Liebe in Briefen 113
ist immer noch besser als Spanien”.43 Im Allgemeinen wurde betont, dass die
Ehefrauen besser beraten wären, „dieses unbedeutende und elendige Leben” in
Amerika zu verbringen, allerdings versprachen diese Ehemänner weitaus
weniger Glück und Zufriedenheit, als es die Männer des 18. Jahrhunderts taten.
„Hier wird es Euch nicht an der Gnade Gottes fehlen, und es wird Euch besser
gehen als [in Spanien]”, versprach Luis de Cordoba im Jahre 1566.44
Solche Versuche, die Ehefrauen zur Reise zu verlocken, waren nicht immer
erfolgreich und viele Ehemänner reagierten bestürzt auf ihre Ankündigung, nicht
nach Amerika ziehen zu wollen. Nachdem Faustino Fajardos Ehefrau sich
weigerte, nach Cartagena, im heutigen Venezuela, zu reisen, schrieb er:
„Nichts macht mir mehr Freude, ich esse und ich schlafe nicht, noch kann ich meinen
Blick vom Boden erheben, noch ziehe ich feine Kleidung an (…) Als ich erfuhr, dass
Du nicht kommen würdest, legte ich Trauerkleidung an, und ich werde sie tragen, bis
ich sterbe, es sei denn Du kommst hierher, um sie mir auszuziehen (…) Glaube nicht,
dass ich Dich in irgendeiner Hinsicht täuschen könnte, da ich Dir doch all das erzähle,
was ich in meinem Herzen und meiner Seele empfinde (…) Ich selbst habe nicht
geglaubt, dass ich Dich so sehr liebe, aber nun, da Du Dich von mir abwendest, weiß
ich, wie sehr ich Dich schätze, denn wenn es nicht so wäre, empfände ich nicht so viel
Schmerz – Gott weiß, dass ich die Wahrheit sage.”45
Im Jahre 1587 klagte Gaspar Mejía: „Mein Schatz, es ist mein größter
Schmerz, Dich nicht zu sehen, und Dich so weit entfernt zu wissen, obschon
nicht in meinen Gedanken, und es wird mit jedem Tag schlimmer, so dass, so
Gott mich nicht heilen sollte, ich nicht weiß, was aus mir werden soll“.46 Und ein
anderer Ehemann des 16. Jahrhunderts schwor: „Wenn die Flotte ohne Dich
eintreffen sollte, ist mein Leben zu Ende”.47
43 Juan Díaz Pacheco an Ana García Roldan, Mexico, 30. April 1586. In: Enrique Otte
(Hrsg.): Cartas privadas de emigrantes a Indias, 1540-1616. Seville/Jerez 1988, S. 112.
44 Luis de Cordoba an Isabel Carera, Puebla, 5. Februar 1566. In Enrique Otte (Hrsg.):
Cartas privadas de emigrantes a Indias, 1540-1616. Seville/Jerez 1988, S. 147f. Das Zitat
‘dieses unbedeutende und elendige Leben’ ist entnommen aus einem Brief von Luis de
Illescas an Catalina Gutiérrez, Mexico, 24. September 1564. In: Enrique Otte (Hrsg.): Cartas
privadas de emigrantes a Indias, 1540-1616. Seville/Jerez 1988, S. 45.
45 Faustino Fajardo an Josefa de Tapía, Cartagena, 16. Juli 1713. In: Isabel Macías und
Francisco Morales Padrón (Hrsg.): Cartas desde América, 1700-1800. Seville 1991, S. 175f.
Fajardo blieb bis mindestens 1720 ohne seine Ehefrau.
46 Gaspar Mejía an Catalina Domínguez, Zacatecas, 5. Januar 1587. In: Enrique Otte
(Hrsg.): Cartas privadas de emigrantes a Indias, 1540-1616. Seville/Jerez 1988, S. 212.
47 Bartolomé de Morales an Catalina de Avila, Mexico, 1573. In: Enrique Otte (Hrsg.):
Cartas privadas de emigrantes a Indias, 1540-1616. Seville/Jerez 1988, S. 71.