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Global View
Jahresausblick 2025
Umschlag: Juan-de-Fuca-Strasse zwischen Kanada und den Vereinigen Staaten
Inhalt
Vorwort
Politische Entscheidungen werden die Finanzmärkte 2025 prägen 5
Wirtschaftsausblick
Disruptive politische Veränderungen voraus 7
Währungsstrategie
Trumps Politik dürfte einen starken Dollar bedingen 11
Zinsstrategie
Eine stärkere Lockerung der Fiskalpolitik führt zu weniger Zinssenkungen 13
Schwellenländer
Gefahr eines Handelskriegs trübt Perspektiven für Schwellenländer 17
Aktienstrategie
Ein herausforderndes Jahr steht bevor 19
Diskussion
Investieren in einem neuen politischen Umfeld 23
Markt- und Prognoseübersicht 28
Vorwort
Global View | 5
Vorwort
Politische Entscheidungen werden die
Finanzmärkte 2025 prägen
Sehr geehrte Leserinnen und Leser
Im Jahr 2024 hielten acht der weltweit bevölkerungsreichsten
nder Wahlen ab. Daher werden die politischen Entscheidun-
gen im nächsten Jahr einen deutlich stärkeren Einfluss auf die
Richtung der Finanzmärkte haben als dies üblicherweise der Fall
wäre. Positiv zu werten ist die Hoffnung, dass die Kriege in der
Ukraine und im Nahen Osten durch Friedensabkommen beendet
werden könnten, was potenziell niedrigere Ölpreise und Risi-
koprämien zur Folge hätte. Darüber hinaus rften die von der
neuen US-Regierung anvisierten Steuersenkungen und Deregu-
lierungsmassnahmen das Gewinnwachstum der Unternehmen
beflügeln und glicherweise andere nder dazu ermutigen,
vergleichbare Schritte zu ergreifen. Strukturelle Reformen, die
das Wachstumspotenzial stärken, sind insbesondere in Europa
vonnöten, da die Region den USA und China seit Jahren hinter-
herhinkt. China wird sich indes entscheiden müssen, wie die
Wirtschaft am besten angekurbelt werden kann, da die beste-
henden strukturellen Probleme im Immobiliensektor des Landes
ansonsten das Verbrauchervertrauen weiter trüben und ein ver-
haltenes Wachstum nach sich ziehen würden.
Es bestehen aber auch erhebliche politische Risiken. Die protek-
tionistischere Weltanschauung des designierten US-Psidenten
Trump könnte in einigen Regionen der Welt r ein Machtvakuum
sorgen. Eine Verschiebung der geopolitischen Machtverhältnisse
verläuft nur selten reibungslos, und ein Mangel an international
anerkannten Vorschriften geht in der Regel zulasten kleinerer
nder. Letztere würden zudem am stärksten von einem neuer-
lichen globalen Handelskrieg in Mitleidenschaft gezogen, da sie
r gewöhnlich stärker auf den Aussenhandel angewiesen sind
und im Falle eines Konflikts nur über begrenzte Verhandlungs-
macht verfügen. Höhere lle auf Einfuhren aus China oder von
anderen Handelspartnern würden auch den USA selbst schaden,
da dies voraussichtlich einen Anstieg der Verbraucherpreise zur
Folge hätte. Es wird oftmals ausser Acht gelassen, dass here
lle mit höheren Produktionskosten im Inland einhergehen, da
sich die importierten Ausgangsstoffe ebenfalls verteuern. Ange-
sichts der höheren Inflation würde ein globaler Handelskrieg es
den Zentralbanken erschweren, die Zinsen im Falle eines Wirt-
schaftsabschwungs zu senken. All dies tte eine volatilere Welt-
wirtschaft sowie ein höheres Risiko einer Rezession zur Folge.
In unserem Basisszenario für die nächsten zwei Jahre gehen wir
aber von einer günstigeren Wirtschaftsentwicklung aus. Die US-
Wirtschaft steuert weiterhin auf eine weiche Landung zu, in de-
ren Rahmen die Überkapazitäten am Arbeitsmarkt ein modera-
teres Lohnwachstum und eine geringere Teuerung nach sich zie-
hen. Wir sind überdies der Ansicht, dass die klare Unterstützung
der Wahlbevölkerung für die neue US-Regierung und die Aussicht
auf niedrigere Steuern zu höheren Investitionsausgaben und ei-
nem stärkeren privaten Konsum in den kommenden Monaten
hren könnten. In einem solchen Szenario re aber mit weni-
ger Zinssenkungen seitens der Fed zu rechnen als ursprünglich
angenommen. Höhere Zinsen dürften den Immobiliensektor be-
lasten, was wiederum ein langsameres Wachstum in der zweiten
Hälfte des nächsten Jahres bedingen könnte.
Die Aktienmärkte würden in unserem Basisszenario von einem
stärkeren Gewinnwachstum profitieren. Wir sind uns allerdings
bewusst, dass sie bereits hohe Bewertungen aufweisen, insbe-
sondere in den USA. Aus diesem Grund rechnen wir im chsten
Jahr nur mit einstelligen Erträgen. Die Anleihenmärkte sind wei-
terhin attraktiv, da die vergleichsweise hohen Renditen einen gu-
ten Schutz gegen eine Reihe von Risiken bieten, darunter eine
Verschlechterung der Haushaltslage in den USA. Wir gehen da-
von aus, dass die Leitzinsen in den meisten anderen Währungs-
umen schneller sinken werden. Der höhere Zinsunterschied
rfte dem US-Dollar daher in den kommenden Quartalen Unter-
stützung bieten.
In einem Umfeld, in dem die Entwicklungen an den Finanzmärk-
ten in hohem Masse von politischen Entscheidungen abhängen,
ist Vorsicht ebenso wichtig wie die higkeit, die Portfolio Alloka-
tion rasch an neue Gegebenheiten anzupassen. Wir bleiben fle-
xibel und sind bereit, diese Entscheidungen zum Wohle unserer
Kunden zu treffen.
Mit freundlichen Grüssen
Dr. Karsten Junius, CFA
Chief Economist
Wirtschaftsausblick
Global View | 7
Wirtschaftsausblick
Disruptive politische Veränderungen voraus
Die US-Wirtschaft hat die Erwartungen der meisten Ökonomen in diesem Jahr über-
troffen. Es ist durchaus denkbar, dass das Wachstum in den nächsten Quartalen an-
gesichts der guten Fundamentaldaten und des Spielraums r weitere Deregulierun-
gen und Steuersenkungen weiter stark ausfällt. Der mittelfristige Ausblick für die
US- wie auch die Weltwirtschaft gestaltet sich indes deutlich unsicherer, wobei po-
tenzielle Handelskriege das grösste Abwärtsrisiko für unseren Ausblick darstellen.
Insbesondere Europa ist schlecht gerüstet, um einer Weltordnung, die durch stär-
kere Konfrontationen geprägt ist, zu begegnen. Die Region verfügt zwar theoretisch
über die nötigen Werkzeuge, sich entsprechend anzupassen. Ihr mangelt es derzeit
aber an Einheit und politischer Führungsstärke.
Raphael Olszyna-Marzys
International Economist
Die US-Wirtschaft hat die Prognosen der meisten Ökonomen in
diesem Jahr übertroffen. Obschon die meisten Analysten (uns
eingeschlossen) in ihrem Ausblick für 2024 von einer mögli-
chen Rezession in den USA ausgegangen waren, wuchs die dor-
tige Wirtschaft über weite Strecken des Jahres um rund 3%.
Diese Widerstandskraft ging auf eine starke Zunahme der Im-
migration zurück, die als positiver Angebotsschock fungierte
und so das Wachstum beflügelte sowie dazu beitrug, die Infla-
tion einzudämmen. Überdies ist die Produktivität im Laufe der
vergangenen Jahre deutlich gestiegen, was wohl der besseren
Ressourcenallokation sowie der zunehmenden Verbreitung von
KI-Technologien zu verdanken ist. Dagegen fiel das Wirt-
schaftswachstum in den meisten anderen Regionen rund um
den Globus wie erwartet verhalten aus. Die Inflation hat nach-
gelassen, was weitgehend auf die schwache Nachfrage in vie-
len Regionen und den stark disinflationären Effekt der Entspan-
nung in den Lieferketten zurückzuführen ist. Dadurch sind die
Zentralbanken in der Lage, ihre restriktive Geldpolitik allmäh-
lich zu lockern, wobei immer mehr Zinssenkungen in Regionen
mit besonders schwachem Wachstum vorgenommen werden.
Die Bank von Japan stellt diesbezüglich jedoch eine Ausnahme
dar, denn sie konnte aufgrund des starken Lohnwachstums
und der sich verändernden Preiserwartungen von ihrer seit
Langem bestehenden, ultralockeren Geldpolitik abrücken und
die Zinsen anheben. Mit Blick auf die Zukunft schätzen wir die
Aussichten für die nächsten zwei Jahre weiter positiv ein. Der
US-Wirtschaft dürfte eine „weiche Landung“ gelingen und das
Wachstum in Europa sollte etwas an Fahrt aufnehmen, begüns-
tigt durch niedrigere Zinsen und Inflation. China rfte indes
Massnahmen verabschieden, um die offiziellen Wachstumsziele
zu erreichen. Die republikanische Mehrheit in der Exekutive und
der Legislative der USA deutet jedoch auf mögliche signifikante
und disruptive politische Veränderungen unter der neuen Re-
gierung hin.
Ein starkes Mandat für eine veränderte politische Agenda
Die US-amerikanische Wahlbevölkerung hat dem designier-
ten Präsidenten Trump ein starkes Mandat zur Verwirklichung
der von ihm im Rahmen der Wahlkampfkampagne skizzierten
politischen Massnahmen gewährt. Diese sehen Steuersen-
kungen, eine geringere Immigration, höhere Zölle zur Verrin-
gerung der Abhängigkeit von Importen und einen stärker
transaktionsbezogenen Ansatz in Bezug auf die Aussenpolitik
vor. Angesichts der vollständigen Kontrolle über die Regie-
rung, der Mehrheit der konservativen Richter im Supreme
Court und weiteren Ernennungen von Richtern hrend der
Amtszeit Trumps verfügt seine Regierung über ausreichend
Spielraum, ihre Agenda umzusetzen. Die Finanzmärkte prei-
sen bereits die möglichen Auswirkungen dieser politischen
Massnahmen ein. Die Zinsen sind gestiegen, die Renditekur-
ven haben sich versteilt, Aktien haben eine Rally verzeichnet,
Bitcoin hat einen neuen Höchststand erreicht und die Roh-
stoffpreise, darunter jene für Rohöl und Gold, sind gesunken,
hrend der US-Dollar aufgewertet hat. Darin kommt Zuver-
sicht darüber zum Ausdruck, dass Trump sein Ziel einer Sen-
kung der Körperschaftssteuern und der Deregulierung wichti-
ger Sektoren erreichen rfte, was die Unternehmensge-
winne beflügeln rde. Gleichzeitig strebt er eine Verlänge-
rung der in seiner ersten Amtszeit eingeführten Steuersen-
kungen für Privatpersonen an, was das Wachstum zulasten
höherer Haushaltsdefizite stützen rde. Der Markt rechnet
überdies mit einigen Zollerhöhungen auf Importen. Dadurch
rde die Inflation steigen und der Dollar als Folge aufwerten.
Auf kurze Sicht entsprechen diese Entwicklungen unseren Er-
wartungen, da die Deregulierungsbestrebungen und die be-
absichtigte Verlängerung der im Zuge des Tax Cuts and Jobs
Act (TCJA) von 2017 vorgenommenen Steuersenkungen über
ihre Ablauffrist 2025 hinaus breite Unterstützung unter den
Republikanern geniesst.
Wirtschaftsausblick
8 | Global View
Trumps Agenda birgt Konfliktstoff
Der mittelfristige Ausblick gestaltet sich ungewiss. Bei den von
Donald Trump angekündigten politischen Massnahmen offen-
baren sich Widersprüche, die noch aufgelöst werden müssen.
Sollen die Zölle beispielsweise dazu dienen, das verarbeitende
Gewerbe im Inland und das Wachstum allgemein anzukurbeln,
ist eine grössere Erwerbsbevölkerung unabdingbar, um die Pro-
duktion aufrechtzuerhalten. Angesichts des begrenzten Ar-
beitskräfteangebots würden eine deutliche Reduzierung der
Immigration und die angekündigte Ausweisung von Zuwande-
rern ohne Aufenthaltsgenehmigung einen Wirtschaftsrückgang
und Aufwärtsdruck auf die Preise nach sich ziehen.
Die Haushaltsdefizite dürften steigen
Quelle: CRFB, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Sollten die Zölle dagegen hauptsächlich als Druckmittel für Zu-
geständnisse von Handelspartnern eingesetzt werden eine
Möglichkeit, die die Finanzmärkte scheinbar ausser Acht las-
sen , würde das Haushaltsdefizit sogar noch stärker steigen.
Das unabhängige «Committee for a Responsible Federal Budge
geht in seinem Basisszenario davon aus, dass eine Verlänge-
rung der 2017 vorgenommenen Steuersenkungen zusammen
mit den während der Wahlkampfkampagne versprochenen zu-
sätzlichen Steuersenkungen das Defizit um drei Prozentpunkte
des BIP erhöhen würde. Zölle und weitere vorgeschlagene Kos-
tensenkungsmassnahmen würden dies nur zu einem Bruchteil
auffangen, sodass das Defizit in den nächsten Jahren auf über
8.5% des BIP steigen würde (verglichen mit rund 6% unter der
aktuellen Regierung). Sollten die Zölle jedoch als Verhand-
lungsinstrument eingesetzt werden, könnte das Defizit sogar
auf 9% ansteigen, sofern alle Steuersenkungen umgesetzt wer-
den. Im negativsten Szenario des Ausschusses wird sogar ein
Defizit von fast 11% prognostiziert. Diese Aussichten dürften
bei den traditionellen republikanischen Kongressabgeordne-
ten wohl weniger gut ankommen. Sollten sie die beabsichtigten
Massnahmen doch durchwinken, könnten die Anleiheinvesto-
ren auf die Barrikaden gehen und deutlich höhere Renditen als
Ausgleich für das fiskalische Risiko verlangen.
Die US-Wirtschaft hat keine Kapazitätsreserven
Quelle: Macrobond, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
In Anbetracht dieser Einschränkungen ist wohl mit einer Ver-
ngerung der im Zuge des TCJA vorgenommenen Steuersen-
kungen von denen die meisten Ende 2025 auslaufen zu
rechnen, um eine fiskalische Straffung im Jahr 2026 und dar-
über hinaus zu vermeiden. Die rperschaftssteuer könnte
noch etwas stärker gesenkt werden. Der Kongress wird weite-
ren Steuersenkungen aber wohl nur bei deutlichen Zollerhö-
hungen oder starken Ausgabenkürzungen bei Programmen wie
Medicaid, Lebensmittelmarken und Wohngeld zustimmen. In
diesem Fall würde Trumps fiskalische Agenda auf regressive
Steuersenkungen hinauslaufen, die zum Teil durch regressive
Steuererhöhungen ausgeglichen werden. Der fiskalische Multi-
plikator könnte somit vergleichsweise gering ausfallen, da ein-
kommensschwächere Haushalte, die tendenziell einen höhe-
ren Anteil ihres Einkommens ausgeben, insgesamt schlechter
gestellt sein könnten. Alles in allem ist ein Anstieg des Defizits
schon beinahe Gewissheit, was potenziell höhere Zinsen zur
Folge hat. Wie umfangreich diese Anstiege und der fiskalische
Impuls ausfallen, wird von den Kompromissen abhängen, die
die Regierung und der Kongress eingehen. Da der neue Geset-
zesentwurf aber wahrscheinlich im Rahmen des jährlichen
Haushaltsabstimmungsprozesses verabschiedet wird, würden
die entsprechenden Bestimmungen erst Anfang 2026 in Kraft
treten.
Universelle Zölle wären äusserst schädlich
Donald Trump hat in Aussicht gestellt, Zölle in Höhe von bis zu
60% auf Einfuhren aus China und von 10-20% auf Waren aus
dem Rest der Welt zu erheben. Damit würde der effektive Zoll-
tarif von 2.5% auf rund 18% und damit den höchsten Stand seit
den 1930er-Jahren steigen. Damals stürzten die hohen Zölle
die Weltwirtschaft in eine Depression. Doch genauso wie die
hrend der Wahlkampfkampagne versprochenen Steuersen-
kungen dürften auch derartige umfassende Zollerhöhungen
nicht in Gänze umgesetzt werden. Darüber hinaus könnte die
neue Regierung mit universellen Zöllen abwarten, bis sich
6.8
6.3
8.5 10.7
0246810 12
Trump
Baseline
(CBO)
Low Central High
Average deficit % of GDP over next 10 years - baseline vs. Trump's proposals
CRFB scenarios deficit next 10 years:
Wirtschaftsausblick
Global View | 9
2026 die potenziell stimulierende Wirkung der haushaltspo-
litischen Massnahmen einstellt. Dabei sollte jedoch beach-
tet werden, dass gezielte Zölle zwar in bestimmten llen
aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht sinnvoll sein können,
in der Regel aber keine gute politische Entscheidung darstel-
len. Zölle wirken disruptiver als eine Verbrauchssteuer, da
sie Produktionsentscheidungen verzerren und die Verbrau-
cherpreise ankurbeln. Der Protektionismus begrenzt die Vor-
teile des Handels, da dadurch Importe und inländische Al-
ternativen r die Verbraucher teurer werden, hrend
gleichzeitig einheimische Hersteller aus Bereichen mit Wett-
bewerbsvorteilen verdngt werden. Universelle Zölle wür-
den die Kosten r alle Importe in die Höhe treiben und da-
mit die Wettbewerbshigkeit der USA im Hinblick auf Ex-
porte schwächen. Studien belegen, dass die fher von
Trump erhobenen Zölle auf Stahl und Aluminium einen ho-
hen Nettoverlust an Arbeitsplätzen im verarbeitenden Ge-
werbe sowie zusätzliche indirekte Kosten verursacht haben.
Schätzungen im Rahmen von Wirtschaftsmodellen wie jenem
des IWF und des «Peterson Institute for International Econo-
miczufolge könnten pauschale Zölle in Höhe von 10% das
US-BIP über zwei Jahre hinweg um rund 1% schmälern und
die Inflation um einen halben Prozentpunkt erhöhen, worun-
ter das verarbeitende Gewerbe am stärksten leiden würde.
Politische Kompromisse werden für Unsicherheit sorgen
Zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht genau vorhergesagt wer-
den, wie diese verschiedenen Spannungen bewältigt werden.
Es lassen sich jedoch einige Beobachtungen mit einer gewis-
sen Zuversicht anstellen. Zum einen entwickelt sich die US-
Wirtschaft weiterhin äusserst dynamisch, gestützt durch die
soliden Bilanzen im Privatsektor, was auf kurze Sicht gegen
einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit spricht. Die Er-
wartungen hinsichtlich Steuersenkungen und Deregulierung
könnten sogar die Stimmung und die Unternehmensinvestiti-
onen beleben, wodurch die kurzfristigen Wachstumsaussich-
ten zusätzlich beflügelt rden. Zum anderen dürfte sich die
Inflation hartnäckiger halten als dies bei einem anderen
Wahlausgang der Fall gewesen wäre. Die Federal Reserve
könnte daher unter Umständen nicht in der Lage sein, im
nächsten Jahr umfangreiche geldpolitische Lockerungsmass-
nahmen vorzunehmen (wenn überhaupt). Im Falle einer Eska-
lation der Handelsspannungen muss die Notenbank vielleicht
sogar eine straffere Geldpolitik beibehalten als dies ansons-
ten der Fall gewesen wäre, da der Inflationsdruck infolge des
Preisanstiegs nach der Pandemie nach wie vor Bestand hat.
Des Weiteren dürften die in dieser Agenda ersichtlichen poli-
tischen Kompromisse die Unsicherheit im Hinblick auf die Po-
litik erhöhen und damit für stärkere Volatilität in Bezug auf
Konjunktur und Finanzmärkte sorgen.
Europa in der Zwickmühle
Der Ausblick für Europa gestaltet sich schwierig. Obschon mit
einer moderaten Konjunkturerholung im Zuge der sinkenden
Zinsen gerechnet wird, ist die Region weiterhin schlecht für
die sich wandelnde Weltordnung gerüstet. Die starke Abhän-
gigkeit vom Handel macht sie besonders anfällig für Handels-
konflikte. Die Europäische Union (EU) beruht auf den Grunds-
ätzen der Offenheit, des freien Handels und der Rechtsstaat-
lichkeit sowie auf internationalen Institutionen, die diese
Grundsätze aufrechterhalten Werte, die in den letzten Jah-
ren zunehmend unter Druck geraten sind. Dieser Druck wird
noch stärker zunehmen, wenn Donald Trump wieder in das
Weisse Haus einzieht. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall,
dass die US-Regierung vornehmlich China ins Visier nimmt,
rden auch europäische Unternehmen in Mitleidenschaft
gezogen, da sie sich sowohl im Inland als auch an Drittmärk-
ten in einen Wettbewerb mit günstigen chinesischen Anbie-
tern gezwungen sähen.
Europa ist stark vom globalen Handel abhängig
Quelle: Eurostat, Weltbank, Macrobond, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Europa ist aber alles andere als machtlos. Der Binnenmarkt der
Region ist einer der grössten weltweit, und wie der Draghi-Be-
richt sowie viele weitere vor ihm darlegt, könnte die EU er-
hebliche Produktivitätssteigerungen erzielen, wenn sie diesen
Markt stärkt. Dies könnte durch Initiativen wie einer tatsächli-
chen Energie-, Banken- und Verteidigungsunion erreicht wer-
den. Diese Schritte erfordern nicht zwangsläufig zusätzliche Fi-
nanzmittel, sondern Einigkeit und Führungsstärke zwei Merk-
male, denen es der Region derzeit schmerzlich mangelt. Die
Optimisten könnten anführen, dass Europa in der Regel ge-
stärkt aus Krisenzeiten hervorgeht. Dies trifft zwar grösstenteils
zu, bedeutet aber auch, dass sich die Lage erst einmal ver-
schlechtern müsste, bevor sie sich bessert.
*) Extra EA trade: Calculation based on Eurostat study "International trade in
goods a statistical picture", April 2024
Währungsstrategie
Global View | 11
Währungsstrategie
Trumps Politik dürfte einen starken Dollar
bedingen
Seit Anfang Oktober hat der US-Dollar deutlich aufgewertet, da sich der Markt all-
mählich für einen Sieg Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen wappnete. Da die
Republikaner nun die Mehrheit im Kongress halten, dürfte sich die US-Währung in
den kommenden Quartalen weiter stark entwickeln. Die von Trump verfolgte Agenda
dürfte das US-Wachstum auf kurze Sicht ankurbeln. Damit einher gehen ein begrenz-
terer Spielraum für Zinssenkungen sowie die Unterstützung für den Dollar aufgrund
des Renditevorteils gegenüber anderen Industrieländerwährungen. Das Umfeld für
den Euro dürfte sich unseres Erachtens in der zweiten Jahreshälfte 2025 aufhellen,
während der Abwärtsdruck auf das Pfund Sterling wohl im Laufe der Zeit zunehmen
wird. Der Schweizer Franken wie auch der japanische Yen dürften sich 2025 gut be-
haupten. Wir behalten unsere positive Haltung gegenüber Gold bei, da die struktu-
rellen Positivfaktoren nach wie vor Bestand haben.
Dr. Claudio Wewel
FX Strategist
Seit Jahresbeginn stellen die Renditen der US-Staatsanleihen
den wichtigsten Treiber der Devisenmärkte dar
Über weite Strecken des Jahres wurde die Währungsentwick-
lung durch die Höhe der US-Zinsen bestimmt. Letztere standen
im Spannungsfeld zweier gegenläufiger Marktnarrative einer-
seits der Annahme, dass die Leitzinsen über längere Zeit hoch
bleiben werden, und der Erwartung umfangreicher Zinssenkun-
gen seitens der Fed. Dies kam im EUR/USD-Wechselkurs zum
Ausdruck, der sich beinahe gleichauf mit der Rendite 10-jähriger
US-Staatsanleihen entwickelte. Zuletzt änderte sich die Erwar-
tungshaltung der Märkte Anfang Oktober, als sich diese allmäh-
lich auf einen Sieg Trumps bei den US-Wahlen einstellten. Die
Leitzinserwartungen und Anleiherenditen in den USA zogen deut-
lich an, was aufgrund des höheren Zinsvorteils eine Aufwertung
des US-Dollars zur Folge hatte. Wie von uns erwartet worden war,
setzte der Dollar seine Rally auch in den Tagen nach der Wahl fort.
Der Renditevorteil dürfte den Dollar auch 2025 beflügeln
Obschon der Dollar teuer bewertet erscheint, dürfte er sich
vorderhand stark entwickeln. Da die von Trump verfolgte Poli-
tik das Wirtschaftswachstum auf kurze Sicht ankurbeln
dürfte, wird sich der Spielraum der Fed für weitere Zinssen-
kungen unserer Ansicht nach in Grenzen halten. Ausserhalb
der USA wird die schwächere Wachstumsdynamik die meisten
Zentralbanken in den Industrieländern dazu veranlassen,
mehr Zinssenkungen vorzunehmen als die Fed. Somit dürfte
der Dollar angesichts seines Renditevorteils gegenüber ande-
ren G10-Währungen sowie des besseren Konjunkturverlaufs in
den USA gut unterstützt bleiben.
EUR/USD-Wechselkurs wird von Marktnarrativen beeinflusst
Quelle: Macrobond, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Die drohenden Zölle dürften die Währungsentwicklung 2025
ebenfalls mitbestimmen
Darüber hinaus dürfte auch die Sorge um Zölle dem US-Dollar
Auftrieb verleihen. Wir glauben, dass die neue Regierung unter
Trump nicht gleich zu Beginn der Amtszeit alle Zölle auf einmal
einführen dürfte, sondern diese gezielt als Druckmittel bei den
Verhandlungen mit Handelspartnern einsetzen wird. Dies
würde sich definitiv auf den Dollar-Wechselkurs auswirken und
für stärkere Währungsschwankungen sorgen. Unseres Erach-
tens hängen die Effekte auf die einzelnen Währungen grössten-
teils von der Verhandlungsstärke der Volkswirtschaften sowie
Währungsstrategie
12 | Global View
der Bedeutung des Handels für diese ab. Angesichts eines ho-
hen Anteils des Handels am BIP ist Europa besonders gefähr-
det. Gleichwohl stellen potenzielle Zölle womöglich gar keinen
so grossen Sorgenpunkt für den Euro dar. Da die EU durchaus
entsprechende Vergeltungsmassnahmen gegen US-Zölle er-
greifen kann, besteht die glichkeit, dass sich beide Par-
teien stattdessen auf eine Art „Dealeinigen. Und selbst wenn
die beiden Regionen in einen Handelskrieg mit gegenseitigen
Strafzöllen eintreten sollten, rden sich die Währungsaus-
wirkungen grösstenteils gegenseitig ausgleichen. Die Wäh-
rungen anderer EU-Länder rften ebenfalls relativ gut vor po-
tenziellen Zöllen geschützt sein, da die Handelspolitik in die
Zusndigkeit der Europäischen Kommission fällt.
Der Welthandel ist für den Euroraum von Belang
Quelle: Eurostat, Weltbank, Macrobond, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Der Ausblick für den Euro gestaltet sich vorderhand verhalten,
das Umfeld dürfte sich im zweiten Halbjahr 2025 verbessern
Abgesehen von potenziellen Zöllen fällt der Ausblick für den Euro
weiter verhalten aus. Die Konjunktur in der Eurozone bleibt ins-
besondere im verarbeitenden Gewerbe schwach. In der zweiten
Jahreshälfte 2025 dürfte es angesichts der niedrigeren Leitzin-
sen zu einer moderaten Konjunkturerholung in der Eurozone
kommen, die den Euro wieder aufwerten lassen dürfte. Die Ent-
wicklung der französischen Staatsverschuldung sollte unseres
Erachtens ebenfalls im Auge behalten werden. Sie könnte eine
neuerliche Weitung der Renditespreads von Staatsanleihen aus
den Peripherieländern zur Folge haben und den Euro belasten.
Dagegen rden politische Entscheidungen, die ein Ende des
Krieges in der Ukraine herbeiführen, positiv auf den Euro wirken.
Das Pfund Sterling dürfte in der ersten Jahreshälfte 2025 gut
unterstützt sein, während sich der Schweizer Franken zuwei-
len schwach entwickeln könnte
Der neue Haushaltsentwurf Grossbritanniens dürfte die
hohe Bewertung des Pfund Sterling auf kurze Sicht stzen,
da höhere Ausgaben für weniger umfangreiche Zinssenkun-
gen sprechen, weshalb die Renditen britischer Anleihen vor-
erst hoch bleiben rften. Dennoch gert das Pfund Ster-
ling weiterhin zu den teuersten hrungen unter den G10-
ndern, sodass es zu einer Abwertung kommen rfte, so-
bald die Märkte ihre Erwartungen hinsichtlich der Zinssen-
kungen der BoE neu bewerten. Unseres Erachtens erscheint
die britische hrung insbesondere gegenüber dem Euro
teuer bewertet. Der Schweizer Franken könnte sich auf
kurze Sicht mit Abwärtsdruck konfrontiert sehen. Da sich
das Wirtschaftswachstum in der Schweiz unter dem Poten-
zialniveau bewegt und die Inflation jüngst überraschend
schwach ausfiel, wird die SNB den Leitzins auf den kommen-
den Sitzungen weiter senken. Gleichwohl rfte die Wäh-
rung wieder anziehen, sobald sich die Leitzinsen der Null-
grenze annähern. Dadurch nimmt auch die Wahrscheinlich-
keit zu, dass die SNB am Devisenmarkt interveniert, um die
hrung zu schwächen.
Der Yen dürfte angesichts der restriktiven Politik der Bank von
Japan schrittweise aufwerten
Wir sctzen den Ausblick r den Yen für das kommende
Jahr konstruktiv ein, das Aufwärtspotenzial dürfte sich aber
in Grenzen halten, da die höheren US-Zinsen die hrung
weiterhin vor Schwierigkeiten stellen. Wir erwarten, dass die
Bank von Japan die Zinsen angesichts des robusten Wachs-
tums und der über dem Zielwert liegenden Inflation weiter
anheben wird. Ein nachlassender Renditenachteil dürfte
dem Yen zugutekommen, selbst wenn die Anpassung nur
langsam verlaufen sollte.
Gold dürfte weiterhin von der strukturellen Nachfrage aus den
Schwellenländern profitieren
Bei Gold ist mit einer weiteren Verteuerung zu rechnen, da
die strukturelle Nachfrage aus den Schwellenndern an-
lt. Aus den Daten für das 3. Quartal geht hervor, dass die
Zentralbankufe weiterhin hoch, aber etwas niedriger aus-
fallen als zu ihrem chststand im Jahr 2023. Daber hin-
aus rfte der chinesische Immobilienmarkt 2025 weiter
unter Druck stehen, sodass mangels anderer Anlagegele-
genheiten eine anhaltend starke Goldnachfrage aus China
zu erwarten ist. Unseres Erachtens wird diese Kombination
aus Positivfaktoren auch weiterhin die Belastung durch ei-
nen stärkeren Dollar und hohe reale US-Renditen ausglei-
chen. Das positive Geschäftsklima und die Anlegerstim-
mung nnten Silber in der ersten Jahreshälfte 2025 zu ei-
ner Überrendite gegenüber Gold verhelfen. Da das Metall in
einer breiten Palette an elektronischen Komponenten zum
Einsatz kommt, ist es gut positioniert, um von Investitionen
in nstliche Intelligenz zu profitieren. Überdies ist es im
Vergleich zu Gold weiterhin attraktiv bewertet.
89
66
55 53
39 39 38 36 36 33
19
0
20
40
60
80
100
CH SE NO CA UK EA* AU NZ JP CN US
Merchandise trade, in % of GDP
*) Extra EA trade: Calculation based on Eurostat study "International trade in
goods a statistical picture", April 2024
Zinsstrategie
Global View | 13
Zinsstrategie
Eine stärkere Lockerung der Fiskalpolitik führt zu
weniger Zinssenkungen
Die Volkswirtschaften der Industrieländer haben sich gegenüber dem deutlichen An-
stieg der Realzinsen als unerwartet widerstandsfähig erwiesen. Eine stärkere Locke-
rung der Fiskalpolitik in den USA und Grossbritannien, die zu einer höheren Inflation
und grösseren Haushaltsdefiziten führen könnte, dürfte die US-Notenbank (Fed) und
die Bank von England dazu veranlassen, das Tempo ihrer Zinssenkungen zumindest
kurzfristig zu drosseln. Da es in der Eurozone und der Schweiz bisher keine nennens-
werten fiskalischen Impulse gibt, werden die Europäische Zentralbank (EZB) und die
Schweizerische Nationalbank (SNB) in der Lage sein, ihre Leitzinsen schneller und
stärker zu senken. Daher erwarten wir, dass die Anleihenmärkte in der Schweiz und
in der Eurozone besser abschneiden werden als in den USA. Unserer Meinung nach
ist das (reale) Zinsniveau in Pfund Sterling angesichts des Wachstumspotenzials der
britischen Wirtschaft zu hoch und dürfte 2025 deutlich sinken. Wir rechnen allge-
mein mit einer Versteilung der Renditekurven, halten die Risiken am langen Ende
aller Renditekurven (>10 Jahre) nach wie vor für zu hoch und bevorzugen deshalb die
mittleren Laufzeitensegmente, die weiterhin über das günstigste Risiko-Ertrags-Ver-
hältnis verfügen. Bei Unternehmensanleihen weisen wir trotz der engen Kredit-
spreads vorerst eine neutrale Gewichtung auf. In unserem Basisszenario gehen wir
nicht von einer deutlichen Konjunkturabkühlung aus, sodass eine strukturelle Unter-
gewichtung von Unternehmensanleihen nicht gerechtfertigt ist.
Alex Rohner
Fixed Income Strategist
Implizite Leitzinserwartungen bewegen sich grösstenteils seit-
wärts, ausser in der Schweiz
Seit Ende September 2022, als die Zinserwartungen in den
Industrieländern einen ersten Höhepunkt erreichten, haben
sich die impliziten Leitzinserwartungen im Wesentlichen in-
nerhalb einer relativ breiten Spanne seitwärts bewegt. Eine
klare Ausnahme bildet dabei die Schweiz, wo sich die Markter-
wartungen hinsichtlich der Leitzinsen der SNB seit Mitte 2023
deutlich von den Zinserwartungen in anderen Industrielän-
dern unterscheiden. Seitdem sind die impliziten SNB-Leitzin-
sen von einem Höchststand von etwa 2% auf derzeit nur noch
30 Basispunkte gefallen. Tatsächlich ist der Schweizer Markt
für festverzinsliche Anlagen als bisher einziger Anleihenmarkt
in den Industrieländern dem klassischen Muster eines
Zinszyklus gefolgt: Nach starken und umfangreichen Zinser-
höhungen sind sowohl die kurz- als auch die langfristigen
Renditen wieder deutlich gesunken.
In den USA und Grossbritannien wird wieder mit „höheren Zin-
sen über längere Zeit“ gerechnet
Den Zinsmärkten in anderen Währungsräumen llt es dagegen
weiterhin schwer, eine angemessene Leitzinsentwicklung einzu-
preisen. Zuzuschreiben ist dies der erhöhten Inflation und der of-
fensichtlich geringeren Sensitivität der betreffenden Volkswirt-
schaften gegenüber den drastisch gestiegenen Realzinsen. Das
anschaulichste Beispiel hierfür liefern die USA, wo die Wirtschaft
in den letzten 18 bis 24 Monaten den Erwartungen getrotzt hat
und weiterhin über dem Potenzial wächst, obwohl sich der Ar-
beitsmarkt etwas abgeschwächt hat. Auch in Grossbritannien
hat sich die wirtschaftliche Dynamik bisher als unerwartet robust
erwiesen. Vor allem das Lohnwachstum und die hartnäckige In-
flation im Dienstleistungssektor sind nach wie vor zu hoch, um
mit dem Inflationsziel der Bank von England (BoE) vereinbar zu
sein. Daher sind die Leitzinserwartungen für den US-Dollar und
das Pfund Sterling seit September deutlich gestiegen. Folglich
gehen die Märkte davon aus, dass die Fed und die BoE die Zinsen
weniger stark senken können als ursprünglich erwartet.
EZB koppelt sich von den USA und Grossbritannien ab
Die Erwartungen an die EZB-Leitzinsen blieben vom jüngsten
Anstieg der Zinserwartungen unberührt. Vor allem in den bei-
den grössten Volkswirtschaften der Eurozone, Deutschland und
Zinsstrategie
14 | Global View
Frankreich, erscheint die Konjunkturdynamik sehr schwach.
Beide Länder leiden unter strukturellen Problemen und politi-
scher Instabilität. Zudem gibt es in der Eurozone keine nen-
nenswerten fiskalpolitischen Impulse, sodass die Volkswirt-
schaften der Region empfindlicher auf höhere Zinsen reagieren
dürften als die USA und Grossbritannien. Die unterschiedliche
Entwicklung der Leitzinserwartungen in der Eurozone im Ver-
gleich zu den USA, aber auch zu Grossbritannien, ist in den Ter-
minmarktpreisen für die Leitzinserwartungen seit etwa Mitte
2024 deutlich erkennbar.
Schweizer Zinssätze haben sich vom Rest der Welt abgekop-
pelt, die Eurozone dürfte folgen
Quelle: Bloomberg, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Geldpolitik möglicherweise weniger restriktiv als gedacht
Parallel zur deutlichen Neubewertung der Leitzinserwartungen
seit der Pandemie haben die langfristigen Realrenditen das
höchste Niveau seit 2008 erreicht. Ein starker Anstieg der rea-
len Renditen würde in der Regel auf deutlich restriktivere geld-
politische Rahmenbedingungen hindeuten. Das solide Wirt-
schaftswachstum und die starke Performance der Märkte r
Risikoanlagen vor allem in den USA sprechen jedoch eine an-
dere Sprache. Die von der Fed selbst erstellten Indizes für den
Wachstumsimpuls der Finanzierungsbedingungen (Financial
Conditions Impulse Indices, FCI), die sich stark auf marktba-
sierte Instrumente stützen, legen in der Tat nahe, dass das der-
zeitige geldpolitische Umfeld in den USA sogar moderat expan-
siv ist. Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft in vielen Indust-
rieländern, nicht nur in den USA, deutet darauf hin, dass die
Geldpolitik im Allgemeinen wohl weniger restriktiv ausfällt als
bisher angenommen. Offensichtlich sind zusätzliche Kräfte am
Werk, die dazu beitragen, die Wirtschaftstätigkeit trotz der hö-
heren Realzinsen aufrechtzuerhalten. Zum einen haben die so-
lideren Unternehmensbilanzen im Privatsektor und die Vorfi-
nanzierung langfristiger Verbindlichkeiten zu niedrigen Zinssät-
zen die negativen Auswirkungen der höheren Realzinsen abge-
schwächt. Darüber hinaus haben die Staatsausgaben die Wirt-
schaftstätigkeit kräftig unterstützt, insbesondere in den USA
und in geringerem Masse in Grossbritannien. Im Fall der USA
stellen wir zudem fest, dass die deutliche Erhöhung des Ar-
beitskräfteangebots durch Einwanderung sowie Produktivitäts-
steigerungen dazu beigetragen haben, den US-Arbeitsmarkt
besser ins Gleichgewicht zu bringen, ohne die Wirtschaft zu be-
einträchtigen.
Die marktbasierten Indizes für die Finanzierungsbedingungen
in den USA sind trotz der hohen Realzinsen moderat expansiv
Quelle: Bloomberg, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Trumps Wahlsieg hat US-Leitzinserwartungen steigen lassen
Die vom designierten US-Präsidenten Donald Trump angekün-
digte wachstumsfördernde Politik hat die Erwartungen im Hin-
blick auf ein höheres nominales Wirtschaftswachstum, eine -
here Inflation und grössere Haushaltsdefizite in den USA ver-
stärkt. Infolgedessen sind die Markterwartungen für den lang-
fristigen neutralen US-Leitzins gestiegen. Damit enthalten die
höheren Leitzinserwartungen, insbesondere bei den impliziten
Zinssätzen auf lange Frist, wahrscheinlich eine bedeutende
Laufzeitprämie, um das Risiko einer höheren Inflation, grösse-
rer Haushaltsdefizite, aber auch politischer Unsicherheit zu
kompensieren. Grossbritannien weist einige Ähnlichkeiten mit
den USA auf: Der aktuelle Haushaltsentwurf der neuen Labour-
Regierung sieht ebenfalls eine deutliche Lockerung der Fiskal-
politik vor, die zu einer stärkeren Inflation und höheren Defizi-
ten führen dürfte, was sicherlich zum ngsten Anstieg der Leit-
zinserwartungen beigetragen hat.
Fed und BoE dürften wahrscheinlich weniger umfangreiche
Zinssenkungen vornehmen
Aufgrund einer erwarteten lockeren Fiskalpolitik dürfte der
Zinssenkungspfad der Fed und der Bank von England daher
zumindest auf kurze Sicht weniger steil verlaufen als bisher
erwartet. Die Geschwindigkeit und das Ausmass künftiger
Zinssenkungen der Fed werden von den eingehenden Kon-
junkturdaten und den konkreten politischen Massnahmen
der neuen Regierung unter Trump abhängen. An den Termin-
märkten wird derzeit ein Zyklustief der US-Leitzinsen (Fed
Funds Rate) von 3,6% und ein langfristiger Durchschnitt der
impliziten Leitzinsen von etwa 4% eingepreist. Dieses Niveau
-1.0
0.0
1.0
2.0
3.0
4.0
5.0
Jan-21 Jul-21 Jan-22 Jul-22 Jan-23 Jul-23 Jan-24 Jul-24
Implied ECB rate in 3y Implied BOE rate in 3y
Implied Fed rate in 3y Implied SNB rate in 3y
%
-4.0
-3.0
-2.0
-1.0
0.0
1.0
2.0
-3.0
-2.0
-1.0
0.0
1.0
2.0
2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023
Fed financial conditions index, 1 year lookback
Fed financial conditions index, 3 year lookback
Real 10y yield minus neutral rate of interest, rhs
Fed financial conditions index
US real yield minus neutral rate
easier
tighter
Zinsstrategie
Global View | 15
liegt deutlich über der Schätzung der Fed für den neutralen
Zinssatz sowie am oberen Ende unserer Prognosen. In Gross-
britannien wird der aktuelle Haushaltsentwurf der Labour-Re-
gierung das Wirtschaftswachstum kurzfristig ankurbeln, aber
nur wenig zur Steigerung des längerfristigen Wachstums beitra-
gen. Daher halten wir das eingepreiste Zyklustief und den lang-
fristig erwarteten Durchschnitt des Leitzinses der Bank von
England mit einem Niveau von nahezu 4% für zu hoch. Aller-
dings dürfte es bis zum nächsten Jahr dauern, bis sich die
Märkte darauf fokussieren.
In den USA und Grossbritannien wird mit weniger umfangrei-
chen Zinssenkungen gerechnet
Quelle: Bloomberg, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Ausblick für Zinssenkungen in der Eurozone und der Schweiz
klarer
Da es in der Eurozone keine nennenswerten fiskalpolitischen
Stimuli gibt, wird die Geldpolitik eine viel grössere Rolle spie-
len müssen, um die Investitionsausgaben zu stützen und den
angeschlagenen Industriesektor zu beleben, insbesondere in
den Kernländern der Eurozone. Andererseits verlangsamt
sich das Lohnwachstum stärker als erwartet und hert sich
einem Niveau, das eher dem EZB-Inflationsziel von 2% ent-
spricht. Die EZB steuert daher klarer auf niedrigere Leitzinsen
zu. Wir erwarten, dass die EZB die Leitzinsen bis Mitte 2025
deutlich senkt und sie dort für längere Zeit belässt. Auch die
Schweizerische Nationalbank dürfte die Leitzinsen bis Mitte
nächsten Jahres mehrmals senken. Die Bank von Japan hat die
Normalisierung ihrer Geldpolitik wahrscheinlich noch nicht ab-
geschlossen, und wir rechnen bis Ende 2025 mit zwei weiteren
Erhöhungen ihrer Leitzinsen auf 0.75%.
Anleiherenditen in etwa fair bewertet, Renditekurven flach
Die langfristigen Anleiherenditen sind wahrscheinlich in etwa
fair bewertet und dürften sich mittelfristig auf den derzeitigen
Niveaus einpendeln. Eine Ausnahme bilden dabei die Renditen
von GBP-Anleihen, die unserer Meinung nach immer noch zu
hoch sind. Die Renditekurven werden sich im Zuge der Zins-
senkungen der Zentralbanken wahrscheinlich noch stärker
versteilen, was dem in früheren Zyklen zu beobachtenden Mus-
ter entspricht. Allerdings könnte die Erwartung eines höheren
nominalen US-Wirtschaftswachstums aufgrund der politischen
Präferenzen des designierten Präsidenten Trump die Renditen
in den nächsten Monaten noch etwas weiter steigen lassen. Die
Anleihenmärkte der Eurozone und der Schweiz dürften sich in
den kommenden Quartalen überdurchschnittlich entwickeln.
Wir halten die Risiken am langen Ende aller Renditekurven
(>10 Jahre) nach wie vor für zu hoch. Stattdessen bevorzugen
wir mittlere Laufzeiten (5 bis 10 Jahre), denn Anleihen dieses
Segments (1) profitieren von steileren Renditekurven, (2) ha-
ben eine ausreichende Duration, um von den potenziell niedri-
geren Renditen im mittleren Laufzeitsegment infolge von Zins-
senkungen der Zentralbanken zu profitieren, und (3) verfügen
über genügend Carry, der einen soliden Puffer gegen ungüns-
tige Zinsentwicklungen bietet.
Unternehmensanleihen trotz enger Kreditspreads neutral
Die Aussicht auf weitere Zinssenkungen der Zentralbanken
stützen den Ausblick für eine sanfte Landung der Wirtschaft
und lässt die erwarteten Kredit-Ausfallwahrscheinlichkeiten für
2025 und darüber hinaus weiter sinken. Zudem führen die po-
litischen Präferenzen Donald Trumps zu einem Anstieg des er-
warteten nominalen Wirtschaftswachstums, was Unterneh-
mensanleihen in der Regel Unterstützung bietet. Die Risikoprä-
mien liegen in allen festverzinslichen Unteranlageklassen nahe
oder auf dem niedrigsten Niveau seit 2012 (bzw. seit 2000, so-
fern Daten verfügbar sind). Die Bewertungen sind daher nicht
attraktiv. Wir beurteilen Unternehmensanleihen aber weiterhin
neutral. Die Aussicht auf eine sanfte Landung rechtfertigt bis-
lang keine strukturelle Untergewichtung von Unternehmensan-
leihen, obwohl ein möglicher Handelskrieg ein deutliches Ab-
wärtsrisiko für unser Basisszenario darstellt.
Kreditspreads auf oder nahe historischen Tiefstständen
Quelle: Bloomberg, Bank J. Safra Sarasin, Tagesdaten seit 2012, 19.11.2024
0.0
0.5
1.0
1.5
2.0
2.5
3.0
3.5
4.0
4.5
5.0
2024 2025 2026 2027 2028 2029
USD EUR CHF GBP
Implied policy rate trajectory
0
500
1’000
1’500
Option adjusted spread in bp
latest observation
Schwellenländer
Global View | 17
Schwellenländer
Gefahr eines Handelskriegs trübt Perspektiven für
Schwellenländer
Der Sieg der Republikaner bei den jüngsten US-Wahlen hat für erhebliche politische
Unsicherheit in Bezug auf mögliche neue Zölle auf Importe aus China und anderen
Schwellenländern (Emerging Markets, EM) gesorgt. Höhere Zölle und ein starker US-
Dollar würden das Wachstum und den Währungsausblick in den Schwellenländern
belasten, wodurch den dortigen Zentralbanken nur langsame Zinssenkungen mög-
lich wären. Wir gehen davon aus, dass China 2025 weitere Stimulusmassnahmen
ergreifen wird, um die Wirtschaft zu stützen, die unter den hohen Zöllen leiden
könnte. Protektionismus seitens der USA dürfte den wirtschaftlichen Einfluss Chinas
in den Schwellenländern über Exporte und Direktinvestitionen stärken.
Mali Chivakul
Emerging Markets Economist
Unsicherheit in Bezug auf US-Handelspolitik im Mittelpunkt
Der klare Sieg der Republikaner bei den jüngsten US-Wahlen
hat die Unsicherheit im Hinblick auf die Handelspolitik der
neuen Regierung in den chsten Jahren erhöht. Die ange-
drohten Zölle in Höhe von 60% auf chinesische Güter und von
10% auf alle anderen eingeführten Waren könnten zwar nur
als Ausgangspunkt für bilaterale Verhandlungen dienen. Den-
noch sollten Vorkehrungen für mögliche lle getroffen wer-
den, waren sie doch ein Hauptpunkt der Wahlkampagne der
Republikaner.
China hat Wachstum 2024 vor allem über Exporte angekurbelt
Die Binnennachfrage in China hat sich im Laufe des Jah-
res 2024 abgeschwächt, da der Rückgang im Immobiliensek-
tor anhält, was Überkapazitäten in Branchen mit Bezug zum
Wohnungsbau sowie Druck auf die Finanzlage der lokalen Re-
gierungen zur Folge hat. Letzteres bedeutet eine insgesamt
angespannte Haushaltslage. Die verhaltene Nachfrage im In-
land hat chinesische Unternehmen dazu veranlasst, ins Aus-
land zu expandieren, was zu einem sprunghaften Exportan-
stieg geführt hat. In vielen Marktsegmenten sind Preissen-
kungen und niedrige Unternehmensgewinne infolge des Wett-
bewerbs zu beobachten. Aus diesem Grund sind die Erwartun-
gen der Privathaushalte hinsichtlich ihres künftigen Einkom-
mens und der Beschäftigungslage sowie das Verbraucherver-
trauen gesunken.
Kehrtwende Chinas spricht für mehr Unterstützung in 2025
Die chinesische Regierung hat eine Kehrtwende vollzogen und
im September weitere Konjunkturstimuli verabschiedet. Bleibt
ein Handelskrieg aus, dürfte sich das Wachstum in China von
4.8% in diesem Jahr auf 4.5% im nächsten Jahr bzw. 4% im
Jahr 2026 verlangsamen. Wir rechnen zwar mit einem schwä-
cheren realen BIP-Wachstum, das nominale BIP-Wachstum
dürfte 2025 aber anziehen, da der Deflationsdruck etwas nach-
lässt. Unseres Erachtens wird die chinesische Regierung „ge-
rade genug“ politische Unterstützung leisten, um das kurzfris-
tige Wachstum zu stabilisieren. Die Verbesserung des Schul-
denprofils der Lokalregierungen durch neue Anleihen im Rah-
men eines Schulden-Swaps dürfte das Vertrauen stärken. Wir
rechnen für 2025 mit einem Anstieg des Haushaltsdefizits der
Zentralregierung, was der Wirtschaft zugutekommen würde.
Die Nettoexporte trugen 2024 wesentlich zum chinesischen
Wachstum bei
Quelle: Macrobond, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Schwellenländer
18 | Global View
Zölle in Höhe von 60% werden nicht vollständig durch die Sti-
muli ausgeglichen
Sollten die USA tatsächlich Zölle in Höhe von 60% auf chinesi-
sche Güter erheben, dürfte das annualisierte Wachstum Chi-
nas unserer Ansicht nach um mindestens einen Prozentpunkt
sinken. Natürlich hängen die Auswirkungen vom Umfang und
dem Zeitpunkt der neuen Zollpolitik ab. Die Direktexporte Chi-
nas in die USA belaufen sich derzeit auf rund 500 Milliarden pro
Jahr oder 3% des BIP. Unseres Erachtens wird die chinesische
Regierung in diesem Fall weitere politische Unterstützungs-
massnahmen ergreifen, um ein BIP-Wachstum von über 4% zu
wahren. Die People’s Bank of China würde den Renminbi vo-
raussichtlich abwerten lassen, um die Auswirkungen der Zölle
zum Teil auszugleichen.
Schwellenländer würden anfällig auf einen neuen Handels-
krieg und einen starken US-Dollar reagieren
Die meisten Schwellenländer müssten bei Ausbruch eines
neuen Handelskrieges Produktionsverluste hinnehmen. Abge-
sehen von China würde Mexiko am anfälligsten auf pauschale
Zölle reagieren, da über 80% seiner Ausfuhren in die USA ge-
hen. Das Land könnte aber seine vollständige Kooperation mit
den USA im Hinblick auf Immigrationsbelange im Gegenzug für
geringere Handelseinbussen zusichern. Andere kleine, offene
Schwellenländer in Asien, die das grösste Exposure gegenüber
dem US-Markt aufweisen d. h. Korea, Malaysia, Thailand und
Vietnam , würden stark unter den Zöllen leiden. Die Negativ-
folgen für diese Länder dürften zum Teil durch die Direktinves-
titionen Chinas zur Ausweitung der Lieferketten kompensiert
werden. Rohstoffexporteure wie Brasilien, Chile, Peru und Süd-
afrika sowie auf die Binnenwirtschaft ausgerichtete Schwellen-
länder wie Indien und Indonesien sind besser geschützt. Brasi-
lien könnte sogar wie bereits 2018 von chinesischen Vergel-
tungsmassnahmen gegen US-Zölle profitieren. Vor dem Hinter-
grund eines starken US-Dollars und eines schwächeren RMB
dürften die Schwellenländerwährungen allgemein abwerten.
Die Schwellenländer dürften sich aber insgesamt recht wider-
standsfähig präsentieren
Wir rechnen in einer Vielzahl grosser Schwellenländer wie Bra-
silien, Indien und der Türkei mit einer Konjunkturverlangsa-
mung. Dennoch dürfte die Wachstumsdifferenz zwischen den
Schwellen- und den Industrieländern weiterhin hoch ausfallen.
Der Wachstumsausblick einiger Länder, die im vergangenen
Jahr unter hohen Zinsen litten, darunter Ungarn und Kolum-
bien, sollte sich 2025 aufhellen. Die geldpolitische Lockerung
in den meisten Schwellenländern dürfte die Binnennachfrage
zu einer Zeit stützen, in der sie auf eine haushaltspolitische
Konsolidierung zusteuern. Dennoch dürfte sich der Umfang der
Lockerungsmassnahmen aus zwei Gründen in Grenzen halten:
Erstens wird die Inflation in einigen Schwellenländern, vor al-
lem in Lateinamerika und Europa, angesichts der hartnäckigen
Kern- und Dienstleistungsinflation wohl nicht bis Ende 2025
auf die Zielwerte der jeweiligen Zentralbanken sinken. Zwei-
tens wird der weniger ausgeprägte Zinssenkungszyklus in den
USA renditeschwache Schwellenländer (insbesondere in
Asien) dazu zwingen, eine ausreichend hohe Zinsdifferenz
aufrechtzuerhalten, um einen zu starken Währungsdruck zu
vermeiden.
Beziehung zwischen China und den EM dürfte sich vertiefen
Quelle: Macrobond, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Der wirtschaftliche Einfluss Chinas in den Schwellenländern
dürfte weiter zunehmen
Ein Nebeneffekt des Protektionismus in den Industrieländern
ist eine engere Wirtschaftsbeziehung zwischen China und an-
deren Schwellenländern. So ist der Handelsüberschuss Chinas
gegenüber den Schwellenländern beispielsweise seit 2022 um
25% gestiegen, während er gegenüber den Industrieländern
seit dem Höchststand von 2022 gesunken ist. Chinas Direktin-
vestitionen in die Schwellenländer haben ebenfalls deutlich zu-
genommen. Vor zehn Jahren betrug der Anteil der Schwellen-
länder an Chinas Direktinvestitionen gerade einmal 30%. Heute
liegt dieser Wert bei 70%. Ein Teil dieser Investitionen geht zwar
auf die Diversifizierung der Lieferkette zur Minderung des Zoll-
risikos und anderer Schocks zurück. Ein erheblicher Anteil der
neuen Projekte ist aber auch der „Auslands-Strategie chinesi-
scher Unternehmen zuzuschreiben, insbesondere im Bereich
erneuerbarer Energien und damit verbundener Branchen. Hö-
here Direktinvestitionen gehen in der Regel mit stärkeren Wirt-
schafts- und politischen Beziehungen einher, da diese Projekte
Arbeitsstellen schaffen, für einen Technologietransfer sorgen
und zur Errichtung lokaler Lieferketten sowie Logistikdienstleis-
tungen im Umfeld der Produktionsanlagen beitragen. Die geo-
politischen Spannungen zwischen China und dem „Westen“
dürften sich verschärfen, sodass die Schwellenländer Geschick
beweisen müssen, wenn es darum geht, ihre Interessen mit je-
nen der Grossmächte in Einklang zu bringen.
Aktienstrategie
Global View | 19
Aktienstrategie
Ein herausforderndes Jahr steht bevor
2025 dürften die Aktienerträge moderater ausfallen als in den vergangenen zwei
Jahren. Da die sich Bewertungen wieder auf ihren Höchstständen befinden, startet
der Aktienmarkt von einem viel höheren Ausgangsniveau, während gleichzeitig die
politischen Unwägbarkeiten zunehmen dürften. Obschon die Politik der neuen US-
Regierung insgesamt positiv für die Gewinne und den Aktienmarkt als Ganzes sein
dürfte, drohen doch erhebliche Abwärtsrisiken. 2018 hat gezeigt, welch disruptive
Wirkung Handelskriege entfalten können. Wir würden daher Sektoren und Regionen
mit der stärksten globalen Exposition meiden und stattdessen ein Engagement in
Aktienmarktsegmenten anstreben, die von niedrigeren Steuern, höheren Zinsen und
einem stärkeren US-Dollar profitieren.
Wolf von Rotberg
Equity Strategist
US-Politik dürfte die Märkte 2025 massgeblich bestimmen
Der überwältigende Sieg der republikanischen Partei bei den
Präsidentschafts- und Kongresswahlen in den USA hat bereits
seine Spuren an den Märkten hinterlassen. Die Republikaner
kontrollieren nunmehr sowohl die Exekutive als auch die Legis-
lative des Landes. Selbst wenn letzten Endes nicht alle Wahl-
kampfversprechen erfüllt werden, so ist doch mit einer Vielzahl
an neuen Massnahmen zu rechnen. Positiv für Risikoanlagen
ist die Tatsache, dass Steuersenkungen und weitere haushalts-
politische Lockerungsmassnahmen die Gewinne beflügeln und
die Nachfrage ankurbeln dürften, während eine geringere Re-
gulierung der Rentabilität und dem langfristigen Wachstum zu-
gutekommen sollte. Zölle haben indes im Allgemeinen keine
Vorteile für das Wirtschaftswachstum oder die Unternehmens-
gewinne. Im Gegenteil: Sie könnten die positiven Wachstums-
effekte, die sich aus der Integration globaler Lieferketten in den
vergangenen 30 Jahren ergeben haben, zum Teil umkehren. Im
negativsten Szenario könnten sie sogar einen globalen Han-
delskonflikt auslösen, der nur schwierig beizulegen und wieder
rückgängig zu machen wäre.
Aktien: Fiskalische und regulatorische Lockerung vs. Zölle
Die Wertentwicklung des US-Aktienmarktes dürfte 2025 davon
abhängen, in welchem Umfang und wie schnell die jeweiligen
Wahlkampfversprechen umgesetzt werden. Es besteht zwei-
felsohne Aufwärtspotenzial für den Fall, dass die Massnahmen
vornehmlich auf die Haushaltspolitik und die Regulierung ab-
zielen. Dafür müssten sich Höhe und Umfang der Zölle aber in
Grenzen halten.
Erste Amtszeit Trumps bietet eine gewisse Orientierungshilfe
Um eine Vorstellung von den Marktauswirkungen von Zöllen zu
erhalten, kann die erste Amtszeit Trumps von 2017 bis 2020
als Orientierungshilfe herangezogen werden. Zunächst wurden
Ende 2017 starke Steuersenkungen vorgenommen, bevor der
„Handelskrieg“ zwischen den USA und China die Wertentwick-
lung des Aktienmarktes im Jahr 2018 dominierte.
2017 war eine Senkung der US-Körperschaftssteuern nötig
Die Trump-Rally nach den Wahlen im Jahr 2016 setzte
sich 2017 fort, als klar wurde, dass die Regierung eine Sen-
kung des rperschaftssteuersatzes von 35% auf 21% be-
absichtigt. Diese Massnahmen wurden damals weithin als
notwendig erachtet, da die US-Körperschaftssteuer zu den
chsten unter den 38 OECD-Ländern hlte. Um ihre Steu-
erpflicht in den USA so gering wie möglich zu halten, hatten
sich viele US-Unternehmen im Ausland angesiedelt oder so
viel umsatzgenerierendes geistiges Eigentum wieglich in
Niedrigsteuernder verlagert. Dies änderte sich mit der
2017 verabschiedeten Steuerreform. Heute entspricht der
effektive US-Körperschaftssteuersatz im Wesentlichen dem
OECD-Durchschnitt, wodurch der Anreiz r Unternehmen
minimiert wird, ihre Gewinne ausserhalb der USA zu erwirt-
schaften. Die von Donald Trump hrend seiner Wahlkam-
pagne vorgeschlagene weitere Senkung auf 15% rde die
Unternehmen wohl nicht im selben Masse wie damals dazu
veranlassen, ihre Gewinne ins Inland zuckzuhren, aber
dennoch zur Steigerung der Unternehmensrentabilit bei-
tragen.
Aktienstrategie
20 | Global View
Die Steuersenkung im Jahr 2017 beflügelte die Gewinne un-
mittelbar um rund 8%
Quelle: LSEG, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Eine Steuersenkung um 6% dürfte Gewinne um 3-4% ankurbeln
2017 hatte die Senkung des Körperschaftssteuersatzes um
14 Prozentpunkte einen unmittelbaren Anstieg des Gewinns je
Aktie des S&P 500 um 8% zur Folge. In Bezug auf die Sensitivi-
tät hat sich unseres Erachtens kaum etwas verändert. Daher
dürfte eine neuerliche Steuersenkung um sechs Prozentpunkte
auf 15% den Gewinn je Aktie um 3-4% beflügeln. Dies käme
zum 2025 erwarteten Wachstum des Gewinns je Aktie hinzu,
das wir basierend auf unserer Prognose für das BIP-Wachstum
bei knapp unter 10% sehen. Somit wäre ein Gewinnwachstum
je Aktie von 12-13% für 2025 denkbar.
Die Zollauswirkungen sind schwer zu quantifizieren
Wie sich etwaige Zölle auswirken würden, ist deutlich schwie-
riger festzumachen. Zum einen ist unklar, wie aggressiv oder
entschlossen die neue Regierung die in Aussicht gestellten
Zölle von 60% auf alle Importe aus China tatsächlich verfolgen
wird. Sie könnte diese als Druckmittel nutzen, um Zusagen für
weitere chinesische Investitionen in die USA auszuhandeln.
Zum anderen dürften sich Zollerhöhungen wohl weniger stark
auf die Gewinne auswirken als noch 2018/2019, wenngleich
davon eine breitere Palette an Produkten betroffen wäre.
Die Unternehmen ergreifen seit 2018 risikomindernde Mass-
nahmen
Grund ist, dass viele Unternehmen ihre Lieferketten umge-
stellt haben, um die potenzielle Umsatz- und Gewinnbelas-
tung infolge von Zöllen abzumildern. So wird beispielsweise
jedes siebte Apple iPhone in Indien hergestellt und das Unter-
nehmen verlagert seine Produktionskapazitäten weiter von
China nach Indien. Darin kommt ein allgemeinerer Trend zum
Ausdruck. Der Anteil Chinas an den US-Importen ist von 22%
im Jahr 2017 auf 14% im Jahr 2024 gesunken, wohingegen
jener der anderen asiatischen Länder und Mexikos gestiegen
ist.
Der S&P 500 dürfte Ende 2025 bei 6300 stehen
Somit stellen Zölle auf Einfuhren aus China heute eine gerin-
gere Bedrohung r die US-Gewinne dar als dies noch 2018
der Fall gewesen ist. Damals schmälerten sie die Gewinne im
S&P 500 um rund 2%. Sollte heute eine Zollabgabe von 60%
auf chinesische ter erhoben werden, würde dies den Ge-
winn je Aktie im S&P 500 unseres Erachtens lediglich um
1.5% senken. Zieht man diesen Wert von dem oben erwähn-
ten, erwarteten Gewinnwachstum je Aktie von 13% ab, so be-
liefe sich letzteres im Jahr 2025 nach Abzug von Steuern und
Zöllen auf chinesische Güter auf 11.5%. Dennoch beziffern
wir das Aufwärtspotenzial bei US-Aktien bis Ende des Jahres
weiterhin auf weniger als 10%, da die Bewertungen jüngst
wieder ihre nach der Pandemie verzeichneten Höchststände
erreicht haben. Bei einem leichten Bewertungsrückgang und
einem Gewinnwachstum von 11.5% könnte der S&P 500 un-
serer Ansicht nach bis Ende 2025 durchaus die Marke von
6300 Punkten erreichen.
US-Aktien haben wieder ihre nach der Pandemie verzeichne-
ten Bewertungshochs erreicht
Quelle: LSEG, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Globale Sektoren litten am stärksten unter dem letzten Han-
delskrieg
Die Sektoren, die am stärksten durch höhere Zölle in Mitleiden-
schaft gezogen würden, sind jene, die sich während des Han-
delskriegs im Jahr 2018 unterdurchschnittlich entwickelt ha-
ben. Grundstoffe, Automobile und Industrieunternehmen ga-
ben nach Einführung der ersten Zölle auf Stahl und Aluminium
am 1. März 2018 am stärksten nach.
Dieselben Sektoren reagieren weiterhin anfällig auf Zölle
Wenig überraschend gehören diese Sektoren auch zu den Seg-
menten des S&P 500 mit dem grössten globalen Fokus. Einzig
der Technologiesektor weist ein noch höheres internationales
Umsatzexposure auf. Gleichwohl blieb er 2018 weitgehend von
den Zöllen verschont, da ihm grosszügige Ausnahmeregelun-
gen gewährt wurden.
142
145
148
151
154
157
160
Jan-17 Jul-17 Jan-18 Jul-18 Jan-19
S&P 500, 2018 EPS
Trump corporate tax reform impact on
S&P500 EPS in 2017/2018
ca. +8%
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
2004 2008 2012 2016 2020 2024
S&P500 12m fwd PE ex "magnificent 7"
S&P500 12m fwd PE
Aktienstrategie
Global View | 21
Grundstoffe und Automobile litten am stärksten unter dem
Handelskrieg 2018
Quelle: LSEG, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Die Regierung war bestrebt, allgemeinen Unmut unter den Ver-
brauchern infolge von höheren Preisen für Mobiltelefone und
andere Verbrauchertechnologien zu vermeiden. Die neue Re-
gierung wird wohl einen vergleichbaren Ansatz verfolgen, muss
angesichts der von den Unternehmen ergriffenen risikomin-
dernden Massnahmen aber womöglich nicht so vorsichtig vor-
gehen wie damals.
Nach zwei Jahren mit unterdurchschnittlicher Wertentwick-
lung scheinen Substanzwerte gut positioniert
Selbst wenn die neue Regierung ihre wirtschaftspolitische
Agenda nur zum Teil umsetzen sollte, scheint ein weiterer deutli-
cher Rückgang der Inflation und der Zinsen unwahrscheinlich.
Daraus ergibt sich für 2025 unseres Erachtens ein Umfeld, in
dem Substanzwerte erstmals seit 2022 wieder überdurch-
schnittlich abschneiden und einen Teil der in den vergangenen
zwei Jahren erlittenen Verluste wettmachen könnten. Sollte
Trump seine haushalts-, handels- und immigrationspolitischen
Vorhaben vollständig verwirklichen, würde das Risiko einer Wie-
derholung der Entwicklung im Jahr 2022 zunehmen. Damals traf
auf die Angebotsbeschränkungen in der Wirtschaft ein Nachfra-
geschock. Dies zog einen sprunghaften Anstieg der Inflation so-
wie eine entsprechende Reaktion der Fed nach sich. Der darauf-
folgende Anstieg der Realzinsen trug wesentlich zur Verkaufs-
welle in teuer bewerteten Wachstumssektoren (z.B. Technologie)
bei, während sich Substanztitel recht gut behaupteten. Dies stellt
zwar ein Extremszenario dar, ist aber nicht unrealistisch, falls tat-
sächlich alle Vorschläge Trumps umgesetzt werden.
Finanztitel profitieren von höheren Zinsen und Deregulierung
Der Finanzsektor scheint am besten positioniert, um von den
seitens der neuen Regierung geplanten politischen Initiativen
zu profitieren. Er gehört zu den Sektoren, die am wenigsten un-
ter potenziellen Zöllen leiden würden. Ihm kämen aber höhere
Zinsen und geringere Beschränkungen für M&A-Transaktionen
und einer möglichen Abschaffung der Kapitalanforderungen
gemäss Basel III zugute.
Substanzwerte sind gut positioniert, um Wachstumstitel
2025 zu übertreffen
Quelle: LSEG, Bank J. Safra Sarasin, 19.11.2024
Versorger ohne Steuervorteile, dafür aber immun gegen Zölle
Versorger stellen eine gute Diversifizierungsmöglichkeit dar, da
sie weitgehend immun gegen Steuern wie auch Zölle sind.
Steuern werden im Sektor für gewöhnlich weitergegeben und
Zölle sind insofern irrelevant, als der Sektor 98% seines Umsat-
zes im Inland erzielt. Das Hauptrisiko besteht in einem Zinsan-
stieg unter der neuen Regierung. Gleichwohl gestaltet sich der
langfristige Wachstumsausblick recht günstig angesichts des
strukturellen Anstiegs der Stromnachfrage.
Selektive Vorgehensweise ausserhalb der USA
Ausserhalb der USA würden wir zumindest vorerst Märkte mei-
den, die in hohem Masse auf den globalen Handel angewiesen
sind, wie etwa die Eurozone. Attraktiver erscheinen uns dage-
gen britische Aktien. Trotz ihres hohen Umsatzanteils in Fremd-
währung (vor allem in US-Dollar) weisen britische Aktienwerte
eine beinahe optimale Mischung aus Fremdwährungsumsät-
zen und -kosten auf. Britische Aktien reagieren somit weniger
anfällig auf Zölle, profitieren aber vollumfänglich von einer Auf-
wertung des US-Dollars.
Den Aktien steht ein herausforderndes Jahr bevor
2025 dürfte sich als herausforderndes Jahr für Aktien erweisen.
Angesichts der hohen Ausgangsbasis sind neuerliche Jahreser-
träge von 20% oder mehr unseres Erachtens unwahrscheinlich.
Sollte die neue US-Regierung den Schwerpunkt auf die wachs-
tumsfördernden Punkte ihrer Agenda legen, dürften 2025 aber
durchaus positive Erträge erzielt werden. Wir würden jedoch dazu
raten, die Exposition zum globalen Handel in den Portfolios zu be-
grenzen und Marktsegmente mit sehr hohen Bewertungen zu
meiden. Sollten diese Extremrisiken umgangen werden können,
wären Erträge im hohen einstelligen Bereich möglich.
-20%
-16%
-12%
-8%
-4%
0%
4%
8%
Utilities
Tech
Health Care
S&P 500
Comm. Services
Staples
Cons. Serv.
Durables
Energy
Financials
Industrials
Autos
Materials
US sector performance during 2018 trade war
(20 Jan 2018 until end Oct 2018)
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
2014 2016 2018 2020 2022 2024
Global equities, value vs growth
Diskussion
Global View | 23
Diskussion
Investieren in einem neuen politischen Umfeld
Wie zu Jahresende üblich traf sich Global View mit Oliver Cartade (Head Asset Ma-
nagement and Institutional Clients), Christian Younes (Head Trading and Treasury),
Philipp Bärtschi (Head Investment Management) und Karsten Junius (Head Econo-
mic and Strategy Research), um mit ihnen über ihre Erwartungen für das neue Jahr
zu sprechen. Alle vier waren sich einig, dass 2025 ein positives Jahr für Risikoanla-
gen werden wird, wobei Aktien trotz ihrer bereits hohen Bewertungsniveaus An-
leihen erneut hinter sich lassen dürften. Der in den USA erwartete Policy-Mix sollte
dem US-Dollar zugutekommen, da die Renditen von US-Anleihen weiterhin erhöht
bleiben dürften. Das grösste Risiko für die Finanzmärkte wäre ein globaler Handels-
krieg, der das Wachstum belasten und die Inflation in die Höhe treiben könnte.
Global View (GV): Herr Junius, hat 2024 Ihre Erwartungen
erfüllt?
In vielerlei Hinsicht hat das Jahr 2024 unsere Erwartungen sogar
übertroffen. Das Wachstum in den USA präsentierte sich weiter
stark, während die ckläufige Inflation den Boden für eine starke
Rally von Risikoanlagen bereitete. Wie in einem solchen Umfeld
zu erwarten ist, verharrten die US-Anleiherenditen und der US-
Dollar auf erhöhten Niveaus. Dagegen verzeichnete China ein
weiteres schwieriges Jahr, da die strukturellen Ungleichgewichte
im Immobiliensektor des Landes nach wie vor das Verbraucher-
vertrauen belasten. Wie von uns erwartet, fiel auch das Wirt-
schaftswachstum in Europa erneut äusserst verhalten aus, worin
zyklische und strukturelle Belastungsfaktoren zum Ausdruck
kommen. Die Inflationserwartungen sanken in beinahe allen
ndern in Richtung der Zielwerte der Zentralbanken, was Leit-
zinssenkungen in weniger restriktives Terrain ermöglichte. Das
Jahr 2024 war überdies von wichtigen Wahlen in acht der zehn
bevölkerungsreichsten Länder weltweit geprägt. Nun sehen wir
einem Jahr entgegen, in dem politische Entscheidungen eine
noch grössere Rolle im Hinblick auf die Entwicklung an den Fi-
nanzmärkten spielen dürften.
GV: Herr Bärtschi, wie ist es Ihnen gelungen, Ihre Anlageport-
folios in einem so volatilen Umfeld auf Kurs zu halten?
In der ersten lfte des Jahres 2024 fiel die Volatilität ver-
gleichsweise gering aus und wir wiesen eine insgesamt risi-
kofreundliche Portfoliopositionierung mit einer Übergewich-
tung von Aktien und einer Untergewichtung von Anleihen auf. In
Diskussion
24 | Global View
den Sommermonaten gingen wir zu einer neutralen Aktienge-
wichtung über, da wir mit stärkeren Schwankungen an den Fi-
nanzmärkten rechneten. Seither ist die Wahrscheinlichkeit ei-
ner Rezession in den USA deutlich gesunken und die US Fe-
deral Reserve hat die Zinsen mehrmals gesenkt. Wir haben un-
sere Aktienallokation nach den US-Wahlen wieder auf eine
leichte Übergewichtung aufgestockt. Aufgrund der erhöhten
Unsicherheit und der hohen Volatilität der Zinserwartungen ori-
entierten wir uns 2024 eng an den Referenzindizes, was sich
bezahlt machte, da alle Anlageklassen zu einer positiven Wert-
entwicklung beitrugen.
Oliver Cartade, Head Asset Management and Institutional Clients
GV: Herr Cartade, die negative Korrelation zwischen den realen
Renditen und Gold scheint komplett aufgebrochen zu sein.
Ausserdem haben sich Gold und der US-Dollar 2024 gleichzei-
tig stark entwickelt, was ungewöhnlich erscheint. Ist dies die
neue Normalität?
Traditionell entwickelt sich der Goldpreis eher gegenufig
zu den realen Renditen. Wenn Letztere niedrig oder negativ
ausfallen, gewinnt Gold als Inflationsschutz an Attraktivit.
Hohe reale Renditen drücken den Goldpreis, da die mit Gold-
engagements verbundenen Opportunitätskosten steigen. Im
Jahr 2024 war jedoch eine Abkehr von diesem historischen
Muster zu erkennen, wobei der Goldpreis anzog, obschon die
realen Renditen stiegen und sich der US-Dollar anhaltend so-
lide entwickelte. Diese Anomalie könnte auf eine Reihe von
Faktoren zurückzuführen sein, darunter die erhöhte geopoliti-
sche Instabilität und die haushaltspolitischen Herausforderun-
gen in den wichtigen Volkswirtschaften. Zudem haben die Zent-
ralbanken ihre Reserven diversifiziert und um Gold erweitert.
Die im Laufe der Jahre vorgenommene Reduzierung der US-
Treasury-Reserven in China ist ein erwähnenswertes Beispiel,
das sich auf die Marktdynamik ausgewirkt haben nnte. Die
strukturellen Treiber, die Gold stützen so etwa die Sorgen
über US-Haushaltsdefizite, Inflationsschutz und die Diversifi-
zierung von Reserven dürften auf kurze Sicht weiter positiv
auf das Edelmetall wirken und für Aufwärtsdruck auf die Gold-
preise sorgen.
Christian Younes, Head Trading and Treasury
GV: Herr Younes, die Renditen von US-Treasuries verharrten
2024 auf erhöhten Niveaus. Werden sie angesichts der politi-
schen Präferenzen der neuen US-Regierung wieder unter 4%
sinken?
Auch ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Renditen derart
erhöht bleiben würden. Die Gründe hierfür sind der wider Erwar-
ten langsame ckgang der Kernteuerung und die Enge am Ar-
beitsmarkt. Dennoch ist die Inflation in den USA deutlich gesun-
ken und dürfte sich um 2.5% herum einpendeln, was zwar über
dem Zielwert der Fed liegt, aber nach wie vor ein angemesse-
nes Niveau darstellt. Mehrere Indikatoren legen nahe, dass die
Anspannung am Arbeitsmarkt nachgelassen hat, sodass die
Fed Zinssenkungen einleiten konnte. Ich denke, dass die Fed
Funds Rate bis zum Ende des ersten Halbjahres 2025 auf 3.5%
bis 4% gesenkt wird. Dies hätte einen realen Zinssatz von rund
1% zur Folge, was im historischen Vergleich hoch ist. Die von
der neuen Regierung bevorzugten politischen Instrumente
wie höhere Zölle und weniger Immigration könnten den Infla-
tionsdruck erhöhen, während niedrigere Steuern potenziell
mit einem höheren Haushaltsdefizit einhergehen. Dies würde
die Fed in ihrer Fähigkeit beschränken, die Geldpolitik weiter
Diskussion
Global View | 25
zu lockern. Die Renditen am langen Ende der US-Treasury-
Kurve (ab fünf Jahren) werden in den nächsten sechs bis
12 Monaten daher nicht unter 4% fallen. Darüber hinaus hege
ich Zweifel (aber auch Hoffnung), dass das von der neuen Re-
gierung unter Trump geplante Department of Government Effi-
ciency in der Lage sein wird, das Haushaltsdefizit stark genug
zu senken, damit die Renditen lang laufender US-Treasuries
nachhaltig unter 4% sinken.
Karsten Junius, Head Economic and Strategy Research
GV: Herr Junius, machen Sie sich Sorgen über die Unabhängig-
keit der Fed?
Ich bin nicht sonderlich besorgt, was die Unabhängigkeit der
Fed anbelangt. Die US-Wahlen haben deutlich gezeigt, dass die
erhöhte Inflation der Wahlbevölkerung ein Dorn im Auge ist.
Dies legt nahe, dass keine US-Regierung übermässig starken
Druck auf die Fed wird ausüben wollen, um eine höhere Teue-
rung zuzulassen. Ausserdem ist es auch aus rechtlicher Sicht
sehr schwierig, einen Fed-Vorsitzenden zu ersetzen, und die Fi-
nanzmärkte würden einen derartigen Versuch wohl nicht ohne
Weiteres goutieren. Ich glaube eher, dass die neue Regierung
unter Trump der Fed die Schuld zuschieben wird, sollte das
Wachstum unter das gewünschte Niveau sinken und die Infla-
tion über den Zielwert steigen.
GV: Herr Junius, niemand spricht mehr von einer Rezession in
den USA. Welches Wirtschaftsszenario prognostizieren Sie für
2025?
Es ist in der Tat beachtlich, dass die Fed es geschafft hat, eine Kon-
junkturverlangsamung zu bewirken, ohne eine Rezession auszulö-
sen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Rezessionsrisiken der
Vergangenheit angehören. Letztere könnten im Falle externer
Schocks oder einer zu restriktiven Wirtschaftspolitik wieder
steigen. Wir sind der Ansicht, dass die US-Wirtschaft weiterhin
auf eine weiche Landung zusteuert. Wir sind zuversichtlich,
dass niedrigere Körperschaftssteuern und die Deregulierung
die Wirtschaft in der ersten Hälfte des nächsten Jahres ankur-
beln werden. Dies hat jedoch zur Folge, dass die Fed womöglich
weniger Zinssenkungen vornehmen kann als ursprünglich von
uns erwartet. Vor dem Hintergrund der vergleichsweise hohen
Zinsen dürfte es in der zweiten Jahreshälfte 2025 zu einer Kon-
junkturverlangsamung in den USA kommen. Für Europa gilt das
Gegenteil. In den kommenden Quartalen ist mit einem verhal-
tenen Wachstum zu rechnen, das sich aber in der zweiten Jah-
reshälfte beschleunigen dürfte, da die Europäische Zentral-
bank die Leitzinsen unseres Erachtens stark senken wird. Die
zunehmende Zinsdifferenz hätte einen Rückgang des
EUR/USD-Wechselkurses zur Folge und könnte die Wettbe-
werbsfähigkeit der Einheitswährung verbessern. Angesichts
des Risikos eines globalen Handelskrieges würden wir unsere
Hoffnung aber nicht auf eine exportgetriebene Erholung in der
Eurozone oder der Schweiz setzen.
Philipp Bärtschi, Head Investment Management
GV: Herr Bärtschi, werden Aktien Anleihen auch 2025 wieder
übertreffen?
Angesichts der niedrigeren Zinsen gepaart mit der verringerten
Unsicherheit nach den US-Wahlen dürfte die Anlegernachfrage
nach riskanteren Anlagen wie Aktien Anfang des nächsten Jah-
res zunehmen. Aktien sind in den USA hoch, in Europa und den
meisten Schwellenländern indes günstig bewertet. In unserem
Basisszenario für 2025 rechnen wir mit einer Überrendite von
Diskussion
26 | Global View
Aktien gegenüber Anleihen. Das grösste Risiko für dieses Sze-
nario besteht in neuerlichen Inflationssorgen. Die neue Regie-
rung unter Trump plant eine Reihe politischer Massnahmen,
darunter Zölle und eine geringere Immigration, die einen stär-
keren Preisauftrieb nach sich ziehen dürften. Dies würde sich
negativ auf Anleihen auswirken und diese voraussichtlich stär-
ker belasten als Aktien, sollten die Zentralbanken in der zwei-
ten Jahreshälfte wieder auf einen restriktiveren Kurs um-
schwenken.
GV: Herr Cartade, wie haben sich alternative Anlagen 2024
entwickelt, und was erwarten Sie für 2025?
Was alternative Anlagen anbelangt, so gestaltete sich das
Jahr 2024 uneinheitlich, da sich einige Strategien recht gut ent-
wickelten, während sich einige Mainstream-Segmente wie Pri-
vate Equity und Immobilien einem schwierigeren Umfeld gegen-
übersahen und nur mittelmässig abschnitten. Da sich alterna-
tive Anlagen nicht alle in einen Topf werfen lassen, gehe ich ein-
zeln auf die wichtigsten Teilbereiche ein.
Private Equity:
Private Equity hat bereits in der Vergangenheit
bewiesen, dass es öffentliche rkte langfristig und ungeach-
tet von Konjunkturschwankungen übertreffen kann. 2024 sah
sich der Bereich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert,
da die höheren Zinsen weltweit die Fremdkapitalkosten in die
Höhe getrieben haben, was es den Private-Equity-Managern
erschwert hat, die Ertragsziele zu erreichen. Überdies begren-
zen die anhaltend hohen Bewertungen die Möglichkeiten für
die Ertragsgenerierung durch Bewertungsanstiege. Um die-
sem Umfeld zu begegnen, ssen Manager den Fokus auf
Qualitätsunternehmen mit nachhaltigem Wachstumspoten-
zial und einer geringeren Abhängigkeit von Fremdkapital le-
gen. In Sektoren wie künstliche Intelligenz, Gesundheit, Si-
cherheit und Fintech bieten sich weiterhin Wachstumschan-
cen. Es besteht nach wie vor Optimismus darüber, dass sich
die Wertentwicklung im Zuge der Marktstabilisierung verbes-
sert, sodass Private Equity 2025 potenziell stärker abschnei-
den könnte.
Private Credit:
Der Private-Credit-Sektor behauptete sich
2024 gut und erzielte solide Erträge. Zu verdanken war dies
den variabel verzinslichen Strukturen, die gut an steigende
Zinsen angepasst sind. Angesichts der niedrigen Ausfallquo-
ten und des stabilen Wirtschaftswachstums gestaltete sich
der Ausblick positiv, wenngleich die Zahl der Ausfälle im
Falle einer Konjunkturverlangsamung zunehmen nnte.
Die Regionalbankenkrise im Jahr 2023 hatte lang anhal-
tende Folgen r die Kreditvergabepraktiken und zog ein
strengeres Bilanzmanagement sowie strengere Kreditverga-
bestandards bei traditionellen Finanzinstituten nach sich.
Das dadurch entstehende Vakuum konnten Private-Credit-
Manager für sich nutzen, um Unternehmen mit begrenzten Fi-
nanzierungsmöglichkeiten Kapital zur Verfügung zu stellen.
Da die Renditen im Bereich der direkten Kreditvergabe nach
wie vor höher ausfallen als jene anderer Arten von liquiden
festverzinslichen Anlagen und die in der Branche zum Einsatz
kommenden Kreditbedingungen mehr Schutz bieten, rfte
Private Credit auch weiterhin attraktive risikobereinigte Er-
träge erzielen.
Immobilien:
Gewerbeimmobilien haben sich gemischt entwi-
ckelt, wobei der rosektor mit erheblichen Schwierigkeiten
konfrontiert war. Grund waren der anhaltende Home-Office-
Trend sowie die hohen Zinsen, welche Abwärtsdruck auf die
Bewertungen ausüben. Während Büroimmobilien nachgaben,
entwickelten sich andere Segmente wie Industrie, Einzelhan-
del und Gastgewerbe positiver. Mit Blick auf 2025 ergeben
sich Chancen durch die Diversifizierung der Engagements hin
zu Sektoren wie Industrie, Mehrfamilienhäuser und Life Sci-
ences, die sich nach wie vor durch Widerstandskraft aus-
zeichnen. Die Herausforderungen am Büromarkt dürften zwar
anhalten. Erfahrenen Anlegern könnten sich aber Gelegenhei-
ten bei ausgewählten Objekten mit Bewertungsabschlägen
bieten.
Hedgefonds:
Hedgefonds erzielten Anfang 2024 erhebliches
Alpha, da die makroökonomischen Faktoren weniger schwer
wogen als die Fundamentaldaten des Marktes. Dieser Trend
dürfte sich bis 2025 hinein fortsetzen und für Gelegenheiten
über verschiedene Strategien hinweg sorgen. Hedgefonds
werden oftmals missverstanden aufgrund der breiten Palette
an Strategien, die zum Einsatz kommen und von denen jede
eine einzigartige Rolle innerhalb eines diversifizierten Portfo-
lios spielt. Makro- und marktneutrale Strategien erscheinen
angesichts der anhaltenden Unsicherheit am Markt und der
geopolitischen Risiken besonders vielversprechend. Hierbei
handelt es sich um defensive Strategien, bei denen die Mana-
ger in der Lage sind, Alpha mittels Long- wie auch Short-Posi-
tionen, die eine geringe Korrelation zu den Entwicklungen am
breiteren Markt aufweisen, zu generieren.
GV: Und wie dürfte sich 2025 Ihrer Meinung nach gestalten?
Während viele alternative Anlagen auf langfristige Gewinne
ausgerichtet sind, kann ihre Aufnahme in ein diversifiziertes
Portfolio für Ertragssteigerungen und eine Verringerung der
Volatilität sorgen. Private Equity, Private Credit und Immobilien
tragen zusammen genommen zur Alpha-Generierung sowie der
Risikominderung und somit zu einer solideren Portfolioentwick-
lung bei. Im aktuellen Zyklus sind insbesondere Sekundäranla-
gen hervorzuheben. Nach dem Abschwung im Jahr 2022 wie-
sen zahlreiche institutionelle Investoren aufgrund der schwa-
chen Entwicklung an den öffentlichen Märkten ein zu starkes
Engagement bei Private Equity auf dieses Phänomen ist als
„Denominator-Effekt“ bekannt. Dies versetzte Manager von Se-
kundäranlagen in die Lage, Qualitätspapiere mit attraktiven Ab-
schlägen zu erwerben. Indem sie Vermögenswerte über ver-
schiedene Branchen, Regionen und Jahrgänge hinweg auswäh-
len, können diese Manager Portfolios zusammenstellen, wel-
che Kapital schneller ausschütten und einen stärkeren Ab-
wärtsschutz bieten.
Diskussion
Global View | 27
GV: Herr Younes, was sind Ihrer Einschätzung nach die
Kernthemen für 2025, und was sind Ihre bevorzugten Trades?
Wie sich das Jahr 2025 gestalten wird, hängt im Wesentlichen
davon ab, ob es zu einem weiteren globalen Handelskrieg
kommt, bei dem die von den USA verhängten Zölle mit entspre-
chenden Massnahmen seitens der betroffenen Regionen ver-
golten werden. Ein neuerlicher Handelskrieg rde das globale
Wachstum belasten und selbst für die USA negative Auswirkun-
gen haben. Daher glaube ich, dass der designierte Präsident
Trump Zölle als Druckmittel bei Verhandlungen einsetzen wird
und diese entgegen seinen Wahlkampfversprechen nicht ohne
Weiteres pauschal implementieren dürfte.
Mein aktuell bevorzugter Trade ist eine Long-Position (Zins-Re-
ceiver) über TIPS (inflationsgeschützte US-Staatsanleihen) im
drei- bis fünfjährigen Segment. Darüber hinaus halte ich Ver-
steilungspositionen auf der US-Kurve weiterhin für attraktiv.
Auch glaube ich, dass chinesische Aktien angesichts der stär-
keren staatlichen Unterstützung für positive Überraschungen
sorgen könnten, sollten die potenziellen Zölle in he von
60% ausbleiben. Ausserdem sollte nicht vergessen werden,
dass sich Elon Musk in der Vergangenheit für China ausgespro-
chen hat. Ich würde bei einer Umsetzung dieser Positionen al-
lerdings vorsichtig vorgehen und Strukturen bevorzugen, die
ein begrenztes Abwärtspotenzial aufweisen, so etwa Papiere
mit Kapitalschutz.
GV: Herr Bärtschi, wie wollen Sie Ihre Portfolios 2025 positio-
nieren?
Zu Jahresbeginn werden wir eine leichte Übergewichtung von
Aktien und eine Untergewichtung von Anleihen aufweisen. So-
lange sich das Weltwirtschaftswachstum nahe dem Trendni-
veau bewegt, dürften die Unternehmensgewinne steigen und
die Aktienmärkte beflügeln. Wir geben den Industrieländern
weiterhin den Vorzug vor den Schwellenmärkten. Was festver-
zinsliche Anlagen anbelangt, so halten wir Hochzinspapiere
trotz der niedrigen Risikoprämie r attraktiver als Invest-
ment-Grade-Anleihen. Allgemein wird das aktive Risiko in un-
seren Portfolios am Jahresanfang niedrig ausfallen. Wir wol-
len über mehr Spielraum für taktische Aufstockungen unserer
Risikopositionen verfügen, sollte es zu Rückschlägen am
Markt kommen. Die Inflation stellt unseres Erachtens ein we-
sentliches Risiko dar, weshalb wir die Preisdynamik genau im
Blick behalten, um potenzielle Veränderungen bei der Zentral-
bankpolitik und den Zinserwartungen schon frühzeitig auszu-
machen.
GV: Wir bedanken uns für diese wertvollen Einschätzungen.
Oliver Cartade und Christian Younes
Markt- und Prognoseübersicht
28 | Global View
Markt- und Prognoseübersicht
Markt- und Prognoseübersicht
Wirtschaftsprognosen
In %
2024
2025
2026
USA
Wirtschaftswachstum
2.8
2.2
1.9
Inflation
2.9
2.5
2.5
Euroland
Wirtschaftswachstum
0.9
1.0
1.4
Inflation
2.4
2.1
2.0
Schweiz
Wirtschaftswachstum
1.3
1.0
1.9
Inflation
1.1
0.4
1.0
UK
Wirtschaftswachstum
0.9
1.6
1.5
Inflation
2.6
2.5
2.4
Japan
Wirtschaftswachstum
-0.2
1.2
0.7
Inflation
2.6
2.2
1.7
China
Wirtschaftswachstum
4.8
4.5
4.0
Inflation
0.4
1.1
1.6
Quelle: Macrobond, J. Safra Sarasin, 28.11.2024
Leitzinsen in %
27.11.
2Q25
4Q25
4Q26
US Fed Funds
4.75
4.25
4.00
3.75
EUR Einlagenzinssatz
3.25
2.00
1.75
1.75
CHF SARON
1.00
0.00
0.00
0.00
BoE Referenzzinssatz
4.75
4.25
3.75
3.00
Japan Tagesgeldsatz
0.25
0.75
0.75
1.00
Quelle: Macrobond, J. Safra Sarasin, 28.11.2024
Zehnjährige Anleiherendite in %
27.11.
2Q25
4Q25
4Q26
USA
4.25
4.30
4.30
4.20
Deutschland
2.13
2.10
1.90
2.20
Schweiz
0.27
0.20
0.20
0.40
UK
4.27
4.00
3.70
3.60
Japan
1.05
1.20
1.40
1.60
Quelle: Datastream, J. Safra Sarasin, 28.11.2024
Wechselkursprognosen
27.11.
2Q25
4Q25
4Q26
EUR-CHF
0.93
0.93
0.92
0.91
EUR-USD
1.06
1.05
1.08
1.12
EUR-GBP
0.83
0.83
0.85
0.88
GBP-USD
1.27
1.27
1.27
1.27
USD-JPY
151
152
148
140
USD-CHF
0.88
0.89
0.85
0.81
USD-CNY
7.25
7.40
7.50
7.50
Quelle: Macrobond, J. Safra Sarasin, 28.11.2024
Markt- und Prognoseübersicht
Global View | 29
Aktienindexkursziele
27.11.
P/E ratio
Dec-25
Dec-26
USA
S&P 500
5’999
21.7
6’300
6’800
Nasdaq 100
20’744
26.0
21’500
23’400
Europa
MSCI UK
2’362
11.7
2’520
2’630
DJ Euro Stoxx 50
4’733
13.4
5’100
5’400
DAX
19’262
12.5
20’500
22’000
SMI
11’644
16.5
12’700
13’400
SPI
15’522
20.1
17’400
19’200
SMIM (Swiss Mid-Caps)
2’608
n/a
2’850
3’100
Japan
MSCI Japan
1’636
14.2
1’750
1’900
Aufstrebende Märkte
MSCI EM
1’088
12.4
1’250
1’350
MSCI China
64
10.6
75
81
Quelle: Datastream, J. Safra Sarasin, 28.11.2024
Aktienmarktstrategie
Vermögensallokation
Quelle: J. Safra Sarasin, 28.11.2024
Quelle: J. Safra Sarasin, 28.11.2024
Regionen Sektoren
GB Übergewichten Gesundheit
Industrie
Banken
Verbrauchsgüter
USA Neutral Telekommunikations-Dienstleistungen
EM Informationstechnologie
China Energie
Schweiz Versicherungen
Euroland Roh-/Grundstoffe
Japan Immobilien
Versorger
Zyklische Konsumgüter
Untergewichten
Anlageklassen Position
Anleihen
Staatsanleihen =
Unternehmensanleihen mit Investment Grade
Rating
Hochzinsanleihen +
EM Anleihen =
Aktien +
Entwickelte rkte +
Schwellenländermärkte =
Liquidität =
Alternative Anlagen =
Rohnstoffe =
Andere alternative Anlagen =
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Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis für die laufende oder zukünftige Wertentwicklung.
Kapitalanlagen in Fremdwährungen unterliegen Währungsschwankungen. Entspricht die Bezugswährung des Investors nicht der
Anlagewährung bzw. den Anlagewährungen besteht daher ein Wechselkursrisiko. Angaben zu künftigen (Wert-) Entwicklungen
werden lediglich zu Informationszwecken gemacht und sind weder als Vorhersagen noch Zusicherungen einer künftigen Wertent-
wicklung zu verstehen, sie können aus unterschiedlichen Gründen erheblich von der tatsächlichen Wertentwicklung abweichen.
Die in dieser Publikation dargestellten Meinungen, Prognosen sowie die erwähnten Zahlen und Daten können jederzeit und ohne
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mationen (oder Teilen davon) ergeben, ab.
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und/oder ein Basisinformationsblatt vorliegt, sind diese kostenlos bei der Bank J. Safra Sarasin AG, Elisabethenstrasse 62, Post-
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Bloomberg
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aller beschriebenen Produkteigenschaften zu enthalten. Produktunterlagen, wenn es sich um Fonds handelt, sind auf Anfrage
kostenlos bei der J. Safra Sarasin (Deutschland) GmbH, Kirchnerstraße 6-8, 60311 Frankfurt am Main in deutscher und engli-
scher Sprache erhältlich. Soweit im Rahmen dieser Publikation zukünftige Wertentwicklungen dargestellt werden, beruhen diese
unter anderem auf Prognosen für die zukünftige Entwicklung der Finanzmärkte und entsprechenden Simulationen. Diese Prog-
nosen und Simulationen wiederum beruhen vor allem auf Erfahrungen und konkreten Wertentwicklungsdaten der Vergangenheit.
Wir möchten Sie daher ausdrücklich darauf hinweisen, dass historische Wertentwicklungsdaten, Prognoseberechnungen und
sonstige Simulationen kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung sind. Eine Garantie für das Eintreten der prog-
nostizierten Werte der Modellrechnungen können wir daher nicht übernehmen. Die in dieser Publikation bereitgestellten Informa-
tionen für Kunden mit Wohnsitz oder Sitz in Deutschland richten sich ausschließlich an institutionelle Kunden, die Anlagege-
schäfte ausschließlich als Unternehmer zu gewerblichen Zwecken abzuschließen beabsichtigen. Dieser Kundenkreis ist be-
schränkt auf Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Versicherungsunternehmen, so-
weit sie über die für den Geschäftsbetrieb jeweils erforderliche Erlaubnis verfügen und einer Aufsicht unterliegen, sowie mittel-
große und große Kapitalgesellschaften im Sinne des deutschen Handelsgesetzbuchs (§ 267 Abs. 2 und Abs. 3 HGB).
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gens- und Anlageverwaltung an. Sie ist in Gibraltar unter der Registrierungsnummer 82334 eingetragen. Die Bank J. Safra Sarasin
(Gibraltar) Ltd ist von der Gibraltar Financial Services Commission autorisiert und reguliert. Telefongespräche können aufgezeich-
net werden. Ihre persönlichen Daten werden in Übereinstimmung mit unserer Daten- und Datenschutzerklärung behandelt. Diese
Publikation wird Ihnen von der Bank J. Safra Sarasin (Gibraltar) Limited zur Verfügung gestellt: Dieses Dokument ist als Marke-
tingmitteilung im Sinne des Financial Services Act 2019 zugelassen. Nichts in diesem Dokument soll eine Haftung ausschließen
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Anlage tätigen, einschließlich der Risikowarnungen, und sich bei Bedarf von einem Finanz- oder Steuerexperten beraten zu las-
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der Autor dieses Dokuments. Dieses Dokument stellt weder eine persönliche Empfehlung in Bezug auf die darin genannten Fi-
nanzinstrumente oder Produkte oder Anlagestrategien dar, noch stellt es eine Aufforderung zum Abschluss eines Portfolioverwal-
tungsmandates mit der Luxemburger Bank oder ein Angebot zur Zeichnung oder zum Kauf eines der darin genannten Produkte
oder Instrumente dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen stellen keine Grundlage für eine Investitionsentschei-
dung dar. Nichts in diesem Dokument stellt eine Anlage-, Rechts-, Buchhaltungs- oder Steuerberatung oder eine Zusicherung dar,
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tung vorzunehmen. Die Luxemburger Bank übernimmt keine Haftung im Zusammenhang mit einer Anlage-, Veräußerungs- oder
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