Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2025 PDF Free Download

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Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2025 PDF free Download. Think more deeply and widely.

Oliver Linssen, Alexander Volland, Enes Yigitbas,
Martin Engstler, Martin Bertram, Eckhart Hanser,
Axel Kalenborn (Hrsg.)
Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2025
PVM 2025
Post-Agilität, Resilienz, Transformation
Gemeinsame Tagung der Fachgruppen
Projektmanagement (WI-PM) und
Vorgehensmodelle (WI-VM)
im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik
der Gesellschaft für Informatik e.V.
in Kooperation mit der Fachgruppe
IT-Projektmanagement der GPM e.V. und
dem PMI Germany Chapter e.V.
20. und 21. November 2025
in Hameln
Gesellschaft für Informatik e.V. (GI)
Lecture Notes in Informatics (LNI) - Proceedings
Series of the Gesellschaft für Informatik (GI)
Volume P-371
ISSN 2944-7682 (Online)
Volume Editors
Prof. Dr. Oliver Linssen, FOM Hochschule für Oekonomie und Management,
Bergische Universität Wuppertal (oliver.linssen@fom.de)
Alexander Volland, Union Investment Services & IT GmbH
(alexander.volland@union-investment.de)
Dr. Enes Yigitbas, Universität Paderborn (enes@mail.uni-paderborn.de)
Prof. Dr. Martin Engstler, Hochschule der Medien Stuttgart (engstler@hdm-stuttgart.de)
Dr. Martin Bertram, PMI Germany Chapter e. V. (martin.bertram@pmi-gc.de)
Prof. Dr. Eckhart Hanser, DHBW Lörrach (hanser@dhbw-loerrach.de)
Prof. Dr. Axel Kalenborn, Universität Trier (kalenbor@uni-trier.de)
Series Editorial Board
Andreas Oberweis, KIT Karlsruhe,
(Chairman, andreas.oberweis@kit.edu)
Torsten Brinda, Universität Duisburg-Essen, Germany
Dieter Fellner, Technische Universität Darmstadt, Germany
Ulrich Frank, Universität Duisburg-Essen, Germany
Barbara Hammer, Universität Bielefeld, Germany
Falk Schreiber, Universität Konstanz, Germany
Wolfgang Karl, KIT Karlsruhe, Germany
Michael Koch, Universität der Bundeswehr München, Germany
Heiko Roßnagel, Fraunhofer IAO Stuttgart, Germany
Kurt Schneider, Universität Hannover, Germany
Andreas Thor, HFT Leipzig, Germany
Ingo Timm, Universität Trier, Germany
Karin Vosseberg, Hochschule Bremerhaven, Germany
Maria Wimmer, Universität Koblenz-Landau, Germany
Dissertations
Rüdiger Reischuk, Universität Lübeck, Germany
Thematics
Agnes Koschmider, Universität Kiel, Germany
Seminars
Judith Michael, RWTH Aachen, Germany
Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025
This book is licensed under a Creative Commons BY-SA 4.0 licence.
Geleitwort
Liebe Teilnehmer:innen, geschätzte Forscher:innen, sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude, Sie zur diesjährigen Fachtagung „Projektmanagement und
Vorgehensmodelle“ an der Hochschule Weserbergland in Hameln willkommen zu heißen.
Unter dem Motto „Post-Agilität, Resilienz und Transformation“ beschäftigen wir uns in
diesem Jahr mit der Frage, wie sich Projektmanagement in einer Welt weiterentwickelt,
in der klassische Ansätze und agile Methoden längst keine Gegensätze mehr sind, sondern
Teil einer neuen, hybriden Realität.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Projekte unter Bedingungen zunehmendem
Veränderungsdruck, Unsicherheit und technologischem Wandel stattfinden. Resilienz
wird dabei zu einer Schlüsselkompetenz sowohl auf organisatorischer Ebene als auch
im Projektteam. Zugleich eröffnen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und hybride Ar-
beitsformen neue Möglichkeiten, Projektarbeit effizient, nachhaltig und menschen-
zentriert zu gestalten.
Genau hier setzt die PVM 2025 an: In Fachvorträgen wie „Leadership für AI-Agents
Wer führt die Künstliche Intelligenz?“ oder „Zwischen Agilität und Resilienz: Spannungs-
felder und das Potenzial post-agiler Ansätze in digitalen Plattformen“, in Kompaktbrie-
fings zu Themen wie „DevOps in 45 Minuten“ oder „Künstliche Intelligenz im Projekt-
management“ sowie in praxisnahen Berichten zu Transformationsprozessen werden aktu-
elle Herausforderungen und Lösungsansätze lebendig diskutiert. Damit bietet die Tagung
den idealen Rahmen, um theoretische Konzepte und praktische Erfahrungen miteinander
zu verknüpfen und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft des Projektmanagements zu
entwickeln.
Die Hochschule Weserbergland als Gastgeber dieser Tagung verbindet praxisnahe akade-
mische Ausbildung mit einer engen Vernetzung in die regionale Wirtschaft und Verwal-
tung. Mit ihrer Ausrichtung auf zukunftsorientierte duale und berufsbegleitende Studien-
gänge, Weiterbildungsangeboten für Unternehmen und angewandte Forschung bietet sie
ein hervorragendes Umfeld für den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft und
Praxis.
Hameln, bekannt durch seine historische Altstadt und eingebettet in die reizvolle Land-
schaft des Weserberglands, schafft darüber hinaus einen inspirierenden Rahmen für Be-
gegnungen und Austausch.
Mein besonderer Dank gilt den fachlichen Ausrichtern den Fachgruppen „WI-PM“ und
„WI-VM“ der Gesellschaft für Informatik, der Fachgruppe „IT-Projektmanagement“ der
Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) und dem PMI Germany Chapter
sowie dem Programmkomitee, den engagierten Organisator:innen und allen Mitwirken-
den, die diese Tagung möglich gemacht haben.
Ich wünsche Ihnen inspirierende Diskussionen, wertvolle Impulse für Ihre Arbeit und
viele neue Kontakte. Möge die PVM 2025 dazu beitragen, gemeinsam Wege zu gestalten,
wie Projektmanagement im Zeichen von Post-Agilität, Resilienz und Transformation er-
folgreich weitergedacht werden kann.
Mit herzlichen Grüßen
Prof. Dr. Peter Britz
Präsident
Hochschule Weserbergland
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
ist Agilität noch aktuell, oder sind wir schon in der 'Post-Agilität' angekommen? Kann
sich ein gutes Team überhaupt noch leisten, strikt einem vorgegebenen Vorgehensmodell
sei es agil oder traditionell zu folgen? Vielmehr scheinen Resilienz und Transformation
die entscheidenden Faktoren für Projekterfolg zu sein. Vor diesem Hintergrund stellt sich
die Frage, ob die einst sehr einfachen und von Pragmatik geprägten Werte und Prinzipien
der agilen Softwareentwicklung immer noch Relevanz haben oder einer Neuinterpretation
oder Neudefinition bedürfen? Und wie kann KI das Team dabei unterstützen, Komplexität
zu bewältigen, Resilienz zu stärken und Transformation aktiv zu gestalten?
Diesen drängenden Fragen wollen sich unsere beiden GI-Fachgruppen Projektmanage-
ment (WI-PM) und Vorgehensmodelle (WI-VM) in unserer diesjährigen gemeinsamen
Tagung „Projektmanagement und Vorgehensmodelle“ in Hameln stellen. Mit dem Leit-
thema ‚Post-Agilität, Resilienz, Transformation‘ setzt sich die PVM 2025 mit diesen The-
men aus Sicht von Wissenschaft und Praxis auseinander und diskutiert in den Tagungs-
beiträgen mögliche Lösungsansätze.
Die Fachtagung eröffnet die beiden Konferenztage mit einem eingeladenen Key-Note-
Vortrag. Das Hauptprogramm umfasst 15 ausgewählte Beiträge aus Praxis und Wissen-
schaft, die einen wissenschaftlichen Review-Prozess durchlaufen haben (Annahmequote
47%) und in diesem Tagungsband veröffentlicht werden. Wir möchten uns an dieser Stelle
ausdrücklich bei den Mitgliedern des Programmkomitees bedanken, die durch ihre Begut-
achtung der eingereichten Beiträge einen objektiven Bewertungsprozess erst möglich ge-
macht haben.
Ergänzend dazu liefern drei ausgewählte Reports weitere Impulse aus der Praxis, die mit
dem Auditorium direkt diskutiert und vertieft werden können. Mit Workshops und Kom-
paktbriefings wird die Tagung um ein attraktives Schulungsprogramm ergänzt. Eine Ex-
kursion und das Konferenzdinner bieten reichlich Gelegenheit für den Austausch zwi-
schen den Teilnehmern und den Fachgruppen.
Unser besonderer Dank gilt der Gastgeberin der PVM 2025, der Hochschule Weserberg-
land in Hameln. Auch danken wir unseren Kooperationspartnern GPM Deutsche Gesell-
schaft für Projektmanagement e.V. (Fachgruppe IT-Projektmanagement) und dem PMI
Germany Chapter e.V. für die langjährige gute Zusammenarbeit. Wir bedanken uns an
dieser Stelle ebenso bei all denen, die an der Organisation und der Gestaltung dieser Ta-
gung beteiligt sind.
Wir hoffen, dass der vorliegende Tagungsband für Sie neue Erkenntnisse, authentische
Erfahrungen und Anregungen enthält. Wir würden uns freuen, die eine oder andere Fra-
gestellung auch in der GI-Fachgruppenarbeit zu vertiefen. Informationen zu Workshops,
Terminen und Kontakten finden Sie auf den Internetseiten der Fachgruppe Vorgehensmo-
delle WI-VM (https://fg-wi-vm.gi.de/) und der Fachgruppe Projektmanagement WI-PM
(https://fg-wi-pm.gi.de/).
Wir wünschen Ihnen allen eine anregende, erkenntnisreiche und unterhaltsame PVM 2025
in Hameln mit vielen spannenden Diskussionen rund um rund um neue Wege des Arbei-
tens in Projekten.
Lörrach, Frankfurt am Main im September 2025
Eckhart Hanser, Sprecher der GI-Fachgruppe Vorgehensmodelle
Alexander Volland, Sprecher der GI-Fachgruppe Projektmanagement
Programmkomitee
Vorsitz
Prof. Dr. Eckhart Hanser, Sprecher der
Fachgruppe Vorgehensmodelle
Dr. Enes Yigitbas, Stv. Sprecher der
Fachgruppe Vorgehensmodelle
Alexander Volland, Sprecher der Fach-
gruppe Projektmanagement
Prof. Dr. Axel Kalenborn, Stv. Sprecher
der Fachgruppe Projektmanagement
Mitglieder
Dr. Martin Bertram, PMI Germany
Chapter e. V.
Prof. Dr.-Ing. Hans Brandt-Pook, FH
Bielefeld
Prof. Dr. Martin Engstler, Hochschule
der Medien Stuttgart
David Faißt, IFS Consulting GmbH
Dr. Thomas Greb, Thomas Greb
Consulting
Dr. Marvin Grieger, Universität Pader-
born
Prof. Dr. Eckhart Hanser, DHBW
rrach
Prof. Dr. Timm Eichenberg, Hoch-
schule Wesbergerland
Prof. Dr. Andreas Helferich, Interna-
tional School of Management
Prof. Dr. Georg Herzwurm, Universität
Stuttgart
Silke Homann-Vorderbrück, Amt Ei-
derstedt
Prof. Dr. Oliver Linssen, Stv. Sprecher
der Fachgruppe Vorgehensmodelle,
Sprecher der Fachgruppe IT-Projektma-
nagement der GPM
Prof. Dr. Martin Engstler, Hochschule
der Medien Stuttgart
David Faißt, IFS Consulting GmbH
Luca Randecker, Hochschule der Me-
dien Stuttgart
Prof. Dr. Axel Kalenborn, Universität
Trier
Gerrit Kerber, Gerrit Kerber Unterneh-
mensberatung
Ralf Kneuper, IU Internationale Hoch-
schule
Prof. Dr. Marco Kuhrmann, Hoch-
schule Reutlingen
Prof. Dr. Oliver Linssen, Universität Wup-
pertal
Prof. Dr. Joachim Sauer,
NORDAKADEMIE
Luca Randecker, Hochschule der Me-
dien Stuttgart
Alexander Volland, Union Investment
Services & IT GmbH
Prof. Dr. Helge Frank Wild, Wilhelm
Büchner Hochschule
Dr. Enes Yigitbas, Universität Pader-
born
Organisationskomitee
Alexander Volland, Sprecher der Fach-
gruppe Projektmanagement
Prof. Dr. Axel Kalenborn, Stv. Sprecher
der Fachgruppe Projektmanagement
Prof. Dr. Eckhart Hanser, Sprecher der
Fachgruppe Vorgehensmodelle
Dr. Enes Yigitbas, Stv. Sprecher der
Fachgruppe Vorgehensmodelle
Prof. Dr. Oliver Linssen, Stv. Sprecher
der Fachgruppe Vorgehensmodelle,
Sprecher der Fachgruppe IT-Projektma-
nagement der GPM
Dr. Martin Bertram, Vorstand PMI Ger-
many Chapter e.V.
Prof. Dr. Martin Engster, Hochschule
der Medien Stuttgart
Martin Bertram, PMI Germany Chapter
Timm Eichenberg, Hochschule Weser-
bergland
David Faißt, IFS Consulting GmbH
Michael Städler, Hochschule Weser-
bergland
Gastgeber
Hochschule Weserbergland
Sponsoren
liquidmoon GmbH
Kooperationspartner
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanage-
ment e.V., Fachgruppe IT-Projektmanagement
Project Management Institute (PMI)
Germany Chapter e. V.
Inhaltsverzeichnis
Teil I Beiträge im Hauptprogramm
Larissa Koch de Souza, Luca Randecker und Martin Engstler
Wege zur Post-Agilität Eine Analyse der letzten zehn Jahre PVM-Fachtagung ........ 17
Larissa Koch de Souza und Martin Engstler
Zwischen Agilität und Resilienz: Spannungsfelder und das Potenzial post-agiler
Ansätze in digitalen Plattformen ................................................................................... 45
Marco Kuhrmann, Philipp Straub, Julio Guzman und Jil Klünder
Towards a Hybrid Process for Integrating Systems, Software, and Games
Engineering ................................................................................................................... 59
Ninja Leikert-Boehm, Katja Kurz, Michèle Trebo und Philipp Matter
Fit for Agility? Exploring Person-Job Fit in SAFe Teams ............................................ 71
Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU: Eine qualitative Untersuchung
in der Maschinen- und Anlagenbau-Branche................................................................ 83
Kokulan Thanabalan und Axel Kalenborn
Von Anfang an mit KI: Lösungsskizzen mit intelligenten Komponenten gestalten ...... 101
Jan Wehinger
Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns? ................................................... 113
Teil II – Beiträge der Session „Future Track“
Sarah Brandt, Sven Theobald, Pascal Guckenbiehl und Alexander Krieg
Post Agility A Review and Outlook .......................................................................... 131
Rebecca Fischer und Karoline Busse
Resilient Governance: Securing Public Services by Implementing Business Continuity
Management Systems in German Municipal Administrations .................................... 143
Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
Zwischen Stabilität und Anpassungsfähigkeit ‒ Entwicklung und Anwendung eines
Reifegradmodells für Lean-Adaptive Project Portfoliomanagement .......................... 161
Jil Klünder, Jakob Droste, Florian Heintz, Marion Wiese und Marco Kuhrmann
How to Mitigate Technical Debt in Startups: Extending the Entrepreneurial Software
Engineering Model ...................................................................................................... 181
Jessica Nagel
Digitale Kompetenz im Projektmanagement: Ein Kompetenzstrukturmodell für das
digital strukturierte Projektmanagement ................................................................... 193
Kendra Pöhlmann und Julia Hodapp
Transformational Skills für die digitale und nachhaltige Transformation: Innere
Entwicklung als Schlüssel zur Veränderung von (Projektmanagement-) Kultur ........ 199
Bernhard Schloß
Die Table of PM Elements als Wegweiser im post-agilen Projektalltag ..................... 209
Sven Theobald und Christopher Rottmann
Challenges of Integrating Agile Development and Analytical Quality Assurance ...... 215
Teil III – Praxisbeiträge
Sercan Cevik
Agil, um jeden Preis? .................................................................................................. 227
Thorsten Nottebaum
Agil gescheitert? Warum agile Transformationen ins Sto-cken geraten und wie
Projekte trotzdem gelingen ......................................................................................... 229
Klaus Schopka
Programmmanagement zur Steuerung strategischer Transformationen .................... 231
Jens Zimmermann und Christian Zender
Zwischen Theorie und Praxis: Agilität im Alltag der Atruvia .................................... 233
Teil I
Beiträge im Hauptprogramm
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 17
Wege zur Post-Agilität: Eine Analyse der letzten zehn Jahre
PVM-Fachtagung
Larissa Koch de Souza1, Luca Randecker2 und Martin Engstler3
Abstract: Das Verständnis von Agilität hat sich in den letzten Jahren zunehmend von einem festen
Methodenset hin zu einem flexiblen, kontextsensitiven Leitfaden gewandelt. Dieses Paper
untersucht auf Basis einer systematischen Auswertung der Beiträge der Fachtagungsreihe
„Projektmanagement und Vorgehensmodelle“ (PVM) aus Jahren 2014-2024, inwiefern sich ein
post-agiles Verständnis etabliert hat. Die Ergebnisse zeigen einen Wandel agiler Praktiken entlang
methodischer, kultureller und regulatorischer Merkmale. Die Analyse macht deutlich, dass post-
agile Ansätze keine Ablehnung vom agilen Grundgedanken darstellen, sondern eine strategische
sowie eine operative Weiterentwicklung abbilden. Die Ergebnisse liefern somit einen theoretisch
fundierten Beitrag zur Diskussion um die Zukunft agiler Organisations- und Projektpraktiken.
Darauf basierend schließt der Beitrag mit Impulsen für die Gestaltung post-agiler Ansätze ab.
Keywords: Agilität; Organisationsformen; Post-Agilität; Projektmanagement; PVM-Fachtagung;
Vorgehensmodelle
1 Einleitung
Agilität hat sich seit der Veröffentlichung des Agilen Manifests [Be01] als fester
Bestandteil und anerkanntes Konzept moderner Projektmanagementpraktiken etabliert.
Auch in der Forschung wurde im Rahmen wissenschaftlichen Fachtagungen, wie
beispielsweise der Fachtagungsreihe „Projektmanagement und Vorgehensmodelle“
(PVM) der Gesellschaft für Informatik e.V., das Verständnis von Agilität wiederholt und
intensiv vor dem Hintergrund jeweils aktueller empirischer Studien und Erfahrungs-
berichte aus der Praxis reflektiert. Doch immer häufiger werden aktuelle Diskurse
aufgeworfen, inwiefern diese ursprünglich innovative Organisations- und Planungsform
zunehmend an seine Grenzen stößt und eine agile Ermüdung herrscht („agile fatigue
[Co09]). In der Praxis lassen sich zunehmend Modelle beobachten, die sich vom
ursprünglichen Agilitätsverständnis entfernen und eine Neuinterpretation wagen. So
erkennt [Ti18] eine Verbreitung hybrider Modelle, die klassische und agile Elemente
bewusst miteinander kombinieren. [KL14] bestätigen diese Dominanz von klassischen
oder hybriden Modellen im Verhältnis zu agilen Ansätzen und [Or19] wiederum rückt
anstelle der Agilität den Ansatz der Antifragilität in den Fokus.
1 Hochschule der Medien Stuttgart, Fakultät Information & Kommunikation, Nobelstr. 10, 70569 Stuttgart,
kochdesouza@hdm-stuttgart.de
2 Hochschule der Medien Stuttgart, Fakultät Information & Kommunikation, Nobelstr. 10, 70569 Stuttgart,
randecker@hdm-stuttgart.de
3 Hochschule der Medien Stuttgart, Fakultät Information & Kommunikation, Nobelstr. 10, 70569 Stuttgart,
engstler@hdm-stuttgart.de
18 Larissa Koch de Souza et al.
Diese Entwicklungen werfen die grundlegende Frage auf, ob das Konzept der Agilität in
seiner ursprünglichen Form noch zeitgemäß ist oder ob eine Neuinterpretation und
Weiterentwicklung des emergent gewachsenen Agilitätsverständnisses und dessen
Umsetzung unter den veränderten Rahmenbedingungen notwendig ist [LKM15]. Einige
Publikationen greifen diese Perspektive bereits früh auf und fordern so beispielsweise eine
Weiterentwicklung des Ansatzes zu verstärkten hybriden Praktiken, erhöhter Team-
Autonomität und die breitere Berücksichtigung von zukunftsrelevanten Zielstellungen für
die agile Organisationsplanung [BPM11; LKM15]. Vor diesem Hintergrund bietet die
Idee der Post-Agilität einen analytischen Rahmen, der es erlaubt, die Entwicklung des
Agilitätsverständnisses zukunftsorientiert weiterzudenken. Die Vorsilbe „post“ verweist
in diesem Zusammenhang infolgedessen auch nicht auf eine vollständige Abkehr oder gar
ein Scheitern von Agilität, sondern auf die tiefliegende Transformation des Ansatzes
[Ho20].
2 Methodisches Vorgehen
Das vorliegende Paper nimmt sich den Fragen an, wie sich das Verständnis der Agilität
über die letzten Jahre entwickelt hat, ob sich daraus ein erkennbarer Stand der Post-
Agilität identifizieren lässt und wenn ja, wie dieser zu auch für die Zukunft der Agilität zu
deuten ist. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie hat sich Agilität entlang der letzten
Jahre in Richtung einer Post-Agilität weiterentwickelt und was sind zukunftsleitende
Entwicklungsrichtungen? Methodisch basiert die Untersuchung auf einer theoriegeleiteten
Literaturrecherche sowie der strukturierten Auswertung durch eine thematische
Taxonomie von relevanten Beiträge aus der deutschsprachigen Projektmanagement- und
Vorgehensmodellforschung. Als zentrale Datenbasis dient die wissenschaftliche
Fachtagungsreihe „Projektmanagement und Vorgehensmodelle“ (PVM) der Gesellschaft
für Informatik (GI), deren Beiträge aus den letzten 10 Jahren (von 2014 bis 2024)
analysiert werden. Ausgenommen werden dabei die Jahre 2020 bis 2021, innerhalb
welcher entlang der Covid-19-Pandemie keine PVM-Fachtagung im klassischen Sinne
inklusive vollständigem Tagungsband stattfand. Die PVM-Reihe fungiert dabei nicht nur
als Sammlung empirischer Erkenntnisse, sondern auch als Diskursraum, in dem sich
methodologische Trends, kulturelle Spannungsfelder und Innovationsdilemma im
Projektmanagement der letzten zehn Jahre im Bereich des Projektmanagements und der
Vorgehensmodelle nachzeichnen lassen.
Die Auswahl der Beiträge entlang der berücksichtigten Jahre erfolgt anhand der
inhaltlichen Relevanz der Beitragstitel zu den Themen Agilität, Vorgehensmodelle und
post-agile Impulse. Die Suchbegriffe, nach welchen gefiltert wurde für einen Einschluss,
lauteten: „Agil*“, „Hybrid*“, Vorgehensmodell“, sowie die beispielhaften Frameworks
von Agilität „Lean Management“ und „Scrum“. Beiträge mit mindestens einem der
thematischen Schlüsselbegriffe im Titel werden vollständig im Volltext analysiert und auf
ihre theoretische Fundierung, Praxisnähe und thematischen Ergebnisse geprüft. Es wurden
sowohl Volltext-Beiträge, als auch Future-Track-Impulsbeiträge berücksichtigt. Key-
Wege zur Post-Agilität 19
Notes und Präsentationen wurden ausgeschlossen. Insgesamt wurden somit 58 Beiträge in
die Analyse eingeschlossen.
Für den Datensatz der eingeschlossenen PVM-Beiträge der Thematik wurde eine
thematische Taxonomie zur Strukturierung der Ergebnisse ergänzt und anhand dessen
ausgewertet. Die Taxonomie ist Teil der textbasierten Analyse der Thematik und
klassifiziert die Publikationen und thematische Verschiebungen und Veränderungen
entlang der letzten zehn Jahre. Die folgenden thematischen Kategorien sind dabei gewählt
worden:
Das Agilitätsverständnis beschreibt, wie im Rahmen des betrachteten Beitrags
Agilität definiert und beleuchtet wird. Kernkonzepte welche erwähnt werden,
Chancen sowie erkannte Grenzen des Agilitätkonzepts werden hierbei
mitaufgenommen und bilden ab, in welchen Zusammenhängen Agilität entlang
der verschiedenen Jahre betrachtet wurde.
Post-Agile Impulse umfassen konkrete Kritikpunkte des aktuellen
Agilitätsverständnisses und bringen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der
Agilität in Richtung Post-Agilität auf. Dies beleuchtet somit im Rahmen der
Analyse den thematischen Fokusbereich im Kontext der Post-Agilität und wohin
sich das Begriffsverständnis entwickelt.
Die Agilitätsansicht stuft ein, ob die Autoren agil-positive, neutrale oder agil-
kritische Aussagen zum ursprünglichen Agilitätsverständnis und den jeweils
gelebten agilen Praktiken äußern. Als agil-positiv wird gewertet, wenn das
ursprüngliche Verständnis von Agilität weiterhin als relevant und nützlich
eingestuft wird. Aussagen werden als agil-kritisch berücksichtigt, sofern sie
erkannte Grenzen, emergent auftretende Herausforderungen und den Bedarf zur
Weiterentwicklung des aktuellen Agilitätsverständnisses beleuchten. Beiträge
können mehrere Aussagen der verschiedenen Bereiche tätigen, in diesem Fall
wird die Veröffentlichung sowohl positiv als auch kritisch eingestuft. Eine
neutrale Einstufung erfolgt dann, wenn die Aussagen zu Agilität weder eindeutig
positiv oder negativ sind oder Aussagen unzureichend präzisiert sind.
Für jede dieser Kategorien fand auf Basis der gesammelten Informationen aus den
Volltexten der Beiträge eine Einstufung statt. Die vollständige Einstufung und Bewertung
der ausgewählten Beiträge entlang der Kategorien ist der Tabelle im Anhang zu
entnehmen. Ergänzend wurden ebenfalls die Formalia (Autoren, Jahr, Thema des
Konferenzjahres sowie Titel des Beitrages) in der Tabelle eingefügt.
20 Larissa Koch de Souza et al.
3 Ergebnisse
3.1 Trendverlauf der (Post-)Agilität entlang der PVM-Beiträge
Entlang der Verteilung der berücksichtigten Beiträge zeichnet sich bereits schon vor der
inhaltlichen Analyse der Beiträge eine deutlich sinkende Tendenz der Relevanz von
Agilität als thematischer Fokus in den PVM-Tagungsbeiträgen ab (s. Abb. 1). Während es
zu Beginn der PVM-Fachtagungsreihe und insbesondere bis 2019 ein Hoch der Thematik
gab, verbleibt die Anzahl der passenden Beiträge seit der Covid-19 Pause auf einem
Niedrigstand wohlgleich sich die Anzahl der Beiträge eines Tagungsbandes auf einem
ähnlichen Niveau hält. Inwiefern dies bereits Andeutungen zur Verschiebung der Agilität
in Richtung Post-Agilität und einem nötigen Bedarf zum Überdenken des Projekt- und
Vorgehensmodells darlegt, wird in den weiteren thematischen Ergebnissen tiefergehend
analysiert. Es ist jedoch bereits festzuhalten, dass der Verlauf der Beiträge, welche Agilität
als eines ihrer Kernthemen im Titel betrachten, und der Beiträge, welche post-agile
Impulse im Sinne von Weiterentwicklungen des Agilitätskonzepts beinhalten, sehr
deckungsgleich ist. Es lässt sich folglich daraus schließen, dass nahezu alle Autoren,
welche Agilität in das Zentrum ihres Beitrages stellten, ebenfalls Ansätze zu möglichen
Weiterentwicklungen, Ergänzungen oder Änderungen der agilen Projekt- und
Vorgehensmodelle einbringen.
Abbildung 1: Post-Agilität und Agilitätstrendverlauf
Wege zur Post-Agilität 21
3.2 Agilitätsverständnis
Anschließend an die Verteilung der agil-thematischen Beiträge, wurde in einem nächsten
Schritt der Inhalt der verschiedenen Agilitätsverständnisse analysiert. Dabei konnte
festgestellt werden, dass die im Zeitverlauf genannten verschiedenen Kernmerkmale, die
das Bild agile Projekt- und Vorgehensmodelle geprägt haben, nicht durchgängig
konsistent und genannt wurden. Für eine Auswertung der relevantesten Merkmale eines
agilen Vorgehensmodells wurden ausschließlich Aspekte berücksichtigt, welche
mindestens in fünf verschiedenen Beiträgen genannt worden sind. Die Analyse zeigt, dass
sich über die unterschiedlichen Tagungsbände hinweg vier besonders häufig
wiederkehrende Positionen finden lassen: Erstens wird Agilität in den meisten Beiträgen
primär über konkrete Methoden und Frameworks wie z.B. Scrum, Kanban oder Lean
beschrieben (23 Nennungen: [Da14], [FSH14], [AE15], [Kn15], [Kr15], [Mü15], [Pe15],
[SRE15], [NMK16], [ÖD16], [WVM16], [Al17], [BJ17], [Di17], [Kl17], [Bä18], [KS18],
[SKN18], [HL19], [SB19], [VS23], [BMF24], [HS24]). Zweitens wird Agilität stark mit
einem kulturellen oder werteorientierten Mindset verknüpft (16 Nennungen: [FSH14],
[HK14], [DKZ15], [Kn15], [Kr15], [Kr16], [WH16], [WVM16], [BJ17], [Gr17], [Kü17],
[Bä18], [Ti18], [Bl19], [GT19], [Gu23]). Drittens wird Agilität regelmäßig im Kontext
von Führung, Management oder Governance betrachtet, das heißt in Bezug auf Steuerung
und organisatorische Einbettung (neun Nennungen: [Da14], [Mü15], [BJ17], [Bä18],
[CA18], [Fi18], [KTK18], [Kr19], [Gu23]). Zuletzt als viertes wird Agilität mit dem
Merkmal der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auf emergent auftretende
Anforderungen oder auch Herausforderungen gekennzeichnet (sieben Nennungen:
[AE15], [Kr15], [ÖD16], [Kr17], [CA18], [HS18], [Bl19]).
Abbildung 2: Trendverläufe der meistgenannten Merkmale zum Agilitätsverständnis
22 Larissa Koch de Souza et al.
Entlang dem Verständnis von Agilität auf Basis von methodischen Merkmalen und
Frameworks (#1) zeigt sich, dass Agilität weniger eine fest-formulierte
Methodensammlung beschreibt, sondern vielmehr als dynamischer Denk- und
Handlungsrahmen verstanden wird [Kn15]. Hierdurch offenbarten sich entlang der letzten
Jahre in der Umsetzung jedoch auch starke Defizite. [SH15] zeigen so zum Beispiel auf,
dass viele Entscheidungen über Funktionalitäten oft auf heuristischen und intuitiven
Einschätzungen basieren, welche nicht streng einem analytischen Ansatz folgten. Ähnlich
zeigen [WVM16] auf, dass Agilität oftmals nur mit einzelnen Praktiken oder Tools
verbunden wird (z. B. Stand-Up-Meetings oder Scrum-Boards), ohne eine reflektierte oder
tiefer verankerte Umsetzung agiler Prinzipien bzw. Werte zu berücksichtigen. Dieses
Problem liegt laut [HK14] sowie [KL14] auch in der vermeintlichen Flexibilität (#4) agiler
Ansätze, die zwar Anpassungen ermöglicht, in der Praxis jedoch häufig mit fehlender
Standardisierung und mangelnder Steuerung einhergeht. Insbesondere für große
Organisationen ist dieser Aspekt der methodisch-korrekten und vollständigen Umsetzung
von Agilität kaum umsetzbar [HK14]. Bezüglich dem Aspekt der Kultur (#2) wird Agilität
zudem primär als methodisches Hilfsmittel verstanden, ohne die dahinterliegende
Philosophie zu verinnerlichen und eine strukturelle Herangehensweise zu schaffen [Ti18].
Auffällig ist, dass dieses Problem der mangelnden kulturellen Verankerung insbesondere
2018 thematisiert wird, wohingegen das methodenbasierte Verständnis vor allem in den
früheren Jahren der PVM-Tagungsreihe ausschlaggebend war und die Nennungen dazu
seither stark abnahmen. Dies deutet auf eine gewisse Methodenmüdigkeit hin: Agilität
über die bereits ausgeschöpften Methoden zu definieren genügt somit nicht mehr. Ein
tragfähiges Agilitätsverständnis muss tiefer greifen und kulturell sowie organisatorisch
neu interpretiert werden. Insgesamt ist zudem festzustellen, dass die prägenden Merkmale
des Agilitätsverständnisses in den Beiträgen zu Beginn der PVM-Tagungsreihe deutlicher
präsenter waren als in den letzten PVM-Fachtagungen 2022-24. Das Verständnis von
Agilität streut sich zunehmend, sodass eine größere Vielfalt individueller Auffassungen
(<5 Nennungen) erkennbar wird.
Die Relation der Merkmale zueinander verdeutlicht Abb. 3: Während Methoden (#1) nach
wie vor das größte und zentrale Verständnismerkmal darstellen, werden Flexibilität (#4)
und Management (#3) als weniger häufig genannte, aber stark verbundene Aspekte
verstanden häufig abgeleitet oder unmittelbar verknüpft mit dem Methodeneinsatz.
Kulturelle Aspekte (#2) stehen demgegenüber in einer gewissen Eigenständigkeit, da sie
im Diskurs oft losgelöst von den methodisch-regulierten Abläufen betrachtet werden. Auf
Basis der letztjährigen Entwicklungen ist dies jedoch ein Bereich, welcher immer näher in
die Methoden einzugliedern ist und welcher sich folglich den anderen Bereichen nähern
muss. Das gesamte Abbild aller meistgenannten Merkmale unterstreicht, dass sich das
Agilitätsverständnis nicht auf eine rein technische oder organisatorische Ebene reduzieren
lässt, sondern stets zwischen methodischer Praxis, kulturellem Mindset und
organisationaler Rahmung ausbalanciert werden muss.
Wege zur Post-Agilität 23
3.3 Post-agile Impulse
Die Auswertung der Beiträge zeigt, dass sich im (post-)agilen Diskurs über die Jahre
hinweg mehrere wiederkehrende Änderungs- bzw. Erneuerungsimpulse herausgebildet
haben (s. Abb. 4). Besonders deutlich sticht dabei die Forderung nach einer stärkeren
Kontext- und Situationsanpassung (A) hervor (Tailoring, hybride Ansätze, Baukasten-
logiken). Dieses Cluster A) bildet über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg den
sichtbarsten Schwerpunkt mit insgesamt 20 Nennungen entlang der PVM-Beiträge und
erreicht insbesondere 2018 mit sieben Nennungen einen markanten Höchstwert ([FSH14],
[KL14], [KZ14], [DKZ15], [Kn15], [Pe15], [ÖD16], [Gr17], [Kr17], [Kü17], [CA18],
[Fi18], [Ga18], [Ne18], [KS18], [Pr18], [SKN18], [Bl19], [DS19], [SS22]). Als zweiter
zentraler Impuls tritt die Betonung von Menschen, Kompetenzen und Kultur (B) hervor.
Hier stehen die Integration von HR, Coaching-Rollen oder auch die Schaffung
psychologischer Sicherheit im Vordergrund, die sich in insgesamt 13 Veröffentlichungen
wiederfinden ([AE15], [DKZ15], [Kr15], [Mü15], [SRE15], [KS18], [KTK18], [SKN18],
[Ti18], [Kr19], [Gu23], [HS24]). Auffällig ist in Cluster (B) dabei eine frühe Spitze im
Jahr 2015 sowie ähnlich zu Cluster A ein weiteres starkes Aufgreifen in 2018, was auf
Phasen hinweist, in denen die kulturellen und personalorientierten Dimensionen besonders
betont wurden und wo deutliches Verbesserungspotential entlang des agilen Projekt- und
Vorgehensmodells gesehen wurde. Ein dritter durchgängig relevanter Themenkomplex
betrifft die Skalierung und Governance (C) agiler Ansätze, also die Übertragung agiler
Prinzipien auf gesamte Organisationen, Programme oder Portfolios sowie die Einbettung
entsprechender Steuerungsmechanismen ([Mü15], [Pe15], [CA18], [GT1], [Kr19],
[Gu23], [VS23]). Das Cluster (C) wurde entlang der Jahre regelmäßig als Thema
betrachtet, zeigt jedoch keine extremen Höchstwerte wie der erkannte Bedarf nach
Situationsanpassung zeigt. Es liegt der Schluss nahe, dass Skalierung und Governance ein
konstantes Thema sind, welches bei agilen Projekt- und Vorgehensmodellen diskutiert
wird, jedoch bislang keiner akuten Priorisierung bedarf. An vierter Stelle steht die
Abbildung 3: Merkmale vom Agilitätsverständnis im Verhältnis zueinander
24 Larissa Koch de Souza et al.
Integration agiler Praktiken mit etabliertem, klassischem Projektmanagement (Hybrides
Projektmanagement, D), die vor allem 2014 und 2015 eine Rolle spielte ([HK14], [Pe15],
[SH15], [Sc15], [SRE15], [CA18]). Gleichwertig folgen als fünfter und sechster Impuls
einerseits die Verbindung mit DevOps und technischen Automatisierungsansätzen (E)
([Kn15], [SH15], [SRE15], [HS18], [Gö23]), andererseits die stärkere Ausrichtung auf
Wertorientierung und Metriken (F) ([SH15], [Kr16], [We17], [HL19], [SB19]). Beide
Themen erscheinen ab 2015, bleiben in den Folgejahren aber insgesamt diskontinuierlich
präsent.
Neben diesen wiederkehrenden Schwerpunkten wurden in der Analyse auch weitere,
punktuell auftretende Impulse identifiziert,beispielsweise die Anbindung an Design
Thinking oder die Führung in verteilter Teamstrukturen. Diese wurden jedoch in der
weiteren Analyse nicht weiter vertieft, da sie die gesetzten Schwelle von mindestens fünf
Nennungen nicht erreichten. Alles in allem wird deutlich, dass sich der post-agile Diskurs
nicht auf einen einzelnen Änderungsbedarf am Agilen Manifest [Be01] fokussiert, sondern
in Wellenbewegungen verschiedene Akzente setzt. Während die Kontext- und
Situationsanpassung (A) als stärkster Impuls erscheint, zeigt auch dieses Cluster innerhalb
der letzten Jahre seit der Covid-19 Pandemie ein deutliches Tief und weniger Bedeutung.
Auffällige Spitzen wiederum etwa in 2015 und 2018 deuten darauf hin, dass Diskurse
zu Post-Agilität oftmals in Reaktion auf konkrete methodische Debatten oder
Publikationsereignisse an Fahrt aufgenommen haben und sich dann entlang aller der
meistgenannten Impulse wiedergefunden haben.
Das in Abb. 5 dargestellte Verhältnis der post-agilen Impulscluster zueinander
verdeutlicht über den zeitlichen Verlauf hinweg nochmals die Gewichtung und
Abbildung 4: Trendverläufe der meistgenannten post-agilen Impulscluster
Wege zur Post-Agilität 25
wechselseitige Verknüpfung der Impulse. Am stärksten dominiert das Cluster der Kontext-
und Situationsanpassung (A), das nicht nur in seiner Häufigkeit, sondern auch in seiner
Funktion als Bezugspunkt für andere Impulse sichtbar wird. So erscheint etwa die
Integration hybrider Projektmanagementansätze (D) überwiegend als Ausprägung oder
Unterform dieser Anpassungslogik. Auch Skalierung & Governance (C) wie auch
Wertorientierung & Metriken (F) zeigen Überschneidungen, insofern sie jeweils Fragen
der organisationalen Einbettung und Steuerung aufwerfen. Im Vergleich dazu nehmen
Menschen, Kompetenzen und Kultur (B) eine eigenständige und zugleich zweitstärkste
Position ein, was die hohe, jedoch in den Beiträgen oftmals eigenständig aufgegriffene
Bedeutung sozialer und menschenorientierter Aspekte unterstreicht. Kleinere Cluster wie
DevOps & Automatisierung (E) ergänzen diesen Gesamtzusammenhang, ohne ihn in
seiner Struktur grundlegend zu verschieben und können so jedoch insbesondere bei
Skalierung & Governance (C) unterstützen und damit verbunden werden.
Abschließend ist festzuhalten, dass die Entwicklungen der Agilität der letzten Jahre hin zu
einer Post-Agilität ein mehrdimensionales Spektrum an Anpassungsbedarfen vorweisen,
welche teils bereits in der post-agilen Variante (methodische, inkrementelle Nutzung von
agilen Prinzipien) umgesetzt werden, und teils als ein Anforderungsbedarf an die
zukünftige Ausgestaltung einer neuinterpretierten Agilität gerichtet sind (z.B. verstärkte
kulturell-philosophische Umsetzung agiler Prinzipien). Es kann daher insgesamt ein
strategischer Paradigmenwechsel beobachtet werden. Unter Zuhilfenahme von
Kontextsensitivität, permanenter Reflexion organisationaler Routinen und einer
Verstetigung hybrider Ansätze [Ti18; SS22], können im Rahmen der Post-Agilität die
Elemente Flexibilität und Steuerbarkeit vereint werden und ein holistisches, strategisch-
versiertes Bild der agilen Projektmanagementmethoden kreieren.
Abbildung 5: Post-Agile Impulscluster im Verhältnis zueinander
26 Larissa Koch de Souza et al.
3.4 Wahrnehmung von agilen Projekt- und Vorgehensmodellen
Ergänzend zur inhaltlichen Analyse der Impulse wurde die Wahrnehmung von Agilität in
den betrachteten Beiträgen untersucht. Hierfür wurde erhoben, ob in den Texten positive,
kritische oder ausschließlich neutrale Argumentationen in Bezug auf Agilität nach
heutigem Verständnis aufgebracht wurden (s. Tabelle im Anhang). Wenn Beiträge sowohl
positive als auch kritische Argumente enthielten, wurden sie entsprechend beiden
Kategorien zugeordnet. Bei fehlender erkennbarer Positionierung erfolgte eine Einstufung
als neutral. Insgesamt zeigt sich, dass von den 58 berücksichtigten Beiträgen 43 positive,
31 kritische und 7 neutrale Argumentationen enthalten sind (s. Abb. 6). Es konnte entlang
der agilitätsfokussierten Beiträge der PVM-Tagungsbände 2014-2024 daher insgesamt
eine stärkere positive Perspektive und Argumentation zu agilen Projekt- und
Vorgehensmodellen erkannt werden. Die kritischen Einschätzungen kombinierten meist
wertschätzende Aussagen mit konstruktiven Entwicklungsimpulsen.
Spannend ist zudem der zeitliche Verlauf der Wahrnehmung, welcher noch einmal den
deutlichen Anstieg von agil-kritischen Stimmen insbesondere im Jahr 2018 offenlegt (s.
Abb. 7). Dennoch ist zu vermerken, dass entlang der letzten drei Jahre positive als auch
kritische Stimmen auf einen ähnlichen Nenner kommen. Nur wenige Beiträge nehmen
eine strikt neutrale Position ein. Es lässt sich festhalten, dass Agilität im untersuchten
Zeitraum zwar primär positiv konnotiert bleibt, jedoch zunehmend auch konstruktiv-
kritisch diskutiert wurde. Gerade diese Gleichzeitigkeit von positiver als auch kritischer
Wahrnehmung zeugt von Anerkennung und nicht von einem vollständigen Verwerfen von
Abbildung 6: Gesamtverteilung der Agilitätswahrnehmung
Wege zur Post-Agilität 27
agilen Ansätzen. So bestätigt sich der Bedarf nach post-agilen Weiterentwicklungen
entsprechend der in Kapitel 3.3. herausgearbeiteten Impulse.
4 Diskussion
Die analysierten Beiträge der PVM-Tagungsreihe 2014-2024 zeigen ein vielschichtiges
und dynamisches Bild zum Projektmanagement- und Vorgehensmodelldiskurs. Die
wissenschaftlich-empirischen Erkenntnisse zu Agilität und dem Agilitätsverständis, die
Reflexion der gelebten Praxis agiler Projekt- und Vorgehensmodelle sowie die erkannte
Notwendigkeit der Weiterentwicklung des Agilitätsverständnisses und die bereits
genannten post-agilen Impulsen sind eine gute Basis auf dem Weg in die Post-Agilität.
Zusammenfassend kristallisierten sich in der Diskussion drei zentrale Änderungsimpulse
für die Post-Agilität heraus: die Notwendigkeit kontext- und situationsspezifischer
Anpassung, die stärkere Berücksichtigung von Mensch und Kultur sowie die Ausweitung
auf Skalierung und Governance. Schließlich konnte gezeigt werden, dass Agilität zwar
weiterhin überwiegend positiv konnotiert bleibt, die kritische Reflexion jedoch deutlich
zugenommen hat und heute eine zentrale Grundlage für post-agile Weiterentwicklungen
darstellt. Die Ergebnisse sind methodisch jedoch durch verschiedene Faktoren
eingeschränkt. Erstens beruht die Analyse auf einer eigens definierten Taxonomie, die
zwar auf Basis der Literatur und Beitragsinhalte entwickelt wurde, jedoch immer auch
eine interpretative Auswahl darstellt. Zweitens umfasst der Datensatz ausschließlich die
PVM-Tagungsreihe 2014-2024. Diese Fokussierung ist insofern plausibel, als die PVM
stark auf Entwicklungen im Bereich Projektmanagement und Vorgehensmodelle
ausgerichtet ist und damit einen relevanten und aktuellen wissenschaftlichen Diskursraum
bildet. Zugleich unterliegt sie jedoch eigenen Einflussfaktoren: So prägten die
thematischen Aufrufe für Beitragseinreichungen einzelner Jahrgänge (z. B. 2015/2016 zu
Abbildung 7: Agilitätswahrnehmung (positive und kritische
Argumentationen) der PVM-Beiträge 2014-2024
28 Larissa Koch de Souza et al.
hybriden Projektansätzen) den Diskurs stark, was zur Häufung bestimmter
Argumentationen in bestimmten Jahren führte. Hinzu kommt der GI-Kontext der PVM-
Tagungsreihe, wodurch informatiknahe Perspektiven tendenziell stärker einfließen.
Darüber hinaus wurden im Rahmen der Analyse weitere, insbesondere für die Zukunft
relevante, Aspekte einer post-agilen Entwicklung festgestellt, welche entlang der Analyse
der letzten zehn Jahre so jedoch noch nicht in ausschlaggebender Relevanz auftraten. Zwar
wurden in einzelnen Beiträgen Impulse zu neuen Arbeitsformen (Remote-/verteilte
Teams), zum Einsatz von Technologien wie Künstlicher Intelligenz oder zu
Nachhaltigkeit und regulatorischen Verschiebungen aufgegriffen, sie konnten im
Betrachtungszeitraum 2014-2024 noch nicht als Treiber neuer Entwicklungslinien in den
Beiträgen identifiziert werden. Gerade diese Themen scheinen aber für zukünftige post-
agile Diskussionen zentral: Technologienutzung ist dabei nicht nur Arbeitsmittel, sondern
potenzieller Befähiger neuer Ausprägungen von Agilität und ermöglicht so beispielsweise
im aktuellen Umschwung zu verteilten Teams neue Möglichkeiten Agilität trotz
physischer Distanz umzusetzen und zu leben [RE24]. Hinzu kommt der Umgang mit KI
in der Projektarbeit, die sich von einer Rolle als Arbeitsmittel hin zu einem virtuellen
Arbeitspartner entwickelt hat und damit neue Kooperationsmuster in der Zusammenarbeit
von Mensch und Technik etabliert. Nachhaltigkeit und Regulierung wiederum können als
externe Rahmenbedingungen wirken, die Agilität neu herausfordern und gestalten [Ko23].
Vermehrt rücken solche Themen in den Vordergrund und teilen sich die Gemeinsamkeit,
dass hochgradig formalisierte und nachvollziehbare Prozesse gefordert werden [Gr23;
REH23], jedoch aufgrund fehlender Prüfbarkeit nicht ausreichend erfüllt werden können.
Diese Dimension der regulatorischen Dynamiken und Anforderung wird somit ebenfalls
im Sinne einer post-agilen Betrachtung vermehrt im Vordergrund stehen. Denn oftmals
stehen diese, auf Nachvollziehbarkeit und Stabilität zielenden Anforderungen, in einem
Widerspruch zu den iterativen und flexiblen Herangehensweisen der Agilität [Gr23].
5 Fazit
Insgesamt wird deutlich, dass sich das Verständnis von Agilität in den zehn Jahren PVM-
Tagung (2014-2024) zunehmend von starren Methoden hin zu einem flexiblen Denk- und
Handlungsrahmen verschoben hat, der neue Rahmenbedingungen miteinander vereinen
muss. Dabei veranschaulichen die Ergebnisse, dass die positive Wahrnehmung des agilen
Projekt- und Vorgehensmodells weiterhin und kontinuierlich leicht überwiegt, die
kritische Perspektive jedoch in nahezu gleichem Maße in den betrachteten Beiträgen
präsent ist, diese aber stets konstrukutiv mit Entwicklungsimpulsen verbunden wird. Die
zu Beginn bereits vermutete agile-fatigue spiegelte sich in den Ergebnissen wieder und
kritisierte insbesondere das Agilitätsverständnis mittels starrer Methoden und
Frameworks. Die Ergebnisse dieser inhaltlichen Analyse der PVM-Tagungsbeiträge
verdeutlicht so unter Nennung spezifischer post-agiler Impulse, dass methodische,
kulturelle sowie neue, regulatorische Herausforderungen eine Weiterentwicklung hin zu
post-agilen Ansätzen erforderlich machen und in Teilen bereits innerhalb der letzten Jahre
eingeleitet wurden. Post-Agilität wird somit auch im Rahmen der PVM nicht als eine
Wege zur Post-Agilität 29
Ablehnung der ursprünglichen agilen Prinzipien interpretiert, sondern versteht sich als
kontextsensitive Transformation von Agilität unter Berücksichtigung der neu erkannten
Anforderungen. Zukünftig bieten vor allem hybride und reflektierte Modelle ein hohes
Potenzial Agilität strategisch, ganzheitlich und nachhaltig weiterzudenken. Es sollten
jedoch im Rahmen einer Neuinterpretation des Ansatzes weitere Ergänzungen und
Hilfestellungen zur vollständigen Umsetzung von Agilität und dessen kultureller
Philosophie sowie Vereinbarkeit mit neuen Technologieentwicklungen sowie Governance
Anforderungen anvisiert werden. Offen bleibt nach dieser literaturbasierten Analyse, wie
ein belastbares, standardisiertes Rahmenwerk post-agiler Praktiken konkret ausgestaltet
werden kann. Die auf Basis der Analyse der PVM-Beiträge herausgearbeiteten Bedarfe
und Impulse liefern hierzu einen wertvollen Beitrag, sich auf die Post-Agilität
vorzubereiten und diese zu gestalten.
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34 Larissa Koch de Souza et al.
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36 Larissa Koch de Souza et al.
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Linssen, O.; Volland, A.; Yigitbas, E.; Engstler, M.; Bertram, M.; Hanser, E.;
Kalenborn, A.; Gesellschaft für Informatik (Hrsg.): Projektmanagement und
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[We17] Weßel, C.: Vom „Kam anders“ Agilität in konservativen Unternehmen entdecken. In
Volland, A.; Engstler, M.; Fazal-Baqaie, M.; Hanser, E.; Linssen, O.; Mikusz, M.
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Mikusz, M.; Volland, A. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2016:
Arbeiten in hybriden Projekten: Das Sowohl-als-auch von Stabilität und Dynamik. LNI-
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Wege zur Post-Agilität 37
[WVM16] Weinrich, T.; Volland, A.; Muntermann, J.: Herausforderungen bei der Einführung
agiler Vorgehensweisen. In Engstler, M.; Fazal-Baqaie, M.; Hanser, E.; Linssen, O.;
Mikusz, M.; Volland, A. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2016:
Arbeiten in hybriden Projekten: Das Sowohl-als-auch von Stabilität und Dynamik. LNI-
Band P-263, Gesellschaft für Informatik, S. 79–92, 2016.
Anhang
Auswertung der Literatur
Autoren Agilitätsverständnis Post-Agile Impulse
Agil positiv
oder
kritisch?
PVM 2014 Soziale Aspekte und Standardisierung
[Da14]
Scrum. Agilität „kleiner“
Organisationen auf große
anwenden
Lean-Prinzipien, Story
Owner ergänzend zu
Product Owner
Positiv und
kritisch
[FSH14]
Agile Prinzipien mit
Gegebenheiten in
Unternehmen vereinbaren,
inkrementelle
Methodenverbesserung
Modulares Konzept mit
Bausteinen für spezielle
Bedingungen
Positiv und
kritisch
[HK14]
Projektkultur als Lückenfüller
für nicht vorhandene
Standardisierung
Modernes PM sollte weder
rein klassische noch rein
agile Sicht einnehmen
Positiv
[KL14]
Agile Ansätze sind in der
Praxis verbreitet, jedoch nicht
so sehr wie vermutet
Wenig systematische
Auswahl und Tailoring des
gewählten Modells
Neutral
[KZ14]
Fokus auf inhaltlich und
soziale Aspekte bei neuer
Rollenprägung
Lean, Kombination
klassischer und agiler
Ansätze, Synthese aus RUP
und Scrum: AGSMagile,
dem Kunden Vorteile agiler
Arbeit aufzeigen, um
klassische Steuerungs-
instrumente zu vermeiden
Positiv
[Li14]
Komplexe, internationale IT-
Projekte können von hybrider
Projektmethodik profitieren
Einbindung externer
Unternehmen in agile
Methoden sowie
Entscheidungsfindung sind
herausfordernd, Moral
Hazard-Problematik
Positiv und
kritisch
[RW14]
Agile Softwareprojekte
benötigen spezielles
Eigene Plattform zur
Erstellung von
Positiv und
kritisch
38 Larissa Koch de Souza et al.
Management von
Anforderungen und
Spezifikation
Spezifikationen mit
individueller Berichts-
Generation je nach
Stakeholder: agileSpecs
PVM 2015 Hybride Projektstrukturen erfolgreich umsetzen
[AE15]
Hybride Vorgehensmodelle
als Kombination aus
klassischen und agilen
Methoden, agile Methoden
gelten als hochflexibel,
transparente Vorgehensweisen
Flexible Requirements
Engineering-Methoden statt
Fachkonzept oder
Wasserfallmodell mit
Iterationen, Quality Gates,
Fortschrittskontrolle
Positiv
[DKZ15]
Anzustrebende Symbiose
zwischen technischer und
kultureller Agilität
Technische Agilität nimmt
führende Rolle ein,
kulturelle Agilität ist
ebenfalls erforderlich, um
Entwicklungsvorgehen ggü.
Agilität anzupassen
Positiv
[He15]
Vorstellung von 53
Kennzahlen zur Auswahl
eines (agilen)
Vorgehensmodells
Bei Priorität von Zeit vs.
Umfang ist eine agile
Vorgehensweise zu
bevorzugen
Neutral
[Kn15]
Prototyping, Boehms
Spiralmodell, Rapid
Application Development,
XP, DSDM, FDD, Lean
Production. Agile Manifesto
Hybrides Vorgehen bspw.
über Kanban und DevOps Positiv
[Kr15]
Scrum als schnelles und
flexibles Rahmenwerk, Agile
Manifesto und Scrum Guide
Schrittweise Einführung
empfohlen, agiler Coach
zur Einführung
Positiv
[Mü15]
Critical Chain
Projektmanagement, agile
Methoden können keine
Lieferumfänge zusichern und
sind zu langsam
Multitasking führt zu
Mehraufwand, Puffer
identifizieren, um
Projektlaufzeit zu
verkürzen, Reliable/
Ultimate Scrum,
Skalierbarkeit noch
unzureichend, Eliminierung
von Sprints durch Aufteilen
von Stories in Tasks
Positiv und
kritisch
[Pe15] XP und Scrum
Hybrides
Projektmanagement ist am
besten skalierbar
Positiv und
kritisch
[Sc15]
Aufhebung der strikten
Trennung zwischen
Beyond-, Better- und
Advanced- Budgeting,
Positiv
Wege zur Post-Agilität 39
Planungsphase und
Umsetzungsphase zugunsten
ergebnisgetriebener, zeitlich
überschaubarer Sprints mit
schnell überprüfbaren
Ergebnissen
inhalts- und
ergebnisorientiertes
Controlling, Verringerung
der Detailtiefe in Planung,
Rollierende Forecasts,
nicht-monetäre Größen zur
Planung sowie Output-
orientierte Festlegung von
Zielen und Plänen
[SH15]
Priorisierung ist wenig
systematisch, adhoc und ohne
Berücksichtigung von
Nutzeffekten für Kunden
Verankerung von
Dreiteilung aus Problemen,
Lösungen und
Anforderungen, Continuous
Quality Function
Development als
inkrementelle
Matrixerstellung und
Maximum Value Table
Positiv und
kritisch
[SRE15]
V-Modell XT bietet Tailoring-
Möglichkeiten zur Integration
agiler Methoden, Grenzen
durch Vergaberecht mit
erschöpfender
Leistungsbeschreibung
Begrenzung auf funktionale
Leistungsbeschreibung
sowie dreistufiges
Vergabeverfahren zur
Reduktion des
Planungsaufwands und
Steigerung der
Planungsqualität
Positiv und
kritisch
PVM 2016 Arbeiten in hybriden Projekten
[Al16]
Agile Vorgehensmodellen wie
Scrum und Kanban
(kein post-agiler Impuls) Neutral
[Kr16] Agiles Manifest
Herausforderungen wie
Bewältigung von
Komplexität,
Flexibilisierung von
Prozessen und
Wertschöpfungsketten
Positiv und
kritisch
[Ku16]
Agilität ist v.a. in Ent-
wicklungsprojekten zu finden
(kein post-agiler Impuls) Positiv
[NMK16]
Scrum; Agilität vornehmlich
in Softwareentwicklungs-
projekten zu finden, nicht in
Produkt-Entwicklung
(kein post-agiler Impuls) Positiv
[ÖD16]
Agile Methoden wie Scrum
sind gegenüber klassischen
Hybride Modelle, Bedarf
zur Entwicklung einer
Positiv und
kritisch
40 Larissa Koch de Souza et al.
Methoden flexibler,
transparente Vorgehensweise
für noch nicht eindeutig
definierte Problemstellungen
ganzheitlichen Methode zur
flexiblen Vernetzung von
Geschäftsprozessen in
hybriden Produktent-
wicklungsprojekten, Petri-
Netze, Lean Management
[TZK16]
Vorhersehbare und
unvorhersehbare
Anforderungen in Bezug auf
Funktionalität oder den Inhalt
einer BI-Lösung effizient in
einem vorgegebenen
Zeitrahmen in angemessener
Qualität abzubilden
(kein post-agiler Impuls) Positiv
[WH16]
Agile Manifest, iterativer
Lernprozess, Build-Measure-
Learn
Minimum Viable Project
einführen
Positiv und
kritisch
[WVM16]
Agile Manifest, XP, lean
software development,
feature-driven development,
schnelle Veränderungen,
proaktiv oder reaktiv und aus
Veränderungen lernen
Verständnis für agile
Vorgehensmodelle
Positiv und
kritisch
PVM 2017 Die Spannung zwischen dem Prozess und Mensch im Projekt
[Al17]
Scrum XP, Feature Driven
Development
(kein post-agiler Impuls) Neutral
[BJ17]
Scrum, LeSS, kultureller
Wandel, Selbstorganisation,
kontinuierliches Lernen
Nicht top-down vorgeben,
Iteratives vorgehen statt
Reißbrett-Konzept,
permanenter Wandel
Positiv
[Di17] Scrum, modularer Rahmen
Ergänzung von Scrum++ ,
ScrumBan, Scrum+XP
Positiv
[Gr17]
Agilität als Mittel zur
Bewältigung von Komplexität
und zur Förderung von
Innovationskultur
Adaptive und hybride
Modelle Positiv
[Kl17]
Oftmals fälschlicherweise als
reine Scrum-Anwendung
verstanden
Kulturelle und menschliche
Aspekte statt
Methodenhörigkeit
Kritisch
[Kr17]
Flexible Reaktion auf
Komplexität
Hybride Vorgehensmodelle Positiv
[Kü17]
Agilität als kulturelles
Phänomen, being vs. doing
agile
Individuelle,
kontextabhängige
Transformation statt
Neutral
Wege zur Post-Agilität 41
Standardvorgaben
[We17]
Projektnatur liegt im hybriden
und konservative
Unternehmen tun sich schwer
mit Agilität
Wertschätzende Erkundung
bezüglich des Umfelds und
der Umsetzung von Agilität
für agile Ansätze bei nicht-
agilen Unternehmen
Neutral
PVM 2018 Der Einfluss der Digitalisierung auf Projektmanagementmethoden
und Entwicklungsprozesse
[Bä18]
Organisationskulturen und
agile Transformationen sind
individuell, weswegen es
erhöhte Involvierung von
aktiver, interner
Kommunikation bedarf zur
Unterstützung agiler
Praktiken, Mitarbeitende und
Führungskräfte müssen
Agilität unterstützen
Interne Kommunikation
muss agile Transformation
aktiv unterstützen,
Stakeholder kennen und
Mitarbeiter durch
interaktive Kanäle
einbinden
Positiv und
kritisch
[CA18]
IT-Projektportfolio bislang
mit Fokus auf klassischen
Vorgehensmodellen und im
Konflikt zur flexiblen Agilität
da keine Langfristigkeit der
Meilensteine
Durch kürzere
Planungszeiträume im
Portfoliomanagement
Kompromiss zur agilen
Planbarkeit und Ziel des
hybriden Portfolio-
managements,
kontextsensitiv anpassen
Positiv und
kritisch
[Fi18]
Agilität steht im Konflikt zu
organisatorischen und
regulatorischen Vorschriften,
zur Vereinigung müssen
Rollen ergänzt werden um
Schnittstelle von nicht-agilem
Umfeld und agilen Vorgaben
zu bilden (bspw. Personal oder
Fürsorgepflicht und Budget)
Agilität ist auch für
klassische Umfelder
anwendbar, jedoch unter
Berücksichtigung von
Anpassungen/Ergänzungen
Positiv
[Ga18]
Enterprise Architecture im
agilen Kontext ist anzupassen
und dezentral zwischen
Architekt und Team
aufzusetzen
Übertrag von Agilität auf
Enterprise Archtiecture
bedarf Anpassung des
Umfelds an die
Dezentralisierung
Positiv
[HS18]
Agilität zur Ermöglichung
flexibler Geschäftsprozesse
über Softwareentwicklung
hinaus
Übertrag agiler Praktiken
auf andere Bereiche (bspw.
über BizOps statt DevOps)
Positiv
42 Larissa Koch de Souza et al.
[Ne18]
Agile Modelle zu komplex für
KMU, teils hybride Formen
leichter umsetzbar
Vorschlag eines hybriden
Self-Service Frameworks
unter Berücksichtigung von
Projektkontext und
Situation
Kritisch
[KS18]
Hybride Methoden als
häufigste Form der
Vorgehensmodelle, primär
neue Vorteile dadurch jedoch
auch erwartete Nachteile
(bspw. Mehraufwand), teils
keine Kombination aus agil
mit klassisch möglich,
Skalierung aber nur durch
Kombination
Wahl der (hybriden) Form
muss abhängig gemacht
werden von Projekt, es
benötigt Erfahrung beider
einzeln Methoden sowie
transparente
Kommunikation durch
Führung bzgl.
Vorgehensweise
Positiv und
kritisch
[KTK18]
Agilität muss auf vollständiger
Organisationsebene umgesetzt
werden, dafür es benötigt ein
kooperatives, agiles Umfeld
Agilität nicht nur in
einzelnen (technischen)
Bereichen für Erfolg, agile
Kultur berücksichtigen
Positiv und
kritisch
[Pr18]
Agile Entwicklung ist zu
abhängig von Product Owner
statt Kunde für innovative IT,
was nur nützlich ist bei klarem
Projektziel und Lösungs-
implementierung aber nicht
wenn Lösung unklar ist
Kombination von Design
Thinking mit agilen
Praktiken, um Kunden- und
Menschenzentriert in
Projekten zu arbeiten
(bspw. exploratives Team-
Mindset stärken)
Kritisch
[SKN18]
Agilität besonders für unklare
Aufgaben und sich ändernde
Anforderungen, für
Planbarkeit jedoch klassische
Methoden nötig, hybrid bietet
Möglichkeit zur Verbindung
beider positiven Effekte aber
ggf. mit Mehraufwand und
Methodeneinbußungen
Grenzen zwischen den
Methoden (klassisch, agil,
hybrid) verschwimmen und
es herrscht Unsicherheit in
Praxis, man sollte sich auf
eine Form festlegen, Kultur,
Teams und Führung müssen
verstärkt betrachtet werden
Positiv und
kritisch
[Ti18]
Unterscheidung von agilem
Mindset/Kultur und agilen
Prozessen, ggf. hybride
Mischform zielführender
Hierarchische, planbasierte
Führung versus
Selbstbestimmung und
Eigenverantwortung in
agilen Prozessen als
Spannungsfeld, welches
aufgelöst werden muss
Positiv und
kritisch
Wege zur Post-Agilität 43
PVM 2019 Neue Vorgehensmodelle in Projekten Führung, Kulturen und
Infrastrukturen im Wandel
[Bl19]
Agilität steht in Konflikt zu
Planbarkeit, Langfristigkeit
und strukturierter Umsetzung,
Flexibilität und Kultur sollen
beibehalten werden
Hybride Vorgehensmodelle
bieten Lösung, langfristige
Planbarkeit und agile
Umsetzung sind zu
kombiniert, Risiko von
Dogmatismus
Positiv und
kritisch
[DS19]
Agilität kann auf verschiedene
Weisen beeinträchtigt werden
(„nicht können“ und „nicht
dürfen“, selten „nicht
wollen“). Umsetzung
einzelner agiler Module
zielführender für Erfolg
Betrachtung von
inkrementellen
Methodenbausteine für eine
Zielagilität im Rahmen der
Umgebung und
Anforderungen
Kritisch
[GT19]
Agilität in der Software-
entwicklung, agile Kultur und
agiles Mindset sind auf andere
Bereiche übertragbar
Fokus auf Kultur anstelle
auf Prozessveränderung,
ansonsten Agilität nicht
gesichert skalierbar
Kritisch
[HL19]
Agilität wird zunehmend
skaliert (SAFe, etc.), SCRUM
als Ansatz nicht vollständig
Lean Management
(Reduzierung auf das was
für Kunde Wert darstellt)
als Kompromiss, wenn agil
nicht vollständig alles
abbildet und klassisch zu
schwergewichtig ist
Kritisch
[Kr19]
Agilität wird umgesetzt über
agiles Change Management
entlang mehrerer
Veränderungsebenen, klares
Ziel, Vision und Top-
Management sind nötig
Skalierung nötig als
Weiterentwicklung, mehr
Agilität in Führung und
Management und mehr
Bedarf nach agilem Change
Management
Kritisch
[SB19]
Anwendung agiler Methoden
(SCRUM) auch für
studentische Projekte
Übertrag der Methode auf
andere Bereiche, Fokus auf
agilen Werte und
Kollaboration
Positiv
44 Larissa Koch de Souza et al.
PVM 2022 Virtuelle Zusammenarbeit und verlorene Kulturen?
[Gi22]
Agilität im Remote Work
Umfeld vor allem über
digitale Kommunikationstools
ermöglicht, Team wird aber
eingeschränkt
Agilität im Rahmen von
Remote Work nicht
beeinträchtigt, aber
Interaktion und Team
Autonomie ist anzupassen
Positiv und
kritisch
[SS22]
Agilität nicht grundsätzlich
sondern je nach Umgebungs-
und Projektkontext auswählen
Einordnung in klassisches,
agiles und hybrides PM und
entsprechenden Fokus
Positiv und
kritisch
PVM 2023 Nachhaltige IT-Projekte
[Gö23]
DevOps-Ansatz nicht nur für
Softwareagilität sondern in
Bildung und HR mittels
instruktionellem Design
Bedarf & Möglichkeit des
Übertrag von DevOps auf
andere Bereiche als
Softwareentwicklung
Positiv
[Gu23]
Synergien zwischen agiler
Führung und Nachhaltig-
keitsdimensionen für Agilität
Bedarf nach agiler Führung
und Nachhaltigkeit für
skalierbare Agilität
Positiv und
kritisch
[VS23]
Agilität steigend relevant,
Skalierung nötig (bspw. Über
Echtzeit-Plausibilisierung oder
SAFe-Framework)
Skalierbarkeit von agilen
Netzwerken und Teams
erhöhen über toolgestütztes
PI-Planning
Positiv und
kritisch
PVM 2024 Neues Arbeiten in Projekten Teamarbeit neu interpretiert
[BMF24]
Agilität über Scrum umsetzen
im Rahmen von Remote Work
funktioniert nicht gut
Agilität und Remote Work
muss in besseren Einklang
gebracht werden
Kritisch
[VHH24]
Fokus auf Teambildung durch
Meta-Agil-Process und
Ableitung von Projekttypen
Fokus weg von festen
Vorgehensmodellen und
stärker auf Team-
zusammensetzung
Neutral
[HS24]
(Klassische) Agilität gewinnt
an Relevanz und wird über
agile Methoden eingeführt
Agilität über agile
Methoden einführen und
Kultur verstärkt leben
Positiv
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 45
Zwischen Agilität und Resilienz: Spannungsfelder und das
Potenzial post-agiler Ansätze in digitalen Plattformen
Larissa Koch de Souza1 und Martin Engstler2
Abstract: In einer von Unsicherheit geprägten Wirtschaftslandschaft stehen digitale Plattformorga-
nisationen vor der Herausforderung, sowohl agil als auch resilient zu agieren. Diese Arbeit analysiert
durch eine Systematische Literaturrecherche (SLR) das Spannungsfeld zwischen Agilität und Resi-
lienz und hinterfragt, ob Resilienz als ergänzendes Ziel agiler Ansätze verstanden werden kann oder
ob sich die Konzepte fundamental widersprechen. Die Ergebnisse zeigen, dass Agilität und Resili-
enz in einem komplexen Wechselverhältnis stehen, das eine bewusste und kontextsensitive Priori-
sierung erfordert. Eine strukturierte Balance wird als Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg
digitaler Plattformen gesehen und liefert theoretische Ansatzpunkte, um post-agile Organisations-
formen gezielt weiterzuentwickeln und deren praktische Anwendung systematisch zu gestalten.
Keywords: Resilienz; Agilität; Post-Agilität; Organisationsmethoden; Digitale Plattformen
1 Einleitung
Der heutige Wirtschaftsmarkt ist von hoher Dynamik geprägt und wird durch eine zuneh-
mend volatile, unsichere, komplexe und ambige (VUCA-)Welt angetrieben [ZLZ25]. Glo-
bale Krisen und tiefgreifende Transformationen stellen Organisationen kontinuierlich vor
wachsende Herausforderungen. Immer mehr sehen sich Unternehmen mit Unsicherheiten
und unerwarteten Ereignissen konfrontiert [BA23; RC20; He25], deren Implikationen für
Entscheider schwer einschätzbar sind. Anpassungsfähigkeit wird zur zentralen Überle-
bensfähigkeit und klassische, starre Projektstrukturen stoßen dabei an ihre Grenzen
[Ho20]. Agilität hat sich daher bereits seit Jahren als vielversprechender Ansatz etabliert,
um flexibel, schnell und effizient auf nicht vorhersehbare Veränderungen reagieren zu
können [BH09]. Gleichzeitig wächst angesichts anhaltender Unsicherheit das Bedürfnis
nach Stabilität [LN21]. Organisationale Resilienz rückt als Antwort in den Fokus
[ZLZ25]. Zwischen Agilität und Resilienz entsteht dabei jedoch ein potentielles Span-
nungsfeld. Die Frage, ob und wie Agilität und Resilienz miteinander wirken oder sich
widersprechen, bleibt unbeantwortet, da sie in der Forschung meist isoliert betrachtet wer-
den [Gö20; BA23; Iy25; MM21]. Besonders relevant erscheint dies im Kontext digitaler
Plattformen. Als zentrale Infrastrukturform der digitalen Transformation orchestrieren sie
Märkte, vernetzen Akteure und ermöglichen neue Wertschöpfungsformen [LLL23]. Da-
mit bergen sie ein hohes Potenzial für Agilität und zugleich einen erhöhten Bedarf an
Resilienz [Ra18]. Jedoch gibt es bislang nur begrenzt Forschung zur Rolle digitaler Platt-
formen als Resilienztreiber [He25; Yu22] und zur gezielten kundenzentrierten Agilität von
Plattformen [HNP21].
1 Hochschule der Medien Stuttgart, Fakultät Information & Kommunikation, Nobelstr. 10, 70569 Stuttgart,
kochdesouza@hdm-stuttgart.de
2 Hochschule der Medien Stuttgart, Fakultät Information & Kommunikation, Nobelstr. 10, 70569 Stuttgart,
engstler@hdm-stuttgart.de
46 Larissa Koch de Souza und Martin Engstler
Vor diesem Hintergrund untersucht das vorliegende Paper die Beziehung zwischen Agili-
tät und Resilienz im Kontext digitaler Plattformen. Im Zentrum steht die Frage, ob Resili-
enz ein komplementäres Ziel agiler Prinzipien darstellen kann, oder ob sie ausschließlich
eine eigenständige, möglicherweise konfliktäre Organisationsform verkörpert. Daraus
ergibt sich die Überlegung, ob eine Weiterentwicklung in Richtung der Post-Agilität hilf-
reich oder gar notwendig ist, um beide Ansätze konstruktiv zu verbinden. Ziel dieser Stu-
die ist es, durch eine Systemtische Literaturrecherche (SLR), zentrale Spannungen, Wi-
dersprüche und Synergien zwischen Agilität und Resilienz herauszuarbeiten und erste Ge-
staltungsempfehlungen für Plattformorganisationen abzuleiten.
2 Einordnung von resilient-agilen Ansätzen für digitale Plattformen
Digitale Plattformen prägen zunehmend Wertschöpfungsformen von Organisationen im
Rahmen der digitalen Transformation [OBE24]. Als Form der technischen und sozialen
Infrastruktur orchestrieren sie Interaktionen zwischen verschiedenen Akteuren und er-
möglichen exponentielle Skalierung durch Netzwerkeffekte [Fa23; LLL23]. Mittels
Schnittstellen zwischen Dienstleistungen, Ressourcen und Nutzern ermöglichen sie ge-
teilte Dienste und Datenintegration und schaffen so neue, oft disruptive Geschäftsmodelle
[OBE24; Fa23]. Zunehmend nutzen Unternehmen digitale Plattformen nicht nur zur Op-
timierung bestehender Prozesse, sondern auch zur radikalen Erneuerung ihrer Strukturen
und zur strategischen Neuausrichtung [Pr24]. Allerdings gelingt es nicht allen Unterneh-
men, die Potenziale digitaler Plattformen auch für mehr Anpassungsfähigkeit erfolgreich
zu erschließen [Ra18]. Für einen erhöhten Wettbewerbsvorteil muss folglich die Fähigkeit
gestärkt werden, sie strukturell agil und resilient zugleich zu gestalten.
Bezüglich Agilität, findet sich der Ursprung der „modernen Organisationsform“ [Wi20]
im Manifest für Agile Softwareentwicklung [Be01] sowie den Ansätzen zur Erreichung
von Agilität im Produktionsbereich [SZ99]. Schnell entwickelten sich die ursprünglichen
Prinzipien rund um Grundüberzeugungen wie Zusammenarbeit, Kundeninteraktion und
reaktive Veränderung und agile Werte weiter [Bo20; QMN23]. So steht Agilität heutzu-
tage weitgefasst für organisationale Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Geschwindig-
keit [Iy25; BA23]. Der Ansatz der Agilität wurde mit Methoden wie Scrum konkretisiert.
Scrum ist ein dominierendes Rahmenwerk, das auf kurzen Zyklen (Sprints), klaren Rollen
und kollaborativen Events basiert [Ci25; Sa24; Bo20]. Die Versprechen agiler Ansätze
haben dazu geführt, dass Agilität heutzutage als Schlüsselkompetenz und etablierte Alter-
native zu traditionellen Planungs- und Organisationsmethoden gilt [Wa22], insbesondere
entlang dynamischer Veränderungen der digitalen Transformation [OBE24]. Allerdings
greift Agilität allein zu kurz, wenn Organisationen wie digitale Plattformbetreiber mit
langfristigen Krisen konfrontiert sind. Das Konzept der Resilienz gewinnt an Bedeutung.
Resilienz beschreibt die Fähigkeit der Widerstandskraft, wodurch auch in turbulenten Ent-
wicklungen und Stresssituationen eine strategische Bereitschaft vorhanden ist [BSM25;
Wi20]. Organisationale Resilienz geht darüber hinaus und bezeichnet konkret die Fähig-
keit von Organisationen, robuste und transformative Maßnahmen zu erbringen, um zügig
auf plötzliche Störungen reagieren zu können und unerwarteten Schocks standzuhalten
[ZLZ25; Un20]. Resilienz wird als zentrale Fähigkeit wahrgenommen [QMN23] und als
relevant für Dienstleister [LLL23] und Plattformunternehmen [Pr24] eingestuft.
Zwischen Agilität und Stabilität 47
In Anbetracht dieser doppelten Anforderung an digitale Plattformen gewinnen integrie-
rende Konzepte an Bedeutung, die Agilität und Resilienz als komplementäre Zielgrößen
vereinen [Li25; Gö20; Un20]. Solche Überlegungen, sowie weitere Anpassungsbedarfe
an die dynamische VUCA-Welt, münden in der Idee einer sogenannten Post-Agilität. Die
Vorsilbe „post verweist dabei nicht auf eine Zeit nach der Agilität, sondern auf eine Wei-
terentwicklung, die das Agile überwindet und in eine reflektierte, neue Richtung transfor-
miert [Ho20]. Post-Agilität wird jedoch bislang selten in der Literatur als solche angespro-
chen: So diskutiert [Kn17] den Bedarf eines post-agilen Ansatzes, welcher agile Methoden
um stärkere Team-Autonomität und hybride Praktiken ergänzt. [BPM11] sowie [LKM15]
sehen ebenfalls Entwicklungsbedarf bei der Agilität und betonen vor allem eine ver-
schärfte Berücksichtigung integrativer, mehrseitiger Zielstellungen auf andere Bereiche
der Organisationsplanung. Ob und wie sich (Post-)Agilität in den letzten Jahren weiter-
entwickelt hat, welches Potenzial dies für die Verbindung von Agilität und Resilienz birgt
und wie sich das auf digitale Plattformen übertragen ließe, bleibt bislang unerforscht.
3 Methode
Für die Analyse der im vorherigen Kapitel dargestellten Forschungslücke wurde die Me-
thode der Systematischen Literaturrecherche (SLR) gewählt, um bestehendes Wissen zu
sowohl Resilienz als auch Agilität zu synthetisieren. Die Durchführung der SLR folgte
dabei der Leitlinie von [Ki07] und umfasste folgende neun Schritte:
Die SLR wurde eingeleitet, indem die zentrale Forschungsfrage definiert wurde: Inwie-
fern beeinflussen sich Resilienzförderung und die Umsetzung agiler Prinzipien in digitalen
Plattformen und lässt sich darin ein Wandel in Richtung post-agiler Organisationsformen
erkennen? Die zentralen Konzepte Agilität, Resilienz, Post-Agilität und digitale Plattfor-
men wurden anschließend per Begriffsdefinition eingeführt, um Konsistenz und Klarheit
während der gesamten SLR zu gewährleisten. Die Definitionen wurden im Kurzumriss in
Kapitel 2 eingeführt und im Verlauf der SLR weiter verfeinert, wobei die endgültigen
Interpretationen im Ergebnisabschnitt unter 4.1 dargestellt werden. Basierend auf den de-
finierten Konzepten und Begriffen wurden im dritten Schritt relevante Schlüsselwörter
formuliert. Diese Schlüsselbegriffe bilden die konzeptionelle Grundlage als Themenberei-
che und umfassen: (Post-)Agilität, Resilienz und digitale Plattformen. Die Suche innerhalb
der SLR wurde anschließend unter Verwendung von sechs verschiedenen Datenbanken
durchgeführt: ScienceDirect, SpringerLink, ResearchGate, die Datenbanken der Univer-
sitätsbibliothek Stuttgart und der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) sowie die Da-
tenbank der Deutschen Nationalbibliothek (DNB). Die Suchstrings wurden dann im Rah-
men der Suchstrategie aus den vordefinierten Schlüsselbegriffen abgeleitet und mithilfe
boolescher Operatoren in den Datenbanken eingegeben. Folgender Suchstring wurde ver-
wendet: (‘Post-Agil*’ UND ‘Digitale Plattformen’) ODER (‘Post-Agil*’ UND ‘Resi-
lien*’) ODER (‘Digitale Plattformen’ UND ‘Agil*’) ODER (‘Digitale Plattformen’ UND
‘Resilien*’) ODER (‘Agil*’ UND ‘Resilien*’) Oder (Post-Agil*’)
Bezüglich der Definition von Ein- und Ausschlusskriterien wurden folgende Einschluss-
kriterien definiert: Die Literatur fokussiert mindestens einen der drei Schlüsselbegriffe,
wurde nach dem Jahr 2017 veröffentlicht und ist in englischer oder deutscher Sprache
48 Larissa Koch de Souza und Martin Engstler
verfasst. Studien wurden zudem ausgeschlossen, wenn sie keine konzeptionelle oder me-
thodische Relevanz aufwiesen. Der Screening-Prozess erfolgte in mehreren Stufen von
Ein- und Ausschlussentscheidungen und wurde mittels einem PRISMA-Flussdiagramm
[Pa21] durchgeführt und dargestellt (siehe Abb. 1). Zunächst wurden alle identifizierten
Einträge überprüft, um nach den formalen Basiskriterien zu filtern. In der anschließenden
thematischen Auswahlphase wurden Titel und Schlagwörter hinsichtlich ihrer Relevanz
für die Beantwortung der Forschungsfrage beurteilt. Anschließend wurden die Abstracts
geprüft, für eine tiefere thematische Eingrenzung. Schließlich wurde die Volltextanalyse
durchgeführt, wonach 33 Publikationen zur Aufnahme in die SLR berücksichtigt wurden.
Abb. 1: Screening-Prozess der SLR als PRISMA-Flussdiagramm
Im achten Schritt wurden die 33 ausgewählten Publikationen einer strukturierten Daten-
erhebung unterzogen. Zur systematischen Einordnung der Erkenntnisse jeder Publikation
im Hinblick auf die Forschungsfrage wurde ein Codierungsansatz verwendet. Dafür wur-
den fünf übergeordnete thematische Kategorien definiert: (1) Digitale Plattformen, (2)
Resilienz, (3) Agilität, (4) Spannungsfeld Agilität/Resilienz und (5) Post-Agilität. Basie-
rend auf den Erkenntnissen und dem Ziel der Forschungsfrage, Resilienz und Agilität im
Rahmen einer Post-Agilen Betrachtung für digitale Plattformen anzuwenden, wurde eine
sechste Kategorie ergänzt: (6) Umsetzung resilienter Post-Agilität in digitalen Plattfor-
men. Diese sechs Kategorien dienten als analytische Säulen und wurden im abschließen-
den Schritt der Datenanalyse und Ergebnisse ausgearbeitet. Die strukturierte Kategori-
sierung ermöglichte eine differenzierte Synthese der Daten. Die Verteilung der Literatur
und den angesprochenen Kategorien ist dabei wie folgt: (1) 11 Studien, (2) 25 Studien, (3)
30 Studien, (4) 18 Studien, (5) 7 Studien und (6) 19 Studien. Die detaillierte Verteilung
der Literatur auf die Kategorien wird in Anhang 1 dargestellt.
4 Ergebnisse
4.1 Literaturverständnis der einzelnen Konzepte
Digitale Plattformen werden innerhalb der SLR als ein facettenreiches und dynamisches
Zwischen Agilität und Stabilität 49
Konzept dargestellt, das weit über eine rein technologische Infrastruktur hinausgeht. Zent-
rale Gemeinsamkeit der Definitionen entlang der SLR ist der Fokus auf Plattformen als
sozio-technische Systeme, die als Vermittlungs- und Interaktionsräume fungieren und den
Austausch von Ressourcen, Informationen und Dienstleistungen ermöglichen [LLL23;
Fa23]. Dieser mehrseitige Austausch wird auch als ein digitales Plattform-Ökosystem auf-
gefasst [He25; OBE24]. Die sogenannten Multi-Sided Platforms[He25; Pr24] haben
sich dabei als dominanter Plattformtyp etabliert: Sie verbinden mehrere Akteursgruppen
und ermöglichen durch Matchmaking-Mechanismen und datenbasierte Architekturen eine
effiziente Wertschöpfung [He25]. Auffällig ist, dass mehrere Autoren entlang der SLR
einerseits die Anpassungs- und Innovationskraft von Plattformen betonen, beispielsweise
durch Echtzeit-Datenanalyse und Transaktionen, KI-basierte Prognosen oder offene API-
und Wissensmanagement-Strukturen [OBE24; Ra18; Yu22; He25]. Sie ermöglichen zu-
dem flexible Kooperation, Wissensaustausch und dezentrale Entscheidungsfindung
[LLL23; Wa22]. Gleichzeitig wird aber auch auf ambivalente Effekte verwiesen, wie etwa
auf die Gefahr marktbeherrschender Strukturen und auf den hohen kompetitiven Druck im
Markt [Pr24; Yu22]. Ein Aspekt der häufig in der SLR betont wird, sind die digitalen
Plattformfähigkeiten („digital platform capabilities“), welche benötigt werden, um mit
Konnektivität und kollektiver Marktgestaltung erfolgreich zu sein [LLL23; ØBO24;
Wa22; Ra18]. Eine gute Ökosystem-Governance einer Plattform umfasst gemäß [Fa23]
dabei vor allem Transparenz, Rechenschaftspflicht und Risikomanagement.
Bezüglich des SLR-Verständnisses von Resilienz, zeigt sich, dass das Konzept als strate-
gisches und dynamisches Konstrukt wahrgenommen wird, das auf verschiedenen Ebenen
(individuell, operativ und strukturell) wirksam wird [Gr25; ØBO24]. Resilienz besteht so-
wohl aus Ressourcen wie Führung, Mitarbeitenden, finanziellen Mitteln und technologi-
scher Infrastruktur [LLL23; Ul24], als auch aus strukturellen Mechanismen wie Ver-
trauen, Kollaboration, Lern- und Entscheidungsfähigkeit [KS25; BA23]. Übergreifender
Konsens der SLR ist, dass Resilienz nicht als Fähigkeit zum Durchhalten konzipiert ist
[Ul24; Wi20], sondern eine aktive Kompetenz ist, um auf Unsicherheit zu reagieren, ro-
bust Stand zu halten und gestärkt aus Störungen hervorzugehen [Gr25; Gö20; RC20; Iy25;
BA23; BNG20; LLL23; Sa24; Yu22]. Es lässt sich festhalten, dass Resilienz zunehmend
als langfristige und integrierte Managementkompetenz verstanden wird, die sowohl prä-
ventive Strukturen (Readiness) als auch reaktive (Response) und transformative
(Recovery) Elemente umfasst [RC20; BSM25; He25]. Mögliche Ansätze zur Resilienz-
förderung sind Risikomanagement, Ökosystemkollaboration, (digitale) Innovation, flexib-
les Leadership und effektive Ressourcennutzung [MM21; RC20; LLL23; Pr24; Sa24;
Iy25; Yu22; Ul24]. [FR17] und [LLL23] verweisen zudem auf den Bedarf innerer Stabi-
lität von Projektorganisation, um Resilienz zu etablieren. Es benötigt zudem einen Fokus
auf die kognitiven Verhaltensstrategien von Organisationsakteuren [ZLZ25].
Abschließend wurde in der SLR das Konzept der Agilität betrachtet. Agilität wird dabei
aufgefasst als ein ursprünglicher produktions- und softwarebezogener Steuerungsansatz
[Iy25; Wi20; Sa24], der sich zu einem Leitbild des organisationalen Handelns entwickelt
hat, welches auf Flexibilität, Reaktionsschnelligkeit und kontinuierliches Lernen zielt
[Ra18; BSM25; Iy25; BA23]. Ein zentrales Muster über die SLR hinweg ist die Deutung
von Agilität als dynamische Fähigkeit, mit der Organisationen sich an Marktvenderun-
gen anpassen [KS25; OBE24; Gö20; Gr25; He25] ohne einen „vorgefertigten Plan“
[Wi20]. Es wird insbesondere in VUCA-Kontexten die strategische Relevanz betont
50 Larissa Koch de Souza und Martin Engstler
[Bo20; QMN23; HS22]. Zudem ist ein Konsens in aktueller Literatur erkennbar, dass Agi-
lität zwar durch Frameworks und feste Methoden unterstützend eingeführt oder manifes-
tiert werden kann [Sa24; BSM25], es letztlich aber tiefgreifende kulturelle und strukturelle
Veränderungen benötigt, etwa in Form dezentraler Entscheidungsstrukturen, iterativer
Prozesse und technologieoffener Systeme benötigt [Iy25; BNG20]. Dennoch wurde mehr-
fach das Scrum-Framework als populärste Herangehensweise zur Umsetzung von Agilität
aufgeführt [Ci25; Wa22; Bo20]. Auffällig ist, dass entlang der SLR-Literatur unterschied-
liche Fokusse bezüglich Agilität gesetzt werden. [Iy25] und [Sa24] betonen vor allem die
Rolle des agilen Leaderhips, wohingegen [KS25] und [Ul24] die Rolle der Lieferketten-
agilität betrachten und [OBE24] sowie [HNP21] richten sich auf die Kundenagilität aus.
Uneinigkeit herrscht zudem in der Frage, wie stark Agilität formalisiert werden darf, ohne
die adaptiven Potenziale zu behindern [Bo20; Ra18]. [RC20] eröffnen zudem die Frage,
in welchen Kontexten Agilität tatsächlich ökonomisch wirksam und nachhaltig ist.
4.2 Spannungsfeld Resilienz / Agilität
Die Autoren der analysierten Paper zeigen auf der einen Seite ein Verständnis von Agilität
und Resilienz als zwei unterschiedliche, aber unabhängige und koexistierende Fähig-
keiten. Während Resilienz primär mit der Fähigkeit einer Organisation verknüpft wird,
Störungen standzuhalten und auf Stabilität und Langlebigkeit ausgerichtet ist [Gö20;
BSM25], beschreibt Agilität die Fähigkeit, sich dynamisch, flexibel und schnell und auch
effizient an Veränderungen anzupassen, was insbesondere auf kurzfristige Effektivität
zielt [Gö20; He25]. Diese funktionale Trennung beider Konzepte ermöglicht eine vonei-
nander-unabhängige Existenz, da sie verschiedene unternehmerische Herausforderungen
und Zeitdimensionen adressieren [Gö20; KS25; Gr25; Un20]. Der Großteil der SLR-Au-
toren eröffnet jedoch darüber hinaus die Perspektive, dass Agilität und Resilienz nicht nur
koexistieren, sondern in einem dynamischen Zusammenspiel wechselseitig voneinander
profitieren und sich verstärken. Agilität kann nicht nur einen Beitrag zur Krisenbewäl-
tigung leisten, sondern ist ein struktureller Treiber organisationaler Resilienz [BA23;
BSM25; FR17; Sa24]. Beispielsweise sollen agile Strukturen helfen, Veränderungssignale
früher zu erkennen, rascher zu reagieren und dass Organisationen sich schneller erholen
[Un20; Fa23; HS22]. Im Sinne eines „resilient agility“-Ansatzes [Gö20] entsteht aus der
Kombination beider Fähigkeiten so eine übergeordnete Stärke, die nicht nur die Wider-
standsfähigkeit verbessert, sondern gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität
erhöht [Gr25; Iy25; BA23; MM21]. In konkreten Anwendungsfeldern wie der digitalen
Transformation [ZLZ25; Ul24], der Lieferkettensteuerung [KS25] oder dem Nachhaltig-
keitsmanagement [Gr25; Iy25; Li25] wurde diese Synergie besonders hervorgehoben.
Agilität fungiert folglich gemäß der untersuchten Literatur überwiegend als ein operatives
Fundament, auf dem Resilienz entstehen kann und umgekehrt stabilisiert Resilienz agile
Transformationen langfristig. Gleichzeitig betonen aber einzelne Quellen, wenngleich
deutlich weniger, explizit die konfliktären Spannungen und Widersprüche zwischen
Agilität und Resilienz, insbesondere bei einer zeitgleichen Aktivierung beider Fähigkei-
ten. Die Ursache liegt dabei vor allem in den eben dargestellten Grundannahmen und den
zeitlichen Orientierungslinien: Während Agilität häufig kurzfristig ausgerichtet ist zur
schnellen Reaktion und Anpassung, basiert Resilienz auf langfristiger Erholungs- und
Durchhaltefähigkeit [BSM25; Gö20]. Diese Unterschiede können zu Zielkonflikten füh-
Zwischen Agilität und Stabilität 51
ren, beispielsweise wenn unter Krisenbedingungen einerseits flexibel auf Kundenerwar-
tungen reagiert werden soll (agil), gleichzeitig jedoch Ressourcenbündelung stattfinden
muss, um langfristige Stabilität sicherzustellen (resilient) [Gö20]. Diese für Agilität erfor-
derliche minimale Ressourcenbindung und flexible Struktur wird innerhalb der SLR be-
sonders hervorgehoben als Konfliktpotenzial zur Resilienz [Ul24]. [Gö20] und [MM21]
beschreiben Agilität und Resilienz darüber hinaus gleich in mehreren Grundausrichtungen
als entgegengesetzt: reaktiv vs. proaktiv, außen- vs. innenorientiert und wertschöpfend vs.
wertkonservierend. [Bo20] argumentiert implizit gegen übermäßige Agilität, wenn sie zu
Ablenkung und Prozessunterbrechung führt und damit Resilienz behindert. Mehrere Au-
toren der SLR heben jedoch auch hervor, dass Agilität und Resilienz durch einen gezielten
Kompromissansatz gemeinsam vereinbar sein können. Die operative Agilität ermöglicht
kurzfristige Anpassung, muss jedoch durch strategische Vision ergänzt werden, um lang-
fristige Resilienz zu gewährleisten [BSM25; OBE24]. Ebenfalls darf die angestrebte Re-
aktionsschnelligkeit nicht auf Kosten von Robustheit gehen und Stabilität nicht zur Erstar-
rung führen [BSM25; Gö20]. Die Fähigkeit, situativ zwischen agilen (veränderungsnut-
zenden) und resilienten (veränderungsbewältigenden) Mechanismen zu wechseln, gilt als
Kernpunkt der Verzahnung beider Konzepte [Gö20; QMN23; Ho20]. Durch differenzierte
Ressourcenzuweisung, Kontextsensitivität und organisatorische Trennung von kurzfristi-
gen Reaktionsprozessen kann dies umgesetzt werden [Gr25; Gö20; Fa23]. Agilität könnte
somit trotz einzelner Widersprüche eine anpassungsfähige Resilienz fördern und Resilienz
sorgt dafür, dass agile Strategien dauerhaft tragfähig bleiben [Iy25; KS25; Ul24].
Insgesamt stuften somit entlang der SLR verschiedene Autoren das Spannungsverhältnis
zwischen Resilienz und Agilität unterschiedlich ein. Während die meisten Autoren das
verstärkende Verhältnis beider Konzepte sahen, sprachen sich auch einige für eine Ver-
einbarkeit beider Konzepte aus sei es aufgrund neutraler Unabhängigkeit oder mittels
einer geregelten Kompromissfindung. Der kleinste Teil der SLR-Autoren sprach einen
klaren Widerspruch beider Konzepte an. Die abschließende Verteilung der Einstufungen
durch die entsprechenden Autoren ist in Abbildung 2 ersichtlich.
Abb. 2: Verteilung der Einstufungen des Spannungsverhältnisses von Resilienz & Agilität
4.3 Post-Agilität
Als wichtige Perspektive in der Diskussion von Agilität nannten einzelne Autoren der SLR
52 Larissa Koch de Souza und Martin Engstler
die aktuelle Wahrnehmung und Weiterentwicklung von Agilität. Trotz der ursprünglichen
Rolle von Agilität als Gegenentwurf zu starren Managementmodellen und der zunehmen-
den Bekanntheit des Ansatzes [KS25] bleiben systemische Integration und Projekterfolge
oft aus [Or19; OBE24]. Agilität wird als Fähigkeit zur Bewältigung von Unsicherheit an-
erkannt [OBE24; Fa23], reicht allein aber oft nicht aus, um Disruptionen zu begegnen und
Resilienz anzusprechen [ØBO24]. Insgesamt wird schnell deutlich, dass die aktuelle Be-
wertung agiler Praktiken in der Literatur stark variiert. Während einige sie weiterhin als
strategisches Zukunftskonzept sehen [Fa23; OBE24], kritisieren andere sie als unreflek-
tierte Ideologie [Or19]. Es entstehen Zweifel an der Wirksamkeit in komplexen VUCA-
Umfeldern [Or19; KS25; Un20; Gö20] insbesondere bei dem aktuell steigenden Streben
nach Stabilität und Orientierung [Ho20]. Als Antwort wird die Idee post-agiler Ansätze
innerhalb der SLR aufgeworfen [Or19]. Post-Agilität soll dabei die Agilität nicht ersetzen,
sondern ehrlich reflektieren, weiterdenken und ergänzen um Themen wie Sinnorientie-
rung, Resilienz, Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit [Ho20]. Konzepte wie die zuvor er-
läuterte resilient-agile Herangehensweise betonen eine aktive Entfaltung unter Stress
[KS25; Or19; RC20; ØBO24]. Wiederkehrend ist auch der Ruf nach kulturellem Wandel,
inneren Kompetenzen und kollektivem Denken [HS22; BB20; Li25; Ho20; Sa24]. [Ho20]
sowie [Bo20] betonen im Rahmen dessen zudem das Thema der hrung als gemein-
schaftlichen, strategischen Prozess jenseits traditioneller Leitbilder. Zukunftsfähigkeit im
Sinne der Post-Agilität entsteht demnach nicht durch ein festes Verständnis eines agilen
Frameworks, sondern durch reflektierte Verknüpfung von Agilität mit Resilienz, Struktur
und Verantwortung wird bislang jedoch nur von einem Bruchteil der Literatur gefordert.
4.4 Umsetzung
Digitale Plattformen, die resilient-agile Post-Agilität ermöglichen sollen, müssen viel-
fältige, teils widersprüchliche Anforderungen erfüllen. Die SLR zeigt Konsens darüber,
dass Plattformen sowohl stabile Architekturen als auch agile, anpassungsfähige Ebenen
benötigen, um operative Flexibilität und Systemresilienz zu gewährleisten [BNG20;
Or19]. Dabei darf auch die soziale Perspektive und Kollaborationsförderung nicht verges-
sen werden [BNG20; Ci25]. Offenheit und flexible API-Integrationen fördern Anpas-
sungsfähigkeit an neue Partner, Kunden und Märkte [OBE24; HNP21], während digitale
Infrastrukturen Echtzeitdatenverarbeitung und kontinuierliche Verbesserung ermöglichen
[Ci25; He25; KS25]. Technische Ressourcen allein genügen jedoch nicht strategische
Lernprozesse und institutionelle Anpassungsfähigkeit sind erforderlich [LLL23; KS25].
Schlüssel zur Resilienz sind zudem eine effiziente Zusammenarbeit, Wissensgenerierung
und eine offene, proaktive Unternehmenskultur BO24; HS22; Sa24; QMN23]. Plattfor-
men benötigen dazu Funktionen wie Projektmanagementunterstützung, Code-Manage-
ment, Prototypen-Tests, Echtzeitkommunikation und Änderungsverfolgung [Ci25;
RC20]. Eine solide technische Basis ermöglicht so Entscheidungs-, Partner- und Kun-
denagilität [OBE24], die jedoch durch eine strategische Lernfähigkeit und klare Zieldefi-
nitionen und Aktionsplänen wirksam werden kann [Ra18; Yu22; BA23].
Innovation gilt grundsätzlich als zentraler Enabler entlang der SLR [KS25; ZLZ25]. Un-
ternehmen in innovativen Umfeldern reagieren robuster auf Störungen, wobei sowohl ra-
dikale als auch inkrementelle Innovation neue Geschäftsmodelle und Fähigkeiten fördern
[Pr24; Ra18]. Kollaborative Netzwerkstrategien und verteilte IT-Systeme erhöhen die be-
Zwischen Agilität und Stabilität 53
nötigte Transparenz und Anpassungsfähigkeit [RC20; Ci25; Gö20; He25; LLL23], wäh-
rend strategische IT-Investitionen und neue Technologien eine proaktive Risikominimie-
rung in Lieferketten ermöglichen [Ul24; He25; Ra18; KS25; Li25; LLL23; Sa24; Yu22;
ZLZ25; HS22]. Unternehmenskulturen mit bereichsübergreifender Zusammenarbeit und
langfristigem Vertrauensaufbau werden von mehreren Autoren gefordert [Sa24; KS25;
Ul24; Yu22]. Entlang dieser Zusammenarbeit benötigt es Wissensmanagement, organisa-
tionales Lernen und intelligente Vernetzung von Wissen und Akteuren [Pr24; Fa23;
QMN23; HS22; Gr25; HNP21]. [LLL23] und [Yu22] heben dabei auch nochmals gezielt
das Teilen von Informationen hervor. Insgesamt zeichnen sich also diese Enabler ab: In-
novation, digitaler Struktur und Technologiennutzung sowie Wissensmanagement und
Kollaboration. Die Umsetzung resilient-agiler Postagilität bei digitalen Plattformen kann
darüber hinaus aber auch durch Tools und Metriken unterstützt werden. Die Agility
Scale[SZ99] beispielsweise erfasst Reaktionsfähigkeit, Flexibilität und Geschwindig-
keit, die Resilience Scale[WFC13] wiederum misst Robustheit und Anpassung [BA23].
[BNG20] bleiben unspezifischer und stellen dafür die Anforderung, dass Metriken wie
Zeit, Kosten, Qualität und Umfang um die Dimensionen der Effizienz und Anpassungsfä-
higkeit ergänzt werden. Das Controlling sollte an diesen Kennzahlen ausgerichtet werden
[FR17]. Ökonomische Kennzahlen wie Umsatzwachstum und Gewinn je Aktie dienen vor
allem als Resilienzindikatoren [ZLZ25]. Innovationszentren, cross-funktionale Teams und
digitale Technologien wiederum können als Tools zur Förderung beider Ansätze aufge-
setzt werden [Iy25; KS25; LLL23; QMN23]. Für Umsetzungen von resilient-agiler Pla-
nung benötigt es jedoch Übersichten und kurzzyklische Bereitstellung von Daten [Wa22].
Die SLR-Ergebnisse zeigen abschließend auch mehrere Barrieren der Umsetzung in der
unternehmerischen Praxis. Beispielsweise erfordert Resilienz kontinuierliche Anpassung
über alle Ebenen, wird aber oft durch (menschliche) Widerstände, mangelnde Führung
und kulturelle Starrheit blockiert [Iy25]. Institutionelles Misstrauen, feste Hierarchien und
instabile Rahmenbedingungen behindern zudem effiziente Ressourcennutzung und kolla-
borativen Wandel [Gö20; Gr25]. Dabei betont [Bo20], dass insbesondere große Industrie-
unternehmen, Dienstleister und Behörden das hohe Maß an benötigter kommunikativer
Koordination kaum aufbringen können. Technologisch gesehen mindern IT-Fokusveren-
gung, IT-Unsicherheit, Governance-Defizite sowie Informationsverzerrungen die Umset-
zung von Agilität und Resilienz [LLL23]. Zudem erschweren veraltete Systeme und hohe
Kosten eine digitale Transformation [Ra18; Wa22; ZLZ25], was besonders relevant ist für
den vorliegenden Kontext der digitalen Plattformendynamiken. [QMN23] und [Sa24] be-
tonen zudem, dass das organisatorische Silodenken und mangelnder Wissensaustausch
Resilienz und Agilität stark behindern. Aber auch fehlende, eigenfokussierte Datenorien-
tierung untergräbt resilient-agile Transformationsprozesse [Fa23; Sa24]. Das organisatio-
nale Lernen als übergreifende Kompetenz eines Unternehmens wird zum Erfolgsfaktor.
5 Diskussion
Die Ergebnisse der SLR geben ein differenziertes Bild über die zentralen Konzepte der
digitalen Plattformen, Resilienz, Agilität, Post-Agilität sowie deren komplexes Zusam-
menspiel. In den einzelnen Definitionen zeigt sich, dass digitale Plattformen zwar häufig
aus technologischer und ökosystemischer Perspektive beschrieben werden, ihre Rolle in
54 Larissa Koch de Souza und Martin Engstler
Bezug auf Resilienz und Agilität jedoch bislang nur vereinzelt betrachtet wird. Das Resi-
lienzverständnis ist hingegen deutlich weiterentwickelt und weist einen breiten Konsens
in der SLR auf. Resilienz wird so überwiegend als dynamische Fähigkeit zur Bewältigung
von Unsicherheiten und Störungen verstanden. Agilität wurde letztlich von den meisten
Autoren (30 von 33) im Vergleich zu den anderen Schlüsselbegriffen thematisiert. Dabei
fällt jedoch aufgrund dessen ebenfalls auf, dass es stark unterschiedliche Einschätzungen
zur aktuellen Relevanz und Entwicklung agiler Methoden gibt. Während einige Autoren
klassische Frameworks wie Scrum und darin verankerter Organisationsregeln weiterhin
als zentral erachten, fordern andere strukturelle Weiterentwicklung in Richtung Dualität,
Kollaboration und Stabilität. Nur ein kleiner Teil der Literatur adressiert jedoch explizit
die Post-Agilität ein bereits bei der Literatursuche erkennbares Muster. Der Bedarf zur
Weiterentwicklung von Agilität wird erkannt, der ursprüngliche Ansatz wird aber nicht
abgewiesen. Bezüglich der Ausgangsfrage zum Spannungsverhältnis zwischen Resilienz
und Agilität zeigen sich teils komplementäre, teils gegensätzliche Darstellungen eine
deutliche Heterogenität mit doch starker Tendenz hin zur Vereinbarkeit beider Ansätze.
Insgesamt lässt sich auf Basis der gestreuten Verteilung der Spannungseinstufungen je-
doch ableiten, dass eine strukturierte Balance beider Fähigkeiten notwendig ist.
Unzureichend beantwortet bleibt jedoch die konkrete Operationalisierung der Idee einer
resilient-agilen Post-Agilität im digitalen Plattformkontext. Abschnitt 4.4 versucht dies
aufzugreifen, bleibt jedoch auf Basis der vorliegenden SLR vorwiegend theoriebezogen.
Eine vertiefte Analyse praktischer Umsetzungsformen erscheint daher als zentrales For-
schungspotenzial. Auch weitere Schnittbereiche wie Nachhaltigkeit wurden in der Litera-
tur nur vereinzelt adressiert, obwohl erste Hinweise auf eine Verbindung zu Resilienz und
Zukunftsfähigkeit vorliegen. Dies bildet ebenfalls Potential für zukünftige Forschungen.
Abschließend ist die methodische Herangehensweise der SLR für den Kontext kritisch zu
reflektieren. Die einschränkenden, expliziten Auswahlkriterien könnten relevante Bei-
träge und Aspekte ausgeschlossen haben, insbesondere zur Post-Agilität, die oft nur im-
plizit oder symptomatisch behandelt werden. Generalisierungen der Ergebnisse sollten da-
her mit Vorsicht und dennoch aufmerksam betrachtet werden. Resilienz und Agilität sind
im Plattformkontext eng verknüpft und müssen strategisch gemeinsam gedacht werden.
6 Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Resilienzförderung und agile Prinzipien in
einem komplexen Wechselverhältnis stehen, das sowohl verstärkt als auch gestört werden
kann. Agilität wirkt als Katalysator für resilientes Verhalten, wenn sie situativ und reflek-
tiert eingesetzt wird. Resilienz wiederum schafft das strukturelle und langfristig-orien-
tierte Fundament, auf dem agile Prinzipien nachhaltig zur Wirkung kommen können. Es
ist deutlich, dass die Zukunft somit weder in starren Prozessen noch in blinder Flexibilität
liegt. Es benötigt einen bewussten Umgang mit den Synergien, Widersprüchen und den
multiplen Zeitperspektiven beider Ansätze. Ein reflektierender Lernprozess auf mehreren
Ebenen digitaler Plattformen von der Individual- über die Teamreflexion bis zur struk-
turellen Gesamtsituation trägt zur Aufarbeitung des Erreichten und der Identifikation
von Weiterentwicklungsmöglichkeiten bei. Offen bleibt jedoch weiterhin, wie dieser An-
satz in Richtung post-agiler Transformation konkret operationalisiert und ausdefiniert
Zwischen Agilität und Stabilität 55
werden kann. Weitere Forschungspotenziale ergeben sich zudem insbesondere im Anwen-
dungskontext der digitalen Plattformen. Es bedarf vertiefender, praxisversierter Studien
zur Frage, in welchen organisatorischen und technologischen Kontexten die Kombination
aus Resilienz und Agilität nicht nur möglich, sondern wirksam wird. Die SLR liefert hier-
für erste Orientierungspunkte, die konkrete Ausgestaltung resilient-agiler Plattformen und
die Ausdefinition des Ansatzes der Post-Agilität bleibt jedoch eine Zukunftsaufgabe.
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8 Anhang
Anhang 1: Zuordnung der SLR-Literatur zu den thematischen Kategorien
Autoren
Dig. Platt-
formen
Resilienz Agilität
Span-
nungfeld
Umset-
zung
[BA23]
x
x
x
[BB20]
x
x
[BNG20]
x
x
x
[Bo20]
x
x
[BSM25]
x
x
x
[Ci25]
x
x
x
[Fa23]
x
x
x
[FR17]
x
x
[Gö20]
x
x
x
[Gr25]
x
x
x
[He25]
x
x
x
[HNP21]
x
x
x
[Ho20]
x
x
[HS22]
x
x
[Iy25]
x
x
[KS25]
x
x
[Li25]
x
x
[LLL23]
x
x
[MM21]
x
x
[OBE24]
x
x
x
BO24]
x
x
x
[Or19]
x
x
[Pr24]
x
x
[QMN23]
x
x
[Ra18]
x
x
x
[RC20]
x
[Sa24]
x
x
[Ul24]
x
x
[Un20]
x
x
[Wa22]
x
x
x
[Wi20]
x
x
[Yu22]
x
x
[ZLZ25]
x
x
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 59
Towards a Hybrid Process for Integrating Systems,
Software, and Games Engineering
Marco Kuhrmann1, Philipp Straub1, Julio C. Guzman2 und Jil Klünder3
Abstract: Developing dependable systems is a non-trivial endeavor and requires the implementation
of rigorous processes. Even though modern development techniques enter critical application
domains, still, applying agile methods in such systems’ development constitutes a challenge. At the
Herman Hollerith Center, we run the Rover Lab that supports research activities in the aerospace
domain and, at the same time, provides students with a modern learning environment. The
development of integrated hardware and software systems alongside with development of digital
twins requires a specific software process. In this paper, we present an initial version of such a hybrid
process and its initial evaluation in two instances of the Rover Lab. The evaluation showed the initial
version of the process suitable.
Keywords: Hybrid Development Method, Dependable Systems, Digital Twins, Education
1 Introduction
Agile software development has changed the way, modern software is developed [Ku22]
and, still, there is ongoing change, e.g., due to the emergence of ML and AI [Li20].
However, not in all fields in which software has become relevant, agile methods can be
employed. In domains like aerospace, automotive, or medical devices, standards and
norms put significant constraints on software and systems development, mostly for safety
regulations. Yet, not all parts of such systems fall under regulation and, therefore, hybrid
development methods [Te19] appear to be a good approach to adjust software processes
accordingly.
Context and Contribution In this paper, we present a hybrid development method in
which we combine key elements of systems, software, and games engineering. In the
Rover Lab, which is operated at the Herman Hollerith Center (HHC), we provide a
research and education environment. Students have the opportunity to put software that
1 Reutlingen University, Herman Hollerith Center, Danziger Str. 2, 71034 Böblingen, Germany,
kuhrmann@acm.org, https://orcid.org/0000-0001-6101-8931;
philipp.straub@reutlingen-university.de, https://orcid.org/0009-0003-3868-5789
2 Independent Researcher, (formerly) Reutlingen University, Alteburgstr. 150, 72762 Reutlingen, Germany,
julio.guzman@ucr.ac.cr, https://orcid.org/0009-0000-7732-6779
3 University of Applied Sciences | FHDW Hannover, Freundallee 15, 30173 Hannover, Germany,
jil.kluender@fhdw.de, https://orcid.org/0000-0001-7674-2930
60 Marco Kuhrmann et al.
Outline The rest of the paper is organized as follows: Section 2 provides an overview of
related work, before Section 3 illustrates the research design, which was used to devise
and evaluate the initial version of the process. The process is presented and evaluated in
Section 4. Section 5 concludes the paper.
2 Related Work
In this paper, we provide a hybrid development method that aims to support students in
running their projects in the Rover Lab. Hence, this paper finds its position in the
considerable body of knowledge on software and systems development in regulated
domains that require adherence to certain standards, e.g., ESA’s ECSS series [EC09], as
well as in the field of hybrid methods that aim to bring together those regulated process
and other, e.g., agile, methods [Te19]. However, in the specific setting, another part needs
to be included that is not a first class citizen when it comes to devising software processes:
Games Engineering. Using games as a teaching tool has become an established approach
[Ko16], notably for undergrads, this approach seems to provide notable advantages
[Bo16]. Games are used as a tool that students use to improve their learning, which is often
referred to as “gamification”, but games are also developed as part of the curriculum.
However, the way how games are actually developed is hard to grasp. There exist several
literature reviews, e.g., [OC14], yet, most of the studies conclude that there is some “sort
of agile method” employed for games’ development. In this paper, we therefore consider
games development, for now, as variation of agile software development, and thus use
agile methods together with a games development platform (Unity4).
3 Research Design
We present the steps of incrementally designing a hybrid development method that aims
to develop integrated HW/SW systems alongside with digital twins. For this, we adopt the
case study instrument according to Wohlin et al. [Wo24], which we aligned with the
analysis, conceptualization, and realization steps as defined in the ArSPI model [KHK25].
3.1 Objective and Research Questions
Our overall objective is to provide students with a rigorous, yet agile process to develop
dependable systems in the Rover Lab. To achieve this goal, the target process needs to
address several aspects: (i) it has to cover the HW and SW development parts, (ii) it needs
to provide means to integrate digital twins in the development and operation cycles, and
(iii) it needs to be aligned with actual “real world” processes. Since the use case is the
Rover Lab, i.e., the development of a small Mars rover, the relevant aerospace standards,
4 Unity Game Engine: https://unity.com, last accessed 2025-06-29
Towards a Hybrid Process for Integrating Systems, Software, and Games Engineering 61
e.g., ESA’s ECSS standards are the reference. Hence, we pose the following research
questions:
RQ1: What does a hybrid development method for the Rover Lab look like? The develop-
ment process needs to fulfill several requirements coming along with the target system’s
characteristics. The combination of rigorous processes for dependable systems and slim
agile methods for game development requires a careful selection and combination of
frameworks and practices. This research question aims to answer the question for a
suitable process.
RQ2: What kind of support do students expect from the Rover Lab’s process? The Rover
Lab is both, an educational tool as well as an experimental testbed for actual research.
Hence, the lab can be considered an innovative yet unstable environment. For this, this
research question aims to analyze (i) whether students reached their learning goals and (ii)
what kind of support do students expect the process to deliver.
3.2 Case Selection
The subject of study is the development process for the Rover Lab. This lab completed
two iterations of two semesters each. That is, we opted for the two classes of 2023 (n=7)
and 2024 (n=9) that completed a full turn each in the lab. Both groups shared the same
base requirements and the same introductory material (Section 4.1).
3.3 Data Collection and Analysis Procedures
Data Collection To collect data, one researcher inspected the process-relevant sources to
extract the initial version of the lab’s development process and aligned this process with
the development and mission operation process of NASA’s Mars rovers [Ch14; KSM15]
as reference model. Furthermore, the identified process steps have been aligned with the
relevant ESA standards, namely the ECSS-E-ST-40C [EC09]. This initial process was
discussed with the researchers involved in the lab’s operation. A consolidated version of
the process was presented to the participating students during a guided survey in which
they were presented the process and executed the survey afterwards. The researchers
stayed in the room in case students required a clarification of the questions. The survey
took approx. 15 minutes and consisted of a mixture of closed and open-ended questions
(Table 1).
From the class of 2023, six students that have completed the lab participated in the study.
Likewise, from the class of 2024, six students participated that reached the “feature freeze”
and had four more weeks to go in the lab. The surveys were conducted on May 14, 2025
and yielded in total n=12 interviews.
Data Analysis Since the collected data included quantitative as well as qualitative
informa-tion, the analysis procedures consisted of a mixture of analysis methods. The
quantitative answers were analyzed using simple descriptive statistics, while the open-
62 Marco Kuhrmann et al.
ended questions were analyzed in a qualitative text analysis. To ensure that the researchers
that actively participated in the Rover Lab do not evaluate themselves, another
independent researcher was called in to assure the quality of the evaluation. In particular,
one of the lab’s researchers prepared the data analysis and handed it over to the
independent researcher.
4 Initial Process
In this section, we set the scene by presenting the context of the process’ development in
Section 4.1, presenting the initial (extracted) process in Section 4.2, and the actual process
analysisthe case studyin Section 4.3.
Fig. 1: Overview of the tasks students have to work on in the Rover Lab
Tab. 1: Overview of the questionnaire used for the data collection for the process and lab evaluation
Question Data
Process Evaluation
1
The presented process adequately reflects the way of work in the rover lab. 4-item Likert
2
Please rate the intensity of conducting the various process phases:
(i) Requirements Analysis, (ii) System Design (overall system), (iii) Software
Design (overall system), (iv) Software Development (digital twin), (v)
Software Development (hardware-related), (vi) Integration (software parts),
(vii) Integration (overall system, incl. hardware assembly), (viii) Project
Management, (ix) Quality Assurance, and (x) Documentation of the project
and its contents
Numerical
3
Please briefly describe if and where did you deviate from the process. Free Text
4
Please evaluate the following statement: If we had this process right from
the beginning, conducting the project would have been easier.
5-item Likert
5
What extra support in the process would you have like to have? Free Text
Lab Evaluation
6
Please rate your gained knowledge in the following topics:
(i) Systems Engineering, (ii) Software Engineering, (iii) Games Engineering,
and (iv) Project Management
7
Please rate the improvement of your skills in the following topics:
(i) Critical Analysis, (ii) Communication, (iii) Modeling, (iv) Programming,
(v) Software Test, (vi) System Test, and (vii) Project Management
Numerical
5-item Likert
Semester 1
Semester 2
Tasks:
Check and implement the Kata
Analyze how to make the Kata
“autonomous”
Analyze what could happen to the
device, e.g., safe states…
Results:
Code for the mission algorithm
Code for the device
UML models for: device, mission,
movement, etc.
Use cases for the software and
the device
Tasks:
Translate Step 1 into the Unity
environment
Add all parts necessary for
conducting a mission, e.g., maps
Synchronize Unity parts with the
designs from Step 1
Results:
The software rover working in the
game environment
Revised sets of models and code
A virtual mission to demonstrate
the working software rover
Tasks:
Analyze device’s capabilities
Assemble the first device and test
the device, e.g., sensors
Translate the software rover into
the hardware rover
Connect and test the device with
the digital twin and run in on-site
Synchronize findings (Step 1+2)
Results:
The “sandbox” device (test bed)
runs the missions controlled by
the digital twin
Tasks:
Assemble the second device and
test it like the first device
Design a mission in Unity
Deploy the mission to the device
Conduct the mission
Provide mission status and results
Results:
Operating rover in the target
environment without safety net
Device accepting and conducting
a mission autonomously
Device must not destroy itself!
Towards a Hybrid Process for Integrating Systems, Software, and Games Engineering 63
4.1 Setting the Context
The context of the study at hand is the Rover Lab5 that is operated in the HHC of
Reutlingen University. This lab serves two purposes: first, the lab is an education-related
environment in which the students learn modern software development approaches,
namely software and systems engineering in combination with games development. Based
on the mission profile of the two Mars rover twins Spirit and Opportunity, students
replicate this setting by analyzing a mission, which is given by the Mars Rover Kata6 ,
designing the required software to control a rover, assemble a small rover themselves, and
develop a digital twin that serves as Mission Control Center (MCC) for conducting the
actual mission. The Rover Lab is also a research testbed, which was established in a
research project.
Learning Goals The Rover Lab aims to deliver a particular set of skills to the students.
Students shall understand and apply selected topics from Systems Engineering, Software
Engineering, Games Engineering, and Project Management. These skills include critical
analysis, modeling, developing, testing, and communication. The activities are combined
alongside the different topics. That is, analysis and modeling tasks start at the system level
and have to be broken down to the software level. Therefore, students have to design a
system at different levels of abstraction and, accordingly, have to implement, integrate and
test the different components until the full system is operational (hardware and software).
Student Tasks In the lab, the students run through a number of tasks, which are illustrated
in Fig. 1. The lab spans two semesters of which the first one is focused on analyzing the
problem and specifying the solution, and the second semester is focused on the actual
system development. To properly reflect the Mars rover mission context, students also
assembled two rovers per group: one as a “sandbox” test device for the development and
on-site tests, and one as mission device, which conducts a mission autonomously. The
device-assembling task also forms the interface between the two semesters such that the
students, when starting the second semester, have already seen all relevant system
components.
Development Approach The development approach used in the lab is based on Feature-
driven Development (FDD). Specifically, due to the context of the lab, various practices
are integrated to (i) fulfill the requirements raised by the case (see Section 4.2), to (ii)
provide sufficient structure for the students to learn the various tasks, and (iii) respect the
actual target environment, which is developing a “game”. That is, in the lab’s hybrid
method [Te19], different fine-grained methods and practices are integrated, notably: Use
Case Analysis, Object-oriented Design, Pair Programming, and management techniques
such as management via/estimation based on User Stories. Furthermore, several project
5 The lab provides: 4 4tronix M.A.R.S. rovers, 1 Mac Mini M2Pro general server, 1 Mac Studio M2Max AI-
server, a 87-inch mobile touch screen, 1 MinisForum UM790 Venus as deployment target, and an own Wifi
network.
6 Online: Kata-Logs, Mars Rover Kata, https://kata-log.rocks/mars-rover-kata, last accessed 2025-06-28
64 Marco Kuhrmann et al.
activities employ empirical methods, e.g., the analysis of the device that includes various
experiments and tests to quantify the device’s capabilities.
4.2 Extracted Process
In the starting phase of the second Rover Lab instance, we started to formalize the lab’s
process to improve the guidance for the students. One researcher started to study the
original development and operation process of NASA’s Mars rovers, mapped this process
to the ECSS standards and, eventually, assigned the so far known/documented
development steps. A simplified version of the initial model is shown in Fig. 2. The
process consists of six explicit steps of which four are refined in respective, fine-grained
sub-processes.
Due to the setting of the Rover Lab and its semester-overlapping tasks (Fig. 1), an exact
mapping from the reference processes to the actually implemented one in the lab was not
executed in this initial version. However, as an orientation, the first four phases shown in
Fig. 2 roughly match the first semester, and the phases 36 roughly match the second
semester. The overlapping two phases comprise activities that connect the two semesters,
e.g., refinement of the requirements to low-level requirements. These mappings have been
presented and explained to the students in the course of the data collection (Section 3.3).
The process shown in Fig. 2 represents the teachers’/researchers’ perspective on the Rover
Lab based on reference models and available project documentation. Hence, the evaluation
as presented in subsequent sections aims to evaluate the accuracy of the process and,
furthermore, the suitability of the process to run the lab.
4.2.1 Step 1: Software Systems Requirements
Figure 3 provides the refinement of the first step of the overall process (Fig. 2). The focus
of this step is the requirements engineering and its activities. For analyzing mission and
system requirements, use cases are used as analysis and documentation technique. Also,
for the fine-grained specification of the device’s behavior, state machines7 are used.
7 State machines are modeled theoretically and practically as executable models using Stately (https://stately.ai).
Concept of
Operations
Requirements and
Architecture
Detailed Desig n
Development and
Fabrication
System Verificatio n
and Validation
Operation Phase
Disposable
Custom Model: HSR Rover Lab
Software System
Requirements
Verification of
Requirements
Software
Requirements
Review
Software Design
and Implementation
Software Operations
Wrap-Up and
Clean ing
Reference Model: NASA Rover Opportunity
Fig. 2: Overview of the initial Rover Lab process including the reference process by NASA and the
ESA standards assigned to the individual development phases
Towards a Hybrid Process for Integrating Systems, Software, and Games Engineering 65
Most of the activities in this step address the system level and are focused on the use cases
that build the foundation for the following refinement steps. Furthermore, due to the hybrid
nature of the system of interest, in this step, initial architecture designs are also produced
to reflect the various system parts.
4.2.2 Step 2: Verification of Requirements
While the first step is primarily concerned with understanding the system and
conceptualize the required features to build it, the second step as shown in Fig. 4 aims at
refining and verifying the requirements and early designs (still at the system level).
Specifically, in this step, the first iteration of the fine-grained requirements is developed.
For this, use cases are refined into specific requirements that are documented using the
PARIS templates [Li22]. This translation process undergoes a stringent peer review.
Alongside the refinement, the actual device is assembled and evaluated. For this, a series
of controlled experiments is conducted to determine the specific capabilities of the device,
e.g., maneuverability or general functionality of the hardware. Based on the resulting
experiment data, the requirements are refined in a second iteration to adequately reflect
the hardware in the requirements. Finally, the specific requirements for the digital twin
are collected and documented.
4.2.3 Step 3: Software Requirements Review
The third step (Fig. 5) is focused on the specific refinement of the component-specific
requirements for the purpose of making the requirements “ready-to-implement”. That is,
requirements are refined into low-level requirements that are, practically, manifested into
development tickets in the GitLab system, i.e., development task. This refinement step
concludes with a first prototype of the digital twin that also forms the primary review
artifact.
Software System
Requirements
Analyze HW
Requirements
Specify HW
Requirements
Analyze Mission
Requirements
Analyze System
Requirements
Analyze SW
Requirements
Specify SW
Requirements
Fig. 3: Refinement of the first process step with a focus on requirements engineering activities
Verification of
Requirements
Assemble Rover
Test and Measure
Rover
1st Refine SW
Requirements
Verify SW
Requirements
2nd Refine SW
Requirements
Specify DT
Requirements
Fig. 4: Refinement of the second process step with a focus on requirements refinement activities
66 Marco Kuhrmann et al.
4.2.4 Step 4: Software Design and Implementation
While the third step (Fig. 5) represents the transition from the system level to the specific
hardware and software levels, the fourth step (Fig. 6) focusses on the distinct components.
In this step, the major development tasks are executed.
For the development of the software components, FDD is employed, which is a “natural”
choice as most of the system’s functionality is designed as functional blocks. For each
feature, it must be defined how the feature manifests in the system. Especially for those
features that are in the digital twin component, a feature might consist of plain code, game
assets and scenery, graphics manipulation, and so forth. Also, for each feature in the digital
twin, it has to be ensured that the twin’s behavior matches exactly the device’s behavior.
4.3 Process Evaluation
In this section, we present the results of the process evaluation (Table 1). Figure 7 shows
that the students agree with the process’ accuracy, i.e., the process extracted from the
project data reflects their way of work. However, students also stated that they deviated
from the process, notably in the class of 2023. In this class, the hardware development8
started at a different point in time than in the second class. A bit more diverse are the
answers to the question for the usefulness of the process and its availability from the
8 Note that HW development was initially not planned at all for this course and it was decided after the lab’s
start to also go for the HW parts. In the second class, HW development was scheduled from the very
beginning on.
Software
Requirements
Review
Review HL-SW
Requirements
Review LL-SW
Requirements
Review DT
Prototype
Review LL-HW
Requirements
Review HW State
Machine
Fig. 5: Refinement of the third process step with a focus on specifying low-level requirements
Software Design
and Implementation
Realize HW
Components
Integrate and Test
All Components
Design Overall
System
Realize SW
Components
FDD-based
Development
Integrate and Test
SW Components
Realize DT
Components
Fig. 6: Refinement of the fourth process step with a focus on the software development activities
Towards a Hybrid Process for Integrating Systems, Software, and Games Engineering 67
beginning on. While the class of 2023 is indifferent, the class of 2024 would have
appreciated this guideline.
Fig. 7: Summary of the perceived accuracy (left) and usefulness (right) of the lab process by class
The second relevant aspect regarding the adequacy of the process is the collection of
activities to be executed within the process. For this, Fig. 8 shows the aggregated intensity
of executing the activities per class and relates these to the variance per activity per person.
Fig. 8: Summary of the intensity of conducting the different lab activities by class including variance
Figure 8 allows for two observations: (i) all activities were executed with a comparable
intensity and (ii) within the teams, specializations regarding the work’s focal points
become obvious. Since the figure suggests that no general differences exist between the
classes, we backed up this impression with a Mann-Whitney U-Test that resulted in an
= 47, = 0.189, = 0.84 with a significance level of 0.05 and thus suggests that there
is no difference in the relative aggregated intensities between the classes.
The question for missing elements yielded three elements: (i) a big picture of the project
as such was mentioned missing, which is in line with result shown in Fig. 7 (right), (ii) an
improved introduction to Unity was mentioned once, and (iii) an improved support for the
requirements documentation using PARIS [Li22] was requested9.
We conclude that the initial process, including all elements adequately reflects the way of
work in the Rover Lab and, therefore, provides an adequate hybrid development method
for operating the lab (RQ1, Section 3.1).
1
0
1
2
2
2
0
Class 2024 Class 2024 4
Class 2023
5
Class 2023
0 1 2 3 4 5
Completely agree Largely agree Not answered
0 1 2 3 4 5
Agree Completely agree No difference Not answered
2
3
1
0
1
48 54
50 53
47 50
50 53
42 51
47 47
45 49
44 56
47 47
45 52
10 60
9
8
50
7 40
6
5 30
4
3 20
2 10
1
0 0
Requirements System Design Software Design Software Software Integration (Software Integration Project Management Qua lity Assurance Project
analysis (Complete System) (Complete System) Development (Dig ital
Twin)
Development
(Hardware-related)
Components) (Complete System) Documentation
68 Marco Kuhrmann et al.
4.4 Lab Evaluation
The second part of the lab’s evaluation was concerned with the students learning. That is,
does the process cover and structure all topics relevant to support the students’ learning.
For this, based on the questions from Table 1, Fig. 9 shows the perceived knowledge gain
per class and per student. The figure shows that all students but two had a significant
knowledge gain, i.e., learned new things. Yet, Systems and Games Engineering were new
to all but one student. Despite these two extremes, on average, the total gain was
approximately 8.25 ± 0.5.
While Fig. 9 provides a break down to the student level, Fig. 10 draws the big picture and
shows that notably modeling and testing constitute the biggest learning in the studied
groups. Besides the quantitative evaluation, we also asked the students for small
statements in a 5-minute-paper style in which we asked them for up to five positive and
negative aspects, as well as for improvement opportunities. Finally, we asked the students
for their personal main take-away. Among the positive aspects, the team project and the
supervision were the most frequently mentioned aspects. Also, the diversity of subjects
(hardware and software) and the game development were mentioned. On the downside,
the (immature) PARIS tool was the only mentioned negative aspect that also constitutes
the most frequently mentioned improvement requirement, i.e., improve the tool support
and the methodological guideline for PARIS-based requirements documentation.
Finally, the specific challenges of conducting a project in which a software is co-
developed with a technical (embedded) device was considered an important take away.
Also the necessity for a good project structuring and organization approach was stated.
Fig. 9: Summary of the gained knowledge by class (left: 2023, right: 2024) per topic (discipline)
Systems Engineering Software Engineering
Games Engineering Project Management
S1.1
10
9
8
7
6
Systems Engineering Software Engineering
Games Engineering Project Management
S2.1
10
9
8
7
6
S1.6
5
S1.2
S2.6
5
S2.2
4
4
3
3
2
2
1
1
0
0
S1.5
S1.4
S1.3 S2.5
S2.4
S2.3
Towards a Hybrid Process for Integrating Systems, Software, and Games Engineering 69
Fig. 10: Summary of the skill improvement all participants topic (activities)
We conclude that the Rover Lab provides a good learning environment for the students.
As the lab is grounded in a research project located in one of the most demanding
application domains, the lab inherently exposes the students to many real-world problems
going beyond a “normal” student project, even if the lab is substantially tailored and
simplified to fit the students’ learning progress. To answer RQ2, no process items were
mentioned missing.
5 Conclusion and Future Work
In this paper, we presented an initial version of a hybrid method developed for a research
and learning environment. The hybrid method addresses systems, software, and games
engineering to meet the requirements posed by the HHC’s Rover Lab. The process’
construction followed a process improvement approach, which we complement with a
case study to conduct the process’ evaluation. The evaluation with 12 students in the lab
showed the initial version of the process suitable and no elements were identified missing.
This process lays the foundation for future lab instances. Therefore, future work includes
a continuation of the process modeling to provide more details and guideline elements as
requested by the students, e.g., big pictures. Also, the process will be enriched with a
specific Unity template, which is currently under development, to kick-start the
development of the digital twins.
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9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
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System
No change Small improvement Me dium improvement Good improvement Significant improvement
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Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 71
Fit for Agility? Exploring Person-Job Fit in SAFe Teams
Ninja Leikert-Boehm 1, Katja Kurz1, Michèle Trebo1 und Philipp Matter1
Abstract: Agile frameworks such as SAFe assume employees naturally align with values of
collaboration, self-organization, and adaptability. However, psychological and developmental
misalignments can undermine agile transformations. This exploratory, mixed-methods study at a
large Swiss organization examined person-job fit across four SAFe-organized teams, combining
data on personality (Big Five), motivation (Self-Determination Theory), and values (Spiral
Dynamics). The findings reveal three types of potential misalignment structural, cultural, and
developmental associated with autonomy and competence satisfaction and perceived team
performance. High-performing teams demonstrated stronger alignment across psychological and
value dimensions, while mid-performing teams experienced friction due to autonomy constraints
and cultural dissonance. The study highlights a diagnostic gap in scaled agile practice: current
frameworks often overlook psychological diversity and motivational needs. We propose a holistic
extension to the person-job fit model and outline practical implications of this human-centered
diagnostic approach.
Keywords: Scaled Agile, SAFe, Big Five, Self-Determination Theory, Spiral Dynamics
1 Introduction
The Scaled Agile Framework (SAFe) has emerged as a widely adopted approach for
enabling agility across large organizations [Di23]. Yet, its implementation often
encounters systemic challenges, particularly at the individual and team levels. While its
structured layers and clearly defined roles promise improved coordination and strategic
alignment, empirical observations indicate persistent performance and engagement issues
[Di16], [Ed22].
Agile frameworks implicitly assume that employees naturally align with core agile values
self-organization, autonomy, adaptability, transparency and collaboration [Hu22],
[Ye23], but empirical research increasingly finds that such assumptions fail in practice
[Ny22], [Ed22]. Individual psychological traits (e.g., openness, conscientiousness),
motivational orientations (e.g., autonomy and relatedness needs), and value systems
shaped by developmental stages (e.g., ego development, Spiral Dynamics) may
significantly influence how employees experience and perform in agile environments.
When individual dispositions and needs misalign with the structural and cultural demands
1 Zurich University of Applied Sciences, School of Management and Law, Theaterstrasse 17, 8401 Winterthur,
ninjairina.leikert-boehm@zhaw.ch, katja.kurz@zhaw.ch, mitr@scip.ch, philipp.matter@zhaw.ch
https://orcid.org/0000-0002-8815-0198
72 Ninja Leikert-Boehm et al.
of agile roles, negative consequences may include decreased team cohesion, reduced
perceived autonomy, and impaired performance [Ne99].
To understand the underlying dynamics, this study investigates two research questions:
RQ1: How do individual, psychological characteristics personality traits,
motivational needs, and developmental perspectives influence perceived person-job
fit (PJF) in SAFe-organized agile teams?
RQ2: How do structural and cultural characteristics of the SAFe implementation
influence employees’ experience of PJF?
We present an exploratory mixed-methods study at a large Swiss organization with over a
decade of SAFe practice. Drawing on psychological assessments and qualitative
interviews across four agile teams, the study identifies structural, cultural, and
developmental misalignments that shape perceived PJF and team outcomes. This
contribution integrates psychological and developmental theories into agile transformation
research, proposing a human-centered diagnostic approach to identifying and addressing
person-job misalignments laying the groundwork for targeted interventions that can
sustainably enhance agility at scale.
The paper is organized as follows: Section 2 introduces the background on scaled agility,
person-role fit (PRF) and PJF, and psychological and developmental models. Section 3
outlines the study’s design. Section 4 presents the results across teams. Section 5 discusses
the implications, limitations, and future research, and Section 6 concludes the paper.
2 Background
This chapter outlines the theoretical background, beginning with agile methods and their
scaling, followed by models of PJF and PRF in agile contexts, and concluding with
psychological and developmental perspectives.
2.1 Agile and Scaled Agile frameworks
Agile methods emerged in the early 2000s to counter rigid development models by
promoting adaptability, collaboration, and iterative delivery [Be25]. Frameworks like
SAFe extend these principles to larger organizations, with SAFe being the most widely
adopted [Di23], [Ul22]. It formalizes agility across organizational layers with defined
roles, events, and artifacts aimed at balancing alignment and decentralization [Kn20].
However, its implementation often reintroduces hierarchical control and prescriptive
routines, creating tension between agile values and the operational realities of large-scale
environments [Ed22], [Ho20].
These tensions also extend to the psychological level, where they can undermine
engagement and motivation. Agile frameworks often overlook individual variability in
traits, needs, and developmental readiness, instead promoting uniform role expectations.
This can contribute to person-role misalignments and, in turn, to reduced performance. To
Fit for Agility? Exploring Person-Job Fit in SAFe Teams 73
support sustainable scaled agility, a more holistic approach is needed one that integrates
organizational design with psychological and developmental insight.
2.2 Person-job fit and person-role fit in Agile contexts
Psychological alignment in scaled agile environments can be analyzed through two
complementary constructs: Person-job fit and person-role fit. As conceptualized by
Edwards [Ed91], PJF refers to the congruence between individual characteristics and the
formal demands and resources of a job. It links fit to outcomes such as satisfaction,
performance, and turnover, based on relatively stable job structures. DeRue and Morgeson
[De07] define PRF as the match between individual capabilities and the dynamic, socially
constructed expectations of a role. Their study shows that PRF evolves through feedback,
self-efficacy, and growth satisfaction an especially relevant process in agile
environments where roles are fluid and shaped through team interaction [Il91].
Brkich et al. [Br02] developed a self-report instrument to assess PJF. It focuses on role
attributes such as autonomy, influence, and purpose, which are core dimensions of agile
teamwork. Misalignments in these areas can hinder employee’s engagement and
performance.
Scaled frameworks formally define roles to support coordination and consistency across
teams and portfolios [Ed22]. Given the dual nature of roles, being both formally defined
and enacted dynamically, this study applies PJF as its central analytical lens. It provides a
measurable, scalable framework that is suitable for SAFe environments.
2.3 Psychological and developmental perspectives in Agile work environments
Successful SAFe adoption depends not only on processes but also on psychological
alignment with agile principles and values [Di16]. Psychological and developmental
models help explain why some individuals thrive in agile environments, while others
experience friction or disengagement. Agile ways of working place substantial cognitive
and emotional demands on individuals, making it essential to understand how they
respond. To address this variation, we draw on three complementary perspectives:
personality traits, motivational needs, and developmental stages [Ro07], [De00], [Ke98].
Trait-based models include the Myers-Briggs Type Indicator (MBTI), the HEXACO
model, and the Big Five model [My85], [As07], [Jo99]. While MBTI is popular in
practice, the Big Five is dominant in academia due to its empirical reliability [Mc08]. It
describes five personality dimensions that influence collaboration and adaptability:
openness, conscientiousness, extraversion, agreeableness, and neuroticism. In agile
settings, high openness and conscientiousness are beneficial, while high neuroticism may
lead to stress and disengagement [Em22].
A second analytical lens is the Self-Determination Theory (SDT), which highlights three
core psychological needs: autonomy, competence, and relatedness [De00]. Satisfying
these needs is essential for intrinsic motivation, engagement, and well-being. Agile
74 Ninja Leikert-Boehm et al.
frameworks aim to foster such conditions, yet scaled models such as SAFe can limit
autonomy and relatedness through their structured roles and processes [Ed22].
Finally, developmental models offer a longitudinal view on how individuals interpret
complexity, authority, and interdependence. Theories such as Loevinger’s ego
development and its extensions [Lo97], [Co10], [To04] describe psychological maturation
across stages. This study focuses on Spiral Dynamics, which maps evolving value systems
at both individual and collective levels. Misalignments can occur when agile values of
participation and integration conflict with traditional, efficiency-driven norms. Individuals
valuing stability and hierarchy may struggle with agile demands for self-organization and
role fluidity. Spiral Dynamics identifies value patterns through so-called vMemes relevant
for individuals, organizations and society [Gr74], [Be14].
vMeme
Color
Way of
thinking followed by structure and process
BEIGE
automatic
loose bands
survivalistic
PURPLE
animistic
tribal
circular
RED
egocentric
empires
exploitative
BLUE
absolutistic
pyramidal/hierarchical
authoritarian
ORANGE
multiplistic
delegative
strategic
GREEN
relativistic
egalitarian
consensual
YELLOW
systemic
interactive
integrative
TURQUOISE
holistic
global
ecological
Tab. 1: Characteristics of vMemes [Be14]
Two value memes particularly relevant in agile settings are the orange meme, which is
centered on achievement and autonomy, and the green meme, which emphasizes
participation and relational cohesion [Be14]. Increasingly, the yellow meme gains
importance, as it reflects systemic thinking, integration, and comfort with complexity
traits seen as key for advanced agile practice. While agile methods can be applied from
earlier stages, their sustained success may depend on individuals and teams operating from
later, more evolved value systems [Be14], [La15]. Commercial tools like the ValueMatch
assessment2 translate these value patterns into actionable diagnostics, supporting both
organizational design and leadership development, though results should be interpreted as
indicative rather than psychometric.
3 Research method
This exploratory mixed-methods case study at a large Swiss organization examines
individual fit in agile teams within a SAFe environment, supporting in-depth investigation
of complex phenomena [Ei07], [Yi18].
2 https://www.valuematch.net
Fit for Agility? Exploring Person-Job Fit in SAFe Teams 75
3.1 Case introduction and context
The study was conducted at a large Swiss technology provider that has implemented SAFe
since 2012. By 2019, the organization had adopted a full SAFe 5.0 configuration,
encompassing approximately one-sixth of its workforce primarily those in software
development. At the time of the study, the company operated under SAFe 6.0 with agile
team structures and lean portfolio management in place. This maturity offers a robust
context to study scaled agility in practice.
The organization exhibits structural layering and performance orientation traits aligned
with blue (structure, control) and orange (efficiency, competition) value systems in Spiral
Dynamics. Four agile teams were selected to reflect different performance levels, enabling
comparison of PJF under shared structural conditions.
3.2 Data collection and analysis
Data collection combined quantitative surveys and qualitative interviews. Participation
required that each team’s Scrum Master (SM) had provided a subjective team performance
rating, forming the basis for team selection. Quantitative data were collected using a set
of survey instruments (the first three consolidated into a survey with each interviewee):
The Global PJF Scale [Br02] was used to assess the perceived alignment between
individual characteristics and job-related demands.
The Big Five Inventory-10 [Ra14] was used to measure personality traits using the
psychometrically validated short-form instrument.
The Work-related Basic Need Satisfaction Scale [Va10] evaluated the perceived
fulfillment of autonomy, competence, and relatedness according to SDT.
The ValueMatch (VM) assessment based on Spiral Dynamics was used to identify
individual value and cultural profiles, and to derive consolidated group-level profiles.
Semi-structured interviews with selected team members explored experiences of fit,
motivation, and collaboration. A deductive coding process, guided by the theoretical
framework, was applied and cross-validated between authors.
Table 2 provides an overview of the teams, their subjective performance rating according
to the respective SM, and the extent of data collection across interviews and surveys. Data
availability varied by team, reflecting differences in participation, available data points,
and the roles of interviewed participants. Data collection took place between January and
April 2024. While Teams H1, M1, and M2 contributed psychological, motivational, and
value-based data through interviews and surveys, Team H2 provided only a VM group
profile. The roles represented span key SAFe team functions such as SM, Product Owner
(PO), Technical Lead (TL), and Developer (Dev or DevOps).
76 Ninja Leikert-Boehm et al.
Team
ID
Subjective
Perfor-
mance
Participants / Team Size
Roles of Interviewees
Interviews &
Survey VM Profile
H1
High
4 / 4
4 / 4
SM, PO, 2x Dev
H2
High
0 / 7
7 / 7
-
M1
Medium
5 / 9
9 / 9
SM, TL, 3x DevOps
M2
Medium
2 / 10
7 / 10
PO, Dev
Tab. 2: Data collection overview
Integrating survey and interview data enabled triangulation, strengthening the validity of
the insights. By linking psychological, motivational, and value-based profiles with
participants’ narrative accounts, the study revealed initial patterns of misalignment in
scaled agile environments.
4 Results
This section presents comparative findings from four agile teams to explore PJF through
psychological, motivational, and cultural perspectives. It then synthesizes indicative fit
and misalignment patterns that distinguish high- from mid-performing teams within
shared SAFe conditions.
4.1 Comparative patterns of person-job fit across teams
Team H1 was rated as high-performing by its SM. All four team members participated in
the study and reported high PJF scores. Personality traits showed uniformly high
conscientiousness, agreeableness, and openness, with low neuroticism. Autonomy and
competence satisfaction were consistently high, reflecting a psychologically and
motivationally coherent climate.
The team’s VM profile revealed a dominant orange-green orientation with moderate
acceptance of blue, which supports SAFe structures while enabling participative
adaptation. Interviews described the team as self-steering with a critical look at overhead
tasks but generally feeling empowered to adapt team processes and ceremonies
autonomously. This convergence suggests strong fit between individual dispositions, team
dynamics, and agile role expectations.
Team H2, also rated as high-performing by its SM, contributed only the VM group profile.
It indicated a coherent orange-green orientation and moderate blue acceptance with
aspirations for more yellow values according to Spiral Dynamics. This suggests cultural
fit with the SAFe organization. Even without additional psychological data, the profile
offers preliminary indications consistent with patterns observed in high-performing teams.
Team M1, classified as mid-performing by its SM, participated with five out of nine team
members in all surveys and interviews. PJF scores varied, reflecting divergent
Fit for Agility? Exploring Person-Job Fit in SAFe Teams 77
experiences. Personality data showed high conscientiousness but more variability in
openness and partially elevated neuroticism. Although the needs for competence were
generally met, satisfaction with autonomy ranged widely. Those with the lowest PJF
ratings felt micromanaged.
The team’s VM profile reflected an orange-green orientation with low blue tolerance,
leading to tension with SAFe structures. Interviewees described rigid ceremonies and
inconsistent psychological safety. These patterns suggest a psychological and cultural
misalignment, where individual traits and motivational needs only partially align with
structural conditions.
Team M2, categorized as mid-performing team by its SM, contributed data from only two
out of ten members. PJF scores were moderate, with one notably lower. Both individuals
showed high conscientiousness, moderate openness and agreeableness, and in one case,
elevated neuroticism. Autonomy and competence needs were partially met; relatedness
was low for one participant.
The group’s VM profile showed strong orange values with little green or yellow resonance
and limited blue tolerance. Interviewees critiqued centralized decision-making and
described the SAFe environment as overly structured. These insights, while limited,
indicate structural friction and motivational constraint within the team.
A distinct pattern emerged across the teams: Higher subjective performance ratings of
team members corresponded to a stronger individual fit across psychological,
motivational, and cultural dimensions. Both high-performing Team H1 and H2
demonstrated value orientations that aligned well with SAFe structures. Team H1 had the
highest PJF, favorable Big Five configurations, and strong autonomy and competence
satisfaction. In contrast, Teams M1 and M2 showed greater misalignment, particularly
regarding autonomy needs, neuroticism, and low tolerance for blue values. The highest fit
was observed where psychological profiles, motivational needs, and value orientations
aligned most closely with SAFe values and structures. These contrasts lay the groundwork
for the next section, which summarizes emerging misalignment typologies.
4.2 Indicative typologies of misalignment
Building on the comparative patterns identified across teams, we derive three indicative
types of misalignments that explain the frictions observed in PJF under SAFe conditions.
Structural misalignment occurs when the formal autonomy expected in agile roles is not
matched by actual influence over decisions or process adaptations. This was evident in
Teams M1 and M2, where constrained perceived autonomy correlated with lower PJF
scores and unmet SDT needs.
Cultural misalignment refers to discrepancies between individual or team values and the
broader organizational context. In Team M1, low tolerance for blue values conflicted with
SAFe’s structural rigor, undermining motivational coherence despite shared green
aspirations.
78 Ninja Leikert-Boehm et al.
Developmental misalignment is related to the maturity of a team member’s value system
and their psychological readiness for demands of agile work. Elevated neuroticism, limited
openness, and low tolerance for complexity indicate difficulty engaging with participative,
self-organizing roles. This is most evident in mid-performing Teams M1 and M2.
These types of misalignments often intersect. Structural constraints can intensify cultural
friction, and both may amplify developmental tension. Together, they help explain why,
despite operating under formally equivalent SAFe conditions, teams experience
misalignments.
5 Discussion and implications for future work
5.1 Theoretical implications
This study extends classical PJF theory [Ed91] by incorporating personality traits [Mc08],
motivational needs [De00], and value system alignment [Be14]. In scaled agile
environments like SAFe [Kn20], perceived fit depends not only on capability match but
also on psychological and developmental coherence.
Our findings show that personality alignment alone is insufficient for high perceived fit.
Even individuals with favorable traits e.g., conscientiousness, agreeableness, and
openness [Em22] reported low fit when SDT needs were unmet [De00] or when cultural
values diverged from team and organizational norms [Gr74]. Conversely, high SDT
satisfaction did not guarantee fit when value dissonance was present [Be14]. This
underscores the importance of interaction effects between traits, needs, and values.
Developmental and cultural dimensions also shape SAFe-related role experiences. Low
tolerance for blue values (structure, control) can clash with SAFe’s standardized processes
[Ed22], while limited resonance with green or yellow values (collaboration, systemic
thinking) can hinder participation in agile rituals [La15]. In our study, these misalignments
manifested as demotivation, role ambiguity, or overload.
Together, these insights call for multi-layered fit models in demanding agile contexts.
These models could incorporate Big Five traits, SDT, Spiral Dynamics, and
developmental theory to account for differences in engagement and performance among
structurally similar teams.
5.2 Practical implications
The findings highlight a need for better diagnostic mechanisms in agile practice. Current
SAFe implementations lack tools to identify person-role misalignments early or
systematically. The contrast between high-fit (Team H1) and mid-fit teams (M1 and M2)
suggests that psychological and cultural diagnostics can uncover friction points that may
otherwise go unnoticed.
Fit for Agility? Exploring Person-Job Fit in SAFe Teams 79
Structural design and role clarity are also critical. Teams M1 and M2 encountered
challenges when standardized roles and ceremonies conflicted with autonomy needs or
developmental readiness. These findings suggest the need for differentiated autonomy
within SAFe rolessome individuals benefit from clear boundaries, while others require
more decision latitude. Team H1’s adaptive approach to SAFe rituals illustrates how
structural flexibility can enhance fit without compromising coordination.
Finally, the study suggests benefits of integrating psychological and value-based
assessments into team formation, role design, and development practices. Used as a
periodic pulse check, combined instruments (e.g., Big Five inventories, SDT-based need
assessment, Spiral Dynamic profiles) can inform two complementary intervention paths
for HR, agile coaches, and leadership: (i) individual-focused measures (coaching, targeted
upskilling, role negotiation) to improve person-job fit; and (ii) structural adaptations of
SAFe practices (e.g., calibrated decision rights, ceremony cadence, delegation levels) to
better fit team profiles. This approach aligns individuals with agile roles that suit their
psychological makeup and cultural orientation, thereby promoting a more human-centered
approach to agility.
5.3 Limitations and future research
The exploratory design of the study and its small sample size limit the generalizability of
the findings. Variations in participation, team purpose and scope, and maturity may have
influenced the results. Team H2 lacked psychological data, limiting comparative depth.
Aggregated VM profiles may obscure intra-team variance; moreover, the assessment is a
commercially developed instrument without full psychometric validation, which
represents a methodological limitation. Performance ratings were provided by Scrum
Masters and are subjective; survey measures of motivation and fit are self-reported and
context-sensitive.
Future research should validate and extend these findings using larger, more diverse
samples and consistent, multi-informant designs. It should also examine potential
conceptual overlaps between constructs. Comparative studies across frameworks (e.g.,
SAFe vs. Large-Scale Scrum (LeSS)) could clarify how psychological diversity interacts
with different scaling logics. Furthermore, fit accuracy and misalignment should be linked
to specific outcome variablessuch as delivery speed, quality, and resource utilization
as well as additional performance measures, such as the validated Agile Teamwork
Effectiveness Model [St22].
We also propose a design science stream aimed at developing and evaluating a diagnostic
tool that integrates personality traits, motivational needs, and value-based fit indicators.
Such a tool could support agile coaches and organizational developers by enabling pulse
checks, role adaptation, and psychologically informed interventions. For example, regular
feedback loops with individuals and teams could help align roles with evolving needs and
strengthen sustainable scaled agility. This would provide a more robust empirical basis for
designing adaptive organizational structures and targeted support measures.
80 Ninja Leikert-Boehm et al.
6 Conclusion
This case study highlights the importance of psychological, motivational, and
developmental factors in the success of agile transformations. Although frameworks such
as SAFe offer structural guidance for scaling agility, their effectiveness depends on how
well roles, values, and collaboration models align with the individuals enacting them.
By integrating personality traits, motivational needs, and value orientations, we
demonstrate that PJF is a central lever for sustainable agility. Our findings show that a
high level of fit (RQ1) is achieved when individual traits align with autonomy-supportive
conditions and team values. Conversely, structural rigidity and cultural misalignment
within SAFe settings (RQ2) often reduce perceived fit and performance. Misalignments
whether structural, cultural, or developmental can disrupt engagement, hinder autonomy,
and erode team cohesion, even in mature agile settings.
Therefore, agile transformations should move beyond competence-based role assignment.
Sustainable agility requires human-centered diagnostics and flexible role designs that
account for individual differences. This study offers a starting point for developing tools
and strategies that integrate psychological diversity into agile transformation practice.
Acknowledgements
We would like to thank ValueMatch, and Auke van Nimwegen in particular, for their
support in conducting and analyzing the Spiral Dynamics VM survey.
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Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
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Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU: Eine
qualitative Untersuchung in der Maschinen- und Anlagen-
bau-Branche
Elisabeth Schwarz1 und Timm Eichenberg2
Abstract: Agile Projektmanagementmethoden bieten Unternehmen die Möglichkeit, flexibel auf
Marktveränderungen und Kundenanforderungen zu reagieren. Während Großunternehmen bereits
umfassend agile Ansätze nutzen, stehen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor besonderen
Herausforderungen bei deren Implementierung. Diese qualitative Studie untersucht anhand von Ex-
perteninterviews die spezifischen Hürden, Erfolgsfaktoren und Anpassungsbedarfe agiler Projekt-
managementmethoden in KMU der Maschinen- und Anlagenbau-Branche. Die Ergebnisse zeigen,
dass agile Projektmanagementmethoden selten zum Einsatz kommen und Gründe dafür in begrenz-
ten Ressourcen, fehlendem Methodenwissen und traditionellen Unternehmensstrukturen liegen,
während flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege durchaus Potenziale für den Einsatz agi-
ler Projektmanagementmethoden in KMUs bieten.
Keywords: Agiles Projektmanagement, KMU, Mittelstand, Maschinen- und Anlagebau
1 Einleitung: Agiles Projektmanagement als Reaktion auf zuneh-
mende Marktdynamik
Innovationen sowie Prozessoptimierungen sind für Unternehmen essenziell, um langfris-
tig wettbewerbsfähig zu bleiben. Neue Produkte, Dienstleistungen und effizientere Res-
sourcennutzung werden daher zunehmend über Projekte realisiert [Ol98, BW09]. Aller-
dings scheitern 50 bis 80 % der Projekte entweder indem sie vorzeitig abgebrochen werden
oder die geplanten Vorgaben in Bezug auf Zeit, Budget oder Umfang überschreiten
[Ko06]. Zur Reduktion dieser Misserfolgsquote haben vor allem Großunternehmen in den
letzten Jahrzehnten ein professionelles Projektmanagement (PM) oder gar ein Multipro-
jektmanagement (MPM) etabliert [MM13, GEP24, EPW24]. Neben klassischen, planba-
sierten PM-Vorgehensmodellen kommen zunehmend agile PM-Vorgehensmodelle zum
Einsatz.
Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssen zunehmend flexibel und reakti-
onsschnell agieren, um ihre Marktpräsenz und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern [BC09].
KMU spielen dabei für die deutsche Volkswirtschaft eine entscheidende Rolle. Sie sind
ein zentraler Bestandteil der deutschen Wirtschaft: Neben ihrer Rolle als Zulieferer für
Großunternehmen erwirtschaften die 2,5 Millionen mittelständischen Unternehmen 42 %
der Bruttowertschöpfung und beschäftigen über die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutsch-
land [He09, St25]. Hinsichtlich des Einsatzes von Projektmanagement zeigen sich jedoch
Unterschiede zu großen Unternehmen: Einer Studie der GPM Deutsche Gesellschaft für
1 elisabeth_schwarz@gmx.de
2 Hochschule Weserbergland, Fachbereich Wirtschaft, Am Stockhof 2, 31785 Hameln, eichenberg@hsw-ha-
meln.de
84 Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
Projektmanagement zufolge setzen KMUs etwa weniger stark auf Projekte, um ihre Un-
ternehmensstrategie umzusetzen, als Großunternehmen dies tun [GEP23]. KMU nutzen
im Rahmen ihres Projektmanagements agile Methoden in einem deutlich geringen Maß
als Großunternehmen. Einer Studie zufolge betrachten zwei Drittel der befragten KMU
Agilität als strategisches Thema, während sie bei einem Drittel keine Rolle spielt davon
kennt etwa die Hälfte Agilität nicht, die andere Hälfte sieht keinen Nutzen darin; 80 %
dieser Unternehmen erwarten auch in den nächsten fünf Jahren keine Relevanz für das
Thema [SJ19]. Auch erfolgt die Anwendung oft weniger strukturiert oder ohne klare Me-
thodik. Ein wesentlicher Grund vermag darin zu liegen, dass agile Methoden primär für
Großunternehmen entwickelt wurden [Br09]. Versuche, diese Frameworks auf KMU zu
übertragen, stoßen häufig auf strukturelle Herausforderungen. Zusätzlich erschweren spe-
zifische Merkmale von KMU die Anwendung agiler Methoden in Projekten, wie beispiels-
weise die begrenzt vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen [DBT25] oder
die Tatsache, dass in vielen KMU Projekte oft als Zusatzaufgabe neben dem Tagesge-
schäft laufen. Dabei weisen viele KMU optimale Voraussetzungen auf, um agile PM-Me-
thoden erfolgreich einzusetzen, verfügen sie doch aufgrund ihrer überschaubaren Größe
sowohl in Bezug auf die Anzahl der Mitarbeiter als auch ihrer Hierarchiestufen über
flexiblere und kürzere Rückkopplungsprozesse [Br09, Si17].
Exemplarisch wird in diesem Beitrag die Branche des Maschinen- und Anlagenbaus be-
trachtet, da dies der größte Industriezweig Deutschlands ist und als Schlüsselbranche der
deutschen Wirtschaft zählt [De21]. Auch zeichnet sich dieser Sektor durch eine hohe In-
novationsfähigkeit aus und setzt eine Vielzahl an Auftragseinzelfertigungen sowie kom-
plexen Projekten um [Bu23, St16]. Ebenfalls kann vermutet werden, dass der Einsatz agi-
ler Methoden in dieser Branche noch nicht so weit verbreitet ist wie in KMU der IT-Bran-
che, weswegen einer Untersuchung über den Einsatz agiler Methoden im Rahmen von
Projekten in dieser Branche untersuchenswert scheint. Ziel dieses Beitrags ist es daher,
die folgende Forschungsfrage zu beantworten:
Welche Faktoren beeinflussen den Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in kleinen
und mittleren Unternehmen der Maschinen- und Anlagenbau-Branche?
Hierzu werden zunächst die wesentlichen theoretischen Grundlagen beleuchtet, anschlie-
ßend wird das Untersuchungsdesign vorgestellt. Darauf aufbauend werden die Ergebnisse
dargestellt. Das Fazit geht schließlich auf Implikationen für die Praxis ein.
2 Theoretischer Grundlagen des agilen Projektmanagements in
KMU
2.1 Grundlagen und Klassifikationen von KMU
KMU-Definitionen basieren auf qualitativen und quantitativen Kriterien und variieren je
nach Institution. Das Statistische Bundesamt und die EU-Kommission definieren KMU
anhand quantitativer Faktoren wie der Anzahl der Mitarbeiter und dem Jahresumsatz
(siehe Tabelle 1) [St25, Am03]. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) setzt
die Grenze für Großunternehmen bei 500 Beschäftigten [If23]. Das Europäische Kompe-
tenzzentrum für angewandte Mittelstandsforschung (EKAM) definiert Unternehmen mit
Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU 85
bis zu 3000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 600 Millionen Euro noch als KMU
[ID19].
KMU lassen sich zusätzlich nach Branche sowie Produkt- und Dienstleistungsangebot
klassifizieren [Ro05]. In der Europäischen Union erfolgt die Klassifikation von Unterneh-
men nach Wirtschaftsbereichen anhand des NACE-Codes (Nomenclature générale des
Activités économiques dans les Communautés Européennes) [IS19]. Im Rahmen des Bei-
trags wird die KMU-Definition des IfM verwendet, da diese Klassifizierung am häufigsten
genutzt wird [Si17].
Anzahl der Mitarbeiter
Jahresumsatz
Kleinstunternehmen
Bis 9 MA
Bis 2 Mio. €
Kleine Unternehmen
Bis 49 MA
Bis 10 Mio. €
Mittlere Unternehmen
Bis 249 MA
Bis 499 MA (IfM)
Bis ca. 3000 MA (EKAM)
Bis 50 Mio. €
600 Mio. € (EKAM)
Großunternehmen
Über 249 MA
Ab 500 MA (IfM)
über 3000 MA (EKAM)
Über 50 Mio. €
Über 600 Mio. € (EKAM)
Tab. 1: Größenklassifizierung von KMU [St25, Am03, If23, ID19]
2.2 Agiles Projektmanagement in KMU
Die Literaturrecherche umfasste einen Vergleich empirischer Studien zum Themengebiet,
welche nachfolgend zusammengefasst dargestellt werden. Eine ausführliche Übersicht
bietet Tabelle 4 im Anhang. KMU stehen bei der Anwendung agiler PM-Methoden vor
mehreren Herausforderungen. Besonders häufig genannt werden Budgetüberschreitungen,
ein hoher Abstimmungsaufwand und eine unzureichende Dokumentation [Kr22]. Aber
auch die Merkmale und Rahmenbedingungen der KMU wie begrenzte finanzielle und per-
sonelle Ressourcen, die häufig traditionellen Einstellungen und Abläufe sowie die Unter-
nehmenskultur können die Nutzung agiler Ansätze erschweren [Br09]. Auch muss die Be-
reitschaft (und Möglichkeit) gegeben sein, eventuell neue Mitarbeiter einzustellen, da auf-
grund der vollständigen Integration der Teammitglieder im agilen PM vorher zu erledi-
gende Aufgaben nun anderweitig bearbeitet werden müssen [St11a, St11b, Zi20].
Die Einführung agiler Methoden erfordert oft einen tiefgreifenden kulturellen Wandel.
Insbesondere das Aufbrechen etablierter Hierarchien, traditioneller Arbeitsweisen und der
Unternehmenskultur stellt eine Herausforderung dar [Ba18]. Dabei kann es bei Mitarbei-
tern und Führungskräften zu Widerständen kommen, wenn beispielsweise Machtverlust,
der Wegfall klassischer Karrierewege oder grundlegende Veränderungen ihrer Arbeits-
weise befürchten [Mi22, St11b].
KMU pflegen in der Regel einen engen Kontakt zu ihren Kunden und reagieren flexibel
auf deren Anforderungen, was den Einsatz agiler Methoden prinzipiell unterstützen kann.
Bei Unternehmen, in denen das nicht der Fall ist, kann es eine Herausforderung sein, Un-
ternehmensstrukturen zu öffnen und den Kunden stärker in den Fokus von agilen Projek-
ten zu rücken. Agile Projekte können schnelle Änderungen erfordern, um auf Kunden-
86 Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
feedback zu reagieren. KMU müssen generell effektive Methoden entwickeln, um sicher-
zustellen, dass Projekte erfolgreich abgeschlossen werden [Zi20].
Agilität und die Verwendung agiler Methoden haben sich in deutschen Unternehmen noch
nicht flächendeckend durchgesetzt [KN08]. Studien zeigen zwar, dass agile Methoden zu
besseren Projektergebnissen, kürzeren Markteinführungszeiten, höherem Innovationsfo-
kus, gesteigerter Effizienz und reduzierten Risiken führen [Ho20, SJ19]. Studienerkennt-
nisse zeigen ebenfalls, dass auch weiche Faktoren wie Selbstorganisation, gemeinsame
Verantwortungsübernahme und Transparenz durch agile Methoden verbessert werden:
Die Studie „Agile Entwicklung mechatronischer Systeme“ lässt eine Korrelation zwischen
Projekterfolg und Selbstorganisation erkennen und zeigt auf, „dass der beobachtete Pro-
jekterfolg in einem stark durch Instabilität geprägten Umfeld mit dem Grad der Selbstor-
ganisation zunimmt“ [MI22].
In KMU werden agile Methoden meist selektiv eingesetzt und mit klassischen PM-Me-
thoden kombiniert [KN08, SJ19], was mit dem empirisch zu beobachtenden Trend hin zu
hybriden Ansätzen des Projektmanagements korrespondiert [Pm24]. Eine Übernahme agi-
ler Methoden „nach Lehrbuch“ erscheint in den meisten Fällen nicht zielführend, vielmehr
sollten diese in KMU kontextspezifisch angepasst werden, was mit einem hohen Aufwand
einhergeht [Ni21]. Auch besteht eine Diskrepanz zwischen dem Bestreben „agil zu sein“
und tatsächlich gelebter Agilität im Unternehmen [Zi20]. Als größte Herausforderungen
für den erfolgreichen Einsatz agiler Methoden werden oftmals der Führungsstil, das Top-
Management, die Unternehmenskultur oder Barrieren durch interne Prozesse genannt
[Ho20, Zi20, SJ19]. Dabei sind bei einem Großteil des Top-Managements agile Metho-
denkompetenzen bekannt und vorhanden [Zi20].
3 Methodische Vorgehensweise der empirischen Studie
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine qualitative Untersuchung durchge-
führt. Die Analyse bestehender Studien zeigte, dass bisher vorwiegend quantitative An-
sätze verwendet wurden. Durch den gewählten qualitativen Ansatz soll eine neue Perspek-
tive eingenommen und zusätzliche Erkenntnisse gewonnen werden [KL24].
Die empirische Studie basiert auf einem Einzelfall-Design [Yi17, Ma23]. Als Fall wurden
KMU in der Maschinen- und Anlagenbau-Branche untersucht. Im Rahmen der Untersu-
chung wurden zwei Expertengruppen definiert. Die erste Gruppe umfasst Projektverant-
wortliche, darunter Projektmanager, Projektleiter und Geschäftsführer verschiedener Un-
ternehmen. Die zweite Expertengruppe setzt sich aus Projektmanagement- und Unterneh-
mensberatern sowie Wissenschaftlern zusammen. Ihre Interviews dienten dazu, die Aus-
sagen der ersten Gruppe zu ergänzen und eine umfassendere Einschätzung der Situation
in KMU zu ermöglichen.
Die Datenerhebung erfolgte durch leitfadengestützte Experteninterviews, um das Prozess-
und Deutungswissen der Befragten systematisch zu erfassen. Es wurden teilstrukturierte In-
terviews geführt, denen Leitfäden zugrunde lagen [BLM25]. Die Interviewleitfäden wur-
den theoriebasiert auf Basis der vorhandenen Literatur erstellt [BLM25]. Die einzelnen
Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU 87
Interviews wurden persönlich über das Videokonferenztool Microsoft Teams von Ende Sep-
tember bis Anfang November 2023 durchgeführt. Die Dauer der Gespräche lag zwischen 30
und 70 Minuten; die Interviews wurden aufgezeichnet.
Die Kontaktaufnahme mit den Interviewpartnern erfolgte nicht-zufallsbasiert, da eine
Vielzahl an potenziellen Unternehmen gezielt angeschrieben wurde (<150). Zur Identifi-
zierung dienten digitale Branchenplattformen (wlw.de; kompass.com; firmeneintrag.cre-
dit.de; fmb-messe.de). Bei der Auswahl der Unternehmen für die Expertengruppe 1 wur-
den folgende Auswahlkriterien zugrunde gelegt: Die Unternehmen durften entsprechend
der KMU-Klassifikation des IfM Bonn nur maximal 499 Mitarbeiter beschäftigen. Außer-
dem wurde die Branchenzugehörigkeit entsprechend der deutschen Wirtschaftszweigklas-
sifikation geprüft (Wirtschaftsbereich C, 28 Verarbeitendes Gewerbe, Maschinenbau,
[St08]). Die Rekrutierung der Interviewpartner erfolgte über LinkedIn, die Deutsche Ge-
sellschaft für Projektmanagement (GPM), die Industrie- und Handelskammer Hannover
sowie die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. In der Expertengruppe 1 wurden
acht Geschäftsführer und Projektmanager von verschiedenen Unternehmen befragt. In der
Expertengruppe 2 wurden sechs Fachexperten (Unternehmensberater und Wissenschaft-
ler) interviewt. Diese wurden auf Basis der vorhandenen Literatur und des aktuellen For-
schungsstandes ausgewählt und ebenfalls gezielt angeschrieben. Die Interviewpartner die-
ser Gruppe haben praktische Erfahrungen als Projektmanager in verschiedenen Unterneh-
men und unterstützen KMU, aber auch größere Unternehmen, bei der Implementierung
und Optimierung von klassischem und agilem PM. Ein Teil der Experten ist zudem in der
Maschinen- und Anlagenbau-Branche beratend tätig. Mit insgesamt 14 Interviews wurde
eine theoretische ttigung der Interviewpartner erreicht, sodass die Datenerhebung da-
raufhin abgeschlossen wurde [DB23, BLM25, Ri23].
Im Zuge der Datenaufbereitung wurden die Interviews wörtlich mit Übertragung in normales
Schriftdeutsch transkribiert und in die Software MaxQDA übertragen [Ma23, DB23]. Für
die Datenauswertung wurde auf die qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz zurückge-
griffen [Ku22, KR20]. In einem deduktiv-induktivem Vorgehen wurde ein Kategoriensys-
tem entwickelt. Zuerst wurden Hauptkategorien anhand theoretischer Grundlagen und un-
abhängig von den erhobenen Daten ermittelt [Ku22]. Im zweiten Durchlauf entstanden
anhand des Materials Unterkategorien, die das Kategoriensystem verfeinerten. In einem
dritten Durchlauf wurde das Kategoriensystem weiter verfeinert, Kategorien zusammen-
gefasst und vereinzelt Textstellen umcodiert. Das finale Kategoriensystem umfasste 5 Ka-
tegorien, 28 Unterkategorien und 780 Codes. Nachfolgend werden Auszüge der durchge-
führten Untersuchung dargestellt.
Zur Sicherstellung der Qualität der Untersuchung wurden etablierte Gütekriterien qualitati-
ver Forschung nach Mayring und Kuckartz angewendet, wie Verfahrensdokumentation, Re-
gelgeleitetheit, argumentative Absicherung, Nähe zum Gegenstand, kommunikative Vali-
dierung und Triangulation. [Ma23, Ku22]. Durch eine strukturierte, iterative Vorgehens-
weise, sorgfältige Dokumentation sowie die Einbeziehung unterschiedlicher Expertengrup-
pen wurde ein reflektierter, nachvollziehbarer und theoriegestützter Forschungsprozess ge-
währleistet.
88 Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
4 Darstellung der Ergebnisse der empirischen Studie
4.1 Expertengruppe 1: Projektverantwortliche in KMU
Die Analyse der Interviews mit Expertengruppe 1 zeigt, dass die untersuchten KMU im
Bereich des Projektmanagements (PM) viele Gemeinsamkeiten aufweisen, sich jedoch in
einigen Aspekten unterscheiden. Diese Unterschiede werden im Folgenden kurz beschrie-
ben und in Tabelle 2 anhand normativer, strategischer und operativer Aspekte dargestellt.
Eine zentrale Erkenntnis der Analyse ist, dass lediglich eines der untersuchten KMU be-
reits agile PM-Methoden integriert hat und ein weiteres deren Einführung anstrebt. Nach
Angaben der Interviewpartner ist eine Projektabwicklung mit agilem PM in der Regel
nicht umsetzbar. Zudem zeigt sich, dass der Wissensstand über agile PM-Methoden in den
befragten KMU insgesamt eher gering ist.
Übereinstimmende Einschätzungen
der befragten Projektverantwortlichen
Divergierende Einschätzungen der be-
fragten Projektverantwortlichen
Normative
Ebene
PM wirkt sich auf Zusammenarbeit
im Unternehmen aus
KMU weisen hohe Flexibilität auf
Enge Kundenbindung als Einfluss-
faktor auf das PM
Mindset für Agilität und agile PM-
Methoden nicht vollumfänglich vor-
handen
Einstellung gegenüber PM seitens
der Beschäftigten
Strategische
Ebene
Aufträge werden in Form von Pro-
jekten abgewickelt
Ressourcen begrenzt verfügbar
PM-Kenntnisse sind vorrangig in
der Geschäftsführung vorhanden
Projektleitung hat meist zusätzlich
Tätigkeiten in der Linie
Unternehmen arbeiten in Projekten
sequenziell bzw. planbasiert. Agiles
PM ist so gut wie nicht verbreitet.
PM-Vorgehensmodelle sind aus den
Unternehmen heraus selbst „ge-
wachsen“ und werden an Mitarbeiter
und Unternehmensstruktur ange-
passt
Keine verpflichtende Anwendung
eines standardisierten PM
Einsatzkriterien für PM-Methoden
Teils unklare Abgrenzung und Defi-
nition Projekt und Auftrag
Professionalität im PM schwankt
Variierende Projektorganisationsfor-
men
Unterschiedlicher Einfluss der Ge-
schäftsführung auf Projekte und de-
ren PM
PM-Prozesse sind nur teilweise do-
kumentiert
PM-Zertifizierungen von Mitarbei-
tern sind selten
Operative
Ebene
Befugnisse der Projektleitung nur in
einem engen Handlungsspielraum
gegeben
Offener, flexibler Umgang mit An-
forderungsänderungen je nach Um-
fang und Zeitpunkt
Standardisierung und Dokumenta-
tion von Projektschritten
Anlehnung an Frameworks
Umgang mit Change-Requests
Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU 89
Tab. 2: Identifizierte Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit Projekten und der Anwen-
dung von Projektmanagement innerhalb der Expertengruppe 1 (Projektverantwortliche in KMU)
Die Projektabwicklung der untersuchten KMU zeichnet sich durch hohe Flexibilität, kurze
und direkte Kommunikationswege sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Kunden aus
wobei diese Zusammenarbeit vorrangig in der Angebots- und Konstruktionsphase statt-
findet. Die Einführung von Projektmanagement und die Etablierung eines Projektmana-
gers wirken sich sowohl positiv als auch negativ auf die allgemeine Projektabwicklung
sowie auf das Verhalten einzelner Mitarbeiter und die Zusammenarbeit zwischen Abtei-
lungen aus.
Allen befragten KMU ist gemein, dass sie Projekte und damit eine Form des Projektma-
nagements zur Abwicklung von Kundenaufträgen nutzen. Eine klare Abgrenzung zwi-
schen „Projekt“ und „Auftrag“ besteht jedoch nicht in allen Unternehmen. Hinsichtlich
der Organisationsstruktur setzen die untersuchten Unternehmen auf unterschiedliche For-
men von der Matrix-Organisation bis hin zur Einfluss-Organisation. Eine reine Projekt-
organisation wird aufgrund der Unternehmensgröße und der damit verbundenen begrenz-
ten Ressourcen nicht praktiziert und zudem als kulturell unpassend empfunden.
Die Projektabwicklung in den KMU erfolgt größtenteils sequenziell, also planbasiert. Die
verwendeten Projektmanagement-Vorgehensmodelle sind meist organisch aus dem Un-
ternehmen heraus gewachsen. Dabei zeigt sich, dass die konkrete Umsetzung dieser Mo-
delle stark von den beteiligten Mitarbeitern abhängt und es keine verpflichtende Anwen-
dung oder übergreifende Governance gibt. Wie strukturiert der Prozess verläuft, ob er de-
finiert und dokumentiert ist, variiert ebenfalls zwischen den Unternehmen.
In der Praxis reagieren alle Unternehmen in gewissem Maße agil, insbesondere in der An-
gebots- und Konstruktionsphase. Nach Beginn der Produktionsphase sind Änderungen
zwar noch möglich, jedoch mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden.
In Kleinst- und kleinen Unternehmen übernimmt häufig die Geschäftsführung die Projek-
tabwicklung. Wird ein Projektleiter eingesetzt, verfügt dieser meist nur über einen be-
grenzten Handlungsspielraum, der deutlich hinter dem zurückbleibt, was in der Literatur
oder in etablierten Projektmanagementstandards für diese Rolle vorgesehen ist. Zudem
übernehmen Projektleiter in den meisten Fällen neben ihren Projekttätigkeiten auch pri-
märe Aufgaben in der Linienorganisation.
Mit Blick auf die wesentlichen Zieldimensionen der Projekte wird übereinstimmend be-
richtet, dass der Projektumfang im Verlauf nicht angepasst wird. Stattdessen werden Ab-
striche meist bei Zeit- und Budgetvorgaben vorgenommen. Nur eines der befragten KMU
berichtet davon, Kundenprojekte planmäßig abzuschließen allerdings unter erheblichem
Mehraufwand und mit zusätzlicher Wochenendarbeit für die Mitarbeiter.
Faktoren Zeit und Budget werden
häufig überschritten; Umfang ist
feste Größe
Selten kommen PM-spezifische
Tools zum Einsatz
90 Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
4.2 Expertengruppe 2: Fachexperten aus Beratung und Wissenschaft
Die Ergebnisse der Interviews mit der zweiten Expertengruppe sind in Tabelle 3 zusam-
mengefasst und werden im Folgenden kurz erläutert.
Alle befragten Experten betonen die hohe Bedeutung von Projektmanagement und der
Projektabwicklung in KMU. Die Relevanz agiler Methoden nimmt dabei stetig zu, da
diese zunehmend in Unternehmen, Unternehmerverbänden und auf Konferenzen disku-
tiert werden. Nach Einschätzung der Experten stehen KMU unter wachsendem Druck,
schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und mit Kunden sowie Partnern Schritt zu
halten. Auch der Generationswechsel in den Unternehmen trägt zum steigenden Interesse
an agilen Methoden bei.
Der aktuelle Einsatz agiler Methoden variiert je nach Branche deutlich: Während die IT-
Branche bereits als vergleichsweise agil wahrgenommen wird, besteht insbesondere im
Anlagen- und Maschinenbau noch erheblicher Nachholbedarf. In dieser Branche herrscht
unter den Experten Uneinigkeit darüber, ob agile Methoden sinnvoll einsetzbar sind.
Befürworter argumentieren, dass agile Methoden durch die Anpassung von „Ereignissen“
und „Artefakten“ an den KMU-Kontext sowie durch eine gezielte Skalierung erfolgreich
implementiert werden können. Kritiker hingegen halten den Einsatz agiler Methoden in
KMU dieser Branche für wenig zielführend oder gar nicht umsetzbar. Sie begründen dies
mit den spezifischen Anforderungen der Kunden sowie den besonderen Qualitätsstan-
dards, die mit dem Produkt Maschine/Anlage verbunden sind.
Übereinstimmende Einschätzungen der
befragten Fachexperten
Divergierende Einschätzungen der be-
fragten Fachexperten
Normative
Ebene
Mindset und Verständnis für agile Me-
thoden und PM muss als Vorausset-
zung vorhanden sein
Angepasste Führungskultur ist voraus-
setzend für Umsetzung agiler Metho-
den
Effekte des Einsatzes von agilem PM
in Bezug auf weiche Faktoren wie
Transparenz, Kommunikation, Com-
mitment und Selbstorganisation
Strategische
Ebene
PM nicht in Strategie verankert
Geringe Ressourcenverfügbarkeit
Organisationsstruktur beeinflusst PM
Einsatzbereich agiler Methoden ge-
zielt wählen; je nach Projekt und Ein-
satzfeld sind klassische und/oder agile
Methoden sinnvoll
Potenzial, agile Methoden einzuset-
zen, ist bei KMU in der Branche vor-
handen
Multitasking zwischen Linien- und
Projektaufgaben kann die Effizienz
von PM einschränken
Unterstützung von Externen bei der
Einführung agiler PM-Methoden
Umfeld zwingt zu Einsatz agiler Me-
thoden
Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU 91
Tabelle 3: Identifizierte Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit Projekten und der An-
wendung von Projektmanagement in KMU innerhalb der Expertengruppe 2 (Beratung und
Wissenschaft)
Es zeigt sich, dass ein umfassendes Mindset und Verständnis für Projektmanagement im
Allgemeinen und für agile Methoden im Besonderen in KMU nicht flächendeckend vor-
handen sind. Dabei bieten KMU aufgrund ihrer Merkmale ein großes Potenzial für den
Einsatz agiler Methoden: Ihre höhere Flexibilität und die vergleichsweise kurzen, direkten
Kommunikationswege ermöglichen oft schnellere Reaktionen. Um agile Projektmanage-
mentmethoden erfolgreich einzuführen, ist jedoch eine Anpassung der Unternehmens- und
Führungskultur erforderlich.
Insbesondere das mittlere Management wird von den befragten Experten als entschei-
dende Hürde für die Implementierung und Anwendung agiler Methoden gesehen. Füh-
rungskräfte in dieser Ebene müssen daher gezielt von den Potenzialen agiler Ansätze über-
zeugt werden. Dies gestaltet sich jedoch oft herausfordernd, da die Auswirkungen agiler
Methoden vorrangig bei „weichen“ Faktoren wie Kommunikation, Transparenz und
Teamgefühl spürbar sind und weniger direkt bei „harten“ Kennzahlen wie Produktions-
oder Finanzdaten.
Die Experten sind sich einig, dass agile Methoden die Kommunikation, Transparenz sowie
das Commitment von Belegschaft und Kunden fördern. Zudem steigern sie die Mitarbei-
terzufriedenheit und das Teamgefühl. Ob sich agile Methoden jedoch positiv auf Faktoren
wie Zeitersparnis, Produktionsgeschwindigkeit oder Kosten auswirken, wird unterschied-
lich bewertet.
Ein weiteres Hemmnis ist die fehlende Verankerung von Projektmanagement in der Un-
ternehmensstrategie vieler KMU, wodurch Investitionen in dieses Thema häufig ausblei-
ben. Die Experten empfehlen übereinstimmend, Projekte in KMU in einer Matrix-Orga-
nisation durchzuführen, passende PM-Methoden entsprechend ihres Einsatzfeldes auszu-
wählen und diese nicht als Selbstzweck zu nutzen. Die Methoden sollten an das jeweilige
Unternehmen angepasst und als Leitplanken für das operative Handeln verstanden wer-
den.
Unterschiedlich bewertet wird, ob Mitglieder der Projektteams ausschließlich Projektauf-
gaben übernehmen oder zusätzlich auch Linientätigkeiten ausführen sollten. Während
„Multitasking“ einerseits als hinderlich für die Einhaltung der Projektziele in Bezug auf
Umfang, Zeit und Kosten angesehen wird, reduziert die Kombination von Projekt- und
Operative
Ebene
Projektleitung braucht Unterstützung
der Unternehmensführung
Implementierung agiler Methoden
braucht mehrere Jahre sowie Beglei-
tung durch ein Change Management
Anpassung und Entwicklung der Me-
thodiken und Prozesse
Parallele Anwendung von agilen und
klassischen Vorgehensweisen
Einsatzmöglichkeit agiler Methoden
je nach Branche
Klassisches PM ist oftmals Aus-
gangspunkt für agiles PM
92 Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
Linienaufgaben andererseits den Kommunikationsaufwand. Ebenso gibt es unterschiedli-
che Ansichten darüber, ob agile Methoden auf einer klassischen PM-Struktur aufbauen
sollten oder ob dies nicht erforderlich ist. Auch der Nutzen externer Unterstützung bei der
Einführung agiler Methoden wird unterschiedlich eingeschätzt. Entscheidend sei dabei vor
allem das Wissen um die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Branche und des
Unternehmens.
Da PM-Methoden je nach Einsatzfeld variieren können, ist auch der parallele Einsatz agi-
ler und planbasierter Methoden innerhalb eines Unternehmens möglich. Dies kann jedoch
zu gegenseitigen Behinderungen führen. Die Experten betonen daher, dass die Einführung
agiler Projektmanagementmethoden ein gezieltes Change Management erfordert und sich
über mehrere Jahre erstreckt. Besonders wichtig ist dabei, schrittweise ein gemeinsames
und einheitliches Verständnis des Vorgehensmodells innerhalb der Belegschaft zu etab-
lieren. Auf dieser Grundlage sollten die eingesetzten agilen Methoden kontinuierlich re-
flektiert, angepasst und weiterentwickelt sowie deren Einhaltung sichergestellt werden.
4.3 Identifizierte Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die Imple-
mentierung agiler Projektmanagementmethoden in KMU der Maschinen-
und Anlagenbaubranche
Trotz vorteilhafter Rahmenbedingungen wie flachen Hierarchien, direkter Kommunika-
tion, kundenspezifischen Produkten und hoher Flexibilität werden agile Methoden für das
Management von Projekten in den untersuchten KMU der Maschinen- und Anlagenbau-
Branche kaum angewendet. Dies liegt vor allem an einer geringen Veränderungsbereit-
schaft, einer stark hierarchisch geprägten Unternehmenskultur und einem wenig ausge-
prägten agilen Mindset. Hinzu kommen begrenzte Ressourcen und volatile Marktbedin-
gungen, die die Implementierung zusätzlich erschweren.
Die untersuchten KMU agieren in Nischenmärkten und müssen sich deren spezifischen
Anforderungen anpassen. Ihre starke Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebern und Zu-
lieferern sowie gesetzliche Vorgaben beeinflussen die Arbeitsweise und den Ressourcen-
einsatz erheblich. Verkürzte Produkt- und Maschinenlebenszyklen zwingen die Unterneh-
men zu einer Anpassung ihrer Produktionsweise, was ein verändertes Verständnis und
eine neue Denkweise der Belegschaft erfordert.
Die Einführung agiler PM-Methoden wird zudem durch begrenzte personelle, zeitliche
und finanzielle Ressourcen erschwert. Aus wirtschaftlichen Gründen finden Schulungen
in PM-Methoden seltener statt, und Implementierungsphasen werden möglichst kurz ge-
halten. In den meisten untersuchten KMU übernehmen Projektleiter und Projektteams ihre
Aufgaben zusätzlich zu Linienaufgaben, die häufig im Vordergrund stehen. Da Projekt-
leiter oft keinen direkten Zugriff auf Mitarbeiterressourcen haben und ihre Entscheidungs-
kompetenzen eingeschränkt sind, ist ihre Wirksamkeit begrenzt.
Um agiles Projektmanagement erfolgreich einzuführen, sind Veränderungen in der Unter-
nehmensstruktur und -kultur erforderlich. Dies hängt maßgeblich von der Veränderungs-
bereitschaft und -higkeit des Unternehmens und seiner Belegschaft ab. Die Untersu-
chung zeigt, dass die größten Herausforderungen darin bestehen, dass Führungskräfte und
Mitarbeiter die Veränderungen nicht nachvollziehen können, Widerstand leisten oder aus
Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU 93
Sorge um begrenzte Personalressourcen zögern. Zudem setzt der erfolgreiche Einsatz agi-
ler Methoden ein hohes Maß an Kompetenz der Mitarbeiter voraus insbesondere im
Hinblick auf Selbstorganisation, Verantwortungsübernahme und ein agiles Mindset. In
diesem Zusammenhang können tradierte und stark ausgeprägte Organisations- und Ent-
scheidungsstrukturen die Einführung agiler Methoden erheblich behindern.
5 Diskussion der Ergebnisse
Die Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen deutlich, dass agile Projektmanagementme-
thoden in KMU der Maschinen- und Anlagenbau-Branche anders als beispielweise in der
IT kaum systematisch eingesetzt werden. Zwar verfügen KMU über flache Hierarchien,
direkte Kommunikationswege und eine enge Kundenbindung Merkmale, die aus Sicht
der Befragten grundsätzlich Potenzial für agile Arbeitsweisen bieten , doch wird dieses
Potenzial bislang nur vereinzelt ausgeschöpft. Die meisten Unternehmen arbeiten weiter-
hin überwiegend sequenziell und planbasiert, wobei ihre Vorgehensweisen historisch ge-
wachsen und kaum formalisiert sind. Projektmanagement erfolgt in vielen Fällen ohne
verbindliche Standards und hängt stark von individuellen Personen ab.
Auffällig ist, dass sich zwischen den beiden befragten Gruppen Unterschiede in der Ein-
schätzung der Einsetzbarkeit agiler Methoden zeigen. Während die Projektverantwortli-
chen agile Ansätze vielfach als nicht praktikabel einschätzen oder ihnen wenig Wissen
darüber attestieren, betonen die externen Experten die grundsätzliche Umsetzbarkeit so-
fern eine gezielte Anpassung an den KMU-Kontext erfolgt. Diese Diskrepanz verweist auf
eine mögliche Wahrnehmungslücke und unterstreicht die Relevanz von Kommunikation,
Schulung und externem Know-how bei Transformationsprozessen.
Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft die Rolle der Projektleitung. In den meisten KMU
ist sie zusätzlich zur Linienfunktion in einer Position verankert und mit begrenzten Ent-
scheidungskompetenzen ausgestattet. Dies schränkt die Umsetzung komplexerer PM-An-
sätze ob klassisch oder agil erheblich ein. Auch die Experten betonen, dass die Pro-
jektleitung auf die aktive Unterstützung der Unternehmensführung angewiesen ist, um
überhaupt Veränderungen in der Methodik umzusetzen. Es wird zudem deutlich, dass der
Aufbau agiler Strukturen ein längerfristiger Veränderungsprozess ist, der so der Tenor
beider Gruppen nicht ohne strukturelle und kulturelle Anpassungen gelingen kann.
Fraglich bleibt, ob klassische agile Frameworks im Sinne eines „One-size-fits-all“-Ansat-
zes überhaupt sinnvoll auf KMU übertragbar sind oder ob es vielmehr kontextangepasste,
hybride Ansätze braucht, die mit den Ressourcen und Strukturen kleiner Unternehmen
kompatibel sind.
Die qualitative Methodik erlaubt tiefe Einblicke, erhebt aber keinen Anspruch auf Reprä-
sentativität und vermag die Heterogenität der KMU-Landschaft nur begrenz abzubilden.
Zukünftige Forschung sollte daher auch kontrastierende Fallbeispiele von KMU analysie-
ren, die agile Methoden bereits erfolgreich einsetzen, um übertragbare Erfolgsfaktoren
abzuleiten und bestehende Theorien auf ihre Passfähigkeit im Mittelstand zu überprüfen.
94 Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
6 Fazit: Erkenntnisse und Implikationen für die Praxis
Im Kontext von KMU der Maschinen- und Anlagenbau-Branche zeigt sich, dass flexibles
Handeln, flache Hierarchien und eine starke Kundenorientierung bereits vorhanden sind
und damit auch erste Ansätze sowie günstige Voraussetzungen für Agilität bestehen. Ei-
nige KMU arbeiten aufgrund ihrer projektbasierten Auftrags- und Produktentwicklung be-
reits agil, jedoch meist ohne eine systematische Vorgehensweise. Häufig fehlen zeitliche,
personelle und finanzielle Ressourcen, wodurch auch das erforderliche Know-how für ei-
nen konsequenten Transformationsprozess hin zu einer umfassenden und strukturierten
agilen Arbeitsweise nicht ausreichend vorhanden ist.
Um diesen Wandel erfolgreich umzusetzen, ist die Bereitschaft erforderlich, Unterneh-
menskultur, Strategie und Strukturen an agile Prinzipien anzupassen. Dies setzt zugleich
voraus, dass alle Stakeholder bereit sind, aktiv an den Veränderungen mitzuwirken: Die
Geschäftsführung muss Entscheidungsbefugnisse abgeben, die Belegschaft eigenverant-
wortlicher arbeiten, und auch die Kunden müssen bereit sein, das agile Vorgehen zu un-
terstützen.
Bei der Einführung und Anwendung agiler Methoden hat sich gezeigt, dass eine individu-
elle Anpassung an das Unternehmen, das jeweilige Projekt, das Produkt sowie die spezi-
fischen Rahmenbedingungen entscheidend ist. Die Einführung agiler Methoden ist ein
langfristiger Prozess, der von der Führungsebene vorgelebt und durch Change Manage-
ment-Maßnahmen unterstützt werden muss, um Mitarbeiter einzubinden und Widerstände
abzubauen [EB11].
Agiles Projektmanagement ist kein universelles Erfolgsrezept und sollte nicht zum Selbst-
zweck eingesetzt werden. Unter geeigneten Rahmenbedingungen bleiben klassische, plan-
basierte Vorgehensweisen eine sinnvolle Alternative. Gelingt eine Einführung, kann der
Einsatz agiler Methoden kleine und mittlere Unternehmen der betrachteten Branche bei
der Entwicklung innovativer, komplexer Produkte unterstützen und damit einen Beitrag
leisten, ihre Existenz in Zukunft zu sichern. Die Methoden des agilen Projektmanagements
bieten bei passender Umsetzung in der für die deutsche Wirtschaft so wichtige Gruppe
kleiner und mittelständischer Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau langfristig die
Möglichkeit, weiter in einer volatilen Welt zu bestehen, sich stärker an Kunden- und
Marktanforderungen zu orientieren und sich gegen die internationale Konkurrenz wettbe-
werbsfähig aufzustellen.
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Anhang
Studie
Empirie/Metho-
dik
Untersuchungsgegen-
stand
Untersuchungsrelevante Kerner-
gebnisse
Projektmanage-
ment 2008 -
Fakten und
Trends zum
Projektmanage-
ment im deut-
schen Mittel-
stand 2008
[KN08]
Quantitative
Studie mit On-
line-Fragebogen
mit 32 Fragen
der vom 17.07.-
15.09.2008
Teilnehmende an Haufe
Akademie Seminaren
zum Thema PM, tätig
im IT-Bereich, mit Füh-
rungsverantwortung,
MA der Personalabtei-
lung, Unternehmens-
größe 100-1000 MA;
auf Online-Plattformen:
PM-Blogs und Informa-
tionsanbieter
www.competence-
site.de und die Exper-
tenseite www.projekt-
magazin.de.
PM spielt im Mittelstand unterge-
ordnete Rolle
PM ist nicht konsequent im Unter-
nehmensumfeld eingebettet, wird
„inselartig verstreut“ durchgeführt
Standards und Zertifizierungen sind
selten
PM wird on-the-job gelernt und
weist geringen Grad an Methoden-
nutzung auf.
Projektleiter und Teammitglieder
müssen multitaskingfähig sein, sind
in mehreren Projekten aktiv
Projekte werden neben Kernaufga-
ben ausgeübt
Unternehmen mit wenigen Projek-
ten sehen keinen Zusammenhang
zwischen Einsatz von PM und dem
wirtschaftlichen Unternehmenser-
folg
98 Elisabeth Schwarz und Timm Eichenberg
Kann der deut-
sche Mittelstand
agil? [SJ19]
Quantitative
Studie mit On-
line-Frageboden
Anschließend
qualitative Ex-
perteninterviews
271 Führungskräfte mit
Gesamt- oder Teilunter-
nehmens-verantwortung
in mittelständischen
Unternehmen verschie-
dener Branchen und
Größen
68,3 % der Befragten haben Agilität
in der Unternehmensstrategie veran-
kert und verfolgen Ziel, eine agile
Organisation zu sein.
16 % sehen keine überzeugenden
Vorteile in agilem Handeln, 15 %
ist Agilität unbekannt.
Anwendung agiler Tools und Me-
thoden wird von den Unternehmen
als am wenigsten relevant angese-
hen.
„Agile Trans-
formation
Doing Agile ver-
sus Being Agile“
[Zi20]
Quantitative
Studie wird an-
genommen
Telefonische
und digitale Da-
tenerhebung
208 große mittel-ständi-
sche Unternehmen und
Konzerne
breiten Branchenquer-
schnitt; mehrheitlich In-
dustriesektor
49 % der befragten Un-
ternehmen erwirtschaf-
tete 2019 über 1 Milli-
arde Euro.
Interviewpartner sind
Digital- und IT-Mana-
ger. 64 % sind CIO,
CTO und CDO.
10 % der Unternehmen arbeiten mit
agilen Methoden
32 % der Führungskräfte verfügen
über agile Methodenkompetenz
Schwächen im agilen Mindset; Agi-
lität nicht in Kultur und Führungs-
stil verankert
31 % der Top-Manager treiben
agile Transformation voran, tun sich
schwer, Mitarbeitenden „Gestal-
tungsfreiräume, Selbstbestimmung
und -organisation“ einzuräumen
und eigene Entscheidungsbefug-
nisse zu reduzieren.
im Top-Management und beim Ein-
satz agiler Frameworks zeigt sich
„Diskrepanz zwischen ,agil sein
wollen‘ und ,agil sein‘
Status Quo
(Scaled) Agile
4. Auflage
[Ho20]
Quantitative
Studie: Online-
Umfrage mit
Fragebogen in
englischer und
deutscher Spra-
che
Zeitraum von 24
09 2019 bis 29
11 2019
642 Teilnehmende aus
26 Ländern
Verbreitet über ver-
schiedene Newsletter,
Blogs, Webseiten, Pub-
likationen und Tweets
Keine Angaben zu Teil-
nehmenden
agile Methoden mehrheitlich selek-
tiv und in Mischform mit klassi-
schen PM-Methoden angewendet
85 % sehen durch Einsatz agiler
Methoden eine Verbesserung der
Projektergebnisse und gestiegene
Effizienz eingetreten
wichtigste Gründe für Einsatz agiler
Methoden Risiko-Reduktion, Pro-
dukteinführungszeiten und Qualität
größte Herausforderungen für den
erfolgreichen Einsatz agiler Metho-
den sind „Interne Prozesse“ und
„Top-Management“
HybridAgil
[KCB22]
Quantitative On-
line-Studie
HybridAgil be-
inhaltet eine
Reihe von Stu-
dien, die zwi-
schen
01.01.2019 bis
31.12.2021
durchgeführt
wurden
655 Unternehmen aus
16 Ländern
Stichprobe: 40 % kleine
KMU, 24 % mittlere
und 36 % große Unter-
nehmen
Geschäftsführer und
Führungskräfte aus der
Produktion im verarbei-
tenden Gewerbe
In nur 45 % der deutschen Unter-
nehmen spielt Agilität und Einsatz
agiler Methoden eine Rolle
Im internationalen Vergleich damit
Schlusslicht
Minderheit der Unternehmen nut-
zen agile Methoden zur Weiterent-
wicklung von Produkten, Service-
leistungen und Geschäftsmodellen
China (88 %), Indien (82 %) und
Mexiko (86 %) arbeiten häufiger
agil
Einsatz agiler und offener Entwick-
lungsmethoden wirkt sich signifi-
kant positiv auf den Umsatzanteil
Einsatz agiler Projektmanagementmethoden in KMU 99
mit digitalen Services und Ge-
schäftsmodellen aus
Agile Entwick-
lung physischer
Produkte
[Mi22]
Quantitative On-
line-Studie mit
41 geschlosse-
nen Fragen und
einer offenen
Frage von 01-
03/2022
Likert-Skala
wird angewen-
det
Studienreihe
wird jährlich
seit 2017 mit
verschiedenen
Schwerpunkten
durchgeführt
Stichprobengröße 128
Teilnehmende aus der
DACH-Region; 43 %
Projekt- und Gruppen-
leiter, 9 % Geschäfts-
führung, 15 % Agile
Coaches
Verbreitung: persönli-
che Kontakte, Newslet-
ter des VDI und soziale
Medien
Branchen: 25 % Ma-
schinen & Anlagenbau,
21 % Fahrzeug- & Ver-
kehrstechnik
17 % KMU
Bei 22 % der Teilnehmenden ist
agile Produktentwicklung das domi-
nante Vorgehensmodell; 62 % der
Anwendung bei Neuentwicklungen
Klassische Projektrollen sind etab-
liert; agiles Rollenverständnis hat
sich noch nicht durchgesetzt
Nur 30 % wenden agile Vorgehens-
modelle ohne (2%) oder mit gerin-
gen Adaptionen an
Konflikte bei Einführung von agi-
lem PM: Machtverlust der Füh-
rungsebene, Verlust klassischer
Karrierepfade, Führung durch Ziele;
Entscheidungsgewalt
Weiche Faktoren werden verbessert
Selbstorganisation beeinflusst Pro-
jekterfolg
Tabelle 4: Übersicht über empirische Studien zum agilen Projektmanagement
100
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 101
Von Anfang an mit KI: Lösungsskizzen mit intelligenten
Komponenten gestalten
Kokulan Thanabalan1 und Axel Kalenborn2
Abstract: Künstliche Intelligenz (KI), insbesondere generative Modelle wie Large Language Mo-
dels (LLMs), gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Softwareentwicklung. Während der Einsatz
in der Entwicklungs- und Managementphase bereits weit verbreitet ist, bleibt das Potenzial von KI
in frühen Projektphasen, wie Angebotserstellung und Lösungskonzeption, oft ungenutzt. Dieses Pa-
per zeigt, wie KI bereits in der Vorvertragsphase systematisch integriert werden kann, um Innovati-
onskraft, Effizienz und Zukunftsfähigkeit von Softwarelösungen zu steigern. Anhand typischer Ein-
satzfelder wie Mustererkennung, Klassifikation, Tracking und Textgenerierung sowie konkreter
Praxisbeispiele wird gezeigt, wie KI gewinnbringend in technische Skizzen eingebettet werden
kann. Ziel ist es, Projektverantwortliche dafür zu sensibilisieren, KI nicht nur als Hilfsmittel für ihre
eigene Arbeit zu verwenden, sondern als zentralen Bestandteil moderner Lösungsarchitekturen zu
verstehen und strategisch einzusetzen.
Keywords: Large Language Model, Angebote, KI-Potentiale, Künstliche Intelligenz
1 Einleitung
Künstliche Intelligenz (KI) hat sich in den letzten Jahren zu einer Schlüsseltechnologie in
der Softwareentwicklung entwickelt. Insbesondere generative KI und maschinelles Ler-
nen werden zunehmend in Bereichen wie automatisierte Codegenerierung, Testfallablei-
tung, Anforderungsanalyse und Projektmanagement eingesetzt [Br20]. Eine zentrale tech-
nologische Grundlage vieler moderner Anwendungen bildet die Klasse der Large Langu-
age Models (LLMs). Diese Sprachmodelle basieren auf neuronalen Netzen mit Milliarden
von Parametern und werden auf umfangreichen Mengen Textdaten trainiert. Ermöglicht
wurde diese Entwicklung durch Fortschritte im Deep Learning, die Verfügbarkeit großer
Rechenressourcen und riesige Trainingsdatensätze. LLMs sind in der Lage, Sprache auf
hohem Niveau zu verstehen und zu generieren [Sh23]. Tools wie ChatGPT, Gemini,
GitHub-Copilot oder KI-gestützte Assistenzsysteme helfen Entwicklerinnen und Entwick-
lern sowie Projektverantwortlichen bereits heute dabei, komplexe Aufgaben schneller, ef-
fizienter und oft auch kreativer zu bewältigen.
Auch beim Management der Software-Projekte nimmt die Nutzung von KI-Technologien
stetig zu. Hier finden sich in allen Phasen hilfreiche Tools, die z.B. bei der Zusammen-
stellung von Arbeitspaketen, der Risikobewertung oder der Aufwandsschätzung helfen
[La20], [Lo24].
1 Universität Trier, Wirtschaftsinformatik, Behringstraße 21, 54286 Trier, thanabalan@uni-trier.de
2 Universität Trier, Wirtschaftsinformatik, Behringstraße 21, 54286 Trier, axel.kalenborn@uni-trier.de
102 Kokulan Thanabalan und Axel Kalenborn
Während somit der praktische Einsatz von KI in der Entwicklungs- und Managementphase
stetig zunimmt, zeigen sich Defizite in zwei anderen zentralen Phasen der Softwareent-
wicklung: Der Vorvertragsphase, in der die Angebote für die umzusetzende Software er-
stellt wird, sowie bei der Erstellung von Lösungsskizzen und damit der Grundlage für die
spätere Realisierung der Projekte [Zh23b]. Diese frühen konzeptionellen Entwürfe dienen
als verbindende Brücke zwischen den Anforderungen und der Implementierung. Sie legen
die grobe Architektur fest, beinhalten erste Lösungsskizzen und legen bereits die zu ver-
wendenden Technologien fest.
Aktuell wird in Angeboten und Lösungsskizzen jedoch häufig noch traditionell gedacht:
Systeme werden algorithmisch entworfen, KI-Potenziale bleiben unberücksichtigt. Die
Möglichkeit, KI als integralen Bestandteil einer Lösung etwa zur Klassifikation, auto-
matisierten Strukturierung, Sprachverarbeitung oder Entscheidungsunterstützung bereits
im Architekturentwurf mitzudenken, wird noch nicht ausreichen ausgeschöpft. Dies führt
dazu, dass wertvolle Chancen zur Effizienzsteigerung, Nutzerzentrierung und Differen-
zierung ungenutzt bleiben oder erst in späteren Projektphasen aufwendig nachgerüstet
werden. Zudem erhöht eine frühe Berücksichtigung von KI-Potentialen die Wettbewerbs-
fähigkeit sowie die Zukunftssicherheit, da sich viele Probleme, die nur sehr aufwändig mit
Algorithmen gelöst werden können, mit KI deutlich einfacher und wirtschaftlicher lösen
lassen.
Ziel dieses Papers ist es daher, Vertriebsmitarbeiter, Projektmanagerinnen und -manager
sowie Softwareingenieure dafür zu sensibilisieren, die Potenziale von KI bereits in der
Phase der Lösungskonzeption systematisch zu erkennen und zu integrieren. Dazu werden
typische Einsatzmuster von KI skizziert, die sich in Lösungsskizzen abbilden lassen, und
praxisnahe Empfehlungen gegeben, wie intelligente Komponenten sinnvoll und verant-
wortungsvoll in technische Entwürfe eingebunden werden können.
Methodisch folgt dieses Paper dem Design-Science-Ansatz [He04], [VK07]. Das Ziel des
Ansatzes besteht darin, innovative Artefakte (z. B. Modelle, Methoden, Frameworks oder
Software) zu gestalten und zu evaluieren, um reale Probleme zu lösen und gleichzeitig
theoretisches Wissen zu erweitern zu können. Als empirischer Kontext für dieses Paper
wird eine kaufmännische Software verwendet, die in verschiedenen Unternehmen und der
öffentlichen Hand eingesetzt wird, außerdem werden Artefakte aus Individualprojekten
verwendet.
2 Von der Anforderung zur (KI-)Lösung
Angebote und Lösungsskizzen sind zentrale Kommunikations- und Planungsinstrumente
in den frühen Phasen von Softwareprojekten. Sie dienen dazu, auf anschauliche Weise zu
vermitteln, wie eine Anwendung funktioniert und welche Anforderungen sie erfüllen soll
und wie hoch der Aufwand für die Umsetzung der Anwendung sein wird. Im Unterschied
zu formalen Architekturmodellen stehen in der Praxis häufig visuelle Mock-Ups, Prozess-
beschreibungen, Use Cases und erläuternde Texte im Mittelpunkt. Sie helfen Teams dabei,
fachliche Anforderungen zu strukturieren, Lösungsansätze zu visualisieren und ein ge-
meinsames Verständnis über die spätere Systemfunktionalität zu entwickeln. [Ka14]
Das Team-Quality-Level als Basis für KI-generierte Handlungsempfehlungen 103
Wie bereits ausgeführt, beginnt die inhaltliche Auseinandersetzung mit einer Lösung in
nahezu allen Projekten nicht erst nach Projektstart, sondern in der Vorvertragsphase. Im
Rahmen der Angebotserstellung. Auftraggeber erwarten bei einem Angebot nicht nur eine
Kostenschätzung, sondern auch eine erste Vorstellung davon, wie ein Problem gelöst wer-
den kann. Angebote enthalten deshalb meist bereits vorläufige Lösungsskizzen, in denen
zentrale Systemideen, technologische Ansätze oder beispielhafte Abläufe beschrieben und
visualisiert werden.
Das sich in der Vorvertragsphase potentielle Auftragnehmer im Wettbewerb miteinander
befinden, ist der Innovationsgrad sowie die Wirtschaftlichkeit eines Angebots entschei-
dend für den Zuschlag. In beiden Bereichen sollte das Potential von KI genutzt werden,
um dem Wettbewerb möglichst einen Schritt voraus zu sein. Eine Lösungsskizze, die be-
reits intelligente Komponenten berücksichtigt, kann sich positiv auf die Wahrnehmung
von Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit auswirken.
Die Skizzen entstehen typischerweise in interdisziplinären Workshops oder in enger Ab-
stimmung zwischen Fachbereich, Projektmanagement und Entwicklung. Ziel ist nicht die
vollständige Ausformulierung aller technischen Details, sondern eine verständliche, nach-
vollziehbare und grob-strukturierte Beschreibung der geplanten Lösung. Die Lösungs-
skizze bildet damit eine wichtige Brücke zwischen der Anforderungserhebung und der
späteren Umsetzung.
Gerade in dieser frühen Planungsphase bietet es jedoch entscheidende Vorteile, KI-ge-
stützte Funktionalitäten mitzudenken: Sie erweitern die Lösungsspielräume, eröffnen neue
Interaktionsformen und können langfristig die Nutzerzufriedenheit und Wartbarkeit der
Anwendung verbessern. Die Herausforderung besteht darin, diese Möglichkeiten frühzei-
tig zu erkennen und sinnvoll in die konzeptionellen Skizzen zu integrieren sei es durch
gezielte Verweise auf KI-Komponenten, durch narrative Szenarien mit KI-Verhalten oder
durch die Formulierung offener Fragestellungen, die durch maschinelles Lernen adressiert
werden könnten.
3 Potentiale und Einsatzfelder von KI in Softwaresystemen
Künstliche Intelligenz bietet heute in modernen Softwaresystemen eine Vielzahl von Ein-
satzmöglichkeiten, die weit über klassische regelbasierte Logik hinausgehen. Besonders
wirksam zeigt sich KI in Bereichen, in denen große Datenmengen, unscharfe Informatio-
nen oder individuelle Nutzerkontexte verarbeitet werden müssen.
Grundlage der Auswahl ist eine systematische Analyse wissenschaftlicher Arbeiten, bei
der die Einsatzfelder generativer KI entlang funktionaler Zielsetzungen kategorisiert wur-
den. Die wissenschaftliche Einordnung folgt in Anlehnung an die Kategorisierung von
Zhao et al. (2020) und Sinjanka et al. (2023), die sechs übergeordnete Zielbereiche für den
Einsatz von LLMs identifizieren: Extraktion und Mustererkennung, Klassifikation, Tra-
cking und Modellierung, Textgenerierung [Zh20], [SIM23]. Abbildung 1 zeigt eine erste
Übersicht von denkbaren Aufgaben, die mit neuer KI-Technologie umgesetzt werden kön-
nen [PVB24]. In den folgenden Unterkapiteln werden die einzelnen Kategorien im Detail
besprochen.
104 Kokulan Thanabalan und Axel Kalenborn
Abbildung 1: Einsatzmöglichkeiten der KI, eigene Erstellung.
3.1 Extraktion und Mustererkennung
LLMs ermöglichen die automatisierte Verarbeitung unstrukturierter Datenquellen, etwa
Freitexten, PDFs oder E-Mails. Dabei werden relevante Informationen etwa Ansprech-
partner, Kundennummern oder Bestellnummern zuverlässig identifiziert und extrahiert
[Zh23a]. Diese Fähigkeit ist essenziell für Prozesse, bei denen strukturierte Daten aus un-
übersichtlichen oder heterogenen Formaten benötigt werden, beispielsweise in der Kun-
denkommunikation oder im Dokumentenmanagement.
Über die reine Informationsextraktion hinaus unterstützen KI-Modelle auch die Erken-
nung komplexer Muster in Daten. Sie liefern datenbasierte Empfehlungen und Bewertun-
gen, etwa in Form von Risikoeinschätzungen, Prognosen oder Anomalieerkennungen.
Diese Systeme treffen keine finalen Entscheidungen, sondern fungieren als intelligente
Entscheidungsunterstützung für menschliche Akteure oder zur Steuerung nachgelagerter
Prozesse [Fa23].
3.2 Klassifikation
Als Klassifikation wird die Fähigkeit bezeichnet, Texte oder Informationen automatisiert
zu bestimmten und in eine Ordnung zu bringen. Diese Funktion kommt etwa bei der Ver-
arbeitung von Kundenfeedback, bei der Risikobewertung oder der Zuordnung von Vor-
gängen zu Prozesspfaden zum Einsatz [PVB24]. In der automatischen Entscheidungsun-
terstützung können LLMs eingehende Anfragen oder Dokumente in definierte Kategorien
einordnen und so Bearbeitungswege oder Eskalationsstufen automatisch auswählen. Auch
in der Personalisierung wird Klassifikation genutzt, um Nutzerverhalten bestimmten
Gruppen zuzuordnen und Inhalte gezielt auszuspielen.
3.3 Tracking und Modellierung
LLMs unterstützen das kontinuierliche Erfassen und Analysieren von Informationen aus
internen und externen Datenströmen. Diese Fähigkeit auch als Tracking bezeichnet
ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Veränderungen und Mustern in dynamischen
Umgebungen [WWS23]. Besonders in der Prozessüberwachung oder bei der Analyse von
Das Team-Quality-Level als Basis für KI-generierte Handlungsempfehlungen 105
Nutzerinteraktionen liefert Tracking wertvolle Einblicke: So lassen sich etwa Abweichun-
gen im Ablauf digitaler Geschäftsprozesse frühzeitig identifizieren oder Inhalte und Ab-
läufe personalisierter Softwaresysteme automatisiert an das Verhalten von Anwendern an-
passen. Tracking bildet damit eine zentrale Grundlage für intelligente, adaptive Systeme.
Ergänzend dazu kommt die Modellierung historischer Daten zum Einsatz. Hier erkennen
LLMs relevante Muster in vergangenen Entwicklungen, um daraus fundierte Prognosen
abzuleiten etwa zu Nachfrageverläufen, Durchlaufzeiten oder finanziellen Kennzahlen
[Fa23]. Diese vorausschauenden Modelle ermöglichen datenbasierte Handlungsempfeh-
lungen, die sowohl für operative Entscheidungen als auch für strategische Planungen nutz-
bar sind. So leisten LLMs einen wichtigen Beitrag zur verbesserten Steuerung, Planung
und Risikoeinschätzung in einer Vielzahl von Anwendungsfeldern.
3.4 Textgenerierung
Textgenerierung bezeichnet die Fähigkeit von KI-Systemen, aus strukturierten oder un-
strukturierten Daten neue, kohärente Texte zu erstellen oder bestehende Inhalte in eine
andere Form zu überführen. Sie umfasst dabei verschiedene Anwendungsformen, die in
datengetriebenen Geschäftsprozessen vielfältige Mehrwerte schaffen.
Ein zentraler Anwendungsbereich ist die automatische Zusammenfassung. Dabei werden
längere Texte auf ihre wesentlichen Inhalte verdichtet und kompakt dargestellt. Dies un-
terstützt die schnelle Entscheidungsfindung, indem relevante Informationen gezielt extra-
hiert und verständlich aufbereitet werden. Typische Beispiele sind die automatisierte Zu-
sammenfassung von E-Mail-Verläufen oder die Reduktion komplexer Vertragsdokumente
auf zentrale Klauseln etwa zur Effizienzsteigerung in juristischen Prüfprozessen
[Zh23a], [PVB24].
Ein weiterer wichtiger Anwendungsfall ist die automatische Übersetzung [Zh23a]. KI-
Modelle können Texte in Echtzeit in verschiedene Sprachen übertragen, wodurch interna-
tionale Kommunikation erleichtert und mehrsprachige Inhalte schneller zugänglich ge-
macht werden. Dies ist besonders relevant für global agierende Unternehmen, die Inhalte
für unterschiedliche Märkte bereitstellen müssen.
Auch die Code-Generierung gehört zur Textgenerierung. Hierbei werden aus natürlichen
Spracheingaben (z. B. „Schreibe eine Funktion zur Sortierung einer Liste“) direkt ausführ-
bare Programmcodes erstellt [Br20]. Diese Fähigkeit beschleunigt Entwicklungsprozesse
erheblich und unterstützt insbesondere weniger technisch versierte Nutzer dabei, program-
miernahe Aufgaben zu lösen.
4 Praktische Beispiele für die KI-Nutzung
Die zuvor beschriebenen Kategorien und Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz, insbeson-
dere von LLMs, lassen sich gezielt auf typische Herausforderungen in der Unternehmen-
spraxis übertragen. Vor allem in datenintensiven Geschäftsprozessen entfalten generative
KI-Systeme ihr Potenzial durch Strukturierung unübersichtlicher Informationen, Automa-
tisierung repetitiver Aufgaben und intelligente Entscheidungsunterstützung.
106 Kokulan Thanabalan und Axel Kalenborn
Die im Folgenden dargestellten Praxisbeispiele basieren auf realen Anwendungen in ver-
schiedenen Domänen. Die gezeigten Einsatzformen sind produktiv im Einsatz und ver-
deutlichen die konkrete Wirksamkeit von LLMs in betrieblichen Abläufen. Sie wurden im
Rahmen interner Fallstudien und praxisnaher Analysen identifiziert, die den Einsatz ge-
nerativer KI in unterschiedlichen betrieblichen Kontexten systematisch untersucht haben.
Dazu werden im Folgenden drei konkrete Anwendungsszenarien vorgestellt: die Struktu-
rierung externer Datenquellen, die Unterstützung bei der Datenerfassung sowie die Kon-
trolle komplexer Geschäftsvorfälle. Diese Beispiele zeigen praxisnah, wie generative KI
in operativen Kontexten genutzt werden kann, um Effizienz, Genauigkeit und Skalierbar-
keit zu verbessern.
4.1 Strukturierung von externen Daten
Die Integration externer Datenquellen stellt Unternehmen häufig vor die Herausforderung,
Informationen aus unstrukturierten oder semi-strukturierten Formaten in die eigene Sys-
temlandschaft zu überführen. Besonders aufwendig ist dies, wenn relevante Daten bei-
spielsweise in PDFs, E-Mails oder anderen nicht-standardisierten Formaten vorliegen und
manuell aufbereitet werden müssen. Eine praktische Fallstudie konnte zeigen, dass LLMs
in der Lage sind, solche unstrukturierten Daten zu analysieren, relevante Inhalte zu extra-
hieren und sie in strukturierter Form, beispielsweise als Tabelle, aufzubereiten [Th23]. In
einem konkreten Anwendungsfall mussten Mitarbeitende regelmäßig Preislisten aus PDF-
Dokumenten manuell mit den im kaufmännischen System hinterlegten Produktinformati-
onen abgleichen und aktualisieren. Dieser Vorgang war nicht nur zeitintensiv, sondern
auch anfällig für Übertragungsfehler. In durchgeführten Experimenten sowie dem späte-
ren praktischen Einsatz zeigte sich, dass LLMs in der Lage sind, Produkte und zugehörige
Preise automatisiert aus den PDF-Tabellen zu extrahieren und korrekt in eine strukturierte
Datenform zu überführen. Damit wird nicht nur die Datenqualität erhöht, sondern auch
der Prozess der Datenintegration erheblich beschleunigt, was in dynamischen Märkten mit
häufig wechselnden Preisstrukturen einen entscheidenden Vorteil darstellt.
4.2 Unterstützung bei der Datenerfassung
Die manuelle Erfassung von Daten über Formulare zählt in vielen Unternehmen zu den
besonders zeitaufwändigen und fehleranfälligen Aufgaben. Prozesse wie das Anlegen
neuer Kunden oder Produkte erfordern häufig das Ausfüllen zahlreicher Formularfelder.
Diese tigkeit hält Mitarbeitende häufig von ihrem eigentlichen Tagesgeschäft ab. In der
Praxis werden die benötigten Informationen oft in unstrukturierter Form übermittelt, zum
Beispiel per E-Mail. Ein typisches Szenario besteht darin, dass ein Kunde seine Daten als
Fließtext an den Vertrieb sendet und eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter anschließend
die relevanten Informationen manuell in die vorgesehenen Felder eines Formulars über-
trägt.
Das Team-Quality-Level als Basis für KI-generierte Handlungsempfehlungen 107
Abbildung 2: Datenerfassung über KI, eigene Erstellung.
An dieser Stelle können LLMs wie GPT wirkungsvoll unterstützen. Wie eine weitere prak-
tische Fallstudie zeigt, sind moderne Sprachmodelle in der Lage, unstrukturierte Freitexte
zu analysieren, relevante Inhalte zu erkennen und diese automatisch den passenden Ein-
gabefeldern eines digitalen Formulars zuzuordnen [Kl24]. Die Nutzerinnen und Nutzer
müssen nicht mehr jedes Feld einzeln ausfüllen, sondern können den gesamten Textblock
übergeben. Das Modell übernimmt im Hintergrund die Strukturierung und Zuordnung der
Informationen. Dadurch sinkt nicht nur der Aufwand, sondern auch die Fehleranfälligkeit
wird verringert und die Datenerfassung deutlich beschleunigt.
Ergänzend wurde die Möglichkeit geschaffen, Formulare per Spracheingabe auszufüllen.
Dabei wandelt ein KI-System das gesprochene Wort in natürliche Sprache um und über-
trägt die erkannten Informationen direkt in die entsprechenden Formularfelder. Diese
Funktion erleichtert die Eingabe von Daten in Situationen, in denen die Nutzung einer
Tastatur nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Gleichzeitig wird die Barrierefreiheit ver-
bessert, da auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen einfacher auf digitale For-
mulare zugreifen können.
4.3 Kontrolle komplexer Geschäftsvorfälle
Die Erstellung und Prüfung geschäftlicher Dokumente, wie etwa Rechnungen oder Ver-
träge, gehört zu den zentralen Aufgaben in nahezu jedem Unternehmen. Besonders bei
international tätigen Firmen ergeben sich dabei komplexe Anforderungen durch unter-
schiedliche gesetzliche Vorgaben und steuerliche Regelungen in den jeweiligen Ländern.
In vielen Unternehmen stellt insbesondere die korrekte Rechnungsstellung für ausländi-
sche Kunden eine Herausforderung dar. Denn Steuersätze, Pflichtangaben oder Wäh-
rungsangaben unterscheiden sich je nach Land. Dies erschwert die Bearbeitung, vor allem
für neue Mitarbeitende ohne fundierte Kenntnisse länderspezifischer Vorschriften.
Zur Qualitätssicherung wird in diesem Kontext ein LLM eingesetzt, das zur automatisier-
ten Prüfung von Rechnungen verwendet wird. Das Modell analysiert den Inhalt fertig er-
stellter Rechnungen, erkennt potenzielle Abweichungen wie fehlerhafte Steuersätze oder
unvollständige Pflichtangaben und schlägt gegebenenfalls notwendige Korrekturen vor.
Dabei berücksichtigt es gespeicherte Regeln, typische Muster und länderspezifische Kon-
texte. Der Einsatz des LLMs dient somit nicht nur der Fehlervermeidung, sondern auch
der spürbaren Entlastung des Personals bei grenzüberschreitenden Geschäftsvorfällen.
Abbildung 3 veranschaulicht eine beispielhafte Prüfung.
108 Kokulan Thanabalan und Axel Kalenborn
Abbildung 3: Kontrolle von Geschäftsvorfällen über KI, eigene Erstellung.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Kostenersparnis. Die Nutzung eines leistungsstarken Mo-
dells wie GPT-4.1 von OpenAI verursacht vergleichsweise geringe Kosten. Aktuell liegen
die Preise bei etwa zwei US-Dollar pro einer Million Eingabetoken und acht US-Dollar
pro einer Million Ausgabetoken [Op25a]. Ein Dokument mit ungefähr 75 Wörtern ent-
spricht im Schnitt etwa 100 Token [Op25b]. Angenommen ein Dokument umfasst 300
Token und das Modell generiert eine Ausgabe mit 1000 Token, so lassen sich für 2 US-
Dollar ca. 230 Dokumente automatisiert verarbeiten.
Unternehmen profitieren somit nicht nur von der Automatisierung, sondern auch von sig-
nifikanten Kostenvorteilen im Vergleich zu einer manuellen Prüfung durch Fachkräfte.
Darüber hinaus spart man wertvolle Zeit von Expertinnen und Experten, etwa Steuerbera-
terinnen und Steuerberatern, die sich dadurch auf höherwertige Tätigkeiten konzentrieren
können, anstatt wiederholt formale Korrekturen vornehmen zu müssen.
5 Grenzen der KI-Nutzung
Wie die vorangegangenen Ausführungen gezeigt haben, bieten LLMs viele Vorteile in
unternehmensnahen Anwendungsszenarien. Trotz dieser Potenziale sollten Fachverant-
wortliche frühzeitig zentrale Herausforderungen erkennen und adressieren. Besonders
hervorzuheben sind dabei drei zentrale Risikobereiche: erstens operationale Herausforde-
rungen, zweitens soziale und rechtliche Risiken und drittens technologische Abhängigkei-
ten [PVB24].
Operationale Herausforderungen
Der produktive Einsatz generativer KI-Systeme ist mit technischen Einschränkungen ver-
bunden, die sich direkt auf die betrieblichen Abläufe auswirken können. Eine zentrale
Herausforderung stellt die Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit der Entscheidungen dar,
die durch das Modell getroffen werden [PVB24]. So kann es beispielsweise vorkommen,
dass ein LLM die Daten aus PDF-Dokumenten fehlerhaft oder nicht nachvollziehbar
strukturiert oder Geschäftsvorfälle fehlerhaft untersucht. Die Ursache für solche Fehler ist
oft nicht ersichtlich, was die Validierung der Ergebnisse erschwert. Dies ist besonders
kritisch in sensiblen Anwendungsfeldern wie der automatisierten Prüfung von Rechnun-
gen.
Das Team-Quality-Level als Basis für KI-generierte Handlungsempfehlungen 109
Darüber hinaus spielen wirtschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle. Die Verarbeitung
großer Datenmengen sowie häufige Anfragen an cloudbasierte LLM-Dienste können hohe
Betriebskosten verursachen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Transparenz innerhalb
komplexer IT-Systeme. Wenn etwa die Prüfung von Rechnungen automatisiert im Hinter-
grund erfolgt, sollten geeignete Maßnahmen zur Protokollierung, Überwachung und Ein-
bindung von Nutzerfeedback vorgesehen werden. Nur so kann die Funktionsweise des
Systems nachvollziehbar und kontrollierbar gestaltet werden.
Soziale und rechtliche Risiken
Ein bedeutendes Risiko besteht in der Generierung sogenannter Halluzinationen. Dabei
produziert das Modell zwar sprachlich plausible, aber inhaltlich falsche Informationen
[Mi24]. So kann es beispielsweise vorkommen, dass fiktive Produktkategorien hinzuge-
fügt oder falsche Steuersätze angegeben werden. In automatisierten Prozessen kann dies
zu Desinformation führen, insbesondere dann, wenn keine nachgelagerte Validierung vor-
gesehen ist.
Darüber hinaus ist der Schutz personenbezogener Daten und die Einhaltung rechtlicher
Vorgaben von zentraler Bedeutung. Wenn zum Beispiel bei der Kundenanlage Freitexte
verarbeitet werden, muss sichergestellt sein, dass sensible Informationen weder dauerhaft
gespeichert noch unrechtmäßig weitergegeben werden. In diesem Zusammenhang greifen
gesetzliche Regelungen wie der künftige AI Act der Europäischen Union [LTD24].
Eine mögliche Lösung besteht darin, LLMs lokal zu betreiben. Durch die interne Verar-
beitung der Daten innerhalb der eigenen Infrastruktur kann verhindert werden, dass sen-
sible Inhalte das Unternehmen verlassen. Auf diese Weise lassen sich Datenschutzanfor-
derungen deutlich besser kontrollieren und erfüllen.
Technologische Risiken und Abhängigkeiten
Der Einsatz externer KI-Dienste führt zwangsläufig zu technologischen Abhängigkeiten
[PVB24]. Dies gilt insbesondere dann, wenn LLMs über Programmierschnittstellen von
proprietären Anbietern wie OpenAI oder Google in die Systemlandschaft eingebunden
werden. Änderungen an den Modellen, an den Lizenzbedingungen oder an technischen
Zugriffsbeschränkungen können unmittelbare Auswirkungen auf produktive Anwendun-
gen haben. Dieses Risiko ist besonders relevant, wenn geschäftskritische Prozesse auf dem
kontinuierlichen Einsatz solcher Dienste basieren oder wenn das Geschäftsmodell selbst
stark von KI-Funktionalitäten abhängt.
Hinzu kommt das Risiko von Systemausfällen oder temporären Inkompatibilitäten. Diese
können dazu führen, dass automatisierte Abläufe unterbrochen oder verzögert werden.
Ohne passende Ausweichstrategien können selbst einfache Prozessschritte ins Stocken ge-
raten.
Um solchen Szenarien vorzubeugen, sollten Softwarearchitekturen konsequent auf Aus-
fallsicherheit ausgelegt sein. Dazu gehören funktionale Redundanzen, ein kontinuierliches
Monitoring sowie robuste Mechanismen zur Fehlerbehandlung. Nur so lässt sich die lang-
fristige Stabilität und Verfügbarkeit von KI-gestützten Systemen im Unternehmenskon-
text gewährleisten.
110 Kokulan Thanabalan und Axel Kalenborn
6 Fazit
Wir fangen gerade erst an, die Potentiale von KI in Business Anwendungen zu verstehen.
Aktuell werden KI-Funktionen meist noch über die Chat Werkzeuge der Anbieter, wie
ChatGPT oder Gemini genutzt. Die nahtlose Integration in Business Software beginnt ge-
rade, wie Microsoft in den Office Anwendungen über den Copilot zeigt.
Wir haben in diesem Paper die Potentiale und Einsatzfelder von KI bei der Softwareumset-
zung beleuchtet. Wenn mit der Konzeption einer Software begonnen wird, sollten diese
Potentiale berücksichtigt werden und die Software einfließen. Dazu sollten die umzuset-
zenden Funktionen mit den Einsatzbereichen der KI abgeglichen werden, um diese ge-
winnbringend nutzen zu können. Wo klassische Algorithmik, komplex und teuer ist, kann
die KI neue Möglichkeiten bieten. Wenn die Arbeit der Nutzer durch KI unterstützt und
vereinfacht werden kann, wird die Zufriedenheit der Nutzer steigen. Wenn durch die KI
weniger Fehler gemacht werden, dient das nicht nur der Einsparung von Kosten, sondern
erspart unnötige und ermüdende Kontrollen.
Bei unseren eigenen Arbeiten hat sich gezeigt, dass Probleme, die wir in der Vergangen-
heit als nicht lösbar im Rahmen kleiner und mittlerer Budgets eingeordnet haben, mit KI
so einfach umzusetzen waren, dass wir selbst über die Leistungsfähigkeit erstaunt waren.
Wir diskutieren daher zu Beginn jedes Projekts die Einsatzmöglichkeiten der KI für die
Umsetzung komplexer Funktionen und lassen dies in die Konzepte einfließen.
Auch der zur “Verhinderung” von KI-Lösungen immer wieder angeführte Datenschutz,
ist heute aus unserer Sicht kein Problem mehr, da sich LLMs sehr kosteneffizient und
trotzdem leistungsstark auf eigenen oder gemieteten Servern (Cloud-AI) oder auch lokal
(On-Device-AI) ausführen lassen.
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Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns?
Jan Wehinger1
Abstract:
Die fortschreitende Einführung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt stellt etab-
lierte Führungsprinzipien vor grundlegende Herausforderungen. Dieser Beitrag untersucht
die Auswirkungen von KI auf Führungsmodelle im Kontext von New Work 2.0 einer Ar-
beitswelt, die durch Digitalisierung, agile Methoden und hybride Zusammenarbeit geprägt
ist. Die zentrale Frage lautet: Wer führt die KI und wie? Ausgehend von einer Analyse
der Grenzen klassischer Führungstheorien in Bezug auf KI werden drei neue Führungs-
modelle vorgestellt: (1) das Supervisory Leadership Model, bei dem der Mensch die KI
überwacht und steuert, (2) das Collaborative Leadership Model, das eine enge Zusam-
menarbeit zwischen Mensch und KI auf Augenhöhe vorsieht, und (3) das AI-Led Lea-
dership Model, in dem KI-Systeme selbst Führungsaufgaben übernehmen. Zur Unter-
mauerung dieser Modelle werden relevante wissenschaftliche Theorien herangezogen,
darunter die Supervisory Control Theory, das Konzept Joint Cognitive Systems sowie Er-
kenntnisse zum Algorithmic Management. Im weiteren Verlauf beschreibt der Beitrag neu
entstehende Rollen (z. B. AI Governance Officer und Human-KI-Integrator) und die er-
forderlichen Kompetenzen für Führungskräfte in einer KI-durchdrungenen Arbeitswelt.
Abschließend werden ethische sowie organisationale Implikationen hinsichtlich Entschei-
dungsverantwortung und Governance-Strukturen diskutiert und praxisorientierte Hand-
lungsempfehlungen für Unternehmen formuliert.
Keywords:
Künstliche Intelligenz; Führung; New Work; Führungsmodelle; Algorithmisches Ma-
nagement; Mensch-Maschine-Kollaboration; Ethik; Governance
1 Einleitung
Die rasant fortschreitende Entwicklung von KI-Technologien und ihre zunehmende In-
tegration in Geschäftsprozesse verändern grundlegend, wie Arbeit organisiert und geführt
wird. Insbesondere im Kontext von New Work 2.0, einer Phase des tiefgreifenden Wandels
der Arbeitswelt, werden traditionelle Vorstellungen von Führung auf die Probe gestellt.
1MHP, jan@wehinger.de
114 Jan Wehinger
KI-basierte Systeme übernehmen heute bereits Aufgaben in Entscheidungsfindung, Per-
sonalmanagement und Teamkoordination, die einst ausschließlich menschlichen Füh-
rungskräften vorbehalten waren. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen mensch-
lichen Akteuren und technischen Agenten im Führungsgeschehen. Klassische Definitio-
nen von Führung als sozialer Einflussprozess eines Menschen auf andere Menschen
[Yukl12] greifen zu kurz, wenn autonome Software-Agenten zu wesentlichen Teammit-
gliedern oder gar Vorgesetzten werden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der künftigen Rollenverteilung zwi-
schen Mensch und KI in Führungsprozessen. Wer führt die KI und wie? Diese Leit-
frage adressiert sowohl die Führung von KI (durch den Menschen) als auch die Führung
durch KI (über den Menschen). Bisherige Ansätze des Führungsmanagements müssen da-
hingehend überprüft werden, ob und wie sie auf hybrider Mensch-KI-Zusammenarbeit
anwendbar sind. In diesem Beitrag werden zunächst die Grenzen klassischer Führungs-
theorien im KI-Zeitalter aufgezeigt (Kap. 2). Darauf aufbauend werden drei neue Füh-
rungsmodelle entwickelt (Kap. 3). Diese Modelle werden mit einschlägigen Theorien aus
der Literatur verknüpft, um ihre wissenschaftliche Fundierung zu untermauern (Kap. 4).
Anschließend werden die nötigen neuen organisatorischen Rollen und Kompetenzen für
Führung im KI-Kontext erörtert (Kap. 5). Kapitel 6 diskutiert die ethischen und organisa-
tionalen Implikationen der Einbindung von KI in Führung. Abschließend gibt Kapitel 7
konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen und fasst die Ergebnisse zusammen
Kapitel 8 Fazit.
2 Grenzen klassischer Führungstheorien im KI-Kontext
Klassische Führungstheorien haben unser Verständnis von effektiver Führung über Jahr-
zehnte geprägt. Doch viele dieser Theorien setzen implizit voraus, dass Führung aus-
schließlich in menschlichen Hierarchien stattfindet. Im Angesicht von KI-basierten Akt-
euren stoßen diese Ansätze an Grenzen. Im Folgenden werden exemplarisch drei einfluss-
reiche Führungsansätze und ihre Limitierungen im Umgang mit KI dargestellt:
Transformationale Führung: Dieses Konzept [Bass94] betont die Fähigkeit
von Führungspersonen, durch Vision, Inspiration und individuelle Wertschät-
zung einen Wandel bei Mitarbeitern herbeizuführen. Eine Herausforderung im
KI-Kontext besteht darin, dass KI-Systeme keine menschlichen Emotionen oder
intrinsische Motivation besitzen. Ein transformationeller Führer kann zwar
menschliche Teammitglieder inspirieren, aber eine KI als „Geführter“ wird von
Vision und Charisma nicht beeinflusst. Umgekehrt stellt sich die Frage, ob KI-
Systeme jemals zu authentischer Inspiration oder Charisma hig wären, um
Menschen zu transformieren, derzeit erscheint dies zweifelhaft.
Situatives Leadership: Das situative Führungsmodell nach Hersey und
Blanchard [Hersey69] fordert von Führungskräften, ihren Führungsstil dem Rei-
fegrad der Mitarbeiter anzupassen (Direktivität vs. Unterstützung). Im Umgang
mit KI stößt dieses Prinzip auf konzeptionelle Probleme: Eine KI als Mitarbeiter
kennt weder Reifegrad noch Lernkurven im menschlichen Sinne, sie verfügt über
Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns? 115
spezifische Leistungsfähigkeiten, aber keine Motivation oder Persönlichkeits-
merkmale. Die Führungslogik „High Task/Low Relationship“ vs. „Low
Task/High Relationship“ lässt sich auf eine KI nicht übertragen, da Beziehungs-
orientierung gegenüber einer Maschine ins Leere läuft. Ebenso wenig kann eine
KI als Führungskraft situativ auf menschliche Empfindungen wie Angst oder Un-
sicherheit reagieren, wenn sie nicht entsprechend programmiert wurde.
Servant Leadership: Der dienende Führungsstil [Greenleaf77] stellt das Dienen
am Geführten, Empathie und die Entwicklung der Mitarbeitenden in den Vorder-
grund. Bei einer KI als Geführtem erübrigt sich dieses Konzept weitgehend
eine Maschine bedarf keiner Empathie oder Förderung ihrer persönlichen Ent-
wicklung. Hingegen wirft eine dienende Haltung einer KI-Führungskraft gegen-
über menschlichen Mitarbeitern komplexe Fragen auf: Kann eine KI überhaupt
Empathie empfinden oder ethische Werte internalisieren, um im Sinne eines
„Servant Leaders“ zu handeln? Aktuell fehlen KI-Systemen die genuine Fähig-
keit zu Mitgefühl und moralischem Urteilsvermögen, was diesen Führungsansatz
im Kontext von KI zumindest stark einschränkt.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass klassische Theorien wie die oben genannten von
einem anthropozentrischen Paradigma ausgehen. Sie blenden die Möglichkeit aus, dass
nicht-menschliche Agenten im Führungsgeschehen eine Rolle spielen. Auch weitere tra-
ditionelle Ansätze, von transaktionaler Führung bis Laissez-Faire, betrachten weder KI als
Führende noch als Geführte. Die Folge ist eine Konzeptlücke: Weder bieten sie Leitlinien
dafür, wie Menschen KI-Systeme führen sollen, noch dafür, wie Menschen von KI-
Systemen geführt werden können. Diese Lücke motiviert die Entwicklung neuer Füh-
rungsmodelle, die den einzigartigen Eigenschaften von KI Rechnung tragen.
3 Neue Führungsmodelle im Zeitalter der KI
Um der skizzierten Konzeptlücke zu begegnen, werden drei neue Führungsmodelle vor-
geschlagen. Jedes Modell beschreibt ein unterschiedliches Verhältnis zwischen menschli-
cher Führungskraft und KI-System und adressiert spezifische Einsatzszenarien. Die Ent-
wicklung der drei Führungsmodelle basiert auf einer konzeptionellen Literaturanalyse.
Ziel war es, theoretische Ansätze und empirische Studien zu identifizieren, die Aussagen
über Führung im Zusammenspiel von Mensch und KI ermöglichen. Eingeschlossen wur-
den Beiträge mit Relevanz für Führung, Arbeitsteilung oder Governance im Kontext von
KI, mit theoretischer oder empirischer Tragfähigkeit und Anschlussfähigkeit an Projekt-
management und Vorgehensmodelle. Ausgeschlossen wurden Arbeiten, die sich aus-
schließlich auf technische Algorithmen oder rein juristische Bewertungen konzentrieren,
da diese den organisationalen Fokus verfehlt hätten.
Die drei Modelle (Supervisory, Collaborative, AI‑Led) wurden entlang von vier Dimensi-
onen entwickelt: (1) locus of control (Mensch vs. KI), (2) Koproduktionsgrad (sequenziell
vs. simultan), (3) Verantwortungszuschreibung (individuell vs. verteilt) und (4) Transpa-
renzanforderungen (Erklärbarkeit, Überwachbarkeit, Eingriffsmöglichkeiten). Alternative
Führungsansätze wie transformationale, situative oder servant leadership wurden geprüft,
erwiesen sich aber nur eingeschränkt als übertragbar. Übertragbare Elemente z. B.
116 Jan Wehinger
Shared Leadership wurden in das Collaborative‑Modell integriert [BaRi06]; [Yu12].
3.1 Supervisory Leadership Model (Mensch überwacht KI)
Im Supervisory Leadership Model verbleibt der Mensch in der Rolle des überwachenden
Supervisors, während KI-Systeme als ausführende Organe agieren. Dieses Modell orien-
tiert sich am klassischen Prinzip der Mensch-Maschine-Interaktion, bei dem die Maschine
weitgehend autonom operiert, der Mensch jedoch die Endverantwortung behält. Praktisch
bedeutet dies: Eine Führungskraft delegiert definierte Aufgaben oder Entscheidungen an
eine KI (z. B. die automatisierte Planung von Schichtplänen oder die initiale Bewerber-
vorauswahl durch eine KI). Die KI arbeitet selbständig innerhalb vorgegebener Parameter,
die Führungskraft überwacht die Ergebnisse und greift nur bei Bedarf korrigierend ein
[Par00].
Das Supervisory-Modell knüpft an die Supervisory Control Theory an [Sheridan87]. Diese
besagt, dass Menschen nicht jeden Schritt automatisierter Systeme manuell kontrollieren,
sondern meta-supervisorisch tätig sind: Sie setzen Ziele, monitoren die Zielerreichung
und intervenieren bei Abweichungen. Wichtig ist hierbei die richtige Aufgabenallokation
zwischen Mensch und KI. Der Mensch konzentriert sich auf diejenigen Aspekte, welche
Kreativität, kontextspezifisches Urteilsvermögen und ethische Abwägung erfordern, wäh-
rend die KI Routineaufgaben und datenlastige Analysen effizient übernimmt.
Eine zentrale Herausforderung im Supervisory-Ansatz ist das Vermeiden des sogenannten
Aus-der-Schleife-Fallens des Menschen. Wie Bainbridge schon 1983 in den „Ironies of
Automation“ darlegte, können hochautomatisierte Systeme paradoxerweise die Überwa-
chungsaufgabe für den Menschen erschweren [Bainbridge83]. Durch monotone Routine-
überwachung besteht die Gefahr, dass die menschliche Aufmerksamkeit erlahmt und im
Notfall die Eingriffsfähigkeit reduziert ist. Führungskräfte im Supervisory-Modell müssen
daher neue Kompetenzen entwickeln (siehe Kap. 5), um trotz hoher Automatisierung si-
tuativ die Kontrolle zu behalten. So sind z. B. Kenntnisse über die Funktionsweise der KI,
ein Verständnis ihrer Grenzen sowie die Fähigkeit, Warnsignale für Fehlfunktionen zu
erkennen, essenziell. Letztlich zielt das Supervisory Leadership Model darauf ab, die Stär-
ken der KI (Rechenleistung, Geschwindigkeit, Mustererkennung) zu nutzen, ohne die
menschliche Kontrolle vollständig aus der Hand zu geben: Die KI dient als verlängerter
Arm, geführt und beaufsichtigt von einer menschlichen Instanz.
3.2 Collaborative Leadership Model (Mensch-KI-Kollaboration)
Das Collaborative Leadership Model beschreibt eine Führungsbeziehung, in der Mensch
und KI partnerschaftlich zusammenwirken. Anstatt einer eindeutigen Hierarchie (wie in
3.1 und 3.3) steht hier die Kollaboration auf Augenhöhe im Vordergrund. Der Menschli-
che Leiter und die KI teilen sich Führungsfunktionen entsprechend ihrer Stärken und kon-
textuellen Anforderungen. Man kann dieses Modell als eine Erweiterung des Konzepts
Joint Cognitive Systems verstehen, bei dem Menschen und technische Systeme als ein ge-
meinsames kognitives System agieren [Hollnagel05].
In der Praxis könnte ein kollaboratives Führungsarrangement wie folgt aussehen: Eine
menschliche Führungskraft arbeitet eng mit einem KI-Assistenzsystem zusammen, das
Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns? 117
z. B. komplexe Datenanalysen durchführt und Handlungsempfehlungen generiert. Die fi-
nale Entscheidung wird im Dialog getroffen, der Mensch bringt Erfahrungswissen, Intui-
tion und ethische Betrachtungen ein, während die KI faktenbasierte Insights und mögliche
Konsequenzen liefert. Die Führungsrolle wird dynamisch geteilt: Bei Aufgaben, in denen
die KI klare Vorteile hat (etwa Big-Data-Analyse oder Vorhersagen), übernimmt sie tem-
porär die führende Rolle als Experte. In Bereichen, die menschliche Stärken erfordern
(z. B. Mitarbeiterkommunikation, Konfliktlösung, kreative Strategiebildung), bleibt der
Mensch federführend.
Dieses Modell erfordert ein hohes Maß an Koordination und Vertrauen zwischen
Mensch und KI. Beide Partner müssen die Arbeitsweise und Denklogik des anderen zu-
mindest grundlegend verstehen, um effektiv interagieren zu können. Der Mensch muss
darauf vertrauen können, dass die KI zuverlässige und unverzerrte Informationen liefert;
die KI wiederum ist so zu gestalten, dass sie die Intentionen des Menschen berücksichtigt
(Stichwort human-centered AI). Forschung zu Mensch-KI-Teams betont die Wichtigkeit
von transparenter Entscheidungsfindung und gegenseitiger Anpassungsfähigkeit in sol-
chen gemeinsamen Systemen [Hollnagel05]. Mit anderen Worten: Die KI sollte erklärbare
Ergebnisse liefern, und der Mensch sollte bereit sein, seine Entscheidungen ggf. auf Basis
der KI-Insights zu revidieren.
Ein Vorteil des Collaborative Leadership ist die Möglichkeit, Synergien zu heben:
Menschliche und künstliche Intelligenz ergänzen sich, sodass das Gesamtteam leistungs-
fähiger ist als jede Partei für sich. Dieses Prinzip zeigt sich beispielsweise in der Praxis
von human-in-the-loop-Systemen, etwa in der Medizin oder Luftfahrt, wo Mensch und KI
gemeinsam kritische Entscheidungen fällen. Allerdings entstehen auch neuartige Prob-
leme: Wer trägt die Verantwortung bei gemeinsam getroffenen Fehlentscheidungen? Wie
werden Konflikte zwischen menschlicher Intuition und KI-Empfehlung gelöst? Solche
Fragen machen deutlich, dass das Collaborative Model robuste Governance-Mechanismen
und eine ausgeprägte Fehlerkultur erfordert, damit die Kooperation nicht im Chaos endet
(siehe Kap. 6).
Erfolgsfaktoren sind zusammenfasend Rollen‑Klarheit, shared situation awareness
[End95], transparente Schnittstellen und Vertrauenskalibrierung [Am19]; [Klei04]). Ein
Praxisbeispiel ist hierfür zum Beispiel: Qualitätsprüfung mit Computer‑Vision und
menschlicher Freigabe.
3.3 AI-Led Leadership Model (KI führt Mensch)
Das dritte Modell dreht die traditionelle Führungslogik um: Hier übernimmt ein KI-Sys-
tem selbst die Rolle des führenden Akteurs gegenüber menschlichen Mitarbeitern. Im AI-
Led Leadership Model trifft die KI weitgehend autonom Entscheidungen, weist Aufgaben
zu und überwacht deren Umsetzung, der Mensch befindet sich auf der Seite des Geführten.
Dieses Szenario ist nicht mehr futuristisch, sondern bereits heute in Ansätzen Realität:
Man spricht im Organisationskontext von algorithmischem Management, wenn digitale
Plattformen oder Algorithmen klassische Managementfunktionen ausüben [Kellogg20].
Beispiele finden sich vor allem in der Plattformökonomie und Gig-Economy: Bei Fahr-
dienstleistern, Lieferdiensten oder Crowdworking-Plattformen werden Arbeitsaufträge,
Leistungsbewertungen und Sanktionen oft vollautomatisch durch Algorithmen gesteuert.
118 Jan Wehinger
Mitarbeiter unterliegen dann faktisch einer KI-basierten Führungsinstanz, auch wenn
diese nicht in menschlicher Gestalt auftritt.
Ein charakteristisches Merkmal des AI-Led Models ist die Skalierbarkeit und Unmittel-
barkeit der Führung: Eine einzelne KI kann theoretisch Tausende von Mitarbeitern
gleichzeitig koordinieren, indem sie in Echtzeit Daten auswertet und individuelle Anwei-
sungen gibt. Die Führungsinterventionen erfolgen oft direkt über digitale Kanäle (App,
Softwareinterface) und sind konsistent nach den programmierten Regeln. Subjektive Un-
gleichbehandlung oder Ermüdungserscheinungen, typische Probleme bei menschlichen
Führungskräften, entfallen weitgehend. Allerdings treten an deren Stelle neue Herausfor-
derungen: Algorithmen folgen strikt ihren Programmierungen und den Daten, auf denen
sie trainiert wurden. Daraus können Intransparenz und Bias-Probleme erwachsen. Mitar-
beiter erleben die Führung durch eine KI mitunter als unpersönlich oder unfair, insbeson-
dere wenn Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind oder das System auf ungewöhnliche
Situationen starr und ohne Empathie reagiert.
Die Forschung warnt zudem vor einer möglichen Verschiebung von Macht und Kontrolle
im AI-Led Modell. Kellogg et al. sprechen von einem „neuen umkämpften Terrain der
Kontrolle“, da Algorithmic Management etablierte Machtstrukturen in Organisationen
verändert [Kellogg20]. Mitarbeitende könnten das Gefühl entwickeln, einem unberechen-
baren, nicht ansprechbaren Vorgesetzten gegenüberzustehen. Die Gefahr der Entstehung
neuer Machtasymmetrien ist hierbei evident [Lee15]; [RoSt16]; [PaPa21]. Gleichzeitig
haben Top-Manager die Möglichkeit, durch KI-Systeme eine lückenlose Überwachung
und Steuerung der Belegschaft umzusetzen, was Fragen des Datenschutzes und der Ar-
beitswürde aufwirft. Dieses Spannungsfeld bedingt, dass das AI-Led Model unbedingt mit
geeigneten Governance-Strukturen und ethischen Leitplanken versehen werden muss (de-
tailliert in Kap. 6).
Trotz aller Probleme bietet KI-geführte Führung auch Chancen: In Bereichen mit klar
messbaren Zielen und reichlich Daten können Algorithmen unter Umständen objektivere
und schnellere Entscheidungen treffen als Menschen, etwa bei der Schichtplanung unter
Berücksichtigung unzähliger Präferenzen und Restriktionen, oder bei der Qualitätskon-
trolle von Prozessen in Echtzeit. Solche Stärken auszuschöpfen, ohne die Akzeptanz der
menschlichen Mitarbeiter zu verlieren, ist die zentrale Herausforderung dieses Modells.
Es erfordert von Organisationen eine neue Form der Meta-Führung: Die KI-Leitung muss
selbst wieder durch Menschen indirekt geführt und kontrolliert werden, beispielsweise
durch regelmäßige Überprüfung der Algorithmen auf Fairness und Zielkonformität,
durchgeführt von entsprechenden Experten (siehe AI Governance Officer in Kap. 5).
4 Relevante Theorien und Konzepte zur Untermauerung
Zur theoretischen Fundierung der vorgestellten Modelle lohnt ein Blick auf bestehende
Forschungsstränge, die sich mit Mensch-Technik-Interaktion und algorithmischer Ent-
scheidungsfindung beschäftigen. Insbesondere drei Konzepte bieten wertvolle Anknüp-
fungspunkte:
Supervisory Control Theory: Diese Theorie aus der Human-Factors-Forschung
Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns? 119
beschreibt das Zusammenspiel von Mensch und Automation in hochautomati-
sierten Systemen [Sheridan87]. Gemäß Sheridan handelt es sich bei der Mensch-
KI-Interaktion nicht um eine komplette Ablösung des Menschen, sondern um
eine verteilte Kontrollstruktur: Der Mensch setzt Ziele und überwacht, die Ma-
schine führt aus. Relevante Teilkonzepte sind u. a. die Automatisierungsgrade
sowie das Phänomen der Out-of-the-loop-Problematik, das Bainbridge hervorge-
hoben hat [Bainbridge83]. Für das Supervisory Leadership Model liefert diese
Theorie die Grundlage: Sie legitimiert, dass der Mensch die finale Kontrolle be-
hält, und warnt zugleich vor Fallstricken bei Über- oder Unterautomation. Prak-
tisch fließt dies z. B. in Gestaltungsempfehlungen für assistenzsystemgestützte
Führung ein, wie Alarme, Dashboard-Anzeigen oder Notfall-Übersteuerungs-
möglichkeiten gestaltet sein müssen, damit die menschliche Führungskraft effek-
tiv die Aufsicht wahrnehmen kann.
Joint Cognitive Systems: Das Konzept der gemeinsamen kognitiven Systeme
nach Hollnagel und Woods [Hollnagel05] betrachtet Mensch und technische Sys-
teme als Einheit, die gemeinsam kognitive Aufgaben bewältigen. Es betont, dass
weder der Mensch allein noch die Maschine allein die optimale Leistung erbringt,
sondern nur ihr Zusammenspiel. Wichtige Aspekte sind gemeinsame Situations-
bewertung, Kommunikationsschnittstellen und die Anpassungsfähigkeit beider
Partner. Dieses Konzept passt ideal zum Collaborative Leadership Model, in
dem Mensch und KI kooperativ führen. Es liefert theoretische Leitplanken dafür,
wie Arbeitsaufteilungen gestaltet werden können, wie gegenseitiges Lernen statt-
finden kann und wie Fehlerresilienz im Verbund erreicht wird. Ein Joint Cogni-
tive System erfordert beispielsweise, dass die KI über Modelle des menschlichen
Partners verfügt (um vorherzusehen, welche Informationen dieser als Nächstes
benötigt) und dass der Mensch ein grundlegendes Verständnis der KI-Logik hat
(um Entscheidungen nachvollziehen zu können). Die Theorie unterstreicht auch,
dass Verantwortung in gemeinsamen Systemen geteilt wird, ein Aspekt, der für
Governance und Haftung in Kollaborationsszenarien relevant ist.
Algorithmic Management: Dieser Begriff beschreibt den Einsatz von Algorith-
men zur Wahrnehmung von Managementaufgaben, insbesondere in digitalen
Plattformen und datengetriebenen Organisationen [Kellogg20]. Theoretische Ar-
beiten zum algorithmischen Management analysieren, wie Entscheidungsregeln
im Code festgelegt werden, wie Leistungsdaten gesammelt und ausgewertet wer-
den und wie darauf basierend steuernde Interventionen erfolgen (z. B. automati-
sierte Bonus- oder Sanktionssysteme). Für das AI-Led Leadership Model bildet
dieses Forschungsfeld die zentrale Wissensbasis. Es erklärt, welche Mechanis-
men KI als Führungskraft erfolgreich oder problematisch machen. Etwa zeigte
Forschung, dass algorithmische Führung tendenziell transaktional geprägt ist,
d. h. sie operiert mit klaren Regeln, Belohnungen und Strafen, während transfor-
mationale Elemente (Inspiration, Kulturvermittlung) schwer umzusetzen sind.
Ebenso werden Phänomene wie Opazität (Black-Box-Entscheidungen) und feh-
lende Rechenschaftspflicht diskutiert: Algorithmen führen zu einer Verlagerung
von Entscheidungsverantwortung vom einzelnen Manager zu einem technischen
System, was neue Fragen nach Accountability aufwirft. Das theoretische Funda-
ment aus diesem Bereich hilft, Gestaltungsansätze für KI-geleitete Führung zu
120 Jan Wehinger
formulieren, z. B. Anforderungen an Transparenz (Erklärbarkeit der Entschei-
dungen) oder an Kontrollinstanzen (z. B. Audits der KI-Entscheidungen).
Darüber hinaus fließen weitere Konzepte in die Debatte ein. So fordern Ethikforscher eine
„Society-in-the-Loop“-Herangehensweise, bei der gesellschaftliche Werte und Rück-
kopplungsschleifen in algorithmische Entscheidungen eingebettet werden [Rahwan19].
Auch das Prinzip der menschenzentrierten KI (Human-Centered AI) mahnt an, dass trotz
technologischer Möglichkeiten immer die Humankontrolle und -würde gewahrt bleiben
soll. Insgesamt bieten diese Theorien einen Bezugsrahmen, um die neuen Führungsmo-
delle nicht nur konzeptionell zu verstehen, sondern auch praktisch auszugestalten. Sie zei-
gen, dass die Integration von KI in Führung weder völlig neu noch völlig unproblematisch
ist, es gibt bereits Erkenntnisse, auf denen man aufbauen kann, aber auch bekannte Fallen,
die es zu vermeiden gilt.
5 Neue Rollen und Kompetenzen
Die Etablierung von KI in Führungsprozessen erfordert nicht nur neue Modelle und The-
orien, sondern auch neue Organisationsrollen sowie erweiterte Kompetenzen bei Füh-
rungskräften. Im Zuge von New Work 2.0 zeichnen sich einige spezifische Rollenprofile
ab, die in Unternehmen geschaffen werden, und bestehende Rollen, insbesondere Füh-
rungskräft, müssen zusätzliche Fähigkeiten aufbauen.
5.1 Neue Rollen
AI Governance Officer: Viele Unternehmen setzen zunehmend Verantwortli-
che ein, die speziell die Steuerung und Überwachung von KI-Systemen koordi-
nieren. Ein AI Governance Officer (gelegentlich auch AI Ethics Officer genannt)
entwickelt Richtlinien für den KI-Einsatz, überwacht deren Einhaltung und fun-
giert als Schnittstelle zwischen Management, IT-Entwicklung und ggf. Regulie-
rungsbehörden. Diese Rolle ist im AI-Led Leadership Model besonders wichtig:
Sie soll sicherstellen, dass KI-Führungssysteme transparent, fair und im Einklang
mit Unternehmenswerten agieren. Konkret könnte ein AI Governance Officer
z. B. regelmäßige Audits der Entscheidungsalgorithmen durchführen, ein inter-
nes Kontrollgremium für KI-Entscheidungen leiten und im Fall von Unregelmä-
ßigkeiten als Eskalationsinstanz dienen. Damit übernimmt er gewissermaßen die
indirekte Führung der KI, indem er die Rahmenbedingungen für deren Handeln
definiert und kontrolliert.
Human-KI-Integrator: Diese neue Rolle kümmert sich um die reibungslose In-
tegration von KI-Systemen in menschliche Arbeitsprozesse. Ein Human-KI-In-
tegrator (auch Hybrid Team Manager genannt) versteht sowohl die technischen
Funktionsweisen der KI als auch die Arbeitsweise der menschlichen Teams. Er
hilft, die Aufgaben optimal zwischen KI und Mitarbeitern zu verteilen, moderiert
die Zusammenarbeit und übersetzt bei Verständnisproblemen. Im Collaborative
Leadership Model ist ein solcher Integrator zentral: Er fördert die Akzeptanz der
Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns? 121
KI unter den Beschäftigten, schult die Mitarbeiter im Umgang mit KI-Werkzeu-
gen und passt bei Bedarf Prozesse an, wenn die Zusammenarbeit stockt. Auch
fungiert er als Kommunikationskanal, er sammelt Feedback von Mitarbeitern
über die KI (z. B. über Probleme oder Verbesserungsvorschläge) und vermittelt
dieses an die Entwickler oder das Management weiter. In gewisser Weise ist der
Human-KI-Integrator ein Change Manager speziell für KI-gestützte Verände-
rungsprozesse.
(Weitere mögliche Rollen: Manch ein Unternehmen führt beispielsweise Data Stewards
oder Automation Leads ein, die ähnlich gelagerte Aufgaben haben. Auch traditionelle HR-
und IT-Rollen erweitern sich: Personalentwickler müssen etwa KI-Kompetenzen der Be-
legschaft fördern, während IT-Produktmanager stärker ethische Dimensionen beachten.)
5.2 Neue Kompetenzanforderungen
Nicht nur Spezialrollen, sondern alle Führungskräfte sehen sich mit neuen Anforderungen
konfrontiert, wenn KI Teil des Führungsalltags wird. Wichtige Kompetenzen sind u. a.:
Technologische KI-Kompetenz: Führungskräfte müssen kein Data Scientist
sein, aber ein solides Grundverständnis für KI-Technologien ist unerlässlich.
Dazu zählt, die Funktionsprinzipien von Machine-Learning-Modellen einschät-
zen zu können, Begriffe wie Trainingsdaten, Modellgenauigkeit oder Bias zu ver-
stehen und grob zu wissen, was eine KI kann und was nicht. Nur so können sie
Entscheidungen der KI kritisch hinterfragen und sinnvolle Vorgaben für deren
Einsatz machen. Ein Manager sollte z. B. erkennen, ob ein Entscheidungsvor-
schlag der KI aufgrund eines möglichen Datenbias verzerrt sein könnte, um dann
nachzujustieren.
Dateninterpretationsfähigkeit: Eng damit verknüpft ist die Fähigkeit, datenge-
stützte Analysen zu interpretieren. In vielen Fällen liefert die KI Analysen, Prog-
nosen oder Entscheidungsempfehlungen. Die Führungskraft der Zukunft muss
solche Outputs lesen und in den richtigen Kontext setzen können. Dazu gehört
auch, Ergebnisse mit gesundem Skeptizismus zu betrachten (Stichwort: analyti-
sche Urteilskraft). Beispielsweise will eine Führungskraft verstehen, warum ein
Algorithmus gewissen Mitarbeitern eine niedrige Performance-Prognose zuweist
und wird diese Prognose nicht unbesehen für Personalentscheidungen überneh-
men, sondern weitere Faktoren einbeziehen.
Ethik- und Governance-Bewusstsein: Da KI-Systeme eigene Dynamiken ha-
ben, müssen Führungskräfte verstärkt als Wertewächter auftreten. Sie brauchen
Kenntnisse in Datenethik, Datenschutz und den rechtlichen Rahmenbedingungen
des KI-Einsatzes. Kompetenzen in diesem Bereich bedeuten z. B., mögliche Dis-
kriminierungsrisiken eines Algorithmus zu erkennen oder abzuschätzen, wann
menschliche Urteilsfähigkeit der „objektiven“ KI-Entscheidung überlegen ist
(z. B. in moralischen Dilemmata). Auch sollten sie mit den internen Governance-
Prozessen, etwa Freigabeschleifen für neue KI-Funktionen oder Meldewegen bei
Fehlverhalten der KI, vertraut sein und diese aktiv unterstützen. Beschäftigte und
122 Jan Wehinger
Stakeholder benötigen immer die Möglichkeit, Entscheidungen der KI anzufech-
ten. Governance sollte daher Contestability‑Kanäle und Prüfmechanismen insti-
tutionalisieren [Flo18]; [Flo23]; [Shne22].
Interdisziplinäre Kollaboration: KI-Integration erfordert meist Teams aus ver-
schiedenen Disziplinen, Softwareentwickler, Datenanalysten, Fachexperten, Ju-
risten und die Führungskräfte selbst. Letztere müssen in der Lage sein, effektiv
in solchen interdisziplinären Teams zu arbeiten. Das heißt, sie sollten die Sprache
der Techniker und Data Scientists ausreichend verstehen, um mit ihnen Anforde-
rungen oder Probleme diskutieren zu können. Gleichzeitig vermitteln sie die Per-
spektive der Anwender und Mitarbeiter an die Technikexperten. Diese Überset-
zungs- und Brückenkompetenz wird zu einem entscheidenden Faktor, um KI-
Projekte erfolgreich in den Arbeitsalltag zu überführen.
Soziale und kommunikative Fähigkeiten: Paradoxerweise gewinnen die ge-
nuin menschlichen hrungsfähigkeiten noch an Bedeutung. In einer Arbeits-
welt, in der KI Vieles automatisiert, werden zwischenmenschliche Aspekte zum
Differenzierungsmerkmal. Führungskräfte müssen Empathie zeigen können, um
Mitarbeiter durch Technologiewandel zu begleiten, sie müssen Veränderungen
klar kommunizieren und Vertrauen aufbauen. Gerade wenn Entscheidungen aus
einer KI kommen, ist es oft Aufgabe der Führungskraft, diese gegenüber den
Mitarbeitern nachvollziehbar zu erklären (Sensemaking) und gegebenenfalls ab-
zumildern. Eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Geduld im Umgang mit
Ängsten der Mitarbeiter und die Fähigkeit, ein Wir-Gefühl trotz algorithmischer
Prozesse zu erhalten, sind daher wichtiger denn je.
Zusammenfassend verschiebt sich das Kompetenzprofil: Zusätzlich zu klassischen Füh-
rungsqualitäten (Strategie, Organisation, People Management) treten digitale Kompe-
tenz, Vermittlungsfähigkeiten und ethische Reflexionsstärke. Unternehmen tun gut da-
ran, ihre Leader in diesen Feldern weiterzubilden, um sie auf die Zusammenarbeit mit KI
vorzubereiten.
6 Ethische und organisationale Implikationen
Die Integration von KI in Führungsprozesse wirft eine Reihe von ethischen und organisa-
torischen Fragen auf, die es zu adressieren gilt. Einige der wichtigsten Implikationen sind:
Verantwortung und Haftung: Wenn KI-Systeme (mit-)entscheiden, stellt sich
die Frage, wer die Verantwortung für die Entscheidungen trägt. Bei Fehlern oder
Fehlentscheidungen durch eine KI (etwa eine ungerechtfertigte Kündigung auf-
grund eines fehlerhaften Algorithmus) muss klar sein, ob die Verantwortung
beim Entwickler, beim die KI nutzenden Manager oder bei der Organisation als
Ganzes liegt. Unternehmen müssen hier klare Regelungen treffen, um Verant-
wortungsdiffusion zu vermeiden [Raji20]. Ethisch stellt sich zudem die Frage der
Zurechenbarkeit: Ein Prinzip guter Führung ist, dass Führungskräfte für ihr Han-
deln einstehen. Gilt dies auch, wenn die Entscheidung aus einer Maschine kam?
Im Sinne der Accountability sollten Unternehmen intern definieren, dass letzt-
endlich immer ein benannter Mensch die Entscheidungen einer KI verantwortet,
Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns? 123
zumal KI selbst keine moralische Verantwortung übernehmen kann.
Transparenz und Erklärbarkeit: KI-Entscheidungen müssen nachvollziehbar
sein, insbesondere wenn sie Mitarbeiter betreffen. Black-Box-Modelle, die Füh-
rungsempfehlungen ausgeben, ohne dass deren innere Logik verstanden wird,
gefährden Vertrauen und Akzeptanz. Organisationen stehen vor der Herausfor-
derung, Erklärbarkeit (Explainable AI) sicherzustellen. Dies kann etwa bedeu-
ten, dass ein Algorithmus bei Mitarbeiterbeurteilungen die ausschlaggebenden
Faktoren mitliefert („Mitarbeiter X erhält keine Beförderung, weil Verkaufs-
quote unter Schwellenwert Y“). Auch sollten Mitarbeiter das Recht haben, Ent-
scheidungen anzufechten oder eine menschliche Überprüfung zu verlangen.
Transparenz gilt aber nicht nur gegenüber Mitarbeitern, sondern auch intern: Das
Top-Management muss Einblick in die Funktionsweise der KI haben, um strate-
gisch steuern zu können. Intransparente KI birgt das Risiko, dass sich eine Art
technokratische Unternehmenspolitik einschleicht, die selbst Führungskräfte
nicht mehr voll durchschauen, ein ethisch und organisatorisch fragwürdiger Zu-
stand.
Bias und Fairness: Algorithmen können Vorurteile und schiefe Verteilungen
reproduzieren, wenn ihre Trainingsdaten oder Zielvorgaben voreingenommen
sind. In Führungsentscheidungen ist das fatal, man denke an eine KI, die weibli-
chen Mitarbeitern systematisch schlechtere Leistungswerte prognostiziert, weil
die historischen Daten (unbewusst) biasbehaftet waren. Unternehmen müssen da-
her aktiv für algorithmische Fairness sorgen. Das beinhaltet regelmäßige Bias-
Checks der Modelle, Diversität in den Trainingsdaten und ggf. manuelle Korrek-
turen von Entscheidungsregeln, um Diskriminierungen auszuschließen. Ethisch
geboten ist es, dieselben Gleichbehandlungsgrundsätze, die für menschliche Füh-
rung gelten, auch auf KI-Systeme anzuwenden. Organisatorisch können z. B.
Richtlinien erlassen werden, die vorschreiben, dass KI-gestützte Entscheidungen
bei Personalfragen stets von einem Menschen gegengezeichnet werden müssen,
um implizite Vorurteile abzufangen.
Arbeitskultur und Akzeptanz: Die Einführung von KI als „Führungskraft“
kann die Organisationskultur verändern. Mitarbeiter könnten das Gefühl von
Überwachung und entmenschlichter Behandlung bekommen, wenn Anweisun-
gen nur noch von Apps oder Bots kommen. Das kann Motivation und Loyalität
beeinträchtigen. Wichtig ist daher, eine partizipative Kultur zu schaffen, in der
die Beschäftigten die Sinnhaftigkeit der KI-Integration verstehen und mitgestal-
ten können. Change-Management-Maßnahmen, offene Kommunikation über die
Ziele des KI-Einsatzes und Einbindung der Mitarbeitervertretungen sind zentrale
Stellhebel. Zudem sollte die Rolle der direkten Führungskraft neu definiert wer-
den: Sie tritt stärker als Coach und Vermittler auf, der die Brücke zwischen
Mensch und KI schlägt (vgl. Human-KI-Integrator). So kann verhindert werden,
dass Mitarbeiter sich von einer „kalten Maschine“ getrieben fühlen, ohne
menschlichen Rückhalt.
Organisationsstruktur und Machtverteilung: KI in Führungsrollen kann Hie-
rarchien glätten, aber auch neue Zentralisierungen bewirken. Einerseits können
124 Jan Wehinger
mittlere Managementebenen wegfallen, wenn z. B. Algorithmen die Koordina-
tion großer Teams übernehmen. Andererseits konzentriert sich Macht bei denje-
nigen, die die KI-Systeme entwickeln und kontrollieren (z. B. Tech-Abteilungen
oder externe Anbieter). Dies kann zu internen Spannungen führen, wenn klassi-
sche Linienmanager Kompetenzen an Data Science Teams abgeben müssen. Or-
ganisationen sollten diese Entwicklungen im Blick haben und ggf. ihre Struktu-
ren anpassen. Möglicherweise entstehen duale Führungsstrukturen, in denen
menschliche und KI-Leitung nebeneinander existieren, hierfür sind klare Ab-
grenzungen nötig (wer entscheidet was?). Außerdem muss die Mitbestimmung
neu gedacht werden: Wenn Software Entscheidungen trifft, wie kann z. B. ein
Betriebsrat darauf Einfluss nehmen? Unternehmen könnten etwa vor Einführung
einer KI-Führungssoftware die Arbeitnehmergremien einbinden und Transpa-
renz über die Entscheidungslogik herstellen, um Akzeptanz und Legitimation zu
erreichen.
Insgesamt sind ethische und organisationale Implikationen eng verwoben: Eine verant-
wortungsvolle, menschzentrierte KI-Führungskultur wird zum entscheidenden Erfolgs-
faktor. Unternehmen, die KI-gestützte Führung einführen, müssen nicht nur technische,
sondern auch kulturelle Leitplanken setzen, um Vertrauen und Produktivität in Einklang
zu bringen.
7 Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Vor dem Hintergrund der analysierten Modelle und Implikationen lassen sich für Unter-
nehmen, die KI im Führungsbereich einsetzen (oder dies planen), folgende Handlungs-
empfehlungen ableiten:
KI-Strategie und Leitbild verankern: Entwickelung einer klaren Strategie, wa-
rum und wie KI in der Führung eingesetzt werden soll. Dieses Leitbild sollte die
Vorteile betonen (Effizienz, Datenbasis) und gleichzeitig festhalten, dass der
Mensch im Zentrum bleibt (KI als Werkzeug zur Unterstützung, nicht als Selbst-
zweck). Kommunikation dieses Leitbildes offen im Unternehmen, um Ängsten
und Spekulationen vorzubeugen.
Governance-Strukturen etablieren: Einrichtung von Gremien oder Verant-
wortlichkeiten, die den KI-Einsatz überwachen. Dies kann ein AI Governance
Board sein oder die Benennung eines AI Governance Officers mit entsprechen-
den Befugnissen. Definition von Richtlinien (z. B. ein KI-Ethik-Kodex), die fest-
schreiben, welche Entscheidungen KI treffen darf und wo zwingend ein Mensch
involviert sein muss (human-in-the-loop Prinzip). Laufende Überwachung der
Einhaltung dieser Leitplanken.
Transparenz und Partizipation sichern: Bevor KI-Systeme mit Führungsauf-
gaben live gehen, müssen Mitarbeiter einbezogen werden. Funktionsweise und
Zweck der Systeme müssen in verständlicher Sprache erklärt und vermittelt wer-
Wer führt die KI und wie? Oder führt die KI uns? 125
den. Die Einrichtung von Feedback-Kanälen ist zu empfehlen, über die Mitarbei-
ter Erfahrungen mit KI-Entscheidungen rückmelden können. Piloten oder Test-
phasen müssen an die Strategiefelder des Unternehmens gekoppelt sein. Die Ein-
führung sollte grundsätzlich schrittweise und mit Möglichkeit zur Kurskorrektur
erfolgen.
Weiterbildung und Kulturwandel fördern: Investition in Trainings für Füh-
rungskräfte und Mitarbeiter, um KI-Kompetenzen aufzubauen ist ratsam. Dies
umfasst technische Grundkenntnisse ebenso wie Schulungen zu Datenschutz
oder algorithmischer Fairness. Gleichzeitig sollte der Kulturwandel begleitet
werden: Förderung eines Mindset, das Offenheit gegenüber Technologie mit hu-
manistischen Werten verbindet. Führungskräfte sollten z. B. lernen, wie sie Ent-
scheidungen einer KI ihren Mitarbeitern vermitteln und dabei empathisch auf
Sorgen eingehen (digital empathy).
Technische Gestaltung: menschenzentriert & erklärbar: Die Auswahl oder
Eigenentwicklung von KI-Systeme sollten dem Postulat der Erklärbarkeit folgen.
Das heißt, dass sie erklärbare Ausgaben liefern (Stichwort Explainable AI). Dies
kann beispielsweise die Implementierung von einem KI-Dashboard sein. Gene-
rell steht im Vordergrund, dass bei der Entwicklung von Algorithmen auf quali-
tativ hochwertige, repräsentative Trainingsdaten geachtet werden muss, um Bias
zu minimieren. Das Testing der Systeme vor breitem Einsatz auf unerwünschte
Verhaltensweisen ist immer durchzuführen.
Pilotanwendungen gezielt auswählen: Ratsam ist, den KI-Einsatz in Bereichen
zu starten, die überschaubar und gut kontrollierbar sind. Beispielsweise kann ein
Chatbot als virtueller Teamleiter für einfache Routineaufgaben in einem kleinen
Team getestet werden, bevor man großflächig algorithmisches Management ein-
führt. Diese Piloten müssen analysiert werden um aus Erfolgen und Misserfolgen
zu Lernen. Eine Skalierung der KI in der Führung sollte erst stattfinden, wenn
Prozesse feinjustiert und Mitarbeiter abgeholt sind.
Kontinuierliche Evaluation: Abschließend gilt es regelmäßige Audits und Er-
folgskontrollen durchzuführen. Dies umfasst die Messung von z. B. Mitarbeiter-
zufriedenheit und -leistung unter KI-geführter Führung vs. traditioneller Füh-
rung, um Auswirkungen zu quantifizieren. Weiterhin sollte überprüft werden, ob
die KI-Entscheidungen mit den Unternehmenswerten und -zielen im Einklang
stehen. Dies kann durch externe Experten oder Ethikräte ergänzt werden, die sen-
sibel Bereiche begutachten (etwa Algorithmen zur Personalsteuerung), um blinde
Flecken zu vermeiden. Diese ständige Lernschleife ermöglicht es, frühzeitig ge-
genzusteuern, falls negative Effekte auftreten.
Durch beherzigte Umsetzung dieser Empfehlungen können Unternehmen die Potenziale
von KI in der Führung nutzen und zugleich Risiken beherrschen. Entscheidend ist ein
ganzheitlicher Ansatz: Technik, Mensch und Organisation müssen synchronisiert werden,
damit KI als Führungsinstrument tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt, für das Un-
ternehmen und die Menschen, die darin arbeiten.
126 Jan Wehinger
8 Fazit
Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln der Führung in der modernen Arbeitswelt.
Klassische Führungstheorien stoßen an ihre Grenzen, wenn nicht mehr ausschließlich
Menschen, sondern auch KI-Systeme als Führende oder Geführte auftreten. In diesem Bei-
trag wurden drei neue Führungsmodelle, Supervisory, Collaborative und AI-Led Lea-
dership, vorgestellt, die unterschiedliche Aufteilungen von Verantwortung und Kontrolle
zwischen Mensch und Maschine beschreiben. Wir haben gesehen, dass jedes Modell
Chancen bietet (Effizienz, neue Synergien, Objektivität), aber auch spezifische Risiken
birgt (Kontrollverlust, Akzeptanzprobleme, ethische Dilemmata).
Entscheidend ist, dass die Einführung von KI in Führungsrollen bewusst gestaltet wird.
Der Mensch darf sich nicht selbst überflüssig machen: Selbst im Zeitalter der Automati-
sierung bleibt Führung letztlich eine zutiefst menschliche Aufgabe, nämlich Sinn zu stif-
ten, Vertrauen zu schaffen und Werte zu wahren. KI kann hierbei ein mächtiges Werkzeug
sein, um informierte Entscheidungen zu treffen und komplexe Prozesse zu steuern. Doch
wer führt die KI? Diese Frage muss jedes Unternehmen für sich beantworten, indem klare
Verantwortlichkeiten und Governance geschaffen werden. Ebenso wichtig ist die Frage
„wie“: Es bedarf neuer Kompetenzen, Rollen und Regeln, um das Zusammenspiel von
menschlicher und künstlicher Intelligenz im Führungsprozess erfolgreich zu gestalten.
Insgesamt steht Führung im Kontext von New Work 2.0 vor einem Paradigmenwechsel.
Die Organisationen, die es schaffen, KI-Technologie mit einer humanistischen Führungs-
kultur zu vereinen, werden einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben. Die vorlie-
genden Überlegungen sollen einen Beitrag dazu leisten, diesen Wandel besser zu verste-
hen und aktiv zu gestalten. Weitere Forschungen und praktische Erfahrungen, etwa zu den
langfristigen Auswirkungen KI-geführter Teams auf Innovation und Zufriedenheit, blei-
ben notwendig, um die Führungsmodelle der Zukunft laufend zu verfeinern. Eines jedoch
ist klar: Die Frage ist nicht mehr, ob KI die Führung verändert, sondern wie wir mit diesen
Veränderungen umgehen.
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128
Teil II
Beiträge der Session „Future Track“
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 131
Post Agility A Review and Outlook
Sarah Brandt1, Sven Theobald2, Pascal Guckenbiehl3 und Alexander Krieg4
Abstract: Agile software development approaches are widely used due to their many benefits. Re-
cently, the term "Post Agility” or “Post Agile" has gained traction in discussions surrounding Agile
software development. This paper aims to explore the significance and implications of this emerging
concept, questioning whether it is merely a buzzword used in the consulting world or if it holds
substantial meaning for the future of software development and organizations in general. With the
help of a literature review, we delve into the origins, definitions and characteristics of Post Agility.
We then discuss potential approaches that may become increasingly relevant in this evolving land-
scape, namely agile leadership and vibe coding. Our findings provide a summary and insights on the
paradigm as well as inspiration for future research.
Keywords: Post Agility, Post Agile, Post Agilism, Agile Leadership, Vibe Coding
1 Introduction
Agile software development approaches are widely used due to their many benefits. Ini-
tially utilized by small teams developing information systems, they were later scaled to
larger projects with the help of scaling frameworks [Th19] and even applied for the devel-
opment of more complex or regulated products, e.g., for embedded systems [DT18]. The
Agile Manifesto [Be01] stands out for its effort to balance the competing priorities of cus-
tomers, management, and development teams. Rather than replacing traditional processes,
Agile complements them with principles that emphasize customer collaboration and team
autonomy, while management largely remains in the background [BNY17].
However, the Agile Manifesto does not specify how its principles should be operational-
ized in practice. Although it has strongly influenced software development, there remains
a lack of clarity on how to institutionalize Agile in sustainable ways, leading to growing
skepticism about its current direction. There are increased discussions within the Agilist
community about Post Agility, combined with many statements that claim “Agile is dead”.
But what does that mean? Are the principles, methods and practices not suited for the
current challenges in software development and organizations in general, or did they al-
ready become state of the practice?
The aim of this work is to better understand the term “Post Agile” by reviewing scientific
literature and investigating the origin of this movement and possible definitions. In addi-
tion, we share our thoughts on the topic and provide an outlook on what could possibly be
1 Fraunhofer-Institute for Experimental Software Engineering, Smart City Design, Fraunhofer-Platz 1, 67663
Kaiserslautern, sarah.brandt@iese.fraunhofer.de
2 Fraunhofer-Institute for Experimental Software Engineering, Data Science, Fraunhofer-Platz 1, 67663 Kai-
serslautern, sven.theobald@iese.fraunhofer.de
3 TOPdesk Deutschland GmbH, Carl-Euler-Straße 8, 67663 Kaiserslautern, p.guckenbiehl@topdesk.com
4 vimoki GmbH, Geschäftsführung, Stadtdeich 2-4, 20097 Hamburg, alexander.krieg@vimoki.de
132 Sarah Brandt et al.
the new way of working after Agile processes. The paper is structured as follows: Section
2 explains the research goal and questions which we aimed to address. Section 3 summa-
rizes findings from the literature review to better understand what Post Agility is about.
Section 4 extends this with further thoughts and an outlook going forward. Section 5 con-
cludes this paper with the main takeaways.
2 Research Goal & Method
The goal of our research was to investigate Post Agility, specifically where the concept
originated from, how it is defined and what implications for the future might be. We started
with a review of scientific literature, to answer the following research questions:
RQ1: When and why did Post Agile as a concept emerge, and what has driven its
growing significance over time?
RQ2: How is Post Agile defined, and how does it conceptually and practically di-
verge from the Agile paradigm?
Although not following a strict approach for a systematic literature review, we aimed to
conduct a complete review of the scientific literature. Hence, we defined a broad search
string (“post agil*” OR “post-agil*) and conducted a literature search on Scopus in May
2025, searching within title, abstract and keywords. From the 10 results, we excluded two
conference proceedings and one book chapter, as well as one paper we could not gain
access to. The remaining 6 literature sources all fulfill our only inclusion criterion by men-
tioning the term Post Agility/ Post Agile. The identified papers [BPM11] [DOM13]
[DOM14] [LS15] [Le15] [Kn17] were all peer-reviewed publications dating back to the
2010s, we could not find any preprints on this topic. One Portuguese paper [LS15] needed
to be translated into English with the help of a translation tool.
Only having this small number of papers to review, we skipped the typical study selection
process of first filtering by title and abstract before analyzing the full text and directly did
a review of the full paper. In addition, we looked at Google Scholar for other scientific
papers that provided insights into Post Agility or the claim that “Agile is dead”. To achieve
a more complete and up-to-date picture, we further conducted an unsystematic and incom-
plete search for non-scientific literature. From all identified sources, we extracted the in-
formation along the research questions and collected all relevant information in a table.
Finally, we answered the research questions based on the extracted information and added
our own thoughts via the discussion.
3 Origin & Definition of Post Agility
This section describes the results of our literature review along the two research questions
introduced above. It revolves around understanding where the term originated and how it
is defined through an overview of individual ideas and common themes.
Post Agility A Review and Outlook 133
3.1 Origin (RQ1)
The authorship of the term “Post Agilism” that originated in mid 2006 was attributed to
Jonathan Kohl and Jason Gorman, simultaneously [LS15] [Ko07]. Kohl [Ko07] defines
Post Agilism as either “an emerging era” after Agile became mainstream, or as “a growing
movement of former Agilists who have moved beyond Agile methods” and provides in-
sights on his thoughts: The term “Post Agilismwas inspired by modernism and post-
modernism, seen in architecture and the arts. Agile is comparable to modernism due to its
progressive vision, with many rules around its values and tools. Analogous to post-
modernism, Post Agilism breaks rules to create new, hybrid processes. When many devel-
opment teams moved to Agile methodologies, a commercial niche was created and certif-
icates, trainings, books as well as consulting businesses boomed [LS15]. Principles and
methods were no longer reflected or adapted to the context at hand, instead the practices
were seen as rules that needed to be followed. Thus, the term “Post Agilewas coined to
motivate developers to be more skeptical and use practices from both traditional and Agile
methods that are suitable for their context. It was not the intention of Kohl to provide a
definition of Post Agility in the form of new practices or principles.
However, later use of the term is related to defining such new principles and practices,
especially regarding faster feedback and continuous delivery/ DevOps [Le15] [BNY17]
[DOM13] [Co19]. Most of those authors describe Post Agility as the result of a natural
evolution. When conditions are changing, software development needs to adapt. Examples
of such conditions are:
Changing economics and the role of software in formulating business solutions and
generating revenue [BPM11]
Pressure to favor releasing early over quality for low cost, rapid development and
to code for new features [DOM13]
Fast and continuous delivery is needed - rapid development and fast feedback cycles
[Le15]
Fast iteration, missing contact to costumer, information loss [BNY17]
Fast feedback, the use of Agile values outside of product design and simplification
of processes [Co19]
Our literature review revealed that the most recent scientific publication explicitly refer-
encing the term Post Agile dates back to 2017. Since then, two notable trends have
emerged. First, there appears to be a lack of continued academic engagement with the term
itself. This absence may be attributed either to the term's conceptual vagueness or to the
rise of newer paradigms (such as DevOps or Continuous Delivery) which have shifted the
focus of discourse away from Post Agile as a relevant category.
In contrast, the term continues to generate significant discussion in non-academic contexts,
particularly in social media and industry blogs. Here, Post Agile serves as a focal point for
debates about the limitations of established Agile practices. These discussions are pre-
dominantly driven by consultants and practitioners who work with Agile methodologies
on a daily basis and are directly confronted with the practical challenges of applying them
in evolving organizational environments.
134 Sarah Brandt et al.
3.2 Definition (RQ2)
The literature sources deal with the term “Post Agilein different depths. [BPM11] evalu-
ate historical developments in software engineering resulting in a recurring pattern, where
dramatic market changes led to a disruption of established practices, which is then fol-
lowed by process adaptation. Based on history, the authors offer a perspective on Post
Agility. [Kn17] also follows the development history from Waterfall to Agile to Post Ag-
ile. From a definition of Agile, the author concludes that Agile will develop into Post
Agile. Similarly, [LS15] conclude the change from Agile to Post Agile, however the au-
thors use the modernist to post-modernist movement as comparison to the movement from
Agile to Post Agile as the starting point of their discussion. [DOM13] as well as [DOM14]
mention Post Agility, but they do not define or explain the term. The authors claim that
Agile practices need to develop, where the result may be called Post Agility. [Le15] men-
tions the term “Post Agile, discussing where and why Agile frameworks don’t anymore
and describing Continuous Delivery regarding what comes next. A similar approach is
used by [BNY17], who evaluate the history of Agility and how it will develop, describing
DevOps as the next step. The authors further evaluate which Agile will principles remain.
Despite the growing discourse around Post Agility and its increasing presence in literature,
a precise and consistent definition has yet to be established. Several authors introduce
DevOps or Continuous Delivery as the next step after Agile. Others agree that there is a
need to evolve from Agile into a new era as established methods cannot address today's
challenges. For some (like [Em17]), Post Agile means the use of Agile principles in new
processes. The following statements provide an overview of interpretations:
“[…], by ‘‘Post Agility’’ we do not imply the end of agility; rather it refers to a deep
incorporation of agility into all modes of software development” [BPM11]
“The term Post-Agile was then coined to register an era in which developers became
more skeptical and careful about changing the internal practices of their projects.”
[LS15]
We are now in the “post-Agile” age. “Post”-something means that we are in an in-
between period, where one thing has been incorporated into our culture and the next
thing has not yet formed to the point of naming.” [Co19]
"Post Agile refers to harmonizing Agile working and asynchronous communication.
It’s a new patchwork working style that Tech Teams, especially in fully-remote
multi-time zone environments, use to merge the Agile Manifesto with state-of-the-
art asynchronous communication" [Mc22]
In conclusion, the term Post Agilerefers to a shift away from the strict use of established
Agile frameworks, as these often no longer meet the complex and evolving demands of
today’s software development. Although some practices may be questioned or replaced,
the core ideas and values of Agile still influence how teams work - just in more flexible
and varied ways. We are currently observing a growing movement of former Agile prac-
titioners who have moved beyond the exclusive use of Agile methodologies. Instead, they
draw from a broad array of tools, practices, and approaches. This shift indicates the emer-
gence of a new phase: now that Agile has become mainstream, the question arises what
comes next.
Post Agility A Review and Outlook 135
We intentionally refrain from offering a fixed or universal definition of Post Agility. In-
stead, we understand it as a reflection of changing conditions in the software industry that
challenge the adequacy of established Agile thinking. Agile has not disappeared, it is
evolving. This manifests in new methods, hybrid approaches, or practices that may no
longer explicitly carry the Agile label yet still embody its core intent. Post Agility therefore
should not be seen as a failure or abandonment of Agile, but rather as a continuation of its
evolution, a return to foundational values and an adaptation to a more complex and diverse
landscape.
4 Beyond Agile – A Continuous Evolution
In this section, we first discuss the development of Agile into Post Agile, by addressing
the success of agile principles as well as examining current challenges in software devel-
opment. We further describe new context and process changes by exploring two examples
of relevant topics in a Post Agile era, namely Agile Leadership and Vibe Coding.
4.1 Reflecting on Success & Challenges
Agile methodologies have fundamentally reshaped software development by emphasizing
iterative delivery, adaptive planning, and close collaboration with customers [Be01]. Cen-
tral to Agile’s success are its core principles, such as short development cycles, early and
continuous software delivery, self-organizing teams, and a focus on learning and reflection
[BNY17]. These elements have increased team motivation, improved transparency, ena-
bled early detection of defects, and enhanced overall product quality [MH13] [NIG24].
Furthermore, Agile fosters customer satisfaction through regular feedback and promotes
cross-functional teamwork, making many of its practices indispensable in today’s devel-
opment environments [OFM13] [BH21] [JNA19].
Despite these successes, Agile faces significant challenges in contemporary settings. The
increasing complexity of software systems requires practices such as Continuous Deliv-
ery/ Deployment, modular architectures like microservices, and rigorous quality assurance
integrated early in the process [BNY17]. These demands often translate into intense pres-
sure on development teams, risking burnout and reducing time available for reflective
learning. Customer involvement, a cornerstone of Agile, also encounters obstacles. Prac-
tical constraints such as time limitations, geographic distribution, and reliance on Product
Owners or proxies can degrade communication and understanding, resulting in delays,
misunderstandings, and increased costs [SH19] [Mc13]. Additionally, originally flexible
guidelines have frequently ossified into rigid frameworks with fixed ceremonies and tools,
especially in larger organizations with hierarchical structures, leading to feelings of mi-
cromanagement and limiting true agility. Lastly, many organizations struggle to scale Ag-
ile beyond small teams or within traditional environments, often emphasizing process
compliance over delivering real value and people-centered collaboration [BNY17].
Agile has not failed as a concept, but problems often arise in practical implementation and
translating the underlying principles into everyday actions. Also, one could say that Agile
at some point started to contradict itself. What was originally about an “Inspect & Adapt”
136 Sarah Brandt et al.
culture, became a rigid implementation of predefined frameworks regardless of context
and with limited scope.
4.2 Current Trends: Agile Leadership & Vibe Coding
In [BPM11], it is explicitly stated that a change in context leads to a change in process.
This observation was foundational for the emergence of agility in the first place. During
the Agile era the context evolved once again, which became evident through the chal-
lenges encountered in the practical application of Agile methods. As previously discussed,
such shifts in context imply that Agile approaches themselves need to evolve.
In our analysis, two emerging trends - Agile Leadership and Vibe Coding - can be seen as
part of this ongoing evolution. We consider both (alongside others, which we do not ad-
dress here) to be characteristic of a Post Agile era, reflecting current shifts in software
development (see Fig. 1). Importantly, these developments do not represent a departure
from agility, but rather a continuation of the core mindset. They build upon Agile princi-
ples while adapting to new organizational, technological, or social conditions.
Fig. 1. From context to process change. Adapted from [BPM11]
Agile Leadership - Agile leadership is a modern approach to leading organizations that
has emerged in response to the fast-paced, unpredictable, and complex nature of today’s
business environment, often referred to as a VUCA world (Volatile, Uncertain, Complex,
and Ambiguous). As companies face constant disruption due to digital transformation,
new competitors, and evolving customer expectations, traditional leadership models char-
acterized by centralized decision-making and rigid hierarchies have become increasingly
ineffective. Instead, organizations now need leaders who embrace agility as a core value
and who can foster adaptability, speed, and collaboration.
Post Agility A Review and Outlook 137
Originating from software development in the 1990s, Agile principles have gradually ex-
panded beyond technical departments to influence leadership and organizational design
more broadly. Agile leadership emphasizes flexibility, responsiveness, and commitment
to continuous improvement. It is not just about adopting Agile methods but requires a
fundamental shift in mindset and behavior, particularly around empowering teams and
creating environments that support autonomy and self-organization.
More specifically, the concept can be defined by several key categories that encapsulate
Agile Leadership [Th20] [Kr22]. Among them, a focus on self-organized teams emerged
as a novel concept not found in traditional leadership models. Agile leaders further focus
on setting clear visions and goals, creating the right conditions for teams to thrive, and
maintaining a strong alignment with customer value. They also play a critical role in ena-
bling continuous learning and improvement across the organization. Importantly, Agile
leadership depends heavily on the personal qualities and commitment of leaders them-
selves, especially at the top levels of management. Typically, Agile transitions have started
bottom-up with pilots in software development. Agile leadership becomes increasingly
important now to all Agile initiatives that got stuck along the way, trying to spread agility
in a scaled environment, at the interface to traditional organizational units [TD18] and
finally throughout the whole organization [KTK18].
Vibe Coding - Vibe coding is a new topic in software development, where coding is per-
formed by AI tools. Large language models (LLMs) are generating code rather than de-
velopers. While developers express their ideas in natural language, LLMs generate code
line by line [Ni25]. The term itself was created by Andrej Karpathy in February 2025 with
the words: “I'm building a project or webapp, but it's not really coding - I just see stuff,
say stuff, run stuff, and copy paste stuff, and it mostly works.” [Ka25]. Instead of dealing
with syntax, algorithms, and debugging as a developer, the AI is doing these tasks. This
might change software development fundamentally. Vibe coding is therefore describing
what the software should do, while the AI is taking care of how to program the software
[Ni25]. This makes software development more accessible and faster, especially for pro-
totyping, ideation, or experimental projects [Wo25]. Further, users with limited technical
backgrounds or expertise in programming can generate code only using a description of
what they want. They can use tools like Cursor, Windsurf AI, GitHub Copilot, and Replit
Agent to support the process of coding using a development environment [Sc25].
Vibe coding, especially when used with structured guidance, offers a compelling comple-
ment to traditional development methodologies [La25]. Like Agile, vibe coding supports
rapid prototyping, quick iterations, and continuous refinement, except it dramatically com-
presses these cycles using AI to instantly generate and test working code based on natural
language descriptions. The fast generation of functional prototypes or full applications in
short-time makes vibe coding particularly appealing for start-ups and medium-sized en-
terprises with limited resources that must respond quickly to market changes [Sc25].
However, this approach also comes with obvious challenges. Quality might suffer if the
user of vibe coding lacks the necessary software engineering skills. Critical aspects like
safety and security cannot be ensured. Also, internal quality will be affected, e.g. reduced
maintainability and comprehension of the codebase. While vibe coding might be sufficient
for simple and uncritical applications or prototypes, real complex software products need
138 Sarah Brandt et al.
software engineers that can review and rework the generated code. From a process per-
spective, while Agile emphasizes collaboration, shared code understanding, and ongoing
feedback loops, vibe coding can become a more isolated, AI-driven process, risking re-
duced team communication. Thus, rather than replacing Agile, vibe coding should be
viewed as a “pair programmer” embedded within established Agile workflows - not as a
replacement for traditional development, but as a targeted enhancement that complements
and strengthens existing team practices [Wo25]. In practice, many teams may adopt a hy-
brid model, leveraging Agile or DevOps for structure and quality control, while integrating
AI-assisted development to accelerate feature creation, as long as key engineering princi-
ples remain intact. Vibe coding could be used in early sprints, focusing on an idea or con-
cept validation. It could be used for creating early software prototypes, which then will be
refined, reviewed and improved by developers. Such a combination of Agile methods and
vibe coding could potentially deliver the most value.
Therefore, vibe coding exhibits a strong alignment with the Agile principle of responding
to change instead of following a fixed plan. By facilitating rapid integration of feedback,
implementation of novel ideas, and continuous iteration it supports core Agile values. The
cycle of inspection an adaption in Agile frameworks can be significantly accelerated:
teams are empowered to generate code, assess outcomes, extract insights, and iterate with-
out delay [Wo25]. This hybrid model of vibe coding with Agile core principles and frame-
works might be a sustainable solution for software development: rapid prototyping and
early validation with traditional development to build and secure critical components.
5 Conclusion
Agile has profoundly shaped modern development practices - introducing flexibility, iter-
ative cycles, and customer-centricity. However, the focus shifted away from people and
delivering real value: What was originally about a mindset of inspecting and adapting
evolved into rigid implementation of predefined frameworks regardless of context and
scope. Many practitioners now are questioning whether established Agile frameworks re-
main relevant or sufficient, leading to an increased discourse about “Post Agility”.
With the help of a literature review, this paper aims to provide a better understanding of
the origin and definition of the term. Originally, Post Agile was coined in analogy to post-
modernism in arts, emphasizing flexibility, pragmatism, and adapting to context. Later,
the term was used to describe specific additions to Agile, e.g. DevOps. While there is no
scientifically based definition, Post Agile can be understood as the evolution of Agile,
adapting to increasing complexity and utilizing new tools, while retaining its core values.
We offer two examples of context-driven process changes in a Post Agile era: Agile lead-
ership and vibe coding.
Agile leadership has evolved in response to today's fast-changing, complex business en-
vironments. Unlike traditional hierarchical leadership, Agile Leadership emphasizes
adaptability, collaboration, and continuous improvement. Leaders focus on empowering
self-organized teams, setting clear goals, fostering customer alignment, and creating envi-
ronments that support autonomy and learning. With agile transitions often being stuck
with “doing agile”, agile leadership is necessary to enable “being agile” by helping to
Post Agility A Review and Outlook 139
implement the cultural aspects of agility throughout the organization.
Vibe coding is a new trend in software development where code is written by AI based on
natural language descriptions. Vibe coding promises to speed up software development
and make it more accessible. Thus, Vibe coding complements Agile principles by enabling
rapid prototyping, fast iterations, and continuous refinement. A hybrid model combining
Agile with AI-assisted coding may offer a sustainable path forward, e.g. using AI as a
supportive “AI pair programmer” within existing workflows.
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142
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 143
Resilient Governance: Securing Public Services by
Implementing Business Continuity Management Systems in
German Municipal Administrations
Rebecca Fischer1 und Karoline Busse 2
Abstract: Business Continuity Management (BCM) complements information security
management by providing reactive capabilities. Establishing a BCM is resource intensive and only
few materials are tailored to German municipalities. This paper examines the BSI 200-4 standard,
particularly its usability in the public sector. Our results indicate that the standard offers sufficient
baseline start implementation but additional support from the state government is needed. In
particular, the official supplementary materials are perceived as insufficiently usable, which might
also reflect organizational and cultural constraints within the German public administration.
Keywords: Business Continuity Management (BCM), Public Administration, Resilience, NIS 2
Directive, Quantitative Research
1 Introduction
"A town goes offline. The municipal administration of Neustadt am Rübenberge was the
target of a cyberattack." [Eh19] - with this headline, the town of 45,000 inhabitants of
Neustadt am Rübenberge in the German state of Lower Saxony came into the public
spotlight in 2019. Municipal administration in Germany is responsible for a large majority
of government services such as paying child benefits, support for refugees and asylum
seekers, child welfare protection services, and much more. Since 2019, cybercrime cases
have continued to increase in both Germany [Bu24, Ku23] and other countries [In23,
FB23]. In addition, climate change has led to an increase in extreme weather phenomena
[Se21] that raises the likelihood and frequency of local incidents such as flooding [Ah21]
and heavy rainfall [AH24], that can inhibit the availability of municipal government
services. In the case of such an emergency, it is important to quickly obtain an overview
of the affected service(s), the magnitude of their impact on residents’ daily lives, and the
options for rapid restoration. According to the new NIS 2 directive on EU level, national
and regional administrations are classified as critical infrastructure, while the applicability
to local administrations is at the discretion of the member states. Germany pledged its
federal states not to regulate local administrations [IT23b]. However, the introductory
example illustrates that the local administrations are often affected by the events described.
1 Niedersächsisches Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung, Referat IT2, Schiffgraben 12, 30159
Hannover, rebecca.borges@mi.niedersachsen.de
2 Kommunale Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen (HSVN), Institut für Digitalisierung und
Datenschutz, Wielandstraße 8, 30169 Hannover, karoline.busse@nsi-hsvn.de, https://orcid.org/0000-
0002-4484-7639
144 Rebecca Fischer und Karoline Busse
Given the approximately 11000 administrations at the local level, these attacks are not
surprising [MB24].
In cybersecurity incidents targeting critical infrastructure, human factors can be decisive.
The TRITON malware attack against a Saudi Arabian power plant in 2017 illustrates both
aspects [Ma18]. Because the relevant industrial control unit was operated in program
mode, the attackers could deploy their malware. This was likely a decision of convenience
or carelessness. Conversely, human operators noticed unsafe parameters before a
catastrophe occurred. While workers in very specialized environments such as power
plants or transportation might have a good awareness, public administrations are not
environments where staff are routinely primed for operational security [Hi18, CM19]. In
addition, the list of digital administration services that are to be implemented mandatorily
is currently at more than 900 [IT25], which leads to a large number of business processes.
In 2023, the German Federal Office of Information Security (Bundesamt für Sicherheit in
der Informationstechnik (BSI)) has issued a new public standard BSI 200-4 which covers
the topic of Business Continuity Management, is fully compatible with ISO 22301, and
focuses on small and medium organizations. In this paper, we assess awareness,
preparedness, and BCMS implementation among municipal administrations in the
German state of Lower Saxony. We align the study with BSI 200-4 and evaluate its
usability in the public sector with the following research questions (RQ).
(RQ). What is the current state of awareness, preparedness, and implementation of
Business Continuity Management (BCM) in Lower Saxony’s municipal administrations
and ministries, and what support needs do they articulate?
To answer the RQ, we conducted a quantitative survey study among municipal
administrations in the German state of Lower Saxony. Out of the total 1092 municipal and
state administration institutions in the state, we contacted 433 institutions and received
152 valid responses. The results suggest that municipalities show great interest in
implementing BCM despite not being obliged by law or other regulations to do so.
However, they need support and guidance, which they hope to get from the state ministry.
2 Related Work
Although BSI 200-4 was released in 2023, the discipline of business continuity
management is well established and practiced in countries regularly exposed to natural
hazards [CN23, KC17]. As extreme weather conditions continue to rise globally [Ou23],
it can be expected that business continuity management will become more important all
around the world in the next years.
In 2010, Warren conducted a survey about BCM implementation among the public sector
in Canada, the USA, New Zealand, and the UK. Of all respondents, 89% worked in public
administration, mostly in the field of building and facility management. Warren
discovered that many institutions from the sample had already conducted business impact
analyses which are an important step in preparation. However, 8% of participants stated
that there are no business continuity plans in case of an incident [Wa10]. As we already
Resilient Governance 145
established that Germany municipal administrations are responsible for providing the
basis of living for many people and as such should therefore prioritize business continuity.
Järveläinen conducted research in 2013 on whether the endorsement of an institution's top-
level management has a positive effect on the implementation of BCM within the
institution. They found that BCM could become part of the company's cultural values if
the management endorses it [Jä13]. In a follow-up study in 2020, Järveläinen underlined
that support and endorsement by the top-level management is essential for the success of
a business continuity management system (BCMS) [Jä20]. These results suggest that in
municipal administration, the role and attitude of the mayors plays an important part in
establishing a BCM. We investigate this further in our study (cf. Section 3).
2.1 Business Continuity Management
The BSI standard 200-4 follows a Plan-Do-Check-Act cycle of continuous improvement
(PDCA) and defines three types of BCMS: A rudimentary "reactive BCM", the
intermediate "buildup BCM", and the full "standard BCM". The foundation of a BCMS is
an institution-wide guideline that defines relevant categories of incidents, the scope, and
the responsibility of top-level management. BCM builds heavily on business processes
within an organization. In the Business Impact Analysis (BIA), critical processes are
identified and annotated with relevant metrics such as the maximum tolerable time of
disruption. Based on these results, emergency plans and recovery measures are drafted.
Note that the effort required to implement a BCMS scales with the number of business
processes an organization has. Consequently, municipal administrations face higher
workload than similarly-sized SMEs.
3 Research Design and Hypotheses
Based on our research question and previous research on the topic, we drafted three
hypotheses that informed our study.
H1: Municipal administrations with a mayor interested and informed in BCM have
already planned or implemented related measures. An organization's top management
plays an important role in implementing and maintaining a BCMS. In addition to
allocating resources, the top level must take decisions on assessing and accepting risks.
Additionally, it is of importance that the top-level management actively partakes in
exercises and tests, as they will need to push the topic over a prolonged period [BYU15].
H2: Districts and district-free cities are more advanced in BCM compared to other
municipalities. Districts and district-free cities are already obliged to implement tasks
related to disaster management3. These tasks also include risk assessment and drafting
plans for escalation and coping with natural or human-made disasters [De08]. As per the
Lower Saxon law on disaster prevention (NKatSG), the districts and district-free cities are
also required to implement emergency task forces related to disaster management.
3 see Article 1, GG, and Gesetz über den Zivilschutz und der Katastrophenhilfe des Bundes (ZSKG)
146 Rebecca Fischer und Karoline Busse
Therefore, we hypothesize that these bodies benefit from their experiences and thus are
further advanced in implementing a BCM.
H3: The municipal administration in Lower Saxony wish for more support from the
state government on the topic of BCM. The Ministry for Internal Affairs, Sport, and
Digital Transformation of Lower Saxony is already supporting the municipalities in the
field of cyber security, as they provided fully funded audits through a contractor. One of
the audit criteria was the implementation of a BCM. Other federal states in Germany show
stronger support, such as the State of Hesse which implemented a training center for state
and municipal personnel on the topic of cyber security defense4 in 2022. The federal state
of Bavaria offers similar training through their state agency for information security5, as
well as checklists, templates, and other resources [La25], and consultation services on the
topic. The state of Lower Saxony had not implemented any of these measures at the time
of our study.
4 Methodology
4.1 Instrument Development
We designed a 32-item questionnaire aligned to the stages and artefacts of BSI 200-4 (e.g.,
BC guideline, role assignment, document classification, reporting chains, exercises). Two
pilot tests (2×8 participants) informed wording, difficulty, and completion time. No items
were mandatory to preserve accuracy where implementations were absent. The full
questionnaire is provided in Appendix A with an explicit variable mapping (item
construct → data type). Our institution does not operate an IRB/ethics board, we adhered
to the GDPR throughout design, deployment and analysis. Optional email addresses for
result notifications were stored separately from survey data.
All participants were invited through email, both through a state-wide information security
network organization (KITSIN - Kommunales IT-Sicherheitsnetzwerk Niedersachsen) and
through a contact list provided by the state office of statistics. Due to spam filtering, only
423 of the 1092 municipal administrations received the invitation. In addition, the ten state
ministries of Lower Saxony were invited to participate. All emails contained instructions
that the survey should be filled by the person who works on business continuity
management for the institution. We did not compensate the participants for their time, as
this would have created a conflict with anti-corruption regulations for public
administration workers.
4.2 Statistical Analysis
Given the ordinal nature of single-item 5-point Likert responses, we pre-specified non-
parametric procedures. Associations between binary implementations (e.g., presence of a
BC guideline) and top-management awareness (yes/no) were tested using Chi-square tests
4 Hessisches Cyberabwehrausbildungszentrum Land/Kommunen, HEECAZ L/K
5 Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, LSI
Resilient Governance 147
of independence. Group differences in counts of implemented measures were analyzed
with MannWhitney U. For one-sample deviations from a neutral midpoint on Likert
items, we used the Wilcoxon signed-rank test; multi-group ordinal comparisons used
KruskalWallis. To control the family-wise error rate across families of tests, we applied
Holm’s step-down correction and report adjusted p values for the H1 test family. We
summarize Likert responses via medians and response percentages (not means/standard
deviations) to respect the ordinal scale.
4.3 Threats To Validity
Several constructs rely on single-item Likert measures, we therefore used nonparametric
tests and report medians and response percentages. All measures are self-reported; social-
desirability and common-method bias cannot be excluded. The sample covers Lower
Saxony, therefore is generalizability to other German states or EU members limited. We
applied Holm correction for the H1 family, some subgroup counts are small, reducing
power. Recruitment combined a network list and state statistics contact list
(convenience/stratified access) and may incur non-response bias. NIS 2 Directive might
have an impact on public administration in other European countries, so future work could
yield interesting results in this field. However, in the current draft of the NIS 2
implementation in Germany, municipalities are excluded [Bu23a]. NIS 2 implementation
may change baseline awareness and support needs; we therefore recommend a follow-up
survey after national transposition.
Lower Saxony's state declared to implement BCM in 2021, including a plan to evaluate
the effectiveness and implementation of measures of Lower Saxony's Ministries and their
subordinated administrative bodies (nachgeordnete Behörden). A replication of this study
would make an interesting comparison.
5 Results
The survey was conducted between January 15 and February 26, 2024. Of the 423
institutions contacted, 152 participants completed the survey while providing valid
responses. This corresponds to a return rate of 28.1%. About eighty percent of responses
were from municipalities. Of the ten contacted ministries, nine had provided answers. 14%
did not disclose their type of institution. The responses were analyzed with the statistics
software SPSS. Results were Bonferroni-Holm-corrected for multiple testing where
applicable. We aligned our evaluation along the three hypotheses presented in Section 3.
With these hypotheses, we want to shed light especially on the role of mayors, of the
difficulties that organization size brings with it - as the services required of municipal
administration are the same regardless of size - and on the need for support when
implementing a business continuity management system.
148 Rebecca Fischer und Karoline Busse
5.1 General Findings
Of all participants, 37% stated that they know about BCM. Of these, 30% reported that
they will be responsible for the topic within their institution in the future. Of all
participants, 50% replied that their top-level management knows that they will take
responsibility for the institution's business continuity management (43% no, 7% did not
answer). The BCM guideline is present as either work-in-progress or as a completed
document in 23% of institutions. Of these, 15% of institutions plan or have already hired
external contractors to aid in the process. The guideline has been published or is currently
worked on in 23% of participants. When asked about what support they used to write the
guideline, inter-organizational collaboration, and the free official resources were checked
by 22% of participants each, another 22% stated they worked without external help, and
15% were supported by an external contractor (19% of participants did not answer).
Participants were also asked a series of questions about the standard. Median perceived
helpfulness of the BSI 200-4 standard was 3 (neutral) with 34% agreeing or strongly
agreeing that the standard document was helpful (median 3, see Figure 1). 46% of
participants agreed/strongly agreed they intend to implement their BCMS in conformity
with the standard (median = 4). Half of the participants planned to implement a reactive
BCM. 46% of participants stated that they have used or plan to use the official
supplementary material (median = 4). 46% expressed a need for more BCM materials
(median = 4), 58% for more support in general (median = 5), and 42% for more support
from the state government (median = 4).
Figure 1: Evaluation of Likert scale questions (n=152).
In addition, we asked participants from whom they need more support (Q 31 and Q32).
Approximately 61% of all participants expressed their desire for further support with key
actors being their organizational leadership level (67% agree), and municipal networks
(54%). As a closing question, participants should explain their needs precisely. We
clustered all of the 22 answers into four categories, with some answers covering more than
one category: Documents and templates, training and skills, organizational resources, and
IT reliability and standardization. Documentation and templates include templates,
Resilient Governance 149
checklists and practical documents focused on public administration (mentioned by 63%).
Training and skills references to professional training, education and skills (mentioned by
36%). Organizational resources include not only personnel but also financial resources
and responsibilities. Only 18% mentioned this category. IT reliability and standardization
is a combined need for technical infrastructure, independently from financial resources
(mentioned by 23%).
5.2 Hypothesis Tests
Regarding H1 (municipalities with a mayor interested and informed in BCM have already
planned or implemented related measures), we tested seven BCM implementation
measures against top-management awareness (Q4: "Is your top management aware of its
own important role in BCM?") (see Table 1). Those seven measures are the BC guideline
(Q10, see Appendix), the designation of BCM related roles (Q13), the classification of
documents (Q15), the establishment of an emergency task force (Q19), the definition of
reporting channels (Q26), the definition of immediate measures (Q21), and conduction of
tests and exercises (Q29) After Holm-Bonferroni correction across the seven tests, only
the association with the existence of a BC guideline and with established reporting
channels remained statistically significant; all other associations were non-significant.
Therefore, H1 is rejected.
Measure
Informed
Uninformed
χ²
p (corr.)
BC guideline (27)
21
6 16.487 0.007
BCM roles (61)
29
32 0.751 0.772
document
classification (29)
13
16 0.020 0.888
emergency task force
(29)
18 11 5.260 0.11
reporting channels
(29)
20 9 9.951 0.012
immediate measures
(31)
17 14 2.115 0.438
tests and exercises
(29)
17
12 3.471 0.248
Tab. 1: Counts and χ² test results for implemented BCM measures in administration depended on
top management awareness. Numbers behind measures tell how many participants have
implemented the measure in total. P-values have been Bonferroni-Holm corrected for multiple
testing, values marked in bold are statistically significant.
To investigate H2 (Districts and district-free cities are more advanced in BCM compared
to other municipalities), we calculated a score between 0 and 7 for each participant
regarding the implemented BCM measures. If a participant did not answer one of these
questions, the measure was counted as not implemented. To compare the administrative
150 Rebecca Fischer und Karoline Busse
bodies, we sorted them into two groups: (1) districts6 and district-free cities and (2)
municipalities, joint communities (Samtgemeinden), and ministries. The mean score of
group (1) is 3.4, (σ=2.23, median 3.5), while the other group's mean score is 1.96 (σ=1.96,
median 1). A Mann-Whitney-U test yields a significant effect on the implemented
measures for districts and district-free cities compared to other administrative bodies
(U=1053, p=0.0079). Thus, H2 is supported.
Regarding H3 (the municipalities in Lower Saxony wish for more support by the state
government on the topic of BCM), we investigate the replies to question 30, Do you wish
for more support by the state government?”. We excluded the ministries from the replies,
as they are no municipalities. We also excluded cases with missing institution type. The
data set for this hypothesis thus contained 93 responses. The mean score for this item is
3.95, σ=1.12, median 4. Subsequently, we tested for a positive deviation from the neutral
midpoint, suggesting a clear wish for increased support from the state government. A
Wilcoxon signed-rank test shows a strong significant difference (W = 194, p < 0.001). A
Kruskal-Wallis test was conducted to examine the difference between the different local
administrative levels. The test showed no statistical significance, meaning the desire for
more support was consistently between all groups (H(5) = 2.07, p = 0.0839). Thus, H3 is
supported.
6 Discussion
The results show that municipalities in the state of Lower Saxony partially started to
implement BCMS. As municipalities strongly adhere to the principle of economic
spending, the high awareness of this optional topic is surprising. We theorize that there is
a substantial intrinsic motivation to implement BCM, likely driven by the rising number
of both cyber-attacks [Bi24, St24] and natural disasters such as river flooding [WWL24].
Further qualitative research on this aspect could shed light on the motivations on why
municipalities are motivated to implement BCM.
Our hypothesis test for H1 showed that if the top management in an administrative body
(the mayor) is aware of BCM and their own role within the management system, the
institution is more likely to have implemented a BCM guideline and formalized reporting
channels (see Section 5.2). A mandatory part of a BCM guideline is the explicit
commitment to support and work within the BCMS by the institution's top management.
Therefore, the mayor should be aware of the topic while co-creating and signing the
guideline. Similarly, when formalizing reporting channels for potential emergencies, it is
usually the top management who is in charge for a final decision whether a situation poses
a disruption, emergency, or crisis to the organization. Even though H1 is rejected after
multiplicity control, the robust correlation with the existence of a BC guideline highlights
a concrete lever: active mayoral engagement during guideline initiation and sign-off.
Therefore, we recommend a short, co-authored management commitment statement
embedded in the guideline, a standing agenda item in executive meetings to track BC
guideline enactment, and a quarterly call-tree test with written after-action notes to
6 including the Region Hannover which is a unique administrative body that is very similar to a large district
Resilient Governance 151
institutionalize reporting chains. These recommendations mirror practitioner guidance
used in Lower Saxony administrations (e.g., role concepts , exercise calendars).
Our results for H2 showed that district and district-free cities have implemented more
BCM measures on average than municipalities. This might stem from the tasks of local
disaster management, which is delegated to districts but not to municipalities. We might
observe synergies between disaster management and business continuity management, as
both frameworks use similar tools and roles. On the other hand, the scope and the assets
that are to be protected are different between BCM and disaster management, which might
lead to a better start into BCM but might not be as helpful when refining the plans and
protocols. We suggest that further research focuses on the overlaps and differences
between these management systems and the detailed benefits a pre-existing disaster
management system in a district or district-free cities can provide for a BCMS.
The hypothesis test for H3 yielded that municipalities in the state of Lower Saxony do
wish for more support by the state government on the topic of BCM. This clear wish has
been presented to the state Ministry for Internal Affairs, Sport, and Digital Transformation
of Lower Saxony and subsequently, potential measures have been discussed. As an
immediate result of this study, the state CIO financed the creation and conduction of a
two-day workshop format for municipalities on the topic of BCM which centers around
the BSI 200-4. As of writing this document, ten workshops have been conducted and over
180 people have been trained as a result. A formal evaluation of this measure is planned
for 2025. In addition, a community network for municipalities is being built at the
ministry. A project on business impact analysis blueprints for municipalities are currently
running, with different participants and stakeholders. Other measures, such as advanced
workshops on certain aspects of BCM, or special offer on personal BCM certification for
municipalities, are currently being discussed (as of July 2025). Due to early elections on
national level, Germany still does not have a national law that implements the European
NIS 2 Directive into national legislation. Even if local administrations remain out of scope,
federal legislation may raise overall BCM awareness among mayors and other top
management.
We identified a high demand for practical and usable documentation and templates. It was
repeatedly noted that the existing material "is too abstract" and "did not fit the needs of
local government". One of the participants answered: "BCM guidelines are, as it is written
[in BSI 200-4], for the private economy sector and do not align with the needs of municipal
continuity management"7. The gap between expert system design and actual user needs is
a well-known issue. Previous work shows that public servants can complete operational
tasks successfully but lack strategic internet skills [DD10]. We might have observed the
effects of a lack of skill in transferring and adapting these materials to their own
organization that results in a high desire for training and support. This may be less
problematic in groups with higher strategic internet skills. Therefore, it might be useful to
achieve a better skill set in both competences.
As stated in H3, trainings on how to implement BCM are already addressed by Ministry
for Internal Affairs, Sport, and Digital Transformation of Lower Saxony. Furthermore, the
7 All quotes were translated from German.
152 Rebecca Fischer und Karoline Busse
state ministry did not just ask what users need but instead went into development for usable
documentation with municipality administration staff. While this addresses the concrete
symptom, the larger underlying issue remains unsolved: General training on how to build
strategic Internet skills for public servants to understand how available information can be
adapted for desired goals (e.g. implementing BCMS with the given documents). The stated
need for IT reliability and standardization points out the critical importance of a reliable,
interoperable, and resilient IT infrastructure in public administration. Resilience is not
only a technical topic but arises from organizational change and the ability to adapt.
Unfortunately, public administration itself values a stable procedure in tasks above
adaptability, resulting in a strong adversity regarding change [VGK14]. Yet resilience
emerges when collectives adapt their practices to a changing environment [Ko22].
7 Summary
We present a quantitative study (n = 152) of municipalities and state ministries in Lower
Saxony, examining awareness, preparedness, and implementation status of BCMSs.
Our results indicate that Lower Saxony’s municipalities are aware of the topic and many
have already started or plan to start implementing a BCMS despite the lack of need through
laws and regulations. Districts and district-free cities are in an advantageous position here,
presumably through synergies from their expertise in disaster management. An active
participation of the mayor was identified as a key success factor for issuing guidelines and
formalizing reporting channels for potential emergencies. While the official standard BSI
200-4 is considered a solid base, we identified a lack of usability, especially regarding
document blueprints and other practice-oriented artifacts. In addition, we identified the
need for more support, especially from the state government.
As a first step, the Lower Saxony’s state CIO funded BCM training for municipal
administrations. Given the under-researched nature of German public-sector IT
governance, we recommend further research on BCM motivation, current progress, and
transferability to other states and EU members.
Acknowledgements
The authors would like to thank all participants of their study, as well as the KITSIN for
aiding in the distribution of this study and providing a platform to present the results to
the community.
This work is adapted from the first author's master thesis at the University of Applied
Administrative Sciences Lower Saxony.
Resilient Governance 153
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[Wa10] Warren, Clive: The role of public sector asset managers in responding to climate change:
Disaster and business continuity planning. In: Property Management Bd. 28 (2010)
[Ah21] Westdeutscher Rundfunk (WDR): Ahrtal unter Wasser - Chronik einer Katastrophe,
2021. URL https://reportage.wdr.de/chronik-ahrtal-hochwasser-katastrophe. -
abgerufen am 2025-04-08
[WWL24] Willkofer, F.; Wood, R. R.; Ludwig, R.: Assessing the impact of climate change on high
return levels of peak flows in Bavaria applying the CRCM5 large ensemble. In:
Hydrology and Earth System Sciences Bd. 28 (2024), Nr. 13, S. 2969–2989
156 Rebecca Fischer und Karoline Busse
Appendix: Questionnaire
Sehr geehrte Damen und Herren, vorab bedanke ich mich für Ihr Interesse an meiner
wissenschaftlichen Studie teilzunehmen! Hintergrund: Mit dem Kabinettsbeschluss vom
23.11.2021 hat die Niedersächsische Landesregierung den Aufbau eines strategischen und
strukturierten Notfallmanagements beschlossen. Um dieses Ziel voranzutreiben wurde ein
interministerieller Arbeitskreis gebeten, die zentralen Festlegungen im Jahr 2022
auszuarbeiten. In den überörtlichen Kommunalprüfungen der Jahre 2022 und 2023 hat der
Niedersächsische Landesrechnungshof festgestellt, dass nach wie vor ein erheblicher
Handlungsbedarf im Bereich des Notfallmanagements besteht. Nicht zuletzt verschärft die
Richtlinie (EU) 2022/2555 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14.12.2022
(NIS-2-Richtlinie) diese Thematik, indem unter anderem Maßnahmen zur
Aufrechterhaltung des Betriebs, wie ein Backup-Management und Wiederherstellung
nach einem Notfall, und Krisenmanagement gefordert werden (vgl. Art. 21 Abs. 2 c) NIS-
2-RL). Wenngleich bislang keine allgemeine Pflicht zur Implementierung eines
Notfallmanagements auf kommunaler Ebene besteht, so können Kommunen dennoch im
Rahmen ihrer kommunalen Selbstverwaltung tätig werden. Diese Umfrage dient der
Feststellung und Auswertung, ob und wie die niedersächsischen Kommunen und die
Niedersächsische Landesregierung ein Notfallmanagement / Business Continuity
Management implementiert haben. Die von Ihnen gegebenen Antworten werden
anonymisiert erhoben und lassen keine Rückschlüsse auf Ihre Behörde
zu. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Masterarbeit im REDACTED FOR REVIEW
genutzt.
Die Teilnahme an dieser Umfrage ist selbstverständlich freiwillig. Ich bedanke mich für
Ihre Teilnahme im Voraus!
1. Um welche Art von Verwaltungseinheit handelt es sich bei Ihrer Behörde?
Gemeinde / Samtgemeinde / Stadt / (Land-)Kreis / Kreisfreie Stadt / kommunale
Körperschaft eigener Art (z.B. Region Hannover) / Ministerium [single choice]
2. Wie viele Mitarbeitende hat Ihre Behörde / Ressort? [free text entry]
3. Weiß Ihre Institutionsleitung was Business Continuity Management (BCM)
bedeutet? Ja / Nein / Weiß nicht [single choice]
4. Ist sich Ihre Institutionsleitung bewusst, dass es sich beim Thema BCM um eine
„Chefsache“ handelt? Ja / Nein / Weiß nicht [single choice]
5. Sind Sie zukünftig für die Bearbeitung des Themas BCM zuständig oder sind es
bereits? Ja, ich bin für das Thema BCM zuständig. / Ja, ich bin aktuell für das
Thema BCM zuständig, gebe es aber in Zukunft wieder ab. / Ja, ich werde
zukünftig für das Thema BCM zuständig sein. / Nein, ich bin nicht für das Thema
BCM zuständig. [single choice]
6. Wissen Sie, was Business Continuity Management (BCM) bedeutet? Ja, ich weiß
was BCM bedeutet. / Nein, ich weiß nicht, was BCM bedeutet [shown
conditionally if Q5=Yes; single choice]
7. Welche Personalkapazitäten stehen aktuell oder künftig für die Aufgabe
Notfallmanagement zur Verfügung?(Anteil in Vollzeitäquivalenten) 0-0,25VZA
/ 0,25-0,49 VZÄ / 0,50-0,74 VZÄ / 0,75-1 VZÄ / Mehr als 1 VZÄ [single choice]
Resilient Governance 157
8. Haben Sie oder eine/n Kollege/Kollegin bereits an einer Schulung zum Thema
BCM teilgenommen? Ja / Nein [single choice]
9. Haben Sie bereits ein externes Unternehmen mit der Unterstützung im BCM
beauftragt oder haben dies vor? Ja / Nein [single choice]
10. Besitzt Ihre Behörde bereits eine Leitlinie zum Notfallmanagement oder
erarbeitet aktuell eine? Ja / Nein [single choice]
11. Haben Sie Hilfsmittel für die Erstellung der Leitlinie genutzt? Ja / Nein [shown
conditionally if Q10=Yes; single choice]
12. Wie einfach war bzw. wäre es für Sie...
a. die Motivation efür eine Leitlinie zu formulieren?
b. die Ziele für ihr BCMS festzulegen?
c. den abzusichernden Zeitraum festzulegen?
d. den Geltungsbereich des BCMS festzulegen? Sehr schwer / schwierig /
weder noch / einfach / sehr einfach [5-point Likert scale]
13. Welche dieser Rollen haben bzw. werden Sie für das BCMS in Ihrer Behörde
übernehmen? BC-Beauftragter / BC-Koordinierende / BC-Gremium / BC-
Vorsorgeteams / Ich werde keine der Rollen aus dem BSI-Standard 200-4
übernehmen. [multiple choice]
14. Für welche Stufe haben Sie sich bzw. würden Sie sich in Ihrer Behörde
entscheiden? Reaktiv-BCMS / Aufbau-BCMS / Standard-BCMS [single choice]
15. Ist in Ihrer Behörde bereits eine Kennzeichnung für Dokumente vorhanden?
(Eine Dokumentenkennzeichnung dient der gezielten Steuerung, Aufbereitung
und Einordnung. Die Kennzeichnungen dienen der Dokumentenlenkung. Sie
geben einen schnellen Überblick darüber, was im Dokument geregelt wird und
wie mit dem Dokument und dessen Inhalt umzugehen ist. Beispiel: vertraulich,
intern, VS-Nur für den Dienstgebrauch o.ä.) Ja / Nein [single choice]
16. Warum haben bzw. würden Sie sich für diese Stufe entscheiden? [conditionally
shown if Q14=Yes; free text entry]
17. Welche Kennzeichnung verwenden Sie bereits für Ihre Dokumente? eindeutiger
Titel / eindeutige Versionsnummer (falls relevant) / Dokumentenart / Autor,
Autorin / Freigabedatum und -person / Datum der nächsten geplanten
Überarbeitung (für Dokumente, die Änderungen unterliegen können) /
Geltungsbereich des Dokuments (sofern für die Dokumentenart erforderlich) /
Klassifizierung / Zielgruppe / Ablage / Aufbewahrungszeitraum (falls
erforderlich)/Änderungshistorie / Sonstiges / Freitext [conditionally shown if
Q15=Yes; multiple choice and free text entry]
18. Gab es in Ihrer Behörde bereits einen Notfall oder eine Krise? (Beides ist auch
möglich) Wir hatten bereits einen Notfall in unserer Behörde. / Wir hatten bereits
eine Krise in unserer Behörde. / Beides / Es gab bisher weder einen Notfall noch
eine Krise. [multiple choice unless the last option was selected]
19. Verfügt ihre Behörde über einen (geschulten) Stab, der in Notfällen als zentrales
Führungsgremium agiert? Ja, wir haben einen Stab. / Nein, wir haben keinen
Stab. [single choice]
20. Gibt es in Ihrer Behörde festgelegte Meldewege, falls ein Schadensereignis
auftritt? Ja, wir haben festgelegte Meldewege. / Nein, wir haben keine
festgelegten Meldewege. [single choice]
158 Rebecca Fischer und Karoline Busse
21. Sind in Ihrer Behörde Sofortmaßnahmen bei Schadensereignissen definiert?
(Hierbei handelt es sich um entsprechende Anweisungen und konkrete Aufgaben.
Sofortmaßnahmen sind z. B. Maßnahmen zur Räumung von Gebäuden oder
Handlungsanweisungen bei Wassereinbruch.) Ja, wir haben Sofortmaßnahmen
definiert und dokumentiert. / Ja, wir haben Sofortmaßnahmen für einige
Schadensereignisse definiert und dokumentiert. / Nein, wir haben keine
Sofortmaßnahmen definiert und dokumentiert. [single choice]
22. Haben Sie nach einer Krise oder einem Notfall eine strukturierte Analyse der
Bewältigung durchgeführt? Ja, wir haben den Notfall/die Krise aufgearbeitet. /
Nein, wir befassen uns nach Abschluss nicht mehr damit. [single choice]
23. Haben Sie zur Bewältigung des Notfalls / der Krise eine Besondere
Aufbauorganisation (BAO) eingerichtet? (Eine BAO ist eine zeitlich begrenzte
Organisationsform, die in außergewöhnlichen Situationen schnell und
angemessen reagieren kann.) Ja, wir haben das Problem mit einer BAO gelöst. /
Nein, wir haben das Problem in der Linie gelöst. [conditional question shown if
(18)=Yes or both, single choice]
24. Welche Kernthemen sind in Ihrem Stab besetzt? IT / Personal /
Gebäudeverwaltung / Kommunikation / Sonstige (Freitext) [conditionally shown
if Q19=Yes; multiple choice and free text entry]
25. Welche Kernthemen würden Sie in Ihrem Stab besetzen? Personal / IT /
Kommunikation / Recht / Sicherheit / Weitere [conditionally shown if Q19=No;
multiple choice]
26. Sind alle Beteiligten der Meldewege ausreichend sensibilisiert bzw. geschult? Ja
/ Nein / Wir arbeiten aktuell an der Sensibilisierung/Schulung. [conditionally
shown if Q20=Yes; single choice]
27. Geschäftsprozesse in Ihrer Behörde: Wir haben bereits eine vollständige
Geschäftsprozesslandkarte. / einige Geschäftsprozesse erfasst und dokumentiert.
/ keine Geschäftsprozesse erfasst und dokumentiert. [single choice]
28. Geschäftsprozesse in Ihrer Behörde: Ich bin vertraut mit dem Vorgehen...
a. des Business-Impact-Analyse-Vorfilters.
b. einer Business-Impact-Analyse.
c. eines Soll-Ist-Vergleichs.
d. einer (BCM-)Risikoanalyse.
e. der Erstellung von Geschäftsfortführungsplänen.
f. der Erstellung von Wiederanlauf- und Wiederherstellungsplänen. [5-
point Likert scale]
29. Wir haben in unserer Behörde bereits folgende Übungen und Tests durchgeführt:
Planbesprechung / Stabsübung / Stabsrahmenübung / Alarmierungsübung /
Funktionstest / Wir haben keine der oben genannten Übungen/Tests bisher
durchgeführt. [multiple choice]
30. Fast geschafft! Bitte beantworten Sie noch folgende Fragen:
a. Den BSI-Standard 200-4 empfand ich als hilfreich.
b. Ich habe oder werde den BSI-Standard 200-4 für die Implementierung
eines BCMS nutzen.
c. Ich habe die Hilfsmittel des BSI-Standards 200-4 genutzt oder plane
diese zu nutzen.
d. Ich wünsche mir mehr Hilfsmittel zum Thema BCM.
Resilient Governance 159
e. Ich wünsche mir mehr Unterstützung von der niedersächsischen
Landesregierung zum Thema BCM.
f. Ich fühle mich gut vorbereitet, ein BCM in einer Behörde zu
implementieren. [5-point Likert scale and abstention]
31. Ich wünsche mir mehr Unterstützung von... meiner Leitung. / kommunalen
Netzwerken. / externen Dienstleistern. / meinen Kollegen / Kolleginnen. / dem
BSI. / Ich wünsche mir keine Unterstützung. [multiple choice]
32. Falls Sie sich mehr Hilfsmittel für das Thema BCM wünschen, welche wären
das? (Dies könnten zum Beispiel mehr Schulungen oder eine „To-Do-Liste“ sein.
Bitte beschreiben Sie dies so konkret, wie möglich.) [free text entry]
160
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 161
Zwischen Stabilität und Anpassungsfähigkeit ‒ Entwick-
lung und Anwendung eines Reifegradmodells für Lean-
Adaptive Project Portfoliomanagement
Claus Hüsselmann1 und Janek Hergenröder2
Abstract: In diesem Beitrag wird ein Reifegradmodell für Lean-Adaptive Projektportfoliomanage-
ment vorgestellt und am Beispiel einer Fluggesellschaft angewendet. Nach einer Einführung in die
zentralen Begriffe des Multiprojektmanagements und das Referenzmodell Lean-Adaptive Project
Portfolio Management (LAUP²) wird ein systematisches Vorgehen zur Entwicklung von Reifegrad-
modellen abgeleitet. Das resultierende Modell umfasst die drei Dimensionen Prozesse, Rollen und
Prinzipien und dient der strukturierten Bewertung der Reife von Projektportfoliomanagement-Sys-
temen. Eine exemplarische Anwendung des Reifegradmodells zeigt, wie das Modell zur Identifika-
tion von Optimierungspotenzialen beitragen und darauf aufbauend konkrete Handlungsempfehlun-
gen bieten kann. Abschließend erfolgt eine Evaluation des Modells. Die Ergebnisse unterstreichen
den Mehrwert des entwickelten Reifegradmodells für die praxisnahe Weiterentwicklung von Lean-
Adaptive Projektportfoliomanagement in Organisationen.
Keywords: Projektportfoliomanagement (PPM), Lean-Adaptive PPM, Reifegradmodell, Fallstudie
1 Hintergrund und Zielsetzung
Unternehmen werden aktuell mit unterschiedlichen globalen Trends und Herausforderun-
gen konfrontiert, wie z.B. von Krisen und der Digitalisierung. Infolgedessen steigen die
Anforderungen an die Wandlungsfähigkeit der Unternehmen, sodass auch deutlich mehr
Dynamik und Reaktionsgeschwindigkeit im Projektmanagement gefordert sind [Fr23].
VUKA (volatil, unsicher, komplex, ambig) beschreibt diese Herausforderungen und er-
schwert auch die übergeordnete Koordination, Planung und Steuerung der Projektland-
schaften [Hü21]. Klassisches, stabilitätsorientiertes Projektportfoliomanagement (PPM)
genügt diesen Anforderungen häufig nicht mehr. Die Integration von Prinzipien der Agi-
lität und des Lean Management verspricht eine höhere Anpassungsfähigkeit und Zielori-
entierung [KG22, Hü21]. Allerdings fehlen bislang spezifische Reifegradmodelle, die die-
sen Ansatz systematisch unterstützen. Das Lean-Adaptive Unified Project Portfolio Ma-
nagement-Referenzmodell (LAUP²) bildet die inhaltliche Grundlage für die vorliegende
Gestaltung eines Reifegradmodells. Das Modell vereint ein Prozess-, Ziel- und Rollenmo-
dell für das PPM mit der Lean-Adaptive Philosophie [Hü24]. Dieser Beitrag beschreibt
die Entwicklung und Evaluation eines spezifischen Reifegradmodells für LAUP². Die
zentrale Forschungsfrage lautete:
Wie kann ein spezifisches Reifegradmodell die praktische Einführung und Weiter-
entwicklung von Lean-Adaptive PPM in Organisationen unterstützen?
1 TH Mittelhessen, FB Wirtschaftsingenieurwesen, Wilhelm-Leuschner-Str. 13, 61169 Friedberg (Hessen),
claus.huesselmann@wi.thm.de
2 Campana & Schott, Gräfstraße 99, 60487 Frankfurt am Main, janek.hergenroeder@campana-schott.com
162 Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
Der vorliegende Beitrag beschreibt die Entwicklung und Anwendung eines Reifegradmo-
dells für Lean-Adaptive Projektportfoliomanagement auf der Grundlage des LAUP²-Re-
ferenzmodells am Beispiel eines mittelständischen Unternehmens. Dazu gehören
1. Entwicklung einer LAUP²-spezifischen Reifegradmodell-Architektur
2. Priorisierung der Prozesse, Rollen und Fähigkeiten
3. Anwendung des entwickelten Reifegradmodells
4. Evaluation und Optimierung des entwickelten Reifegradmodells
Um praktisches Feedback für das LAUP²-Framework zu erhalten und das entstehende
Reifegradmodell anzuwenden, konnte die Fluggesellschaft SunExpress als Kooperati-
onspartner gewonnen werden. SunExpress ist ein 1989 gegründetes Unternehmen und hat
mehr als 3.500 Mitarbeiter (Stand 2024) [Su24].
Das Projektportfolio von SunExpress umfasst ca. 30 laufende Infrastruktur-, Organisati-
ons- und insbesondere IT-Projekte mit einem mittleren Budget i.H.v. ca. 2 Mio€ (Median
ca. 400 k€) und hat damit durchaus eine durchschnittliche Charakteristik [KG22]. Das
Unternehmen betreibt bereits ein professionelles PPM, verfolgt jedoch den Wunsch, das
hauseigene Project Management Office (PMO) weiterzuentwickeln und flexibler zu ge-
stalten.
2 Grundlagen und Begriffsdefinitionen
2.1 Multiprojektmanagement und Projektportfoliomanagement
Für die Umsetzung von Veränderungs- und Neuerungsvorhaben werden Projekte durch-
geführt und bilden somit einen fundamentalen Bestandteil unternehmerischen Handelns
[HAN19, St15]. Laut einer aktuellen Studie der deutschen Gesellschaft für Projektma-
nagement (GPM) wurden im Jahr 2022 knapp 34,5% der Wertschöpfung durch Projekte
erbracht [GP23]. Multiprojektmanagement (MPM) befasst sich mit der gleichzeitigen
Steuerung mehrerer Projekte und der Koordination von Abhängigkeiten, Synergien und
Ressourcenkonflikten [HAN19, Se11, Fr23, St15]. Das Projektportfoliomanagement
(PPM) ist eine Form des MPM und beschreibt die permanente Planung, Priorisierung,
Steuerung und Überwachung der Projektlandschaft eines Unternehmens zur strategischen
Zielerreichung [Di13, Pr17a, Ax19, Se11, Ri19, LW19, De20, HAN19, Pr17b].
2.2 Lean-Adaptive Project Portfolio Management
Das LAUP²-Referenzmodell kombiniert Elemente des klassischen PPM Prozess-, Ziel-
und Rollenmodell mit den Prinzipien einer Lean-Adaptive Philosophie. Ziel ist es, Un-
ternehmen ein Framework zur flexibleren Gestaltung ihrer Projektlandschaften und ihres
PPM-Systems zu bieten. Die Integration von Lean- und agilen Prinzipien steht dabei im
Fokus [HE24]. Die Elemente des LAUP2 als Managementsystems für PPM beantworten
ganzheitlich die Frage „Was macht wer wie und womit?“. Die Berücksichtigung empirisch
belegter Erfolgsfaktoren führt dabei zu einem Prinzipienkanon, der Richtungsweisung für
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 163
die zielgerichtete, wertorientierte Ausgestaltung des PPM im Unternehmen gibt [Hü24].3
Die Lean-Adaptive Philosophie vereint die Auffassung von Lean, Prozesse und Methoden
möglichst verschwendungsarm zu gestalten, mit einer adaptiven Denkweise, die durch
eine flexible und situationsangepasste Vorgehensweise geprägt ist. Grundsätze und Prak-
tiken werden dabei in absteigender Verbindlichkeit für die Umsetzung der Philosophie
genutzt. Die Grundsätze des LAUP²-Referenzmodells bestehen aus dem zentralen Para-
digma Vermeidung von Verschwendung und sieben weiteren Kernprinzipien:
- Strategieorientierung Warum wird ein Projekt durchgeführt?
- Kundenorientierung Wer ist der jeweilige (Prozess-)Kunde?
- Prozessorientierung – Wie wird die Leistung im PPM erbracht?
- Engpassorientierung Was begrenzt den Durchsatz von Projekten?
- Adaptivität Welchen PM/PPM-Ansatz erfordert der (aktuelle) Kontext?
- Minimalität Wie viel ist wirklich nötig zur Erreichung von Mehrwert im PPM?
- Menschenorientierung – Wie ist das Engagement der Mitwirkenden zu erreichen?
Im LAUP2-Modell werden zudem Praktiken durch operative Handlungsprinzipien sowie
eine Vielzahl von Methoden und konkreten Tools definiert, die es ermöglichen die ge-
nannten Grundsätze operativ anwendbar zu machen. Dazu gehören Elemente wie das Agi-
lometer, das PPM-Spaghetti-Diagramm, Projekt-Kanban oder die Scored Shortest Project
Fit-Nutzenfunktion (SSPF) [Hü24].
2.3 Reifegradmodell
Ein Reifegradmodell umfasst die kontextuell methodische Definition von Reifegraden
(RG) für eine betriebswirtschaftliche Domäne und beschreibt dadurch einen antizipierten,
gewünschten oder typischen Entwicklungspfad der Elemente dieser Domäne in aufeinan-
der folgenden, diskreten Rangstufen, beginnend in einem Anfangsstadium bis hin zur voll-
kommenen Reife [BKP09, MRW09, Br05, SG10, FMG02, Kü13]. Da im vorliegenden
Kontext ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess angestrebt wird, ist die Reifegradbe-
stimmung als iterativer Prozess (Phasen) zu etablieren. Indem ein Ist- und ein Soll-Zustand
ermittelt wird, können Verbesserungsmaßnahmen für die Überwindung der Differenz de-
finiert werden [Hö12].
3 Entwicklung eines Reifegradmodells für Lean-Adaptive PPM
3.1 Vorgehensmodell
Ein Kritikpunkt an RG-Modellen ist eine nicht immer nachvollziehbare Entwicklung des
Modells [BKP09]. Grundlage für die Entwicklung des LAUP2-RG-Modells bildet daher
ein aus Becker et al. (2009) und de Bruin et al. (2005) abgeleitetes Vorgehensmodell
[BKP09, Br05]. In einem ersten Schritt wurde eine Problemdefinition durchgeführt: Ziel
ist eine Standortbestimmung und Verbesserung des PPM (= Domäne) durch die Anwen-
3 Eine detaillierte Beschreibung findet sich ebd.
164 Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
dung bzw. Einführung des LAUP²-Referenzmodells sowie Aufzeigen eines Entwicklungs-
pfades. Die Zielgruppe sind Unternehmen, die PPM einführen oder ihr vorhandenes PPM
nicht zuletzt im Sinne einer Prinzipienorientierung verbessern wollen. Diese Model-
lanforderungen bilden das Zielsystem, anhand dessen das Modell im späteren Verlauf
auch evaluiert werden kann.
Folgende Anforderungen an das Modell wurden sich im vorliegenden Kontext abgeleitet:
- A1: Das Reifegradmodell soll eine Bewertung der aktuellen PPM-Reife (in Bezug
zum LAUP²-Referenzmodell) ermöglichen.
- A2: Das Reifegradmodell soll einen Entwicklungspfad vorgeben.
- A3: Das Reifegradmodell soll die Weiterentwicklung ausgewählter Fähigkeiten im
Sinne eines unternehmensspezifischen Tailorings unterstützen.
- A4: Das Reifegradmodell soll das Voranschreiten entlang des Entwicklungspfads
durch konkrete Maßnahmen unterstützen.
- A5: Die Anwendung des Reifegradmodells sollte einfach sein und durch eine
schlankeBewertung ermöglicht werden.
- A6: Das Reifegradmodell soll die Inhalte des LAUP²-Frameworks und der damit
verbundenen Prozesse, Rollen und Prinzipien abdecken.
Aus der Definition der Anforderung ergibt sich damit ein Zielsystem bestehend aus sechs
Anforderungen. Diese dienen sowohl der Auswertung des Vergleichs bestehender Reife-
gradmodelle als auch schlussendlich der Evaluation des entwickelten Modells.
Die zweite Phase war der Vergleich bestehender Reifegradmodelle. Dafür wurden ausge-
wählte RG-Modelle analysiert, wobei insbesondere die Modellarchitektur und -inhalte und
Erhebungsmethode betrachtet wurden. Die Modelle wurden anschließend hinsichtlich ih-
rer Eignung anhand der zuvor formulierten Modellanforderungen ausgewertet. Aufbauend
darauf wurde eine Strategie für die weitere Entwicklung des RG-Modells ausgewählt.
Die dritte Phase bildete die RG-Modellgestaltung, die sich mit der Definition der Modell-
dimensionen und Modellinhalten befasst. Anschließend folgte die Formulierung von Rei-
fegraden für die jeweilige Dimension und die Festlegung auf ein Erhebungsverfahren. Die
Modellinhalte sind grundsätzlich bereits durch das LAUP²-Referenzmodell festgelegt. In-
nerhalb dieser Phase musste der Inhalt aus dem Referenzmodell den Dimensionen und
Reifegraden zugeordnet werden.
Anschließend folgte die Anwendung des entwickelten Modells als vierte Phase. Durch die
Anwendung sollte festgestellt werden, ob die Modellinhalte und Erhebungsmethode die
formulierten Anforderungen erfüllen. Dafür wurde das Feedback der Anwender eingeholt.
Abschließend wurde durch die Evaluation und Optimierung in Phase fünf das Feedback
und die Erfahrung aus der pilothaften Anwendung durch SunExpress dazu genutzt, ggf.
auftretende Schwachstellen zu identifizieren und das Modell weiterzuentwickeln.
3.2 Eignung bestehender Reifegradmodelle
Als Basis wurden folgende verfügbare RG-Modelle identifiziert [Al14] und anschließend
durch die definierten Anforderungen hinsichtlich ihrer Eignung analysiert:
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 165
- Projektmanagement (insb. Projektportfoliomanagement): Capability Maturity
Model Integrated for Development (CMMI), Organizational Project Management
Maturity Model (OPM3), Portfolio, Programme and Project Management Maturity
Model (P3M3) [CM10, HK12, Pr03, LR08, Bu23, PM24]
- Prinzipienorientierung: Agile Adoption Framework (AAF), Lean Capability Model
(LCM) [OD13, SAB07, 07]
- Qualitätsmanagement: European Foundation for Quality Management-Ansatz
(EFQM) [EF20, So18, Br21]
Die Modelle wurden hinsichtlich ihrer strukturellen und inhaltlichen Eignung analytisch
durch die Autoren bewertet: „ die Anforderung wird nicht oder nur minimal erfüllt,
die Anforderung wird teilweise erfüllt, jedoch sind noch erhebliche Anpassungen
notwendig, „ die Anforderung wird voll erfüllt, es sind nur minimale Anpassungen
notwendig (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Ergebnis des Vergleichs bestehender Reifegradmodelle
Insgesamt kann festgehalten werden, dass keines der betrachteten Modelle alle Anforde-
rungen erfüllt. Dies liegt allerdings in der Natur der Sache, da die Anforderungen zum
Teil LAUP²-spezifische Inhalte fordern.
3.3 Festlegung der Entwicklungsstrategie
Eine komplette Neuentwicklung erschien nicht notwendig, da bisherige Ansätze genügend
Überschneidungspunkte zu den Anforderungen an das zu entwickelndes Modell inneha-
ben. Die Weiterentwicklung eines einzelnen RG-Modells konnte ebenfalls ausgeschlossen
werden, da keines der betrachteten Modelle sowohl die Prozesse und Rollen des PPM als
auch prinzipienspezifische Merkmale ausreichend abdeckt. Die Kombination mehrerer
Modelle erschien aufgrund der signifikanten Unterschiede innerhalb der Modelle als zu
aufwendig.
Anhand der Auswertung wurde die Übertragung von Struktur und Inhalten als Entwick-
Index Bezeichnung
A1 Bewertung der PPM-Reife
A2 Entwicklungspfad
A3 Tailoring
A4 Ableitung von Maßnahmen
A5 Einfache Anwendung
A6 Inhalte
A6.1 Prozesse
A6.2 Rollen
A6.3 Grundsätze
Anforderungen
CMMI
OPM3
P3M3
AAF
LCM
EFQM
166 Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
lungsstrategie festgelegt, da Aspekte und Inhalte unterschiedlicher Modelle erfolgsver-
sprechend für die Entwicklung des Reifegradmodells für das LAU-Referenzmodell er-
scheinen. In der Literatur existiert kein konkreter methodischer Ansatz für die Durchfüh-
rung dieser Entwicklungsstrategie [BKP09]. Daher sind die Erkenntnisse aus der Analyse
bestehender Reifegradmodelle an der Stelle in der Modellentwicklung eingeflossen, bei
der ein hohes Maß an Übereinstimmung gemäß den formulierten Anforderungen festge-
stellt werden konnte.
4 Reifegradmodellgestaltung für das Lean Adaptive PPM
Die Bewertung der Reife des PPM auf der Basis des LAUP²-Frameworks stellt das Ergeb-
nis der Entwicklung des Reifegradmodells dar. Die Reife des PPM setzt sich aus den drei
Dimensionen Prozesse, Rollen und Prinzipien zusammen. Die Dimensionen werden durch
die jeweiligen Bestandteile aus dem LAUP²-Referenzmodell mit Inhalt befüllt. Für die
Prozesse heißt das konkret, dass die einzelnen Geschäftsprozesse durch das Reifegradmo-
dell bewertet werden. Die Rollen werden gemäß Rollenkanon in das Modell übernommen.
Für die Dimension der Prinzipien werden die Kernprinzipien als Bewertungsgrundlage
verwendet. Die Handlungsprinzipien, Praktiken und Methoden werden in das Reifever-
ständnis der Kernprinzipien in Form von sog. Ankerelementen integriert.
4.1 Definition des Reifeverständnis
Die Bestimmung der Reifegrade erfolgte Top-Down, indem zunächst wie in vielen Mo-
dell üblich [Al14] ‒ fünf Reifegrade semantisch differenziert definiert (Abbildung 2) und
anschließend spezifische Merkmalsausprägungen zugeordnet wurden [Br05]. Für die
Merkmalsausprägungen folgt das LAUP²-RG-Modell dem Grundsatz des CMMI, indem
für jedes Betrachtungsobjekt generische und spezifische Ziele definiert werden. Hierbei
wurden für jede der Dimensionen generische Beschreibungen erstellt, die die Reifegrad-
dimensionen der Domäne allgemein beschreiben sowie Ankerelemente, die dazu dienen,
den Reifegrad eines Bewertungsobjekts spezifisch zu definieren. Die Ankerelemente sol-
len darüber hinaus die Anwendung des Modells erleichtern, da repräsentative Beispiele
für Methoden und Praktiken eine schnellere Einordnung ermöglichen. Durch die An-
kerelemente wird der durch die Reifegradstufen vorgegebene Entwicklungspfad mit kon-
kreten Beispielen versehen.
RG Prozesse Rollen Prinzipien
1 Initial Initial (>10%) Initial
2 Wiederholbar Definiert (>30%) Konzeptionell
3 Definiert Ausgeführt (>50%) Integriert
4 Quantitativ geführt Fortgeschritten (>70%) Systematisch
5 Optimiert Optimiert (>90%) Ganzheitlich
Abbildung 2: Reifegradstufen der Dimensionen (Details siehe Anhang)
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 167
Die Reifegrade für die Prozess-Reife wurden in Anlehnung an CMMI und P3M3 definiert
[LR08, CM10]. Für die Ableitung von Ankerelementen wurden hier u.a. die typischen
Erfolgsfaktoren der einzelnen Prozesse genutzt. Daneben dienten die PPM-Wertströme
sowie die Praktiken für Lean-Adaptive PMM als Grundlage für die Definition der An-
kerelemente [Hü24, LR08, CM10]. Nachfolgend wird das Vorgehen exemplarisch am
Prozess PPM System Strategy Determination veranschaulicht:4
1 ‒ Initial: Die Ziele und die Strategie von PPM basieren auf einem Bauchgefühldes
Managements. Häufig wechselnde Ziele und Leistungsumfänge.
2 ‒ Wiederholbar: Portfolioziele und -strategie werden definiert und sind abgeleitet aus
der Unternehmensstrategie. Leistungsumfang ist teilweise unklar und unterschiedlich.
3 ‒ Definiert: Die Ziele und die Strategie des Portfolios sind definiert, leiten sich von der
Unternehmensstrategie ab und ändern sich nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
Die Kommunikation von Zielen, Strategie und Umfang ist transparent und verständlich.
Teilportfolios können auf der Grundlage strategischer Entscheidungen gebildet werden
(z. B. Strategic Buckets für F&E).
4 Quantitativ geführt: Überprüfung der Wirksamkeit des PPM-Systems → Benefit Re-
vision. Etablierung eines umfassenden Instrumentariums zur Umsetzung der Unterneh-
mensvision und -strategie in ein kohärentes Set von Leistungsmessungsfaktoren (z.B.
PPM spezifische Balanced Scorecard).
5 ‒ Optimiert: Das PPM-System wird nach einem bestimmten Zeitraum, z.B. einem
Jahr, evaluiert. PPM-Ziele und -Strategie können bei Bedarf angepasst werden (je nach
Leistung oder neuen Anforderungen).
Für die Bestimmung der Rollen-Reife konnte kein geeignetes Basis-RG-Modell identifi-
ziert werden. Daher handelt es sich bei der Definition der Reifegradstufen der Rollen um
eine Neuentwicklung, basierend auf den bereits vorgestellten Reifegraden der Prozess-
Reife und dem LAUP²-Referenzmodell. Die Ableitung von Ankerelementen war r die
Rollen nicht sinnvoll möglich, da spezifische Merkmale für Rollen nur schwer identifiziert
werden können. Als Alternative wurde ein Erfüllungsgrad der Rolle [%] bestimmt, der bei
der Einschätzung des Reifegrades, neben der generischen Beschreibung, eine Hilfestel-
lung für die Bewertung gibt.
Die Reifegrade der Dimension Prinzipien wurden in Anlehnung an das AAF sowie den
bisher vorgestellten Reifegraden definiert [SAB07]. Die Bestimmung von Ankerelemen-
ten erfolgt auf Basis der Beschreibungen der Prinzipien, Handlungsprinzipien und Prakti-
ken [Hü24]. Beispielhaft werden die abgeleiteten Ankerelemente für das Prinzip Engpass-
orientierung aufgezeigt:
1 ‒ Initial: Der Engpass wird erst sichtbar, wenn er auftritt reaktive Maßnahmen.
Keine oder wenig vorausschauende Planung, z.B. der gleichzeitig benötigten Ressour-
cen.
4 Die Ankerelemente für alle anderen Elemente des Modells sind in [HH25] verfügbar.
168 Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
2 ‒ Konzeptionell: Die Engpassorientierung wird auf Projektebene umgesetzt. Die Pro-
jekte sind für die Verwaltung ihres eigenen Arbeitsablaufs verantwortlich.
3 ‒ Integriert: Engpässe werden auf Portfolio-Ebene untersucht. Vermeidung von Mul-
titasking, z.B. Projekte pro Mitarbeiter. Einsatz von Pull-Prinzipien, wie Kanban, am
Engpass.
4 ‒ Systematisch: WiP-Grenze (Work-in-Progress) wird definiert und visualisiert, z.B.
Begrenzung von gleichzeitig durchgeführten Projekten. Gleichzeitig durchgeführte Pro-
jekte werden auf mögliche Engpässe überwacht, z.B. Status-Dashboards, Flow-Charts.
5 ‒ Ganzheitlich: Einhaltung der WiP-Grenze als Kontrollparameter für die Leistung des
PPM. Reviews und Lessons Learned werden genutzt, um weitere Engpässe zu identifi-
zieren und ihren Durchsatz zu maximieren. Engpässe können durch die verwendeten
Methoden schnell identifiziert werden.
4.2 PPM-Reife (in Bezug zum LAUP²-Referenzmodell)
Die Gesamtbewertung der Reife erfolgt durch eine Zusammenführung der Ergebnisse aus
den Prozessen, Rollen und Prinzipien und wird mit einem Prozentwert (Erfüllungsgrad
„EPPM“) angegeben. Damit folgt die Reifegradsystematik grundlegend der Vorgehens-
weise des OPM3 und dessen Darstellung im Kontinuum. [LR08]. Inspiriert ist diese Dar-
stellung durch das EFQM, wo durch die Addition der Ergebnisse verschiedener Dimensi-
onen ein Gesamtresultat ermittelt wird [EF20]. Speziell um die Anforderungen A1 (Be-
wertung) und A2 (Entwicklungspfad) zu erfüllen, werden für die Erreichung bestimmter
Prozentbereiche in Abstimmung mit den SunExpress-Experten „Reife-Phasen“ definiert:
Phase 0 No PPM: PPM wird nicht oder nur in minimalem Ausmaß durchgeführt (0–
10%).
Phase 1 Baseline PPM: Die grundlegenden Prozesse für PPM sind in der Organisation
eingeführt. Bisher werden die Prozesse aber nur rudimentär und ohne die Anwendung
von Prinzipien durchgeführt (1135%).
Phase 2 Enhanced PPM: PPM ist fest in der Organisation verankert und kann bereits
messbare Erfolge erzielen. Es bestehen erste Bestrebungen das PPM-System hinsichtlich
einer Lean-Adaptive Philosophie auszubauen (3655%).
Phase 3 Sustainable PPM: Das PPM ist in der Organisation gut etabliert und trägt
nachhaltig zum Unternehmenserfolg bei. Portfolioprozesse und Rollen sind definiert und
umfassend implementiert. Das PPM-System ist bereits nach einer schlanken, adaptiven
Philosophie gestaltet und die Grundprinzipien sind bekannt (5675%).
Phase 4 Principle based PPM: PPM wird in seiner Gesamtheit durchgeführt und hat
einen entscheidenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Die PPM-Prozesse und
-Rollen sind vollständig etabliert und werden kontinuierlich verbessert. Die Lean-Adap-
tive Philosophie wird durch bewährte Praktiken umgesetzt, die umfassend und ganzheit-
lich im gesamten PPM-System angewendet werden (7690%).
Phase 5 PPM Excellence: PPM wird vollumfänglich in der Organisation durchgeführt,
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 169
wodurch das PPM einen herausragenden Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet. Die
Lean-Adaptive Philosophie wird in der Organisation gelebt und kontinuierlich durch
Praktiken und Methoden erweitert (91100%).
Die Reifephasen beschreiben den aktuellen RG des Lean-Adaptive PPM einer Organisa-
tion durch eine Einordnung und Zusammenführung der Dimensionen und soll Anwender-
unternehmen eine Einordnung ihrer PPM-Fähigkeiten und -Entwicklungsstufe geben.
4.3 Gewichtung der Dimensionen und Inhalte
Eines der Forschungsziele war die Priorisierung der Prozesse, Rollen und Prinzipien. Der
Erfüllungsgrad (EPPM) ist essenziell für die Ermittlung der Reifephase des Anwenderun-
ternehmens und bezeichnet dabei das Verhältnis des erreichten Ist-Zustandes zum maxi-
mal erreichbaren Wert (100%). EPPM ergibt sich somit aus dem Durchschnitt aller erreich-
ten (Teil-)Erfüllungsgrade für die Dimensionen Prozesse, Rollen und Prinzipien:
 = Ø ( + +)
Die Dimensionen gehen mit unterschiedlicher Gewichtung („G“) in das Gesamtergebnis
ein: Prozesse mit 50%, Rollen mit 20% und Prinzipien mit 30%. Die Festlegung der Ge-
wichte der Dimensionen basiert auf der Diskussion mit den beteiligten PPM-Experten.
Grundlage der Annahme ist, dass PPM ohne Prozesse zwangsläufig nicht umsetzbar ist,
jedoch durchaus ohne ein Rollenmodell und Prinzipienkanon grundlegende Aufgaben er-
füllen kann. Da die Prinzipien einen großen Anteil am LAUP²-Referenzmodell innehaben
wird die Gewichtung der Prinzipien jedoch über den Rollen angesetzt. Es ergibt sich:
 = Ø (  +  + )
Um eine möglichst aussagekräftige Einschätzung der PPM-Reife vornehmen zu können
wurden die Inhalte ebenfalls gewichtet. Ausgangslage bildete die Gewichtung der Pro-
zesse. Dafür wurden die Prozesse anhand von strategischen Erfolgsfaktoren bewertet
[Sc24]. Die dazu herangezogenen Erfolgsfaktoren stammen aus einer umfangreichen
MPM-Studie der TU Darmstadt [KG22]. Zunächst wurden die in der Studie identifizierten
Erfolgsfaktoren auf ihre Eignung hinsichtlich Prozessbewertung überprüft. Daraufhin
wurden die Prozesse anhand der Erfolgsfaktoren durch ein Scoring-Modell bewertet, um
so eine geclusterte Gewichtung abzuleiten [Hü24] im Ergebnis:
- PPM System Strategy Determ.
10
- Benefits Management
10
- Project Portfolio Authorization
15
- Development of PPM Methods
5
- PPM-Governance
10
- PPM-System Operations
5
- Project Demand Management
10
- Informat. & Knowledge Mgmt.
5
- Performance Management
10
- Client & Stakeholdermgmt.
5
- Resource Management
10
- Risk Management
5
Dem Ergebnis der Gewichtung ist zu entnehmen, dass der PP-Authorization-Prozess mit
15 Pkt. als „wichtigster“ Prozess eingestuft wird, während die Prozesse aus den LAUP2-
Prozessbereichen PPM-System-Bereitstellung und Querschnittsprozesse mit jeweils 5 Pkt.
geringer gewichtet werden.
170 Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
Die Gewichtung der Prozesse bildet zugleich die Grundlage für die Gewichtung der Rol-
len. Die vorgeschlagene RACI-Matrix des LAUP2-Modells [Hü24] schafft eine Möglich-
keit, die Rollen anhand der Prozesse zu bewerten, indem für die verschieden Verantwor-
tungsstufen eine Punktzahl vergeben wird. Die Rolle, die durchführungsverantwortlich für
den jeweiligen Prozess ist, bekommt die höchste Punktzahl in dem Scoring Modell:
- Strategy Sponsor
10
- Operational PMO
5
- PPM Sponsor
5
- Project Portfolio Board
15
- Project Portfolio Manager
10
- Steering Committee
5
- Project Portfolio Analyst
5
- Subject Manager
5
- Resource Coordinator
10
- Knowledge Manager
5
- Project/Program Sponsor
5
- Domain Authority
5
- Program Manager
5
- Project Manager
5
- Project Management Expert
5
- Project Team Member
5
- Strategic PMO
5
Das Project Portfolio Board erhält als Durchführungsverantwortlicher („Rim RACI-
Modell) des PP-Authorization-Prozesses die höchste Gewichtung. Dies liegt in der Aus-
wertung der Rollen begründet, bei der mithilfe einer Max-Funktion die Gewichtung abge-
leitet wird. Grund dafür ist, dass die durchführungsverantwortlichen Rollen der wichtigs-
ten Prozesse bei einer summarischen Betrachtung als „unwichtiger“ eingestuft werden
könnten, als Rollen, die in vielen Prozessen beteiligt sind.
Die (Kern-)Prinzipien werden nicht gewichtet, da sie in ihrer Bedeutung als gleichwertig
betrachtet werden [Hü24]. Damit ist die Gewichtung der Dimensionen und Inhalte abge-
schlossen. Für die Ermittlung der Erfüllungsgrade der Dimensionen sind die Bewertungs-
ergebnisse der Reife mit den ermittelten Gewichten der einzelnen Objekte zu bewerten.
Durch die dreidimensionale Bewertung ist eine rasterbasierte Darstellung nicht umsetzbar.
Die Bewertung erfolgt durch eine Selbstbewertung anhand einer Skala mit lediglich drei
Auswahlmöglichkeiten, die im gleichen Stil gestaltet ist. Durch den Einsatz einer Skala
kann das LAUP²-RG-Modell als hybrides Reifegradmodell betrachtet werden [FMG02].
Zusätzlich zur Bewertung mithilfe der Skala muss eine Indikation gegeben werden. Die
Indikation kann als ein Beweis für die Erfüllung des Reifegrades verstanden werden, in-
dem z.B. genutzte Kennzahlen, Methoden oder Rollenprofile angegeben werden. Alle Be-
wertungsobjekte werden in kurzer und prägnanter Form beschrieben. Darüber hinaus wer-
den grundsätzliche Beschreibungen der Dimensionen mit an die Hand gegeben.
5 Anwendung des entwickelten Reifegradmodells
Die Anwendung des LAUP²-RG-Modell gliedert sich, in Anlehnung an das AAF, in einen
zweistufigen Prozess [SAB07]:
(1) Ermittlung der Reife: Die Ermittlung der Reife (Ist-Zustand) wird innerhalb eines mo-
derierten Workshops in Form einer Selbstbewertung durchgeführt [HH25]. Die Work-
shop-Teilnehmer bewerten anhand der Skala, den generischen Beschreibungen sowie An-
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 171
kerelementen jedes Betrachtungsobjekt. Innerhalb der Ermittlung der Reife wird auch ein-
Soll-Zustand definiert [SAB07].
(2) Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen: Aufbauend auf der Abweichungsanalyse
von Ist- und Soll-Zustand können im Anschluss Maßnahmen definiert werden, um den
angestrebten Zustand zu erreichen. Das Modell gibt dabei durch die Ankerelemente bereits
erste Werkzeuge und Methoden an die Hand. Für die konkrete Ableitung von Maßnahmen
wird im Rahmen der Anwendung des LAUP²-RG-Modells ein zweiter Workshop sinnvoll.
Das entwickelte RG-Modell wurde mit den Experten des PMO von SunExpress im Rah-
men von zwei entsprechenden Tagesworkshops praktisch durchgeführt und evaluiert.
Nachfolgend werden die Ergebnisse der Anwendung des RG-Modells vorgestellt.
5.1 Ergebnisse der Reifegraderhebung
Der durchschnittliche Reifegrad in der Dimension Prozesse beträgt 3,1 (Median 3,5). Die
Prozesse PPM System Strategy Determination, Resource Management und Benefits Ma-
nagement weisen den niedrigsten Reifegrad auf. Den höchsten Reifegrad erzielt das Un-
ternehmen im Prozess Information & Knowledge Management, gefolgt von PPM System
Operations und Risk Management. Auf der Basis der Erhebung kann eine Analyse der
Abweichung von Ist- und Soll-Zustand vorgenommen werden (siehe Abbildung 3).
Die X-Achse beschreibt den Abstand von Ist-Zustand zu Soll-Zustand und die Y-Achse
den Abstand von Ist-Zustand zum maximal erreichbaren Level. Die Prozesse werden an-
hand der Evaluationsergebnisse eingeordnet. Umso weiter rechts ein Prozess eingeordnet
wird, desto größer ist der Abstand zwischen Soll- und Ist-Zustand. Umso höher ein Pro-
zess eingeordnet wird, desto niedriger ist der Reifegrad im Ist-Zustand. Damit kann si-
chergestellt werden, dass eine Organisation trotz der Fokussierung auf spezielle Bereiche
auch generell auf dem Entwicklungspfad voranschreitet.
Den niedrigsten Reifegrad erzielen die Rollen der Knowledge Manager und Resource
Coordinator. Die Rollen Strategic PMO, Project Manager und Project Portfolio Manage-
ment Sponsor erzielen bereits den höchstmöglichen Reifegrad. Der durchschnittliche Rei-
fegrad in der Dimension Rollen beträgt 2,8 (Median 3,0). Für die Ableitung von Maßnah-
men wird wieder ein Blick auf die Abweichungsanalyse in Abbildung 4 gerichtet.
Abbildung 4 kann entnommen werden, dass die Rollen Knowledge Manager, Resource
Coordinator, Subject Manager und Domain Authority eine hohe Priorität innehaben. Re-
lativ knapp in den Bereich hohe Priorität fallen zudem die Rollen Project Management
Expert und Program Manager.
SunExpress kann bereits eine ausgeprägte Prinzipienorientierung vorweisen. Besonders
im Bereich der Kundenorientierung ist bereits ein hoher Reifegrad in der Organisation
vorhanden. Der durchschnittliche Reifegrad der Dimension Prinzipien beträgt 3,1 (Median
3,0). Anhand der Abweichungsanalyse (Abbildung 5) wird nur ein Prinzip mit hoher Pri-
orität identifiziert: Menschenorientierung.
172 Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
Abbildung 3: Abweichungsanalyse Prozesse
Abbildung 4: Abweichungsanalyse Rollen
Nachdem die einzelnen Dimensionen und ihre Ergebnisse vorgestellt wurden, werden die
Ergebnisse nun gemäß der festgelegten Logik zusammengeführt, um so eine Aussage über
die PPM-Reife der Fluggesellschaft in Bezug zum LAUP²-Referenzmodell treffen zu kön-
nen. Dabei entstehen die in Abbildung 6 gezeigten Resultate für die einzelnen Dimensio-
nen.
Zusammengeführt ergibt sich für den Ist-Zustand ein Erfüllungsgrad EPPM von 58%. Für
den Soll-Zustand werden 84% berechnet. Anhand der Ergebnisse lässt sich SunExpress in
Reifephase 3 ‒ Sustainable PPM verordnen.
PPM System Strategy Determination
Project Portfolio Authorization
PPM-Governance
Project Demand Management
Performance Management
Resource Management
Benefits Management
Development of PPM
Methods & Tools
PPM-System Operations
Information & Knowledge Management
Client & Stakeholder
Management
Risk Management
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
4,5
5
00,5 11,5 22,5 33,5 44,5 5
Gap: Max. level
Gap: To Be Level
Strategy Sponsor
Project Portfolio Management Sponsor
Project Portfolio Manager
Project Portfolio Analyst
Resource Coordinator
Project/Program Sponsor
Program Manager
Project Management Expert
Strategic
PMO
Operational PMO
Project Portfolio Board
Program/Project Steering
Committee
Subject Manager
Knowledge Manager
Domain Authority
Project Manager (Product / Process)
Project Team Member
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
4,5
5
00,5 11,5 22,5 33,5 44,5 5
Gap: Max. level
Gap: To Be Level
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 173
Abbildung 5: Abweichungsanalyse Prinzipien
Die ange
strebte Reife-
phase ist
Principle-ba-
sed PPM. Um diese
Phase ggf. bei einer er-
neuten Evaluation zu
erreichen, müssen eine
Reihe von Verbesse-
rungsmaßnahmen defi-
niert und umgesetzt
werden. Somit erfolgt
die Überleitung zur
Handlungsempfehlung.
Abbildung 6: Resultate der Dimensionen
5.2 Abgeleitete Handlungsempfehlungen
Für die Weiterentwicklung des PPM im Beispielunternehmen wurden auf Basis der Ana-
lyse mehrere priorisierte Handlungsfelder identifiziert. Im Bereich der Prozesse steht zu-
nächst die PPM System Strategy Determination im Fokus. Hier besteht ein erheblicher
Entwicklungsbedarf (Prozessreife auf Stufe 1 Initial, Ziel: Stufe 4 Managed). Um die-
sen Reifegrad zu erreichen, wurde empfohlen, klare Portfolioziele und eine Portfoliostra-
tegie zu definieren, die eng mit der Unternehmensstrategie verknüpft sind. Ein konkreter
Ansatz hierfür ist die Einführung sogenannter Strategic Buckets, durch die Budgets auf
strategische Ziele ausgerichtet und ein ausgewogenes Projektportfolio sichergestellt wer-
den können. Ergänzend dazu sollte eine PPM-spezifische Balanced Scorecard (PPM-
BSC) implementiert werden, um die Unternehmensvision und -strategie in messbare Leis-
tungsfaktoren zu übersetzen und als Rahmen für die Steuerung und Rückkopplung der
Managementprozesse zu dienen [Hü24].
Kundenorientierung
Prozessorientierung
Engpassorientierung
Adaptivität
Minimalität
Strategieorientierung
Menschenorientierung
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
4,5
5
00,5 11,5 22,5 33,5 44,5 5
Gap: Max. level
Gap: To Be Level
57% 56%
61%
80% 80%
94%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Prozesse Rollen Prinzipien
Erfüllungsgrad E
Resultate der Dimensionen
Achieved To Be Level
174 Claus Hüsselmann und Janek Hergenröder
Im Bereich Benefits Management befindet sich die Organisation aktuell zwischen Stufe 1
(Initial) und Stufe 2 (Wiederholbar), mit dem Ziel, Stufe 4 (Managed) zu erreichen. Bisher
erfolgt keine zufriedenstellende Nachverfolgung des Projektnutzens, allerdings wurde be-
reits mit der Entwicklung eines „Business Case Trackers“ begonnen. Um die angestrebte
Prozessreife zu erreichen, sollte dieser Ansatz weiterverfolgt und durch die Einführung
von Kennzahlen ergänzt werden, die eine kontinuierliche und messbare Bewertung des
Projektnutzens ermöglichen.
Auch im Resource Management wurde ein niedriger Reifegrad festgestellt (Stufe 1 Ini-
tial), wobei das Ziel auf Stufe 3 (Definiert) liegt. Die zunehmende Anzahl von Ressour-
cenkonflikten und das Fehlen einer systematischen Kapazitätsplanung machen deutlich,
dass eine vorausschauende Ressourcenplanung erforderlich ist. Es wurde daher empfoh-
len, den Ressourcenbedarf und die Anforderungen der Projekte frühzeitig zu planen und
zu visualisieren, um mögliche Engpässe rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Für den Bereich Rollen konnten aufgrund fehlender Ankerelemente und unzureichender
Kenntnisse der organisatorischen Strukturen keine konkreten Handlungsempfehlungen
abgeleitet werden. Es wurde empfohlen, dieses Thema in einem weiteren Verlauf vertieft
zu behandeln.
Bei den Prinzipien wurde insbesondere die Menschenorientierung als prioritäres Hand-
lungsfeld identifiziert. Der aktuelle Reifegrad liegt hier auf Stufe 2 (Konzeptionell), wäh-
rend langfristig Stufe 5 (Ganzheitlich) angestrebt wird. Zur Steigerung der Reife wird die
Einführung stabiler Teams empfohlen, um die Zusammenarbeit und Effizienz zu fördern.
Die Anwendung von Pull-Prinzipien kann zudem dazu beitragen, die Arbeitsbelastung der
Teams zu begrenzen und die Selbstorganisation zu stärken [Hü24]. Ergänzend sollten re-
gelmäßige Mitarbeiterumfragen durchgeführt werden, um gezielt auf die Bedürfnisse und
Verbesserungsvorschläge der Mitarbeitenden eingehen zu können.
Zusammenfassend zielen die Maßnahmen darauf ab, die Reife der zentralen PPM-Pro-
zesse signifikant zu erhöhen, die Menschenorientierung zu stärken und ein strategisch aus-
gerichtetes, effektives Projektportfoliomanagement zu etablieren. Die Entwicklung und
Implementierung passender Rollen bleibt ein offener Punkt, der in einem nächsten Schritt
adressiert werden soll.
6 Resümee
Ziel war es, ein praxisorientiertes Instrument zur Bewertung und Weiterentwicklung des
PPM in Unternehmen zu schaffen. Es wurde ein Reifegradmodell mit den drei Dimensio-
nen Prozesse, Rollen und Prinzipien entwickelt. Jede Dimension kann unabhängig bewer-
tet werden und trägt zur Gesamteinschätzung der PPM-Reife bei. Eine Gewichtung inner-
halb des Modells ermöglicht die Hervorhebung besonders relevanter Elemente, wodurch
gezielte Entwicklungspfade und die Identifikation von Schwächen ermöglicht werden. Die
Erprobung bei der Fluggesellschaft SunExpress war erfolgreich. Die Akzeptanz war hoch,
und es wurde ein systematischer Bewertungs- und Verbesserungsprozess etabliert. Das
Unternehmen befindet sich mit einem Reifegrad von 58 % in der Phase Sustainable
PPM. Ankerelemente ermöglichen eine gezielte Ableitung von Maßnahmen, zeigen aber
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 175
noch Entwicklungspotenzial, etwa durch die Integration weiterer Methoden und Prakti-
ken. Das Modell wird grundsätzlich als funktional angesehen, weist jedoch Optimierungs-
bedarf bei der Validierung der Reifegrade und der Ausgestaltung der Ankerelemente auf.
Das LAUP²-RG-Modell wird schließlich anhand der definierten Anforderungen evaluiert
und hinsichtlich ihres Erfüllungsgrads bewertet (voll, teils, nicht):
A1 Bewertung der aktuellen PPM-Reife: Die Standortbestimmung wurde erfolgreich
durchgeführt. Erfüllungsgrad: voll
A2 – Entwicklungspfad vorgeben: Ein evolutionärer Reifegradpfad ist vorhanden, jedoch
fehlt eine methodische Validierung der Reifestufen. Erfüllungsgrad: teils
A3 Unterstützung der Weiterentwicklung: Das Modell erlaubt gezielte Identifikation und
Weiterentwicklung von Fähigkeiten auf Dimensionsebene. Erfüllungsgrad: voll
A4 Unterstützung des Fortschritts: Die Ableitung von Maßnahmen ist grundsätzlich
möglich, jedoch sind die Ankerelemente noch unzureichend konkretisiert. Erfüllungs-
grad: teils
A5 – Einfache Anwendung: Die Anwendung ist grundsätzlich einfach, jedoch ist eine ge-
wisse Vorbereitung notwendig. Das Ziel eines Tagesworkshops wurde erfolgreich umge-
setzt. Erfüllungsgrad: voll
A6 Abdeckung der Inhalte: Prozesse und Rollen sind vollständig abgedeckt, bei den
Grundsätzen besteht jedoch noch Integrations- und Präzisierungsbedarf. Erfüllungsgrad:
teils
Das Modell erfüllt zentrale Anforderungen (keine Anforderung wurde als „nicht erfüllt“
eingestuft), weist jedoch zwei wesentliche Optimierungsfelder auf: fehlende Validierung
der Reifegrade und unvollständige methodische Ausgestaltung der Ankerelemente. Durch
den Bezug zum Lean-Adaptive PPM mit seinem universellen Paradigma der Vermeidung
nicht-wertschöpfender Arbeit ist grundsätzlich keine polarisierte Ausrichtung des PPM
des Unternehmens (zwischen agil und stabilitätsorientiert) vorgegeben diese kann und
sollte dem Ansatz „Approach follows Context“ folgen.
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8 Anhang
Prozess-Reifegrade
1 ‒ Initial: Der Prozess wird ad-hoc oder reaktiv durchgeführt und führt zu unvorherseh-
baren Ergebnissen. Das Engagement und das Fachwissen der Mitarbeiter bestimmen die
Prozessqualität; es gibt keine ausdrückliche organisatorische Unterstützung.
2 ‒ Wiederholbar: Der Prozess wird gemäß einer Prozessbeschreibung geplant, durchge-
führt und überwacht. Die Arbeitsprodukte werden in geeigneter Weise kontrolliert. Die
einheitliche Anwendung des Prozesses ist jedoch nicht gewährleistet, so dass die Prozes-
sergebnisse schwanken.
3 ‒ Definiert: Der Prozess ist gut definiert, dokumentiert und verstanden. In einem defi-
nierten Prozess sind Zweck, Inputs, Eingangskriterien, Aktivitäten, Rollen, Maßnahmen,
Überprüfungsschritte, Outputs und Ausgangskriterien eindeutig festgelegt. Alle Beteilig-
ten würden diese Leitlinien verstehen und eine einheitliche Anwendung sicherstellen.
4 ‒ Quantitativ geführt: Darüber hinaus wird ein Prozess der Reifegradstufe 4 mit Hilfe
statistischer und anderer quantitativer Verfahren gesteuert. Es werden quantitative Ziele
für die Qualität und die Prozessleistung festgelegt und die Wirksamkeit des Prozesses ist
bekannt. Die Leistung ist quantitativ vorhersehbar.
Lean-Adaptive PPM-Reifegrad 179
5 ‒ Optimiert: Der Prozess wird auf der Grundlage eines umfassenden Verständnisses
der häufigsten Ursachen für prozessbedingte Abweichungen kontinuierlich bewertet und
verbessert. Der Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen Optimierung des Leistungs-
spektrums des Prozesses durch inkrementelle und innovative Verbesserungen.
Rollen-Reifegrade
1 ‒ Initial (>10%): Die Rolle wird teilweise ad hoc oder reaktiv von einzelnen Mitarbei-
tern (Heroes) wahrgenommen. Es gibt keine explizite Rollenbeschreibung.
2 ‒ Definiert (>30%): Die Rolle ist für die Organisation vorgesehen und beschrieben/de-
finiert. Obwohl die Rolle beschrieben ist, wird sie nicht einheitlich umgesetzt und ausge-
führt.
3 ‒ Ausgeführt (>50%): Die Rolle ist klar definiert, wird ausgeführt und gelebt. Die Per-
sonalkapazitäten sind auf die Ausführung der Rolle ausgerichtet. Die Rolle ist allen Be-
teiligten bekannt und wird von ihnen verstanden.
4 ‒ Fortgeschritten (>70%): Darüber hinaus ist die Rolle im gesamten Unternehmen
weithin akzeptiert und geschätzt. Es gibt Schulungen für die Rolle und spezielle Karrier-
ewege für diese Rolle. Die Auswirkungen der Rolle können gemessen werden.
5 Optimiert (>90%): Die Rolle wird kontinuierlich evaluiert und auf der Grundlage
der Ergebnisse verbessert. Die Rolle wird an die Zielgruppe angepasst, um die Akzep-
tanz zu erhöhen.
Prinzipien-Reifegrade
1 ‒ Initial: Das Prinzip ist teilweise bekannt und wird sporadisch berücksichtigt. Es wer-
den jedoch keine Methoden oder Werkzeuge für die konkrete Umsetzung verwendet.
2 ‒ Konzeptionell: Das Prinzip ist in der Organisation bekannt, wird aber nicht konkret
umgesetzt. Es findet also keine organisationsweite Berücksichtigung statt. Stattdessen
wenden die einzelnen Teams das Prinzip an, manchmal unbewusst.
3 ‒ Integriert: Das Prinzip ist in der gesamten Organisation bekannt und es werden An-
strengungen zu seiner Umsetzung unternommen. Es gibt noch keine festen Methoden
und Praktiken, die als Standard eingeführt werden, aber es werden Methoden verwendet.
4 Systematisch: Das Prinzip wird systematisch umgesetzt. Praktiken und Methoden,
die sich als erfolgreich erwiesen haben, wurden für die Umsetzung definiert.
5 ‒ Ganzheitlich: Das Prinzip wird umfassend und ganzheitlich praktiziert. Die einge-
setzten Methoden und Instrumente werden kontinuierlich ausgebaut und weiterentwi-
ckelt. Die Methoden und Instrumente erzielen hervorragende Ergebnisse und sind auf die
Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten.
180
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 181
How to Mitigate Technical Debt in Startups: Extending the
Entrepreneurial Software Engineering Model
Jil Klünder1, Florian Heintz2, Jakob Droste3, Mario Wiese4 und Marco Kuhrmann5
Abstract: Several software startups fail due to the competitive environment, time constraints,
limited financial ressources, and other aspects. To overcome some of these issues, in particular
regarding time and finance, startups try to release their software product as quickly as possible. For
this, they often cut corners on different aspects of the product, unconsciously accepting technical
debt. We argue that startups are often not aware of long-term effects of technical debt and, hence,
unconciously accept software- and process-related shortcomings when developing the product. In
order to raise the awareness for technical debt and to help startups avoid it, we extend the
Entrepreneurial Software Engineering Model grounded in insights from literature. For each software
development phase in startups, our extension puts special emphasis on technical debt, e.g., by
integrating aspects such as architecture testing and specific quality gates that are often not part of
software processes in early stage startups.
Keywords: Entrepreneurial Software Engineering, Technical Debt, Software Startups
1 Introduction
There is an increasing number of startups whose product is based on software. However,
despite innovative and promising ideas, several startups fail for different reasons. Due to
the competitive environment, time constraints, limited financial resources, and other
aspects, startups try to deliver their product as soon as possible. To achieve this, they often
cut corners on different aspects of the product, such as quality assurance or risk
management [KMK22]. This way, they unconsciously accept technical debt which has
been proven to have negative long-term effects on software development. As in other
companies, startups are unlikely aware of these long-term effects and, hence, accept
software- and process-related shortcomings when developing the software product.
1 University of Applied Sciences | FHDW Hannover, Freundallee 15, 30173 Hannover, Germany,
jil.kluender@fhdw.de, https://orcid.org/0000-0001-7674-2930
2 Électricité de Strasbourg, Strasbourg, France; formerly Leibniz University Hannover, Hannover, Germany,
florianheintz22@gmail.com philipp.straub@reutlingen-university.de, https://orcid.org/0009-0003-3868-
5789
3 Leibniz University Hannover, Software Engineering Group, Welfengarten 1, 30167 Hannover, Germany,
jakob.droste@inf.uni-hannover.de, https://orcid.org/0000-0001-8746-6329
4 University of Hamburg, Department of Informatics, Vogt-Kölln-Str. 30, 22527 Hamburg, Germany,
marion.wiese@uni-hamburg.de, https://orcid.org/0000-0003-0160-9531
5 Reutlingen University, Herman Hollerith Center, Danziger Str. 2, 71034 Böblingen, Germany,
kuhrmann@acm.org, https://orcid.org/0000-0001-6101-8931;
philipp.straub@reutlingen-university.de, https://orcid.org/0009-0003-3868-5789
182 Jil Klünder et al.
Besides difficulties introduced by technical debt, they also struggle with their software
development in general [KMK22].
Guidelines supporting startups developing software is provided by the Entrepreneurial
Software Engineering model [BMK21; KMK22]. This model summarizes concrete steps
regarding feature generation, design and user experience, pre-launch testing, and the
development of the single feature minimum viable product (MVP). In order to further raise
the awareness for technical debt and to help startups avoid it, we synthesize knowledge
from literature to extend the Entrepreneurial Software Engineering model putting special
emphasis on technical debt. By construction, we provide guidelines that points to aspects
to be considered in order to avoid, identify, manage, and monitor technical debt. These
aspects include a continuous technical debt as well as the integration of different testing
methods such as architecture testing, as architecture development has already been
identified as a shortcoming in startup software development [KMK22].
Context. This paper is based on Heintz’ master thesis [He24] entitled Avoiding technical
debt in startups when developing software. Further details on the study as well as more
detailed results are available online 6.
2 Background and Related Work
Several researchers focus on technical debt and how it can be avoided. Avgeriou et al.
[Av16] define technical debt as “a collection of design or implementation constructs that
are expedient in the short term, but set up a technical context that can make future changes
more costly or impossible” . To gain an overview of existing research, Li et al. [LAL15]
as well as Rios et al. [RMS18] conducted a literature study summarizing technical debt
types and strategies how to manage the different types. They further identified research
trends and provide information for practitioners. Rios et al. [RMS18] also provided
definitions for a total of 15 different technical types and outlined, in which situations these
types often occur.
A conceptual model of TD was defined during a Dagstuhl seminar describing TD causes,
consequences, types and activities as well as a model of how TD items interact with their
surroundings, e.g. by creating symptoms in IT systems [Av16].
Fowler [Fo09] differentiates between deliberate and inadvertant incurred technical.
Deliberate technical debts result from a conscious decision, e.g., implementing a
workaround to reach a set deadline. Inadvertant TDs result from mistakes, e.g., poor
design at the code level or architectural decisions that, over time, turn out to have been
wrong.
6 The master thesis can be accessed via https://www.pi.uni-hannover.de/fileadmin/pi/se/Stud-Arbeiten/2024/
Heintz2024.pdf (in German).
How to Mitigate Technical Debt in Startups 183
The insights from Rios et al. [RMS18] were refined in the InsighTD study [Fr20]. Since
2017, researchers from eleven different countries regularly conduct the survey study to
gain empirical data on technical debt and to draw conclusions about their causes and
consequences [Ri19]. The resulting cause-effect-diagrams were used in this paper as a
starting point to integrate technical debt in the Entrepreneurial Software Engineering
model.
This Entrepreneurial Software Engineering Model was proposed by Brunner et al.
[BMK21]. It strives to provide concrete guidelines for a more systematic software
development in startups. The first version of the model was derived based on the
collaboration with the startup Zippr [BMK21]. Consolidating experiences from this
startup and expert interviews resulted in the proposed model that supports startups in
iteratively and incrementally developing a minimum viable product. The model was
refined based on a survey study by Kuhrmann et al. [KMK22] in which they investigated
methodological and technical priorities of startups. Based on their insights, they put further
emphasis on aspects such as requirements engineering and software architecture.
Combining entrepreneurial software engineering and technical debt, Abrahamsson and
Holmqvist [AH23] conducted case studies in different technical startups in Stockholm,
Sweden, to identify reasons why startups accept technical debt. According to their study,
the main reason for accepting technical debt in startups is that there are no short-term
consequences. However, the long-term consequences are considered remarkable by the
surveyed startups, which is why the authors conclude that a systematic technical debt
management is highly relevant for startups. Further, they identified the team constellation
by means of personality traits and knowledge to be of particular importance for the
management of technical debt.
As knowledge on technical debt is often rare in startups, we strive to extend the En-
trepreneurial Software Engineering model to provide startups with a systematic approach
to avoid technical debt when developing their MVP.
3 Methodology
The overall goal of this study is to mitigate technical debt in startups in different phases
of the software development process. To reach this goal, we conduct the following steps:
1. Identify the most relevant types of technical debt to investigate on which types
are most relevant for startups
2. Investigate the causes and consequences of the different types of technical debt
to help startups avoiding them and being aware of potential risks
3. Map the types of technical debt to the phases of the software development
lifecycle based on their prevalence to provide a basis to extend the
Entrepreneurial Software Engineering model
184 Jil Klünder et al.
4. Synthesize the results of the previous steps in an extension of the Entrepreneurial
Software Engineering model
To get a data basis for the first three steps presented above, we conducted a literature
review. Although we did not conduct a systematic literature review, our study was aligned
with guidelines presented by Kitchenham et al. [Ki10]. We started with the scoping
process by conducting a literature search using Google Scholar using the following search
string:
technical debt and (management or prevention or startups or types or tools)
We further extended the result set by searching for every single technical debt type
separately. We included papers that can contribute to achieving our research goal, but
excluded a paper if it did not meet our quality criteria, e.g., in case it was not peer-
reviewed, was not published in established journals or presented at established
conferences, was obviously outdated. We further excluded papers that were not written in
English, German, or French and papers that were not accessible, i.e., behind a paywall.
However, in three cases with papers behind a paywall we contacted the authors to get
access to the paper due to a very limited number of other publications dealing with these
topics. In these three cases, the authors sent us the papers and we were able to include
them in the results set.
As noted by Shull et al. [Sh13], there are some papers that only mention the term “technical
debt” in the title, but are only limitedly related to technical debt. Therefore, we were quite
inclusive when investigating the result set provided by Google Scholar and then skimmed
through the abstract and the conclusion of a total of 74 potentially relevant papers. After
this step, we read the full text of the papers and conducted snowballing to find more
relevant papers to be included in our analysis. Based on the snowballing, we added a total
of 126 papers to our result set. While skimming through these papers, we already classified
them based on the technical debt type and the development phase. We further highlighted
causes and consequences related to the respective technical debt type. This way, we got a
knowledge base that forms the basis for the steps 1 to 3.
Step 1: Identify the most relevant technical debt types. Based on the literature review,
we identified a total of 16 technical debt types. To find the most relevant ones, we ordered
them based on their occurrences in the respective papers. We based our ranking on aspects
deemed relevant in existing papers, namely (1) how often the technical debt type is
relevant for companies [BVG21; MTR20], (2) how often they are considered relevant by
the companies’ management [Go23], (3) how often they were studied in existing papers
[Al16; RMS18], (4) how many methods there are to manage the technical debt type
[LAL15], (5) their criticality when they occur [KVG22], and (6) their causes and negative
effects [Ri20]. This way, the 16 technical debt types were ranked based on their potential
relevance for startups.
Step 2: Investigate causes and consequences of technical debt types. The second step
of our research process is mainly based on two publications by Freire et al. [Fr20] and
Rios et al. [Ri19]. Their results are based on an international study that was conducted
How to Mitigate Technical Debt in Startups 185
since 2017 with 513 participants from 80 software companies. Based on this data basis,
they identified 78 causes and 66 effects, i.e., consequences, of technical debt [Fr20].
Step 3: Map the technical debt types to the development phases. We mapped the
technical debt types to the development phases based on the information provided in the
publications. The mapping directly emerged from the results from the literature review.
However, we put
special emphasis on mapping the technical debt types to the development phases used in
the Entrepreneurial Software Engineering model, namely “Feature Requirements
Generation & Evaluation”, “Design & User Experience Evaluation”, “Pre-Launch
Testing”, and the “Development Cycle”.
Step 4: Extend the Entrepreneurial Software Engineering Model. We synthesized the
results from the previous steps in the Entrepreneurial Software Engineering model by
extending the phases with technical debt management and prevention activities.
4 Results
In the following, we first present general results on technical debt, such as the identified
technical debt types and their relevance for industry. In the second step, we present the
results of synthesizing this knowledge in the extended version of the Entrepreneurial
Software Engineering model.
4.1 Technical Debt in Startups
The first step to avoid technical debt in startups is to decide, which technical debts are to
be mitigated in which part of the project [GSS16]. Technical debt management deals with
this difficulty by consisting of three main activities: technical debt identification, technical
debt monitoring, and technical debt payment [Gr14]. For startups, it is even more relevant
than for other companies to decide which technical debts can be accepted and do not need
to be instantaneously resolved, as technical debt does not always need to have negative
consequences [KL10]. Therefore, startups need to carefully decide which technical debt
to resolve and which to accept.
Martini et al. [MBB16] provide a number of items that increase the likelihood of technical
debt management being successful. Although they focus on large companies, the items
also apply for startups, such as having someone being responsible for and taking care of
technical debt management. Further, technical debt management requires time and budget
that need to be allocated. In addition, the whole team needs to be aware of consequences
of technical debt to see value in avoiding it. According to Martini et al. [MBB16], raising
the awareness of the team for the relevance of avoiding technical debt is difficult. For
startups, this is even more important, as time and budget are rare and investing both of
them to avoid something that becomes relevant at a later point in time is difficult to argue.
186 Jil Klünder et al.
Another relevant difficulty of technical debt management is the prioritization of technical
debt [MBB16].
To overcome the second difficulty, we extracted and prioritized 16 technical debt types
from literature (with 1 being most important) as outlined in Table 1.
Note that this ranking was based on the criteria described in Section 3 and does not reflect
our opinion. In particular the rating of security debt is due to the small number of mentions
in research papers and not due to its small relevance for startups and companies in general.
Please refer to other literature (e.g., [AH23; He24]) for further details on the technical debt
types, in particular on their causes and consequences, and possible mitigation strategies.
4.2 Extension of the Entrepreneurial Software Engineering Model
Based on the information provided in the previous subsection and the insights from the
literature review, we extended the Entrepreneurial Software Engineering model. Figure1
presents the extended version of the Entrepreneurial Software Engineering model. Note
that the changes we made are highlighted in blue. Overall, integrating technical debt into
the model required smaller changes in each of the phases for feature requirements
generation and evaluation, design and unser experience evaluation, pre-launch testing and
the development cycle.
Overall model. Besides the changes we implemented in each phase, we added a
continuous technical debt management phase and the technical debt categorization and
priorizitation to the overall model. From the PLT-TDI phase, but also from the other
phases, we receive technical debt items that are used as input for the technical debt
Categorization & Prioritization (TDCP) phase. In this phase, technical debt user stories
are to be created and technical debt causes and effects are to be identified and used as input
for the development phase. Further, we propose to implement a quality gate before the
single feature MVP launch.
Feature Requirements Generation & Evaluation - TD Prevention (FRGE-TDP). For
the FRGE-TDP phase, we identified the vision video method [KSF20] to reduce the risk
of misinterpreted and misunderstood requirements, causing differing visions across
different stakeholders.
Design & User Experience Evaluation - Technical Debt Prevention (DUXE-TDP). In
the DUXE-TDP phase, we propose to integrate the Minumum Viable User Experience
Tab. 1: Prioritized technical debt types according to literature
1. Design Debt
7. Versioning Debt
12. People Debt
2. Code Debt
8. Defect Debt
13. Usability Debt
3. Test Debt
9. Build Debt
14. Test Automation Debt
4. Architecture Debt
10. Process Debt
15. Service Debt
5. Requirements Debt
11. Infrastructure Debt
16. Security Debt
6. Documentation Debt
How to Mitigate Technical Debt in Startups 187
Framework [HKV16] streamline the process of evaluating the design and the user
experience.
Fig. 1: Entrepreneurial Software Engineering Model [BMK21] extended by technical debt. Changes
are highlighted in blue.
188 Jil Klünder et al.
Pre-Launch Testing - Technical Debt Identification (PLT-TDI). In the PLT-TDI
phase, technical debt items cannot be prevented anymore, but need to be identified.
Therefore, in the testing phase, technical debt items are created that are used as input for
the technical debt categorization and prioritization phase. To support the identification of
technical debt, different types of testing are to be considered and combined in a test
environment that should also be tested. More concretely, besides already existing types of
testing such as security testing, installation testing, and performance testing, aspects such
as architecture testing, infrastructure testing, and usability testing should also be
considered to evaluate the single feature MVP.
Technical Debt Categorization & Prioritization (TDCP). The TDCP phase (see Figure
2) uses the technical debt items identified during the pre-launch testing as input for the
technical debt documentation and the cause and/or effect analysis. The output of these two
activities, namely the technical debt backlog and the cause-effect-diagrams are used for
the technical debt estimation. In the next step, the technical debt items are to be analyzed
and prioritized. Based on these insights, a decision is required. In case the technical debt
item is pivoted, the validated learnings are used for the next instances of the cause and/or
effect analysis. In case the technical debt item is preserved, the validated causes, effects
and the backlog goe into the decomposition that derives technical debt User Stories that
are used as input for the development cycle.
Development Cycle. In the development cycle (see Figure 3), we added a continuous
phase for technical debt management that deals with the technical debt causes and effects,
as well as with the technical debt backlog. Further, we propose to introduce a quality gate
before launching the single feature MVP. Continuous integration should be extended by
continuous improvement and continuous delivery should also integrate a continuous
maintenance aspect.
5 Discussion and Conclusion
Based on a literature review, we propose an extended version of the Entrepreneurial
Software Engineering model to help startups avoid technical debt. By putting special
emphasis on the prevention, identification and management of technical debt items in early
stage startups, we hope startups can reduce the risk of unplanned difficulties introduced
by unintentionally accepting technical debt. However, the model itself is a theoretical
construct that hasin its extended versionnot yet been validated in industry. Either
expert interviews or case studies should be conducted to evaluate the applicability and
usefulness of the proposed model, as well as the benefits regarding the prevention of
technical debt in startups.
However, as of now, by construction, the extended version of the Entrepreneurial Software
Engineering model provides a guideline to integrate technical debt management in early
stage startups. In a next step, a case study comparable to the validation of the initial
How to Mitigate Technical Debt in Startups 189
Entrepreneurial Software Engineering model as presented by Brunner et al. [BMK21]
should be conducted to evaluate the feasibility of the technical debt integration.
Fig. 2: Technical Debt Categorization and Prioritization included in the Entrepreneurial Software
Engineering Model [BMK21]. Changes are highlighted in blue.
190 Jil Klünder et al.
.
Fig. 3: Development phase of the Entrepreneurial Software Engineering Model [BMK21]
extended by technical debt. Changes are highlighted in blue.
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Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 193
Digitale Kompetenz im Projektmanagement: Ein
Kompetenzstrukturmodell für das digital strukturierte
Projektmanagement
Jessica Nagel 1
Abstract: Die digitale Transformation verändert das Projektmanagement grundlegend. Diese Studie
untersucht, welche digitalen Kompetenzen Projektmanager*innen im Kontext externer IT- und
Unternehmensberatung benötigen. Auf Basis qualitativer Daten wurden ein
Kompetenzstrukturmodell entwickelt und sieben zentrale Kompetenzbereiche identifiziert, u.a.
digitale Führung, Wissensmanagement und Toolkompetenz. Das Modell bietet eine Grundlage für
die gezielte Kompetenzentwicklung in der Projektarbeit.
Keywords: Digitale Kompetenzen, Projektmanagement, digitale Transformation, IT-Beratung,
Kompetenzmodell, virtuelle Teams, Wissensmanagement
1 Einleitung
Die Digitalisierung führt zu tiefgreifenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.
Unternehmen stehen unter dem Druck, sich durch digitale Technologien wettbewerbsfähig
zu halten und gleichzeitig den steigenden Anforderungen an Flexibilität und
Geschwindigkeit gerecht zu werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie digitale
Technologien gezielt einsetzen und zugleich den steigenden Anforderungen an Flexibilität
und Geschwindigkeit gerecht werden. Projektmanagement ist eine Schlüsselstrategie, um
diesen Herausforderungen zu begegnen. Dabei kommt den Kompetenzen von
Projektmanager*innen eine entscheidende Rolle zu.
Diese Arbeit untersucht, welche Kompetenzen im digital strukturierten
Projektmanagement notwendig sind, und entwickelt ein Kompetenzstrukturmodell, das
die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Kompetenzanforderungen
beschreibt.
1 Jessica Nagel https://orcid.org/0009-0002-1046-6464
194 Jessica Nagel
2 Kompetenzen und Digitalisierung
2.1 Definition und Modellierung von Kompetenzen
Der Kompetenzbegriff ist nicht einheitlich definiert, sondern variiert je nach
wissenschaftlicher Disziplin und Anwendungsbereich. In dieser Arbeit wird ein
Verständnis von Kompetenz zugrunde gelegt, das in der Wirtschaftspädagogik verbreitet
ist. Es beschreibt Kompetenz als die Fähigkeit, Wissen, kognitive Fähigkeiten und
Fertigkeiten zur Bewältigung sowohl bekannter als auch neuer Herausforderungen in
variablen Kontexten anzuwenden [Wei01]. Dieses domänenspezifische Verständnis
erlaubt eine differenzierte Betrachtung beruflicher Anforderungen und bildet eine
fundierte Grundlage für die Entwicklung praxisrelevanter Kompetenzmodelle im
Projektmanagement.
In der Wirtschaftspädagogik wird Kompetenz häufig in vier Dimensionen gegliedert:
Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz. Diese Struktur erlaubt es, sowohl
technische als auch kommunikative und reflexive Anforderungen systematisch zu
erfassen. Sie hat sich insbesondere in der beruflichen Bildung als analytisch hilfreich
erwiesen und dient auch in dieser Arbeit als Strukturierungsrahmen für die Ableitung
digitaler Kompetenzen im Projektmanagement [Erp08]. Kompetenzmodelle bieten dabei
eine strukturierte Beschreibung der notwendigen Fähigkeiten für spezifische
Tätigkeitsfelder. Man unterscheidet zwischen Kompetenzstrukturmodellen, die
verschiedene Kompetenzdimensionen definieren, und Kompetenzniveaumodellen, die die
Beherrschung einer Kompetenzstufe messen.
2.2 Digitale Transformation und ihre Auswirkungen auf das Projektmanagement
Projektmanagement ist heute in vielen Branchen etabliert und wird zunehmend durch
digitale Technologien geprägt. Während klassische Methoden auf strukturierte Planung
setzen, sind agile Ansätze stärker iterativ und anpassungsfähig. Die externe IT- und
Unternehmensberatung sieht sich mit Herausforderungen wie hybriden Projektstrukturen,
virtuellen Teams und der Notwendigkeit einer stetigen Kompetenzentwicklung
konfrontiert. Die zunehmende Integration digitaler Technologien verändert dabei nicht nur
Methoden, sondern auch Rollenbilder im Projektmanagement [HRR22].
Die digitale Transformation beeinflusst nicht nur Unternehmensprozesse, sondern
verändert auch Arbeitsweisen und die Anforderungen an Fachkräfte.
Projektmanager*innen müssen mit digitalen Tools umgehen, Daten analysieren und
Automatisierungspotenziale nutzen. Gleichzeitig erfordert die zunehmende
Virtualisierung der Zusammenarbeit eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und
digitale Führungskompetenz. Die Bewältigung der steigenden Informationsflut sowie die
kritische Reflexion digitaler Inhalte stellen weitere Herausforderungen dar. Die Relevanz
digitaler Kompetenzen für den Projekterfolg wurde international bereits betont [MM21].
Dabei fehlt es an einem einheitlichen Begriffsverständnis digitaler Kompetenz, obwohl
politisch relevante Modelle wie DigComp auf grundlegenden Arbeiten basieren [Fer12].
Bestehende Kompetenzmodelle wie etwa das von Marhraoui [Mar23] greifen zwar
Digitale Kompetenz im Projektmanagement 195
digitale Aspekte auf, fokussieren jedoch nicht auf projektbezogene Anforderungen.
Neuere Studien fordern eine stärkere Integration digitaler Future Skills in
Projektmanagementmodelle [MKNS24].
3 Forschungsmethodik
Die Studie basiert auf einer explorativen, qualitativen Untersuchung. Ziel war es, die im
digitalen Projektmanagement erforderlichen Kompetenzen systematisch zu erfassen und
zu strukturieren. Dazu wurde ein mehrstufiges Vorgehen gewählt, das sich in drei Phasen
gliedert: systematische Literaturrecherche, Fokusgruppen mit erfahrenen
Projektmanager*innen sowie kommunikative Validierung durch Expert*innen.
Die Literaturrecherche diente der Identifikation bestehender Kompetenzmodelle sowie
theoretischer Bezugspunkte im Kontext digitaler Kompetenzen und Projektmanagement.
Darauf aufbauend wurden Fokusgruppen mit Praktiker*innen aus der IT- und
Unternehmensberatung durchgeführt. In moderierten Gruppendiskussionen wurden reale
Handlungsanforderungen und Kompetenzerwartungen thematisiert.
Zur Validierung der Ergebnisse wurde eine dritte Phase implementiert: In
kommunikativen Validierungsworkshops wurden die abgeleiteten
Kompetenzdimensionen kritisch diskutiert, ergänzt und priorisiert.
Die qualitative Inhaltsanalyse erfolgte nach dem Vorgehen nach Kuckartz [Kuc18]. Die
Auswertung wurde softwaregestützt mit MAXQDA durchgeführt. Zur Sicherung der Güte
wurden Kriterien wie Transparenz, intersubjektive Nachvollziehbarkeit und theoretische
Sättigung berücksichtigt.
4 Veränderungen durch digitale Transformation im
Projektmanagement
Die empirische Untersuchung zeigt, dass sich die grundlegenden Kernkompetenzen im
Projektmanagement durch die digitale Transformation nicht vollständig verändern, jedoch
deutlich erweitern. Insbesondere entstehen neue Anforderungen in technologischer,
sozialer und informationeller Hinsicht.
4.1 Technologische Kompetenz als Basis
Projektmanager*innen müssen digitale Technologien nicht nur bedienen, sondern auch
strategisch in ihre Arbeit integrieren. Dies umfasst die gezielte Auswahl und Nutzung
digitaler Projektmanagement-Tools sowie ein grundlegendes Verständnis für
Automatisierung, Datenanalyse und KI-gestützte Entscheidungsprozesse. Die Integration
neuer Technologien in bestehende Strukturen stellt eine weitere wesentliche
Herausforderung dar.
196 Jessica Nagel
4.2 Soziale Kompetenz in virtuellen Teams
Die Führung verteilter Teams erfordert spezifische Fähigkeiten, um Motivation und
Teamgeist auch im digitalen Raum zu erhalten. Ein vertrauensvolles Arbeitsklima muss
aufgebaut und gepflegt werden, während gleichzeitig eine klare, zielgerichtete und
kanalgerechte Kommunikation sicherzustellen ist. Hinzu kommt das Erfordernis eines
effektiven Konfliktmanagements, um Missverständnisse oder kulturelle Unterschiede in
virtuellen Teams erfolgreich zu überwinden.
4.3 Informations- und Wissensmanagement
Die zunehmende Datenflut erfordert eine differenzierte Herangehensweise an
Informationsmanagement. Projektmanager*innen müssen digitale Quellen kritisch
bewerten und effizient filtern, um relevante Informationen strukturiert und nachhaltig zu
nutzen. Gleichzeitig gewinnt kollaboratives Wissensmanagement an Bedeutung, um
gemeinsames Lernen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb des Teams zu
fördern.
5 Kompetenzstrukturmodell
Basierend auf den qualitativen Ergebnissen wurde ein Kompetenzstrukturmodell
entwickelt, das sieben zentrale Kompetenzbereiche im digital strukturierten
Projektmanagement beschreibt. Diese Bereiche bündeln die Anforderungen, die sich aus
der digitalen Transformation ergeben, und dienen als Grundlage für die Entwicklung
entsprechender Lern- und Entwicklungsangebote.
Die sieben Kompetenzbereiche sind wie folgt strukturiert:
Informations- und Datenmanagement
Datenanalyse und digitale Entscheidungsfindung
Kritische Reflexion digitaler Informationen
Virtuelle Zusammenarbeit
Interkulturelle Zusammenarbeit in virtuellen Teams
Digitales Konfliktmanagement
Digitale Kommunikation
Digitale Führung und Teammotivation
Virtuelle Moderation und Facilitation
Erstellung digitaler Inhalte
Wissensmanagement und kontinuierliches Lernen
Ethik, Verantwortung und Sicherheit
Digitale Kompetenz im Projektmanagement 197
Digitale Ethik und Datenschutzbewusstsein
IT-Sicherheitsbewusstsein
Digitales Management
Strukturierung und Priorisierung von Informationen
Technische Kompetenz
Nutzung und Auswahl digitaler Projektmanagement-Tools
Anwendung agiler und hybrider Projektmanagementmethoden
Das Modell verdeutlicht, dass digitale Kompetenzen weit über reine Technikbeherrschung
hinausgehen. Vielmehr geht es um die Verbindung von technischen, sozialen, reflexiven
und ethischen Fähigkeiten, um digitale Projekte erfolgreich zu gestalten.
6 Praxisimplikationen und zukünftige Entwicklungen
Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass Unternehmen die gezielte Förderung
digitaler Kompetenzen bei Projektmanager*innen systematisch angehen sollten. Dazu
gehören Weiterbildungsprogramme, die sowohl technische Fähigkeiten als auch soziale
und reflexive Kompetenzen adressieren.
Besonders im Kontext der IT- und Unternehmensberatung ist es entscheidend, aktuelle
technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, kollaborative Plattformen oder
digitale Entscheidungsunterstützung kontinuierlich in Kompetenzprofile zu integrieren.
Die regelmäßige Aktualisierung dieser Profile sowie deren Integration in
Personalentwicklungsmaßnahmen ist ein wesentlicher Schritt, um zukunftsfähiges
Projektmanagement zu gewährleisten.
Darüber hinaus sollten Unternehmen eine digital geprägte Organisationskultur etablieren,
die digitale Zusammenarbeit, agiles Denken und verantwortungsbewussten Umgang mit
Daten strukturell verankert. Führungskräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle als
Impulsgeber und Vorbilder für digitale Kompetenzentwicklung.
7 Fazit
Die digitale Transformation verändert das Projektmanagement nicht nur durch neue
Technologien, sondern vor allem durch veränderte Anforderungen an Führung,
Kommunikation, Kollaboration und Wissensmanagement. Digitale Kompetenzen gelten
als Schlüsselfaktor für den Projekterfolg in digitalen Umgebungen [RGL21]. Die
vorliegende Studie zeigt, dass digitale Kompetenzen vielfältig, kontextabhängig und eng
mit sozialen und reflexiven Fähigkeiten verknüpft sind [Nag2024].
Das entwickelte Kompetenzstrukturmodell bietet eine fundierte Grundlage für die gezielte
Qualifizierung von Projektmanager*innen in digital geprägten Projektumgebungen. Es
198 Jessica Nagel
ermöglicht Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Zertifizierungsstellen, konkrete
Handlungsfelder zu identifizieren und zukunftsorientierte Entwicklungspfade zu
gestalten.
Zukünftige Forschung sollte die Übertragbarkeit des Modells auf andere Branchen und
Organisationsformen untersuchen und quantitative Validierungen zur Weiterentwicklung
des Modells durchführen. Auch die Integration neuer technologischer Trends etwa im
Bereich künstlicher Intelligenz bietet Potenzial für die Weiterentwicklung digitaler
Kompetenzprofile.
Literaturverzeichnis
[Erp08] Erpenbeck, J.; Heyse, V.: Kompetenztraining. Strategien, Methoden und Bausteine für
die Kompetenzentwicklung. 5. Aufl., Schäffer-Poeschel, Stuttgart, 2008.
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Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 199
Transformational Skills für die digitale und nachhaltige
Transformation: Innere Entwicklung als Schlüssel zur
Veränderung von (Projektmanagement-) Kultur
Kendra Pöhlmann 1 und Julia Hodapp2
Abstract: Die digitale Transformation ist mehr als ein technologischer Wandel sie fordert ein
tiefgreifendes Umdenken auf individueller, kultureller und organisationaler Ebene. Der Beitrag
argumentiert, dass klassische und agile Methoden allein nicht ausreichen, um den aktuellen
Herausforderungen in einer BANI-Umwelt zu begegnen. Vielmehr braucht es ein erweitertes
Kompetenzverständnis, die sogenannten Transformational Skills. Inspiriert durch Konzepte wie die
Inner Development Goals, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und das Rounder Sense of
Purpose-Modell, werden neue Schlüsselkompetenzen vorgestellt, die Projektarbeit und Führung
nachhaltig verändern können. Der Beitrag zeigt, wie diese Kompetenzen im post-agilen
Projektmanagement konkret verankert werden können – als strategische Ressourcen zur Förderung
von Resilienz, Sinnorientierung und kulturellem Wandel. Persönlichkeitsentwicklung wird dabei
nicht als privates Anliegen, sondern als zentraler Hebel für zukunftsfähige
Organisationsentwicklung verstanden, für die klassische und agile Projektmanagementansätze nicht
mehr ausreichend sind.
Keywords: Digitale Transformation, Transformational Skills, Reflexionskompetenz, Emotionale
Selbstregulation, Post-agiles Arbeiten
1 Einleitung
Die digitale Transformation fordert Organisationen, Führungskräfte und Mitarbeitende
auf vielfältige Weise heraus. Dabei geht es längst nicht mehr nur um technologische
Innovationen, Prozessoptimierung und deren Umsetzung in Projektenvielmehr vollzieht
sich ein tiefgreifender kultureller Wandel, der auch individuelle Entwicklung und neue
Formen des Miteinanders erfordert.
In einem dynamischen, komplexen und von Megatrends wie Digitalisierung und
Nachhaltigkeit geprägtem Umfeld stoßen sowohl klassische sowie auch agile
Projektmanagementansätze zunehmend an ihre Grenzen. Projektarbeit, agile Methoden
und digitale Tools reichen allein nicht mehr aus, um Orientierung, Stabilität und
Nachhaltigkeit zu erzeugen. Vielmehr wird deutlich, dass es eine erweiterte Perspektive
auf Kompetenzen, innere Haltung und Werte bedarf, um die digitale Transformation zu
erreichen und sie verantwortungsvoll zu gestalten.
1 OTH Regensburg, Fakultät Business and Management, Seybothstr. 2 93053 Regensburg,
kendra.poehlmann@oth-regensburg.de, https://orcid.org/0000-0002-1234-9002
2 TH Köln und HS Koblenz, julia.hodapp@hotmail.de, https://orcid.org/0000-0002-6215-6903
200 Kendra Pöhlmann und Julia Hodapp
Mit der digitalen Transformation gehen fundamentale Veränderungen in der Arbeitsweise
von Mitarbeitenden und in der Struktur von Organisationen einher. Am Beispiel der
Einführung von elektronischen Akten soll dies näher aufgezeigt werden. Projekte der
digitalen Transformation zeichnen sich nicht nur durch ihre Einzigartigkeit aus. Jedes
Projekt ist zudem zeitlich begrenzt. Eine besondere Komplexität ergibt sich durch die
erforderlich gewordene Parallelität von Projekten. In einem dynamischen und
zeitdringlichen Umfeld müssen Projekte der digitalen Transformation notgedrungen
parallel und zeitgleich durchgeführt werden. Zusätzlich stehen viele Projekte in einer
inhaltlichen und zeitlichen Abhängigkeit voneinander, was zu einer deutlich erhöhten
Komplexität und Verdichtung von Inhalten führt. Die Projektarbeit für Projektleitende und
Mitarbeitende stellt daher ganz andere Anforderungen an diese, als bei der klassischen
Projektarbeit der Fall ist.
Der vorliegende Beitrag plädiert für eine neue, erweiterte Perspektive, die unter den
sogenannte Transformational Skills, vor allem Selbstkompetenz und Regulationsfähigkeit
in den Vordergrund rücken und zu einem weiteren essenziellen Bestandteil von
Projektmanagementkompetenzen geworden sind. Er zeigt auf, warum diese Dimensionen
nicht nur „nice to have“, sondern zentral für eine resiliente, lernfähige und nachhaltige
Organisation sind, um dort Projekte erfolgreich umsetzen zu können. Der Fokus liegt auf
Projektleitungen und Mitarbeitenden, kann aber ebenso auch auf Projekt-
Stakeholder:innen angewandt werden.
Die englische Übersetzung - Skills umfasst zum einen eine Fortsetzung des
Kompetenzbegriffs [Eh20] und zum anderen einen Fokus auf Handlungsorientierung und
-fähigkeit, der in Abhängigkeit von persönlichen Werten, Einstellungen, Meinungen und
Emotionen steht und immer kontextabhängig ist [ER07]. Daher die Spezifizierung auf
Transformational Skills.
2 Transformational Skills
Transformation ist multilateral und mehrdimensional. Deswegen geht es zwar auch aber
nicht ausschließlich - um digitale Transformation. Vielmehr geht es um ihr
Zusammenspiel mit nachhaltiger Transformation. Was beiden Strömungen gemein ist, ist
ihre Komplexität und ihr Disruptionspotenzial, was Organisationen auf struktureller,
kultureller und individueller Ebene herausfordert. Während in der digitalen
Transformation häufig technologische Fähigkeiten wie Data Literacy oder der Umgang
mit KI in den Vordergrund gerückt werden, gewinnen zunehmend auch Kompetenzen an
Relevanz, die soziale, ethische und emotionale Dimensionen des Wandels adressieren.
Diese lassen sich als Transformational Skills bezeichnen.
Die Impulse hierfür kommen dabei aus unterschiedlichen Disziplinen: Die Bildung für
nachhaltige Entwicklung (BNE) hat frühzeitig betont, dass es für zukunftsfähiges Handeln
Kompetenzen wie systemisches, vorausschauendes sowie kritisches Denken, Normative
und Strategische Kompetenz, Fähigkeit zur Kooperation und Problemlösung, sowie auch
Selbstkompetenz und Emotionsregulierung braucht [BLB24], [Br21], [Un17]. Ein
Transformational Skills für die digitale und nachhaltige Transformation 201
ähnliches Kompetenzset umfasst das Rounder Sense of Purpose Modell. Dieses verweist
auf die Notwendigkeit, sowohl kognitive als auch ethische und emotionale Kompetenzen
in Bildungs- und Transformationsprozesse zu integrieren [Va19]. Das internationale
Framework der Inner Development Goals (IDGs) [An23] ergänzt diese Perspektive um
die Dimension der inneren Entwicklung: Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Empathie,
Authentizität, Demut oder Mut werden als zentrale Voraussetzungen verstanden, die
notwendig sind, um die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) überhaupt realisieren zu können3.
Die Quintessenz aus diesen Impulsen umfasst tiefgehende und weitreichende
Reflexionskompetenz, die ermöglicht, Symptomen auf den Grund zu gehen, Kausalitäten,
Prägungen und Muster aufzudecken, um zu deren Veränderung neue Wege einzuschlagen.
Die Fähigkeit Ambivalenzen und Unbequemes auszuhalten, sowie neue Brücken zu
schlagen zwischen vermeintlichen Widersprüchen, zwischen Alt und Neu, Tradition und
Innovation, Wasserfall und Agilität, Vulnerabilität und Widerstandsfähigkeit.
Am Beispiel der Einführung von digitaler Aktenführung lässt sich dies einfach
verdeutlichen. Neben einer „klassischenSoftwareimplementierung gilt es zunächst zu
definieren, wie zukünftige Prozesse aussehen können. Optimierte digitale Prozesse sollen
neben der Vereinfachung, Einsparung von überflüssigen Arbeitsschritten sowie deren
intuitive Verkürzung, zugleich möglichst automatisiert ablaufen. Dabei soll einem
bewussten und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen Sorge getragen werden. Bislang
tradierte Arbeitsweisen stehen auf dem Prüfstand und müssen mitunter abstrakt im
Greenfield-Ansatz neukonzipiert und abstrakt neu gedacht werden. Dies kann Sorgen.
Ängste und Widerstände von Betroffenen zu Tage bringen. Die prozessuale
Neuausrichtung bedarf viel Kommunikation und Selbstreflexion bei allen Beteiligten. Sie
vollzieht sich häufig in einem bereits verdichteten Arbeitsumfeld. In einer Linien-
/Projektstruktur können prozessuale Umstrukturierungen auch zufolge haben, dass
Tätigkeiten von Linienvorgesetzten betroffen sind, was für alle Beteiligten ein mögliches
Konfliktpotential bietet.
Für ein post-agiles Projektmanagement lassen sich folglich Fähigkeiten wie
Ambiguitätstoleranz, Komplexitätsbewältigung, Kontextualisierung, Begegnung von
Widerständen sowie Ressourcenschutz und Suffizienz herausarbeiten. Diese müssen nun
konkret in ein transformatives Projektmanagement überführt werden. Transformativ ist
Projektmanagement immer dann, wenn es sich im weitesten Sinne dem Konzept der
Nachhaltigkeit verschreibt oder positiv zu nachhaltiger Entwicklung beiträgt [SMA19].
Ein anderer Indikator ist, wenn sich der Fokus der Kontrolle von Zeit, Qualität oder
Budget hin zu sozialem, ökologischem oder ökonomischem Impact verschiebt [SS14].
Eine zentrale und wichtige Facette, die in verschiedenen Transformational Skills zum
Tragen kommt, ist die emotionale Regulationsfähigkeit unabhängig davon, ob sie als
neurologische Selbstregulation, Reflexionsfähigkeit oder Achtsamkeit bezeichnet wird.
Gemeint ist die Fähigkeit, sich in herausfordernden, oft ambivalenten oder unsicheren
Projektsituationen resilient zu zeigen, differenziert zu reagieren und bewusste
Entscheidungen zu treffen. Im breiteren Verständnis wird (Selbst-)Regulationsfähigkeit
3 Bei diesem exemplarischen Schlaglicht handelt es sich weder um eine abschließende noch um eine
vollumfängliche Liste, sondern es soll lediglich als Impuls und Denkanstoß dienen.
202 Kendra Pöhlmann und Julia Hodapp
als Umgang mit Gefühlen, Stimmungen und Emotionen und deren Reaktion darauf
beschrieben [Eh20] oder auch als Ziel-orientiertes Verhalten, das mit Feedback-Schleifen
arbeitet und eine Nähe zum Begriff der Selbstkontrolle aufweist [Ba04].
Reflexives Agieren, multi-dimensionale Perspektivwechsel und Empathie stellen im post-
agilen Projektmanagement die zentralen Kompetenzen dar, um komplexe Projekte
erfolgreich steuern und umsetzen zu können. Für Projektleitende bedeutet dies, sich noch
stärker in einem Umfeld von Ambivalenz zu bewegen und Entscheidungsfindungen in
einem sehr dynamischen Informationslage mit vielen Variablen vorzunehmen.
Insbesondere im Projektmanagement von Digitalisierungsprojekten kann eine
erfolgreiche Umsetzung nur in einer hybriden Form des agilen Projektmanagements
gelingen, um Arbeitspakete trotz einer Vielzahl von abhängigen Parametern erfolgreich
abschließen zu können. In diesem Projektkonstellationen bewegen sich die Akteur:innen
in einem stetigen Spannungsfeld von Unberechenbarkeiten und Abhängigkeiten, in dem
sie transformationales Skills benötigen.
Die oben aufgeführten Fähigkeiten bilden daher das Fundament für nachhaltige
Veränderungsprozesse gerade dort, wo klassische Projektmethoden an ihre Grenzen
stoßen. In einem transformativ verstandenen Projektmanagement, das über die rein
operative Zielverfolgung hinaus auch kulturellen Wandel mitgestaltet, zählt die
emotionale Selbstregulation zu einer Schlüsselkompetenz, da sie Unsicherheiten aushalten
und Widerstände auflösen kann. Sie kann gezielt gestärkt werden, indem man sich aus
einem vielfältigen Methodenbaukasten bedient, der Elemente aus der Achtsamkeitspraxis,
Meditation sowie psychologisch-neurowissenschaftlich fundierten Übungen enthält.
Diese Werkzeuge schaffen mehr als kurzfristige Entspannung: Sie fördern eine Haltung
der bewussten Präsenz, der Selbstführung und der Resonanz im Team. So wird emotionale
Regulationsfähigkeit nicht nur zur individuellen Ressource, sondern wirkt als kulturelles
Vehikel, das die Grundlage für vertrauensvolle Zusammenarbeit, innovative
Lösungsfindung und resiliente Projektkultur schafft. Transformatives Projektmanagement
bedeutet damit auch, emotionale Intelligenz und Selbstregulation systematisch zu
integrieren sowohl als Ergänzung, als auch als strategischer Erfolgsfaktor.
Es braucht folglich mehr als Schulungen in Tools oder Prozessen, sondern einen neuen
Fokus auf die Interaktion und die Introspektion. Räume und Konzepte sind erforderlich,
in denen sowohl Mitarbeitende als insbesondere auch Führungskräfte gleichermaßen
lernen, was sie tun, sondern auch warum und wie. Transformational Skills ermöglichen
es, Unsicherheit und Ambiguitäten auszuhalten, Widersprüche zu integrieren und Sinn in
der Veränderung zu finden. Dabei steht diese Kompetenzentwicklung selbstverständlich
nicht allein. Vielmehr ist sie hochgradig vernetzt in die Unternehmens- oder
Organisations-Kulturentwicklung und somit auch in das Projektmanagement und deren
methodische Verankerung.
Transformational Skills für die digitale und nachhaltige Transformation 203
3 Berücksichtigung von Transformational Skills im post-agilen
Projektmanagement-Kontext
Viele der Grundgedanken des ursprünglichen Scrum-Manifests [SS20] tragen bereits in
ihrer Reinform achtsame Elemente in sich nicht nur auf methodischer, sondern auch auf
kulturell-philosophischer Ebene. Mit einem hohen Fokus auf Feedback, Kommunikation
und das Einbeziehen der Nutzer:innenperspektive greift das agile Arbeiten dabei Werte
wie Respekt, Offenheit und Fokus auf ebenso wie ein Menschenbild, das von
Selbstwirksamkeit, Verantwortungsbereitschaft und Reflexionsfähigkeit geprägt ist. Im
Projektmanagementkontext bedeutet dies bedürfnisorientiert Mitarbeitende einzubinden
und Perspektivwechsel vorzunehmen, Veränderung als Chance zu begreifen und
Verantwortung für ihre Beiträge im Gesamtprozess zu übernehmen. Gerade in Scrum-
Formaten wie der Retrospektive wird dies besonders spürbar: Es wird bewusst Raum für
Selbstwahrnehmung, Zwischenmenschlichkeit und Systemreflexion geschaffen. Dieser
Raum erlaubt es, gewohnte Denkpfade zu hinterfragen, emotionale Reaktionen
einzuordnen und bewusstere Entscheidungen zu treffen. Genau hier überschneiden sich
die Prinzipien der Achtsamkeit mit den Zielen agiler Praktiken [Pö25].
In einem post-agilen Projektmanagement-Kontext [Ge23], der über Methodik hinaus in
Richtung Haltung und Kulturentwicklung denkt, gilt es daher, diese wertvollen Elemente
nicht nur zu bewahren, sondern aktiv weiterzuentwickeln und organisational zu verankern.
Das klassische Projektmanagement (Wasserfall) reicht an dieser Stelle nicht mehr aus, um
dynamische Projekte der digitalen Transformation umzusetzen. Das agile
Projektmanagement als methodische Weiterentwicklung bringt zwar die erforderliche
Agilität in einem dynamischen Veränderungsprozess mit, es greift jedoch zu kurz um die
Herausforderungen aufzugreifen, die sich durch die Projektarbeit in der digitalen
Transformation ergeben. Agil handeln zu können und Arbeitspakete ressourcenorientiert
abzuschließen ist weiterhin ein entscheidendes Moment in der erfolgreichen
Projektsteuerung. Es ist allerdings nicht mehr ausreichend, um hochkomplexe,
dynamische und parallel ablaufende Veränderungsprojekte erfolgreich zu steuern. Mit den
Projekten der digitalen Transformation geht zwingend auch ein Kulturwandel einher, der
anders methodisch aufgegriffen werden muss und für den das agile Projektmanagement
zu einseitig und zu kurz greift. Das Projektmanagement muss daher an dieser Stelle
weiterentwickelt werden, um auch die Komponente der dynamischen und hochkomplexen
Verdichtung von strukturverändernden Projekten angemessen Sorge zu tragen.
Am Beispiel der Einführung von digitaler Aktenführung eröffnet dieser Ansatz für
Mitarbeitende die Partizipation an der Ausgestaltung des zukünftigen Arbeitsplatzes. In
der Projektdurchführung sind Projektleitende und -mitarbeitende gleichermaßen von
externen und internen Abhängigkeiten betraut. Mit der prozessualen Optimierung bin zu
digitalen Soll-Prozessen gehen Grundsatzfragen und Konflikte einher.
Unterschriftenwege müssen hinterfragt und ggf. neu definiert werden. Die neue
Prozessführung und Rollendefinition erfordert mitunter eine Veränderung in der Macht-
und Informationsstruktur von Führungskräften, die zu Konflikten führen kann. Mit der
prozessorientierten Ausrichtung von eAkten werden klassische Linienstrukturen
aufgeweicht. Mitarbeitende, die bislang eher den eigenen Spezialbereich im Blick hatten,
204 Kendra Pöhlmann und Julia Hodapp
sehen sich nun der Herausforderungen gegenüber, den Blick auf das ‚große Ganze
richten. Dies verlangt von den Betroffenen ein hohes Maß an Selbstreflexion und
Kommunikationsfähigkeit. Mit einem kollaborativen Ansatz können Projektmitarbeitende
gemeinsam die erforderlichen Anforderungen erarbeiten und in der Prozessabfolge
sinnvoll verorten, auch wenn dies für einen andere Bereich vermeintlich Mehrarbeit mit
sich bringt. Das gemeinsame kollaborative Arbeiten an Projektinhalten ermöglicht (und
erfordert zugleich von) den Beteiligten eigenes Persönlichkeitswachstum in Form von
emotionaler Selbstregulation, Selbstreflexion und Resilienz. In einem besonders
dynamischen Projektumfeld wie in der digitalen Transformation ist es für alle Beteiligten
erforderlich die bestehenden Ambivalenzen auszuhalten und nebeneinander bestehen zu
lassen, und sich zugleich die erforderliche Offenheit und Kommunikationsfähigkeit zu
bewahren. Konflikte sind in der Projektarbeit allgegenwärtig. In Projekten der digitalen
Transformation verdichten sich die konfliktreichen Situationen sowohl quantitativ als
auch qualitativ. Die oben vorgestellten Formate greifen dies gezielt auf und ermöglichen
den (Selbst-)Diskurs und öffnen Raum für Reflexion. Während im agilen
Projektmanagement der Schwerpunkt auf Kommunikation und Feedback/Evaluation liegt,
erweitert das weiterentwickelte transformative Projektmanagement das agile Framework
um Selbstführung, emotionale Regulationsfähigkeit und Selbstreflexion.
Konkrete Praktiken wie z.B. Check-ins, Manual of Me, Rollenklärungen, Team-Manifeste
oder Round-Robin-Formate können helfen, diese Haltung im Projektalltag zu kultivieren.
Entscheidend ist dabei die Übertragbarkeit in den Alltag etwa durch achtsam gestaltete
Meetings, durch eine Führung, die Authentizität und Verletzlichkeit zulässt, oder durch
eine Weiterbildungskultur, die Fehlerfreundlichkeit lebt [PH25].
Die bewusste Förderung dieser Kultur gleicht im wahrsten Sinne keinem Sprint,
stattdessen vielmehr einem Langstreckenlauf. Und dieser Lauf wird zunehmend
notwendig: In einer Welt, die sich im BANI-Zustand befindet brüchig, ängstlich,
nichtlinear und unbegreiflich suchen Menschen nach Halt, Klarheit und Orientierung.
Achtsamkeit und Empathie werden also in diesem Zusammenhang nicht zufällig
zunehmend als Standardstrategie zur Bewältigung empfohlen [Ma24]. Genau hier können
Transformational Skills ansetzen, die auf neurologischer Regulationsfähigkeit, Empathie
und achtsamen Umgang miteinander setzen.
Das Erkennen eigener Denkmuster, fördert Empathie im Umgang mit anderen und
eröffnet Handlungsspielräume jenseits automatisierter Reaktionen. Besonders in
Veränderungsprozessen, in denen Widerstand, Überforderung oder Verunsicherung
häufig auftreten, kann eine auf Reflexion und Introspektion fokussierte Grundhaltung
helfen, individuelle wie kollektive Resilienz zu stärken. Wer den Menschen in seiner
Ganzheit ernst nimmt, stärkt nicht nur persönliche Entwicklung, sondern gestaltet
gleichzeitig den Boden für nachhaltige, transformative Projektarbeit im digitalen Zeitalter
[Pö25b].
Transformational Skills für die digitale und nachhaltige Transformation 205
4 Regulationsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung als
Schlüsselthemen
Die zentrale These dieses Beitrags lautet daher: Nachhaltige digitale Transformation
beginnt beim Menschen und ihren Kompetenzen bei Menschen, die in der Lage sind,
sich selbst zu reflektieren, mit Unsicherheit umzugehen und gemeinsam mit anderen
zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln [Ni20]. Daraus folgt eine Umkehr in der
Perspektive: Persönlichkeitsentwicklung ist kein individuelles Privatinteresse, es ist
vielmehr integraler Bestandteil organisationaler Entwicklung. Transformatives
Projektmanagement ist dabei die Weiterentwicklung des agilen Projektmanagement-
Frameworks, das zu kurz greift, um fundamentale Veränderungen nachhaltig zu
durchzuführen und zu verankern. Im transformativen Projektmanagement wird das agile
Framework um Reflexionsfähigkeit, emotionale Reife und Regulationsfähigkeit erweitert.
Als These lässt sich formulieren, dass Projekte der digitalen Transformation dann
besonders gut gelingen, wenn sie in einem emotional reifen und selbstreflektierten Umfeld
umgesetzt werden.
Dieses Denken wird gestützt durch das Konzept einer dreischichtigen Resilienz [Hu15],
das zwischen den Ebenen Individuum, Team und Organisation unterscheidet. Während
individuelle Resilienz emotionale Stabilität, Selbstfürsorge und persönliche
Stressbewältigung meint, geht es auf Teamebene um gegenseitiges Vertrauen, klare
Kommunikation und ein Bewusstsein für psychologische Sicherheit. Auf organisationaler
Ebene bedeutet Resilienz vor allem: Lernfähigkeit, wertebasierte Führung, strukturelle
Flexibilität und Räume für Entwicklung [Bö24].
Zukunftsweisende Impulse, wie sie etwa Lena Lührmann in ihrer Keynote „ReThinking
Human Potential“ [Lü24] formuliert, betonen, dass es zur Entfaltung menschlichen
Potenzials unkonventionelles Denken, authentische Begegnung und intrinsische
Motivation braucht. Wer sich in Organisationen gesehen und ernst genommen fühlt, wird
bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, Innovation zu wagen und nachhaltige
Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Dies erfordert Führung, die nicht nur KPI-orientiert agiert, sondern Räume für
Entwicklung schafft und den Mut, auch die „weichen Faktoren“ als Schlüssel zum Erfolg
zu erkennen [Ni20].
5 Zusammenfassung
Die hier vorgestellten Konzepte und Impulse eint eine gemeinsame Stoßrichtung: Digitale
und nachhaltige Transformation erfordert Tiefe. Sie gelingt nicht über Tools und
Methoden allein, denn sie benötigt ein neues Verständnis von Kompetenz, Kultur und
Menschsein in Organisationen. Wer sich auf Ansätze wie die IDGs oder
Schlüsselkompetenzen nach BNE einlässt, begibt sich auf eine Reise zu den Grundlagen
von Veränderung: innere Haltung, Selbstkompetenz und sinnorientiertes Handeln.
206 Kendra Pöhlmann und Julia Hodapp
Statt den Raum des Persönlichen vom Berufsleben abzukoppeln, ist es Zeit, die Potenziale
innerer Entwicklung gezielt in Organisationen zu integrieren. Persönlichkeitsentwicklung
ist keine individuelle Privatangelegenheit, sondern ein aktiver Beitrag zur kollektiven
Resilienz und Innovationsfähigkeit. Digitale Transformation gelingt nur dann nachhaltig,
wenn sie auch menschlich getragen ist.
Der Beitrag versteht sich als Einladung: zur Reflexion über das eigene
Führungsverständnis, zur Auseinandersetzung mit der Rolle von Emotionen in
Veränderungsprozessen und zur Entwicklung einer werteorientierten, achtsamen und
zukunftsfähigen Organisationskultur.
Literaturverzeichnis
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208
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 209
Die Table of PM Elements als Wegweiser im post-agilen
Projektalltag
Bernhard Schloß1
Abstract: Inmitten von Transformation, Unsicherheit und Methodeninflation suchen Projektverant-
wortliche nach Orientierung. Die Table of PM Elements bietet einen methodenübergreifenden Ord-
nungsrahmen für kontextsensibles Projektmanagement - ein Methodensystem für Projekte. Der Bei-
trag beschreibt die Entstehung, die Methodenselektion und Systematik der Table und zeigt anhand
ausgewählter Praxisbeispiele ihren Nutzen im post-agilen Projektalltag.
Keywords: Methodik, Orientierung
1 Die Table und ihre Geschichte
Die Grundidee des Projektmanagements ist, dass wir nicht "irgendwie" an das Projektziel
gelangen, sondern möglichst systematisch und professionell. Dafür braucht es Methoden
und Werkzeuge.
Methoden und Werkzeuge sind aber bei Weitem nicht alles. Es gibt drei Säulen erfolgrei-
cher Projektarbeit und Methoden sind nur einer dieser drei. Projekte werden von und für
Menschen gemacht und sie finden immer auch in einem bestimmten Kontext, in einem
bestimmten Umfeld statt. Für erfolgreiche Projektarbeit müssen diese drei Säulen aufei-
nander abgestimmt sein und ineinandergreifen.
Die Methodenvielfalt im Projektmanagement ist riesig. Die Table of PM Elements will
hier Orientierung geben. Ursprünglich entstand die Table durch die systematische Aus-
wertung von Trainingsinhalten, einschlägiger Literatur und gängigen PM-Glossaren. Er-
gebnis war eine Liste von 304 Methoden und Werkzeugen, die für Projekte verschiedener
Branchen relevant sind und sich unabhängig von Standards anwenden lassen. Nischenme-
thoden ohne breitere Praxisrelevanz wurden nicht aufgenommen.
Um die Vielzahl an Methoden handhabbar zu machen, entwickelten wir iterativ Attribute,
die eine Differenzierung ermöglichen: Anwendungsbereich, Nutzerkreis, Aufwand, Wirk-
samkeit und zeitlicher Einsatz im Projektverlauf. Anschließend wurden ähnliche Metho-
den zusammengefasst, um eine kompaktere Darstellung zu erreichen.
1 mail@bernhardschloss.de
210 Bernhard Schloß
Abb. 1: Table of PM Elements2
2 Eine digitale Version der Table inklusive aller Details auf den Kacheln steht zur Verfügung unter:
https://www.table-of-elements.io/assets/downloads/Table_of_PM_Elements.pdf
Die Table of PM Elements als Wegweiser im post-agilen Projektalltag 211
Die Inspiration für die visuelle Umsetzung stammt vom Periodensystem der Chemie: Die
Table ordnet Methoden zweidimensional, gruppiert sie nach Anwendungsfeldern (Pla-
nung & Steuerung, Team & Umwelt, Anforderungen, Qualität & Risiko, Konzepte,
Frameworks) und nutzt Farbcodes für unterschiedliche Methodentypen.
Farblich codiert finden sich typische Projektmanagement-Methoden, allgemeine Manage-
ment-Methoden, Kommunikationswerkzeuge, agile Tools und Kreativitätswerkzeuge.
Die einzelnen "Kacheln" sind wie folgt aufgebaut: Ein Kürzel (abgeleitet aus dem Engli-
schen und der Methodenname. Rechts oben eine subjektive Sternebewertung der Autoren,
der Typ (ob eine Methode eher dem Verstehen dient, der Empathie oder der Umsetzung),
die Nutzer (wird ein Werkzeug von einem Projektmitarbeiter alleine eingesetzt, im Team
oder ist sowohl als auch möglich). Eine Bewertung von Aufwand, Schwierigkeit und
Wirksamkeit und links unten ein Indikator für den Einsatzzeitpunkt (eher zu Beginn eines
Projekts, am Ende oder zeitlos).
Abb. 2 Die Kachel für den Projektstrukturplan (WBS)
Die Übersicht der Table gibt es als Poster. Die kompakten Beschreibungen und Anleitun-
gen, gibt es in der dazugehörigen App "PM Elements" (iOS) bzw. im Buch "Das Metho-
densysteme für Projekte" [SB25]. Derzeit entsteht auch eine umfangreiche Videobiblio-
thek zur Table auf LinkedIn Learning („Projektmanagement-Methoden: Jede Woche
neu“).
Jedes Element ist nach einem einheitlichen Schema dokumentiert: Name, Kürzel, Defini-
tion, verwandte Methoden, Schritt-für-Schritt-Anleitung, Bewertung und Einsatzempfeh-
lungen. Diese Standardisierung unterstützt die reflektierte Auswahl und den bewussten
Einsatz von Methoden. Projektteams können über Attribute filtern, Optionen vergleichen
und Methoden kontextgerecht kombinieren unabhängig davon, ob sie klassisch, agil oder
hybrid arbeiten.
212 Bernhard Schloß
Etwas abweichend von diesem Schema sind die Konzepte und Frameworks am unteren
Rand der Table. Hier sind die Kacheln mit einem spezifischen Symbol versehen und in
der Beschreibung folgt die Bewertung nicht dem gerade beschriebenen Muster sondern
listet Vor- und Nachteile auf.
2 Nutzen der Table of PM Elements
Die Table of PM Elements ist zunächst nur ein grafisches Schema, das die einzelnen
Werkzeuge in einer geordneten Struktur abbildet. Hinter der Table liegt aber ein Metho-
den-Katalog mit strukturierten Beschreibungen aller Methoden und Werkzeuge aus der
Übersicht.
Die Table ist ein pragmatischer Ansatz, um Orientierung zu geben und den Methodenein-
satz zu reflektieren. Indizes, Filter und Volltextsuche erlauben kontextspezifisch eine ge-
zielte Suche.
Die Table ist frei von Dogmatik. Es wird keine Projektmanagement-Methodik/-schule
vorgegeben. Sie hilft, passende Methoden kontextgerecht auszuwählen, situationsgerecht
einzusetzen und bewusst zu kombinieren. Querverweise auf verwandte Methoden zeigen
Alternativen, Ergänzungen oder Vertiefungsmöglichkeiten.
Die Table macht Projektteams handlungsfähig ob klassisch, agil oder irgendwo dazwi-
schen. Gleichzeitig setzt sie aber eine Systematik der Beliebigkeit in der Methodenwahl
entgegen.
Durch die Vielschichtigkeit der enthaltenen Werkzeuge schafft sie Flexibilität im Einsatz
- von resilienter Reaktion bis hin zu zielorientierter Struktur.
3 Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Kontexten
Die Table of Elements lässt sich im Projektalltag (als Nachschlagewerk oder zur Anregung
bei Blockaden, Planungen, Retrospektiven), ebenso einsetzen, wie in Lehre oder Weiter-
bildung, als "Werkzeugkasten" für Lernende oder als Strukturgeber in Seminaren. Auf or-
ganisatorischer Ebene bietet die Table ein gemeinsames Verständnis bei der PM-Einfüh-
rung. Sie ist darüber hinaus customizbar für firmeninterne Prozesse und Sprache.
Nehmen wir einen exemplarischen Anwendungsfall: unklare Rollen und Aufgaben im
Projekt. Welche Bausteine liefert uns hier die Table of Elements?
Da sind die RACI-Matrix und der Role-Model Canvas als Werkzeuge zur Rollenklärung.
Für die Aufgabenklärung finden sich die 3W (Wer macht was bis wann), das Taskboard
oder die Offene Punkte Liste. Bei unklaren Aufgaben im Sinne von Anforderungen sind
wir im Requirements Engineering.
Ein weiteres Anwendungsbeispiel sind mangelhafte Priorisierungen von Aufgaben oder
Problemen. Die Table of Elements hält eine ganze Reihe von Priorisierungswerkzeugen
Die Table of PM Elements als Wegweiser im post-agilen Projektalltag 213
parat: Angefangen von Matrizen zur Priorisierung (Eisenhower-Matrix, MoSCoW-Me-
thode und Wow-how-now-ciao-Matrix), Tools die das Pareto-Prinzip (80-20-Regel) um-
setzen wie die ABC-Analyse oder das Pareto-Chart, das Kano-Modell zur Bewertung von
Anforderungen, bis hin zur Priorisierung in Listenform, z.B. in einer offenen Punkte-Liste.
Nahezu jede Fragestellung im Projekt lässt sich mit der Table bearbeiten, ohne dass ein-
fache Antworten vorgegeben werden. Der systematische Einsatz von Werkzeugen wird
gefördert, das Konzept enthält Anregungen auch aus anderen Bereichen und den verschie-
denen Projektmanagement-Ansätzen von traditionell bis agil.
Und wenn es dann darum geht die einzelnen Werkzeuge konkret einzusetzen, hilft wieder
das standardisierte Beschreibungsformat, das schnell und unkompliziert die Werkzeuge
nutzbar macht und ein gemeinsames Methodenverständnis schafft.
4 Anknüpfung an Post-Agilität, Resilienz und Transformation
Welche Anknüpfungspunkte liefert die Table of PM Elements für Post-Agilität, Resilienz
und Transformation?
Die Table bewegt sich jenseits binärer Denkmodelle (klassisch vs. agil). Sie liefert Orien-
tierung statt Methodenglaube. Sie unterstützt einen reflektierten Methodeneinsatz. Auch
im Zeitalter der Post-Agilität sind agile Methode weiterhin sinnvoll einsatzbar, ebenso wie
traditionelle Werkezeuge oder Werkzeuge aus angrenzenden Disziplinen (Management,
Kommunikation, Kreativität).
Im Sinne von Resilienz sorgt sie für Reaktionsfähigkeit durch Struktur und Reflexion und
unterstützt mit ihren Beschreibungen den Methodeneinsatz.
Für die Transformation liefert sie einen Methoden-Baukasten mit Denkwerkzeugen für
Wandelprozesse und neue Formen der Zusammenarbeit.
Literaturverzeichnis
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214
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 215
Challenges of Integrating Agile Development and Analyti-
cal Quality Assurance
Sven Theobald1 und Christopher Rottmann2
Abstract: Agile development approaches are increasingly used to develop software in many com-
panies that relied on traditional development approaches in the past. Agile is also increasingly uti-
lized to develop safety critical products that need rigorous quality assurance, e.g., in the automotive
domain. The question is if agile development environments and analytical quality assurance are
sufficiently integrated. Initially, eight hypotheses about typical challenges regarding the integration
of agile and analytical quality assurance were proposed by the authors based on their experiences.
These hypotheses are then evaluated with the help of seven expert interviews and a review of rele-
vant literature. Results suggest that analytical quality assurance is indeed insufficiently integrated
with agile development.
Keywords: Agile Software Development, Analytical Quality Assurance, Challenges.
1 Introduction
The size and complexity of software and systems is constantly increasing. Agile ap-
proaches that help to deal with complexity are already dominant in software development
[Fl22][Di21]. Besides the information system domain, agile methods are also increasingly
used when developing embedded software products, safety critical products or in general
products with rigorous quality demands [DT18].
Another aspect of development therefore also gained importance - quality assurance. This
discipline was historically deeply integrated in stage-gate-models, conventional develop-
ment processes, and strict schedules. “Processes, tools, documentation, and following a
plan” were “the cornerstones of rigorous quality assurance and testing practices” [It05].
In sharp contrast to these fundamental requirements, the agile approach emphasizes “in-
dividuals and interactions, customer collaboration, and responding to change”
[It05][Be01]. It clearly favorizes constructive quality assurance methods, while analytical
practices with destructive attitude, such as traditional testing, are almost completely aban-
doned [It05]. In fact, the twelve agile principles contain the word develop five times and
software three times, while quality, test, or validate are not mentioned at all [Be01].
These discrepancies give room to the initial assumption that there might be interface prob-
lems [TD18] due to the different nature of both disciplines. Eventually, we observed that
these problems can decrease the efficiency and motivation in the quality assurance teams
and can cause friction at the interfaces to other domains, such as development or require-
ment engineering. Additionally, due to the decreased efficiency, the pressure on the teams
and associated employees can rise which could lead to a spiral of demotivation.
1 Fraunhofer IESE, Data Science, Fraunhofer-Platz 1, 67663 Kaiserslautern, sven.theobald@iese.fraunhofer.de
2 Gira Giersiepen GmbH & Co. KG, Dahlienstraße 12, 42477 Radevormwald, chriro@gmx.de
216 Sven Theobold und Christopher Rottmann
Thus, based on our experiences of working in and with companies, we derived the follow-
ing hypothesis: Analytical quality assurance is not sufficiently considered and integrated
by the agile approach. As a result, it faces an increased number of challenges when being
executed in an agile environment. This eventually leads to shortcomings and decreased
efficiency in analytical quality assurance. This hypothesis was evaluated in the context of
a master’s thesis [Ro22], by interviewing seven experts and reviewing relevant literature.
The remainder of this paper is as follows: Section 2 provides the background on quality
assurance. In Section 3, we show the research method including the derived sub-hypothe-
ses. The results are shown and discussed in Section 4. Finally, Section 5 concludes the
paper and provides an outlook for future work.
2 Background
Quality assurance (QA) is a discipline whose main concern is to ensure that a product can
deliver the desired maturity on relevant quality characteristics. QA activities can be di-
vided into two major domains: constructive quality assurance (CQA) and analytical qual-
ity assurance (AQA) [Li20]. CQA aims at achieving the desired quality in the intermediate
artifacts. Quality is “built-in” rather than tested at the end. Most agile practices that con-
tribute towards an increased product quality [TD17] can be assigned to CQA. In contrast,
AQA is concerned with the original task of QA: validation of the quality of products to be
released. The difference with respect to traditional QA is that not only the final product,
but also intermediate work results are validated.
While CQA responsibilities are often at least partially taken over by agile teams, AQA is
traditionally executed by specialized validation teams, external to the agile development
team. However, some of the AQA methods are typically also performed by the developers
themselves. This is particularly true for methods which have a strong correlation with the
actual software development, such as code complexity checks or code reviews.
Methods which are applied to higher product levels like system tests or user acceptance
tests are often difficult to perform on team level. Especially when developing complex
products that are composed of several sub-components, most of the higher level AQA
activities are still carried out by specialized teams external to the development. Although
there are frameworks to scale agility throughout an organization that consider the collab-
oration between quality assurance and agile teams [TS20], many agile implementations
have suboptimal interfaces between agile development teams and a traditional quality as-
surance world [TD18].
3 Research Method
This section provides an overview of the derived sub-hypotheses, the process for the con-
duction of the interviews and the literature search, as well as data analysis process.
Challenges of Integrating Agile Development and Analytical Quality Assurance 217
3.1 Derived Sub-Hypotheses
When investigating the interface between Analytical Quality Assurance (AQA) and agile
development, we consider all possible challenges, e.g. related to processes, tools or people.
Eight sub-hypotheses were derived from the initial hypothesis (see Table 1) based on past
experiences of the authors. The goal was to specify each hypothesis with sufficient detail
to enable an evaluation based on the findings of the literature search and expert interviews.
Table 1. Initial hypotheses [Ro22]
Hypothesis
Description
1 Planning
Giving a reliable forecast on overall development effort and cost is very dif-
ficult in (real) agile projects. Forecasting overall AQA effort and cost is even
worse and almost impossible but often still demanded.
2 Test Effort
If a hypothetical project is developed both ways, conventional and agile, the
effort and cost spent on AQA in the agile project is significantly higher.
3 Regression
Agile development potentially promotes regression which makes counter-
measures necessary. Appropriate measures could be installed in CQA but
mostly they are performed as AQA which is very ineffective and expensive.
4 Test Auto-
mation
Test automation is widely accepted as the only way for AQA to keep up with
the fast-paced agile development, but it also introduces new challenges itself.
5 Changes
The agile way of dealing with changes causes a serious decrease in AQA ef-
ficiency due to an excessive amount of rework and duplication.
6 Test Levels
The effects of agile development on AQA are not evenly distributed or uni-
form. Some positive effects apply to activities on levels of lower abstraction
(such as Software Unit Verification), whereas levels with higher abstraction
(such as System Qualification Test) are to a large extent challenging.
7 Tooling
If AQA is not operated in the same tool environment together with related
domains, a lack of synchronization will be the result. The subsequent impli-
cations are especially problematic in agile projects and must be avoided.
8 Safety
The AQA related demands posed by domain specific safety standards/regula-
tions are incompatible or at least difficult to achieve with agile projects.
Expert interviews and a literature search were conducted for elicitation of raw data to con-
firm or reject the main hypothesis based on the defined sub-hypotheses. During the pro-
cess, five additional hypotheses were raised that are described in Section 4.
3.2 Expert Interviews
The interview was divided into two parts (see Table 2). The first part was an open inter-
view aimed at identifying new hypotheses. The second part consisted of a fixed set of
questions to confirm the existing hypotheses.
218 Sven Theobold und Christopher Rottmann
Table 2. Interview Guideline [Ro22]
The target population of the interview study was defined as AQA stakeholders that have
experience at the interface of agile development and traditional AQA. Candidates were
required to comply with the minimum requirements: being a provider to or consumer of
AQA for at least 2 years or executing or managing AQA actively for more than one year;
participating in at least one pseudo-agile project or profound knowledge about agile de-
velopment in theory; participating in at least one traditional project or profound knowledge
about traditional development in theory; having experience in at least one domain.
The convenience sample consisted of seven interview participants that all complied with
the defined requirements. Four candidates have previously worked in at least one agile
project, two candidates reported experience with pseudo agile projects, while one candi-
date knew agile projects only in theory. Traditional projects were done by six candidates,
whereas one candidate only had theoretical experience with traditional development. Five
candidates had more than 3 years of experience with AQA, while 2 candidates had less
than 2 years of experience. In addition, four interviewees had more than five years of work
experience in total. Most candidates were working in the automotive domain (6 out of 7).
The second author executed the interviews from June to August 2022 using the interview
Part One: Open Interview (Candidate Driven)
Objective
Mining of new, undiscovered challenges, issues, or hypotheses from the
candidate without having influenced the candidate by prior interviewer
questions.
Duration
Approximately thirty minutes
Methodology
After the organizational introduction, the interviewer passes control to
the candidate. The candidate is requested to freely report about chal-
lenges and problems related to the combination of AQA and agile de-
velopment that he or she faced in his or her career. If aspects are identi-
fied, the interviewer asks the candidate if the problem/challenge was
solved and if so, which way.
Formalism
Solutions and aspects identified during the open interview are noted
down by the interviewer briefly in the Statement Documentation Sheet
(SDS, see Fig. 1).
Part Two: Hypothesis based Interview (Interviewer Driven)
Objective
Receive confirmation or dissent on the derived hypotheses from Chap-
ter 3, presented by the interviewer.
Duration
Approximately forty-five minutes
Methodology
Lead questions are defined based on the given hypotheses. The ques-
tions are presented by the interviewer and discussed with the candidate.
Formalism
Collected discussion results and potential solutions are also noted down
by the interviewer briefly in the SDS.
Challenges of Integrating Agile Development and Analytical Quality Assurance 219
guideline. The interviews took one hour and twenty-seven minutes on average. Five of the
seven interviews were executed offline as personal meetings. The remaining two inter-
views were held as online meetings using a videoconferencing tool. Generally, all inter-
views were voice recorded complemented with additional handwritten notes including
timestamps, to facilitate the later analysis. A documentation template, hereinafter referred
to as Statement Documentation Sheet (SDS), was used to keep all notes uniform and com-
parable (c.f. Figure 1).
3.3 Literature Search
Complementary to the expert interviews, the second author also executed a literature
search to collect data from scientific literature. The search was conducted in June and July
2022. The search for appropriate literature (English or German, not older than 20 years)
started with a keyword search on Google Scholar, using the following search strings:
[challenges; difficult; problematic] agile testing
[analytical] quality assurance in agile projects
[validation; V&V] in agile
agile vs traditional [testing; validation; analytical quality assurance]
As some of the identified literature was quite generic regarding agile and AQA, a consec-
utive search was performed on the literature that was referenced in relevant sections of the
generic literature. Eventually, the combination of both techniques revealed a set of sources
[It05][Hu04][Pu06][Bl09][Sn13] that were screened to identify new hypotheses (chal-
lenges), solutions, as well as approval or dissent on the existing hypotheses.
3.4 Analysis Process
The audio captions and hand-written notes from the interviews, as well as the identified
literature were examined to extract key statements regarding Agile and AQA. Similar
statements were aggregated into one challenge and documented in the Statement Docu-
mentation Sheet (SDS) (see Figure 1).
Each challenge was further categorized regarding the affected interface (AQA towards the
customer, towards management, towards project leader, towards Product Owner, towards
requirements engineer, towards system engineering, towards software development or to-
wards internal testing). Also, it was classified whether the challenge relates to an artifact
or activity, and whether it relates to the input or output of AQA. If available, solutions for
the challenges were documented.
Finally, each challenge was assigned to one or more hypotheses. A new hypothesis was
added in case the statement did not match an existing hypothesis. Similar challenges that
relate to the same hypothesis were aggregated in one template.
Each hypothesis was then evaluated by the second author based on the related challenges,
rating the agreement of the associated statements of each related challenge with the hy-
pothesis using the following 5-point scale: Direct disagreement -2, indirect disagreement
-1, neutral opinion 0, indirect agreement 1, direct agreement 2. The term indirect applies,
220 Sven Theobold und Christopher Rottmann
whenever a statement does not directly match the description, but it still describes a relat-
able matter that is either similar to or originates from the provided root cause. Finally, the
mean agreement level per source (literature or interview) and hypothesis was calculated
and added to the SDS.
Challenge: Estimation/Planning is difficult in agile projects (Arithmetic Mean: 5/3)
Statements:
“Audits asked us for some kind of planning but the estimation of testing
effort for unknown requirements is just not possible.” (+2)
“Agile and fix deadlines simply do not match.” (+2)
Distributed development makes it unclear in agile projects
who is responsible for what, when. (+1)
Affected Interface: Customer | MGMT | PL | PO | RQE | SE | DEV | TEST
Classification: Artifact or Activity | Input or Output
Associated Hypothesis: Est./Plan | Effort | Regress | Autotest | Changes | Test Level | Tool |
Safety
Solution or Solution Proposal:
Planning in larger scales and more complex projects is proposed
in SAFe as PI (Program Increments).
Fig. 1. Example of SDS after Evaluation
The final agreement level (FAL) for each hypothesis is calculated based on all available
mean agreement levels of different sources with the formula:
()=
(,)
=
: (,)=     
: =      
4 Results and Discussion
Following the given procedure, a total number of seventy-eight statements was docu-
mented and analyzed. The overall distribution between statements from interviews and
those sourced from literature was computed, revealing that interviews constitute the pre-
dominant source of data, slightly surpassing 70% of the total fraction.
The collected statements revealed five further problem hypotheses in addition to the eight
derived sub-hypotheses, namely:
Challenges of Integrating Agile Development and Analytical Quality Assurance 221
Variants: Variants of products are not considered in test case creation, which leads to
problems in AQA.
Trimmed Agile: There is a lack of preparation/transformation ahead of the actual agile
project, trimming agile due to the restrictions caused by upfront planning.
Testing Timeout: Agile is challenging for testing due to rapid release cycles that put
fixed deadlines for testing activities and do not allow extending testing period in case
more defects are found than estimated.
Missing independency: Independency is a fundamental principle of testing; hence a
programming organization should not test their own programs.
Testing Expertise: Software testing requires specific skills and experiences; thus, a pro-
fessional tester is required to perform effectively and efficiently.
A heatmap summarizes the analysis results (see Figure 2). This heatmap shows for each
sub-hypothesis (column) the mean agreement level extracted from each interview (IVx)
and literature (LIx) source (rows). In addition, the final agreement level (FAL) for the
respective sub-hypothesis is shown in the bottom row. The values for the mean agreement
level shown in each cell (and for the FAL values in the bottom row) range from -2 to 2. In
more detail, values between -2 and -1.5 show direct disagreement, values between -1.5
and -0.5 show indirect disagreement, -0.5 to 0.5 represents the neutral opinion, 0.5 to 1.5
the indirect agreement, and 1.5 to 2 the direct agreement. “N/A” shows that the source
does not mention the challenge described in the sub-hypothesis.
Fig. 2. Heatmap with summarized analysis results [Ro22]
Out of the resulting thirteen hypotheses, twelve received at least indirect agreement and
six even direct agreement on average. Based on the qualitative research performed on the
topic, the initially stated hypothesis was corroborated. AQA is indeed insufficiently con-
sidered by the agile approach and transformation, still resulting in numerous problems and
challenges. Practitioners that already experienced inefficiencies in the collaboration of ag-
ile development teams and traditional AQA teams might want to focus on solving the
challenges described in the following five sub-hypotheses that seem to find support in
most sources:
222 Sven Theobold und Christopher Rottmann
Planning: Forecasting AQA effort is very difficult in agile but still demanded.
Test Effort: Better product quality in agile is paid by higher AQA effort.
Regression: Agile promotes regression, and regression related to AQA is expensive.
Changes: Changes in agile projects cause redundant work and duplication in AQA.
Test Levels: Higher level AQA exceedingly suffers from negative effects by agile.
Many of the identified AQA problems were traced back to common root causes. Espe-
cially the agile flexibility combined with high release frequencies and low priority on doc-
umentation negatively impacts the efficiency of many AQA activities, such as planning,
testcase creation, and test automation due to more and redundant effort.
The results obtained from this limited number of interview participants should not be over-
interpreted to depict the challenges of all agile and AQA stakeholders. With a larger sam-
ple size, more of the supposedly diverse situations of agile and AQA teams could be cov-
ered, so that additional hypotheses would most likely be identified until saturation is
reached. Also, the agreement on the existing hypotheses would better represent all practi-
tioners. In addition, since the results heavily rely on data from interviews where the par-
ticipants almost all came from the automotive domain, there is a limited generalizability
of the results to other domains. The rating of the identified statements might sometimes
be subjective, especially when rating the indirect agreement. Newly identified challenges
that were mentioned in later interviews led to the definition of new hypotheses, which then
were not explicitly asked in the previous interviews. This explains why there are fewer
ratings for the new hypotheses.
5 Conclusion and Future Work
With the rise of agile development approaches even in projects where rigorous quality
assurance is required, traditional testing approaches must coexist with fast-paced agile
development. In the context of a master’s thesis, typical challenges at the intersection of
both approaches were investigated. This work proposed eight initial hypotheses about dif-
ferent challenges regarding the integration of agile development environments and analyt-
ical quality assurance. These hypotheses were later evaluated with the help of seven expert
interviews as well as a review of relevant literature.
Five hypotheses can be highlighted as they received agreement over most sources. In ad-
dition, five new challenges were identified. Thus, results suggest that analytical quality
assurance is indeed insufficiently integrated with agile development.
As for future work, consecutive research could try to quantify the identified challenges,
for example with the help of an online survey using the findings of this work. The under-
lying thesis already collected potential solutions for the identified challenges which could
also be reported. Overall, guidelines for the collaboration between agile development and
analytical quality assurance could support practitioners in their daily work.
Challenges of Integrating Agile Development and Analytical Quality Assurance 223
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ference 2004, Hong Kong, 2004.
224
Teil III
Praxisbeiträge
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 227
Agil, um jeden Preis?
Sercan Cevik1
Abstract: Strategische Vorhaben und Transformationen, z.B. zur Digitalisierung schei-
tern in der Mehrzahl der Fälle. Studien und regelmäßige Pressemeldungen belegen dies.
Der Beitrag bietet zu Beginn einen Überblick zu wesentlichen Ursachen. Ein professio-
nelles und flexibles Programmmanagement als möglicher Lösungsansatz wird in Folge
vorgestellt. Speziell werden dabei Unterschiede zu Projektmanagement aufgezeigt, das
den Anforderungen dieser Vorhaben regelmäßig nicht gerecht wird, nicht gerecht werden
kann. Im Kern geht dabei auf die zentrale Bedeutung des erwarteten Nutzens aus dem
strategischen Vorhaben und seine Steuerung von der Strategie hin zur operativen Umset-
zung. Zentral ist es ebenfalls zu Beginn des Vorhabens den Umfang und die Reichweite
richtig einzuschätzen. Dabei geht es nicht darum eine Reihe von Projekten zu koordinie-
ren. Vielmehr sind alle notwendigen Vorhaben und Aktivitäten im Unternehmen auf das
strategische Ziel auszurichten und zu steuern. Besonders gefordert ist dabei die Führungs-
ebene eines Unternehmens. Hierzu wird ein einfaches Vorgehensmodell anhand eines
Fallbeispiels genutzt. Persönliche Erfahrungen aus Praxisvorhaben in IT-Unternehmen
sind Bestandteil des Beitrags.
Der Beitrag unterstützt Sie dabei, strategische Vorhaben von vorneherein richtig einzu-
schätzen und zu organisieren.
Keywords: agil, agiles PM, hybrid, hybride, Frameworks, Vorgehensmodelle
1 cevik.pm, Riehlstr. 7, 90489 Nürnberg, cevik@cevik.pm
228
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 229
Agil gescheitert? Warum agile Transformationen ins Sto-
cken geraten und wie Projekte trotzdem gelingen
Thorsten Nottebaum1
Abstract: Unternehmen nutzen agile Ansätze, um Projekte wirksamer zu gestalten, die
Zusammenarbeit in Teams zu verbessern und flexibler auf Veränderungen reagieren zu
können. In der praktischen Umsetzung zeigen sich jedoch häufig strukturelle, kulturelle
und kommunikative Herausforderungen. Agile Praktiken werden zwar eingeführt, aber
nicht konsequent mit klaren Verantwortlichkeiten, lernfähigen Prozessen und einer ein-
deutigen Zielorientierung verknüpft. Dieser Beitrag untersucht auf Basis verschiedener
Studien und Praxiserfahrungen, welche Faktoren den Erfolg agiler Transformationen prä-
gen und welche typischen Stolpersteine auftreten. Im Anschluss wird mit AlignPRO® ein
post-agiles Betriebsmodell vorgestellt, das in den vergangenen zehn Jahren in Entwick-
lungsprojekten für mechatronische Produkte in den Branchen Automotive, Maschinen-
und Anlagenbau entwickelt und erprobt wurde. Anhand eines Fallbeispiels wird erläutert,
wie ein integriertes Modell aus Rollen, Routinen und Strukturen Projektteams Orientie-
rung, Handlungsspielraum und Ergebnisverantwortung verleiht. Der Beitrag liefert Im-
pulse für ein belastbares, adaptives Projektmanagement in dynamischen Organisations-
umfeldern
Keywords: Post-agiles Projektmanagement, Betriebsmodell, Power Skills, Teamwork,
Product Culture
1 PROJEKTERFOLG GmbH, Am Willgraben 7, 64367 Mühltal, thorsten.nottebaum@projekterfolg.de
230
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 231
Programmmanagement zur Steuerung strategischer Trans-
formationen
Klaus Schopka1
Abstract: Strategische Vorhaben und Transformationen, z.B. zur Digitalisierung schei-
tern in der Mehrzahl der Fälle. Studien und regelmäßige Pressemeldungen belegen dies.
Der Beitrag bietet zu Beginn einen Überblick zu wesentlichen Ursachen. Ein professio-
nelles und flexibles Programmmanagement als möglicher Lösungsansatz wird in Folge
vorgestellt. Speziell werden dabei Unterschiede zu Projektmanagement aufgezeigt, das
den Anforderungen dieser Vorhaben regelmäßig nicht gerecht wird, nicht gerecht werden
kann. Im Kern geht dabei auf die zentrale Bedeutung des erwarteten Nutzens aus dem
strategischen Vorhaben und seine Steuerung von der Strategie hin zur operativen Umset-
zung. Zentral ist es ebenfalls zu Beginn des Vorhabens den Umfang und die Reichweite
richtig einzuschätzen. Dabei geht es nicht darum eine Reihe von Projekten zu koordinie-
ren. Vielmehr sind alle notwendigen Vorhaben und Aktivitäten im Unternehmen auf das
strategische Ziel auszurichten und zu steuern. Besonders gefordert ist dabei die Führungs-
ebene eines Unternehmens. Hierzu wird ein einfaches Vorgehensmodell anhand eines
Fallbeispiels genutzt. Persönliche Erfahrungen aus Praxisvorhaben in IT-Unternehmen
sind Bestandteil des Beitrags.
Der Beitrag unterstützt Sie dabei strategische Vorhaben von vorneherein richtig einzu-
schätzen und zu organisieren.
Keywords: Programme, Programmmanagement, Transformationen, Strategie, Nutzen
1 Projektmanagement Schopka GmbH, Blumenstraße 28, 85774 Unterföhring, klaus.schopka@schopka.com
232
Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle,
Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2025 233
Zwischen Theorie und Praxis: Agilität im Alltag der Atru-
via
Jens Zimmermann1 und Christian Zender2
Abstract: Der Praxisbeitrag untersucht, wie Atruvia als Digitalisierungspartner der Ge-
nossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken den Herausforderungen
einer nachhaltigen Agilisierung begegnet. Im Zentrum steht die Frage, wie Agilität erfolg-
reich und dauerhaft in den Unternehmensalltag integriert werden kann. Die Ergebnisse
zeigen, dass ein strukturell skaliertes Agile Operating Model als verbindendes Element
zwischen Strategie und Umsetzung dient und so eine Brücke zwischen Vision und opera-
tiver Realität schlägt. Theoretische Modelle erweisen sich dabei nur in idealtypischen
„Greenfield“-Situationen als hilfreich. Anhand eines Projekts im Bereich Zahlungsver-
kehr werden konkrete Maßnahmen beschrieben, die sowohl den Aufbau als auch die Ab-
lauforganisation geprägt haben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse liefern praxisnahe
Impulse für andere Organisationen, die Agilität ganzheitlich in ihre Betriebsmodelle in-
tegrieren möchten. Abschließend werden zentrale Erfolgsfaktoren diskutiert, um die Über-
tragbarkeit der Ansätze auf vergleichbare Kontexte insbesondere in Banken sicherzu-
stellen.Der Praxisbeitrag berichtet über die Herausforderungen, denen Atruvia als IT-
Dienstleister der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken im
Umgang mit Agilität begegnet ist, und über die Lösungen, die das Unternehmen entwi-
ckelt hat..
Keywords: Projektmanagement, Operating Model, Skalierte Agilität, Transformation
1 Atruvia AG, Fiduciastraße 20, 76227 Karlsruhe, Jens.Zimmermann@atruvia.de
2 Atruvia AG, Fiduciastraße 20, 76227 Karlsruhe, Christian.Zender@atruvia.de
234