
In dieser Dissertation werden Emissi-
onsreduktionen und die Wirksamkeit
von Klimaschutzmaßnahmen empi-
risch untersucht, wobei ein besonde-
rer Schwerpunkt auf den Verkehrs-
sektor gelegt wird, der einzige Sektor
der EU-27, in dem die Emissionen seit
1990 gestiegen sind. Besonderes Au-
genmerk wird auf Österreich und Lu-
xemburg gelegt, die beide im Vergleich
zu den Werten von 1990 besonders
starke Zuwächse der Verkehrsemissio-
nen verzeichnet haben. Die Reduktion
von Emissionen in diesem Sektor wird
durch die Persistenz der Bestände und
tief verwurzelte soziale Gewohnheiten
erschwert. Die Dissertation gliedert
sich in vier Kapitel, die sich sowohl
thematisch als auch methodisch er-
gänzen und zusammen eine fundier-
te Bewertung von Klimaschutzmaß-
nahmen ermöglichen. Kapitel 1 bietet
empirische Anleitungen zur Identi-
kation und Schätzung wesentlicher
Emissionstreiber in Panels mit großer
Fallzahl (N) und langer Zeitreihe (T).
Es grei Studien in diesen Settings auf
und zeigt, dass eine unzureichende
Berücksichtigung der Datenstruktur
zu fehlerhaen Schlussfolgerungen
und verzerrten Schätzungen führen
kann. Kapitel 2 befasst sich mit der
Bewertung spezischer Maßnahmen
und konzentriert sich dabei auf Öster-
reichs Mix an Maßnahmen seit 1950.
Es werden die eektivsten verkehrs-
bezogenen Maßnahmen identiziert,
wobei deren Interdependenzen und
dynamische Auswirkungen berück-
sichtigt werden. Besonders eektiv
erweisen sich dabei Steuern auf Neu-
wagen und Krastoe. Kapitel 3 wid-
met sich Maßnahmen, die Anreize für
den öentlichen Verkehr schaen und
dadurch den PKW-Gebrauch reduzie-
ren sollen. Als quasi-experimenteller
Rahmen dient das ächendeckende
Nulltarifsystem in Luxemburg, des-
sen Auswirkungen auf die Verkehrs-
emissionen untersucht werden. Dabei
werden komplexe Einussfaktoren
wie die hohe Zahl an Pendlerströmen
sowie COVID-19-bezogene Faktoren
berücksichtigt. Es wird eine 8%-ige
Verringerung der Straßenverkehrs-
emissionen identiziert. Kapitel 4
schließt mit einem Perspektivenwech-
sel. Anstatt zu fragen, welche Maßnah-
men am eektivsten waren, untersucht
es, inwieweit externe Faktoren – wie
milde Winter oder das gesamtwirt-
schaliche Aktivitätsniveau – zu den
jüngsten Emissionsrückgängen in Ös-
terreich beigetragen haben.
Der Energiesektor verursacht mehr
als 75% der weltweiten Treibhausgas-
emissionen, was die Energiewende
zum Kernstück der Klimaschutzmaß-
nahmen macht. Die grundlegende
Transformation bestehender Energie-
systeme stellt private und öentliche
Entscheidungsträger vor eine Vielzahl
neuartiger und komplexer Entschei-
dungsprobleme. Diese kumulative
Dissertation befasst sich mit ausge-
wählten Optimierungsproblemen, die
im Kontext der Energiewende auf-
treten. Sie behandelt strategische und
operative Probleme in den drei klima-
relevantesten Endverbrauchssekto-
ren: Verkehr, Strom und Wärme. Der
erste Teil der Arbeit befasst sich mit
der Optimierung eines emissionsfrei-
en Bussystems. Eine zentrale Heraus-
forderung bei der Umstellung eines
fossil betriebenen Bussystems ist die
kostenoptimale Technologieauswahl
aus einer Reihe möglicher Techno-
logien. Zur Lösung dieses Problems
wurde ein Optimierungsmodell auf
Basis der ganzzahligen linearen Pro-
grammierung entwickelt, das den kos-
tenoptimalen Technologiemix aus fünf
verschiedenen Technologieoptionen
wählt. Das Modell bestimmt die opti-
male, möglicherweise gemischte, Flot-
tenzusammensetzung für ein gege-
benes Bussystem durch Optimierung
der Umlauf- und Ladepläne sowie In-
frastrukturentscheidungen, die die Le-
benszykluskosten des Gesamtsystems
minimieren. Der zweite Beitrag zu die-
sem ema erweitert das ursprüngli-
che Optimierungsmodell um die Um-
weltziele kumulierter Energiebedarf
und Treibhausgasemissionen. Diese
Erweiterung liefert wertvolle neue
Erkenntnisse für die Technologieaus-
wahl, da eine kostenoptimale Lösung
nicht notwendigerweise zu höchster
Ezienz oder geringsten Emissionen
führt. Durch eine Kombination aus
Ökobilanzierung und multikriterieller
Optimierung entstand ein integriertes
Modell, das es erlaubt, den Zielkonikt
zwischen Kosten und Umweltwirkun-
gen zu untersuchen. Die beiden Opti-
mierungsmodelle wurden eingesetzt,
um die optimale Technologieauswahl
für das Umstellungsprojekt der Stadt
Graz zu untersuchen. Um eine fun-
dierte Entscheidungsgrundlage zu
schaen, wurden zentrale Eingangs-
parameter in umfangreichen Szenario-
analysen getestet.
SOWI
NACHHALTIGKEITSPREIS
Evaluating emission reductions in the transport
sector: Empirical contributions Optimization of Decarbonized Energy
and Transport Systems
Dr. Tobias Eibinger
B.A. (Econ.) MSc (Econ.) Dr. Nathalie Frieß
BSc MSc
DOKTORAT DOKTORAT
Institut für
Volkswirtschaftslehre
Institut für
Operations und Information Systems
Betreuer:
Univ.-Prof. Dr.
Hans Manner
Betreuer:
Univ.-Prof. Dr.
Ulrich Pferschy
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