4. STRATEGISCHE NUTZUNG DER MARKT- UND BRANCHENANALYSE MIT
FALLBEISPIEL
Wie wir gesehen haben ist eine fundierte Markt- und Branchenanalyse ein wichtiger
Meilenstein für jede:n Gründende:n und jedes Start-up, um eine Grundlage für strategische
Entscheidungen sowie Klarheit über Chancen und Risiken im Marktumfeld zu erlangen. Als
Gründer:in ist es wichtig, die Dynamiken der Branche zu verstehen und dabei gezielte
Informationen über Marktgröße, Wachstumspotenzial und Wettbewerb zu sammeln, zu
bewerten und strategisch einsetzen zu können. Diese Einblicke helfen zudem, das Potenzial
des eigenen Vorhabens realistisch unter Marktbedingungen einzuschätzen und zielgerichtet
zu planen. Markt- und Branchenanalyse dienen überdies nicht nur der
Wettbewerbsbeobachtung, sondern helfen zu analysieren, was im Markt bereits funktioniert
und wo potenzielle Lücken bestehen, die das eigene Unternehmen füllen könnte.
Ein Fallbeispiel
Die Gründenden von InnoLab AI, einer Ausgründung aus der Universität Duisburg-Essen,
hatten die Vision, eine KI-gestützte Software zu entwickeln, die mittelständischen
Unternehmen hilft, ihren Energieverbrauch zu optimieren. Mit dem Ziel, Energiekosten zu
senken und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, begannen sie mit der Analyse ihrer Persona:
Max, ein Facility Manager eines Produktionsunternehmens aus dem Ruhrgebiet. Max hat den
Auftrag, die Energieeffizienz zu steigern und gleichzeitig die CO₂-Bilanz zu verbessern. Die
Gründer nutzten Daten des Statistischen Landesamts NRW und des Statistischen
Bundesamts, um die Anzahl mittelständischer Unternehmen in der Region zu ermitteln. Von
den rund 25.000 mittelständischen Unternehmen im Ruhrgebiet hatten etwa 35% explizite
Nachhaltigkeitsziele, was einer potenziellen Zielgruppe von 8.750 Unternehmen entspricht.
Um diese Zielgruppe weiter einzugrenzen, führten die Gründer Interviews mit Energieberatern
und potenziellen Kunden aus der Region durch. Dabei fanden sie heraus, dass etwa 20%
dieser Unternehmen bereits erste Schritte zur Energieoptimierung unternommen hatten,
jedoch keine fortschrittlichen digitalen Lösungen nutzten. Diese Analyse zeigte, dass rund
1.750 Unternehmen im Ruhrgebiet einen akuten Bedarf an ihrer KI-gestützten Software hatten.
Damit war ihr Serviceable Obtainable Market (SOM) klar definiert.
Während sie diese Zielgruppe genauer analysierten, stießen die Gründer auf wichtige Trends
in ihrer Branche. Berichte von Deloitte zeigten eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen
Energiemanagementlösungen, verstärkt durch strengere EU-Regulierungen. Diese
Entwicklungen zeigten den Gründern, dass ihre Software nicht nur auf lokaler Ebene, sondern
langfristig auch überregional relevant sein könnte.
Die Wettbewerbsanalyse zeigte, dass etablierte Anbieter auf Großkunden fokussiert waren,
während kleinere Anbieter keine KI-Lösungen boten. Die Gründer bewerteten mithilfe des
Five-Forces-Modells die Kund:innen- und Lieferant:innenmacht. Es wurde klar, dass
mittelständische Unternehmen oft preissensibel sind, aber gleichzeitig hohen Wert auf
innovative und benutzerfreundliche Lösungen legen. Diese Erkenntnis half den Gründern, ihre
Software so zu gestalten, dass sie sowohl preislich attraktiv als auch technologisch überlegen
war.
Die gesammelten Informationen flossen direkt in die strategischen Entscheidungen des Start-
ups ein. Die Gründenden entschieden sich, zunächst Pilotprojekte mit Unternehmen aus der
Region durchzuführen, um Feedback zu sammeln und Vertrauen aufzubauen. Gleichzeitig
arbeiteten sie eng mit Energieberatern zusammen, um ihre Zielgruppe gezielt anzusprechen.
Ihre Marketingstrategie hob die Transparenz der Software und die messbaren