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Als Ergebnis dieser Diskrepanzen zwischen der Norm des Unternehmerischen und
seiner Krise, als psychisch-emotionale „Bedrohungen“ für das Unternehmerische, nennen
die besprochenen soziologischen Abhandlungen folgende Eigenschaften des
zeitgenössischen Subjekts: Einfallslosigkeit, emotionale Erstarrung, Rückzug,
Ohnmachtsgefühle, Selbstzweifel, Mutlosigkeit, Angst vor Risiken und vor dem sozialen
Abstieg, Entscheidungsschwierigkeiten, tiefe Traurigkeit, Depression, Ausgebrannt-Sein,
Selbstüberforderung, Tendenz zur Selbstausbeutung, Erschöpfung, Selbstzwang zu
Neuem/Anderem, Selbsttransformation um ihrer selbst willen, systematische
Enttäuschung, Überforderung, Hoffnungslosigkeit, Unsicherheit. All dies resultiert in einer
Zunahme stressbedingter psychischer Erkrankungen. Näher ausgeführt werden diese
„Keime“ einer „Mentalität der Unzulänglichkeit“ in den soziologischen Abhandlungen
allerdings nicht. Inwieweit literarische Darstellungen diese Lücke schließen können, wird
im Weiteren zu untersuchen sein.
In einer gesellschaftlichen Realität, in der Singularität, also unter anderem das
Abweichen von der Norm, zur Norm geworden ist, kann eine tatsächliche Autonomie trotz
streben nach Individualität nicht beobachtet werden. Es scheint zudem unmöglich, sich
tatsächlich von der Norm des Unternehmerischen abzusondern, die fortwährend stärkeren
Druck generiert. Die Kehrseiten des Unternehmerischen, die sich in den genannten
psychisch-emotionalen Bedrohungen äußern, stellen sich als Erscheinungsbilder eines
Gefühls der Ohnmacht heraus, nicht aus der Welt des unternehmerischen Selbst ausbrechen
zu können. Inwieweit die Mentalität der Unzulänglichkeit sich auch in der von Bröckling
so bezeichneten Kunst des Anders-Anders-Seins äußern kann, bleibt offen. Bröcklings
soziologische Abhandlung nennt Indifferenz, Nutzlosigkeit und das Keine-Entscheidung-
Treffen als Ansätze dieser Kunst. Die Grenzen in der Mentalität des unzulänglichen Ich
zwischen Ohnmacht und Unvermögen, dem Unternehmerischen Diskurs zu entkommen,
und des Praktizierens der Kunst des Anders-Anders-Seins, wird in den soziologischen
Abhandlungen nicht gezogen.
Es wird sich zeigen, inwieweit die Literatur an dieser Stelle einhaken, und auf
welche Weise sie mit den ihr eigenen Mitteln die Mentalität des unzulänglichen Ich in der
gesellschaftlichen Realität des unternehmerischen Selbst darstellen kann. Die in diesem
Kapitel erarbeiteten Hauptcharakteristika des unternehmerischen Selbst und seiner
Kehrseite werden anschließend bei der Interpretation eines jeden der drei literarischen
Beispielwerke als Analyseparameter zur Gegenüberstellung herangezogen.