Diskussion
26 | Global View
Aktien gegenüber Anleihen. Das grösste Risiko für dieses Sze-
nario besteht in neuerlichen Inflationssorgen. Die neue Regie-
rung unter Trump plant eine Reihe politischer Massnahmen,
darunter Zölle und eine geringere Immigration, die einen stär-
keren Preisauftrieb nach sich ziehen dürften. Dies würde sich
negativ auf Anleihen auswirken und diese voraussichtlich stär-
ker belasten als Aktien, sollten die Zentralbanken in der zwei-
ten Jahreshälfte wieder auf einen restriktiveren Kurs um-
schwenken.
GV: Herr Cartade, wie haben sich alternative Anlagen 2024
entwickelt, und was erwarten Sie für 2025?
Was alternative Anlagen anbelangt, so gestaltete sich das
Jahr 2024 uneinheitlich, da sich einige Strategien recht gut ent-
wickelten, während sich einige Mainstream-Segmente wie Pri-
vate Equity und Immobilien einem schwierigeren Umfeld gegen-
übersahen und nur mittelmässig abschnitten. Da sich alterna-
tive Anlagen nicht alle in einen Topf werfen lassen, gehe ich ein-
zeln auf die wichtigsten Teilbereiche ein.
Private Equity:
Private Equity hat bereits in der Vergangenheit
bewiesen, dass es öffentliche Märkte langfristig und ungeach-
tet von Konjunkturschwankungen übertreffen kann. 2024 sah
sich der Bereich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert,
da die höheren Zinsen weltweit die Fremdkapitalkosten in die
Höhe getrieben haben, was es den Private-Equity-Managern
erschwert hat, die Ertragsziele zu erreichen. Überdies begren-
zen die anhaltend hohen Bewertungen die Möglichkeiten für
die Ertragsgenerierung durch Bewertungsanstiege. Um die-
sem Umfeld zu begegnen, müssen Manager den Fokus auf
Qualitätsunternehmen mit nachhaltigem Wachstumspoten-
zial und einer geringeren Abhängigkeit von Fremdkapital le-
gen. In Sektoren wie künstliche Intelligenz, Gesundheit, Si-
cherheit und Fintech bieten sich weiterhin Wachstumschan-
cen. Es besteht nach wie vor Optimismus darüber, dass sich
die Wertentwicklung im Zuge der Marktstabilisierung verbes-
sert, sodass Private Equity 2025 potenziell stärker abschnei-
den könnte.
Private Credit:
Der Private-Credit-Sektor behauptete sich
2024 gut und erzielte solide Erträge. Zu verdanken war dies
den variabel verzinslichen Strukturen, die gut an steigende
Zinsen angepasst sind. Angesichts der niedrigen Ausfallquo-
ten und des stabilen Wirtschaftswachstums gestaltete sich
der Ausblick positiv, wenngleich die Zahl der Ausfälle im
Falle einer Konjunkturverlangsamung zunehmen könnte.
Die Regionalbankenkrise im Jahr 2023 hatte lang anhal-
tende Folgen für die Kreditvergabepraktiken und zog ein
strengeres Bilanzmanagement sowie strengere Kreditverga-
bestandards bei traditionellen Finanzinstituten nach sich.
Das dadurch entstehende Vakuum konnten Private-Credit-
Manager für sich nutzen, um Unternehmen mit begrenzten Fi-
nanzierungsmöglichkeiten Kapital zur Verfügung zu stellen.
Da die Renditen im Bereich der direkten Kreditvergabe nach
wie vor höher ausfallen als jene anderer Arten von liquiden
festverzinslichen Anlagen und die in der Branche zum Einsatz
kommenden Kreditbedingungen mehr Schutz bieten, dürfte
Private Credit auch weiterhin attraktive risikobereinigte Er-
träge erzielen.
Immobilien:
Gewerbeimmobilien haben sich gemischt entwi-
ckelt, wobei der Bürosektor mit erheblichen Schwierigkeiten
konfrontiert war. Grund waren der anhaltende Home-Office-
Trend sowie die hohen Zinsen, welche Abwärtsdruck auf die
Bewertungen ausüben. Während Büroimmobilien nachgaben,
entwickelten sich andere Segmente wie Industrie, Einzelhan-
del und Gastgewerbe positiver. Mit Blick auf 2025 ergeben
sich Chancen durch die Diversifizierung der Engagements hin
zu Sektoren wie Industrie, Mehrfamilienhäuser und Life Sci-
ences, die sich nach wie vor durch Widerstandskraft aus-
zeichnen. Die Herausforderungen am Büromarkt dürften zwar
anhalten. Erfahrenen Anlegern könnten sich aber Gelegenhei-
ten bei ausgewählten Objekten mit Bewertungsabschlägen
bieten.
Hedgefonds:
Hedgefonds erzielten Anfang 2024 erhebliches
Alpha, da die makroökonomischen Faktoren weniger schwer
wogen als die Fundamentaldaten des Marktes. Dieser Trend
dürfte sich bis 2025 hinein fortsetzen und für Gelegenheiten
über verschiedene Strategien hinweg sorgen. Hedgefonds
werden oftmals missverstanden aufgrund der breiten Palette
an Strategien, die zum Einsatz kommen und von denen jede
eine einzigartige Rolle innerhalb eines diversifizierten Portfo-
lios spielt. Makro- und marktneutrale Strategien erscheinen
angesichts der anhaltenden Unsicherheit am Markt und der
geopolitischen Risiken besonders vielversprechend. Hierbei
handelt es sich um defensive Strategien, bei denen die Mana-
ger in der Lage sind, Alpha mittels Long- wie auch Short-Posi-
tionen, die eine geringe Korrelation zu den Entwicklungen am
breiteren Markt aufweisen, zu generieren.
GV: Und wie dürfte sich 2025 Ihrer Meinung nach gestalten?
Während viele alternative Anlagen auf langfristige Gewinne
ausgerichtet sind, kann ihre Aufnahme in ein diversifiziertes
Portfolio für Ertragssteigerungen und eine Verringerung der
Volatilität sorgen. Private Equity, Private Credit und Immobilien
tragen zusammen genommen zur Alpha-Generierung sowie der
Risikominderung und somit zu einer solideren Portfolioentwick-
lung bei. Im aktuellen Zyklus sind insbesondere Sekundäranla-
gen hervorzuheben. Nach dem Abschwung im Jahr 2022 wie-
sen zahlreiche institutionelle Investoren aufgrund der schwa-
chen Entwicklung an den öffentlichen Märkten ein zu starkes
Engagement bei Private Equity auf – dieses Phänomen ist als
„Denominator-Effekt“ bekannt. Dies versetzte Manager von Se-
kundäranlagen in die Lage, Qualitätspapiere mit attraktiven Ab-
schlägen zu erwerben. Indem sie Vermögenswerte über ver-
schiedene Branchen, Regionen und Jahrgänge hinweg auswäh-
len, können diese Manager Portfolios zusammenstellen, wel-
che Kapital schneller ausschütten und einen stärkeren Ab-
wärtsschutz bieten.