
Die Offenbarung des Johannes Manuskript v. H. Schultze Seite 37
menden Zorngericht errettet.« Der zukünftige Zorn Gottes aber wird am Tage des Zorns, am
schrecklichen Tage des Herrn, in der antichristlichen Zeit geoffenbart werden. Paulus lehrt
auch sehr deutlich, wen der Zorn Gottes treffen wird: »Der Zorn Gottes kommt über die Kin-
der des Ungehorsams« (Eph. 5, 6). In Epheser 5, 8 sagt er: »Ihr wart einst Finsternis, nun
aber seid ihr ein Licht in dem Herrn«, und in 1. Thessalonicher 5, 9: »Denn Gott hat uns
nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen.« Menge: »Denn Gott hat uns
nicht für Sein Zorngericht bestimmt, sondern wir sollen die Errettung erlangen durch unsern
Herrn Jesus Christus.« Wenn die Gläubigen aber errettet, befreit sind vom zukünftigen Zorn
und Zorngericht, dann ist es doch klar, daß sie gar nicht in diesen und dieses hineinkom-
men. Sie müssen also, bevor der Zorn und das Zorngericht anhebt, ihm entrückt werden.
10. Die Worte des Heilandes: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und
glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht,
sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen« (Joh. 5, 24). »Kommt nicht in
das Gericht«, so steht hier geschrieben. Wo entscheidet sich denn das Nicht-Ins-Gericht-
Kommen? Nirgends anders als unter dem Kreuz auf Golgatha. Dort muß sich der Mensch
entscheiden, für oder gegen Jesus. Wer in dem Gekreuzigten den erblickt, der unsere Sün-
den auf Golgatha hingerichtet, ans Kreuz geschlagen hat (Röm. 8, 3), und an den glaubt,
der die Gottlosen gerecht macht, und lebt dann dem Herrn, der »kommt nicht in das Ge-
richt«. »Nicht in das Gericht kommen« aber heißt: ihm enthoben, entrückt sein.
11. Einen anderen kräftigen Beweis, daß die Gemeinde des Herrn nicht in die große Trübsal
kommt, gibt Paulus in 1. Thessalonicher 5, 4 und 5: »Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der
Finsternis, daß euch der Tag (des Herrn) wie ein Dieb ergreife. Ihr seid allzumal Kinder des
Lichts und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.« Also die
Glieder der Gemeinde sind Kinder des Lichts und des Tages, d. h. des Tages des Heils (2.
Kor. 6, 2); infolgedessen wird der Tag des Herrn, das ist der große und schreckliche Tag der
Gerichtsoffenbarungen Gottes, sie nicht wie ein Dieb ergreifen.
12. »Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden?«, schreibt Paulus (1.
Kor. 6, 2.3), und: »Wisset ihr nicht, daß wir über Engel richten werden?« Nun ist es durch-
aus selbstverständlich, daß die zu solcher Würde berufene Gemeinde an jenem Tage un-
möglich auf der Anklagebank sitzen noch Gegenstand des göttlichen Strafurteils sein kann.
Ebenso selbstverständlich ist es, daß ein Gerichtshof sich erst ordnungsgemäß zusammen-
setzen muß, ehe er eröffnet werden und seine Funktionen aus-üben kann. Es ist also eine
zwingende Notwendigkeit, daß die Gemeinde des Herrn eine gewisse, ihr selbst unbewußte
und unberechenbare Zeit vor der richterlichen Offenbarung des Herrn zu ihrem Haupte ver-
sammelt werde, der dann jedem Gliede Seines Leibes seinen Posten und seine Aufgabe für
die Gerichtsvollstreckung zuerkennen wird.
13. Die Gemeinde wird in den apostolischen Briefen nirgends ermahnt, sich auf die große
Trübsal oder auf den Antichristen vorzubereiten, was doch am Platze gewesen wäre. Müßte
die Gemeinde durch die große Trübsal gehen, so fänden wir doch wenigstens eine Stelle,
die uns für deren Bereitschaft auffordert, jedoch wir finden keine.
14. Statt dessen werden die Seinen ermahnt, »zu entfliehen diesem allem, was geschehen
soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn« (Luk. 21, 36). »Entfliehen diesem allem«, das
sind die schrecklichen Dinge der LetztZeit (Luk. 21, 25-27). Nun, »entfliehen diesem allem«,
das meint doch, daß man gar nicht in die schrecklichen Dinge und Begebenheiten hinein-
kommt, wie in Offenbarung 3, 10 ausgeführt.
15. Auf Seinen Sohn vom Himmel herab soll die Gemeinde warten, wie geschrieben
steht 1. Thessalonicher 1, 10; Philipper 3, 20; Titus 2, 15; 1. Petrus 5, 4; 1. Johannes 3, 2
(bitte, genau nachlesen).
16. Die große Trübsal ist insonderheit für Israel, dann für die abgefallene Christenheit
und für die Nationen, aber nicht für die Gemeinde. Die Hauptstellen, die von der großen