
Umschlags willen da ist. Alles bezieht sich hier aufs Wasser– selbst
Sholing, wo ich wohnte, ist eine Verschleifung von Shore Land,
»Küstenland«–, gleichzeitig jedoch scheint die Stadt das zu leug-
nen, als ob sie und das Element, dem sie ihre Existenz verdankt,
zwei völlig getrennte Lebensbereiche wären.
Heute nehme ich das Wasser anders wahr. Wenn ich kann,
schwimme ich jeden Tag im Meer. Fern vom Wasser fühle ich mich
beengt; sommers wie winters richte ich mich in meinem Tages -
lauf nach den Gezeiten. Ich sitze im Strandkies und sehe zu, wie
die Fähren aneinander vorbeiziehen, wie sie kurz verschmelzen,
bevor sie sich wieder trennen, unterwegs zwischen Irgendwo und
Nirgendwo. Weit draußen in denselben Gewässern, die den rot-
haarigen Dichter so erregten und die seinen blassen, sommerspros-
sigen Körper trugen, lege ich mich auf den Rücken, auf einer Höhe
mit dem Land, und lasse die Wellen über mich gleiten wie eine De-
cke. Unbehindert, unbeobachtet, sei es im warmen Wasser des spä-
ten August oder in der eisigen rauen Dezembersee, lasse ich mich
tragen und beobachte, wie mir die Welt mitsamt meinen Kleidern
am Strand immer ferner wird.
Manchmal streift mich etwas Schwabbeliges am Bein– einer
der Tintenfi sche, die oft am Ufer angespült werden, wo ihr fl ecki-
ges Fleisch und ihre schleimigen Tentakel verfaulen und darunter,
neben den harten Papageienschnäbeln, die kalkweiße Schale zum
Vorschein kommt, der Schulp. Manchmal spüre ich ein schmerz-
haftes Stechen, wenn ich mit einer unbemerkten Qualle in Berüh-
rung gekommen bin. Und trotzdem schwimme ich immer wieder
hinaus, dorthin, wo mich niemand fi ndet, wo Seeschwalben tau-
chen und Kormorane treiben und wo ich keine Ahnung habe, was
unter mir ist. Ich träume von Leichen auf dem Grund, verschlei-
ert und zugleich bewegt, wie die ertrunkene Frau im Fluss in dem
Film Die Nacht des Jägers, oder von dem Hai, den ich einmal in ei-
ner Bucht in Cornwall vom Steilufer aus zu sehen meinte. Die Art,