
»Jeremy Bentham – present, but not voting«
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house« im Behandlungszimmer
von Dr. Southwood Smith – dem
University College London (UCL)
geschenkt und dort zunächst ür
über Jahre weggeschlossen.
Als Professor George ane und
T.W.P. Laurence, der Kurator des
Anatomischen Museums der UCL,
es schließlich verstaubt und
moenzerfressen zu Gesicht be-
kommen, notieren sie erstaunt:
[t]he head was found, wrapped
in cloth saturated with same bi-
tuminous or tarry substance (a
sort of tarpaulin) and the in pa-
per, making a parcel, in the ca-
vity of the trunk-skeleton, being
fastend by strong wire running
from the ribs to the vertebral
column. On unpacking this
the head itself was found to be
mummied, dried, and prepared
[…], so that it looks not unlike a
New Zealand head. […] e face
is clean shaved – hair scanty,
grey, long. (Marmoy , )
Nach restauratorischen Arbeiten
sollte das humanoide Artefakt
ausgestellt werden. Aber wo gehörte es hin? Unschlüssig, was damit anzufangen
sei, fand es sich im Aufenthaltsraum der Professoren der UCL (als Professor unter
Professoren) wieder, mal in der Bibliothek (als Kopf zu all seinen dort lagernden
Manuskripten), mal zur Restaurierung im anatomischen Museum, bevor es in
einer viel frequentierten Durchgangshalle gegenüber einer ähnlich gestalteten
23 Brief von John Bowring and Edwin Chadwick vom 26. September 1866. Archiv des Uni-
versity College of London (UCL), Bentham’s manuscripts [Bentham’s Mss/155–107].
[…] He will cause the skeleton to be clad in one of the suits of back occasionally
worn by me […].
So unwahrscheinlich und verrückt das klingen mag, so ist es schließlich ge-
schehen. Von allen Philosophen, deren Texte wir bis heute studieren, ist uns
nur dieser eine ›in voller Montur‹ erhalten geblieben: nicht inszeniert als Toter,
sondern eher als gutgelaunter Wanderer zwischen den Welten mit Strohhut auf
dem Kopf, breitbeinig auf seinen Stock gestützt, wochentags immer von bis
Uhr anzusehen, zunächst lange in einer viel frequentierten Durchgangshalle,
den sog. South Cloisters des University College of London (UCL), und seit
im Eingangsbereich des UCL Student House. Benthams selbst tau sein Werk:
›Auto-Icon‹, Selbst-Bildnis. Es existiert allerdings alles andere als von selbst. Es
gibt, wie wir sehen werden, zum humanoiden Artefakt zwei erklärende Texte
dazu, Benthams Testament und einen fragmentarisch gebliebenen Text, der sich
eher wie eine Gebrauchsanweisung liest, nicht als Erklärung.
Jeremy Bentham (–), der Ernder des Utilitarismus, wurde nach der
von ihm ausdrücklich gewünschten öentlichen Sektion nicht beerdigt. Sondern
er saß – wie ebenfalls gewünscht – bis in einem aulappbaren Schrank und
jetzt in einer Glasvitrine. Benthams Skele ist ausstaert mit Holzwolle, Laven-
del, naphthalinhaltigen Moenkugeln und Strohpolstern und trägt, neben Hand-
schuhen und Puschen, Benthams Lieblingsrock. Ob die sprichwörtliche Exzent-
rik der Engländer als Erklärung hierür reicht?
Die Vitrine im University College bot lange Zeit zur Aulärung
ausgerechnet ein vergilbtes Schwarz-Weiß-Foto von an, das
mit großer Selbstverständlichkeit nicht nur einen, sondern zwei
Köpfe zeigt: einen wächsernen mit Hut und einen geschrumpen
ohne Hut, wie das Haupt Johannes des Täufers zwischen Benthams
Beinen platziert, einer echt, einer falsch, einer ähnlich, einer un-
ähnlich, beide oenbar mit Echthaar des Philosophen drapiert.
Unsicher, was damit anzufangen sei, wurde das seltsame Schau-
stück – nach Jahren »at his own request and as a araction to his
21 Jeremy Bentham, aus dem Testament am 30. Mai 1832, zit. nach C.F.A. Marmoy: e
›Auto-Icon‹ of Jeremy Bentham at University College, London, in: Medical History, 2/1958,
London, 77–88, hier 80.
22 Überliefert ist, dass nach der Untersuchung des Auto-Icon durch George ane und
T.W.P. Lawrence am 3. Januar 1898 Folgendes geschah: »Bentham’s head was removed from
the auto-icon’s rib cage and transferred to a separate box. en for a time it was on display at
the feet in its display cabinet.« – James E. Crimmins: Jeremy Bentham’s Auto-Icon and Related
Writings, Bristol 2002, 17; mit Rekurs auf Marmoy 1958, 84.
Das Auto-Icon-Fragment
ist wie ein publiziertes
Werk kursiv, das installa-
tive Objekt hingegen wie
ein Kunstwerk in Kapitäl-
chen gesetzt. Wenn je-
doch die testamentarische
Idee gemeint ist, die beide
zusammenspannt, ist die
Schri recte: ›Auto-Icon‹.
. | Anonyme Installationsphotographie aus dem
Jahr 1948, welche die Ausstellungsweise mit Wachs- und
echtem Kopf aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg nach-
träglich dokumentiert, platziert in der Vitrine des Uni-
versity College of London (UCL) neben Benthams huma-
noiden Artefakt, das er Auto-Icon (1832) taue.