufgrund der Vielfalt an Veränderungen
und möglichen Einflüssen eine große Herausforderung. Im Zentrum steht dabei stets die Frage:
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Wie wird sich die Lebens- und Arbeitswelt der heutigen Lernenden in Zukunft verändern und
welche Kompetenzen brauchen sie, um zukünftig beruflich handlungsfähig zu sein?
Einen vielversprechenden Anhaltspunkt für die Beantwortung der Frage, welche beruflichen
Kompetenzen Absolvent:innen am global vernetzten Arbeitsmarkt der Zukunft benötigen wer-
den, kann die Auskunft von Personalverantwortlichen einflussreicher, international tätiger
Unternehmen bieten. Als potenzielle zukünftige Vorgesetzte beschäftigen sich diese Personen
nicht nur intensiv mit der zukünftigen Arbeitswelt der Lernenden, sondern entscheiden außer-
dem in vielen Fällen direkt oder indirekt darüber, ob Bewerber:innen auch die entsprechenden
Kompetenzen für eine Stelle in ihrem Unternehmen mitbringen bzw. rasch aufbauen können
und daher für die angestrebte Stelle ausgewählt werden sollen. Eine solche Befragung ist der
Ausgangspunkt für den Future of Jobs Report des World Economic Forums (World Economic
Forum, 2025). Die Datenbasis dieser regelmäßigen Erhebung bilden Antworten von über 1.000
Arbeitgeber:innen, welche zusammen große multinationale und lokale Unternehmen mit insge-
samt über 14 Millionen Beschäftigten repräsentieren (World Economic Forum, 2025, S. 45;
World Economic Forum, 2025, S. 9799).
69 % der befragten Arbeitgeber:innen gaben bei der aktuellen, im Jahr 2024 durchgeführten
Umfrage an, dass analytisches Denken eine wichtige Kompetenz für ihre Belegschaft darstellt.
Danach folgen Kompetenzen wie Resilienz, Flexibilität und Agilität (67 %), Leadership und
sozialer Einfluss (61 %), kreatives Denken (57 %), Motivation und Selbstbewusstsein (52 %),
Kompetenz im Umgang mit Technologie (51 %), Empathie und aktives Zuhören, sowie Neu-
gier und lebenslanges Lernen (jeweils 50 %). Geht es hingegen um die Einschätzung der
Arbeitgeber:innen zur Veränderung der Relevanz bestimmter Kompetenzen in der Zukunft,
zeigt sich ein anderes Bild (siehe Abbildung 1). So gehen die Befragten davon aus, dass Kom-
petenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Big Data, sowie mit Netzwerken und
Cybersecurity in den nächsten fünf Jahren stark an Bedeutung gewinnen werden. Aber auch
bereits genannte Kompetenzen, wie der Umgang mit Technologie, kreatives Denken, Resilienz,
Flexibilität und Agilität, oder Neugier und lebenslanges Lernen werden demnach in Zukunft
eine zunehmende Rolle in der Arbeitswelt spielen. Nicht zuletzt befinden sich auch Leadership
und sozialer Einfluss, Talentmanagement, analytisches Denken und Umweltverantwortung in
den Top-Ten der vom WEF genannten skills on the rise (World Economic Forum, 2025, S. 35
38).
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Abbildung 1: Skills on the rise (World Economic Forum, 2025, S. 37)
Zur Adressierung dieser für die Zukunft so relevanten Kompetenzbereiche bieten sich in der
Übungsfirmenarbeit vielfältige Möglichkeiten. Die Grundaufgabe des multiperspektivischen
und praxisnahen Verstehens wirtschaftlicher Strukturen und Prozesse mittels systematisch-
situationsbezogenen Lernens in der Übungsfirma (Tramm & Gramlinger, 2006, S. 6) wird dabei
jedoch keineswegs in Frage gestellt, sondern lediglich durch entsprechende Impulse ergänzt.
Das grundliegende Modell der vielfach erprobten und im österreichischen Wirtschaftsunterricht
seit rund 30 Jahren etablierten Methode wird so aktuell gehalten und an die Lebens- und
Arbeitswelt zukünftiger Beschäftigter angepasst. Die Berücksichtigung der genannten Kompe-
tenzbereiche kann darüber hinaus eine willkommene Möglichkeit bieten, im Unterricht aktuelle
und innovative Schwerpunkte zu setzen. Auch wenn grundsätzliche didaktische Überlegungen
von diesen Schwerpunktsetzungen unberührt bleiben, sind Lehrende in der Übungsfirma doch
laufend gefordert, ihren Lernenden praxisorientierte Lerngelegenheiten anzubieten, welche sich
dazu eignen, berufliche Handlungskompetenz für zukünftige Herausforderungen aufzubauen
(Stock et al., 2019, S. 536). Es gilt also, „die Übungsfirmenarbeit kritisch zu hinterfragen, lau-
fend zu verbessern und strategisch neu auszurichten bzw. mit innovativen Ansätzen für die
Zukunft weiterzuentwickeln“ (Riebenbauer & Haupt, 2023, S. 13).
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Mit diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, welche Impulse internationale Auditprozesse für
die kritische Reflexion und kontinuierliche Verbesserung der bestehenden Übungsfirmenarbeit
bieten können. Dazu wird in Kapitel 2 auf die Rolle eines umfassenden Qualitätsmanagements
in der Übungsfirmenarbeit eingegangen, bevor in Kapitel 3 die Konzeption und die Ergebnisse
des Erasmus+ Projekts PEN-QM vorgestellt und Erfahrungen im Zuge der Testung und Pilotie-
rung der Projektergebnisse präsentiert werden. Abschließend wird in Kapitel 4 ein Fazit gezo-
gen.
2 Qualitätsmanagement und Übungsfirmenarbeit
„Qualität ist immer ein Thema ob im unternehmerischen Kontext, in der Schule oder der
Erwachsenenbildung.“ (Gramlinger et al., 2019, S. 423) Die kontinuierliche Entwicklung und
Sicherung qualitätsvoller Übungsfirmenarbeit ist ein wesentliches Ziel erfolgreich umgesetzten
Qualitätsmanagements. Was aber Qualität in Bezug auf die konkrete Übungsfirmenarbeit
bedeutet, ist zunächst immer eine Frage des normativen Standpunkts bzw. des definierten
Anspruchs. Qualität ist ein relationaler Begriff, welcher im Wesentlichen die Übereinstimmung
zwischen einem gewünschten und dem tatsächlichen Zustand eines Betrachtungsgegenstands
beschreibt (Brüggemann et al., 2024, S. 34; Gramlinger et al., 2019, S. 387). Qualitätsmanage-
ment umfasst in letzter Konsequenz also nicht nur das Feststellen und Korrigieren von Abwei-
chungen, sondern auch das Steuern von Prozessen mittels Festlegung und Interpretation von
normativen Zielvorgaben. Zur (Vor-)Strukturierung dieser Ziele können in der Übungsfirma
bewährte Modelle der betrieblichen Praxis herangezogen werden, auch wenn aufgrund der spe-
zifischen Bedürfnisse für den Bildungsbereich häufig eigene (darauf aufbauende) Modelle ent-
wickelt werden. Im Bildungsbereich haben die Lernenden als Empfänger:innen von Bildungs-
leistungen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der stattfindenden Bildungsprozesse. Als Mit-
produzent:innen sind sie nicht zuletzt auch in der Übungsfirma am Erfolg qualitätsvoller Bil-
dung beteiligt (Gramlinger et al., 2019, S. 387425; Reese & Sommerhoff, 2018, S. 67). Ein
möglicher Ansatz, ein umfassendes Qualitätsmanagement in kaufmännischen Übungsfirmen
mit dem Konzept der lernenden Organisation zu verknüpfen, ist beispielsweise das ganzheitli-
che Konzept des Total Quality Managements (TQM) (Brüggemann et al., 2024, S. 201222;
Trummer et al., 1997, S. 116).
Der Hauptzweck von Übungsfirmen ist immer das Lernen ihrer Teilnehmer:innen im und am
betrieblichen Modell. Wenn im Zusammenhang mit Übungsfirmenarbeit von Qualität gespro-
chen wird, muss sowohl auf die Gestaltung und Weiterentwicklung des (pädagogischen) Lern-
ortes, als auch des (Modell-)Betriebs abgestellt werden. Es darf also nicht nur darum gehen, ob
die Dinge richtig getan werden, sondern auch darum, ob die richtigen Dinge getan werden
(Trummer & Berchtold, 2002, S. 183192; Stock & Riebenbauer, 2008, S. 17). Der Einsatz
von Qualitätsmanagement in der Übungsfirmenarbeit zum Zweck der Kontrolle und Inspektion
durch Lehrkräfte oder übergeordnete Instanzen greift daher zu kurz (Berchtold & Trummer,
2000, S. 33). Vielmehr steht die laufende Weiterentwicklung und Veränderung von Übungsfir-
menarbeit unter zentraler Beteiligung der Lernenden im Mittelpunkt des Qualitätsmanagements
in der Übungsfirma. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Prozess der regelmäßigen Selbst-
und/oder Fremdbewertung anhand definierter Kriterien, und die darauf aufbauende Implemen-
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tierung von kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen. Berchtold & Trummer (2000) betonen
etwa die Möglichkeiten, welche regelmäßige Evaluationen und Reflexionen für Lernende und
Lehrende bieten können. In der Übungsfirmenarbeit stehen die selbstgesteuerten Lernprozesse
und die Weiterentwicklung der Kompetenzen der einzelnen Lernenden im Mittelpunkt. Der
gezielte Einsatz von Qualitätsmanagementsystemen ermöglicht es Lernenden, am und im
Modell zu lernen und ihren Lernort dabei zunehmend selbstständig weiterzuentwickeln
(Berchtold & Trummer, 2000, S. 2734; Trummer et al., 1997, S. 116).
Damit die selbstgesteuerte Sicherung und Weiterentwicklung qualitativ hochwertiger Übungs-
firmenarbeit durch die Lernenden gelingen können, sollten die Adressat:innen der Methode
auch aktiv in die Prozesse der Qualitätsentwicklung und -sicherung involviert werden. Auch
hier gilt: „Wer Handlungsfähigkeit will, muss handeln lassen!“ (Peterßen, 2009, S. 142) Umso
mehr, als für erfolgreiches Qualitätsmanagement benötigte Kompetenzen wie eigenverant-
wortliches und selbstgesteuertes Lernen auch im beruflichen und unternehmerischen Alltag
einen hohen Stellenwert einnehmen (siehe bspw. die Kompetenz Quality Control in Abbildung
1) und damit einen wesentlichen Bestandteil der zu entwickelnden zukünftigen Handlungsfä-
higkeit der jeweiligen Lernenden darstellen (Trummer & Berchtold, 2002, S. 184; World Eco-
nomic Forum, 2025, S. 3738).
Auf Initiative des zuständigen Ministeriums, der österreichischen Übungsfirmenzentralstelle
ACT und der damaligen ARGE Übungsfirma wurde daher bereits im Schuljahr 2002/03 eine
Zertifizierung der Übungsfirmenarbeit eingerichtet und als Qualitätsmarke ÜFA2020 bzw.
digitales QualitätsAudit laufend weiterentwickelt. Dabei handelt es sich um einen österreich-
weit durchgeführten Auditprozess für österreichische Übungsfirmen mit freiwilliger Teil-
nahme, welcher als Lernanlass dient und gleichzeitig die qualitätsvolle Weiterentwicklung
zahlreicher schulischer Übungsfirmen in Österreich vorantreibt und sicherstellt (ACT, 2013,
S. 130; ACT, 2018, S. 715; Neuweg et al., 2008, S. 5). Ausgangspunkt des Audits ist aktuell
ein Katalog mit zwölf zu erfüllenden Kriterien, welcher jährlich an aktuelle Entwicklungen und
Erfordernisse des Arbeitsmarktes angepasst wird und derzeit neben betrieblichen Kernprozes-
sen auch die Bereiche Digitalisierung, Nachhaltigkeit und soziale Sensibilität umfasst. Um das
QualitätsAudit zu bestehen und das entsprechende Zertifikat zu erhalten, müssen die Auditees
im Bereich Marketing und Sales etwa die Planung, Durchführung und Auswertung von Online-
Verkaufsgesprächen nachweisen, oder im Bereich Human Resources mittels entsprechender
Dokumentation die korrekte Abwicklung der Aufnahme neuer Mitarbeiter:innen belegen
(ACT, 2025a, S. 510). Das Programm erfreut sich großer Beliebtheit: Im Schuljahr 2024/25
nahmen 226 Übungsfirmen am Qualitätsaudit teil und erreichten dabei eine Erfolgsquote von
92 % (ACT, 2025b).
3 PEN-QM Internationale Audits für Übungsfirmen
Das Ende 2024 erfolgreich abgeschlossene Erasmus+ Projekt PEN-QM: Sustainable quality
management to foster future-proof job skills of HEI learners knüpft an den Gedanken des
Audits als Lernanlass und als Quelle von Feedback zum Zweck der konzeptionellen und per-
sönlichen Weiterentwicklung an und erweitert die geographische Reichweite auf den europäi-
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schen Raum und darüber hinaus. Die Projektergebnisse sind dabei nicht in Konkurrenz zu
bestehenden nationalen Qualitäts-Audits zu sehen, sondern fokussieren klar auf die Unterstüt-
zung länderübergreifender Auditprozesse unter Beachtung der entsprechenden Besonderheiten.
Ziel der 2022 gestarteten Initiative war es, den „Prozess zur Qualitätsentwicklung europaweit
auf Übungsfirmen umzulegen und die Möglichkeit zu bieten, sich in Bezug auf eine qualitäts-
volle Übungsfirmenarbeit zertifizieren zu lassen“ (Riebenbauer & Haupt, 2023, S. 7). Weiters
war es der Anspruch des Projekts, Übungsfirmen über ihre Ländergrenzen hinaus in einen
Dialog über qualitätsvolle Übungsfirmenarbeit treten zu lassen und „umsetzungspraktisch mit
neuen Formen von Übungsfirmenarbeit zu experimentieren, die tatsächlich ein proaktives öko-
nomisches Agieren ermöglichen und fordern(Neuweg et al., 2008, S. 14).
Der Fokus lag zu Beginn des Projekts auf dem bisher erst wenig beachteten Bereich der Hoch-
schul-Übungsfirmen, später wurde der Anwendungsbereich jedoch auch auf schulische
Übungsfirmen mit internationaler Ausrichtung und guten Englischkenntnissen erweitert. Orga-
nisationen und Universitäten aus sechs Ländern (Litauen, Bulgarien, Deutschland, Frankreich,
Italien und Österreich) entwickelten im Projektzeitraum Leitfäden sowie eine Plattform für die
Durchführung von internen und externen Evaluierungsprozessen. Dadurch sollte die Abwick-
lung von internationalen Audits und damit der Austausch mit Übungsfirmen anderer Länder
ermöglicht bzw. erleichtert werden (Riebenbauer & Haupt, 2023, S. 1114).
3.1 Konzeption und Vorgangsweise
Das Projekt startete im Frühjahr 2023 mit einem Desk Research. Für eine sinnvolle Gliederung
der Qualitätskriterien sowie des Auditprozesses wurden dabei eingangs zehn relevante Übungs-
firmenfelder definiert. Diese lehnten sich an den klassischen Prozessen und Arbeitsfeldern in
Übungsfirmen an und sollten es ermöglichen, Evaluationen nicht nur für die gesamte Übungs-
firma, sondern auch für einzelne, ausgewählte Übungsfirmenbereiche durchführen zu können.
Bereits bestehende nationale Audits wie das österreichische QualitätsAudit lieferten dabei
wertvolle erste Anhaltspunkte. Bestehende Bereiche wurden jedoch erweitert, neue hinzugefügt
und auf die grenzüberschreitende Anwendbarkeit hin angepasst. Für die so entstandenen
Übungsfirmenfelder wurden anschließend jeweils Ziele, Qualitätskriterien, Bewertungsmetho-
den und der Zusammenhang mit den zukünftig benötigten Kompetenzen der Lernenden ent-
nommen aus dem zu Projektstart aktuellen Future of Jobs Report 2020 (World Economic
Forum, 2020) erarbeitet und analysiert.
Um diese Vorarbeiten zu validieren, wurden von den internationalen Partnerorganisationen
mehrere Erhebungen unter Studierenden durchgeführt. So wurden etwa 200 Bachelor- und
Masterstudierende zu ihrer Einschätzung hinsichtlich der Relevanz der vom WEF definierten
Kompetenzen (World Economic Forum, 2020, S. 3536) für ihre angestrebte berufliche Tätig-
keit befragt, insbesondere inwiefern die entsprechenden Übungsfirmenfelder diese Kompeten-
zen abdecken würden. Für die Studierenden waren das Lösen komplexer Probleme, der zielge-
richtete Einsatz von Technologien und IT-Tools, das Zeitmanagement sowie das analytische
und kritische Denken die wichtigsten Skills für ihre zukünftige berufliche Laufbahn. Tätigkei-
ten in den Übungsfirmenbereichen Accounting und Finanzmanagement, IT und Digitalisie-
rungsmanagement, Kommunikationsmanagement, allgemeines Management und Nachhaltig-
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keitsmanagement wurden als am relevantesten für den Erwerb dieser Kompetenzen eingestuft.
Darüber hinaus berichteten 142 Studierende derselben Kohorte, dass sie bereits Erfahrung als
Lernende in Übungsfirmen besitzen und dabei große Fortschritte bei aktivem Lernen und
Lernstrategie, Zeitmanagement, Technologieeinsatz und Anpassungsfähigkeit“ (Riebenbauer
& Haupt, 2023, S. 1314) machen konnten. Weniger erfolgreich waren sie während des
Besuchs einer Übungsfirma demnach hingegen bei der Weiterentwicklung ihres Verhandlungs-
geschicks, ihrer Überzeugungskraft sowie ihres kritischen und analytischen Denkens (Rieben-
bauer & Haupt, 2023, S. 1114).
Darüber hinaus wurden an allen Partnerorganisationen vertiefende Fokusgruppeninterviews mit
jeweils zumindest acht Stakeholdern der an den Standorten betriebenen Übungsfirmen sowie
mit Expert:innen im Bereich Auditing und Qualitätsmanagement durchgeführt. Auf Vorschlag
der Interviewpartner:innen wurden schließlich einzelne Übungsfirmenfelder zusammengefasst.
Dies führte zu den finalen acht Übungsfirmenbereichen, welche anschließend auch für die Aus-
arbeitung der Projektergebnisse genutzt wurden und in Tabelle 1 ersichtlich sind.
Tabelle 1: Auswahl der im Projekt verwendeten acht Übungsfirmenfelder
Accounting und Finanzmanagement
Kommunikationsmanagement
Beschaffungsmanagement
Verkauf
Marketing Management
IT- und Digitalisierungsmanagement
Nachhaltigkeitsmanagement
Human Ressource Management
Die Fokusgruppeninterviews lieferten darüber hinaus wesentliche Erkenntnisse, um bisherige
Projektergebnisse zu validieren und andere zu überarbeiten bzw. zu ergänzen. So lieferten die
Interviews Impulse für die Erstellung der beiden Leitfäden für die interne und externe Evalua-
tion. Aufgrund der Rückmeldungen wurden außerdem für jedes der acht Übungsfirmenfelder
drei Levels (Bronze, Silber und Gold) definiert, wodurch Übungsfirmen nach Abschluss des
Projekts Kriterien für insgesamt 24 Selbst- und Fremdevaluierungen auf verschiedenen Schwie-
rigkeitsstufen zur Verfügung stehen. Eine stärkere Betonung der Prozessorientierung, sowie die
Ausrichtung der Evaluierungen am Plan-Do-Check-Act Regelkreis und die enge Verzahnung
von interner und externer Evaluation stellen weitere Impulse dar, die aus den Fokusgruppenin-
terviews gewonnen werden konnten. Im Zentrum stand immer die Anforderung, dass das Feed-
back und die Erfahrungen aus den durchgeführten Audits anschließend zur Weiterentwicklung
der Übungsfirmenarbeit sowie als Lernanlass für die Lernenden genutzt werden können. Das
folgende Kapitel bietet einen Überblick über die auf diesem Weg überarbeiteten und entwickel-
ten Inhalte und Projektergebnisse.
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3.2 Projektergebnisse und Ablauf der Evaluierungen
Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Definition des gesamten Evaluierungsprozesses und
der Rollen der am Prozess beteiligten Personen (siehe Abbildung 2). Während Übungsfirmen
anhand der entwickelten Kriterien auch eine interne Evaluierung ohne der Beteiligung von
externen Auditor:innen (Auditors) durchführen können, sind bei der auf den erhobenen Daten
aufbauenden externen Evaluierung Auditors und Auditees gleichermaßen beteiligt. Die zu prü-
fende Übungsfirma stellt dabei als Auditee alle Daten für die Überprüfung bereit, die Auditors
überprüfen diese anschließend hinsichtlich der Erfüllung der im Projekt erarbeiteten Kriterien.
Die Rolle der Organisator:innen wird entweder von Seiten der Auditors übernommen, oder
bspw. von der nationalen Übungsfirmen-Zentralstelle ausgeführt. Abgeschlossen wird die
externe Evaluierung mit einem Zertifikat oder mit einer Ablehnung, wobei dem Feedback zur
Weiterentwicklung der Übungsfirmenarbeit in beiden Fällen ein wichtiger Stellenwert
zukommt. Der Ablauf erfolgt stufenweise, was bedeutet, dass zuerst immer eine interne Evalu-
ation durchgeführt werden muss, deren Ergebnisse und Daten anschließend die Basis für die
potentielle externe Evaluation und eine mögliche Zertifizierung darstellen (PEN-QM, 2024a,
S. 69).
Abbildung 2: Überblick über den Evaluierungsprozess (PEN-QM, 2024a, S. 7)
Der Zertifizierungsprozess wurde gestaltet, um sowohl für Auditors als auch für Auditees die
Entwicklung der vom WEF genannten Kompetenzen zu ermöglichen (World Economic Forum,
2025, S. 3538). Analytisches und kritisches Denken, Resilienz, Flexibilität, Leadership,
Selbstbewusstsein, der Umgang mit Technologie, Empathie und aktives Zuhören sind im Zuge
der durchzuführenden Audits nicht nur gefragt, sondern müssen entwickelt und gelebt werden,
um die Zertifizierung erfolgreich abschließen zu können. Dabei ermöglicht es der Auditprozess
auch, dass Lernende die Rolle der Prüfenden (Auditors) einnehmen und dabei ihre Kompeten-
zen im jeweiligen Übungsfirmenfeld, aber auch in den genannten Kompetenzbereichen weiter-
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entwickeln. Beispielsweise lernen sie beim Prüfen einer Übungsfirma, die bereitgestellten
Dokumente kriteriengeleitet zu analysieren, Zusammenhänge zwischen den ausgewählten
Daten und gegebenenfalls Probleme zu identifizieren, Analyseergebnisse zu präsentieren und
Schlussfolgerungen über die Qualität der Geschäftsprozesse der Übungsfirma basierend auf
ihren Analysen zu ziehen (PEN-QM, 2024a, S. 17).
Die Qualitätskriterien sind je nach Übungsfirmenfeld in die Kategorien des PDCA-Zyklus
(Plan-Do-Check-Act) nach Deming (1991) gegliedert. Die Auditees müssen mit geeigneten
Dokumenten ihrer Übungsfirma nachweisen, dass ihre Prozesse der Planung, der Durchfüh-
rung, der Überprüfung und des Handelns den Kriterien des jeweiligen Übungsfirmenfelds auf
dem gewählten Niveau (Bronze, Silber oder Gold) entsprechen. Um die Vorbereitung (interne
Evaluation) und die Prüfung (externe Evaluation) übersichtlich und nachvollziehbar zu gestal-
ten, wurden die Kriterien in insgesamt 24 Fragebögen (acht Übungsfirmenfelder mit jeweils
drei Niveaustufen) zusammengefasst. Jeder Fragebogen umfasst dabei die benötigten Nach-
weise für ein Level eines bestimmten Felds und legt dabei fest, wie diese Dokumente gemäß
den zugrundeliegenden Kriterien bewertet werden sollen. Im Zuge der internen und/oder exter-
nen Evaluation können in den freien Feldern anschließend noch offengebliebene Fragen doku-
mentiert und Verbesserungspotenzial als Feedback formuliert werden (siehe z. B. Abbildung
3). Die Fragebögen sowie die Leitfäden für die interne und externe Evaluation stehen genauso
wie ein Benutzerhandbuch in den fünf Sprachen der Partnerorganisationen (Englisch, Deutsch,
Bulgarisch, Französisch und Italienisch) für alle Interessierten kostenlos auf der Website des
Projekts zum Download bereit (PEN-QM, 2025).
Abbildung 3: Fragebogen zum Übungsfirmenfeld Human Ressource Management (Bronze)
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Zusätzlich zur analogen Nutzung der entwickelten Ressourcen zur internen und externen Eva-
luation von Übungsfirmen, wurde im Rahmen des Projekts außerdem eine Online-Plattform zur
Abwicklung des Auditprozesses (siehe Abbildung 2) entwickelt und anschließend in die Pro-
jektwebsite eingebunden. Übungsfirmen können sich mit den Zugangsdaten ihrer nationalen
Zentralstelle auf der Plattform kostenlos anmelden und dort den Auditprozess Schritt für Schritt
durchlaufen. Die Fragebögen und die dahinterliegenden Kriterien samt Punktesystem wurden
auf der Plattform hinterlegt, was ein intuitives Bewegen durch die einzelnen Schritte des Pro-
zesses ermöglicht. Lehrende können den Prozess für ihre Übungsfirma starten, indem sie ein
Audit für ein bestimmtes Feld in einer bestimmten Stufe beantragen. Durch einen Code erhalten
die Lernenden anschließend Zugang zur Plattform und durchlaufen selbstständig die interne
Evaluation anhand der festgelegten Kriterien des Fragebogens (siehe z. B. Abbildung 4). Nach
Abschluss der internen Evaluation erhalten die Lehrenden die gesammelten Antworten und
Dokumente zur Überprüfung und können entscheiden, ob die Angaben nochmals überarbeitet
werden müssen, oder bereits ausreichend sind. Danach ist das interne Audit abgeschlossen
(PEN-QM, 2024b, S. 19).
Abbildung 4: Screenshot der PEN-QM-Plattform aus der Perspektive der Lernenden
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Wenn gewünscht, kann mit den vorhandenen Daten direkt ein externes Audit beantragt werden.
Auditors können sich dazu über die Plattform registrieren. Sie werden anschließend von der
nationalen Zentralstelle auf ihre Eignung hin überprüft und dann für die Plattform freigeschal-
tet. Mit ihren Zugangsdaten können Auditors auf der Plattform offene Evaluierungsanfragen
einsehen und diese wenn gewünscht annehmen. Darüber hinaus können sie direkt auf der
Plattform die Bewertungen vornehmen und weitere Dokumente bzw. Informationen bei den
Auditees anfordern. Für jedes Audit ist ein Online-Interview vorgesehen, in dem sich Auditees
und Auditors austauschen und offene Fragen klären können. Dies kann vor allem bei internati-
onalen Audits helfen, die Besonderheiten einer gegebenenfalls national unterschiedlich akzen-
tuierten Übungsfirmenarbeit sowie die Sichtweise des Gegenübers besser zu verstehen und
Missverständnissen vorzubeugen. Nach der abschließenden Prüfung wird der Prozess der
externen Evaluation mit der automatischen Ausstellung des Zertifikats durch die Plattform oder
einer Ablehnung aufgrund mangelhafter Kriterienerfüllung abgeschlossen. In einem finalen
Feedback werden der Übungsfirma mündlich und schriftlich Verbesserungspotenziale auf Basis
der eingereichten Informationen gegeben (PEN-QM, 2024b, S. 1012).
3.3 Pilotierung und Audit-Erfahrungen
Im Zuge des Projekts wurde der vorgestellte Auditprozess samt seinen zugrundeliegenden Kri-
terien und Dokumenten ausgiebig pilotiert und getestet. Dabei kam auch mehrmals die vorge-
stellte Plattform zum Einsatz, was mehrere Feedback-Schleifen und Weiterentwicklungen
ermöglichte. Da das Projekt ursprünglich auf Übungsfirmen an Hochschulen ausgerichtet war,
erfolgte auch die Pilotierung und Testung mit Hilfe der Projektergebnisse bei Audits zwischen
Übungsfirmen an Hochschulen. Um die Kommunikation und die Verbesserung des Prozesses
zu erleichtern, fanden die im Zuge des Projekts durchgeführten Audits darüber hinaus vor Ort
und nicht wie final vorgesehen online statt.
Von 8.11. April 2024 wurde die Übungsfirma eXpand International Consultancy GmbH (Uni-
versität Graz) durch italienische Studierende der Università di Pavia in den Übungsfirmenfel-
dern Accounting und Finanzmanagement (Gold), Human Ressource Management (Silber),
Nachhaltigkeitsmanagement (Silber) und Verkauf (Bronze) geprüft. Das Audit fand vor Ort an
der Universität Graz in Österreich statt. Es konnte die Zertifizierung aller angestrebten Übungs-
firmenfelder in den entsprechenden Niveaus erreicht werden. Von 12.14. November 2024
wurde die Übungsfirma VIKO BANKAS (Vilniaus Kolegija) von Mitgliedern der UniLine Edu-
cation & Consulting GmbH (Universität Graz) in den Übungsfirmenfeldern Kommunikations-
management (Gold), Verkauf (Gold) und Human Ressource Management (Gold) geprüft. Das
Audit fand vor Ort in Vilnius/Litauen statt. Während die Kriterien der ersten beiden Übungs-
firmenfelder erreicht wurden, konnte aufgrund fehlender oder qualitativ unzureichender Nach-
weise kein Zertifikat für das Übungsfirmenfeld Human Ressource Management in Gold ausge-
stellt werden. Daher wurde erneut hinsichtlich der Erreichung des Niveaus Silber geprüft. Die-
ses wurde anschließend auch zertifiziert. Im November 2024 wurde außerdem die Übungsfirma
der Università di Pavia von der Übungsfirma VIKO BANKAS aus Litauen vor Ort in Pavia
geprüft. Alle Erkenntnisse aus der Pilotierung flossen anschließend in die Erstellung und Wei-
terentwicklung der Plattform, der Leitfäden und des Benutzerhandbuchs ein.
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Die nach Abschluss der jeweiligen Audits erhobenen Erfahrungsberichte spiegeln deutlich die
Potenziale von internationalen Audits für die Weiterentwicklung der Übungsfirmenarbeit, aber
auch für die Vorbereitung der Lernenden auf Herausforderungen ihrer zukünftigen Lebens- und
Arbeitswelt wider. So wurde etwa von Teilnehmenden der Audits berichtet, dass das erhaltene
Feedback für die konstruktive Weiterentwicklung der eigenen Übungsfirma genutzt werden
konnte. Lernende betonten insbesondere, sich durch die Analyse von Finanzberichten und
durch Teamwork wichtige Kompetenzen, wie Problemlösefähigkeit und kritisches Denken
angeeignet zu haben. Gefragt nach den entwickelten Kompetenzen, antwortete eine Auskunfts-
person etwa: understanding and evaluating financial reports, working in a team in order to
come up with solutions to problems and developing broad critical thinking abilities in order to
provide interesting and applicable feedback” (St_4). Eine andere Antwort auf dieselbe Frage
lautete: „adapting to a new cultural environment, working with diverse teams, problem-solving,
knowledge of other practice enterprise settings“ (St_7). Wiederum andere Lernende hoben dar-
über hinaus den Prozess der Planung und Vorbereitung auf das Audit als wichtige Lernerfah-
rung hervor. Ein weiterer Vorteil der Zusammenarbeit zwischen internationalen Übungsfirmen
wurde ebenfalls genannt: improved English language skills, both spoken and written“ (St_9).
Die Lernenden der Grazer Übungsfirma UniLine Education & Consulting GmbH konnten im
Sommersemester 2025 bereits von den Erfahrungen und den darauf aufbauenden Verbesse-
rungsmaßnahmen der Vorsemester profitieren und diese weiter ausbauen. So wurden in diesem
Semester beispielsweise zahlreiche geplante Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeitsmanage-
ment (z. B. Weiterbildungen, Produktinnovationen) umgesetzt, evaluiert und weiterentwickelt.
Aktuell befinden sich die Studierenden im Auditprozess für die weiteren Übungsfirmenfelder
Nachhaltigkeitsmanagement (Gold) und Marketing Management (Bronze). Auf dem Weg zur
Zertifizierung lernen sie, wie Übungsfirmen in anderen Ländern funktionieren, sie können sich
mit internationalen Auditors zu ihrer eigenen Übungsfirmenarbeit austauschen und erhalten
wertvolles Feedback durch die interne und externe Evaluierung ihrer eigenen Arbeit, welche
sie zur Weiterentwicklung ihrer eigenen Kompetenzen und ihrer Übungsfirma nutzen können.
Somit wird es möglich, den PDCA-Kreislauf in den betroffenen Feldern zu schließen und kon-
tinuierliche Weiterentwicklung im Sinne eines umfassenden und gezielt eingesetzten Qualitäts-
managements entlang der im Projekt definierten Kriterien zu leben. Die Projektergebnisse
(Leitfäden, Plattform und Kriterien) bieten Übungsfirmen weltweit eine strukturierte Basis für
die Durchführung von internationalen Audits und sind damit ein Türöffner für eine zukunfts-
und praxisorientierte kaufmännische Ausbildung.
4 Fazit
Qualitätsvolle Übungsfirmenarbeit erfordert laufende Weiterentwicklung. Ein umfassendes
und zielführend gestaltetes Qualitätsmanagementsystem im Sinne des TQM soll Lernende nicht
kontrollieren, sondern mit und durch die Lernenden zur gelebten Praxis werden. Dadurch kön-
nen die Lernenden Qualitätsmanagement selbst erfahren und sich die dazu notwendigen Kom-
petenzen im und am Modell selbstgesteuert aneignen. Selbst- und Fremdevaluationen stellen
sich als geeignetes Mittel heraus, um die Qualität der Übungsfirma im Sinne des PDCA-
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Kreislaufs laufend weiterzuentwickeln und wertvolles Feedback zur Reflexion der eigenen
Handlungen und Prozesse zu generieren.
Die Projektergebnisse des Erasmus+ Projekts PEN-QM können hochschulischen und auch
schulischen Übungsfirmen helfen, den Prozess der internen und externen Evaluation struktu-
riert und gewinnbringend zu durchlaufen. Die entwickelten Kriterien und Fragebögen können
genutzt werden, um das Niveau der Prozesse in den jeweiligen Übungsfirmenfeldern intern zu
evaluieren und bei Bedarf anschließend auch extern bestätigen und zertifizieren zu lassen. Im
Mittelpunkt steht dabei das erhaltene Feedback und die daran anschließenden Reflexions- und
Verbesserungsprozesse. Die Durchführung von internationalen Audits bringt dabei nicht nur
die Qualität der Übungsfirma, ihrer Prozesse und Strukturen weiter, sondern bietet auch einen
spannenden Lernanlass, um die Kompetenzen Lernender weiterzuentwickeln sei es in der
Rolle als Auditor oder als Auditee. Der Blick über den nationalen Übungsfirmen-Tellerrand
wirkt dabei vielfach bereichernd und inspirierend, sei es nun auf persönlicher, organisationaler
oder auf konzeptioneller Ebene.
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Zitieren des Beitrags (19.09.2025)
Riebenbauer, E. & Stadler, J. (2025). Impulse für die Übungsfirmenarbeit durch internationale
Audits Ergebnisse aus dem Projekt PEN-QM. In S. Lipp & M. Stock (Hrsg.), bwp@ Spezial
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Die Autor:innen
Assoz. Prof. Mag. Dr. ELISABETH RIEBENBAUER
Universität Graz, Institut für Wirtschaftspädagogik
Universitätsstraße 15/G1, 8010 Graz, Österreich
elisabeth.riebenbauer@uni-graz.at
https://wirtschaftspaedagogik.uni-graz.at
JAKOB STADLER, BSc BSc MSc
Universität Graz, Institut für Wirtschaftspädagogik
Universitätsstraße 15/G1, 8010 Graz, Österreich
jakob.stadler@uni-graz.at
https://wirtschaftspaedagogik.uni-graz.at