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müssen. Moshfeghs Protagonistin präferiert am meisten den Zustand von leerem, kaum
Existieren (M, 41) und nimmt exzessiv Tabletten, wenn sie glaubt, bestimmte Emotionen zu
fühlen. Sie ist sich ihrem Gefühlshaushalt so fremd, dass sie nur mehr vermuten kann, was sie
fühlen könnte: „…Placidyls or Noctects or Miltowns when I suspected I was lonely“ (M, 26).
Auch Heims Protagonist entflieht mittels exzessiven Konsums seinen Emotionen. Er kann
sich nicht selbst helfen und greift somit bei jeglicher Gefühlsregung nach Schlafmitteln: „I
swallowed half a sleeping pill to calm the shock of all they’d said and done“ (H, 111). Die
emotionale Unterdrückung durch den Konsum haben beide Figuren inne. Eine weitere
Parallele in der Darstellung der Figuren ist, dass beide genau wissen, wann sie wieviel
nehmen müssen: „I counted out three lithium, two Ativan, five Ambien. That sounded like a
nice mélange, a luxurious free fall into velvet blackness” (M, 252). Aber das Wissen, wieviel
sie brauchen, um welche Gefühle vernichten zu können, lässt dennoch die Tatsache
durchscheinen, dass sie süchtig sind. Beide versuchen jenen Fakt zu ignorieren, wobei sich
Scott seine Sucht mehr eingesteht als die namenlose Protagonistin Moshfeghs. Heim
unterstreicht immer wieder die körperliche Ebene der Sucht, wodurch er die Darstellung der
Abhängigkeit sehr greifbar vermittelt: „…I could feel the rise of nausea, the migraine and
constricted throat, all the splintery familiarities of an especially bad comedown“ (H, 107) oder
„I looked alarmingly ill;“ (H, 269). Auch die mentale Gier wird deutlich gemacht: „But even
thinking this, the craving surged bitter to my throat” (H, 93). Heim konzentriert sich sehr auf
die körperlichen Aspekte der Sucht, welche bei Moshfegh fast unberührt bleiben. In diesem
Punkt unterscheiden sich die beiden Exzess-Erzählungen: Moshfegh ging es nicht um eine
reale Darstellung von Sucht und ihren physischen Folgen (denn keine Person könnte so viele
Medikamente so unversehrt überstehen), sondern mehr um das Gedankenspiel des Romans.
Nur als die Protagonistin kurzzeitig auf Entzug gesetzt wurde, äußert sie körperliche
Zerfallserscheinungen: „The room spun for a moment, the floor bobbed up and down like the
deck of a ship rising in a swell. I felt sick. I needed something“ (M, 244). Auch die mentale
Gier wird kurzzeitig deutlich gemacht: „In my mind, I made a list of pills I wanted to take and
then I imagined taking them” (M, 245). Ansonsten nehmen die physischen Nebenwirkungen
nicht allzu viel Platz in ihrem Weltbild ein; generell ist die Abhängigkeit an sich sehr abstrakt
gehalten. Denn Moshfeghs Protagonistin beendet ihr Suchtverhalten mit einer Leichtigkeit,
als ob Substanzabhängigkeit wie Kleidung wechselbar wäre. Dadurch, und vor allem auch
durch den konstant ironischen Unterton des Romans erhält die Sucht der Protagonistin eine
bestimmte Mühelosigkeit. Die Sucht der Protagonistin bzw. der exzessive Konsum wirkt wie
ein Kinderspiel, wie eine zufällig gewählte Alltagsbeschäftigung, die ebengleich einfach