Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten PDF Free Download

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Kontaktadresse:
Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart
Telefon 0711 9 70-00
Telefax 0711 9 70-33 95
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im
Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISSN: 1869-5124
ISBN: 978-3-8396-0168-6
D 17
Zugl.: Darmstadt, TU, Diss., 2010
Druck: Mediendienstleistungen des
Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB, Stuttgart
Für den Druck des Buches wurde chlor- und säurefreies Papier verwendet.
© by FRAUNHOFER VERLAG, 2010
Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB
Postfach 80 04 69, 70504 Stuttgart
Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
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Telefax 0711 9 70-25 08
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Soweit in diesem Werk direkt oder indirekt auf Gesetze, Vorschriften oder Richtlinien (z.B. DIN,
VDI) Bezug genommen oder aus ihnen zitiert worden ist, kann der Verlag keine Gewähr für
Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität übernehmen.
Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten
Analyse der Umsetzbarkeit und Messbarkeit von
Nachhaltigkeitsaspekten bei Wettkampfstätten von
Olympischen Spielen
Vom Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt
zur Erlangung der Würde eines Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.)
genehmigte Abhandlung
Vorgelegt von
Natalie Eßig
aus Bamberg
Hauptberichter: Prof. Manfred Hegger
Mitberichter: Prof. Dr. Wolfgang Maennig
Prof. Markus Gasser
Tag der mündlichen Prüfung: 07. Juni 2010
Promotionsstipendium: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Forschungsstipendium: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Unterstützt durch: Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt
2010
Danksagung
3
Danksagung
Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen eines dreijährigen Promotionsstipendiums
der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Fachgebiet Entwerfen und
Energieeffizientes Bauen (Fachbereich Architektur) an der Technischen Universität
Darmstadt und durch die Förderung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
(DAAD) am Australian Center for Olympic Studies (ACOS) an der University of
Technology, Sydney. Für diese Förderung möchte ich mich herzlichst bedanken.
Herrn Prof. Manfred Hegger möchte ich ganz besonders danken. Ich danke für die
Unterstützung, die weitreichenden Denkanstöße, die Anregung zu dieser Arbeit, seine
Förderung sowie die Übernahme der Betreuung.
Herr Prof. Markus Gasser und Herr Prof. Dr. Wolfgang Maennig haben die
Zweitbetreuung für meine Arbeit übernommen. Hierfür möchte ich mich recht herzlich
bedanken.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Richard Cashmann für die Unterstützung
meiner Arbeit an der University of Technology, Sydney, dem Deutschen Olympischen
Sportbund (DOSB), insbesondere Herrn Dr. Hans Jäggemann und Herrn Andreas
Klages, ebenso wie Herrn Prof. Dr. Gerd Hauser im Rahmen meiner Tätigkeit als
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bauphysik der TU München und am
Fraunhofer-Institut für Bauphysik.
Für die vielfältige Unterstützung möchte ich allen, die das Entstehen dieser Arbeit
möglich gemacht haben, danken.
Weiterhin danke ich allen Mitgliedern und ehemaligen Kollegen des Fachgebiets
Entwerfen und Energieeffizientes Bauens der TU Darmstadt, als auch den Kollegen
des Lehrstuhls für Bauphysik an der TU München, ebenso wie des Fraunhofer-Instituts
für Bauphysik.
Meinen Freunden und meiner Familie danke ich für die Geduld, die großartige
Unterstützung und die zahlreichen Anregungen in dieser Zeit.
München im Januar 2010 Natalie Eßig
Inhalt
5
Inhalt
Abkürzungsverzeichnis 10
Abbildungsverzeichnis 12
Zusammenfassung 19
1. Gegenstand der Arbeit 21
1.1. Begriffsklärung: Olympische Sportbauten 24
1.2. Zielsetzung der Arbeit 27
1.3. Ausgangsbedingungen, Thesen und Fragestellungen 29
1.4. Stand der Forschung und Entwicklung 33
1.5. Methodik und Vorgehensweise 36
1.6. Aufbau der Arbeit 40
2. Status Quo: Nachhaltiger Olympischer Sportstättenbau 42
2.1. Nachhaltigkeit und Bauwesen 44
2.1.1. Entwicklung des Leitbilds Nachhaltigkeit 44
2.1.2. Nachhaltige Entwicklung des Bereichs „Architektur“ 47
2.2. Olympische Wettkampfstätten und Stadtentwicklung 52
2.2.1. Strömungen und Planungskonzepte Olympischer
Baumaßnahmen (Wettkampfbauten) 53
2.2.1.1. Planungstypologien bei Olympischen Sommerspielen 53
2.2.1.2. Planungstypologien bei Olympischen Winterspielen 57
2.2.2. Olympische Wettkampfbauten als Beschleunigungswerkzeug
der Stadtentwicklung 59
2.3. Entwicklung der Olympischen Sportarchitektur 63
2.3.1. Gigantismus der Spiele - Starke Zunahme an benötigten
Olympischen Sportbauten 63
2.3.2. Olympische Sportbauten als Verbreiter des kulturellen und
geschichtlichen Gedankenguts 65
2.3.3. Eventcharakter der Olympischen Sportarchitektur 67
2.3.4. Der Planungsprozess bei Olympischen Wettkampfstätten 70
2.3.5. Lebenszyklus der Olympischen Wettkampfstätten 72
2.3.6. Olympisches Erbe: „White Elephants“ – Leerstände, fehlende
Nachnutzungskonzepte und hohe Lebenszykluskosten nach
den Spielen 75
Inhalt
6
2.4. Etappen der Entwicklung der Olympischen Sportbauten: Etappe
Nachhaltigkeit? 80
3. Instrumente des IOCs zur Umsetzung von nachhaltiger Olympischer
Sportarchitektur 85
3.1. Beschreibung der in die Olympischen Spiele involvierten Institutionen
des Olympic Movements 87
3.2. Entwicklung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des IOC 91
3.2.1. The Environment: Dritte Dimension des Olympismus 91
3.2.2. Environment and Sustainability: Verankerung in der
Olympic Charter 92
3.2.3. IOC Commission of Sport and Environment 93
3.2.4. IOC und United Nations Environment Programme:
Awareness and Education 93
3.3. Ansätze und Methoden der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie
des IOCs 95
3.3.1. Agenda 21 of the Olympic Movement 95
3.3.2. Manual on Sport and the Environment 96
3.3.3. IOC Guide on Sport and Environment 97
3.4. „Environmental Requirements for Bidding and Host Cities“ für
Olympische Sportbauten 99
3.4.1. Kandidaturprozess: „Games that respect the environment” 100
3.4.1.1. Ablauf der Bewerbung für die Olympischen Spiele 100
3.4.1.2. IOC-Anforderungskatalog: Candidature Procedure
and Questionnaire 103
3.4.1.3. Technische Handbücher des IOCs: Technical
Manuals 104
3.4.1.4. Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten:
Auswahlkriterium des Olympischen
Bewerbungsprozesses? 105
3.4.2. Werkzeuge des IOCs für die nachhaltige Qualität von
Olympischen Sportbauten 107
3.4.2.1. IOC-Studie über Olympische Spiele: Olympic
Games Study 107
3.4.2.2. Wissenstransfer des IOCs: Transfer of Knowledge 110
3.4.2.3. Globale Auswirkungen der Olympischen Spiele:
Olympic Games Global Impact Study (OGGI) 111
3.4.2.4. Audit and Masterplan: Planungsinstrument des
Bewerbungsprozesses 114
Inhalt
7
3.5. Nachhaltigkeitsinstrumente des IOCs: Reine Werbemaßnahme für
nachhaltige Olympische Spiele oder Möglichkeit zur tatsächlichen
Umsetzung von nachhaltiger Olympischer Sportarchitektur? 118
4. Olympische Wettkampfstätten und nachhaltige Planungskonzepte 126
4.1. Entwicklung von nachhaltigen Planungskonzepten bei Olympischen
Spielen und deren Wettkampfbauten 128
4.1.1. Fallstudien: Olympische Sommer- und Winterspiele von 1896
bis heute 128
Fallstudie 1: Erste Umweltschutzproteste und
-gesetzgebungen durch Olympische Spiele 128
Fallstudie 2: Erneuerung der Stadtstruktur durch
Olympische Infrastruktur- und Baumaßnahmen 129
Fallstudie 3: Rückbau von Olympischen Wettkampfstätten
nach den Spielen 131
Fallstudie 4: Maximaler Nutzen von Bestands- und
Temporärbauten bei Olympischen Spielen 133
Fallstudie 5: Einführung von Denkmalschutzgesetzen
durch Olympische Spiele 134
Fallstudie 6: Erste Ansätze von Umweltschutzmaßnahmen
bei Olympischen Spielen 134
Fallstudie 7: Großflächige nachhaltige Stadtentwicklung
durch Olympische Spiele 138
Fallstudie 8: Die ersten „Green Games“ 141
Fallstudie 9: Mitwirkung von Umweltschutzorganisationen
und Einführung von nationalen Umweltbaustandards und
Bewertungsmethoden durch Olympische Spiele 149
Fallstudie 10: Stadtregeneration trotz mangelnder
Nachnutzung und Staatsverschuldung 163
Fallstudie 11: Einführung einer ganzheitlichen Nachhaltig-
keitsberichterstattung durch Olympische Spiele 166
Fallstudie 12: Einführung von ökologischen und energie-
effizienten Bautechnologien, Gesetzen und
Planungsinstrumenten in einem Schwellenland durch
Olympische Spiele 168
4.1.2. Fallstudien: Zukünftige Olympische Sommer- und Winterspiele 173
4.2. Umweltbewertungen und -richtlinien von Umweltschutzorganisationen
für Olympische Spiele und deren Sportbauten 175
Inhalt
8
4.2.1. Greenpeace international und Greenpeace Australia
Pacific: Sydney 2000 177
4.2.2. Athen 2004: WWF und Greenpeace 181
4.2.3. Torino 2006: TOROC, UNEP und WWF 185
4.2.4. Beijing 2008: UNEP und Greenpeace 192
4.3. Olympische Sportbauten und Nachhaltigkeit - Widerspruch,
Trend oder Möglichkeit? 207
5. Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von Olympischen
Wettkampfstätten 222
5.1. Bewertungs- und Zertifizierungssysteme für nachhaltige
Olympische Sportbauten 226
5.1.1. Planungsinstrumente für nachhaltiges Bauen 226
5.1.2. Bewertungs- und Zertifizierungssysteme für
nachhaltiges Bauen 228
5.1.3. Bewertungsmethoden der ersten Generation 231
5.1.3.1. BREEAM (Building Research Environmental
Assessment Method) 231
5.1.3.2. LEED (Leadership in Energy and Environmental
Design) 236
5.1.4. Bewertungsmethoden der zweiten Generation 240
5.1.4.1. DGNB (Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen) 240
5.2. Einsatz von Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewertungssystemen
bei Olympischen Sportbauten 246
5.2.1. ESD, Green Star and Nabers: Olympische
Sommerspiele Sydney 2000 246
5.2.2. GOBAS: Olympische Sommerspiele Beijing 2008 250
5.2.3. LEED: Olympische Winterspiele Vancouver 2010 253
5.2.4. BREEAM: Olympische Sommerspiele London 2012 258
5.3. Nationale Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden von
Olympischen Sportbauten: International einsetzbar als
„Environmental Assessment” von Olympischen Wettkampfstätten? 246
5.3.1. Bausteine von Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden
von Olympischen Sportbauten 246
5.3.2. Struktur von Umwelt- und Nachhaltigkeitsgütesiegeln von
Olympischen Sportimmobilien 269
5.3.3. Überprüfung der internationalen Einsetzbarkeit von
Bewertungsmethoden bei Olympischen Sportstätten
durch eine inhaltliche Gegenüberstellung 253
Inhalt
9
6. Bewertung- und Zertifizierung der nachhaltigen Gebäudequalität
von Olympischen Wettkampfbauten: Maßnahme zur Umsetzung
von nachhaltigen Sportbauten? 301
6.1. Olympische Spiele als Katalysator: Verbesserung der regionalen
und nationalen Baustandards durch Olympische Spiele und
deren Baumaßnahmen (Ableitung These 1) 304
6.2. Stärkere Verpflichtung des IOCs: Verankerung von Methoden
zur Bewertung der Gebäudequalität von Olympischen
Wettkampfstätten in den Prozess der Olympischen
Bewerbung (Ableitung These 2) 309
6.3. Nachhaltige Olympische Wettkampfstätten: Von der „Green
Building“-Bewertung hin zur Nachhaltigkeitszertifizierung
(Ableitung These 3) 314
6.4. Internationale Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsbewertungs-
methoden für Olympische Wettkampfstätten: Forderung nach
Mindeststandards (Ableitung These 4) 322
6.5. Ausblick: Zukünftige Entwicklung der Nachhaltigkeitsbewertung
von Olympischen Wettkampfstätten 331
Literaturverzeichnis 336
Anhang 356
Abkürzungsverzeichnis
10
Abkürzungsverzeichnis
Große lateinische Buchstaben
ACE Architects’ Council of Europe
AIA American Institute of Architects
ATHOC Athens 2004 Organizing Committee
Äqu. Äquivalente
BASIX Building code for residential buildings
BOCOG Beijing Organizing Committee for the Games
BREEAM BRE Environmental Assessment Method
CASBEE Comprehensive Assessment System for Building Environmental Efficiency
CEN European Committee for Standardization
CO2 Kohlenstoffdioxid
C2H4 Ethen
DGNB Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
DOSB Deutscher Olympischer Sportbund
EIA Environmental Impact Assessment
EMAS Eco-Management and Audit Scheme
EMS Environmental Management System
EPD Environmental Product Declaration (Umweltproduktdeklaration)
ESD Ecologically Sustainable Development
FCKW Fluorchlorkohlenwasserstoffe
FSC Forest Stewardship Council
GaBi Ganzheitliche Bilanzierung
GBAS Green Building Assessment System
GBC Green Building Challenge
GBCA Green Building Council Australia
GBCI Green Building Certification Institute
GBTool Green Building Tool
GOBAS Green Olympic Building Assessment System
GRI Global Reporting Initiative
HECTOR Heritage Climate Torino
H-FCKW halogenisierte Flourchlorkohlenwasserstoffe
HQE La Haute Qualite Environmentale
IBC International Broadcast Centre
IF International Federation of Sports
iisBEE International Initiative for a Sustainable Built Environment
IOC International Olympic Committee (Internationales Olympisches Komitee)
IOCC The Impact on Community Coalition
ISO International Organization for Standardization
IUCN World Conservation Union
Abkürzungsverzeichnis
11
JIA Japane Institute of Architects
LCA Life Cycle Analysis
LCC Life Cycle Costs
LEED Leadership in Energy and Environmental Design
LOOC Lillehammer Olympic Organizing Committee
MoU Memorandum of Understanding
MPC Main Press Center
NABERS National Australian Built Environmental Rating System
NESDS National Ecologically Sustainable Development Strategy
NGO Non-Governmental-Organization
NOC National Olympic Committee (Nationales Olympisches Komitee)
NSW New South Wales
OCA Olympic Coordination Authority
OCOG Organisation Committee of the Olympic Games
ODA Olympic Delivery Authority
OGGI Olympic Games Global Impact Study
OGKM Olympic Games Knowledge Management
ORSA Organisation of Urban Planning and Environmental Protection of Athens
SB05 2005 World Sustainable Conference
SBTool Sustainable Building Tool
SEA Strategic Environmental Assessment
SIA Schweizer Verband für Ingenieure und Architekten
SLOC Salt Lake City Organizing Committee
SOCOG Sydney Organising Committee for the Olympic Games
SOPA Sydney Olympic Park Authority
TOROC Turin Organising Committee
TQ Total Quality
UIA International Union for Architects
UNCED United Nation Conference on Environment and Development
UNEP United Nations Environmental Programme
U.S.GBC U.S. Green Building Council
UTS University of Technology, Sydney
VANOC Vancouver 2010 Olympic Games Organising Committee
WHO World Health Organization
WM Weltmeisterschaft
WRAMS Water Reclamation and Management Scheme
WWF World Wide Fund for Nature
Kleine lateinische Buchstaben
a Jahr
kBtu Kilo British Thermal Units
kg Kilogramm
kWh Kilowattstunden
m2 Quadratmeter
sq ft Square Feet
yr Year
Abbildungsverzeichnis
12
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: National Aquatic Centre der Olympischen Sommerspiele von
Beijing 2008 22
Abbildung 2: Einteilung der Baumaßnahmen von Olympischen Spielen nach
Kategorien 24
Abbildung 3: Wettkampfbauten der Olympischen Sommer- und Winterspiele 25
Abbildung 4: Schematischer Aufbau der Arbeit 41
Abbildung 5: Darstellung von Nachhaltigkeitstheorien und -ansätzen 46
Abbildung 6: Blick auf das heutige Olympiastadion und die Olympiahalle
der Olympischen Sommerspiele München von 1972 52
Abbildung 7: Bevölkerungszahlen der Austragungsorte von Olympischen
Sommerspielen 56
Abbildung 8: Größe der Austragungsorte (Olympische Winterspiele) unterteilt
nach Wintersportgebiet, Großstadt und Provinzstadt mit
regionaler Bedeutung 58
Abbildung 9: Kurz- und Langzeiteinflüsse von Olympischen Spielen am
Beispiel von Sydney 2000 60
Abbildung 10: Starke Zunahme der Sportarten, Wettkämpfe, Nationalen
Olympischen Komitees und Athleten bei Olympischen Spielen
(Athen 1892 bis Athen 2004) 64
Abbildung 11: Entwicklung der Anzahl der Olympischen Wettkampfstätten
von 1972 bis 2012 65
Abbildung 12: Klimazonen und Austragungsorte von Olympischen
Sommerspielen der Neuzeit 66
Abbildung 13: Lebenszyklus eines Gebäudes und planerische Aktivitäten 73
Abbildung 14: Lebenszyklusmodell von Olympischen Sportbauten 74
Abbildungsverzeichnis
13
Abbildung 15: Besucherzahlen des Olympiaparks München 1972 und des
Olympic Park Sydney 2000 nach den Olympischen Spielen im
Vergleich 77
Abbildung 16: Entwicklung der Länge der Wettkampfstrecken bei Olympischen
Spielen 81
Abbildung 17: Entwicklung der Etappen des Gebäudetypus der Olympischen
Wettkampfarchitektur 82
Abbildung 18: Struktur des Internationalen Olympischen Komitees 87
Abbildung 19: Institutionen des IOCs, die an der Planung und Durchführung
von Olympischen Spielen beteiligt sind 88
Abbildung 20: Prozess der Bewerbung für die Austragung von Olympischen
Spielen am Beispiel der Bewerbung für die Olympischen Spiele
im Jahr 2012 101
Abbildung 21: Zeitspanne der OGGI-Studie 113
Abbildung 22: Konzeptplan der Stadt London für die Bewerbung für die
Olympischen Sommerspiele 2012 115
Abbildung 23: Olympischer Masterplan der Stadt London für die Bewerbung der
Olympischen Sommerspiele 2012 116
Abbildung 24: Entwicklung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des IOC 119
Abbildung 25: Silhouette der Olympischen Sportstätten der Green Games
von Sydney 2000 126
Abbildung 26: Karte der Olympischen Wettkampfstätten der Sommerspiele
von Barcelona 1992 140
Abbildung 27: Karte der Olympischen Wettkampfstätten der Winterspiele von
Lillehammer 1994 143
Abbildung 28: Umweltziele der Olympischen Winterspiele von Lillehammer
1994 144
Abbildung 29: Blick auf das Telstra Stadium (Olympic Stadium) 150
Abbildung 30: Blick auf den heutigen Olmypic Park und die Küstenentwicklung 151
Abbildungsverzeichnis
14
Abbildung 31: „Living at the Waterfront“ - Entwicklungen des Wohnungsbaus
an den stark kontaminierten Uferzonen nach den Olympischen
Spielen 152
Abbildung 32: Brickpit Ring Walk - Steg über den Hauptregenwasserspeicher
des Olympic Park (ehemalige Ziegelgrube) 154
Abbildung 33: Regenwasserableitung über das Dach des Telstra Stadiums in
vier unterirdische Wasserspeicher á 800.000 Liter zur
Grauwassernutzung 157
Abbildung 34: Variable Tribünengestaltung des Telstra Stadium (oval bis
rechteckig) für unterschiedliche Sportfelder zur Ausübung
verschiedener Sportarten 159
Abbildung 35: Schnitt des Telstra Stadium - natürliche Belüftung 160
Abbildung 36: Blick auf den Bahnhof des Olympic Park: mangelnde Nachnutzung
des ehemaligen Olympiabezirks Homebush Bay 162
Abbildung 37: Olympiastadion der Olympischen Spiele von Athen 1896 - nach
den Sommerspielen von 2004 ist der Zugang für die
Öffentlichkeit nicht mehr möglich 165
Abbildung 38: Olympic Park und Olympic Stadium während der Sommerspiele
2008 169
Abbildung 39: Lichteffekte des National Aquatic Centre während der
Olympischen Sommerspiele von Beijing 2008 170
Abbildung 40: Beijing 2008 - Blick von der verbotenen Stadt auf das
Olympic Green 171
Abbildung 41: Übersicht über durchgeführte Umwelt-Audits von
Olympischen Spielen 176
Abbildung 42: Kategorien der Greenpeace Environmental Guidelines 177
Abbildung 43: Kategorien der Greenpeace Bewertung „How green the Games?
Greenpeace’s environmental assessment of the Sydney 2000
Olympics” 178
Abbildung 44: Dokumentationsbeispiele aus dem Greenpeace Umwelt-Audit
der Olympischen Spiele von Sydney 2000 180
Abbildungsverzeichnis
15
Abbildung 45: Inhalte des Umwelt-Audits der Olympischen Spiele von Athen
2004 durch WWF Greece 183
Abbildung 46: Inhalte des Umwelt-Audits der Olympischen Spiele von Athen
2004 durch Greenpeace 184
Abbildung 47: Inhalte des TOROC Sustainable Reports 2006 der Winterspiele
von Turin 2006 186
Abbildung 48: Übersicht der Inhalte der Strategic Environmental Assessment
Plans (SEA) 188
Abbildung 49: TOROC Guidelines for the Sustainability in Design, Construction
and Operation of the Olympic and Multimedia Villages 189
Abbildung 50: TOROC Environmental-Monitoring-Plan 190
Abbildung 51: Bewertungskriterien des UNEP Berichts „Beijing 2008 Olympic
Games, An Environmental Review“ aus dem Jahr 2007 und
Independend Environmental Assessment, Beijing 2008 Olympic
Games“ aus dem Jahr 2009 194
Abbildung 52: Aspekte der Umweltbewertung von UNEP der Olympischen
Wettkampfstätten der Olympischen Spiele von 2008 198
Abbildung 53: Aspekte der Umweltbewertung von Greenpeace der Olmypischen
Wettkampfstätten der Olympischen Spiele von 2008 203
Abbildung 54: Auswirkungen der Olympischen Spiele der Neuzeit auf den
Umweltschutz und die Baustandards der Austragungsorte 212
Abbildung 55: Inhalte der Umwelt-Audits von Umweltschutzorganisationen
der Olympischen Spiele von Sydney 2000, Athen 2004 und
Beijing 2008 214
Abbildung 56: Bislang eingesetzte Umweltbewertungsmethoden zur Beurteilung
der Olympischen Baumaßnahmen bei Olympischen Spielen 223
Abbildung 57: Label und Zertifikate zur Nachhaltigkeitsbewertung von
Gebäuden 229
Abbildung 58: BREEAM Bewertungsversionen für verschiedene Gebäudetypen 232
Abbildung 59: Aufbau von BREEAM 233
Abbildungsverzeichnis
16
Abbildung 60: Bewertungsübersicht BREEAM Offices 2008 234
Abbildung 61: „Minimum Standards“ bei BREEAM Offices 2008 236
Abbildung 62: LEED Bewertungsphasen 237
Abbildung 63: LEED Bewertungsversionen für verschiedene Gebäudetypen 238
Abbildung 64: DGNB Bewertungsversionen für verschiedene Gebäudetypen 241
Abbildung 65: Aufbau des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen 242
Abbildung 66: Gewichtung des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen,
Version 2008 Neubau Büro- und Verwaltungsbauten 243
Abbildung 67: Kategorien des Compendiums of ESD Initiatives and Outcomes for
OCA Facilities and Venues 247
Abbildung 68: Bewertungsstufen des australischen Systems NABERS (National
Australian Built Environment Rating System) 248
Abbildung 69: Green Star Bewertungsversionen für verschiedene
Gebäudetypen 250
Abbildung 70: Bewertungsdarstellung der GOBAS Methode 251
Abbildung 71: Darstellung von LEED®Canada NC, Version 1.0 255
Abbildung 72: Sportstätten der Olympischen Winterspiele von Vancouver 2010
und deren Umweltbewertung 256
Abbildung 73: Darstellung und Ableitung der Ziele der ODA für die Olympischen
Baumaßnahmen der Spiele von London 2012 260
Abbildung 74: Aufbau von Systemen zur Bewertung der nachhaltigen
Gebäudequalität 264
Abbildung 75: Bausteine von Bewertungsmethoden 265
Abbildung 76: Bewertungsebenen von DGNB und LEED am Beispiel des
Kriteriums „Thermischer Komfort" 266
Abbildung 77: Gliederung der bei Olympischen Spielen eingesetzten
Bewertungsmethoden in sechs Ebenen 268
Abbildung 78: Lebenszyklus und Zertifizierungsprozess 271
Abbildung 79: Ablauf des „idealen“ Zertifizierungsprozesses 272
Abbildungsverzeichnis
17
Abbildung 80: Vergleich der Bewertungsstufen von internationalen
Zertifizierungssystemen 274
Abbildung 81: Einteilung von Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden 280
Abbildung 82: Vom GBTool zum SBTool 282
Abbildung 83: Bereiche des nachhaltigen Bauens, die durch die Konzeption
des Technischen Komitees CEN/TC 350 zur Beschreibung der
Nachhaltigkeit auf europäischer Ebene standardisiert werden
sollen (Entwurf DIN EN 15643-1) 284
Abbildung 84: Vergleich von BREEAM V 2008, LEED V 2009 und DGNB
V 2008 auf Basis der Kategorien 285
Abbildung 85: Inhaltliche Aufteilung von BREEAM V 2008, LEED V 2009
und DGNB V 2008 im Vergleich (mit Standort) auf Kriterienbasis 293
Abbildung 86: Inhaltliche Aufteilung von BREEAM V 2008, LEED V 2009
und DGNB V 2008 im Vergleich (ohne Standort) auf
Kriterienbasis 294
Abbildung 87: Schwerpunkte von Bewertungssystemen (BREEAM V 2008,
LEED V 2009 und DGNB V 2008) 295
Abbildung 88: National Aquatic Centre während der Olympischen
Sommerspiele von Beijing 2008 302
Abbildung 89: Verbesserung der Baustandards in den Olympischen
Austragungsorten durch Olympische Spiele und deren
Baumaßnahmen 307
Abbildung 90: Nachhaltigkeit und Olympischer Planungsprozess 310
Abbildung 91: Nachhaltigkeitsaspekte zur Bewertung der nachhaltigen
Gebäudequalität von Olympischen Wettkampfstätten 318
Abbildung 92: Bewertungsprozess der Nachhaltigkeitszertifizierung von
Olympischen Wettkampfstätten 319
Abbildung 93: Kategorien zur Bewertung der nachhaltigen Olympischen
Gebäudequalität 330
Abbildungsverzeichnis
18
Abbildung 94: Beispiel Olympische Spiele Sydney 2000: Einführung und
Förderung von nachhaltigen Baustandards durch
Olympische Spiele 331
Zusammenfassung
19
Abstract
Olympic Games are mega-events that impress not only with sport competitions, but
also with cultural events and monumental and innovative sport architecture. In the last
years several Olympic venues with environmental friendly technologies have shown
that such solutions are marketable. Therefore the study is proofing whether Olympic
Games and their sport facilities are a “Greenwash Marketing Tool” or could be termed
as “sustainable”. It will be analysed as well, how “Sustainability of Olympic Venues”
could be defined, assessed and measured. Furthermore it will be clarified if existing
planning and assessment methods will be a sufficient basis for the planning,
construction and operation of ecological, economical and social Olympic venues or if
only the development of a common international assessment tool and its mandatory
use by the Organizing Committees of the Host Cities will promote and assure the
sustainable building performance of Olympic venues.
The dissertation is based on case studies of the Olympic Summer and Winter Games
of modern times and on environmental evaluations, reports and guidelines of NGOs,
such as UNEP, Greenpeace and WWF. Also the guidelines and environmental
regulations of the International Olympic Committee (IOC) for the application and
candidature process of the Olympic Games will be analysed, which the IOC has
released in the 90s - especially the IOC regulation which demands for an
environmental assessment of Olympic venues. Criteria, instruments and methods,
which have been used for the evaluation of the environmental performance of Olympic
venues in the last years, will be studied as well. Examples are ESD (Ecologically
Sustainable Development, Olympic Games Sydney 2000), GOBAS (Green Olympic
Building Assessment System, Olympic Games Beijing 2008), LEED Canada
(Leadership in Energy & Environmental Design, Olympic Games Vancouver 2010) and
BREEAM (Building Research Environmental Assessment Method, Olympic Games
London 2012). Also international assessment and certification methods, such as LEED
(Leadership in Energy & Environmental Design, North America) or DGNB (German
Sustainable Building Certificate, Germany), will be compared and analysed on their
applicability for Olympic sports facilities.
Zusammenfassung
20
Zusammenfassung
Olympische Spiele sind medienwirksame Ereignisse, die nicht nur mit
Sportwettkämpfen, sondern auch mit Kulturveranstaltungen und imposanten und
innovativen Sportbauten beeindrucken. In den letzten Jahren bewiesen einige
Olympische Wettkampfstätten mit umwelttechnischen Innovationen, dass
umweltfreundliche Lösungen auch marktgängig sein können. In der vorliegenden Arbeit
wird daher untersucht, ob Olympische Spiele und deren Wettkampfstätten ein
„Greenwash Marketing Tool“ sind oder ob sich diese als nachhaltig bezeichnen lassen.
Es wird analysiert, inwiefern Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten definiert,
bewertet und messbar gemacht werden kann. Des Weiteren wird geklärt, ob
bestehende Planungs- und Bewertungsinstrumente eine ausreichende Basis für eine
ökologische, ökonomische und soziale Umsetzung von Olympischen Wettkampfstätten
darstellen oder erst die Entwicklung einer einheitlichen internationalen
Bewertungsmethode und deren verpflichtender Einsatz durch das IOC zur
tatsächlichen Umsetzung einer nachhaltigen Gebäudequalität der Olympischen
Sportbauten beiträgt.
Die Analyse erfolgt anhand von Fallstudien der Austragungsorte von Olympischen
Sommer- und Winterspielen der Neuzeit und der Untersuchung von
Umweltbewertungen, -berichten und -richtlinien von Umweltschutzorganisationen, wie
UNEP, Greenpeace oder WWF. Zudem werden die Vorgaben und Umweltvorschriften
des IOCs für die Bewerbung und Durchführung der Olympischen Spiele und deren
Sportbauten überprüft, die das IOC in den 90er Jahren herausgebracht hat. Hierbei
wird auf die Forderung des IOC eingegangen, die bereits im Bewerbungsprozess eine
Umweltbewertung der Olympischen Wettkampfstätten fordert. Hierzu werden
Werkzeuge, die zur Beurteilung der Umweltqualität von Olympischen Wettkampfstätten
eingesetzt wurden, wie ESD (Ecologically Sustainable Development, Olympische
Spiele Sydney 2000), GOBAS (Green Olympic Building Assessment System,
Olympische Spiele Peking 2008), LEED Canada (Leadership in Energy &
Environmental Design, Olympische Spiele Vancouver 2010) und BREEAM (Building
Research Environmental Assessment Method, Olympische Spiele London 2012)
analysiert, ebenso wie internationale Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden, wie
LEED (Leadership in Energy & Environmental Design, Nordamerika) oder DGNB
(Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen, Deutschland) miteinander verglichen und
auf deren Anwendbarkeit für Olympische Wettkampfstätten untersucht.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
21
1. Gegenstand der Arbeit
„Das Konzept der Grünen Spiele wird zunehmend zur Realität“, so der Präsident
Jacques Rogge des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bei der
Umweltpreisverleihung des United Nations Environmental Programme (UNEP)
(Olympic Movement 2007a). „Champion of the Earth 2007“ lautet der internationale
Umweltpreis, mit dem das IOC für seine Dienste zum Thema „Nachhaltige Entwicklung
durch Olympische Spiele“ ausgezeichnet wurde. Der IOC-Präsident betonte hierbei,
dass das IOC und die Olympische Bewegung seit den frühen 90er Jahren die Themen
„Nachhaltigkeit und Umwelt“ Schritt für Schritt bei der Ausführung von Olympischen
Spielen berücksichtigt hätte. Heute ständen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei den
Austragungsorten bereits während der Planung und Ausführung der sportlichen
Großveranstaltungen an erster Stelle (Olympic Movement 2007a). Hervorgehoben
wurden die erfolgreichen Resultate der olympischen Austragungsorte der letzten Jahre,
die durch effiziente, ökologische und nachhaltige Planungs- und
Ausführungsmaßnahmen erzielt werden konnten, wie z.B. die Sanierung und
Revitalisierung von Brachen, die Sensibilisierung des Umweltbewusstseins der Politik
und der Bevölkerung der Austragungsorte und die Einführung von neuen
Umwelttechnologien (Olympic Movement 2007a).
Der weltweite Trend zu sogenannten „Green Games“ oder zu „Sustainable Mega-
Events“ ist in den letzten Jahren deutlich spürbar. Olympische Austragungsorte, wie
Beijing 2008 (Sommerspiele), Vancouver 2010 (Winterspiele) und London 2012
(Sommerspiele) scheinen heutzutage zum Thema „Grüne Spiele“ zu konkurrieren, wie
der Slogan des Austragungsorts London „The Greenest Games in modern times“ zeigt
(LONDON2012 2007a: S.1). Doch wird das Konzept der „Green Games“ tatsächlich
zur Realität?
Großveranstaltungen, wie die Olympischen Spiele, sind aufgrund ihrer kulturellen
Bedeutung und ihrer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit in der heutigen Zeit
gesellschaftlich verankert und beeinflussen das aktuelle Zeitgeschehen. Neben den
Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft gehen von Großveranstaltungen
vor allem erhebliche direkte und indirekte Wirkungen auf die unmittelbare Umwelt aus
(Kearins et Pavlovich 2002: S.157f.), die sich auf eine Vielzahl verschiedener Bereiche
beziehen, oft nicht unmittelbar zu erkennen sind und nur selten überwacht und
dokumentiert werden (Chernushenko et al. 2001: S 6).
Hieraus lässt sich der eigentliche Gegenstand dieser Arbeit ableiten, nämlich die
Darstellung des Widerspruchs und der Grenzen des Begriffs „Nachhaltigkeit“ im Bezug
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
22
auf Olympische Spiele und die Entwicklung eines Ansatzes, der speziell an dem
Produkt der Sportgroßveranstaltung angreift, das die größten und langwierigsten
Auswirkungen auf die Austragungsorte aufweist – an den Olympischen Sportbauten.
Nach Preuss haben Olympische Wettkampfstätten, die durch ihre Ikonisierung vor,
während und nach den Spielen weltweite Aufmerksamkeit erlangen, die größten
sichtbaren und langwierigsten Effekte auf den Austragungsort, nicht nur in
städtebaulicher, sondern auch in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht
(Preuss 2004: S. 26). Olympische Wettkampfstätten stellen somit einen geeigneten
Ausgangspunkt für eine mögliche Reduzierung der zusätzlichen Umweltbelastungen
von Großveranstaltungen auf die Olympiastädte dar.
Im Rahmen der Dissertation gilt es deshalb die Einflüsse von Olympischen
Sportgroßveranstaltungen auf die Austragungsorte anhand des Beispiels der
Olympischen Wettkampfbauten zu diskutieren. Hierbei werden die Auswirkungen der
Bauten auf die umgebende Umwelt untersucht. Des Weiteren wird analysiert, ob
Olympische Sportbauten überhaupt als nachhaltig bezeichnet werden können und
wenn ja, welche Planungsinstrumente hierbei eingesetzt werden und inwiefern sich die
„Nachhaltigkeit“ von Olympischen Wettkampfstätten messen lässt.
Abbildung 1: National Aquatic Centre der Olympischen Sommerspiele von Beijing 2008
(eigene Darstellung)
Lösungsansätze für ein mögliches Konzept für nachhaltige Sportarchitektur bieten
ehemalige und zukünftige Olympische Spiele der Neuzeit. Beispiele aus der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
23
Olympischen Geschichte zeigen, dass sich Nachhaltigkeit nicht nur durch eine gezielte
und effiziente ökologische Planung ausdrückt, sondern vor allem durch eine geeignete
Funktionalität und Formensprache der Sportbauten, deren Integration in die
Stadtentwicklung und durch eine sinnvolle Nachnutzungsstrategie nach den Spielen.
Dies wird an den Olympiastädten München (Olympische Spiele 1972) und Barcelona
(Olympische Spiele 1992) deutlich. Laut der Olympiapark München Gesellschaft GmbH
hat sich der Münchner Olympiapark zum größten Veranstaltungs- und Freizeitzentrum
Europas entwickelt. Der Park und dessen Olympiabauten, so die Olympiapark
Gesellschaft, seien zu einer dauernden Bereicherung des Gemeinschaftslebens der
Stadt geworden und ihre unverwechselbare architektonische Gestaltung das
Wahrzeichen des modernen München (Olympiapark München GmbH 2004a). Monika
Meyer-Künzel beschreibt in ihrem Buch „Der planbare Nutzen – Stadtentwicklung
durch Weltausstellungen und Olympische Spiele“ das Planungskonzept der
Sommerspiele von Barcelona im Jahr 1992 mit dem Titel „Öffnung der Stadt zum
Meer“ (Meyer-Künzel 2001: S. 364f.). „In Barcelona wurden die für das Großereignis
erforderlichen Maßnahmen in das Konzept des Generalplanes integriert, wobei für
einzelne Stadtgebiete eine Neuformulierung der Ziele vorgenommen wurde“ (Meyer-
Künzel 2001: S. 313). Die Umwandlung einer ehemaligen Industriebrache am Meer in
eine Freizeitstadt und die Verlängerung der Flaniermeile bis an die Strandpromenade
verknüpfe die Altstadt nun mit der See und hätte einen „wichtigen Impuls für den
Städtebau“ gegeben. „Der Aspekt einer sinnvollen Nachnutzung bestimmte die
Planungen und führte zum bewussten Einsatz des Festes als Mittel zur
Stadtentwicklung und Stadtverschönerung“ (Meyer-Künzel 2001: S. 312).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
24
1.1. Begriffsklärung: Olympische Sportbauten
Für Olympische Bauten der Neuzeit und deren Wettkampfstätten gibt es bisher keine
allgemein gültige Definition. Die Olympische Charter (Abschnitt 5, Paragraph 35), der
Gesetzestext des IOCs, weißt lediglich darauf hin, dass alle Sportveranstaltungen und
die Öffnungs- und Endzeremonien der Olympischen Spiele, d.h. alle Sportstätten,
Unterkunfts- und Veranstaltungsbauten, in den Austragungsort zu integrieren sind und
dass die Veranstaltungseinrichtungen vor den Spielen durch das IOC abgenommen
werden müssen (International Olympic Committee 2004a: S. 73).
In den Bewerbungsformularen (Candidature Acceptance Procedure and Questionnaire)
des Internationalen Olympischen Komitees zur Austragung zukünftiger Olympische
Spiele, werden Olympische Bauten nach Wettkampf- und
Nichtwettkampfaustragungsorten unterschieden (International Olympic Committee
2006a: S. 65f.). Zur präziseren Einordnung der weiteren Ausführungen soll daher der
Begriff „Olympische Sportbauten“ als zentraler Gegenstand der vorliegenden Arbeit
näher erläutert werden.
Abbildung 2: Einteilung der Baumaßnahmen von Olympischen Spielen nach Kategorien
(verändert nach Preuss, H. 2004: S.72)
Drei Bautengruppen gehören heute zum „Standardprogramm“ Olympischer Spiele
(siehe Abbildung 2) (Wimmer 1975: S.30):
Sportbauten (Primäre Struktur): Wettkampfzentren der Spiele sowie ihre
dazugehörigen Nebenbauten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
25
Unterkunftsbauten (Sekundäre Struktur): Olympisches Dorf, Pressedorf, Kulturdorf
als Bestandteil des Wohnungsprogramms
Verkehrs-, Versorgungs- und Verwaltungsbauten (Tertiäre Struktur): Bestandteil
der Infrastruktur der Olympiastadt
Olympische Spiele (Sommer und Winter)
Wettkampfstätte Sport IOC Sitzplatz-
anforderung Stehplätze
Stadion Olympisches Stadion (Eröffnungs-
und Schlußzeremonie, Leichtathletik),
Fußball, Hockey, Tennis
5.000-80.000
Sporthallen Volleyball, Handball, Basketball,
Gymnastik, Boxen, Judo, Wrestling,
Badminton, Taekwondo,
Gewichtheben, Fechten, Tischtennis,
Schießen
3.000-15.000
Schwimmhallen Schwimmen, Tauchen, Wasserpolo,
Synchronschwimmen
5.000-12.000
Radhallen Radfahren, BMX 1.000
Spezial-
Sportstätten
(Indoor)
Eishallen Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Curling,
Eishockey
3.000-12.000
Reitzentrum Springen, Dressur, Vielseitigkeit 12.000
Ruder und Kanu
Park Kanu, Kayak, Rudern 8.000-12.000
Bogenschieß-
anlage Bogenschießen 4.000
Schießanlage Schießen 3.000-5.000
Segelzentrum Segeln 250
Radzentren Radfahren (Mountain Bike,
Langstrecken, BMX)
2.000-5.000
Skischanze Skispringen 3.000 10.000-15.000
Bob- und
Rodelbahn Bob und Rennschlitten 1.000 10.000
Ski- und
Snowboard -
Zentren
Alpine Ski, Free-Style, Snowboard 4.000 10.000
Spezial-
Sportstätten
(Outdoor)
Biathlonzentrum Biathlon, Langlauf 3.000-7.000 10.000-15.000
Weitere
Sportstätten Wettkampfstät-
ten für neu
eingeführte
Olympische
Sportarten
- - -
Abbildung 3: Wettkampfbauten der Olympischen Sommer- und Winterspiele
(eigene Darstellung nach International Olympic Committee 2005e: S.99ff.)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
26
Hierbei wird die Stellung der Wettkampfbauten als Hauptbaumaßnahme bei
Olympischen Spielen betont (Preuss 2004: S.72). Der Untersuchungsrahmen der
Dissertation bezieht sich somit auf die nachhaltige Planung der Hauptbaumaßnahmen
von Olympischen Spielen, d.h. auf Olympische Wettkampfstätten. Die sekundären und
tertiären Bauten, wie die Unterkünfte der Athleten, die Trainingsstätten, die
Einrichtungen für die Medien (Olympic Village, Media Village usw.) und die benötigten
Infrastrukturmaßnahmen werden mit berücksichtigt, stellen jedoch keinen konkreten
Bestandteil der Untersuchung dar.
Durchschnittlich werden für Olympische Sommerspiele etwa 25 bis 30
Wettkampfstätten, für Winterspiele ca. 10-15 Sportbauten errichtet. Diese lassen sich
in die Gebäudetypologien Stadien (Sommer: Eröffnungs- und Schlussfeier,
Leichtathletik, Fußball etc.; Winter: Eröffnungs- und Schlussfeier), Hallen (Sommer:
Volleyball, Gymnastik, Boxen etc.), Spezialwettkampfstätten (Sommer: Schwimmen,
Radfahren etc.; Winter: Eishallen; Sprungschanzen etc.) und Außensportanlagen
(Sommer: Bogenschießen, Triathlon etc.; Winter: Skipisten, Biathlonloipen etc.)
unterteilen. Die in Abbildung 3 aufgeführten Olympischen Wettkampfstätten stellen
eine Übersicht der Gebäudetypen dar, die bei der Untersuchung der Dissertation
bearbeitet werden.
Unter Berücksichtigung der Olympischen Charter, des Candidature Procedure and
Questionnaire und den eben aufgeführten Olympischen Wettkampfbauten kann die für
die Dissertation zu untersuchenden Gebäudetypologie wie folgt definiert werden:
„Olympische Wettkampfstätten sind Bauten, die für eine zeitlich begrenzte
Olympische Sportgroßveranstaltung als Wettkampfeinrichtung im
Austragungsort temporär oder fest errichtet bzw. saniert werden, vom
Internationalen Olympischen Komitee auf ihre Anwendbarkeit geprüft werden
und nach dem Großevent eine andere (ähnliche) Nachnutzung zugeteilt
bekommen.“
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
27
1.2. Zielsetzung der Arbeit
Das Ziel der Arbeit ist zu analysieren, ob Olympische Spiele und deren
Wettkampfbauten als nachhaltig bezeichnet werden können und wenn ja, ob und wie
sich die Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten messen lässt. Des Weiteren wird
untersucht, inwieweit Olympische Baumaßnahmen Einfluss auf die Umwelt- und
Nachhaltigkeitsstandards des Bauwesens der Austragungsorte haben und welche
Planungs- und Bewertungsinstrumente zu einer ökologischen, ökonomischen und
sozialen Umsetzung der Wettkampfstätten beitragen. Im Vordergrund steht die Frage,
ob bereits bestehende Methoden eine ausreichende Basis für nachhaltige Olympische
Wettkampfbauten darstellen oder ob erst die Entwicklung einer international
einheitlichen Methode zur Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität von
Wettkampfstätten bei Olympischen Sommer- und Winterspielen zu einer Umsetzung
von nachhaltigen Olympischen Sportbauten führt.
Der zu entwickelnde Ansatz soll dazu beitragen die zusätzlichen Belastungen der
Baumaßnahmen von „Olympischen Spielen“ auf die umgebende Umwelt zu
minimieren. Zudem soll dieser eine Basis für eine umwelt- und sozialverträgliche
Ausführung und Planung der Olympischen Sportbauten bilden. Die Studie soll sowohl
zukünftigen Planern, als auch dem IOC Planungsinstrumente für nachhaltige
Olympische Sportkampfbauten aufzeigen und in Form eines gebündelten
Kriterienkatalogs zur Verfügung gestellt werden.
Den Untersuchungsrahmen der Arbeit bilden die Olympischen Spiele der Neuzeit
beginnend mit den Summer Olmypic Games von Barcelona 1992. Fallbeispiele wie die
Olympischen Spiele von München 1972 (Architektursprache), von Montreal
(finanzielles Fiasko) und Atlanta 1984 (temporäre Bauten) werden nach Bedarf in die
Forschungsarbeit mit einbezogen, ebenso wie geeignete Sportbauten Olympischer
Winterspiele. Hierbei werden Planungs- und Bewertungsmethoden, als auch
Nachnutzungskonzepte Olympischer Sportbauten auf ihre ökologische und
architektonische Nachhaltigkeit untersucht, bei deren Planung Umwelt- und
Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Vordergrund standen (z.B. Olympische Spiele Sydney
2000, London 2012). Des Weiteren wird herausgearbeitet, welche IOC-Richtlinien zu
einer nachhaltigen Entwicklung von Olympischen Wettkampfbauten beitragen.
Im Rahmen der Untersuchung wird geprüft, welche Nachhaltigkeitsleitlinien,
-kriterien und -bewertungsmethoden für den Olympischen Sportstättenbau bereits
entwickelt und angewendet wurden und wie sich diese bewährt haben. Hierbei wird
herausgearbeitet, wie diese schlüssig und wirksam zu formulieren und umzusetzen
sind. Mit der Arbeit soll die Frage beantwortet werden, inwieweit internationale
Bewertungsmethoden zur Beurteilung der nachhaltigen Gebäudequalität, wie das
amerikanische System LEED (Leadership in Energy and Environmental Design), die
Methode BREEAM aus Großbritannien (BRE Environmental Assessment Method) oder
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
28
das deutsche Gütesiegel DGNB (Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen) für einen
solchen Ansatz für den Olympischen Sportstättenbau herangezogen werden können.
Die auf Nachhaltigkeitskriterien und -indikatoren basierenden Methoden werden auf
ihre Anwendbarkeit in Bezug auf Olympische Bauten geprüft und im Rahmen der
Forschungsarbeit in internationale Kriterien für den nachhaltigen Olympischen
Sportstättenbau modifiziert.
Der Fokus der Arbeit bezieht sich auf Vorortrecherchen und auf Gespräche mit Planern
von Großevents, Sportstätten und Olympiabauten und Mitgliedern des Internationalen
Olympischen Komitees, ebenso wie auf Diskussionen mit internationalen Green
Building Councils, wie dem U.S. Green Building Council (LEED), BRE (BREEAM) oder
der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Die Erfahrungen der
Gesprächspartner im Sportstättenbau, in der Durchführung von Großveranstaltungen
und in der Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden sollen die zu entwickelnde Arbeit
nicht nur ergänzen, sondern auch mit Praxisbeispielen hinterlegen.
Die Thematik der Arbeit knüpft an die Diplomarbeit der Verfasserin „Olympiazentrum
Sestriere 2006“ im Jahre 2003 an der Technischen Universität Darmstadt an, in der ein
Olympischer Campus für die Olympischen Winterspiele von Turin 2006 mit
nachhaltiger Nutzung durch Integration und Förderung des Stadtbilds erarbeitet wurde.
Die vorliegende Untersuchung ist somit die Fortführung der begonnenen Analyse
bezüglich der Ziele, Maßnahmen und Wirkungen nachhaltiger Olympischer Bauten und
baut auch auf den Erfahrungen der Verfasserin bei der Mitwirkung bei der Entwicklung
des Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) auf.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
29
1.3. Ausgangsbedingungen, Thesen und Fragestellungen
Welche Fragestellungen und Thesen dieser Arbeit zu Grunde liegen und aus welchen
thematischen Zusammenhängen und Ausgangsbedingungen sich „Nachhaltigkeit von
Olympischen Bauten“ ableiten lässt, wird im folgenden Kapitel erläutert.
Ausgangsbedingungen für die vorliegende Arbeit:
Austragung von Großveranstaltungen als internationale Selbstinszenierung
Die Bedeutung der Austragung von Großveranstaltungen, wie Olympische Spiele
oder Weltausstellungen, zu Selbstdarstellungszwecken nimmt im Rahmen des
internationalen Standortwettbewerbs in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu:
Hosting an Olympic Games is one of several strategies used by city and national
governments and for image enhancement on a global stage” (Rivenburgh, N.K.
2004: S.5). Es scheint, dass sich insbesondere sportliche Großveranstaltungen
dafür eignen, den Austragungsorten für einen bestimmten Zeitraum die mediale
Aufmerksamkeit zu sichern und der Öffentlichkeit ein einprägsames Image der
Gastorte zu vermitteln (Hunig, S. et D. Peters 2003: S. 3). Dieser internationale
Konkurrenzdruck führt zu immer imposanteren Bauwerken, komplexeren
Planungskonzepten und steigenden Bewerbungs- und Ausführungskosten.
Unterschiedliche Ausgangsbedingungen für Olympische Planungs-
konzeptionen
Die seit 1896 stattfindenden Olympischen Winter- und Sommerspiele der Neuzeit
werden weltweit in verschiedenen Austragungsorten abgehalten, denen
unterschiedlichste Ausgangsbedingungen zugrunde liegen: Größe der
Austragungsorte, klimatische Bedingungen, kulturelle Gegebenheiten, historische
Strömungen und politische Strukturen. Jede Olympische Konzeption unterliegt
eigenen Gesetzmäßigkeiten und Ausgangsbedingungen und muss im Rahmen der
internationalen Aufmerksamkeit eine eigene unabhängige Planungsstrategie
entwickeln, die eine erfolgreiche und fristgerechte Durchführung der Olympischen
Spiele garantiert (Olympic Movement 2007c).
Zunehmende Ausmaße der Olympischen Großveranstaltung
Die Anzahl der Sportarten und Athleten bei den Olympischen Spielen hat in den
letzten Jahren stetig zugenommen, wodurch die Olympischen Spiele einen immer
größeren Umfang annehmen. Seit 1980 hat sich bei den Sommer- und
Winterspielen die Zahl der Wettkämpfe und Athleten verdoppelt (Preuss, H. 2004).
Je größer und populärer die Spiele ausfallen, desto mehr nimmt das hierfür
benötigte Sportstättenaufkommen zu. Die Folge ist ein immer höherer
Flächenbedarf für die Olympischen Wettkampf- und Nichtwettkampfstätten. Die
Forderungen der Internationalen Sportverbände (IFs) nach Spezialsportbauten
verstärken zudem den Anstieg des Sportstättenbedarfs. Entsprechend dieser
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
30
Entwicklung nehmen die Umweltbelastungen, d.h. der „ecological footprint“ der
Spiele, von Veranstaltung zu Veranstaltung zu (Chernushenko, D. 2001).
Das Olympische Erbe als positiver und negativer Indikator für die zukünftige
Stadtentwicklung
Olympische Spiele haben große ökologische, ökonomische und soziale Langzeit-
Einflüsse auf den Austragungsort und können die Stadtentwicklung der
Olympiastädte in positiver (z.B. Olympische Spiele Barcelona 1992), als auch
negativer Weise (z.B. Olympische Spiele Montreal 1976) beeinflussen.
Entsprechend der zahlreichen und einschneidenden Olympischen
Planungskonzeptionen sind die Auswirkungen von Großveranstaltungen lange über
den eigentlichen Veranstaltungszeitraum hinaus spürbar (Meyer-Künzel, M. 2001).
Dennoch wird die langfristige Bedeutung von Olympischen Planungsmaßnahmen
auf das Stadtgefüge des Austragungsorts bei der Planung und Durchführung des
Olympischen Events meist nur am Rande betrachtet, d.h. die Olympischen
Baumaßnahmen werden ungenügend in die bestehende Stadtentwicklungsplanung
integriert. Bei den Planungen bisheriger Bauten standen zudem die Funktionalität
und die Anforderungen für die Austragung der Spiele mehr im Vordergrund, als
deren Nachnutzung. Die Folge sind mangelnde Nachnutzungskonzepte und
Leerstände, wie z.B. bei den Spielen von Athen 2004.
Werbeslogan „Green Games“ und „Sustainable Mega-Events“
Die Bedeutungszunahme des Themas „Nachhaltigkeit“ als Bestandteil der
Olympischen Spiele wird bei zahlreichen Olympiabewerbungen seit den „Green
Games“ von Sydney 2000 und vorgegebenen IOC-Vorschriften immer deutlicher.
Oft werden die Begriffe „Green Games“ oder „Sustainability“ jedoch nur als
Werbeslogan im Rahmen der Olympiabewerbung missbraucht, die Umsetzung der
Veranstaltung folgt anderen Regeln. Gerade vor dem Hintergrund der
Kontroversität der Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Mega-Event“ gilt dieser Tatsache
besondere Beachtung. Großveranstaltungen sind in der Regel nicht nachhaltig,
sondern hinterlassen in ökologischer, finanzieller und sozialer Hinsicht dem
Austragungsort eine lang anhaltende Hinterlassenschaft (Furrer, P. 2002).
Umweltorientierte olympische Wettkampfstätten als isolierte Einzelinitiativen
Die Medienwirksamkeit der Olympischen Spiele wird nicht nur durch sportliche
Höchstleistungen erreicht, sondern auch durch imposante neuartige
Architekturformen (Bales, J. et al 2004). In den letzten Jahren zeigten Olympische
Sportbauten mit umwelttechnischen Innovationen, dass umweltfreundliche und
energieeffiziente Lösungen auch marktgängig sein können (siehe Olympic Stadium
Sydney oder Wettkampfbauten von Peking). Viele dieser Olympiaprojekte stellen
jedoch eher isolierte Einzelinitiativen dar. Zahlreiche Austragungsorte von
Olympischen Spielen widmen sich dem Design der Olympischen Bauten mehr als
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
31
deren energieeffizienten und ökologischen Umsetzung. Themen, wie
Landschaftszersiedelung, zunehmende Verkehrsbelastung oder CO2-Emissionen,
werden bei den Planungen kaum berücksichtigt.
Sportstätten als „Stiefkind“ der Architekturentwicklung
In einer Zeit des demographischen Wandels, der Trendsportarten und eines
großen Renovierungsstaus bei bestehenden Sportanlagen tritt im Rahmen der
internationalen Sportstättenentwicklung die Thematik der Sportstättenarchitektur in
den Vordergrund. Im Gegensatz zum Wohnungs- und Industriebau gelten die
Sportanlagen vielfach als reine Zweckarchitektur. Steigende Unterhaltungskosten,
CO2-Einsparungen und die soziale Verantwortung fordern deshalb ein Umdenken.
Dennoch fehlen Lösungsansätze für den zukunftsfähigen Sportstättenbau vom
Breiten- bis hin zum Spitzensport, d.h. auch bei Olympischen Spielen.
Fehlende Kriterien und Leitlinien für nachhaltige Olympische Sportbauten
Obwohl speziell bei Olympischen Spielen die Wettkampfbauten den lang
anhaltendsten und sichtbarsten Einfluss und Auswirkungen auf die
Stadtentwicklung der Austragungsorte haben (Preuss, H. 2004: S.26), gibt es
bisher keine international zusammenhängende Methode zur Planung und
Bewertung von nachhaltigen Olympischen Sportstätten. Umwelt- und
Nachhaltigkeitsbewertungen für Wettkampfstätten sind heutzutage bei den
Olympiabewerbungen seitens des IOCs zwar vorgegeben, dennoch finden diese
Themen bei den Organisations- und Bewerbungskomitees aufgrund mangelnder
Kennzahlen und Richtwerte unterschiedliche Beachtung. Aufgrund fehlender
Ausgangswerte und unterschiedlicher Planungskonzepte ist daher eine
internationale Vergleichbarkeit der nachhaltigen Gebäudequalität von Olympischen
Wettkampfbauten bisher kaum möglich.
Thesen und Fragestellungen
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Ausgangsbedingungen geht die Arbeit von
folgenden Thesen aus:
These 1:
Olympische Spiele können aufgrund der zahlreichen zusätzlichen
Umweltbelastungen auf die Austragungsorte nicht als nachhaltig bezeichnet
werden. Nur eine Reduzierung der Ausmaße der Olympischen Baumaßnahmen
(Wettkampfstätten) ist ein Erfolgsgarant für zukünftige nachhaltige Olympische
Spiele.
These 2:
Mangelnde Vorschriften und Kriterien für nachhaltige Olympische
Wettkampfstätten durch das Internationale Olympischen Komitee (IOC) im
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
32
Rahmen des Olympischen Bewerbungsprozesses verhindern eine Umsetzung
von ökologischen, ökonomischen und sozialen Sportbauten auf internationaler
Ebene.
These 3:
Erst die Entwicklung von Bewertungskriterien für nachhaltige Olympische
Sportbauten fördert die Gebäudequalität der Wettkampfstätten in Bezug auf
Funktionalität, Nachhaltigkeit, Design und Nachnutzung und macht die
Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten messbar.
These 4:
Nur der verpflichtende Einsatz eines einheitlichen internationalen Gütesiegels
zur Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen Gebäudequalität von
Olympischen Wettkampfbauten durch das IOC führt zur tatsächlichen
Umsetzung von nachhaltiger Sportstättenarchitektur auf internationaler Ebene.
Aufbauend auf den genannten Beobachtungen und Annahmen sowie den obigen
Thesen leiten sich die folgenden Fragen ab, die im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit
stehen:
1. Können Olympische Spiele und deren Wettkampfstätten als nachhaltig
bezeichnet werden?
2. Wie kann die Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten bewertet und messbar
gemacht werden?
3. Stellen bestehende Planungsinstrumente eine ausreichende Basis für eine
ökologische, ökonomische und soziale Umsetzung von Olympischen
Wettkampfstätten dar oder tragen erst die Entwicklung einer einheitlichen
internationalen Bewertungsmethode und deren verpflichtender Einsatz durch das
IOC zur tatsächlichen Umsetzung einer nachhaltigen Gebäudequalität der
Olympischen Sportbauten bei?
4. Haben Olympische Spiele und deren Baumaßnahmen Einfluss auf die Umwelt-
und Nachhaltigkeitsstandards des Bauwesens der Austragungsorte?
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
33
1.4. Stand der Forschung und Entwicklung
Zwar werden zahlreiche Diskussionen über die zunehmenden Ausmaße der
Olympischen Spiele und Möglichkeiten zur Reduzierung der damit einhergehenden
zusätzlichen Umweltbelastungen (Ecological footprint) seit den 90er Jahren von
verschiedensten Institutionen (International Olympic Committee,
Umweltorganisationen, Umweltaktivisten, Forschungseinrichtungen etc.) geführt. Zur
Thematik „Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten“ und deren Bedeutung in
Bezug auf die Entwicklung Olympischer Austragungsorte wurde bisher jedoch noch
keine eingehende und umfassende wissenschaftliche Bearbeitung erarbeitet. Während
zu den Bereichen „Nachhaltigkeitsmanagement von Sportgroßveranstaltungen“
(Sustainable Management of Mega-Events) und „Sport und Umwelt“ (Sports and
Environment) zahlreiche Forschungsarbeiten in den letzten Jahren durchgeführt
wurden, hat der Gegenstand des nachhaltigen Sportstättenbaus bei
Sportgroßveranstaltungen bisher wenig Bedeutung gefunden.
Im Hinblick auf eine nachhaltige Umsetzung von Olympischen Spielen hat das
International Olympic Committee in den letzten Jahren verschiedene Studien zu den
Themenfeldern „Sustainable Management of Mega-Events“ und „Sports and
Environment“ bei Olympischen Spielen durchgeführt. Zu nennen sind hierbei folgende
Arbeiten: die „OGGI - Olympic Games Global Impact Study“ (2003) und der „IOC Guide
to Sport, Environment and Sustainable Development“ (2007). Die Inhalte dieser
Studien beschäftigen sich mit der ökologischen und nachhaltigen Durchführung der
Spiele (IOC Guide to Sport, Environment and Sustainable Development) und deren
Einflüsse auf die Austragungsorte (OGGI). Die „Greenpeace Olympic Environmental
Guidelines“ (2000) stellen ein weiteres Forschungsergebnis zur Thematik der
Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen dar, die nach den Sommerspielen von Sydney
2000 von Greenpeace für die Olympischen Spiele entwickelt wurden. Diese
Umweltrichtlinien basieren auf den Erfahrungen der Grünen Spiele von Sydney 2000,
an deren Umsetzung Greenpeace maßgeblich beteiligt war. Sie bilden bis heute die
Grundlage zahlreicher Nachhaltigkeitsstrategien für Olympische Spiele. Für die
Olympischen Spiele von Turin 2006, Vancouver 2010 und London 2012 erarbeiteten
die Organisationskomitees der Host Cities (Gastorte) im Vorfeld der Spiele mit
ansässigen Forschungsinstitutionen Nachhaltigkeitsstrategien und -bewertungen, wie
den Sustainability Report 2006 of the TOROC Environment Department (2003) für die
Olympischen Winterspiele von Turin 2006, den VANOC’s Sustainability Report (2005-
06) für die Olympischen Winterspiele von Vancouver 2010 und die Sustainable
Development Strategy der Olympic Delivery Authority London (2007) für die
Olympischen Sommerspiele 2012. Inhalt dieser Nachhaltigkeitsstudien und
-bewertungen ist die Umsetzung eines nachhaltigen Olympischen Erbes in Bezug auf
die Themenbereiche Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
34
Eine weitere Studie zur nachhaltigen Durchführung von Sportgroßveranstaltungen ist
das Projekt „Green Goal“ (2003) des Öko-Instituts e.V. für die Fußballweltmeisterschaft
2006 in Deutschland. Der Endbericht „Green Goal Legacy Report“ dieser Studie ist im
Jahr 2006 erschienen. Hauptkriterien des Green Goal Projekts bildeten
Handlungsempfehlungen zur Umsetzung einer ökologischen und nachhaltigen
Großveranstaltung unter den Hauptaspekten der Klimaneutralität und von ökologischen
Transportkonzepten. Aufbauend auf diesen Erfahrungen veröffentlichte das Öko-
Institut e.V. zusammen mit der Deutschen Sporthochschule Köln, dem
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und dem
Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) im Jahr 2007 einen „Leitfaden für
umweltfreundliche Sportgroßveranstaltungen – Green Champions für Sport und
Umwelt“. Dieser Leitfaden stellt eine weitere Orientierungshilfe für die Durchführung
von umweltgerechten Sportgroßveranstaltungen dar. Richtlinien für ökologische
Baumaßnahmen bei Sportgroßveranstaltungen sind hier jedoch nicht aufgeführt.
Die ökologische Bewertung der Wettkampfveranstaltungen wird seitens des IOCs
bereits seit mehreren Jahren im Rahmen des Kandidaturprozesses gefordert. Hierbei
sollen die Olympischen Wettkampfstätten der Sommer- und Winterspiele mit landes-
bzw. regionstypischen Bewertungssystemen bewertet werden, wie etwa die
Olympischen Sommerspiele von Beijing 2008 mit der chinesischen Methode GOBAS
(Green Olympic Building Assessment System), die Olympischen Winterspiele von
Vancouver 2010 mit dem Werkzeug LEED Canada oder die Olympischen
Sommerspiele von London 2012 mit dem britischen Werkzeug BREEAM. Diese
Systeme bewerten jedoch vorrangig die ökologische und energetische
Gebäudequalität der Wettkampfstätten. Während auf internationaler Ebene
verschiedene Forschungsarbeiten zur Vergleichbarkeit von Zertifizierungsmethoden für
nachhaltige Gebäude bereits durchgeführt wurden, sind vergleichende Studien und
Evaluationen im Bezug auf die Bewertungen von Olympischen Sportbauten bisher
noch nicht entwickelt worden. Informationen zu Bewertungsergebnissen von
Olympischen Wettkampfstätten sind nur von LEED Canada (Vancouver 2010) frei
zugängig. Auf Resultate der durchgeführten Bewertungen mit GOBAS (Beijing 2008)
und BREEAM (London 2012) konnte nicht zugegriffen werden.
Aus ökonomischen Gesichtspunkten betrachtete Holger Preuss die Thematik
„Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen“ in seiner Dissertation „Ökonomische
Implikationen der Ausrichtung Olympischer Spiele von München 1972 bis Atlanta 1996“
(1999). Diese Untersuchungen setzte er in weiteren Studien fort, unter anderem in dem
im Jahr 2004 erschienenen Buch „The Economics of the Olympics. A Comparison of
the Games 1972-2008.“ Zum Themenschwerpunkt „Nachhaltiges Sportmanagement“
stellt der Bericht von David Chernushenko „Sustainable Sport Management: Running
an Environmentally, Socially and Economically Responsible Organization“ aus dem
Jahr 2001 eine Ausgangsbasis für nachhaltige Sportveranstaltungen dar. Das
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
35
Handbuch bildet eine Grundlage zur Unterstützung einer ökonomischen, sozialen und
nachhaltigen Umsetzung von sportlichen Großveranstaltungen. Im Rahmen von
Masterarbeiten des Centre for Sustainable Management der Universität Lüneburg zum
Thema „Sustainability management for the Olympic and Paralympic Games in London
2012“ von Birte Berlemann (2007) und „Umweltmanagement ausgewählter
Großveranstaltungen - Effektiver Umweltschutz oder Greenwashing?“ von Uwe
Fitschen (2006) werden zwar die Ausführungen und Umsetzungen von
Sportgroßveranstaltungen im Hinblick auf eine nachhaltige Durchführung untersucht,
beispielsweise in Bezug auf die Ausführungsstrategien und die hieraus resultierenden
ökonomischen, ökologischen und sozialen Wirkungen. Die Thematik der Nachhaltigkeit
von Wettkampfstätten bei Sportgroßveranstaltungen bleibt jedoch nahezu
unberücksichtigt.
Während zum Themenfeld „Olympische Spiele und nachhaltige Architektur“ bisher
weder Handlungsanweisungen analysiert, noch im Rahmen von Forschungsarbeiten
theoretisch erstellt und praktisch erprobt wurden, stehen im Bereich von
„Großveranstaltungen und Stadtentwicklung“ verschiedene Analysen zu Verfügung.
Hierbei ist die Arbeit von Monika-Meyer Künzel aus dem Jahr 2001 „Der planbare
Nutzen: Stadtentwicklung durch Weltausstellungen und Olympische Spiele“ eine
umfassende Aufbereitung von Großveranstaltungen des 20. Jahrhunderts und deren
Einfluss auf die Stadtentwicklung der Austragungsorte. Eine weitere Bewertung der
zunehmenden Ausmaße der Olympischen Sommer- und Winterspiele und der
Planungsstrategien der Olympischen Austragungsorte stellt das im Jahr 2007
erschienene Buch „Olympic Cities - Cities Agendas, Planning and the World’s Games,
1892-2012“ dar (Gold J.R. et M.M. Gold: 2007). Ein Autorenteam, bestehend aus
verschiedenen Experten zur Thematik „Olympische Spiele und Stadtentwicklung“,
beschreibt die urbanen Auswirkungen Olympischer Spiele unter folgenden
Gesichtspunkten: Finanzierung, Werbezwecke, Management der Großveranstaltung
und Stadterneuerung.
Abschließend ist darauf zu verweisen, dass an der University Sheffield
(Großbritannien) eine Dissertation zum Thema „A framework for evaluating Olympic
urban development for sustainability“ von Liao Hanwen (2006) abgeschlossen wurde
und derzeit eine Dissertation zum Thema „Möglichkeiten zur Maximierung der
Nachhaltigkeit Olympischer Spiele für die urbane Entwicklung“ von Sven Schmedes an
der Universität Cardiff (Großbritannien) durchgeführt wird. Während bei der ersteren
Arbeit ein Werkzeug für die Bewertung von nachhaltiger Stadtentwicklung durch
Olympische Spiele entwickelt wurde, werden bei der zweiten Untersuchung die
soziologischen Aspekte von Olympischen Spielen im Hinblick auf die urbane
Stadtentwicklung untersucht.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
36
1.5. Methodik und Vorgehensweise
Die Dissertation bezieht verschiedene Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens ein.
Der theoretische Grundlagenteil (Kapitel 2) basiert auf der Analyse der
Sekundärliteratur, der empirische Teil beruht auf den Untersuchungen des Kapitels 3
„Instrumente des IOCs zur Umsetzung von nachhaltiger Olympischer Sportarchitektur“,
des Kapitels 4 „Olympische Wettkampfstätten und nachhaltige Planungskonzepte“ und
des Kapitels 5 „Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von Olympischen Sportbauten“.
Der anschließende Schlussteil „Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen
Gebäudequalität von Olympischen Wettkampfbauten: Maßnahme zur Umsetzung von
nachhaltigen Sportbauten?“ (Kapitel 6) fasst den theoretischen Teil (Kapitel 2) und die
empirischen Teilbereiche (Kapitel 3, 4 und 5) inhaltlich zusammen, wertet diese aus
und resümiert die Thesen und Folgerungen der Arbeit. Des Weiteren wird darauf
hingewiesen, dass im Rahmen der Dissertation die Internetrecherche mit
herangezogen wurde und eine wichtige Ausgangslage bildete. Denn speziell zu den
Themen „Olympischer Sportstättenbau“ und „Nachhaltigkeitszertifizierung von
Gebäuden“ sind zahlreiche Forschungsberichte nur im Internet publiziert.
Theoretischer Grundlagenteil: Sekundäranalyse
Der Abschnitt „Theoretische Grundlagen“ basiert auf einer umfassenden Analyse der
Sekundärliteratur (Kapitel 2). Hierfür wurden verschiedene Datenbanken
(Verbundkataloge, staatliche, institutionelle und virtuelle Bibliotheken, National- und
Hochschulbibliotheken, Journal- und Aufsatzdatenbanken etc.), ebenso wie die Archive
des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) ausgewertet und Internetrecherchen durchgeführt. Des
Weiteren ergaben Gespräche mit verschiedenen Experten (Architekten/Fachplaner,
Mitgliedern von Organisationskomitees Olympischer Spiele, Sportverbände usw.)
weitere Hinweise auf aktuelle Untersuchungen und wissenschaftliche Auswertungen.
Ziel des Grundlagenteils war es, den „Status Quo des Olympischen Sportstättenbaus“
zu beschreiben und die Arbeit in die aktuelle Diskussion über die Auswirkungen der
Olympischen Wettkampfbauten auf die Austragungsorte und die Entwicklung von
nachhaltiger Sportarchitektur einzuordnen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage,
inwieweit Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Olympischen Wettkampfbauten
definiert werden kann. Des Weiteren wird erläutert, welche Planungsinstrumente eine
mögliche Ausgangsbasis für nachhaltige Architektur bei Sportgroßveranstaltungen
bieten. Die hierbei erschlossenen Potentiale stellen den Untersuchungsrahmen dar
und werden empirisch anhand von Analysen überprüft und konkretisiert.
Empirischer Teil: Analyse der Teilbereiche und Fallstudien
Die Fragestellung der Arbeit wird durch Teilbereichsanalysen (Kapitel 3, 4 und 5) und
durch Fallstudien der Olympischen Sommer- und Winterspiele (Kapitel 4.1) untersucht,
verglichen und ausgewertet. Die Teilergebnisse werden am Ende der jeweiligen Kapitel
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
37
dargestellt und erste Folgerungen abgeleitet. Das Schlusskapitel „Bewertung und
Zertifizierung der nachhaltigen Gebäudequalität von Olympischen Wettkampfbauten:
Maßnahme zur Umsetzung von nachhaltigen Sportbauten?“ (Kapitel 6) fasst die
Ergebnisse der einzelnen Abschnitte zusammen, resümiert diese und leitet
Folgerungen ab, ob Olympische Sportbauten tatsächlich als nachhaltig bezeichnet
werden können und wie Nachhaltigkeit im Bezug auf den Olympischen Sportstättenbau
bewertet werden kann.
Teilbereiche der Untersuchung stellen die Kapitel 3, 4 und 5 dar. Bei der Untersuchung
des Kapitel 3 („Instrumente des IOCs zur Umsetzung von nachhaltiger Olympischer
Sportarchitektur“) werden die Entwicklung, die Ansätze und Methoden der Umwelt- und
Nachhaltigkeitsstrategien des IOCs, ebenso wie die Umweltvorschriften für die
Bewerbungs- und Austragungsorte für Olympische Spiele und deren Wettkampfbauten
betrachtet. Die Daten hierfür wurden aus den Archiven des IOCs und der
Organisationskomitees ehemaliger und zukünftiger Austragungsorte entnommen und
in Bezug auf deren Einfluss und Einsetzbarkeit für die olympische
Sportstättenarchitektur ausgewertet.
Die Untersuchung des Kapitels 4 („Olympische Wettkampfstätten und nachhaltige
Planungskonzepte“) analysiert Olympische Wettkampfstätten und deren nachhaltige
Planungskonzepte, als auch die Auswertungen Olympischer Spiele und deren
Baumaßnahmen durch Umweltschutzorganisationen. Das Kapitel 4 beinhaltet zudem
die Fallstudienanalyse (Kapitel 4.1), bei der die Entwicklung von nachhaltiger
Sportstättenarchitektur bei Olympischen Sommer- und Winterspielen ausgewertet
wurde. Die Fallanalysen erfolgten über Sekundärauswertungen
(Bewerbungsunterlagen und Official Reports der Austragungsorte etc.), als auch über
Primärerhebungen (Vor-Ort-Analysen). Während sich die Sekundärauswertungen auf
verfügbare Fachliteratur, Akten, Konzepte, Pläne etc. bezogen, wurde die
Primärerhebung in den Olympiastädten Sydney 2000 und Beijing 2008 durchgeführt.
Ein sechswöchiger Forschungsaufenthalt in Sydney (Australien) vom 17. Juni bis 30.
Juli 2006 am Australian Centre for Olympic Studies der University of Technology,
Sydney (UTS) diente der Überprüfung der theoretisch erarbeiteten Grundlagen
hinsichtlich der Nachnutzungsstrategie von Olympischen Sportstätten. Gespräche mit
Vorort-Akteuren und die Bestandsaufnahme wurden hinsichtlich der Problemstellung
der Arbeit im Rahmen der Fallstudienanalyse ausgewertet. Auch bei einem
zweiwöchigen Konferenzaufenthalt während der Olympischen Spiele von Beijing im
August 2008 wurden die theoretischen Auswertungen der Wettkampfbauten von
Beijing vor Ort überprüft.
Das Kapitel 5 („Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von Olympischen
Wettkampfstätten“) beschäftigt sich mit der Beurteilung der Gebäudequalität von
Olympischen Sportstättenbauten hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozio-
kultureller Aspekte. Anhand der inhaltlichen Gegenüberstellung von
Bewertungsmethoden, die bereits bei Olympischen Wettkampfstätten eingesetzt
wurden, und deren Zertifizierungsprozesse wird überprüft, unter welchen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
38
Nachhaltigkeitsaspekten Sportbauten von Olympischen Spielen bereits beurteilt
wurden und welche zusätzlichen Aspekte hinsichtlich einer ganzheitlichen Bewertung
zukünftig berücksichtigt werden müssen. Des Weiteren wird analysiert, ob sich die
eingesetzten Instrumente miteinander vergleichen lassen und ob solche Werkzeuge
international für die Beurteilung von Olympischen Sportstätten einsetzbar sind.
Im Ergebnisteil (Kapitel 6 „Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen
Gebäudequalität von Olympischen Wettkampfbauten: Maßnahme zur Umsetzung von
nachhaltigen Sportbauten?“) werden die aus den Kapitel 3, 4 und 5 gewonnenen
Ergebnisse inhaltlich zusammengefasst und es wird abgeleitet, ob Bewertungs- und
Zertifizierungsmethoden zu einer Umsetzung von nachhaltigen Olympischen
Wettkampfstätten beitragen. Des Weiteren werden die Thesen und Folgerungen der
Arbeit resümiert.
Zur Beantwortung der Fragestellungen wurden zudem die Erfahrungen von Experten
zu den Themenfeldern nachhaltige Architektur, Sportstättenbau und
Großveranstaltungen mit einbezogen. Persönliche Gespräche mit Fachplanern
lieferten Hintergrundinformationen zur Thematik des Projekts, ebenso wie
unterschiedliche Argumentationslinien und Blickwinkel. Neben den persönlichen
Gesprächen wurden weiterführende Informationen durch die Teilnahme an
Fachtagungen gewonnen, die im Folgenden aufgeführt sind:
SB05 Tokyo, Japan (27.09.-29.09.2005): The World Sustainable Building
Conference; International Council for Research and Innovation in Building and
Construction (CIB) und Green Building Challenge (GBC)
13. Symposiums zur nachhaltigen Entwicklung des Sports in Bodenheim (08.12.-
09.12.2005): Umwelt-Qualitätsstandards im Sport; Clearingstelle Sport und Umwelt
des DOSB
Sportwissenschaftliches Olympiaseminar in Olympia, Griechenland (17.-
23.09.2006): Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
3. Kongress „Sportgroßveranstaltungen - Neue Wege“, Köln (20.11.2006):
Sporthochschule Köln, Zentrum für nachhaltige Sportentwicklung (CENA)
Kommunale Sportpolitik zwischen Großereignissen und Breitensport, Berlin (16.-
18.04.2007): Deutsches Institut für Urbanistik (DIFU)
Mittelstandstagung/ Wirtschaftsforum zum nachhaltigen Sportstättenbau,
Osnabrück (26.-27.06.2007): Landessportbund Hessen (lsbh), Deutscher
Turnerbund (DTB), Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) und Deutsche
Bundesstiftung Umwelt (DBU)
CESB07 Prague, Tschechien (24.09.-26.09.2007): Central Europe towards
Sustainable Building; iiSBE Czech und Centre for Integrated Design of Advanced
Structures (CIDEAS) of the Faculty of Civil Engineering, Czech Technical University
20. IAKS Kongress, Köln (31.10.-02.11.2007): Fachkongress für Planung, Bau,
Modernisierung und Management von Sport- und Freizeitanlagen; Internationale
Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen (IAKS)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
39
Arbeitskreissitzungen Fachgruppe „Sports and Leisure Group“ der United
International Architects (UIA), Köln (01.11.2007 und 29.10.2009)
Mitwirkung am Aufbau des Deutschen Gütesiegels für nachhaltiges Bauen durch
fachliche Unterstützung der DGNB-Geschäftsstelle (Deutsche Gesellschaft für
nachhaltiges Bauen) (seit März 2008)
International Olympic Sport Symposium, Beijing (12.08.2008): Fachkongress für
Wissenschaftler, die sich mit olympiarelevanten Themen beschäftigen; Capital
University of Beijing
Beratung der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH hinsichtlich der
Integration von Nachhaltigkeitsaspekten bei Sportbauten für die Kandidatur für die
Olympischen Winterspiele 2018 (seit Februar 2009)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
40
1.6. Aufbau der Arbeit
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die vorliegende Arbeit in vier Blöcke
gliedert (siehe Abbildung 4): Einleitung, Rahmenbedingungen, Untersuchungsrahmen
und Ergebnis.
Das erste Kapitel gibt einen Überblick über den Gegenstand der Arbeit. Hierbei wird
der Begriff „Olympische Sportbauten“ erläutert (Kapitel 1.1). Daran anschließend folgen
die Zielsetzung der Arbeit (Kapitel 1.2), die Ausgangsbedingungen und die daraus
resultierenden Thesen und Fragestellungen (Kapitel 1.3). Der Stand der Forschung
wird in Kapitel 1.4 und die Erläuterung der Forschungsmethodik einschließlich der
empirischen Grundlagen in Kapitel 1.5 wiedergegeben.
In Kapitel 2 werden die Rahmenbedingungen und Problembezüge der Dissertation
dargestellt und der Gegenstand der Arbeit in die aktuelle Diskussion eingeordnet.
Hierbei wird die Thematik „Status Quo des Olympischen Sportstättenbaus“ erläutert,
ebenso wie die derzeitige Rolle und Funktion Olympischer Sportbauten bei der
Austragung der Spiele. Das Kapitel diskutiert die Thematik „Nachhaltigkeit und das
Bauwesen“ (Kapitel 2.1), beschreibt die Auswirkungen Olympischer Sportstätten auf
die Stadtentwicklung der Austragungsorte (Kapitel 2.2) und die Entwicklung des
Olympischen Sportstättenbaus (Kapitel 2.3). Am Schluss wird zur Diskussion gestellt,
ob „Nachhaltigkeit“ tatsächlich die derzeitige Entwicklungsetappe des Olympischen
Sportstättenbaus darstellt (Kapitel 2.4).
Der folgende Untersuchungsrahmen (Kapitel 3, 4 und 5) baut auf diesem theoretischen
Grundlagenteil auf. Ein Bestandteil dieser Kapitels stellt die empirische Analyse der
Leistungsfähigkeit von Nachhaltigkeitsinstrumenten des IOCs auf den Olympischen
Sportstättenbau dar (Kapitel 3). Der zweite Analyseteil befasst sich mit der Auswertung
von nachhaltigen Planungskonzepten von Sportstätten bei Olympischen Spielen
(Kapitel 4). In Kapitel 5 werden Kriterien von internationalen
Nachhaltigkeitsbewertungsmethoden (LEED, BREEAM, DGNB etc.) untersucht und
deren Anwendbarkeit auf den Olympischen Sportstättenbau hin überprüft. Die in
Kapitel 4.1 beschriebenen Fallstudien der Olympischen Sommer- und Winterspiele
dienen dazu, die abgeleiteten theoretischen Ergebnisse des Untersuchungsrahmens
mit praktischen Fallbeispielen zu überprüfen.
Das Schlusskapitel (Kapitel 6) resümiert die Ergebnisse in einer Zusammenfassung
der vorangegangenen Kapitel, sowie in Form von Thesenableitungen und
Folgerungen. Am Ende der Forschungsarbeit wird auf Basis des
Untersuchungsrahmens dargestellt, ob Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden
Maßnahmen und Werkzeuge zur Umsetzung von nachhaltigen Olympischen
Sportstätten darstellen, ebenso wie der weiterführende Forschungsbedarf.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
41
Abbildung 4: Schematischer Aufbau der Arbeit
(eigene Darstellung)
Einleitung
3. Instrumente des IOCs
zur Umsetzung von
nachhaltiger Olympi-
scher Sportarchitektur
3.1 Beschreibung der in die
Olympischen Spiele invol-
vierten Institutionen des
Olympic Movement
3.2 Entwicklung der Umwelt-
und Nachhaltigkeitsstrate-
gie des IOCs
3.3 Ansätze und Methoden der
Umwelt- und Nachhaltig-
keitsstrategie des IOCs
3.4 „Environmental Requi-
rements for Bidding and
Host Cities“ für Olym-
pische Sportbauten
3.5 Nachhaltigkeitsinstrumen-
te des IOCs: Reine Wer-
bemaßnahme für nachhal-
tige Olympische Spiele
oder tatsächliche Um-
setzung von nachhaltiger
Olympischer Sport-
architektur?
Untersuchungsrahmen
4. Olympische Wett-
kampfbauten und
nachhaltige
Planungskonzepte
4.1 Entwicklung von nach-
haltigen Planungs-
konzepten bei Olym-
pischen Spielen und
deren Wettkampfbauten
(Fallbeispiele)
4.2 Umweltbewertungen und
-richtlinien von Umwelt-
schutzorganisationen für
Olympische Spiele und
deren Sportbauten
4.3 Olympische Sportbauten
und Nachhaltigkeit –
Widerspuch, Trend oder
Möglichkeit?
6. Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen Gebäudequalität von
Olympischen Wettkampfstätten: Maßnahme zur Umsetzung von
nachhaltigen Sportbauten?
6.2 Stärkere Verpflichtung des IOCs: Verankerung von Methoden zur Bewertung der
Gebäudequalität von Olympischen Wettkampfstätten in den Prozess der Olympischen
Bewerbun
g
(
Ableitun
g
These 2
)
6.3 Nachhaltige Olympische Wettkampfstätten: Von der „Green Building“-Bewertung hin zur
Nachhaltigkeitszertifizierung (Ableitung These 3)
Rahmenbedingungen
5. Bewertung der Nach-
haltigkeitsqualität
von Olympischen
Wettkampfstätten
5.1 Bewertungs- und Zerti-
fizierungssysteme für
nachhaltige Olympische
Wettkampfbauten
5.2 Einsatz von Umwelt- und
Nachhaltigkeitsbewer-
tungssystemen bei
Olympischen Sportbauten
5.3 Nationale Bewertungs-
und Zertifizierungs-
methoden von Olym-
pischen Sportbauten:
International einsetzbar
als „Environmental
Assessment“ von Olym-
pischen Wettkampf-
stätten?
1. Gegenstand der Arbeit
1.1 Begriffsklärung: Olympische Sportbauten
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Ausgangsbedingungen, Thesen und Fragestellungen
1.4 Stand der Forschung
1.5 Methodik und Vorgehensweise
1.6 Aufbau der Arbeit
2. Status Quo des nachhaltigen Olympischen Sportstättenbaus
2.1 Nachhaltigkeit und das Bauwesen
2.2 Olympische Sportstätten und Stadtentwicklung
2.3 Entwicklung der Olympischen Sportarchitektur
2.4 Etappen der Entwicklung der Olympischen Sportbauten: Etappe Nachhaltigkeit?
Ergebnis
6.4 Internationale Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsbewertungsmethoden für Olympische
Wettkampfstätten: Forderung nach Mindeststandards (Ableitung These 4)
6.5 Ausblick: Zukünftige Entwicklung der Nachhaltigkeitsbewertung von Olympischen
Wettkampfstätten
6.1 Olympische Spiele als Katalysator: Verbesserung der regionalen und nationalen
Baustandards durch Olympische Spiele und deren Baumaßnahmen (Ableitung These 1)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
42
2. Status Quo: Nachhaltiger Olympischer
Sportstättenbau
“It would be very unfortunate, if the often exaggerated expenses incurred
for the most recent Olympiads, a sizeable part of which represented the
construction of permanent buildings, which were moreover unnecessary -
temporary structures would fully suffice, and the only consequence is to
then encourage use of these permanent buildings by increasing the
number of occasions to draw in the crowds - it would be very unfortunate if
these expenses were to deter (small) countries from putting themselves
forward to host the Olympic Games in the future.”
(Coubertin, P. d. 1911)
Bereits im Jahr 1911 fordert Pierre de Coubertin, der Gründer der Olympischen Spiele
der Neuzeit, den vermehrten Einsatz von temporären Olympischen Wettkampfstätten
(Coubertin, P. d. 1911). Die zunehmende Popularität der Spiele war schon damals mit
einer stetig ansteigenden Anzahl an benötigten Bauten verbunden und man erkannte
recht schnell die damit einhergehenden Kostensteigerungen und die daraus
resultierenden Nachnutzungsprobleme. Die Geschichte der Olympischen Spiele zeigt
jedoch, dass sich diese Forderung nicht durchsetzen ließ. Heutzutage gehen mit der
Durchführung der Sportgroßveranstaltung umfangreiche Baumaßnahmen einher, die
die Austragungsorte in den Jahren vor den Spielen wie eine städtische Großbaustelle
erscheinen lassen.
Neben Nachnutzungsfragen und ökonomischen Aspekten nahm auch die Thematik
des Umweltschutzes bei Olympischen Baumaßnahmen in den letzten Jahren eine
immer wichtigere Rolle ein. „If we don`t give priority to environmental awareness in the
future, our sport will have no future“, so beschreibt der Technische Direktor der
Biathlonwettkämpfe der Olympischen Spiele von Lillehammer 1994 die Zukunft des
Sports im Rahmen der Olympischen Winterspiele und zeigt, dass die Themen „Sport
und Umweltschutz“ eng miteinander verbunden sind (Chernushenko et al. 2001: S.25).
Trotz zunehmender Integration der Thematik Umweltschutz und Nachhaltigkeit im
Breiten- und Spitzensport, ist heutzutage nicht nur ein Umdenken in Richtung
Nachhaltigkeit bei Sportanlagen für den Breitensport, sondern auch bei
Wettkampfstätten, insbesondere bei Olympischen Sportstätten, notwendig. Das
folgende Kapitel erläutert daher anhand der Entwicklung des Olympischen
Sportstättenbaus der Neuzeit, welche Rahmenbedingungen dieser Arbeit zu Grunde
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
43
liegen und aus welchen thematischen Ausgangsbedingungen sich die „Nachhaltigkeit
von Olympischen Sportbauten“ ableiten lässt.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
44
2.1. Nachhaltigkeit und Bauwesen
Nach der Declaration of Interdependence for a Sustainable Future, die die
internationale Architektenvereinigung United International Architects (UIA) auf dem
Weltkongress von 1993 in Folge der UN-Konferenz von Rio de Janeiro (1992)
herausgegeben hat, spielen Gebäude und deren bebaute Umwelt im Rahmen der von
Menschen erzeugten Einflüsse eine bedeutende Rolle für die natürliche Umwelt und
die daraus resultierende Lebensqualität. Laut UIA könne die Umsetzung von
nachhaltiger Architektur nicht nur die Einflüsse der Menschen auf die umgebende
Umwelt minimieren, sondern gleichzeitig auch die Lebensqualität und das
ökonomische Wohlbefinden fördern (UIA 1993: S.1).
Die Forderung nach Nachhaltigkeit ist heute politisches Allgemeingut: was immer an
Infrastruktur – insbesondere im öffentlichen Raum gebaut wird – ist mit dem Appell zur
Beachtung des Konzepts der Nachhaltigkeit belegt. Dies gilt für die Architektur
allgemein, wie den Städte-, Wohnungs- und Industriebau, ebenso wie für die
Sportarchitektur, denn auch der Sport greift beim Bau von Sportstätten auf knappe
Ressourcen zurück. Nachhaltige Entwicklung setzt hierbei auf die Zukunftsfähigkeit,
d.h. noch bessere Zukunftsverträglichkeit des heutigen Ressourcenverbrauchs. Eine
besondere Aufgabe kommt in diesem Zusammenhang dem Bau und Betrieb von
Sportanlagen für den Breiten- und Spitzensport zu, d.h. auch dem Olympischen
Sportstättenbau, denn „Sport kommt ohne Bewegungsflächen und Räume nicht aus“
(Büch et al 2003: S. 1).
2.1.1. Entwicklung des Leitbilds Nachhaltigkeit
Die Idee der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development), die sich bis ins 18.
Jahrhundert (Forstwirtschaft) zurückverfolgen lässt, ist mittlerweile in der Nachfolge
des sogenannten Brundland-Berichts global weithin anerkannt. Der Brundland-Bericht
der World Commission on Environment and Development (WCED) „Our Common
Future” aus dem Jahr 1987 bezeichnet eine Entwicklung, welche den Bedürfnissen der
heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu
gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen (World Commission on
Environment and Development 1987). Erste Vorreiter des Nachhaltigkeitsgedankens
gehen bis in die 70er Jahre zurück. Mit der Veröffentlichung „Grenzen des Wachstums“
(1972) des Club of Rome und der Conference on the Human Environment (1972) der
United Nations in Stockholm wurde auf die zunehmende Umweltbelastung und
Umweltverschmutzung hingewiesen. Der Begriff „Sustainable Development“ (SD)
wurde erstmalig in einem internationalen Dokument der World Conservation Strategy
im Jahr 1980 erwähnt (Ott et Döring 2006: S. 89f.).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
45
Mit der UNCED-Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen von
1992 in Rio de Janeiro konnte eine erste international gültige Grundlage für eine
Verpflichtung zur Einhaltung der geforderten Ziele zur nachhaltigen Entwicklung
gesetzt werden. Neben der Rio-Deklaration wurde hierbei mit der Agenda 21, ein
international gültiges entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm zur
nachhaltigen Entwicklung für das 21. Jahrhundert herausgebracht. Die Resultate der
theoretischen und praktischen Umsetzung der beteiligten Nationen wurden auf dem
World Summit on Sustainable Development 2002 in Johannesburg, dem so genannten
Rio + 10 Weltgipfel vorgestellt (Heinrich Böll Foundation 2002).
Heutzutage ist für viele Ökologen das Konzept der nachhaltigen Entwicklung mit
Wachstum und Profit akzeptabel geworden, da es eine gerechtere Verteilung der
Gewinne und eine schonendere Nutzung der natürlichen Ressourcen vorsieht. Dieser
Wandel wird im Buch „Faktor Vier: Doppelter Wohlstand - halbierter Verbrauch“ des
Club of Rome zum Ausdruck gebracht. Hierbei wird ein neues Konzept vorgestellt,
welches die Zukunft kommender Generationen mittels einer Wirtschaftspolitik sichert,
die Gewinne erzielt, zugleich aber die Umwelt schützt. Gefordert wird die Steigerung
der Ressourcenproduktivität um das Vier- bis Zehnfache bei gleichzeitiger Reduzierung
des Ressourcenverbrauchs durch innovative Techniken, Einsparungen und
Effizienzsteigerungen (Weizsäcker, E.U.v. et al 1996). Im Industriebereich ist die
nachhaltige Entwicklung bereits eine wirtschaftliche Realität. Die Märkte kennen ein
starkes Wachstum und werden auf lange Sicht eine Nachfrage erzeugen. Den
Unternehmen ist bewusst, dass ihnen die Umsetzung ökologischer Prinzipien erlaubt,
das industrielle Produktionsverfahren zu verbessern, ihr Image zu optimieren und sich
von der Konkurrenz abzusetzen (Gauzin-Müller 2002: S.14 f.). Daher wurde im Zuge
der Qualitätssicherung der ISO 9000 die internationale Normungsgemeinschaft
beauftragt ein ökologisches Wirtschaftssystem (ISO 14000) weltweit zu organisieren,
dem immer mehr Unternehmen beitreten. Die internationale Umweltmanagementnorm
ISO 14000 legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem
fest und beinhaltet zahlreiche weitere Normen zu verschiedenen Bereichen des
Umweltmanagements, wie für Ökobilanzen, Umweltkennzahlen und
Umweltleistungsbewertungen. Diese ökologische Qualitätssicherung oder auch Öko-
Audit genannt, wurde im Rahmen der Olympischen Winterspiele von Turin 2006
erstmalig bei einer Sportgroßveranstaltung angewandt. Das Organisationskomitee der
Olympischen Winterspiele 2006 von Turin zertifizierte die Olympische Veranstaltung
mit dem internationalen System ISO 14001 und mit der vergleichbaren europäischen
Variante EMAS (European Eco Management & Audit Scheme). Hierbei war es das
Ziel, zum einen die Öko-Zertifizierung als werbemäßige Kampagne für das Öko-Audit
durchzuführen, zum anderen die Umweltauswirkungen der Sportgroßveranstaltung zu
kontrollieren und einzuschränken. Der ISO 14001 Standard scheint sich bei
Olympischen Spielen durchzusetzen. So wendeten die Spiele von Peking 2008 die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
46
Zertifizierung an. Auch bei den Winterspielen von Socchi ist der Einsatz des
Umweltmanagementsystems geplant (Olympic Movement 2007a).
Abbildung 5: Darstellung von Nachhaltigkeitstheorien und -ansätzen
(eigene Darstellung)
Dem gemeinsamen Leitbild der nachhaltigen Entwicklung nähern sich die
verschiedenen Akteure mit verschiedenen Vorstellungen, Maßnahmen, Methoden und
Instrumenten (siehe Abbildung 5). Verschiedene Ansätze und Strategien sind hier zu
verfolgen (Lang 2003) (Hegger et al 2007):
Magisches Dreieck (Kistenmacher und Mangels 2000)
Fünfeck (Beckmann 2000)
Fünf Ebenen der Nachhaltigkeit (Spitzner 1999)
Einbezug von kultureller und spiritueller Basis
Drei-Säulen-Modell (Enquete-Kommission 1998):
Drei gleichberechtigte Dimensionen: Ökologie, Ökonomie und soziale
Sicherheit
Ursprung des Modells ist nicht genau auszumachen
Auf Grundzügen des „Drei-Säulen-Modells“ beruht auch der Abschlussbericht
„Schutz des Menschens und der Umwelt“ der Enquete-Kommission des
Deutschen Bundestags (1998)
Suffizienzstrategie:
Extreme Einschränkung des Verbrauchs
Forderung der Reduzierung auf Teilung der noch verbleibenden Ressourcen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
47
Vertreter dieser Theorie: „Zukunftsfähiges Deutschland“ (Wuppertal Institut,
1996)
Effizienzstrategie:
Steigerung der Ressourcenproduktivität um das Vier- bis Zehnfache bei
gleichzeitiger Reduzierung des Ressourcenverbrauchs durch innovative
Techniken, Einsparungen und Effizienzsteigerungen
Vertreter dieses Ansatzes: v. Weizsäcker (Faktor 4, 1996)
Trotz zahlreicher Debatten zu unterschiedlichen Nachhaltigkeitstheorien und -ansätzen
scheint sich das Drei-Säulen-Modell aufgrund seiner Einfachheit und Verständlichkeit
durchzusetzen. Der Ursprung des Modells, das die drei gleichberechtigten
Dimensionen „Ökologische, Ökonomische und Soziale Nachhaltigkeit“ umfasst, ist
nicht genau auszumachen (Lang 2003: S.61). Auf den Grundzügen des „Drei-Säulen-
Modells“ beruht auch der Abschlussbericht „Schutz des Menschen und der Umwelt“
der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages (1998), dessen Absicht unter
anderem auch die Operationalisierung des Leitbilds „Nachhaltigkeit“ für die Bereiche
Bauen und Wohnen war (Deutscher Bundestag 1998) (Hegger et al 2007: S.190). Auf
diesem Modell baut auch die Forschungsarbeit auf, d.h. ökologische, ökonomische und
soziale Aspekte des Olympischen Sportstättenbaus stehen im Mittelpunkt der Analyse.
2.1.2. Nachhaltige Entwicklung des Bereichs „Architektur“
In Anbetracht der internationalen Nachhaltigkeitsentwicklung befinden sich die
Bereiche Architektur und Bauen noch ganz am Anfang einer „Nachhaltigen
Entwicklung“. Die Thematik des „Sustainable Design“ oder der „Nachhaltigen
Architektur“ wird oft mit den Begriffen „ökologisches Bauen“, „energieeffizientes Bauen“
oder „bioklimatische Architektur“ gleichgesetzt, es handelt sich hierbei jedoch lediglich
um Teilaspekte einer zukunftsfähigen Entwicklung. Der Ansatz des nachhaltigen
Bauens stellt sich komplexer dar. Die Gesamtheit der architektonischen Produktion
steht zur Diskussion, d.h. ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Aspekte
sind in wechselseitigen Abhängigkeiten zu betrachten (Hegger et al 2007: S.190).
Nachhaltige Architektur, vom Wohnhaus- über den Industriebau bis hin zu
Olympischen Sportstätten, strebt nicht nur die Minimierung der negativen
Umweltbelastungen von Gebäuden bei gleichzeitiger Förderung eines effizienten
Verbrauchs von Materialien, Energie und Bauraum an, auch die ökonomischen,
sozialen und politischen Inhalte müssen hierbei mit einbezogen werden.
In Zeiten der CO2-Einsparungen und der Flächenminimierung nimmt die
Nachhaltigkeitsdebatte im Rahmen der Architektur und Städteplanung eine immer
wichtigere Rolle ein. Die Entwicklung der Stadt im 21. Jahrhundert hängt stärker als
bisher von den Grundsätzen der Nachhaltigkeit ab. Eine Herausforderung ist die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
48
Sicherstellung von ökonomischer Entwicklung in den Städten bei ausgewogenem
wirtschaftlichem Wohlstand und sozialen Verbesserungen. Hierbei spielen die Habitat-
Konferenzen (1996, Istanbul), die Urban 21 (2000, Berlin) und die Ecocity-
Konferenzen (2006, Bangalore) eine wichtige Rolle, denn die Realisierung und
Nutzung von städtischem Raum und von Gebäuden birgt weitreichende Belastungen
für Umwelt.
Der europäische Bausektor verbraucht etwa 50 Prozent der natürlichen Ressourcen,
40 Prozent der Energie und 16 Prozent des Wassers (Europäische Gemeinschaft
2002) (Gauzin-Müller 2002: S. 15). Rund 60 Prozent der anfallenden Abfälle werden
durch das Bauwesen verursacht. Die stetige starke Zunahme des Flächenverbrauchs
und die damit einhergehende Zunahme der CO2-Emissionen und die zunehmende
Versiegelung des Bodens stehen im starken Gegensatz zum Kyoto-Protokoll von 1996
und den verschiedenen nationalen Nachhaltigkeitsstrategien (z.B.
Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung: drastische Senkung der
Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Deutschland von
zwischenzeitlich 131 ha auf 30 ha/Tag bis zum Jahr 2020) (Umweltbundesamt für
Mensch und Umwelt 2004: S.5). Während bei der Rio-Konferenz von 1992 soziale und
kulturelle Aspekte im Vordergrund standen, war der Kyoto-Gipfel von 1996 stärker
durch eine praktische Zielsetzung geprägt. Mit dem Kyoto-Protokoll, ein im Jahr 1997
beschlossenes Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der Klimarahmenkonvention der
Vereinten Nationen (UNFCCC) mit dem Ziel des Klimaschutzes, verpflichteten sich die
anwesenden Industrienationen mit dem 2005 in Kraft getretenen und 2012
auslaufenden Abkommen völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von
Treibhausgasen in den Industrieländern festzulegen. Ziel ist hierbei den jährlichen
Treibhausgas-Ausstoß der Industrieländer innerhalb der sogenannten ersten
Verpflichtungsperiode (2008–2012) um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber dem
Stand von 1990 zu reduzieren (Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz und
Reaktorsicherheit 1997).
Diese Ansätze wurden auch auf nationaler Ebene meist durch gesetzliche
Rahmenbedingungen unterstützt. Auf europäischer Ebene ist hier die Richtlinie
2002/91/EG (EPBD Energy Performance of Buildings Directive) zu nennen, die in den
einzelnen Europäischen Staaten die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in
nationales Recht durch die Einführung von Energieausweisen umsetzt.
Nachhaltige Architektur heißt aber mehr als ökologisches und ressourcenschonendes
Bauen und Energieeffizienz. Sie ist auch mit Aspekten, wie Ästhetik,
Entwurfsmethodik, integrale Planung, Standortfragen, dem Planungsprozess,
soziokulturellen Kriterien, ebenso wie mit ökonomischen, funktionalen und technischen
Eigenschaften verbunden. Während in Deutschland und Österreich seit Ende der 80er
Jahre (Passivhaus, Energieeinsparverordnung etc.) ein empirisch ökologischer Weg
eingegangen wird, basiert das Vorgehen in Frankreich, Großbritannien und USA oft auf
einer quantitativen Aufstellung der Ziele, die nach praktischer Erprobungsphase weiter
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
49
modernisiert und dem Stand der Technik angepasst werden (Gauzin-Müller 2002:
S.19).
Für eine quantitative Umsetzung, Beschreibung und Beurteilung von Bauwerken im
Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung werden Werkzeuge und Hilfsmittel benötigt,
welche die ökonomischen, ökologischen und sozial relevanten Informationen zum
Zeitpunkt der Entscheidungsfindung im Planungsprozess gleichzeitig und
gleichberechtigt zur Seite stellen (Lützkendorf 2003: S.32). Zur Umsetzung und
Förderung des Leitgedankens der Nachhaltigkeit im Bauwesen werden deshalb den
Beteiligten am Baugeschehen Werkzeuge an die Hand gegeben, die ihnen helfen die
Nachhaltigkeit von Bauprodukten und Bauwerken einzuschätzen. In den letzten Jahren
wurde international eine Vielzahl von Hilfsmitteln für die Nachhaltigkeitsbeurteilung von
Gebäuden entwickelt. Diese unterscheiden sich durch den angesprochenen
Personenkreis (Bauherren, öffentliche Hand, Entscheidungsträger, Planer, Investoren,
Bauausführende, Nutzern etc.), die Komplexität und Informationstiefe, die
Konzentration auf einen oder mehrere Nachhaltigkeitsaspekte (Ökologie, Ökonomie,
Soziales), die Berücksichtigung verschiedener Phasen des Lebenszyklus (Planung,
Erstellung, Nutzung, Rückbau, Entsorgung), ebenso wie nach klimatischen und
kulturellen Ausgangsbedingungen (Graubner et Hock 2006: S.6). Zu nennen sind hier
Gütesiegel, wie die amerikanische Methode LEED (Leadership in Energy and
Environmental Design), das britische System BREEAM (BRE Environmental
Assessment Method) oder das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB), die
nicht nur Kriterien und Richtlinien zur Umsetzung der ökologischen und
energieeffizienten (LEED und BREEAM) bzw. zur nachhaltigen Gebäudequalität
(DGNB) festsetzen, sondern mit denen Gebäude auch beschrieben und bemessen
werden können.
Seit dem Gipfel in Rio wurden die ökologischen Prinzipien in Architektur und Städtebau
unterschiedlich schnell und effizient in den verschiedenen Ländern angewandt. Im
europäischen Raum ist die Europäische Union die treibende Kraft bei der Umsetzung
von nachhaltigen Alternativen. Auf internationaler Ebene agieren verschiedene
Organisationen zur Förderung des nachhaltigen Bauens. Mit der Gründung des Green
Building Challenge (GBC) bildete sich im Jahr 1998 ein weltweites Netzwerk auf der
Basis gemeinsamer Forschungsziele, Konferenzen und Veröffentlichungen rund um
das Themengebiet der nachhaltigen Architektur (Green Building Challenge 1998).
Auch die SB Alliance, ein internationales Netzwerk bestehend aus Universitäten,
Forschungsinstituten, Umweltorganisationen und der Wirtschaft hat sich mit dem Ziel
gegründet das nachhaltige Bauen und hierfür benötigte Planungs- und
Bewertungswerkzeuge zukünftsfähig auszubauen. Hierbei wird die Initiative durch den
UNESCO Chair for sustainable buildings, UNEP-SBCI (United Nations Environmental
Programme sustainable building and construction initiative), der WFTAO (World
Federation of Technical Assessment Organizations), iiSBE (International Initiative for a
Sustainable Built Environment) und der ECTP (European Construction Technology
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
50
Platform) unterstützt (SB Alliance 2008). Neben den genannten Netzwerken haben
mittlerweile auch alle internationalen Architektenverbände, wie die UIA (United
International Architects), und Ingenieursverbände, wie CIB (International Council for
Building), das nachhaltige Bauen als wichtiges Themenfeld erkannt. Eine der weltweit
bedeutendsten Konferenzen zum Thema Nachhaltiges Bauen, die vom Green Building
Challenge mitorganisiert wird, ist die World Sustainable Building Conference (SB02
Oslo, SB05 Tokyo, SB08 Melbourne) (Green Building Challenge 1998).
Nach Erläuterung der Entwicklung des nachhaltigen Bauen ist deutlich erkennbar, dass
nachhaltige Architektur nicht nach einer feststehenden Konzeption erfolgen kann,
vielmehr erfordern einzelne Vorhaben ein spezifisches Konzept bzw. Teilkonzepte mit
unterschiedlichen Lösungsansätzen, Alternativen und Maßnahmen (Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung 2001: S.6). Dies trifft auch auf den Olympischen
Sportstättenbau zu, insbesondere aufgrund der unterschiedlichen kulturellen,
klimatischen und politischen Ausgangsbedingungen, die sich bedingt durch den
zweijährigen Wechsel der Austragungsorte (Sommer- und Winterspiele) ergeben.
Der Bereich „Nachhaltiges Bauen“ ist zwar heutzutage bei den Olympischen Spielen
ein Bestandteil der Planungen geworden, dennoch steht die Umsetzung von
nachhaltigen Sportstätten noch in den ersten Schritten. Ökologische, energieeffiziente
und nachhaltige Planungskonzepte nehmen immer mehr zu, im Gegensatz zu anderen
Gebäudetypologien, wie Büro-, Wohnungs- oder Industriebauten, herrscht im
Sportstättenbau jedoch noch enormer Forschungs-, Konzeptions- und
Umsetzungsbedarf, wie die Fallbeispiele des folgenden Kapitels zeigen. Der
internationale Architektenverband UIA (United International Architects) hat zwar bereits
vor mehreren Jahre die Arbeitsgruppe „Sport and Leisure“ geschaffen.
Arbeitsschwerpunkt dieser Fachgruppe ist jedoch mehr die Funktionalität von
Wettkampfstätten, als deren nachhaltige Planung. In Kooperation mit dem
Internationalen Komitee und den Internationalen Sportverbänden wurden bereits
verschiedene Fachkonferenzen zum Thema „Olympischer Sportstättenbau“
durchgeführt. Die letzte Konferenz zu diesem Thema „Olympic Games and
Architecture“ Future of the Host Cities“ in Lausanne aus dem Jahr 2001 liegt jedoch
bereits mehrere Jahre zurück.
Die zahlreichen auf internationaler Ebene erarbeiteten Lösungsansätze für die
Beschreibung, Bewertung und Kommunikation „des Beitrags von Bauwerken zu einer
nachhaltigen Entwicklung“ weisen bislang große Unterschiede in den
Herangehensweisen, den methodischen und datentechnischen Grundlagen sowie den
verwendeten Kriterien und Indikatoren auf (Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung 2009). Im Sinne der Qualität, Transparenz und Nachvollziehbarkeit
dieser Ansätze bedarf es daher einer internationalen bzw. europäischen
Harmonisierung. Vom technisch zuständigen Komitee der ISO (TC 59) wurde daher im
Jahr 2002 beschlossen, ein Normungsprojekt für nachhaltiges Bauen zu beginnen.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
51
Diese Norm wurde in der Arbeitsgruppe der ISO/TC59/SC17 Sustainability in building
construction“ erarbeitet, die ihrerseits die Grundlage für das europäische
Normungsvorhaben unter CEN/TC 350 „Sustainability of construction works“ und
nationalen Normen bilden (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
2009). Die allgemeinen Prinzipien (General Principles) des Nachhaltigen Bauens
werden in der Norm ISO 15392 „Sustainability in building construction - General
principles“ festgehalten und beschreiben die drei Säulen der Nachhaltigkeit „Umwelt,
Soziales und Ökonomie“, die sich eng auf den Bedarf des Bausektors beziehen.
Derzeit befinden sich die Normen auf internationaler, europäischer und nationaler
Ebene jedoch noch in Entwicklung, daher werden die Säulen Ökonomie und Soziales
vorerst nur auf der allgemeinen Ebene (General Principles) angesprochen. Eine
ähnliche Herangehensweise beschreibt auch der Entwurf der europäischen Vornorm
prEN 15643 „Sustainability of construction works“ des Technischen Komitees CEN/TC
350 (CEN/TC 320 2009: S.5). Hier werden die drei Hauptkriterien, d.h. die
umweltbezogene, soziale und ökonomische Qualität, als die eigentlichen drei
Hauptsäulen aufgeführt (European Committee for Standardization 2008). Die
technischen und funktionalen Nachhaltigkeitsaspekte werden hingegen als
Querschnittsqualitäten mit einer Wechselbeziehung zu den drei Hauptsäulen
dargestellt (CEN/TC 350 2009: S.5). Die in der internationalen und europäischen
Nachhaltigkeitsnormung für den Bausektor ausgewiesenen Dimensionen „Ökologie,
Ökonomie und Soziale Aspekte“ bilden folglich die Ausgangsbasis und
Rahmenbedingungen für die folgende Analyse. Anhand dieser Kategorien soll
abgeleitet werden, ob Olympische Wettkampfstätten überhaupt als nachhaltig
bezeichnet werden können und wie Nachhaltigkeit von Olympischen Sportstätten
definiert und gemessen werden könnte, d.h. welche thematischen Schwerpunkte sich
für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau ableiten lassen.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
52
2.2. Olympische Wettkampfstätten und Stadtentwicklung
Die Geschichte der Olympischen Winter- und Sommerspiele zeigt, dass Olympische
Spiele Großveranstaltungen sind, die als international medienwirksame Ereignisse mit
spektakulären Bauten und Konzepten mit prägender Wirkung für Architektur- und
Stadtbaugeschichte aufwarten und große städtebauliche Veränderungen in den
ausrichtenden Städten einleiten. Die Größe der zu entwickelnden Fläche und die in
relativ kurzer Zeit umzusetzenden Baumaßnahmen sind oft einzigartig in der
Geschichte der Stadtentwicklung der gastgebenden Orte (Meyer-Künzel, M. 2001: S.
11). Im Laufe der letzten 100 Jahre wurden hierfür verschiedene Planungsansätze
angewandt, die unterschiedlichsten zeithistorischen Strömungen unterlagen.
Abbildung 6: Blick auf das heutige Olympiastadion und die Olympiahalle der Olympischen
Sommerspiele München von 1972
(eigene Darstellung)
Grundsätzlich gilt es bei Olympischen Spielen zwischen zentralen und dezentralen
Konzepten zu unterscheiden. Die zentrale Planung beschreibt die Konzeption des
Olympischen Sportparks, d.h. die Gebäude und Wettkampfanlagen sind an einem
Standort konzentriert. Der Olympische Sportpark begann sich seit den Olympischen
Spielen von Stockholm 1912 als ein eigenständiges städtebauliches Konzept speziell
bei Sommerspielen zu bilden und fand seinen ersten Höhepunkt bei den Spielen von
Berlin 1936. Mittlerweile gehört er zu den am häufigsten angewandten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
53
Planungstypologien in der Geschichte der Olympischen Spiele (heutige Beispiele des
Typus Sportparks: München 1972, Sydney 2000, Beijing 2008, London 2012). Das
Konzept des zentralen Sportparks („clustered venues“) wird heutzutage im Rahmen
des Durchführungsmanagements und der Nachhaltigkeitsdebatte (Sport der kurzen
Wege) seitens des IOCs gefordert (siehe Candidature Procedure and Questionnaires):
Consider the impact of the operating environment. Geographically dispersed venues
will demand a different transport operation and therefore a different cost scenario than
clustered venues” (International Olympic Committee 2004b: S. 112).
Handelt es sich um ein dezentrales Konzept, so sind die Einrichtungen über die ganze
Stadt oder Region verteilt. Dieser Typus wird jedoch meist bei Olympischen
Winterspielen angewandt, da speziell hier das Veranstaltungs- und Raumprogramm
des IOCs Spezialwettkampfstätten fordert (Sprungschanzen, Skipisten etc.), die
aufgrund ihrer Voraussetzungen oft weit verstreut liegen, wie etwa die Winterspiele von
Turin 2006. Ein ausgeprägtes Beispiel für ein dezentrales Konzept bei Sommerspielen
war die Sportstadtplanung der Olympischen Spiele von Moskau 1980, die unter dem
Schlagwort „Spiele der schnellen Verbindungen“ stand. Die einzelnen
Wettkampfstätten und Olympischen Dörfer (Neubauten und Umnutzungen bereits
bestehender Sportstätten) wurden durch ein für die Spiele beträchtlich ausgebautes
Netz des öffentlichen Nahverkehrs (Metro und Stadtautobahnen) miteinander
verbunden. Eine ähnliche Umsetzung dezentraler Planung wurde auch bei den Spielen
von Los Angeles 1984 angewandt. Hierbei lag das Augenmerk der Spiele jedoch auf
der Nutzung bestehender Wettkampfstätten und der temporären Bauweise
(International Olympic Committee 2004b: S. 14).
Die Geschichte der letzten Jahre zeigt, dass beide Varianten für die Stadt
gleichermaßen erfolgreich oder auch wirkungslos für eine nachhaltige Stadtentwicklung
sein können. Maßgeblich für eine wirkungsvolle und nutzbringende Umsetzung ist
hierbei eine differenzierte Abstimmung des Konzepts auf die erkannten Belange des
Austragungsortes, d.h. auf dessen Chancen und Probleme.
2.2.1. Strömungen und Planungskonzepte Olympischer Baumaßnahmen
(Wettkampfbauten)
2.2.1.1. Planungstypologien bei Olympischen Sommerspielen
Neben der Austragung des sportlichen Großevents in Citylage oder auf der „Grünen
Wiese“ außerhalb des Austragungsortes scheinen sich bei der Durchführung des
Mega-Events „Olympische Spiele“ die Füllung und Revitalisierung von innerstädtischen
Brachen, wie die Spiele von München 1972 mit der Nutzung des ehemaligen
Flughafens Oberwiesenfeld als zukünftiges Sport- und Freizeitzentrum oder die Spiele
von London 2012 mit der Regeneration von Industriebrachen in East London, und
Maßnahmen der Stadterweiterung, wie die Spiele von Barcelona 1992 mit der Öffnung
zum Meer, als typische städtebauliche Planungsansätze durchgesetzt zu haben.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
54
Grundsätzlich zeigt die Entwicklung der Sommerspiele, dass sich deren
städtebaulichen Planungskonzepte (ähnlich wie die Konzepte für Weltausstellungen) in
folgende vier Grundkategorien unterteilen lassen, die abhängig von der Zeit, Politik und
vom Ort des Geschehens sind (Meyer-Künzel, M. 2001: S. 13):
Typus Ephemere
Typus Park
Typus Sport und Messe
Typus Stadtentwicklung
Typus Ephemere (kurzzeitiges Ereignis):
Der deutliche Schwerpunkt dieser Planungstypologie liegt in der Zeit vor 1930, in der
Olympische Spiele zum Teil noch Bestandteil von Weltausstellungen waren und sich
erst als eigene Großveranstaltung zu etablieren begannen. Ephemere bedeutet
„Veranstaltung für einen kurzen Zeitraum“. Beispiele hierfür sind die Olympischen
Spiele von Paris 1900, Antwerpen 1920 oder Los Angeles 1932 und 1984 (Meyer-
Künzel, M. 2001: S.33ff.). Das Hauptaugenmerk bei diesem Typus lag auf der
repräsentativen Funktion der Olympischen Spiele. Stadtverschönerung oder -entwick-
lung standen hierbei nicht im Vordergrund. Die Standortwahl erfolgte meist aus
Gründen der Verfügbarkeit, Eignung für den Zweck oder wegen der spektakulären
Lage. Auch spielte die Nachnutzung der Wettkampfstätten keine oder nur eine
untergeordnete Rolle. Man nutzte für die Wettkämpfe bestehende Sportanlagen oder
erschloss mit temporären Bauten kurzfristig freie und unbebaute Gebiete. Diese Fest-
und Sportplätze sollten weiterhin ihrem abgestammten Zweck dienen. Die temporären
Wettkampfstätten eines solchen Großereignisses verschwanden meist bis auf das
Olympia-Stadion spurlos aus dem Stadtbild. So wurden etwa in Paris und Antwerpen
für die Durchführung der Olympischen Spiele auf Vereinssportplätze zurückgegriffen, in
Los Angeles 1984 auf bestehende Wettkampfstätten, wie das Los Angeles Coliseum.
Typus Park:
Große bestehende Parkanlagen oder bisher ungestaltete Bereiche und Grünflächen in
Randgebieten der Stadt, die zum Park entwickelt werden sollten, wurden bei diesem
Typus als Austragungsfläche für die Olympische Großveranstaltung gewählt. Der
Schwerpunkt dieser Typologie, die vor allem bei der Planung von Weltausstellungen
umgesetzt wurde, lag in der Zeit zwischen 1873 und 1965 in den USA. Die
Olympischen Spiele von St. Louis 1904, die Bestandteile der damaligen
Weltausstellung waren, sind ein Beispiel für diese Strömung (Meyer-Künzel, M. 2001:
S.45ff.). Das städtebauliche Planungskonzept war auf die Nachnutzung des
Veranstaltungsortes abgestimmt, d.h. das Gelände sollte sowohl während der
Veranstaltung als auch danach die Form eines Landschaftsparks erhalten. Der
temporäre Charakter der Veranstaltung blieb hierbei immer im Vordergrund. Der
langfristige Nutzen und der städtebauliche Beitrag waren die Schaffung einer
Freifläche, eines Erholungsraums und eines Freizeitbereichs für die Stadt. Die meist
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
55
temporären Wettkampfstätten wurden nach der Olympischen Veranstaltung wieder
abgetragen oder verblieben als Sportanlagen für den Breitensport in den Grünflächen
der Stadt. Heutzutage sind diese ehemaligen Veranstaltungsorte bedingt durch das
städtische Wachstum meist intensiv genutzte innerstädtische Freiflächen, wie
Parkanlagen oder rekultivierte Freiräume.
Typus Sport und Messe:
Bereits während der Planung wird bei dieser Typologie die Nachnutzung der
Wettkampfanlagen als Sportpark festgelegt. In der Regel werden auf diesen
ehemaligen Olympiageländen nach den Spielen vorrangig Sportveranstaltungen und
andere ähnliche Events durchgeführt. Dieser Typus ist die am meisten angewandeste
Planungskonzeption für Olympische Spiele der Neuzeit, an der sich unter anderem die
geschichtliche Entwicklung des Konzepts des Olympischen Sportparks nachvollziehen
lässt (Meyer-Künzel, M. 2001: S.56ff.). Beispiele stellen die Olympiastädte Stockholm
1912, Paris 1924, Amsterdam 1928, Berlin 1936, Helsinki 1952, Rom 1960, München
1972, Montreal 1976, Sydney 2000 und Athen 2004 dar. Der städtebauliche Beitrag
besteht vorrangig in der Verbesserung und Erweiterung der Veranstaltungsräume der
Austragungsorte (Sport, Messe, Konzerte usw.), sowie deren infrastrukturellen
Anbindung an die Stadt. Trotz der Umplanung ehemaliger Industriebrachen oder
städtischer Problemzonen erfolgt kaum eine langfristige Revitalisierung des Gebiets,
da sich die Entwicklung des Olympia- bzw. Veranstaltungsgeländes meist nur auf
seinen eigentlichen Zweck beschränkt, den Sport. Ehemalige Austragungsorte zeigen,
dass die monostrukturierte Fläche ein oft aus dem benachbarten Stadtgebiet
ausgegrenzter Bereich bleibt (z.B. Olympic Park Sydney). Der zuerst erfolgreiche
Betrieb des Sportparks wird heutzutage mit der zunehmenden Kommerzialisierung des
Sports jedoch immer schwieriger (z.B. Olympiapark München). Auch die Forderung
nach Spezialanlagen bedroht in jüngster Zeit die vielseitig verwendbaren Stadien und
stellt somit dieses Nachnutzungskonzept als reiner Sportpark in Frage. Vor allem in
Montreal (1976) und Athen (2004) ist eine dauerhafte sportliche Nachnutzung bis heute
nicht gewährleistet. Die für die Olympischen Sportparks gewählten Standorte lagen
meist in Randlagen, sogar oft weit vor der Stadt. Im Zuge von Stadterweiterungen sind
diese Sportparks im Laufe der Zeit näher an die Stadtzentren gerückt und von Wohn-
und Gewerbegebieten eingeschlossen (z.B. Olympiapark München).
Typus Stadtentwicklung:
Beim Typus „Stadtentwicklung“ bestimmt der Aspekt einer sinnvollen Nachnutzung die
Planungen und führt zum bewussten Einsatz der Olympischen Spiele als Mittel zur
Stadtentwicklung und –verschönerung der Austragungsorte. Die Planungen für die
Ausrichtung von Olympischen Spielen setzen einen wichtigen Impuls für den
Städtebau. Durch den Druck, den die Durchführung der Großveranstaltungen
erzeugten, beschleunigten sich Entscheidungen, sowie die Bereitstellung und effektive
Nutzung von Mitteln und Ressourcen, d.h. bedeutende Veränderungen konnten durch
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
56
Olympische Bauten oder begleitende infrastrukturelle Maßnahmen eingeleitet werden.
Die Olympischen Spiele werden von Anfang an als Katalysator zur schnellen
Stadterneuerung eingesetzt, um Maßnahmenpakete in kürzerer Zeit als vorgesehen
durchzuführen (z.B. Ausbau der städtischen Infrastruktur, wie U-Bahn, Flughafen,
Autobahnen etc.) (Meyer-Künzel, M. 2001: S.60ff.). Beispiele hierfür sind die
Olympischen Spiele von München 1972, Barcelona 1992, Seoul 1988, Athen 2004,
Beijing 2008 und London 2012.
Abbildung 7: Bevölkerungszahlen der Austragungsorte von Olympischen Sommerspielen
(eigene Darstellung nach United Nations Statistics Division 2007)
Generell kann bei dieser Typologie zwischen zwei grundsätzlichen Planungsansätzen
unterschieden werden, die gleichermaßen zum städtebaulichen Erfolg führen: Zum
einen wurden für das städtebauliche Ereignis Brachen oder neue Gebiete mit der
Absicht gestaltet, diese in den Stadtkörper einzugliedern oder neu einzubeziehen, d.h.
Olympiagelände sollten den Anfangspunkt für einen neuen Entwicklungsschub der
Stadt setzen, wie bei den Olympischen Spielen von München 1972. Zum anderen
erfolgten großräumige Umgestaltungen und Erweiterungen bereits vorhandener
Anlagen. Im Rahmen dieser Veranstaltungen können im gesamten Stadtgebiet
tiefgreifende strukturelle Veränderungen eingeleitet werden, wie etwa bei den Spielen
von Barcelona 1992. Dieser Typus scheint sich in den letzten Jahren mehr und mehr
bei den Olympischen Planungskonzepten durchzusetzen, wie auch die Planungen für
die Olympischen Sommerspiele von London 2012 zeigen. Denn an Beispielen der
Vergangenheit kann nachgewiesen werden, dass Maßnahmen und Planungsstrategien
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
57
für Olympischen Spiele auch noch Jahre danach den Austragungsorten ein
nachhaltiges Erbe hinsichtlich ihrer Stadtentwicklung, für den Tourismus und ihrer
Identitätsbildung etc. bescheren können (vgl. München 1972 oder Barcelona 1992).
Betrachtet man die Entwicklung der Olympischen Spiele der letzten 100 Jahre, so wird
deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangsbedingungen der einzelnen Austragungsorte
sind. Städtebauliche Unterschiede sind nicht nur in den kulturellen und historischen
Stadtentwicklungstypologien der Olympiastädte zu erkennen, sondern auch in der
Größe dieser Städte spürbar. So haben in den letzten 40 Jahren, bis auf München
1972 und Barcelona 1992, nur Städte mit über zwei Millionen Einwohnern die
Olympischen Sommerspiele ausgetragen (siehe Abbildung 7), wobei die Spanne von
drei bis 16 Millionen Bewohnern reicht.
2.2.1.2. Planungstypologien bei Olympischen Winterspielen
Während bei den Sommerspielen aufgrund ihrer enormen Größe
(Flächeninanspruchnahme von mehr als 1000ha) die Tendenz mehr und mehr hin zu
Metropolen geht (über 1 Million Einwohner), ist hinsichtlich der Größe und Art der
Austragungsorte bei den Winterspielen eine andere Entwicklung erkennbar. Die
Austragungsorte von Olympischen Winterspielen können in drei Typologien aufgeteilt
werden (siehe Abbildung 8) (Cerso 2001: S.3ff):
Wintersportgebiete
Metropolen bzw. Großstädte
und Provinzstädte
Typus Wintersportgebiet:
Bei dieser Typologie dient die Austragung der Olympischen Winterspiele den
Wintersportgebieten zum Aufbau ihres internationalen Images, d.h. zu Werbe- und
Prestigezwecken und zur Weiterentwicklung ihrer touristischen Infrastruktur. Von 1924
bis 1960 wurden alle Olympischen Winterspiele, mit Ausnahme von Oslo 1952, in
Wintersportressorts organisiert. Der Vorteil der Austragung der Spiele in solchen
Wintersportorten liegt im Vorhandensein aller Anforderungen in den Bereichen der
touristischen, ökonomischen, politischen und kulturellen Infrastrukturen. Die
zunehmende Größe der Winterspiele bewirkte ab dem Jahr 1960 ein Umdenken. Der
Trend entwickelte sich hin zur Austragung der Olympischen Winterspiele in
Großstädten, ähnlich wie bei den Sommerspielen (siehe Typus Metropole). Trotz
Bestrebungen des IOCs (hinsichtlich des Nachhaltigkeitsgedankens) Olympische
Spiele nur in bereits bestehenden Wintersportressorts auszurichten, werden nun 50
Jahre später mit den Winterspielen von Socchi 2014, erneut Olympische Winterspiele
in einem Wintersportgebiet ausgetragen, das speziell für die Durchführung von
Olympischen Winterspiele errichtet wird (wie bei den Winterspielen von Salt Lake City
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
58
1960). Diese Entscheidung verdeutlicht, die Inkonsequenz des Internationalen
Olympischen Komitees zur nachhaltigen Durchführung der Olympischen
Großveranstaltung und zur geplanten Reduzierung der Ausmaße der Spiele (siehe
auch Olympic Games Study) (Internationales Olympisches Committee 2003a).
Abbildung 8: Größe der Austragungsorte (Olympische Winterspiele) unterteilt nach
Wintersportgebiet, Großstadt und Provinzstadt mit regionaler Bedeutung
(verändert nach CERSO 2003:S. 7)
Typus Provinz- und Kleinstadt mit regionaler Bedeutung:
Nach Calgary 1988 wurden die Olympischen Winterspiele erstmalig an kleinere Städte
mit regionaler Bedeutung vergeben, wie Albertville 1992 oder Lillehammer 1994. Die
Anforderungen des IOCs für die Ausrichtung der Spiele waren die gleichen wie für
Großstädte. Daher waren die Wettkampfstätten auf die gesamte Region aufgeteilt und
nicht nur auf den Austragungsort fokussiert. Dies ermöglichte bei dieser Typologie den
Gaststädten nicht nur eine erfolgreiche Durchführung der Spiele, sondern auch eine
nachhaltige Nachnutzung der Olympischen Wettkampfstätten, wie das Beispiel der
Spiele von Lillehammer 1994 zeigt.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
59
Typus Metropole/ Großstadt:
Ab 1968 begann sich mit den Winterspielen von Grenoble eine neue Planungsstrategie
zu entwickeln. Die Olympischen Spiele wurden nun in „Großstädten“ in Gebirgslagen
organisiert, die meist eine regionale Vorreiterrolle in den Bereichen Industrie,
Forschung oder Tourismus aufwiesen. In der Austragung der Spiele sahen die
Olympiaorte zum einen die Verbesserung ihrer Infrastrukturmaßnahmen, als auch eine
Bestätigung ihrer ökonomischen Kapazitäten. Die Förderung des Tourismus war
jedoch für die umliegende Region meist erfolgversprechender als für die Bewerberstadt
an sich. Diese Entwicklung setzte sich bis zu den Olympischen Winterspielen von
Calgary 1988 fort. Nach der Durchführung der Olympischen Sportveranstaltung in
Provinzstädten mit regionaler Bedeutung (z.B. Albertville 1992 oder Lillehammer 1994),
scheint sich der Trend in Richtung Typus „Großstadt“ wieder durchzusetzen (siehe
Olympische Winterspiele: Nagano 1998, Salt Lake City 2002, Turin 2006 oder
Vancouver 2010).
2.2.2. Olympische Wettkampfbauten als Beschleunigungswerkzeug der
Stadtentwicklung
„Alle vier Jahre werden die Blicke von Millionen von Sportbegeisterten aus aller Welt
auf die Olympischen Spiele gelenkt. Zwar stehen neben der Eröffnungs- und
Schlussfeier die Leistungen der Athleten nach wie vor im Mittelpunkt des Geschehens,
dennoch werden diese in sportfunktionalen wie architektonisch nahezu vollkommenen
Sportstätten erreicht. Ideenreiche und ingenieurtechnische Meisterwerke der Baukunst
verkörpern die modernen Stadien- und Hallenbauten, die den Olympiastädten in
Verbindung mit den Olympischen Dörfern und anderen baulichen Einrichtungen nicht
nur ein neues Gepräge geben, sondern oftmals auch eine neue Silhouette formen“
(Wimmer, M. 1975: S.1). So stellt Martin Wimmer bereits in den 70er Jahren in seinem
Buch „Bauten der Olympischen Spiele“ die Auswirkungen von Olympischen
Baumaßnahmen auf den Austragungsort dar. Dreißig Jahre später nimmt Monika
Meyer-Künzel diesen Gedankengang auf und fügt hinzu, dass durch die Ausrichtung
eines Olympischen Großereignisses ein wichtiger Impuls für die Stadtentwicklung der
Austragungsorte gesetzt werden könne, sowohl in positiver, als auch in negativer
Hinsicht. Sie beschreibt in ihrem Buch „Der planbare Nutzen“ diese Tatsache wie folgt:
„Bedeutende Veränderungen sind durch die Bauten auf dem Gelände oder begleitende
infrastrukturelle Maßnahmen eingeleitet worden. Der Druck, den die Planung und
Durchführung der Großveranstaltung erzeugten, beschleunigte Entscheidungen sowie
die Bereitschaft und effektive Nutzung von Mitteln und Ressourcen“ (Meyer-Künzel, M.
2001: S. 313).
Dass olympische Planungen die Stadtentwicklung der Olympiaorte um Jahre
beschleunigen können, wird an den Olympiastädten München 1972 und Barcelona
1992 deutlich. Beide Planungsmaßnahmen, die strukturelle Veränderungen einleiteten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
60
und großräumige entscheidende Veränderungen des Stadtbilds mit sich brachten,
haben die Stadtentwicklung der Austragungsorte nach den Spielen positiv beeinflusst
und sind heute in den Stadtkörper integriert. Beispiele, wie die Sommerspiele von
Montreal 1976 oder Athen 2004 zeigen jedoch, dass Spiele die Stadtentwicklung auch
negativ beeinflussen können. Das Olympiagelände von Montreal, welches erst nach
den Olympischen Spielen fertig gestellt werden konnte, und der bislang ungenutzte
Sportpark von Athen, der einer Geisterstadt gleichkommt, stellen für die Städte eine
Hypothek für zukünftige Jahrzehnte dar (Meyer-Künzel, M. 2001: S. 272).
Abbildung 9: Kurz- und Langzeiteinflüsse von Olympischen Spielen am Beispiel von Sydney
2000
(verändert nach Preuss, H. 2004: S.26)
Die Austragung eines Mega-Events, wie die Olympischen Spiele, bringt auf die
Austragungsorte stets große Auswirkungen mit sich. Die Einflüsse von Olympischen
Spielen auf die Gaststädte spiegeln sich in den unterschiedlichsten Faktoren
(ökologisch, ökonomisch und sozial) wider, die in Abbildung 9 anhand des Beispiels
der Sydney 2000 Games aufgeführt werden. Hierbei wird deutlich, dass die baulichen
Maßnahmen für Olympische Spiele, d.h. Sportstätten (sport facilities), neben
Wohneinheiten (housing) und Infrastruktur (structure for traffic), den größten sichtbaren
und lang anhaltendsten Einfluss auf das zukünftige Stadtgeschehen haben (Preuss, S.
2004: S. 26).
Anhand dieser Einflussmatrix und der aufgezeigten Beispiele wird die Bedeutsamkeit
von Olympischen Sportbauten auf die Stadtentwicklung des Austragungsorts deutlich
erkennbar. Olympische Wettkampfbauten können folglich die Stadtentwicklung sowohl
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
61
positiv als auch negativ langfristig beeinflussen, d.h. in Abhängigkeit der
zugrundeliegenden Olympischen Planungskonzeption bestimmen diese vorrangig das
Olympische Erbe der Austragungsorte und stellen somit ein bedeutendes Werkzeug für
die Stadtplanung der Olympiastädte dar. „Cities often apply to host the Olympic Games
in order to bring their urban and regional land development status more up to date“
(CERSO 2001:S.1). Die Austragung von Olympischen Spielen, der größten und
repräsentativsten Sportveranstaltung der Welt scheint sowohl für Politiker, als auch für
die Industrie und Wirtschaft eine einmalige Gelegenheit neue Infrastrukturkonzepte im
Bau-, Sport-, Kommunikations- und Verkehrsbereich umzusetzen, ebenso wie
städtebauliche Maßnahmen, die schon seit längerer Zeit geplant waren, im Zuge der
Spiele in relativ kurzer Zeit durchzusetzen (CERSO 2001: S.1). Dennoch gehen mit der
Austragung eines solchen Mega-Events zahlreiche große Einschnitte in die
Stadtplanung mit einher, die im Vorfeld kaum berücksichtigt werden. Denn die
Durchführung der Olympischen Spiele bringt für Gaststädte die wohl größten geballten
Baumaßnahmen ihrer Geschichte mit sich, die bisher nur von wenigen
Austragungsorten positiv gemeistert werden konnten. Die Bestrebung Olympische
Spiele auszutragen, beruht meist auf positiven Beispielen der Olympischen
Geschichte, d.h. auf Spielen, bei denen die Städte durch die Austragung der
Großveranstaltung profitiert haben (z.B. München 1972 oder Barcelona 1992).
Negative Einwirkungen auf die Stadtentwicklung der olympischen Gaststädte und
zahlreiche zusätzliche Umweltbelastungen werden oft nicht berücksichtigt. Diese
Entwicklung äußert sich auch in der stetig zunehmenden Anzahl der Olympischen
Bewerbungen.
Beispiele für ein positives städtebauliches Olympia-Erbe sind die Belebung des
internationalen Handels (Sommerspiele von Seoul 1988), die Beschleunigung von
politischen Entscheidungen, wie Infrastrukturmaßnahmen für die Austragungsorte
(Sommerspiele von Barcelona 1992 und Athen 2004), die Präsentation von neuartigen
Umweltlösungen, die Verabschiedung von Umweltgesetzen (Sommerspiele von
Sydney 2000) und die Förderung des Tourismus (Barcelona 1992). Diesen positiven
Entwicklungen stehen jedoch zahlreiche negative Auswirkungen gegenüber, wie hohe
Kosten für Maßnahmen, die sowohl direkt (wie Wettkampfstätten und
Infrastruktureinrichtungen, wie Olympisches Dorf, Medienzentrum etc.) als auch
indirekt mit den Spielen verbunden sind (Telekommunikations-Netzwerke, öffentliche
Gebäude, Infrastrukturmaßnahmen usw.) und die Städte oft in jahrelange finanzielle
Krisen befördern (wie die Olympiastädte Montreal oder Athen).
Das letzte Kapitel zeigte, dass die städtebaulichen Olympiakonzeptionen und -
entwicklungen der Austragungsorte der Winter- und Sommerspiele der letzten 100
Jahre aufgrund der verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen sehr unterschiedlich
sind. Der Trend hin zur Austragung der Olympischen Sommerspiele in Richtung
Mega-City scheint sich durchzusetzen. Dennoch zeigt die Olympische Geschichte der
Neuzeit, dass speziell bei Mega-Cities meist nur der Stadtteil bzw. -bezirk, in dem die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
62
Spiele stattfinden von den Revitalisierungsmaßnahmen profitiert (siehe Olympische
Spiele Sydney 2000). Im Rahmen der gesamten Stadtstruktur (Infrastruktur usw.)
spielen die Olympischen Planungsmaßnahmen eine untergeordnete Rolle und tragen
kaum als Beschleunigungswerkzeug bei. Bei „kleineren“ Städten (unter 2 Millionen
Einwohnern) können die Olympischen Spiele jedoch für die komplette Stadt als
Beschleunigungswerkzeug und Katalysator wirken, die tiefgreifende Änderungen in die
Stadtplanung mit sich bringen und als Stadtplanungswerk dienen können (z.B.
Olympische Spiele von München 1972 oder Barcelona 1992). Den Olympischen
Spielen als geeignetes städtebauliches Planungsmittel, stehen jedoch auch negative
Beispiele gegenüber (wie die Spiele von Montreal 1976 oder Athen 2004). Während
Mega-Städte solche Planungsfiasken besser auffangen können und diese sich nicht
als Katastrophe auf die zukünftige Stadtentwicklung auswirken, ist dies bei
Kleinstädten unwirksam.
Dennoch ist auch bei Winterspielen die Tendenz hin zum Typus Großstadt deutlich
erkennbar, obwohl die Planungskonzeptionen der unterschiedlichen Typen durchaus
ihre Vorteile aufweisen. So haben etwa Wintersportressorts den Vorteil alle Events in
nächster Nähe veranstalten zu können. Des Weiteren ist bei diesem Typus die für die
Spiele benötigte Sportinfrastruktur meist vorhanden, d.h. die Organisationskosten sind
wesentlich geringer. In den Olympischen Großstädten werden hingegen meist nur
wenige Wettbewerbe ausgetragen, wie z.B. Eisschnelllauf oder Eiskunstlaufen. Die
anderen Wettkämpfe werden in der umliegenden Region veranstaltet. Die Distanz
zwischen Hauptaustragungsort und den umliegenden Nebenveranstaltungsorten kann
zu höheren Kosten im Bereich Transport, Straßenbau, Telekommunikation,
Olympische Dörfer usw. führen. Obwohl dieser Veranstaltungstypus höhere Kosten mit
sich bringt, birgt er Vorteile für ein wesentlich größeres Gebiet, wie man bei den
Winterspielen 1992 in Albertville oder 2006 von Turin sehen konnte. Neben Albertville
bzw. Turin profitierte die gesamte Region (Savoyen, Piemont) von der Olympischen
Großveranstaltung.
Betrachtet man die Olympischen Spiele nun hinsichtlich ihres Einflusses auf den
Austragungsort, so lässt sich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der
Austragung der Olympischen Spiele als ebenso förderlich für die Stadtentwicklung der
Austragungsorte beschreiben. Dass Olympische Spiele ein Akt der nationalen
Repräsentation auf internationaler Ebene und ein „Tool“ der Stadtverschönerung sind,
ist nicht zu leugnen. Dennoch können Olympische Spiele nur dann ein
Beschleunigungswerkzeug für die Stadtentwicklung der Austragungsorte darstellen,
wenn sowohl organisatorisch, als auch politisch ein nachhaltiges Planungskonzept
zugrunde liegt, das nicht durch den Gigantismusgedanken geprägt ist. Dieses muss in
erster Linie auf die Bedürfnisse der Stadt eingehen, als auch die mit den Spielen
einhergehenden zusätzlichen Umweltbelastungen möglichst gering halten. Ob
Olympische Spiele nun die nachhaltige Entwicklung von Austragungsorten fördern und
welche Planungskonzepte und -instrumente hierbei angewendet werden, soll daher im
Rahmen der Arbeit analysiert werden.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
63
2.3. Entwicklung der Olympischen Sportarchitektur
2.3.1. Gigantismus der Spiele - Starke Zunahme an benötigten
Olympischen Sportbauten
Bis auf Athen 1896 waren die ersten Spiele von Paris 1900, St. Louis 1904 und London
1908 Bestandteile von Weltausstellungen (Wimmer, M. 1975: S.21f.). Während in Paris
und St. Louis auf provisorische Sportbauten zurückgegriffen wurde, entstand im
Rahmen der Weltausstellung von London das erste neuzeitliche Olympiastadion.
Pierre de Coubertin, Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, sah in der
Angliederung der Spiele an die internationalen Ausstellungen eine ungewisse Zukunft
der Olympischen Veranstaltungen. Er veranlasste das IOC für die Olympischen Spiele
in Stockholm 1912 im Rahmen der Olympischen Wettkämpfe und Kunstwettbewerbe
zu einem „Internationalen Architekturwettbewerb“, der zur Ausarbeitung eines „Une
Olympie Moderne - Neuen Olympia“ aufrief (Coubertin, P. 1910: S.3). In einem
Sonderdruck der Revue Olympique, der internationalen Zeitung des IOCs setzte
Coubertin die Basis für den heutigen olympischen Sportstättenbau. Für das „Neue
Olympia“ forderte er Gebäude für sportliche und künstlerische Wettkämpfe (wie
Stadien, Bahnen usw.), Anlagen für Zuschauer, Gebäude und Freiräume für die
Festlichkeiten und Einrichtungen für Verwaltung, Sportler usw. (Wimmer; M. 1975: S.
22). Somit begann sich mit den Spielen in Stockholm der Typus des „Olympischen
Sportparks“ und der „Olympischen Wettkampfbauten“ zu entwickeln.
Die enorme Zunahme an sportlichen Wettkämpfen, Athleten, teilnehmenden Ländern
und die stets wachsende Medienpräsenz bei Olympischen Spielen bewirkten eine
steigende Anzahl an benötigten Wettkampf- und Trainingsbauten (siehe Abbildung 10).
An den ersten Olympischen Spielen in Athen nahmen 245 Teilnehmer aus 14 Nationen
in 43 Wettbewerben (9 Disziplinen) teil. Hundert Jahre später war die Zahl der Athleten
bei den Sommerspielen 2004 von Athen auf über 11.000 Sportlern angewachsen, die
in 301 Wettbewerben (28 Disziplinen) antraten (siehe Abbildung 10) (IOC 2006b:
S.55). Während bei den ersten Spielen meist noch alle Wettkämpfe im Freien
ausgetragen wurden, entwickelten sich die Olympischen Sportstätten in den letzten
100 Jahren zu Spezialsportbauten, die nach den aktuellen Regeln der International
Federations (Internationalen Sportverbände) errichtet werden. Durch die zunehmende
Internationalisierung des Sports wurden zur Durchführung von genaueren
Leistungsvergleichen auf internationaler Ebene einheitliche Normen für die
Olympischen Wettkämpfe und Sportanlagen entwickelt (Wimmer, M. 1975: S.28). Die
festgelegten Regeln für Sportgeräte, Wettkampfstrecken und Sportanlagen führten zu
speziellen Funktionslösungen für einzelne Sportarten. Diese Entwicklung zu
Spezialsportbauten, die unter anderem durch die sich ständig ändernden Normen und
Qualitätsanforderungen an den Olympischen Sportstättenbau verstärkt wird, bewirkte
einen starken Anstieg der benötigten Sportbauten für die heutigen Spiele (siehe
Abbildung 11).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
64
Heutzutage liegt die Zahl der für die Olympischen Sommerspiele erforderlichen
Wettkampfstätten zwischen 25 und 30 Bauten, bei Olympischen Winterspielen werden
etwa 15 bis 20 Sportstätten benötigt. Aufgrund der recht hohen Zahl der geplanten
Sportbauten des Bewerbungskonzepts für die Spiele von Beijing 2008, mussten
erstmalig in der Geschichte der Olympischen Spiele die Planungen der
Wettkampfstätten auf Drängen des IOCs nach Erhalt der Zusage für die Spiele
überarbeitet, d.h. auf 31 Wettkampfstätten reduziert werden (International Olympic
Committee 2003a: S.19).
Abbildung 10: Starke Zunahme der Sportarten, Wettkämpfe, Nationalen Olympischen
Komitees und Athleten bei Olympischen Spielen (Athen 1892 bis Athen 2004)
(eigene Darstellung nach IOC 2006b: S.55)
Der Gigantismus der Spiele stellt die heutigen Austragungsorte vor riesige
Herausforderungen. Diese spiegeln sich z.B. in den enormen Baumaßnahmen und
dem damit einhergehenden Kostenanstieg wider. Damit einhergehend sind die
Standort- und Nachnutzungsfragen nicht mehr zu bewältigen, so dass die Spiele
scheinbar nur noch von Mega-Cities ausgetragen werden können. Der zunehmende
Platzbedarf für die Olympischen Spiele und ungewisse Nachnutzungskonzepte der
Wettkampfstätten machen ein Umdenken, d.h. z.B. eine Reduzierung der Olympischen
Baumaßnahmen, unumgänglich. Dennoch zeigt die bisherige Entwicklung, dass die
Gesamtzahl der Sportbauten kaum zurückgeht (Olympische Spiele London 2012: 27
Wettkampfstätten davon 12 bestehend, 7 temporär und 8 Neubauten) und die
Austragungsorte trotz möglicher durchführbarer Reduzierungsmöglichkeiten, wie
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
65
temporäre Bauten und bereits bestehender Sportanlagen (siehe Olympische Spiele
Los Angeles 1984) den Bau von Neuanlagen weiterhin befürworten.
Der Gigantismus der Olympischen Spiele und deren Bauten stehen der Nachhaltigkeit
von Olympischen Wettkampfbauten somit mehr als im Wege. „Nachhaltigkeit von
Olympischen Sportbauten“ erfordert daher eine radikale Reduzierung der bisherigen
Ausmaße der Baumaßnahmen, d.h. der benötigten Wettkampfstätten und eine
Durchführung der Spiele mit verstärkter Nutzung von bestehenden und temporären
Bauten.
Abbildung 11: Entwicklung der Anzahl der Olympischen Wettkampfstätten von 1972 bis 2012
(eigene Darstellung nach Organisationskomitee für die Spiele der XX Olympiade
München 1972 e.V.: 1974; Montreal Olympic Organisation Committee: 1978; Los
Angeles Olympic Organisation Committee: 1984; Sydney Organising Committee for the
Olympic Games: 2001; Athens Organizing Committee for the Olympic Games: 2005;
BOCOG 2008: 2003 und London 2012:2006a)
2.3.2. Olympische Sportbauten als Verbreiter des kulturellen und
geschichtlichen Gedankenguts
Die seit 1896 stattfindenden Olympischen Winter- und Sommerspiele der Neuzeit
werden weltweit in unterschiedlichen Klima- und Kulturzonen ausgetragen. Während
Griechenland die Olympischen Spiele im antiken Zentrum belassen wollte, drängte
Pierre de Coubertin, Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, die Olympischen
Sportveranstaltungen stets in unterschiedlichen Ländern zu veranstalten.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
66
Der Grundstein für die weltweite Austragung der Olympischen Spiele der Neuzeit
wurde auf dem ersten Olympischen Kongress des International Olympic Committee im
Jahr 1894 in Paris gelegt. Die Basis hierfür bildet Coubertins Aussage „Olympism
would benefit more from the Games taking place around the world“ (International
Olympic Committee 2006b: S. 10), d.h. die Idee des Olympismus profitiere mehr durch
die Austragung der Spiele in aller Welt. In der Olympic Charter werden die heutigen
Grundprinzipien des Olympismus im Bezug auf Kultur wie folgt beschrieben:
„Olympism is a philosophy of life, exalting and combining in a balanced whole the
qualities of body, will and mind. Blending sport with culture and education, Olympism
seeks to create a way of life based on the joy of effort, the educational value of good
example and respect for universal fundamental ethical principles” (International
Olympic Committee 2004a: S.9).
Abbildung 12: Klimazonen und Austragungsorte von Olympischen Sommerspielen der
Neuzeit
(eigene Darstellung)
Die Planung und Architektursprache von Olympischen Sportbauten unterliegt somit
stets verschiedensten baulichen Ausgangsfaktoren. Neben den Rahmenbedingungen
hinsichtlich der nutzungsspezifischen (Raumtemperatur, Luftqualität, etc.), technischen
und rechtlichen (Bauplanungs- und Bauordnungsrecht, technische Infrastruktur, etc.)
und gestalterischen Anforderungen werden Olympische Sportbauten besonders durch
klimatische und kulturelle Faktoren (Tradition) beeinflusst (siehe Abbildung 12).
Folglich wird neben der architektonischen Formfindung auch das Energiekonzept der
Olympischen Sportbauten durch diese unterschiedlichen Kriterien bestimmt. Hierbei
stellen die Form und die architektonische Gestaltung des Gebäudes eine ebenso
wichtige Rolle dar, wie die Nutzung und die klimatischen Ausgangsbedingungen. Da
die Gebäudetechnik der Sportbauten speziell auf die Klimazone des Austragungsortes
abgestimmt werden muss, fallen die Konzepte trotz ähnlicher Nutzungskonzepte
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
67
unterschiedlichst aus. Während in subtropischen Klimazonen, wie Sydney, bei der
Olympischen Sportstättenplanung Kühlungsmaßnahmen im Vordergrund standen,
muss bei den Planungen in gemäßigten Zonen die Beheizung der Sportanlagen mit
berücksichtigt werden.
Kultur und Traditionen des Gastgeberlands sollen sich in der Formensprache der
Olympischen Bauten der Austragungsorte ausdrücken, so die Forderung des IOC im
Candidature Procedure and Questionnaire for Candidate Cities: „Local architecture and
design companies should be encouraged to take part in designing (…) to help promote
local culture and to publicise striking local architectural features and construction
techniques.” (International Olympic Committee 2004b: S. 164). Anhand der 30-jährigen
Geschichte des Olympiastadions von München (Olympische Spiele 1972) wird
deutlich, dass insbesondere die Architekturform ein bedeutendes Kriterium der
Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten darstellt, d.h. zukunftsfähige Planung
spiegelt sich in der Akzeptanz der Bevölkerung und somit in der Nachnutzung durch
die Bevölkerung wider. Damalige Leitmotive des Olympischen Events von München
waren die Spiele im Grünen und die heiteren Spiele. Aus dem Anliegen heraus, ein
neues, freies und freundliches Deutschland darzustellen, sowie jegliche negative
Symbolik auszuschließen, entstand so ein bis dahin einmaliges allumfassendes
Erscheinungsbild. Dies galt sowohl für die Gestaltung der Stadt während der Spiele,
als auch für das Olympiagelände selbst, und spiegelt sich noch heute in der Architektur
des Zeltdachs wieder (Olympiapark München GmbH 2006).
Durch die starke Medienwirksamkeit der Spiele stehen die Olympischen Sportbauten
nicht nur während der Spiele, sondern bereits sowohl Jahre vorher (Kandidatur), als
auch danach (Tourismus) im weltweiten Rampenlicht. Die Wettkampfbauten sind
deshalb nicht nur ein erfolgversprechender Verbreiter des kulturellen und
geschichtlichen Gedankenguts, sondern auch ein geeigneter Marketing-Faktor für die
internationale Verbreitung des Nachhaltigkeitsgedanken. Ob und in welchem Rahmen
Olympische Sportbauten Förderer von nachhaltigen Baustandards der
Austragungsorte sein können, sollen die folgenden Kapitel aufzeigen.
2.3.3. Eventcharakter der Olympischen Sportarchitektur
Grundlage der olympischen Idee des Humanisten Pierre de Coubertin stellt die
Begegnung der Sportjugend der Welt dar, die der gegenseitigen Achtung, der
Völkerverständigung, dem Fortschritt und dem Frieden der Welt dienen soll. Coubertin
schwebten Spiele vor, bei denen auch die Künste, wie einst im antiken Olympia mit auf
den Sport bezogenen Werken neben den Athleten in Wettbewerb treten sollten.
Deshalb rief er im Jahr 1906 eine beratende Konferenz für die Einführung von
Kunstwettbewerben bei Olympischen Spielen ein, an deren erster Stelle die Architektur
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
68
trat (International Olympic Committee 2006: S. 21). „Olympiabauten haben in ihrem
sportlichen Rahmen durch ihre hervorragende gesellschaftlichen und kulturellen
Erscheinung mitgeholfen, jene unvergleichlich schnelle Ausbreitung der humanistisch
olympischen Idee und ihrer Spiele in unserer Zeit zu ermöglichen“ (Wimmer, M.
1975:S.21).
Citius, Altius, Fortius“ (schneller, höher, weiter) ist heutzutage nicht mehr nur das
Motto der Spiele, sondern wird auch bei den Olympiasportbauten umgesetzt. Die
Olympischen Wettkampfbauten sind längst nicht mehr nur Sporteinrichtungen, sondern
repräsentieren die Austragungsorte durch medienwirksame, ikonische
Architekturformen und neueste Techniken auf internationaler Ebene. Hierfür werden
Wettbewerbe ausgeschrieben, an denen sich international anerkannte Architekten
beteiligen. Während zu Beginn der Spiele bei Olympischen Architekturwettbewerben
noch die Namen international bekannter Architekten fehlten, entwickelte sich die
Sportgroßveranstaltung im Laufe der Zeit zu einem bedeutenden Ereignis für die
Sportarchitektur (Wimmer, M. 1975: S.30). Der erste komplexe Architekturwettbewerb
mit einem exakten Flächen- und Raumprogramm wurde erstmalig bei den olympischen
Spielen München (1972) durchgeführt. Seit damals beteiligen sich namhafte Planer,
Architekten und Ingenieure, wie G. Behnisch, J. Joedicke und F.Otto (1972 München),
Santiago Calatrava (2004 Athen), Herzog & de Meuron (2008 Beijing) usw. an den
Wettbewerben und setzen neue Maßstäbe für olympische Sportbauten.
Während in einer Olympiastadt noch die letzten Bauten ausgeführt werden, beginnen
Architekten der nächsten Olympiastadt bereits erste Projekte zu erarbeiten, um
möglichst noch zweckmäßigere, ggf. bautechnisch aufwendigere und neuartigere
Anlagen und Bauten zu schaffen, mit denen die vorangegangenen Leistungen
übertroffen werden sollen. Fortschreitende gesellschaftliche Veränderungen bringen
hierbei stets neue Anforderungen mit sich, die auch vor Planern und Organisatoren
Olympischer Spiele nicht haltmachen. Hierbei stehen jedoch mehr funktionale
Lösungskonzepte für Olympische Sportbauten im Vordergrund, als deren nachhaltige
Umsetzung. Fachliche Unterstützung bekommen die Sportstättenplaner hierbei von der
im Jahr 1959 gegründeten „Arbeitsgruppe Sport- und Freizeitbauten“ der United
International Architects (UIA), der Architekten aus aller Welt angehören und dem
Internationalen Arbeitskreis Sportstättenbau (IAKS). Die „Sports and Leisure Group
der UIA und der IAKS sind die auf internationaler Ebene wichtigsten Gremien im
Gebiet der Sportarchitektur, die nicht nur Planer und Architekten beraten, sondern
auch dem Internationalen Olympischen Komitee, den Nationalen Olympischen
Komitees, den Internationalen Sportförderationen und nationalen Sportverbänden
beratend zur Seite stehen.
Mit der zunehmenden Größe der Spiele steigen die Ausgaben der Austragungsorte für
die Olympischen Spiele, insbesondere die Kosten für die Wettkampfstätten und die
Unterkünfte der Teilnehmer. Zu Beginn war der gastgebende Staat der Hauptsponsor.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
69
Heute sind es vor allem Wirtschaft und Medien, die neben den staatlichen Zuschüssen,
durch Ticketverkauf, Sponsoring und Übertragungsrechte die Olympischen Spiele
finanziell unterstützen (Preuss 2004: S.99f). Obwohl bis heute das IOC und die
Organisationskomitees die eigentlichen Initiatoren und Auftragsgeber für die
Olympischen Sportanlagen darstellen, werden, bedingt durch die dargestellte
Finanzierungsverteilung, die Olympischen Planungen der Wettkampfbauten folglich
zum Grossteil durch die Wirtschaft und Politik bestimmt - hierbei stehen
Nachhaltigkeits- und Umweltansätze im Rahmen der technischen Umsetzung der
Olympischen Prestigebauten scheinbar mehr als im Wege.
Mit der stetigen Zunahme der sportlichen Ereignisse beginnt der Anstieg des
internationalen Interesses und der Popularität der Wettkämpfe – die Olympischen
Spiele entwickeln sich zum Mega-Event „Olympic Games“, der via Medien in alle Welt
gesendet wird. Der eigentliche Siegeszug des Fernsehens als Massenmedium beginnt
in den 60er Jahren. Seitdem müssen die Fernsehanstalten Gelder für die
Übertragungsrechte an das IOC zahlen, die Jahr für Jahr immer größere Dimensionen
annehmen. Während sich bei den Olympischen Spielen von München im Jahr 1972 die
europäischen Übertragungsrechte auf 1,7 Millionen Euro und die amerikanischen auf
13,5 Millionen Euro beliefen, lagen die Kosten für die europäischen Fernsehsender bei
den Spielen von Athen im Jahr 2004 bereits bei 394 Millionen Euro, die der
amerikanischen Sender bei 793 Millionen Euro. Seit Beginn der Medienübertragungen
übertreffen sich die Olympischen Spiele in der Anzahl der Berichterstattungen. So
berichteten mehr als 10.000 Medienvertreter aus aller Welt von den Olympischen
Winterspielen in Turin, während über drei Milliarden Menschen in 200 Ländern die
Wettkämpfe per Fernsehen verfolgten. Neben den sportlichen Wettkämpfen und den
kulturellen Veranstaltungen werden hierbei besonders die Olympischen Sportbauten
als Prestigebauten des Austragungsorts weltweit durch die Medien übertragen. Doch
die von Spielen zu Spielen zunehmende Medienpräsenz stellt zusätzlich eine große
Umweltbelastung für die Austragungsorte dar, die es zukünftig einzudämmen gilt.
Dennoch bieten das Medienspektakel „Olympische Spiele“ und die Olympischen
Prestigebauten eine hervorragende internationale Marketing-Plattform zur Förderung
und Verbreitung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Olympischen Spiele und deren
Wettkampfarchitektur besonders in den letzten Jahrzehnten stets neue Impulse für die
internationale Sportarchitektur setzten. Unter diesem Einfluss wurden Sportstätten
geschaffen, die „nicht allein der Würde eines so großartigen Festes entsprechen,
sondern zugleich Ausdruck der allgemein gewachsenen Beachtung und Bedeutung
von Körperkultur und Sport sind“ (Wimmer, M. 1975: S. 46). Anfangs nur von
sporttechnischen Notwendigkeiten und von den praktischen Bedürfnissen der Sportler
und Zuschauer bestimmt, weisen die heutigen Großstadien, Sporthallen und
Sportzentren eine bemerkenswerte architektonische Entwicklung hin zu internationalen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
70
„Meisterwerken“ und Ikonen auf. Der Stellung von Olympischen Sportbauten als
internationale Eventarchitektur ist somit unverkennbar.
Während im Rahmen der weltweiten Umwelt- und Klimadebatte speziell im
Wohnungs-, Verwaltungs- und Industriebau nachhaltige Planungskonzepte mehr und
mehr den Markt bestimmen, scheinen jedoch bei im internationalen Rampenlicht
stehenden Bauwerken, wie den Olympischen Sportbauten, solche Konzepte kaum
Anklang zu finden. Hierbei stellt sich die Frage, warum trotz zunehmender
Marktgängigkeit ökologische und nachhaltige Planungen gerade bei Olympischer
Eventarchitektur bislang kaum durchsetzbar sind. Das speziell Olympische Bauten
Impulse für die internationale Entwicklung der Bauwirtschaft geben, wurde mehrmals in
der Vergangenheit deutlich. Der Eventcharakter von Olympischen Sportbauten,
kombiniert mit einer nachhaltigen Planung und Umsetzung, wäre somit eine ideale
Basis für eine Förderung, d.h. für die weitere Entwicklung und Umsetzung, von
nachhaltiger Sportarchitektur - nicht nur im Spitzensport, sondern auch im
Breitensportbereich.
2.3.4. Der Planungsprozess bei Olympischen Wettkampfstätten
Olympische Spiele verursachen Kosten in Milliardenhöhe, d.h. erhebliche Investitionen
in Infrastruktur, in Sportstätten und in das Olympische Dorf. Im Falle der Olympischen
Spiele von London 2012 beträgt das mit der Ausrichtung der olympischen Spiele
verbundene Bauvolumen etwa 15 Milliarden Euro, davon entfallen allein ca. vier
Milliarden Euro auf Sportstätten (Interim Delivery Authority 2006a). Für derartige
Großbauprojekte ist es daher erforderlich von Anfang an Projektmanagementtechniken
einzusetzen, die einen reibungslosen Planungsprozess, eine gezielte Durchführung der
Veranstaltung und eine effiziente Nachnutzungsstrategie gewährleisten. Die
Projektmanagementtechniken beinhalten z.B. einen integralen Planungsprozess, und
die Erstellung von Masterplänen. Diese sind speziell auf die Durchführung der
Veranstaltung und die dafür benötigte Infrastruktur und Bauten abzustimmen.
Die Errichtung von großen Bauwerken hat die Menschen seit der Antike
herausgefordert. Projektmanagement-Techniken wurden seit dem Pyramidenbau in
Ägypten bei einer Vielzahl anspruchsvoller Bauvorhaben eingesetzt, ohne dass die
Besonderheiten bei der Steuerung großer Projekte als eigenständige Aufgabe
herausgearbeitet und mit speziellen Begriffen belegt wurden. Während den Bauherren
im Mittelalter allein der Baumeister gegenüberstand, der sowohl die Funktion des
Planers als auch des realisierenden Handwerkers übernahm, war bereits in der
Renaissance die Aufteilung in Realisierung und Planung üblich. In den folgenden
Jahrhunderten nahm das Spezial-Know-How auf Planer- und Unternehmerseite immer
mehr zu. Die zunehmende Komplexität großer Bauprojekte führte bei steigenden
Anforderungen an Realisierungszeit, Einhaltung budgetierter Kosten und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
71
Qualitätsanforderungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Nachfrage nach
effizienten Managementmethoden. Aufgrund der zunehmenden Spezialisierung und
der Aufspaltung der bei den Bauprozessen tätigen Berufsgruppen kam es zur
Entwicklung eigenständiger Koordinierungs- und Steuerungsansätze, wie im folgenden
anhand der der Olympischen Baumaßnahmen aufgezeigt werden soll (Eschenbruch,
K. 2003: S.7).
Anfang der 70er Jahre wurden erstmals Projektmanagementerfahrungen aus dem
Baubereich aus den USA – die bei der Realisierung von Raumfahrtprojekten
gewonnen worden waren - bei Großbauprojekten in Deutschland, unter anderem bei
den Olympischen Spielen von München (1972) eingesetzt (Eschenbruch, K. 2003:
S.8). Diese Netzplantechnik wurde bei sämtlichen Projektierungs- und
Bauabwicklungsmaßnahmen für die Sportstätten der Olympischen Spiele in München
angewendet (Diedrichs, C.J. et al 2003: S. 5). Anders als bei zukünftigen Spielen
waren die Verantwortung für die Inbetriebnahme und Ausführung (d.h. Durchführung
der Spiele einschließlich Test- und Kunstveranstaltungen) und die Zuständigkeit für die
Planung, Finanzierung und Konstruktion der Olympischen Bauten bei den Spielen von
München noch auf voneinander unabhängige Akteure aufgeteilt. Hierfür wurden zwei
separate Gesellschaften gegründet: das Organising Committee (Organisationskomitee,
OK) und die Olympic Construction Company (Olympia Baugesellschaft mbH, OBG).
Diese Aufteilung führte jedoch zu zahlreichen Schwierigkeiten des Bauablaufs (Zeit-
und Kostenüberschreitung) (Grün, O. 2004: S.153f.).
Daher sind heutzutage die „Organising Committees for the Olympic Games“ (OCOGs)
der Austragungsorte als übergeordnete Einheit hauptverantwortlich für die gesamte
Koordination, Durchführung und Vermarktung der Olympischen Spiele. Die einzelnen
Aufgabenbereiche der OCOGs sind von Spielen zu Spielen auf unterschiedliche
staatliche und private Gesellschaften verteilt. So ist bei den Sommerspielen 2012 von
London das „London Organising Committee for the Olympic Games“ (LOCOG) als
Hauptkoordinator für die Gesamtorganisation der Spiele verantwortlich. Zuständig für
die Errichtung der Infrastrukturmaßnahmen (Verkehrsinfrastruktur, Bau und Umbau
von Sportstätten, Olympiapark und Olympisches Dorf) ist hierbei als untergeordnete
Einheit des LOCOG die „Olympic Delivery Authority“ (ODA). Das Projektmanagement
für die genannten Baumaßnahmen wurde an ein privates Bauunternehmen übertragen,
den sogenannten „Olympic Delivery Partner“ (London 2012b: 2007).
Speziell (Groß)Bauprojekte, wie Bauten von Weltausstellungen oder von Olympischen
Spielen, fordern den Einsatz moderner und komplexer Managementmethoden. Solche
Projekte sind daher vorausschauend zu planen, mit den betroffenen Beteiligten
sorgfältig abzustimmen. Hierbei gilt es Risiken zu analysieren und unter Kontrolle zu
bringen, ebenso wie Entscheidungsträger einzubinden (Ahrens, H. et al 2006: S.5).
Doch Planungsprozesse sind nicht immer identisch, sondern unterscheiden sich von
Bauprojekt zu Bauprojekt. Planungsabläufe und -vorgehensweisen verändern sich,
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
72
insbesondere dann, wenn es sich um Großprojekte, wie Olympische Spiele handelt.
Die rahmensetzende Funktion der Planung tritt hier zugunsten einer stärkeren
Handlungsorientierung in den Hintergrund. Im Idealfall sind Großprojekte eingebunden
in eine umfassende städtische, regionale oder überregionale Entwicklungspolitik und
werden nicht isoliert umgesetzt, sondern potentielle Wechselwirkungen und
Rückkopplungen mit anderen raumrelevanten Prozessen und Maßnahmen werden
frühzeitig berücksichtigt und die betroffenen Akteure regelmäßig beteiligt (Huning, S. et
D. Peters 2003: S.4). Auch die Integration und Umsetzung von Umwelt- und
Nachhaltigkeitsaspekten in den Olympischen Planungsprozess erfordern eine
sorgfältige Abstimmung und Kontrolle. Diese Aufgabe übernahm im Rahmen der
Winterspiele von Lillehammer eine Umweltabteilung, die erstmalig in der Geschichte
der Olympischen Spiele Bestandteil eines Organisationskomitees war. Die sogenannte
Environment Quality Control“ war für sämtliche Umweltaspekte der Spiele zuständig
und überwachte im gesamten Olympischen Planungsprozess die Umweltbelange in
allen Ausschüssen des LOCOG (Lillehammer Olympic Organizing Committee 1994a:
S.84). Der Einsatz einer solchen Umweltabteilung innerhalb eines olympischen
Organisationskomitees erwies sich bezüglich der Umsetzung der geplanten Umwelt-
und Nachhaltigkeitsaspekte als sehr erfolgreich und wird seitdem von allen
Organisationskomitees fortgeführt.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Anforderungen an die Olympischen
Gebäude an Komplexität zunehmen. Neben steigenden Ansprüchen an Komfort,
Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit stellen Sicherheitsanforderungen und
allgemein erhöhte technische Standards neue Herausforderungen dar, die von
Projektbeginn an die Kooperation mit Spezialisten erfordern. Diese Standards gilt es
innerhalb kürzester Zeit und unter Einhaltung des Kostenrahmens mit oftmals im
olympischen Planungsprozess unvollständigen oder sich ändernden
Rahmenbedingungen in hohe Architektur- und Bauqualität umzusetzen. Dazu ist es
erforderlich nicht wie bisher üblich „nur“ das Objekt, sondern auch verstärkt den
Prozess zu planen (Hegger, M. et al 2007: S. 186). Bei der Planung von olympischen
Baumaßnahmen muß daher eine integrale Planungsstrategie von den ersten Schritten
an im Planungsprozess verankert sein. Nachhaltigkeit im olympischen
Planungsprozess heißt folglich: Festlegung von ökologischen, ökonomischen, sozialen,
energieeffizienten, technischen und funktionalen Planungszielen durch das gesamte
Planungsteam (Architekten, Fachplaner, Ökonomen, Bauherr usw.) - bereits im
Rahmen der Olympiabewerbung (Projektentwicklung).
2.3.5. Lebenszyklus der Olympischen Wettkampfstätten
Im Hinblick auf den Lebenszyklus eines Bauwerkes, dessen Umwelt- und
Sozialverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit bedarf es im Rahmen des
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
73
Planungsprozesses einer Betrachtungsweise, die die unzähligen Wechselwirkungen
mit einbezieht, die von der Herstellung bis zum Rückbau – also im gesamten
Lebenszyklus – auftreten (siehe Abbildung 13). Dazu gehört neben einem niedrigen
Energieverbrauch die Wahl von Materialien, die bei ihrer Herstellung, in der
Nutzungsphase und bei der späteren Wiederverwertung oder Entsorgung die Umwelt
möglichst wenig beeinträchtigen (Künzler 2001: S.13). Im Lebenszyklus (auch
Gebäudezyklus genannt) sind alle Stadien eines Gebäudes von der Erstellung bis zur
Entsorgung zu betrachten. Den Lebenszyklus eines Gebäudes und die damit ver-
knüpften planerischen Aktivitäten kann man in folgende Kreislaufschritte unterteilen
(siehe Abbildung 13): Projektentwicklung, Planung, Ausführung, Inbetriebnahme,
Modernisierung, Betrieb und Rückbau (Hegger et al 2007: S.165).
Abbildung 13: Lebenszyklus eines Gebäudes und planerische Aktivitäten
(Hegger, M. et al 2007: S.166)
Im Rahmen der Entwicklung hin zu energieeffizienter und nachhaltiger Bauweise und
unter Berücksichtigung des Lebenszyklus eines Gebäudes ist es von besonderer
Wichtigkeit den Planungsprozess als integrativen, d.h. ganzheitlichen, und
transparenten Ansatz zu betrachten und sowohl ökologische, ökonomische als auch
soziale Aspekte in jeder Phase des „Design Process“ mit einzubeziehen. Um
nachhaltige Planungsprozessansätze zu entwickeln, werden deshalb theoretische
Ansätze der herkömmlichen Projektplanung mit Projektsteuerungs- und
Umweltmanagementsystemen unter Berücksichtigung der Lebenszyklen verbunden
(Iwamura 2005: S.202f.).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
74
Olympische Sportstätten unterliegen ähnlichen Planungsprozessen wie herkömmliche
Bauprojekte, wenn auch in weit größerem Ausmaß. Betrachtet man den Lebenszyklus
von Olympischen Sportbauten, so unterscheidet sich dieser erheblich von
herkömmlichen Bauwerken (siehe Abbildung 14). Im Falle der Olympischen
Sportgroßveranstaltung ist der Lebenszyklus der Wettkampfbauten in zwei Abschnitte
aufzuteilen, d.h. er gliedert sich in zwei Betriebsphasen:
- Betriebsphase 1 – Olympische Spiele
- Betriebsphase 2 – Post-Olympia, Nachnutzung (Olympic Legacy)
Abbildung 14: Lebenszyklusmodell von Olympischen Sportbauten
(eigene Darstellung)
Beide Betriebsphasen müssen gleichberechtigt bei der Planung berücksichtigt werden,
um die Funktionalität und Nachhaltigkeit des Gebäudes sowohl während, als auch
nach den Spielen zu gewährleisten. In Abbildung 14 wird dieser Widerspruch deutlich
erkennbar, der sich bei der Planung von Olympischen Bauten ergibt. Obwohl sich die
Betriebsphase (2) der Bauten nach den Spielen über einen wesentlich längeren
Zeitraum (Nachnutzung 40 Jahre) erstreckt als die Betriebsphase (1) (während der
Spiele 16 Tage), wird bei der Planung weitaus mehr die Funktionalität der Bauten
während der Spiele, als deren Nutzung nach den Spielen beachtet. Leerstände der
Sportstätten, wie nach den Olympischen Spielen von Athen 2004 untermauern dies. In
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
75
Abbildung 14 wurden die temporären Olympischen Sportstätten nicht mit
berücksichtigt. Diese unterliegen einem eigenen Lebenszyklus. Hierbei folgt direkt
nach der Betriebsphase (Olympische Spiele: Zeitspanne 16 Tage) der Abbruch des
Bauwerks, d.h. die Entsorgung und das Recycling der Baumaterialien oder die
Verwahrung der Einzelteilung zur Widermontage bei anderen Veranstaltungen.
Betrachtet man nun den Lebenszyklus von Olympischen Sportbauten, so wird deutlich,
dass die Olympischen und Paralympischen Spiele mit ihrer Zeitdauer von sechs
Wochen nur 0,3% des „normalen“ Lebenszyklus einer Sporteinrichtung ausmachen
(Stonor 2007: S. 69). Durchschnittlich erfolgt eine Komplettsanierung bzw. ein Abriss
bei Sportstätten etwa nach 40 Jahren, was am Beispiel der Olympiahalle München mit
der Komplettsanierung nach 36 Jahren deutlich wird (Errichtung: 1972;
Komplettsanierung: 2008). Trotzdem sind die Planungen der Olympischen Sportbauten
meist oft nur für den Zeitraum der Spiele und nicht für die Zeit danach ausgelegt.
Obwohl die Olympischen Spiele mit ihren enormen Zuschaueraufkommen das
Hauptereignis der Planung darstellen, gilt es die verbleibenden 99,7% des
Lebenszyklus auch bei der Planung und Ausführung zu berücksichtigen, nämlich die
Legacy Period (Stonor 2007: S. 69). Erst die Berücksichtigung des kompletten
Lebenszyklus der Olympischen Sportbauten bereits in den ersten Planungs- und
Projektentwicklungsschritten garantiert den Typus der „Nachhaltigen Olympischen
Wettkampfstätte“.
2.3.6. Olympisches Erbe: „White Elephants“ - Leerstände, fehlende
Nachnutzungskonzepte und hohe Lebenszykluskosten nach den
Spielen
„Organisatoren von Kultur- und Sportveranstaltungen stehen zunehmend unter Druck.
In politischem, wirtschaftlichem, wie auch sozialem Kontext müssen sie bei der Wahl
der benötigten Infrastrukturen nachhaltig tragbare Entscheidungen treffen. Anstelle
prestigeträchtiger und kostenverschlingender Neubauprojekte geht der Trend daher zu
bedürfnisgerechten, temporären Baumaßnahmen“ (Quenzer, Q. 2004: S.56).
Beispiele der letzten Jahre zeigen jedoch, dass sich die geschilderte Entwicklung zu
temporären Anlagen für Großveranstaltungen nicht durchzusetzen scheint, sondern
nur isolierte Einzelinitiativen darstellen. Leerstände, wie bei den Bauten der
Olympischen Spielen von Athen 2004, mangelnde Besucherzahlen und hohe
Unterhaltungskosten, bestimmen das allgemeine Post-Olympiabild der
Austragungsorte und erschweren einen zukunftsfähigen Umgang mit den Bauten.
Bisher werden aufgrund der beschriebenen Entwicklung bei den Planungen die
Nutzung, die Funktionalität und die Repräsentationsfunktion der Olympiabauten
während der Spiele mehr in den Fokus gestellt, als Faktoren, wie die energieeffiziente
und zukunftsfähige bauliche Umsetzung, Nachnutzungskonzepte oder die Integration
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
76
der Wettkampfstätten in die bestehende Stadtentwicklung. Spiele, wie die
Sommerspiele von Los Angeles 1984 zeigen aber, dass auch Olympische Spiele mit
dem Schwerpunkt auf temporären und bestehenden Bauten erfolgreich durchgeführt
werden können und für die Stadtentwicklung unter dem Gesichtspunkts der
Sportstätten- und Infrastrukturentwicklung eine nachhaltige Ergänzung darstellen. Auch
Paris hatte im Zuge der Olympiabewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2012
ein Sportstättenkonzept erarbeitet, welches konsequent die fehlenden Sportstätten und
Logistikbauten temporär und in verdichteter Bauweise erstellen sollte. Nach den
Spielen sollten diese Gelände und Bauten ihrer dauerhaften Nutzung angepasst
werden. Leider ließ sich das temporäre Olympiakonzept im Rahmen des
Kandidaturprozesses nicht durchsetzen.
Dass temporäre Bauten mittlerweile als Ikonen gelten, die mit dauerhaften Bauwerken
durchaus konkurrieren können, zeigen der Seewürfel von Jean Nouvel für die Expo 02
in der Schweiz oder das Beach Volleyball Stadion in Bondi Beach für die olympischen
Sommerspiele 2000 in Sydney (Quenzer, Q. 2004: S.57). Ein weiteres Beispiel, stellt
das zukünftige Olympiastadion für die Sommerspiele 2012 in London dar. Der
bewusste Rückbau des Stadions nach den Spielen von 80.000 Sitzplätzen in ein
Leichtathletikstadion mit einer Kapazität von 25 000 Sitzplätzen, scheint dem
genannten Trend zur temporären Bauweise Folge zu leisten.
Die für Großveranstaltungen benötigten Infrastrukturen werden nicht zuletzt auf Grund
der erhöhten Sicherheitsauflagen immer umfangreicher und komplexer. Hier stellt sich
die Frage, ob diese Infrastrukturen nach der jeweiligen Veranstaltung eine sinnvolle
Funktion erfüllen und rentabel betrieben werden können. In der Geschichte von
internationalen Sportveranstaltungen gibt es unzählige Beispiele sogenannter „White
Elephants“, die lange über die Veranstaltung hinaus an den kommunalen
Instandhaltungs- und Unterhaltsbudgets zehren (Quenzer, Q. 2004: S. 58). Als „White
Elephants“ bezeichnet man überdimensionierte Wettkampfstätten und Einrichtungen,
die für die Besuchermassen des Mega-Events geplant werden, jedoch nicht für das
Post-Olympische Erbe und sogenannte „half-empty and costly“ Sportbauten
zurücklassen: “to showcase the local economy and engineering prowess instead of
fitting them into a long-term urban planning policy and responding to the local
population’s needs relative to leisure and cultural facilities“. Als Beispiele können hier
die Olympiastätten von Sydney 2000 oder die der Spiele von Athen 2004 aufgeführt
werden. Während die Wettkampfstätten der australischen Sommerspiele von 2000 für
die Öffentlichkeit frei zugängig sind, gleichen die hinter Gitterzäunen verschlossenen
Sportbauten der Olympischen Großveranstaltung von Athen nach den Spielen eher
einer „Geisterstadt“.
Die in Abbildung 15 aufgeführte Gegenüberstellung der Besucherzahlen der
Olympiaparks von München 1972 und von Sydney 2000 verdeutlicht diese Aussage
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
77
und zeigt die mangelnde Nachnutzung der ehemaligen Wettkampfstätten und
Parkanlagen der australischen Sommerspiele auf. Aufgrund der mangelnden
Nachnutzung der Olympischen Sportstätten der Spiele von Sydney in den ersten
Jahren und des Konkurses des Betreibers des ehemaligen Olympiastadions im Jahr
2006 wurde der Sydney Olympic Park auch „Sydney Jurassic Park“ genannt (Furrer, P.
2002: S.2f.).
Neben der Nachnutzung spielen vor allem die Kosten von Olympischen Spielen und
deren Baumaßnahmen eine bedeutende Rolle hinsichtlich des
Nachhaltigkeitsgedankens. Bislang lassen sich Lebenszykluskosten für Olympische
Sportbauten, d.h. die Kosten, die über den Zeitraum der Errichtung, der
Inbetriebnahme, der Bewirtschaftung, der Instandhaltung, der Sanierung und den Abriß
eines Gebäudes anfallen, nur schwer ermitteln. Auch konnten bisher auf internationaler
Ebene keine einheitlichen Richtlinien und -größen über Lebenszykluskosten von
Olympischen Sportstätten definiert werden (Preuss, H. 2004). Die Festlegung solcher
Benchmarks scheitert jedoch nicht vorrangig an unterschiedlichen Ansätzen zur
Lebenszykluskostenermittlung, sondern vor allem an fehlenden Werten und
detaillierten Angaben zu den Ausgaben der Austragungsorte.
Abbildung 15: Besucherzahlen des Olympiaparks München 1972 und des Olympic Park
Sydney 2000 nach den Olympischen Spielen im Vergleich
(eigene Darstellung nach Sydney Olympic Park Authority 2007 und Angaben der
Olympiapark München GmbH, Stand 31.03.2008)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
78
Kosten für Olympische Spiele setzen sich aus folgenden Ausgaben zusammen:
Investitionen für Infrastruktur (Verkehr, Stadtmodernisierung etc.), Sportanlagen,
Unterkünfte (Olympisches Dorf, Mediendorf etc.), Organisation und Durchführung der
Spiele. Die Einnahmen lassen sich aus Zuschüssen des öffentlichen Haushaltes der
Austragungsorte, TV-Einnahmen, Eintrittskarten, Sponsoring und Nutzungsrechten von
Olympiasymbolen generieren (Handelsblatt 2009a). Während Austragungsorte, wie
Atlanta (weltweit bislang höchster Gewinn von 900 Millionen Dollar) oder Sydney
(Gewinn von 230 Millionen Dollar) durch die Olympischen Spiele ein finanzielles Plus
erwirtschafteten, zeichneten sich bedingt durch die Sportgroßveranstaltung bei
anderen Gaststädten große Löcher in den Staatshaushalten ab. So wurde bei den
Spielen der Olympiastadt München das geplante Budget von 150 Millionen Dollar, um
fast 400 Millionen überschritten, die Spiele von Athen belasteten den griechischen
Staatshaushalt um etwa vier Milliarden. Warum das kalkulierte Budget von 1,6
Milliarden Dollar sich am Ende nahezu verzehnfachte, wurde seitens des
Organisationskomitees der Stadt Athen bis heute nicht kommentiert. Auch die
Ausgaben der Spiele von Peking 2008 und London 2012 übersteigen die geplanten
Kosten in Milliardenhöhe. So erreichte Peking bislang unerreichte Spitzenwerte: aus
geplanten Kosten von 14,3 Milliarden Dollar wurden reale Ausgaben von 42 Milliarden.
Auch seitens des Organisationskomitees der Sommerspiele von London 2012 wurde
das geplante Budget von 4,6 Milliarden Dollar bereits zwei Jahre vor den Spielen mit
18,2 Milliarden stark überschritten - 12 Milliarden Dollar wurden bislang schon für
Infrastruktur und Sportanlagen ausgegeben (940 Millionen US-Dollar für das neue
Olympia-Stadion) (Handelsblatt 2009a). Einen Großteil der für Olympische Spiele
anfallenden Kosten stellen die Baumaßnahmen des Olympischen Sportstättenbaus
dar. Die stetig steigenden Ausgaben spiegeln den zunehmenden Gigantismus der
Spiele wieder (Handelsblatt 2009a). Insbesondere hier wird die Bedeutung von
ökonomischen Aspekten im Rahmen der Nachhaltigkeitsbetrachtung von Olympischen
Sportbauten besonders deutlich. Folgende Steigerungen sind für den Olympischen
Sportstättenbau zu beobachten (Handelsblatt 2009a):
Olympische Spiele München 1972: 175 Millionen Dollar
Olympische Spiele Atlanta 1996: 494 Millionen Dollar
Olympische Spiele Sydney 2000: 2 Milliarden Dollar
Olympische Spiele Athen 2004: 2,6 Milliarden Dollar
Olympische Spiele Beijing 2008: 1,8 Milliarden Dollar
Dass sich die Ausgaben für die Olympischen Sportbauten stark gesteigert haben, wird
deutlich. Dennoch ist es schwer die hier aufgeführten Zahlen miteinander zu
vergleichen, da die Kosten keine absoluten Werte darstellen. Um die Ausgaben für
Sportstätten vergleichbar zu machen, müssten diese auf ein einheitliches Preisniveau
(z.B. Vergleich Lohnniveau China mit Australien) umgerechnet und auch die
steigenden Inflationskosten (z.B. Vergleich Olympische Spiele München 1972 mit
Olympischen Spielen Athen 2004) in den Vergleich mit einbezogen werden.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
79
Die bereits aufgezeigte stetige Zunahme an benötigten Olympischen Bauten, die
anwachsenden Kosten und die Darstellung der Olympischen Sportstätten als
Repräsentationsbauten erschweren den Umgang und die Nachnutzung von
Olympischen Sportstätten nach den Spielen. Neuesten Studien zur Folge befindet sich
zudem der „tradierte Sport in einem tief greifenden Ausdifferenzierungs- und
Wandlungsprozess“ (Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung 2007a).
Neue Sportbedürfnisse, wie Trendsportarten oder selbstorganisiertes Sporttreiben in
„neuen Sporträumen“, und alte Sportstrukturen, wie der Wettkampfsport, passen immer
weniger zusammen. Der demographische Wandel mit einer sinkenden Nachfrage nach
vorhandener Sportstätteninfrastruktur trägt zu dieser Entwicklung bei. Der Rückgang
an benötigten zusätzlichen Wettkampfanlagen für den Leistungssport scheint die
Nutzung temporärer Bauten und die Sanierung bestehender Sportanlagen als Lösung
für eine nachhaltige Sportstättenentwicklungsplanung der Olympischen
Austragungsorte zu verstärken.
Inwieweit sich Temporärbauten, die Nutzung bereits bestehender Anlagen bei
zukünftigen Spielen und die Minimierung der Ausgaben beim Bau der Olympischen
Sportstätten (Lebenszykluskosten) zukünftig durchsetzen können und inwiefern somit
ein Beitrag zu einer nachhaltigen Umsetzung von Olympischen Bauten geleistet
werden kann, wird daher in den folgenden Kapiteln untersucht.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
80
2.4. Etappen der Entwicklung der Olympischen Sportbauten: Etappe
Nachhaltigkeit?
Die Entwicklung des Gebäudetypus „Olympische Wettkampfstätte der Neuzeit“ ist noch
recht jung. Sie begann Ende des 19. Jahrhunderts mit der Wiedereinführung der
Olympischen Spiele durch Pierre de Coubertin (erste Olympische Sommerspiele:
Athen 1896). Zu Beginn der Olympischen Spiele gab es keine Vorschriften über Art,
Größe und Dimensionen der Olympischen Wettkampfstätten, ebenso wie für
Laufbahnlängen und Spielfeldabmessungen (Schmidt, T. 2003: S. 14). Man orientierte
sich hierbei an den antiken Olympischen Spielen. In Zusammenarbeit mit Athleten,
Sportverbänden und Zuschauern entstanden so internationale Standardtypen von
Stadien, Sporthallen und Spezialbauten. Noch heute stellen Olympiastadien den
Ausgangs- und Mittelpunkt der Olympischen Spiele dar, „vor allem deshalb, weil der
mit dem Stadionbau geschaffene Raum an die antiken Olympischen Spiele erinnert“
(Wimmer, M. 1975: S.34).
Die Entwicklung der Olympischen Sportarchitektur vollzieht sich in vier Etappen
(detaillierte Angaben anhand des Typus Olympiastadion siehe Anhang 1 und
Abbildung 17). Die erste Etappe ist geprägt durch die Wiedereinführung der
Olympischen Spiele der Neuzeit und den ersten sporttechnischen Erfahrungswerten
der Wettkampfarchitektur. Während für die Spiele von Athen 1896 auf den
Fundamenten des antiken Panathinaikon-Stadions ein eigenes Olympia-Stadion
errichtet wurde, entstanden für die Spiele von Paris 1900 und St. Louis 1904 temporäre
Wettkampfstätten auf Sportplätzen, die den Anforderungen der Sportler nur bedingt
gerecht wurden (Wimmer, M. 1975: S.35). London präsentierte 1908 im Rahmen der
Weltausstellung das erste Großstadion für Olympische Spiele mit vielen
sporttechnischen Neuerungen. Das für 100.000 Zuschauer ausgelegte Bauwerk
umfasste als Hauptkampfbahn eine Aschenbahn, eine Radrennbahn, ein
Schwimmbecken, ein Leichtathletikfeld und Boxanlagen. Das Olympiastadion der
Spiele von Stockholm 1912 bot mit seiner historisierenden Bauform den Höhepunkt
dieser ersten Entwicklungsetappe. Die Olympischen Spiele hatten nun auf
internationaler Ebene einen hohen Stellenwert errungen und auch die Olympische
Wettkampfarchitektur etablierte sich erstmals als eine eigene Gebäudetypologie, die,
wie von Coubertin gefordert, die architektonischen Bemühungen zwischen Sport und
Kunst verband (Wimmer, M. 1975: S.27).
In der zweiten Entwicklungsetappe der Olympischen Sportbauten von 1920 bis 1948
entwickelte sich aus der Hauptkampfbahn der Typus des Olympia-Stadions. Aus dem
u-förmigen Stadionoval mit Haupttribünen an den parallelen Seiten und den
verschiedenen Wettkampfbereichen, wurde ein sich dem Kreis angenäherter
Stadiongrundriss mit Leichtathletikfeld und 400-Meter-Laufbahn, der nun allen
Zuschauern annähernd gleiche Sichtbedingungen bot. In jener Etappe vollzog sich die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
81
vor allem durch die Spiele einhergehende Internationalisierung und Demokratisierung
des Sports mehr und mehr, was zu international gültigen Abmachungen und
verbindlichen Normen führte, die gerade auch die Architektur von Sportbauten
unmittelbar betrafen. So wurden, um echte Leistungsvergleiche in internationaler Breite
durchzuführen zu können, allgemeingültige Regeln und Wettkampfbestimmungen
geschaffen, die Maße und Gewichte der Sportgeräte genormt oder normativ verbessert
und die Art und Länge von Wettkampfstrecken und -anlagen festgelegt. Ein Beispiel
hierfür ist die noch heute gültige 400 Meter-Bahn, die bei den Olympischen Spielen von
Antwerpen 1920 erstmalig eingeführt und bei den Spielen von Amsterdam 1928 als
zukünftiges Normmaß festgelegt wurde (Wimmer, M. 1975: S.28) (siehe Abbildung 16).
Bei den Spielen von Berlin im Jahr 1936 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der
Olympischen Spiele ein großer Sportkomplex am Rande der Großstadt erschlossen,
der neben dem Olympiastadion auch andere Wettkampfstätten für Schwimm-, Rad-
und Ruderwettkämpfe anbot. Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Sommerspielen
trifft auch auf die Olympischen Winterspiele zu (Wimmer, M. 1975: S.36).
Olympische Spiele Länge der Wettkampfstrecken
Athen 1896 333,33 Meter-Bahn
Stockholm 1912 383,00 Meter-Bahn
Berlin 1916 600,00 Meter-Bahn
Antwerpen 1920 400,00 Meter-Bahn
Amsterdam 1928 400,00 Meter-Bahn
Abbildung 16: Entwicklung der Länge der Wettkampfstrecken bei Olympischen Spielen
(eigene Darstellung nach Wimmer, M. 1975: S.28)
Die weltpolitischen Veränderungen nach 1945 wirkten sich auch auf die Anforderungen
an den Olympischen Sportstättenbau aus. Die nun für die Sommer- und
Wintersportarten festgelegten Normen führten zu international einheitlichen
Wettkampfstätten. In der dritten Entwicklungsetappe ab 1952 entwickelte sich so das
Olympia-Stadion zur Prestigearena, die noch heute den Fortschritt und den Stand der
Technik der Austragungsorte widerspiegeln soll. Einige Großstädte verfügten bereits
vor den Olympischen Spielen über moderne Großstadien (wie Rom 1960, Tokio 1964
oder Mexiko City 1968). Erst München erbaute nach Zusage für die Olympischen
Sommerspiele speziell für die Sportgroßveranstaltung ein neues Olympiastadion.
Dieser Trend setzte sich in den Folgejahren fort. Die visuelle Erscheinungsform der
Stadionbauten veränderte sich zusehends in dieser Etappe. Ehemalige Erdwälle
wurden von Ingenieurhochbauten, wie dem Olympiastadion von München 1972
abgelöst. Das reine Wallstadion wie in Athen 1896 und in Mexiko-Stadt 1968,
modifiziert in München 1972, blieb eine Ausnahme (Wimmer, M. 1975: S.38).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
82
Besonderen Einfluss auf die Erscheinungsform gewinnen in den letzten Jahren die
Tribünenüberdachungen. Die Entwicklung geht hier von den nicht überdachten
Tribünen der Anfangszeit über das zu 70 Prozent überdachte Münchner Stadion bis zu
den fast gänzlich überdachten heutigen Stadien (Schmidt, T. 2003: S. 14).
Abbildung 17: Entwicklung der Etappen des Gebäudetypus der Olympischen
Wettkampfarchitektur
(eigene Darstellung nach Wimmer, M. 1975)
In der dritten Etappe der Spiele entwickelte sich der Typus der „Olympischen
Sporthalle“ (ab 1952). Diese Entwicklung verlief schneller als die der Stadien und war
dementsprechend architektonisch wesentlich deutlicher wahrnehmbar. Die
1. Etappe (Athen 1896 bis Stockholm 1916): von temporären Wettkampfstätten auf
Sportplätzen zur Olympischen Hauptkampfbahn
erste Olympische Spiele als Bestandteil von Weltausstellungen
Wettkämpfe im Freien
Olympische Stadien als Hauptkampfbahn mit integrierter Leichtathletikfläche, Rennbahn,
Radrennbahn und Wasserfläche
2. Etappe (Antwerpen 1920 bis London 1948): von der Hauptkampfbahn zum Olympia-
Stadion
Internationalisierung des Sports, Normen und Abmachungen
Entwicklung des Gebäudetypus Olympia-Stadion mit Rasensportplatz, Leichtathletikflächen
und 400-Meter-Laufbahn
Aufteilung der Wettkampfeinrichtungen der Hauptkampfbahn in eigene Wettkampfstätten (im
Freien, meist provisorisch)
aus dem U-förmigen Stadionoval mit parallelen Längsseiten entwickelt sich der heutige
kreisähnliche Stadiongrundriss
3. Etappe (Helsinki 1952 bis Atlanta 1996): vom Olympia-Stadion zur Prestigearena,
Olympiahallen und Spezialsportbauten
Entwicklung der Standardtypologien der Olympischen Sportarchitektur: Stadion, Sporthallen
und Spezialsportbauten
Zahlreiche Großstädte verfügen nun bereits vor Olympischen Spielen schon über Stadien und
Großsporthallen
Überdachung der provisorischen Wettkampfstätten zur wetterfesten Ganzjahresnutzung
Prestigebauten: Visuelle Erscheinungsform kombiniert mit funktionellen, konstruktiven und
landschaftsgestalterischen Aspekten dominiert die Olympische Sportarchitektur
Kombination der Mehrfachnutzung als Leichtathletik- und Fußballstadion weicht dem Trend
zur Spezialarena
4. Etappe (Sydney 2000 bis ?): von den Olympischen Prestigearenen und -hallen zu
umweltgerechten und nachhaltigen Olympischen Sportstätten
Reduzierung der Sitzplatzkapazitäten nach den Spielen
Temporäre Bauweisen
Nachnutzungskonzepte bereits bei der Planung (Nachnutzungen als Sportanlagen und Nicht-
Sportanlagen)
Zunehmende Kombination des Entwurfs mit umweltfreundlichen und nachhaltigen
Planungskonzepten (Infrastruktur, Wasser, Energie etc.)
Reduzierung der Anzahl der benötigten Wettkampfstätten durch Zusammenlegung von
Sportarten
Derzeit noch in den ersten Schritten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
83
Entwicklungslinie, Wettkämpfe in wettergeschützte Hallen zu verlagern und somit die
heute im Leistungsport geforderten technischen Anforderungen, ebenso wie die
Termin- und Ablaufpläne der Spiele einhalten zu können, hat sich durchgesetzt und
führte zu überdachten Olympic Domes mit bis zu 25.000 Zuschauern für Olympische
Sporthallen für Sportarten, wie Turnen, Fechten, Boxen, Ringen, Judo, Gewichtheben,
Basket-, Hand- und Volleyball, Schwimmen, Eiskunstlauf und Eishockey. Ähnlich wie
bei den Hallenbauten verlief die bauliche Entwicklung der Olympischen
Spezialsportanlagen, wie Sprungschanzen, Rennschlittenbahnen, Radrennbahnen und
Regattastrecken (Wimmer, M. 1975: S.33ff.). Während Tribünenanlagen der
olympischen Sprungschanzen heutzutage ein Fassungsvermögen von bis zu 100.000
Zuschauer haben, sind Regattastrecken mit einer Länge von 2.500 Metern, einer Breite
von 300 Metern und mit Tribünen für 50.000 Zuschauer und vielfältigen Nebenbauten
die ausdehnungsmäßig größten Olympiabauten. Zu nennen ist hier auch die
Entwicklung der Bobbahnen von der Naturbahn, über die mit Eisblöcken errichtete
Kunstbahn bis zu den heutigen künstlich vereisten Anlagen (seit 1972 Standard), als
auch die der Radrennbahnen, die bis 1928 Bestandteil des Olympiastadions waren.
Auch hier verlief die Entwicklung über provisorische Bauten (1936 und 1964) hin zu
den heutigen komplett überdachten Velodromen.
Aufgrund der heutigen Größe, Ausmaße und Anzahl der Olympischen
Wettkampfbauten, ist eine nacholympische Nutzung der Anlagen notwendiger denn je,
um Leerstände und finanzielle Einbußen, wie nach den Sommerspielen von Athen
2004, zu vermeiden. Eine Mehrfachnutzung für Fußball und Leichtathletikwettkämpfe,
wie in den 70er und 80er Jahren, ist aufgrund des Trends hin zum Spezialstadion und
der heutigen Ansprüche an den Sportstättenbau kaum mehr möglich. Die
Anforderungen an die Olympischen Sportbauten stehen somit vor einem Wendepunkt.
Denn die Wettkampfstätten müssen heutzutage neben glorreicher Architektur und
Funktionalität noch ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Aspekten
gerecht werden.
Die vierte Etappe des Olympischen Sportstättenbaus ist zwar weiterhin geprägt vom
Trend der Prestige- und Spezialsportbauten, wie Athen 2004 oder Beijing 2008,
diesem stehen jedoch die Reduzierung der benötigten Wettkampfstätten und
ökologische und nachhaltige Planungskonzepte (Infrastruktur, Wasser, Energie etc.)
für den Sportstättenbau gegenüber. Umweltschutz bei Olympischen Spielen nimmt
seinen Anfang mit den Winterspielen von Lillehammer 1994. Die endgültige erste
Umsetzungsmöglichkeit von ökologischen und nachhaltigen Sportstättenkonzepten
startete bei den Sommerspielen von Sydney 2000, die als die ersten „Green Games“
angesehen werden. Dennoch zeigt das postolympische Erbe von Sydney, dass
ökologische Standards im Sportstättenbau zwar möglich sind, fehlende
Nachnutzungsmöglichkeiten der Olympiabauten ein nachhaltiges Erbe der Spiele
jedoch weiterhin erschweren. Die bisherige Geschichte der Olympischen Spiele stellt
dar, dass die temporäre Olympische Bauweise, die Nutzung von bestehenden
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
84
Wettkampfbauten und der Zusammenschluss von verschiedenen Sportarten in
Olympischen Mehrzweckhallen den Erfolg der Spiele nicht behindern. Ein positives
Beispiel hierfür sind die Olympischen Spiele von London 2012. Erstmalig in der
Geschichte ist vorgesehen, dass ein Olympisches Stadion nach den Spielen nicht
komplett in seiner ursprünglichen Form erhalten, sondern in ein kleineres
Leichtathletikstadion umgewandelt werden soll.
Dennoch befindet sich die Nachhaltigkeit von Olympischen Wettkampfstätten bislang
noch in den Kinderschuhen. So stehen den Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards von
Sydney 2000, ungenutzte Olympische Wettkampfstätten von Athen 2004 gegenüber,
ebenso wie Prestigebauten, wie die Sportbauten von Beijing 2008, die zwar
Umweltstandards in die Planung mit einbezogen haben, bisherige Spiele aus heutiger
Sicht jedoch an Pompösität zu übertreffen versuchten. Auch bei den Winterspielen ist
kein einheitlicher Trend in Richtung Nachhaltigkeit erkennbar. Die Erfolge von Turin
(Zertifizierung von Umweltstandards und Nutzung und Sanierung bestehender
Wettkampfanlagen) werden durch die Planung von neuen Wintersportzentren
gemindert, die eigens für die Olympischen Spiele gebaut und erschlossen werden, wie
etwa Socchi 2014 oder Squaw Valley (Olympische Winterspiele 1960). Um den Erfolg
der Olympischen Spiele jedoch weiterhin garantieren zu können, ist daher ein
Umdenken seitens des IOCs und der Austragungsorte in Richtung Nachhaltigkeit
unumgänglich, ebenso wie eine zukünftige Reduzierung der Sportneubauten.
Häufig gebrauchte Begriffe, wie „eco-efficiency“, „sustainable development“, „the green
games ethic“ und „principle of sustainable mega-events“ zeigen den allgemeinen Trend
der Grünen Spiele (Chernushenko, D. et al. 2001; S. 1), mit dem die Austragungsorte
im Rahmen der Olympischen Spiele werben (z.B. Olympische Sommerspiele London
2012: „The Greenest Games ever“). Ob nun Olympische Spiele und deren Sportbauten
tatsächlich als nachhaltig bezeichnet werden können, wie sich der Trend der
sogenannten „Green Games“ fortsetzt und inwieweit Nachhaltigkeit von Olympischen
Sportbauten überhaupt definiert und messbar gemacht werden kann, soll in den
folgenden Kapiteln analysiert werden.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
85
3. Instrumente des IOCs zur Umsetzung von
nachhaltiger Olympischer Sportarchitektur
Die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen Menschen und Natur existieren in
allen Zivilisationen und Kulturen seit Urzeiten. Die Realisierung des Umweltschutzes
bei gleichzeitiger Förderung des sozialen und ökonomischen Fortschritts ist jedoch erst
ein Produkt des 20. Jahrhunderts und basiert auf der Leitidee der nachhaltigen
Entwicklung (International Olympic Committee 2006c: S.7). Zahlreiche internationale
Konferenzen und Forschungsprojekte wurden hierzu in den letzten Jahrzehnten
durchgeführt. Diese bekräftigen die Aussage, dass weltweit die zunehmenden
Umweltbelastungen zu reduzieren und das Wohlergehen der gegenwärtigen und
zukünftigen Generationen abzusichern seien (International Olympic Committee 2005a:
S. 6).
Der Bereich des Sports kann hierbei nicht isoliert betrachtet werden. Ob körperliche
Betätigung als Freizeitbeschäftigung oder im Spitzensportbereich - Sport stellt als
recreational and physical education activity” ein zentrales Element unserer
Gesellschaft dar und vereint weltweit Millionen von Männern, Frauen und Kindern in
Vereinen, Verbänden und privaten Netzwerken (International Olympic Committee
2006c: S.7). Wie jede Handlung, hat auch der Sport positive und negative
Auswirkungen auf die umgebende Umwelt. Sport und nachhaltige Entwicklung sind
deshalb eng miteinander verbunden und müssen verstärkt miteinander betrachtet
werden. Diesem Gedankengang widmen sich die folgenden Kapitel, da das
Internationale Olympische Komitee (IOC) als weltweiter Dachverband des Sports im
Rahmen des Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung bereits heute, als
auch zukünftig eine verantwortungsbewusste Rolle übernehmen muß. Im Vordergrund
der Analyse steht dabei die Entwicklung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des
Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Bezug auf Olympische Spiele und
insbesondere auf deren Wettkampfstätten, da speziell der Gebäudetypus „Sportstätte“
in den letzten Jahren sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene sehr
wenig Beachtung in der Forschung erlangt hat.
Zum einen wird die Entwicklung des Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedankens des
Olympic Movements (Olympischen Bewegung) beschrieben, zum anderen soll
herausgearbeitet werden, ob bisherige Strategien und Ansätze des IOCs überhaupt
ausreichend für eine nachhaltige Planung und Umsetzung von Olympischen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
86
Sportstätten sind oder ob diese zukünftig deutlich verschärft, wenn nicht sogar
verpflichtend gestalten werden sollten. Um die unterschiedlichen, zum Teil recht
komplizierten Abläufe und Strukturen des IOCs, die die Olympischen Spiele betreffen,
gezielter nachvollziehen zu können, ist ein Hauptziel dieses Kapitels die Darstellung
und Untersuchung der in die Olympischen Spielen involvierten Abteilungen und
Institutionen des IOCs, die für die Olympischen Spiele und deren Wettkampfbauten
zuständig sind.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
87
3.1. Beschreibung der in die Olympischen Spiele involvierten
Institutionen des Olympic Movements
Abbildung 18: Struktur des Internationalen Olympischen Komitees
(Quelle: International Olympic Committee 2005d: S.20)
Das IOC ist als internationale, nicht staatliche und nicht profitorientierte Organisation
und Dachverband der Olympischen Bewegung (Olympic Movement) in erster Linie für
die Förderung der Olympischen Idee (Olympismus) und für die Olympischen Spiele
verantwortlich, d.h. für die Wahl des Austragungsortes, die Durchführung des
Kandidatur- und Wahlprozesses, die Ausführung der Spiele und somit auch
maßgeblich für deren Wettkampfbauten (INTERNATIONAL OLYMPIC COMMITTEE
2006b: S. 18) (siehe Abbildung 18). Hierzu teilt sich das IOC in folgende Ausschüsse
und Kommissionen auf:
Executive Board: bestehend aus dem IOC-Präsidenten, vier Vize-Präsidenten
und zehn jeweils für vier Jahre gewählte IOC-Mitgliedern
Administration: ausführende Stelle des Olympic Movements, Vorbereitung und
Durchführung der Olympischen Spiele
IOC-Mitglieder: internationale Repräsentatoren des IOCs
Zusammen mit den International Federations of Sports (IF) (Internationalen
Sportverbänden), den National Olympic Committees (NOCs) (Nationalen Olympischen
Komitees), den Organising Committees of the Olympic Games (OCOGs)
(Organisationskomitees), Athleten, Kampfgerichten, Schiedsrichtern,
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
88
Interessenverbänden und Vereinen bildet das IOC das Olympic Movement, d.h. die
Olympische Bewegung (INTERNATIONAL OLYMPIC COMMITTEE 2006b: S. 33).
In die Organisation und Durchführung der Olympischen Sommer- und Winterspiele,
d.h. vom ersten Planungskonzept bis hin zur späteren Verwaltung und Nachnutzung
der Olympiabauten nach den Spielen, sind zahlreiche Organisationen, Kommissionen
und Verbände des Olympic Movements involviert. Das Aufgabenfeld der Abteilungen
und Verbände des Olympic Movements sind in der Olympic Charter, dem Regelwerk
und Gesetzestext der Olympischen Bewegung festgelegt (International Olympic
Committee 2007c). Unter dem Motto „Increasing the Games Quality“ und zur Stärkung
der Synergieeffekte zwischen den einzelnen Abteilungen des IOCs wurden in den
letzten Jahren zahlreiche Umstrukturierungsmaßnahmen durchgeführt (International
Olympic Committee 2005d: S.13). Die folgende Darstellung zeigt die heutigen
Institutionen des Olympic Movements, die vorrangig an den verschiedenen
Organisationsschritten der Olympischen Spiele und deren Wettkampfbauten beteiligt
sind (siehe Abbildung 19):
Abbildung 19: Institutionen des IOCs, die an der Planung und Durchführung von Olympischen
Spielen beteiligt sind
(eigene Darstellung)
IOC Olympic Games Department:
Die Hauptaufgabe des IOCs stellt die Wahl der Olympischen Austragungsorte und die
Durchführung der Olympischen Spiele dar. Im Zuge von
Umstrukturierungsmaßnahmen zur Stärkung der Position des IOCs bei der
Durchführung von Olympischen Spielen wurde 2002 das IOC Olympic Games
Department (Abteilung der IOC Administration) gegründet (International Olympic
1. Candidature Procedure
IOC Executive
IOC Administration
IOC Olympic Games Department
IOC Coordination Commission
Organising Committees of the Olympic Games (OCOGs)/
Candidature Board or Commission
National Olympic Committees (NOCs)
International Sports Federation (IFs)
2. Organisation of the Olympic Games
IOC Administration
IOC Olympic Games Department
IOC Coordination Commission
Organising Committees of the Olympic Games (OCOGs)
3. Legacy of the Olympic Games/ Post Olympia
Olympic Facilities Authority (e.g. Sydney Olympic Park Authority,
Olympiapark München GmbH)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
89
Committee 2005d). Aufgabe dieser Abteilung ist die Koordination der Vorbereitungen
von Olympischen Spielen und die Stärkung der IOC-Aktivitäten innerhalb dieses
Prozesses. Des Weiteren steht es den Bewerber- und Austragungsorten in allen
Organisationsfragen und somit auch für den Olympischen Sportstättenbau
(Wissenstransfer und Risikomanagement) unterstützend zur Seite (International
Olympic Committee 2007d: S.1). Das IOC Olympic Games Department wirkt zudem als
Vermittler zwischen dem IOC und den Organisationskomitees (OCOGs) von
Olympischen Spielen und ist für die Durchführung des Kandidaturprozesses zuständig
(International Olympic Committee 2005d: S. 30f.).
IOC Olympic Games Coordination Commission
Die Olympic Games Coordination Commission ist ebenso wie das Olympic Games
Department ein Bestandteil der IOC Administration. Dessen Aufgabe ist die
Verbesserung der Koordination der Organisation der Olympischen Spiele und der
Kooperation zwischen dem IOC, den OCOGs, den International Federations (IFs) und
den National Olympic Committees (NOCs) (Nationales Olympisches Komitee).
(International Olympic Committee 2007c).
Nationale Olympische Kommitees (NOCs):
Die NOCs sind die Vertreter und Förderer der Olympischen Bewegung auf nationaler
Ebene (International Olympic Committee 2005d: S. 64f.). Bei der Bewerbung und
Durchführung von Olympischen Spielen stellen die NOCs die Hauptakteure im
Rahmen der Vorbereitungen der Großveranstaltung dar. Deren Hauptaufgaben sind
die Auswahl eines möglichen Olympischen Austragungsortes, die Ernennung
(Applicant City) beim IOC und die Unterstützung der Bewerberstadt im Rahmen des
Candidature Procedure (Organisation der Spiele, benötigte Wettkampfbauten, etc.)
(International Olympic Committee 2007d: S. 2f.).
International Federations (IFs):
Die IFs fördern, reglementieren und verwalten die zahlreichen Sportarten auf
internationaler Ebene. Die wesentliche Funktion stellt hierbei die Verantwortung der
technischen Kontrolle der Sportarten (Wettkampfstätten, Regeln usw.) und die
Durchführung der Sportdisziplinen bei den Olympischen Spielen dar (International
Olympic Committee 2005d: S. 64f.). Die IFs sind in die Organisation und Durchführung
der Olympischen Spiele mit eingebunden, ebenso wie in den Bewerbungsprozess
(Bewertung und Prüfung der sporttechnischen Konzepte). Sie übernehmen die
Durchführung der im Programm vorgesehenen Prüfungen und Kontrollen der
technischen Aspekte der Sportarten, wie Regeln, Wettkampfstätten, Kampfrichter usw..
Hierbei arbeiten sie eng mit den OCOGs zusammen, insbesondere bei den
technischen und funktionalen Umsetzungen im Bereich des Sportstättenbaus
(International Olympic Committee 2007d: S. 3.).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
90
Organising Committee for the Olympic Games (OCOGs):
Bei der Ernennung eines Olympischen Austragungsortes beauftragt das IOC das
zuständige NOC, ebenso wie den zukünftigen Olympischen Austragungsort (Host City)
zur Gründung eines Organising Committee for the Olympic Games (OCOG). Die
Organisationskomitees sind als Candidate Board oder Commission bereits während
des Bewerbungsprozesses in die Planung des Konzepts für die Olympischen Spiele
und deren Baumaßnahmen involviert und setzen sich aus Vertretern des zuständigen
NOC und der Bewerberstadt zusammen. Die Arbeit des OCOG wird durch den Host
City Contract (Vertrag zwischen dem IOC, dem zuständigen NOC und dem
Austragungsort) und durch die in den Bewerbungsdokumenten aufgeführten Konzepte
für die Olympischen Spiele bestimmt. Folglich ist das OCOG für alle Aspekte der
Spiele, d.h. auch für die notwendigen Bauten und Infrastrukturmaßnahmen
verantwortlich: „sports planning, venues, finance, technology, accommodation,
catering, media services etc., as well as operations during the Games“. Auch die
Umsetzung von Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien bei Olympischen Spielen
und deren Baumaßnahmen fällt heutzutage in den Verantwortungsbereich der OCOGs.
Hierbei müssen die vom IOC vorgebenen Richtlinien berücksichtigt werden, die jedoch
bisher eher Empfehlungen als ausdrückliche Regeln und Vorschriften darstellen und
somit je nach Organisationskomitee mehr oder weniger als verpflichtend angesehen
werden (Olympic Movement 2007b: S. 39).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
91
3.2. Entwicklung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des IOC
Wie jede Handlung, hat auch der Sport positive und negative Auswirkungen auf die
Umwelt. Sport und nachhaltige Entwicklung sind eng miteinander verbunden und
müssen daher verstärkt zusammen betrachtet werden. Diesem Gedankengang
widmen sich die folgenden Kapitel. Hierbei steht besonders die Entwicklung der
Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des Internationalen Olympischen Komitees im
Vordergrund (International Olympic Committee 2006c: S.7), die im Gegensatz zum
Beginn der internationalen Nachhaltigkeitsströmungen Anfang der 70er Jahre erst sehr
spät (Ende der 90er Jahren) begonnen hat. Mit der Integration des Umweltschutzes als
eines der Hauptaufgabenfelder bei Olympischen Spielen wurde durch das IOC ein
erster Anfang hin zu Umweltschutzmaßnahmen bei Olympischen Spielen und deren
Baumaßnahmen vollzogen und somit den an Olympischen Spielen beteiligten
Organisationen die Wichtigkeit dieses Themas erstmalig bewusst gemacht. Dennoch
steht die Integration des Umweltschutzes bei Olympischen Spielen durch das IOC
noch am Anfang. Im Folgenden wird daher nicht nur die Entwicklung dargestellt,
sondern auch kritisch analysiert, ob die bisher vom IOC getroffenen Richtlinien
ausreichend für eine zukünftige nachhaltige Umsetzung der Spiele und deren
Wettkampfstätten sind.
3.2.1. The Environment: Dritte Dimension des Olympismus
Das IOC, als Koordinator der Olympischen Bewegung und als Hauptverband der
weltweiten Sportorganisationen, versucht vom Breiten- bis zum Spitzensport eine
verantwortungsvolle Aufgabe bei der Umsetzung von Umweltschutz- und
Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Bereich des Sports zu übernehmen. Zum einen muß
die Komission gewährleisten, dass Sportgroßveranstaltungen, wie die Olympischen
Spiele, umweltbewusst durchgeführt werden. Zum anderen ist das IOC gefordert,
Umweltschutzziele für die Mitglieder der Olympischen Familie (Athleten, Trainer,
Verbände, Vereine usw.) zu definieren, die der praktischen Umsetzung von Umwelt-
und Nachhaltigkeitszielen auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene dienen
(International Olympic Committee 2005a: S. 7). Das Themengebiet Ökologie und
Nachhaltigkeit bei Olympischen Spielen etablierte sich im Gegensatz zur
internationalen Entwicklung des Nachhaltigkeitsgedankens erst Mitte der 90er Jahre.
Nach der Unterzeichnung des Abkommens „Earth Pledge“ bei den Olympischen
Spielen 1992 von Barcelona (internationale Umweltschutzkampagne bestehend aus
privaten und öffentlichen Organisationen), die alle internationalen Sportverbände und
Nationalen Olympischen Komitees unterschrieben und sich somit zum Schutz der Erde
und der Umwelt verpflichtet haben (Earth Pledge 2007), und den ersten
Umweltschutzmaßnahmen bei der Planung der Olympischen Winterspiele (z.B.
Lillehammer 1994) erkannte das IOC seine Verantwortlichkeit für die Förderung des
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
92
Nachhaltigkeitsgedankens auf internationaler Ebene und bestimmte den „Schutz der
Umwelt“ als „integral dimension of Olympism“ (IOC 2007a: S.1). Neben „Sport“ und
„Kultur“ wurde das Themenfeld „Umwelt“ im Jahr 1994 zur dritten Säule des
Olympismus ernannt. Das IOC will somit gewährleisten, daß die Olympischen Spiele
verantwortungsbewusst im Sinne der Umwelt und Menschlichkeit ausgetragen werden
(IOC 2007a: S.1).
3.2.2. Environment and Sustainability: Verankerung in der Olympic
Charter
Ziele, Aufgaben und Mission des Olympic Movements und des IOCs sind in der von
Pierre de Coubertin gegründeten Olympic Charter festgelegt. Die Olympic Charter ist
die Satzung des IOCs, die die Richtlinien, Gesetze und Nebensatzungen des IOCs und
der Olympischen Bewegung beinhaltet (International Olympic Committee 2007c: S. 9).
Den herkömmlichen Zielen und Aufgaben des Olympic Movements, wie der Wahl der
Austragungsorte, der Organisation der Olympischen Spiele etc. (International Olympic
Committee 2007c: S. 14), wurden 1996 nach dem Centennial Olympic Congress des
IOC (Paris, 1994), bei dem die Wichtigkeit von Umweltschutz und nachhaltiger
Entwicklung bei Olympischen Spielen erstmalig anerkannt wurde, folgende Punkte der
Olympic Charter hinzugefügt (IOC 2007a: S.1):
“The IOC’s role with respect to environment is:
to encourage and support a responsible concern for environmental issues, to
promote sustainable development in sport and to require that the Olympic Games
are held accordingly;
to promote a positive legacy from the Olympic Games to the host cities and host
countries.”
(Chapter 1, Rule 2, Paragraph 13 and 14 of the Olympic Charter, in force from 7
July 2007)
Somit verfolgt die Nachhaltigkeitsstrategie des IOCs auf nationaler und internationaler
Ebene basierend auf den in der Olympic Charter festgelegten Richtlinien folgende Ziele
(Olympic Movement 2007d):
Die Förderung von Olympischen Spielen, die die Umwelt respektieren und dem
aktuellen Standard der nachhaltigen Entwicklung nachkommen
die Erziehung der Olympischen Familie und der Sporttreibenden im Rahmen des
Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit
und die Förderung eines zukunftsfähigen Olympischen Erbes für die
Austragungsorte.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
93
3.2.3. IOC Commission of Sport and Environment
Von der Idee der Austragung von Olympischen Spielen bis hin zu deren „long-term
impacts“, stellen Umweltschutz und Nachhaltigkeit mittlerweile wichtige Bestandteile
bei der Planung und Ausführung der Spiele dar. Das Olympic Movement bemüht sich
daher seit den letzten 15 Jahren diese Thematik Schritt für Schritt in den Lebenszyklus
von Olympiaprojekten einzuführen. Zwar werden Olympische Spiele in erster Linie für
den Sport und für Athleten geplant, können aber dennoch bei erfolgreicher Planung,
gezieltem Management und geschickter Abwicklung Fortschritte im Bereich des
Umweltschutzes für die Austragungsorte mit sich bringen, d.h. die Auswirkungen und
Einflüsse auf die Umwelt der Gastorte größtmöglich minimieren. Positive Ergebnisse
im Bereich des Umweltschutzes, wie die Revitalisierung von Industriebrachen oder die
Einführung und Verbesserung von Umweltgesetzen, werden aber vorwiegend eher
durch den Druck von Umweltschutzorganisationen, als durch Regulierungen und
Strategien des IOCs erreicht. Dennoch konnten durch Maßnahmen, die das IOC
zusammen mit den Candidate and Organising Committees vor, während und nach den
Spielen durchführte, positive Auswirkungen hinsichtlich des Leitbilds Nachhaltige
Entwicklung erzielt werden (Olympic Movement 2007e). Für die genannte Förderung
der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategien ist die sogenannte Sport and Environment
Commission des IOCs zuständig, die im Jahr 1995 nach dem Centennial Congress von
Paris gegründet wurde. Die Aufgabe dieser Kommission ist die Erarbeitung der
Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategien des IOCs und die Unterweisung des IOCs in
Nachhaltigkeitsaspekten im Bezug auf Olympische Spiele (IOC 2007a: S.1).
3.2.4. IOC und United Nations Environment Programme: Awareness and
Education
Im Rahmen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie begann das IOC Mitte der 90er
Jahre verschiedene Programme und Aktivitäten zu initiieren, die die Wichtigkeit des
Themengebiets „Nachhaltige Entwicklung durch Sport“ fördern sollen. Diese Aktivitäten
werden auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene in Kooperation mit
verschiedensten Institutionen durchgeführt. Neben Sportorganisationen, wie den
International Sports Federations, den National Olympic Committees oder den
Organising Committees of the Olympic Games sind hier Umweltorganisationen, wie
das United Nations Environment Programme (UNEP) zu nennen (Olympic Movement
2007e). UNEP ist einer der wichtigsten Partner der Sports and Environment
Commission des IOCs im Bereich der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie. Seit der
Unterzeichung des Kooperationsabkommens (Cooperative Agreement) zur
Einbeziehung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen bei Olympischen Spielen im
Jahr 1994 arbeiten UNEP und das IOC zusammen (UNEP 2007a). Diese
Zusammenarbeit erfolgt innerhalb des UNEP Sport and Environment Programme
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
94
(UNEP 2007b) und beinhaltet neben der Erstellung von Informationsmaterialien, wie
z.B. der Agenda 21 for Sports and Environment (siehe Kapitel 3.3.1), die Organisation
von regionalen Konferenzen, wie z.B. der World Conference on Sport and Environment
(letzte Konferenzen: Torino 2003, Nairobi 2005 und Beijing 2007) (IOC 2007a: S.1f).
Zur Förderung des Olympischen Erbes nach den Spielen kooperiert UNEP auch mit
den Organisationskomitees der Olympischen Austragungsorte, die auf Forderung des
IOCs bereits bei der Kandidatur ein umfassendes Umweltprogramm vorlegen müssen,
und berät diese hinsichtlich von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten. Zu nennen sind
hier die Organisationskomitees von Athen 2004, Turin 2006, Beijing 2008, Vancouver
2010, London 2012 oder Socchi 2014 (UNEP 2007a). Zur Unterstützung bei
Umweltfragen und -planungen und zur besseren Zusammenarbeit mit
Umweltschutzverbänden schließt UNEP spezielle Kooperationsverträge mit den
Olympiastädten ab. So unterzeichnete UNEP mit dem Beijing Olympic Committee of
the Olympic Games (BOCOG) im Jahr 2005 und mit dem Vancouver 2010 Olympic
Games Organizing Committee (VANOC) ein Memorandum of Understanding (MoU),
d.h. eine Absichtserklärung zum Schutz der Umwelt (UNEP 2007a).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
95
3.3. Ansätze und Methoden der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des
IOCs
"The IOC takes measures to promote a positive legacy from the Olympic
Games to the host city and the host country, including a reasonable control
of the size and cost of the Olympic Games."
(International Olympic Committee 2003a: S.5)
Im Rahmen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des Olympic Movements wurden
vom IOC in den letzten Jahren verschiedene Studien und Veröffentlichungen
durchgeführt. Diese werden im Folgenden aufgezeigt und hinsichtlich ihrer
Einsetzbarkeit für den Olympischen Sportstättenbau erläutert. Im Vordergrund der
Analyse steht, ob diese Studien reine Handlungsempfehlungen darstellen oder als
Werkzeuge des IOCs zukünftig verpflichtend für Olympische Spiele und deren
Baumaßnahmen eingesetzt werden sollten und somit tatsächliche Instrumente für
nachhaltige Olympische Sportstätten darstellen könnten.
3.3.1. Olympic Movement’s Agenda 21
Basierend auf dem Model der Agenda 21, die vom United Nations Conference on
Environment and Development (UNCED) auf dem Earth Summit in Rio de Janeiro
1992 verabschiedet wurde (siehe Kapitel 4.1.1), entwickelte das Olympic Movement
eine eigene Agenda 21, d.h. ein Werkzeug zur Förderung der nachhaltigen
Entwicklung auf internationaler Ebene durch den Sport (International Olympic
Committee 2007a: S.1). Diese Agenda 21 wurde vom Olympic Movement im Jahr 1999
auf der IOC Session in Seoul beschlossen und auf der World Conference on Sport and
the Environment in Rio de Janeiro im Oktober 1999 verabschiedet. Aus dieser Sitzung
ging das sogenannte „Rio-Statement“ hervor, das den Aktionskurs für die Umsetzung
der Agenda 21 im Rahmen der Olympischen Bewegung vorgab. Eine Arbeitsgruppe,
bestehend aus Experten von UNEP und dem IOC, setzte diese Leitlinien in die
sogenannte Olympic Movement’s Agenda 21 - Sports for Sustainable Development um
(International Olympic Committee 1999a: S.8). Die Teilnahme von international
bedeutenden Umweltorganisationen (UNEP, WWF, Greenpeace etc.) bei der
Verankerung der Agenda 21 auf der IOC World Conference on Sport and the
Environment in Rio de Janeiro unterstrich die Wichtigkeit der Entwicklung der Olympic
Movement’s Agenda 21 als zukünftige Basis für weitere Nachhaltigkeitsstrategien der
Olympischen Bewegung (International Olympic Committee 1999a: S.46).
Die Agenda 21 demonstriert die Verpflichtung des Olympic Movements zum Schutz der
Umwelt und der nachhaltigen Entwicklung und stellt ein Aktionsprogramm dar, das die
Verantwortung der Mitglieder der Olympischen Bewegung vom Breiten- bis zum
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
96
Spitzensport beschreibt, d.h. die aktive Mitwirkung an der nachhaltigen Entwicklung auf
internationaler Ebene (International Olympic Committee 1999a: S.13). Um die Ziele der
Agenda 21 umzusetzen, hat das Olympic Movement für alle Mitglieder einen
Aktionsplan zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Entwicklung herausgebracht
(International Olympic Committee 1999a: S.23). Im Vordergrund stehen die
Verbesserung der sozial-ökonomischen Bedingungen, die Stärkung von
benachteiligten Randgruppen und die Erhaltung und das Management von Ressourcen
im Bereich des Sports. Hierzu werden verschiedene Kriterien aufgeführt, die sich
speziell den Aspekten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsarbeit des IOCs widmen.
Hierbei steht die Förderung der nachhaltigen Durchführung der Olympischen Spiele im
Vordergrund. Die Thematik des ökologischen, ökonomischen und sozialen
olympischen Sportstättenbaus wird in der Agenda 21 nur am Rande betrachtet
(International Olympic Committee 1999a: S.23). Auch stellt die Olympic Movement’s
Agenda 21 kein verpflichtendes Werkzeug für die Olympische Austragungsorte und
deren Baumaßnahmen dar, sondern nur eine reine Handlungsempfehlung des IOCs.
Dies verdeutlicht erneut die Problematik, die der Aufgabenstellung zugrunde liegt: denn
reine Handlungsempfehlungen, d.h. Kriterien, die nicht gesetzlich verpflichtend sind,
können keine Garantie für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten bei den
Olympischen Spielen und deren Baumaßnahmen darstellen.
3.3.2. IOC Manual on Sport and the Environment
Im Gegensatz zum theoretischen Kriterienkatalog der Olympic Movement’s Agenda 21
ist das IOC Manual on Sport and Environment eine praktische Umsetzung und
Weiterentwicklung der Agenda 21. Die erste Veröffentlichung dieses Handbuchs aus
dem Jahr 1997 wurde 2005 neu überarbeitet und soll eine Arbeitshilfe für alle
Mitglieder des Olympic Movements bieten - von den Sportverbänden, über die Vereine
bis hin zu den Sportlern (International Olympic Committee 2005a). Der Leitfaden ist
das Ergebnis einer Zusammenarbeit verschiedenster Institutionen und Personen, wie
der IOC Sport and Environment Commission, UNEP, Swiss Federal Institute of
Technology, Lausanne etc. (International Olympic Committee 2005a: S. 4).
Mit der Einführung des Umweltparagraphen in die Olympische Charter verpflichtete
sich das IOC die Olympischen Spiele und somit auch die Baumaßnahmen so
durchzuführen, dass diese ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt der
Austragungsorte demonstrieren. Bei der Entwicklung des Handbuchs wurden daher
kulturelle, historische, geographische, politische und ökonomische Spezifitäten ebenso
berücksichtigt, wie Praxisbeispiele und Aktionen von Natur- und
Umweltschutzverbänden (International Olympic Committee 2005a: S. 5ff.). Neben der
Darstellung der Ziele der IOC Strategie für nachhaltige Entwicklung, widmet sich das
Handbuch speziell Themengebieten des Bereichs Sport und Umwelt und stellt
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
97
Empfehlungen und konkrete Vorschläge für Umweltaktionen dar. Diese sollten von
Sportlern und Sportorganisationen sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport
praktisch umgesetzt werden.
Ebenso wie die Olympic Movement’s Agenda 21 ist das IOC Manual on Sport and
Environment jedoch kein verpflichtender Kriterienkatalog, sondern beschreibt als
freiwillige Empfehlung vorwiegend das Themengebiet „Sport und Umwelt“ und die
ökologische und nachhaltige Umsetzung von Sportgroßveranstaltungen. Leitlinien und
Spezifizierungen zum Thema „Nachhaltiger Sportstättenbau“ sind im Handbuch nicht
aufgeführt (International Olympic Committee 2005a: S. 5ff.). Somit stellt der Leitfaden
kein praktisches Werkzeug für den nachhaltigen olympischen Sportstättenbau dar.
3.3.3. IOC Guide on Sport and Environment
Die Olympische Bewegung muß Verantwortung für die Thematik des Umweltschutzes
und der nachhaltigen Entwicklung im Bereich des Sports übernehmen. Sie soll
gewährleisten, dass gegenwärtige und zukünftige Generationen weiterhin weltweit
unter gleichbleibenden sozial-ökonomischen, gesunden und natürlichen Bedingungen
Sport betreiben können. In den letzten Jahren wurden deshalb zahlreiche Konferenzen
und Seminare auf internationaler und regionaler Ebene zum Thema Sport und Umwelt
durchgeführt. Einstimmiges Ergebnis dieser Veranstaltungen war die Forderung nach
einem umfassenden Leitfaden, der die Empfehlungen der Olympic Movement’s
Agenda 21 und des IOC Manual on Sport and Environment in konkrete Programme
und Aktionen umformt und den Mitgliedern der Olympischen Familie als Arbeitshilfe zur
Verfügung gestellt wird.
Dieser Aufforderung folgend wurde im Jahr 2007 der IOC Guide on Sport and
Environment unter dem Motto „Think global and act local“ erstellt. Hierbei wurden die
Einflüsse und die Auswirkungen der in den Bereich Sport involvierten Parteien (speziell
Olympische Sportarten) auf die Natur untersucht und methodische und praktische
Lösungsansätze für den Breiten- und Spitzensport entwickelt. Diese beruhen auf den
Grundprinzipien der nachhaltigen Entwicklung (International Olympic Committee
2006c: S.5f.). Das Handbuch setzt sich mit den verschiedenen olympischen Sportarten
und den unterschiedlichen Gebieten der Sportorganisation (Athleten, Vereine,
Verbände, Organisatoren von Sportevents, Planern und Managern von Sportstätten,
Medien etc.) auseinander. Es soll die Sportgemeinschaften anregen, eine
verantwortungsbewusste Haltung zu den Themen des Umweltschutzes und der
nachhaltigen Entwicklung im Bezug auf die Sportpraxis einzunehmen (International
Olympic Committee 2006c: S.5).
Inhaltlich beschäftigt sich das Handbuch überwiegend mit dem Management von
Sportorganisationen im Bezug auf eine ökologische, ökonomische und sozio-kulturelle
Durchführung von olympischen Sportarten. Dennoch werden hier im Gegensatz zur
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
98
Olympic Movement’s Agenda 21 und dem IOC Manual on Sport and Environment
erstmals Handlungsansätze zur Thematik des nachhaltigen Olympischen
Sportstättenbaus aufgeführt, wenn auch nur im geringen Umfang (International
Olympic Committee 2006c: S.57ff.).
Des Weiteren ist zu erwähnen, dass der IOC Guide on Sport and Environment
ebenfalls nur eine Handlungsempfehlung, jedoch keine Vorschrift für Maßnahmen im
Sinne des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit im Bereich des Sports darstellt. Die
praktische Umsetzung erfolgt nach Belieben der Organisatoren und Sportverbände.
Der IOC Leitfaden ist folglich keine Gewährleistung für ein zukunftsfähiges
Management bei Verbänden und für eine nachhaltige Umsetzung von Olympischen
Spielen und deren Wettkampfbauten. Dennoch stellt dieses Handbuch eine erste
Aufforderung dar, die Thematik des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit bei
gleichzeitiger Berücksichtigung von lokalen, geographischen, sozial-ökonomischen,
kulturellen und sportlichen Bedingungen im Bereich des Sports zu etablieren.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
99
3.4. Environmental Requirements for Bidding and Host Cities“ für
Olympische Sportbauten
Olympische Spiele sind nicht nur Sportwettkämpfe. Jede Austragung stellt ein Mega-
Event dar, das zehntausende Athleten und Besucher in einem relativ kurzen Zeitraum
(Wettkampfzeitraum: Olympische Spiele - 16 Tage; Paralympische Spiele - 12 Tage)
an einem bestimmten Austragungsort zusammenführt. Um dies logistisch zu realisieren
und geeignete Wettkampfbedingungen zu garantieren, sind im Vorfeld zahlreiche
Organisations- und Planungsarbeiten durchzuführen. Diese können bei einer
effizienten Planung durchaus förderlich für die Infrastruktur des Austragungsort sein:
New sports venues must be built, restored or expanded. And the area’s infrastructure
– from highways to airports to waste management systems to power supplies – is often
enhanced” (Olympic Movement 2007b: S. 39). Solche Planungsarbeiten für
Olympische Spiele beschleunigen die Stadtentwicklung um Jahrzehnte (siehe
Olympische Spiele München 1972 oder Barcelona 1992). Eine derart schnelle
Entwicklung von zahlreichen Großbauprojekten in einem engen Zeitrahmen (hier ca.
sechs bis acht Jahre) ruft jedoch zahlreiche negative Auswirkungen auf die Umwelt
(„wreak havoc on the environment“) und auf die Bewohner des Austragungsortes
hervor (Olympic Movement 2007b: S. 40). Im Folgenden wird daher überprüft, ob die
hier aufgeführten verpflichtenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsauflagen des IOCs im
Gegensatz zu den freiwilligen Instrumenten, die im letzten Kapitel dargestellt wurden,
zu einer Verringerung der zusätzlichen Umweltbelastungen durch Olympische Spiele
und deren Baumaßnahmen beitragen können.
Die vorhergehenden Kapitel zeigten, dass heutzutage sowohl das IOC als auch einige
Organising Committees in den letzten Jahren verantwortungsbewusster und
vorausschauender bei der Planung und Durchführung von Olympischen Spielen
handeln als noch vor einigen Jahren (Olympic Movement 2007b: S. 39). Neben den
genannten Handlungsempfehlungen, wie der Olympic Movement’s Agenda 21, dem
IOC Manual on Sport and Environment und dem IOC Guide on Sport and Environment,
legte das IOC mit dem „Applicant and Candidate City procedure and questionnaire“
verpflichtende Richtlinien für den Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt fest (Olympic
Movement 2007b: S. 39). Unter dem Motto “Games that respect the Environment
(siehe Kapitel 3.4.1) beabsichtigt das IOC bereits in der Bewerbungsphase
abzusichern, dass die Olympischen Spiele unter Konditionen abgehalten werden, die
Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt zeigen (International Olympic Committee
2007a: S.2). Dieser Entwicklung dienen auch die fünf Säulen (siehe Kapitel 3.4.2) des
Olympic Games Management: die Olympic Games Study, der Transfer of Knowledge,
die Olympic Games Impact Study, der Review of the Olympic Games und der Audit
and Masterplan (International Olympic Committee 2006a: S.1).
Welche Ziele das IOC hierbei verfolgt, welche Parteien involviert sind und welche
Richtlinien hierfür seitens des Olympic Movements vorgeschrieben werden, wird in den
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
100
folgenden Kapiteln erläutert. Im Rahmen der Analyse wird herausgearbeitet, ob die
aufgeführten Umwelt- und Nachhaltigkeitsinstrumente zielführend für eine nachhaltige
Umsetzung von Olympischen Sportstätten eingesetzt werden können und ein
zukünftiges Potential für den ökologischen, ökonomischen und sozialen Olympischen
Sportstättenbau darstellen oder ob seitens des IOCs weiterer Handlungsbedarf zur
Umsetzung von nachhaltigen Olympischen Spielen erforderlich ist.
3.4.1. Kandidaturprozess: Games that respect the environment”
Um zu gewährleisten, dass Olympische Spiele umweltbewusst durchgeführt werden,
kooperiert das IOC bereits im Vorfeld mit den Bewerbungs- und
Organisationskomittees (OCOGs) und öffentlichen und privaten
Umweltschutzorganisationen. Hierzu gibt das IOC bei der Bewerbung für die
Olympischen Spiele im sogenannten „Applicant and Candidate City procedure and
questionnaire“ verpflichtende Umwelt- und Nachhaltigkeitsprinzipien vor (siehe Kapitel
3.4.1.2). Diese Richtlinien gilt es bereits bei der Bewerbung zu berücksichtigen, um
bereits in der Konzeptphase die Basis für eine nachhaltige Umsetzung der
Olympischen Spielen und deren Baumaßnahmen zu gewährleisten (International
Olympic Committee 2007a: S.2). Die folgenden Kapitel dienen der Darstellung dieser
IOC Richtlinien für den Kandidaturprozess und der Überprüfung der Einsetzbarkeit
dieser Vorgaben für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau.
3.4.1.1. Ablauf der Bewerbung für die Olympischen Spiele
Olympische Sportstätten stellen einen wichtigen Bestandteil der Olympischen
Konzepte dar. Im Rahmen einer nachhaltigen Planung und Durchführung von
Olympischen Spielen ist deshalb zu beachten, dass die Bewerberstädte ein klares
Verständnis von der Planung, der Konstruktion, der Belegung, der Abnahme bis hin zur
Nachnutzung der Olympischen Wettkampfstätten haben. Das IOC hat hierfür im
Rahmen des Kandidaturprozesses (Host City Election Procedure) verpflichtende
Richtlinien und Regeln für die Bewerberstädte aufgestellt. Diese sind im Candidature
Acceptance Procedure for Applicant Cities und im Candidature Procedure for
Candidate Cities and Questionaires (siehe Kapitel 3.4.1.2) aufgeführt und werden vom
IOC ständig aktualisiert (Olympic Movement 2007f).
Die Bewerbung einer Stadt für die Austragung von Olympischen Spielen erfordert
neben erheblichen finanziellen Mitteln (Bewerbungskosten für die Spiele von
Vancouver 2010: 26 Millionen Euro/ 34 Millionen Kanadische Dollar) eine hohe
Planungsintensität (B.C. Government 2007). Diese hat den Regeln des Internationalen
Olympischen Komitees zu folgen. Im Vordergrund der Host City Selection standen in
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
101
den letzten Jahren jedoch mehr die erfolgversprechenden Durchführungen der
Sportgroßveranstaltung und die finanziellen Aspekte, als ein nachhaltiges Olympisches
Erbe.
The stages of an Olympic Candidature, Olympic Bid 2012
15 July 2003
Names of the Applicant Cities sent by the NOCs
15 January 2004
Applicant Cities to reply to IOC questionnaire
15 January – March 2004
Examination of replies by IOC and experts
18 May 2004
Acceptance of Candidate Cities by the IOC Executive Board
18 May - 15 November 2004
Preparation of Candidature Files by the Candidate Cities
15 November 2004
Receipt of Candidature Files at the IOC
15 November 2004 – end January 2005
Analysis of Candidature Files
3 February - 17 March 2005
Visit of the Evaluation Commission to the 5 Candidate Cities
No later than one month before the opening of the 117th Session
Dispatch of Evaluation Commission report to IOC members and report made public
6 July 2005
Presentation by the Cities before the 117th Session, report by the Evaluation Commission and election
of the host city for the 2012 Games
Abbildung 20: Prozess der Bewerbung für die Austragung von Olympischen Spielen am
Beispiel der Bewerbung für die Olympischen Spiele im Jahr 2012
(verändert nach Olympic Movement 2007h)
Infolge des IOC-Bestechungsskandals bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele
2002 nach Salt Lake City (Kammertöns, H.-B. et S. Willeke 1999), brachte das IOC im
Dezember 1999 Richtlinien für den Bewerbungsprozess der Austragung von
Olympischen Sommer- und Winterspielen heraus (Olympic Movement 2007g). Dieser
zweijährige Candidature Procedure ist in der Olympischen Charter verankert (Chapter
5, Rule 34 and its bye-law) und gliedert sich in zwei Phasen (siehe auch International
Olympic Committee 2004b und 2007b):
1. Phase: Applicant Cities - Candidature Acceptance Procedure
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
102
Beantwortung des IOC Questionnaires (Fragenkatalog) durch die Applicant Cities
(Bewerberstädte) und Auswertung der Unterlagen durch die IOC Candidature
Acceptance Working Group (IOC Arbeitsgruppe) - Ernennung der Candidate Cities
(Bewerberstädte)
2. Phase: Candidate Cities - Candidature Procedure
Erstellung des Candidature Files (Bewerbungsdokument) durch die Candidate Cities
(Bewerberstädte) und Auswertung der Unterlagen durch die IOC Evaluation
Commission (IOC Evaluationskommission) - Ernennung der Host City (Austragungsort)
Der Bewerbungsprozess erfolgt nach einem vorgegebenen Schema. Dieses ist
beispielhaft an der Olympiabewerbung für die Spiele 2012 in Abbildung 20 aufgeführt.
Der eigentliche durch das IOC vorgegebene Bewerbungsprozess dauert ca. zwei
Jahre, beginnt aber meist Jahre drei bis vier Jahre vor den Bewerbungsfristen des
Internationalen Olympischen Komitees. Nach Bekanntgabe der offiziellen
Bewerberstädte (Applicant Cities) durch die nationalen Olympischen Komitees (NOCs),
muss im Rahmen des Candidature Acceptance Procedure von den sogenannten
Applicant Cities ein erster Fragenkatalog (First Questionnaire) beantwortet, d.h. ein
erstes Bewerbungskonzept erarbeitet werden. Diese Phase der Bewerbung, die etwa
10 Monate andauert, bietet dem IOC eine erste Übersicht über die bestehende
Ausgangssituation der Bewerberstädte und über die erforderlichen
Planungsmaßnahmen und Aktivitäten. Nach Auswertung des Bewerbungskonzepts
(Questionnaire Response) durch eine Arbeitsgruppe des IOCs (IOC Candidature
Acceptance Working Group), bestehend aus Mitgliedern der IOC Administration und
externen Experten, werden vom IOC Executive Board maximal fünf Bewerberstädte
ausgewählt, die in die zweite Phase des Bewerbungsprozesses (Candidate Procedure)
kommen (Olympic Movement 2007g). Diese sogenannten Candidate Cities bewerben
sich nun mit einem wesentlich detaillierterem Bewerbungskonzept (Bid Book oder
Candidate File) (siehe Candidate File London 2012) (Olympic Movement 2007h). Die
im Candidate File anzugebenden Daten und Fakten der Bewerberstädte sind im
Candidature Procedure for Candidate Cities and Questionnaire (siehe Kapitel 3.4.1.2)
des IOC vorgegeben. Nach Eingang und Auswertung des Candidate Files durch das
IOC und den „Technical Visits“ der Candidate Cities (Visite der Bewerberstädte durch
das IOC), wird von der Evaluation Commission (Evaluierungskommission: Mitglieder
des IOCs, der NOCs, der International Federations, der IOC Athletes' Commission und
des International Paralympic Committee, ebenso wie externe Experten) des IOC ein
Bericht zu den Bewerbungssituationen der Candidate Cities erstellt. Diesem Bericht
und einer erneuten Präsentation der Bewerbung durch die Candidate Cities folgt auf
der Sitzung des IOCs die Wahl des Austragungsortes (Olympic Movement 2007h).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
103
3.4.1.2. IOC-Anforderungskatalog: Candidature Procedure and
Questionnaire”
Sowohl die Applicant Cities, als auch die Candidate Cities haben im Rahmen des
Bewerbungsprozesses ein Bewerbungskonzept, d.h. einen Candidate File, zu
erstellen, das die vom IOC aufgestellten Richtlinien und Handlungsempfehlungen
umsetzt und die Konzeptidee des jeweiligen Austragungsortes für die Olympischen
Spiele widerspiegelt. Hierfür veröffentlichte das IOC einen Anforderungskatalog, den
sogenannten Candidature Procedure and Questionnaire for Applicant and Candidate
Cities, aus dem konkrete Abläufe, Anforderungen und Handlungsempfehlungen für
Bewerberstädte hervorgehen (International Olympic Committee 2006a: S.19). Während
der Fragenkatalog für die erste Bewerbungsphase, der Candidature Acceptance
Procedure and Questionnaire for Applicant Cities, nur wenige Rahmenbedingungen für
die Planung von Olympischen Spielen und deren Sportstätten vorgibt, stellt die
Anforderungsliste der zweiten Bewerbungsphase, der Candidature Procedure and
Questionnaire for Candidate Cities, konkrete Vorgaben für die Planung der
Olympischen Spiele und deren Wettkampfstätten dar. Der Anforderungskatalog enthält
einen detaillierten Fragebogen, der zum einen die Struktur des Candidature Files und
zum anderen die Anforderungen des IOCs an die Austragungsorte und deren
Baumaßnahmen definiert (International Olympic Committee 2006a: S.19). Die
Ansprüche des Bewerbungsdokuments werden hierbei wie folgt beschrieben
(International Olympic Committee 2006a: S.65): „In the candidature phase of the bid
process, Candidate Cities are required to present their city’s blueprint for organising the
Olympic Games in the form of the Candidature File.
Inhaltlich gibt der Candidature Procedure and Questionnaire keine konkreten
Richtlinien für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau vor, sondern beschreibt
lediglich die Gesamtanforderungen für das Olympische Planungskonzept und deren
Baumaßnahmen. Im Bezug auf detaillierte Kriterien und Vorschriften für die Spiele und
den Olympischen Sportstättenbau wird auf Zusatzdokumente des IOCs verwiesen, wie
z.B. auf die Technischen Handbücher (Technical Manuals) (siehe Kapitel 3.4.1.3).
Generelle Handlungsansätze für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau sind
in den Kapiteln „Konzept und Erbe der Olympischen Spiele“ (Kapitel 1), „Umwelt und
Meteorologie“ (Kapitel 5), „Sport und Wettkampfstätten“ (Kapitel 8) und „Transport“
(Kapitel 14) aufgeführt. Als wichtigste Anforderung an den nachhaltigen Olympischen
Sportstättenbau kann folgende verpflichtende Richtlinie des Kapitel 8 „Sport und
Wettkampfstätten“ angesehen werden: „Carry out initial environmental impact
assessments for all venues, competition venues, IBC and MPC, Olympic Village(s) and
interconnecting Olympic infrastructure“ (International Olympic Committee 2006a: S.
138). Die Einführung dieser Richtlinie, die bei allen Olympischen Sportstätten eine
Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsbewertung von den Austragungsorten fordert, stellt eine
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
104
bedeutende Entwicklung hin zum nachhaltigen Sportstättenbau dar und wird daher im
Kapitel 5 detaillierter betrachtet.
3.4.1.3. Technische Handbücher des IOCs: Technical Manuals”
In den Technischen Handbüchern des IOCs sind die Grundlagen und Richtlinien für
den Olympischen Wettkampfstättenbau aufgeführt (z.B. Technical Manual on Venues
and on Sport) (International Olympic Committee 2006a: S.131). Diese werden im
Rahmen der Bewerbung an die Bewerberstädte herausgegeben. Hervorzuheben ist
hierbei, dass die in den Technical Manuals aufgeführten Vorgaben ein verpflichtender
Bestandteil des Host City Contracts sind und bei Zusage für die Olympischen Spiele
vertraglich zwischen dem IOC, dem Olympischen Austragungsort und dem jeweiligen
NOC festgelegt werden (siehe auch Olympic Charter 2007, Bye-law to Rule 34)
(International Olympic Committee 2005e: S.17). Nach Olympischen Spielen wird stets
eine neue Version der Technischen Handbücher mit aktualisierten Daten erstellt, da
diese den Änderungen der Regeln der Internationalen Sportverbände (IFs) unterliegen
(International Olympic Committee 2006a: S.10). Für die Organisation, Planung und
Durchführung von Olympischen Spielen hat das IOC mittlerweile verschiedene
technische Vorschriften von den Infrastrukturrichtlinien bis hin zu den Regelungen für
Medien und Broadcasting herausgegeben (International Olympic Committee 2006a:
S.6). Im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen zur Thematik des nachhaltigen
Olympischen Sportstättenbaus werden hierbei die Richtlinien und Ausführungen des
Technical Manual on Venues – Design Standards for Competition Venues“ detaillierter
betrachtet. Das Technische Handbuch für die Olympischen Sportstätten weist
Planungsrichtlinien des Olympischen Wettkampfstättenbaus für Bewerberstädte und
aktuellen Organisationskomitees auf (International Olympic Committee 2005e: S.17).
Hauptaufgabe des IOCs war es hierbei Standards und Richtlinien für die Olympischen
Sportbauten zu definieren, wobei die Vermeidung von überdimensionierten
Sportstätten, d.h. von „over-building, over-servicing and over-spending venues” im
Vordergrund steht (International Olympic Committee 2005e: S.18). Die
Entwurfsrichtlinien für die Olympischen Sportstätten wurden vom IOC zusammen mit
den International Sport Federations (IFs), dem International Paralympic Committee
(IPC) und Sportstättenentwicklern und -planern ehemaliger OCOGs entwickelt. Das
Technische Handbuch des IOCs für die Wettkampfstätten erläutert vor allem
grundlegende Planungsprinzipien (Venue Planning Principles) für das Design der
Wettkampfstätten der Olympischen Sommer- und Winterspiele und beinhaltet eine
Planungsmatrix (Venue Design Standard Matrices) für die benötigten Sportbauten
(International Olympic Committee 2005e: S.20). Während Sicherheitsaspekte (Safety
of the Venue) oder Leitlinien für die Infrastruktur (Venue Area Concept) umfassend
dargestellt und beschrieben werden, sind Nachhaltigkeitsrichtlinien für den
Olympischen Sportstättenbau bislang nur unzureichend vorgegeben (Venues for
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
105
Sustainable Development). (International Olympic Committee 2005e: S.27). Auch sind
die Technischen Handbücher für Planer und Architekten nicht frei verfügbar und
werden bislang nur den Bewerberstädten und Austragungsorten direkt durch das IOC
zur Verfügung gestellt. Diese Nicht-Verfügbarkeit der Handbücher und der Mangel an
detaillierten Leitlinien für nachhaltige und energieeffiziente Olympische Sportstätten
steht einer Umsetzung von ökologischen, ökonomischen und sozialen
Wettkampfbauten bislang im Wege.
3.4.1.4. Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten: Auswahlkriterium
des Olympischen Bewerbungsprozesses?
Für die Ernennung der Bewerberstädte (Candidate Cities) und die Auswahl des
Austragungsortes (Host City) setzt das IOC verschiedene Arbeitsgruppen ein, die die
Kandidaturunterlagen der Bewerberstädte für die Olympischen Spiele nach
vorgegebenen Kriterien auswerten:
IOC Candidature Acceptance Working Group (Candidate Cities): IOC
Arbeitsgruppe
IOC Evaluation Commission (Host City): IOC Evaluierungskommission.
Während die IOC Working Group für die Bewertung der Applicant Cities in der ersten
Phase des Bewerbungsprozesses zuständig ist, analysiert die IOC Evaluation
Commission die Bewerbungskonzepte der Candidate Cities in der zweiten Phase des
Bewerbungsprozesses (International Olympic Committee 2004c: S.6).
Kriterien der ersten Bewerbungsphase:
Die Arbeitsgruppe der ersten Bewerbungsphase (IOC Candidature Acceptance
Working Group), setzt sich aus Mitgliedern des IOCs, der Nationalen Olympischen
Komitees, den Internationalen Sportverbänden (IFs), ebenso wie aus Fachleuten
ehemaliger Organisationskomitees und externen Experten zusammen und bewertet
das Potential der Bewerberstädte (Applicant Cities) (Olympic Movement 2007g). Die
Auswertung erfolgt anhand von technischen Daten und Fakten über die Applicant
Cities, mit Hilfe des Fachwissens der Arbeitsgruppenmitglieder und durch
Expertenberichte. Die Arbeitsgruppe bezieht sich hierbei auf die Ziele, Empfehlungen
und Handlungsanweisungen der IOC Olympic Games Study Commission (siehe
Kapitel 3.4.2) (International Olympic Committee 2004c: S.9). Die Bewerbungskonzepte
der Applicant Cities werden nach elf technischen Kriterien mit unterschiedlicher
Gewichtung (von 1 bis 5) analysiert (International Olympic Committee 2004c: S.8).
Neben der Infrastruktur (Gewichtung: 5) und den Unterkünften (Gewichtung: 5), stellen
die Wettkampfstätten mit einer Gewichtung von vier Punkten ein wichtiges, aber nicht
ausschlaggebendes Auswahlkriterium der ersten Phase des Bewerbungsprozesses
dar. Hierbei werden die Olympischen Sportbauten nach folgenden Unterkriterien und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
106
Gewichtungsfaktoren bewertet: bestehende Sportbauten, geplante und zusätzliche
Wettkampfstätten, Sportkonzept und Nachnutzung (International Olympic Committee
2004c: S.35). Die Umweltbelastungen von Olympischen Spielen werden zwar bei der
Bewertung berücksichtigt, stellen jedoch mit zwei Gewichtungspunkten kein
bedeutendes Bewertungskriterium dieses ersten Bewerbungsprozesses dar. Die
Umweltbewertung reflektiert die Ausgangsbedingungen der Bewerberstadt, die durch
die Olympischen Spiele und deren Baumaßnahmen zusätzlich entstehenden
Umweltbelastungen, wie Flächen- oder Ressourcenverbrauch, und die geplanten
Kompensationsmaßnahmen der Spiele (International Olympic Committee 2004c: S.51).
Kriterien der zweiten Bewerbungsphase:
Nach Auswahl der Applicant Cities als Candidate City startet die zweite
Bewerbungsphase. Hierzu ernennt das IOC für die Evaluation der
Bewerbungsunterlagen der Candidate Cities eine neue Kommission, die sogenannte
Evaluation Commission. Die Aufgabe dieser Kommission stellt die technische
Auswertung der fünf Bewerberstädte und die Auswahl des zukünftigen
Austragungsorts (Host City) dar. Die Kommission setzt sich, wie die IOC Candidature
Acceptance Working Group, aus Vertretern der Olympischen Bewegung (IOC, IFs,
NOCs, Athleten, Organisatoren früherer Olympischer Spiele) und externen Experten
(Sicherheit, Transport, Umwelt usw.) zusammen (International Olympic Committee
2005c: S.5) (siehe auch Olympic Charter Bye-law to Rule 34). Die Candidate Cities
werden jeweils nach dem gleichen Bewertungsschema analysiert. Die Bewertung der
von den Bewerberstädten vorgelegten Konzepte resultiert nicht mehr wie bei den
Applicant Cities aus elf Teilaspekten, sondern wird auf 17 Themengebiete ausgeweitet.
Diese sind im Candidature Procedure and Questionnaire vorgegeben (siehe Kapitel
3.4.1.2). Neben der Faktenanalyse stehen auch regelmäßige technische Visiten der
Bewerberstädte durch die Evaluierungskommission auf dem Programm. Am Ende der
Bewerbungsphase erstellt die Kommission einen Abschlußbericht, der allen
Entscheidungsträgern vor der Wahl der Host City vorgelegt wird. Neben Punkten wie
„Konzept der Olympischen Spiele und Erbe“, „Sport und Wettkampfstätten“, „Transport“
usw., wird das Umweltkonzept der Spiele als gleichberechtigter Part („Environment and
meteorology“) aufgeführt und bewertet (International Olympic Committee 2005c: S.6).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Integration der Thematik „Umwelt“ in den
Olympischen Bewerbungsprozess einen bedeutenden Fortschritt hin zu möglichen
nachhaltigen Spielen darstellt. Dennoch ist das genannte Themenfeld in keinem der
beiden Bewerbungsphasen ein ausschlaggebendes Auswahlkriterium für die Wahl als
Austragungsort. Um die Thematik des nachhaltigen Sportstättenbaus jedoch zukünftig
zu fördern und die zusätzlichen Umweltbelastungen der Spiele weitestgehend zu
minimieren, ist es unbedingt nötig, sowohl die Konzeption der Olympischen
Sportbauten, als auch die Umweltplanung der Spiele und deren Baumaßnamen
wesentlich stärker als bisher innerhalb des Bewerbungprozesses zu gewichten. Erst
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
107
durch diese Maßnahme kann eine nachhaltige Planung von Olympischen
Wettkampfstätten von Anfang an gewährleistet werden.
3.4.2. Werkzeuge des IOCs für die nachhaltige Qualität von Olympischen
Sportbauten
Das Motto „Games that respect the environment” wird seitens des IOCs nicht nur für
den Bewerbungsprozess der Olympischen Spiele angewandt. Auch im Rahmen des
Managements und der Ausführung der Sommer- und Winterspiele wurden in den
letzten Jahren bei den Planungen und Durchführungen zahlreiche Änderungen
eingeführt, die der Förderung der nachhaltigen Entwicklung der Olympischen Spiele
und deren Baumaßnahmen dienen sollen. Einen wichtigen Bestandteil stellt die
Beteiligung des IOCs an den Vorbereitungen und Planungen der Spiele dar. Das IOC,
das zwar schon immer als der „Guardian“ (Wächter) der Spiele angesehen wurde, wirkt
heutzutage bei den Vorbereitungen mehr und mehr mit und steht den
Austragungsorten unterstützend zur Seite. Dies dient sowohl der Förderung der
Qualität und Attraktivität der Spiele, als auch deren Nachhaltigkeit. Diese Entwicklung
beruht auf den sogenannten „Fünf Säulen“ (Five Pillars) des Olympic Games
Management (Olympic Movement 2006a: S.1):
Olympic Games Study (Studie über Olympische Spiele)
Transfer of Knowledge (Wissenstransfer)
Global Impact of the Olympic Games (Globale Auswirkungen der Olympischen
Spiele)
Audit and Masterplan (Durchführungsplan)
Review of the Olympic Games (Nachprüfung der Spiele)
In den folgenden Kapiteln werden diese Themenfelder genauer erläutert. Es wird
analysiert, ob die hier genannten Werkzeuge des IOCs tatsächlich die nachhaltige
Gebäudequalität von Olympischen Sportbauten fördern oder ob diese ein reines
Marketing-Projekt darstellen. Im Rahmen der Untersuchungen wird nur auf die ersten
vier Punkte eingegangen, da diese sich auf die Inhalte des nachhaltigen olympischen
Sportstättenbaus beziehen. Der Punkt „Review of the Olympic Games”, d.h. die
Nachprüfung des Olympischen Sportprogramms nach den Spielen, fällt nicht in die
weitere Betrachtung, da hier die Analyse der Wettkampfergebnisse im Vordergrund
steht (Olympic Movement 2006a: S.1).
3.4.2.1. IOC-Studie über Olympische Spiele: Olympic Games Study
Hauptziel der Studie, die vom IOC vorrangig als Werkzeug bzw. Lösungsansatz zur
Verringerung der stetig anwachsenden Kosten, Größe und Komplexität des „biggest
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
108
sporting event in the world” gesehen wird, ist die Reduzierung der zunehmenden
Ausmaße und zusätzlichen Umweltbelastungen durch Olympische Spiele (International
Olympic Committee 2003a: S.6). Im Rahmen der Untersuchung wird die Olympic
Games Study daher in die Gruppe der Umwelt- und Nachhaltigkeitsinstrumente des
IOCs für den Olympischen Sportstättenbau eingegliedert. Die Olympic Games Study
berücksichtigt zudem die Erfahrungen zahlreicher Experten bei der Durchführung von
Olympischen Spielen, zeigt konkrete Beispiele, Zahlen und Fakten auf und stellt
Empfehlungen für zukünftige Olympische Spiele dar.
Zur Durchführung der Studie wurde im Jahr 2002 die “Olympic Games Study
Commission” gegründet, deren Aufgabe die Überprüfung der derzeitigen Ausmaße und
Kosten der Olympischen Spiele der letzten Jahre und die Definition eines
ganzheitlichen Lösungsansatzes zur Verringerung der Ausmaße der zukünftigen
Olympic Games war (International Olympic Committee 2003a: S.4). Die Kommission
der Olympic Games Study setzte sich aus Experten zusammen, die Erfahrungen mit
der Durchführung von Olympischen Spielen hatten, wie Mitgliedern des IOCs, der
Internationalen Sportverbände und der Nationalen Olympischen Komitees, ebenso wie
aus offiziellen Sponsoren der Olympischen Spiele und Medienvertretern (International
Olympic Committee 2003a: S.4ff.). Die endgültige Fassung der Olympic Games Study
veröffentlichte die Komission des IOCs im Jahr 2003 auf der 115. IOC Sitzung in Prag.
Die hier aufgeführten 117 praktischen Handlungsempfehlungen setzen sich zum einen
mit der internen Struktur des IOCs und zum anderen mit der Reduzierung und
Vereinfachung der Organisation der Spiele auseinander (International Olympic
Committee 2003a: S.13). Für die Ausführung der in der Studie genannten
Empfehlungen und deren Implementierung innerhalb des IOCs ist das IOC Olympic
Games Department zuständig (siehe Kapitel 3.1.) (International Olympic Committee
2003a: S.11ff.). Bereits bei ersten vorbereitenden Arbeiten wurden die grundsätzlichen
Schwierigkeiten erkennbar, die mit den Untersuchungen einhergingen. So gestalteten
sich Vergleiche zwischen den einzelnen Olympischen Spielen und Olympiastädten als
äußerst schwierig, da bei den bisherigen Spielen unterschiedlichste
Organisationsmodelle angewendet wurden und die kulturellen und historischen
Ausgangsbedingungen, als auch die politischen Gegebenheiten der Austragungsorte
sehr verschieden sind. Speziell die Gegenüberstellung finanzieller Aspekte, wie z.B.
der Kosten von Olympischen Spielen, war äußerst schwierig, da diese nicht einheitlich
ermittelt wurden und in Bezug auf die jeweilige Einbindung von öffentlichen und
privaten Investoren stark variieren (International Olympic Committee 2003a: S.6).
Die Handlungsansätze der Olympic Games Study strukturieren sich in fünf
Hauptthemen (International Olympic Committee 2006a: S.12):
Ausmaß und Dimension der Spiele
Wettkampfstätten und sonstige Olympische Baumaßnahmen
Management der Sportgroßveranstaltung
Anzahl der an den Spielen akkreditierten Personen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
109
Dienstleistungsniveau der Spiele
Dem Olympischen Wettkampfstättenbau widmete man ein eigenes Kapitel. Das Kapitel
Venues and Facilities“ beschäftigt sich mit der Reduzierung der Kosten bei
gleichzeitiger Maximierung der Nutzungsdauer der Wettkampf- und Trainingsanlagen.
Die effiziente Nutzung der Olympischen Sportstätten während und nach den Spielen
unter Beachtung der Anforderungen der Olympischen Familie (Athleten, Trainer usw.)
stand hierbei im Vordergrund (International Olympic Committee 2006a: S.12). Für den
Olympischen Sportstättenbau wurden 34 konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt,
die sich in folgende Aspekte gliedern (International Olympic Committee 2003a: S.23ff.):
Wettkampfstättenauswahl und -konstruktion
Tribünen
Betrieb der Sportbauten
Lounge der Olympischen Familie
sonstige Aspekte, wie z.B. Aussagen zu Sponsoren, Technikräumen etc.
Das IOC ist nun gefordert die Empfehlungen der Studie umzusetzen. Erstes Ziel war
hierbei eine 90 prozentige Umsetzung der Handlungsansätze bis zu den Spielen von
Peking 2008 und Vancouver 2010, ebenso wie die Implementierung aller Kriterien bis
zu den Olympischen Spielen von London 2012 (Olympic Movement 2006a: S.1). Ein
erster wichtiger Erfolg der Anwendung der genannten Empfehlungen der Olympic
Games Study stellte die Ergänzung des Aufgabengebiets des IOCs in der im Jahr 2007
in Kraft getretenen Olympic Charter dar. Der Aspekt der Förderung und des Schutzes
der Umwelt wurde um das Themengebiet Nachhaltigkeit erweitert, d.h. zukünftig sollen
nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Aspekte verstärkt bei
Olympischen Spielen im Vordergrund stehen, um den Austragungsorten ein
nachhaltiges Erbe zu garantieren (International Olympic Committee 2003a: S.5) (siehe
auch Kapitel 3.2.2). Weitere wichtige Schritte waren die Einführung der Empfehlungen
der Olympic Games Study Commission in den Kandidaturprozess und die
Überarbeitung bzw. die Neuauflage der Technischen Handbücher für die
Bewerberstädte (siehe Kapitel 3.4.1), d.h. die Integration von Richtlinien und
Vorschriften für die Planung und Umsetzung von Olympischer Sportinfrastruktur
(Olympic Movement 2006a: S.2). Ein bedeutender praktischer Erfolg der Studie
äußerte sich bei der Planung der Olympischen Spiele von Beijing 2008. Aufgrund der
hohen Anzahl der geplanten Wettkampfstätten im Rahmen des Bewerbungskonzepts,
mussten die Planungen auf Drängen des IOCs nach Erhalt der Zusage für die Spiele
überarbeitet werden (siehe Kapitel 4). Im Vordergrund stand die Reduzierung der
Wettkampfstätten und deren Standortwahl mit dem Ziel einer effizienteren
Nachnutzung und eines positiven Erbes für die Stadt Beijing (Olympic Movement
2006a: S.19). Die Einrichtung des Transfer of Knowledge (siehe Kapitel 3.4.2.2), der
den Wissenstransfer zwischen ehemaligen, aktuellen und zukünftigen
Organisationskomitees verstärken soll, stellt ein wichtiges Ergebnis der Olympic
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
110
Games Study Commission dar. Hierfür gründete das IOC den Olympic Games
Knowledge Service (OGKS) - „to provide services to Games organizers and other
major sporting event organizers“ (International Olympic Committee 2003a: S.19).
Die obigen Beispiele zeigen, dass die Olympic Games Study ein Instrument des IOCs
für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau darstellt, da konkrete Zahlen und
Richtlinien für Olympische Sportbauten aufgeführt werden. Das IOC legte im Rahmen
der Studie verpflichtende Regelungen für den Sportstättenbau fest, wie etwa die
Reduzierung der Wettkampfbauten bei den Olympischen Spielen von Peking oder die
Ergänzungen des Aufgabengebiets des IOCs im Bezug auf das Leitbild
„Nachhaltigkeit“ in der Olympic Charter. Zusammenfassend muss jedoch darauf
hingewiesen werden, dass der Olympische Sportstättenbau auch in dieser Studie nur
wieder einen geringen Teilaspekt ausmacht und die unterschiedlichen Rahmen- und
Ausgangsbedingungen der Olympischen Sportbauten einen generellen Vergleich
erschweren.
3.4.2.2. Wissenstransfer des IOCs: Transfer of Knowledge”
Der Transfer of Knowledge des IOCs, der den Wissenstransfer bei Olympischen
Spielen auf technischen Gebieten wie Akkreditierung, Wettkampfstätten, Marketing,
Transport, Sicherheit etc. gewährleisten soll, nimmt heutzutage ein zentrales Element
bei der Vorbereitung und Durchführung der Olympischen Spiele ein. Zukünftige
Austragungsorte sollen durch dieses Programm von den Erfahrungen ihrer Vorgänger
profitieren (Olympic Movement 2006a: S.1). Der Olympic Games Knowledge Services
(OGKS) wurde 1998 vom IOC initiiert und offiziell während der Spiele von Salt Lake
City im Jahr 2002 bekannt gegeben: “to streamline the Olympic Games and to ensure
that future Games organisers can apply successful practices to their own projects”.
(International Olympic Committee 2005d: S.14). Unter dem Namen Olympic Games
Knowledge Management (OGKM) wurde dieser Service im Jahr 2005 in das IOC’s
Olympic Games Department eingegliedert (Olympic Movement 2008).
Neben der Veranstaltung von Workshops und Seminaren und der Unterstützung des
persönlichen Erfahrungsaustauschs der Mitglieder der OCOGs, veröffentlicht das
OGKM Informationsmaterial, wie die Official Reports (offizielle Abschlussberichte) der
Olympischen Spiele, die Technischen Handbücher oder die Knowledge Reports
(Wissenstransferberichte). Die Olympic Games Knowledge Reports stellen hierbei
einen wichtigen Bestandteil des Programms dar. Sie beschreiben die praktischen
Erfahrungen vergangener Organisationskomitees im Bezug auf die gegebenen lokalen
Kontexte und Umweltbedingungen der Austragungsorte. Sie enthalten jedoch keine
Verpflichtungen oder Empfehlungen des IOCs (International Olympic Committee
2006a: S.9). Die aufgeführten Informationen stehen den OCOGs über ein Extranet des
IOCs zu Verfügung, über das die aktuellsten Informationen zwar von den
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
111
Organisationskomitees, aber nicht von der Öffentlichkeit abgerufen werden können
(Olympic Movement 2006a: S.1). Der Wissenstransfer im Bereich des Olympischen
Sportstättenbaus stellt die Hauptaufgabe des OGKM dar, wie etwa das Seminar
Olympic Venue Operation“ des OGKM im Jahr 2006 in Beijing zeigte. Der zweitägige
Kongress diente der Schulung der am Olympischen Sportstättenbau beteiligten
Mitglieder des Pekinger Organisationskomitees (BOCOG) und dem
Informationsaustausch zur Integration der Ausführung und Umsetzung der
Olympischen Wettkampfstätten im Rahmen des Pekinger Masterplans für die
Olympischen Spiele 2008. Das Seminar leiteten Experten des IOCs aus den Bereichen
Wissenstransfers „OGKM“ und „IOC Venue operation”, ebenso wie ehemalige Vertreter
des Organizing Committee of Athens 2004 (ATHOC) (BOCOG 2006). Weitere
Beispiele für den Transfer of Knowledge stellen die Olympiapark Gesellschaft München
und die Sydney Olympic Park Authority dar. Noch heute, mehr als 35 Jahre (München
1972) bzw. zehn Jahre (Sydney 2000) nach den Olympischen Spielen, geben diese
Gesellschaften ihre Erfahrungen bei der Planung und Nachnutzung der Olympischen
Gelände und Sportbauten an zukünftige Organisationskomitees weiter.
Das Beispiel zeigt, dass der Wissenstransfer des IOCs ein wichtiges Werkzeug im
Bezug auf die nachhaltige Umsetzung von Sportbauten darstellt, denn der
Wissensaustausch zwischen Fachleuten und Verantwortlichen ehemaliger und
zukünftiger Austragungsorte fördert das Potential für die Planung und Durchführung
des nachhaltigen Sportstättenbaus bei Olympischen Spielen. Das Instrument scheint
sich in den letzten Jahren durchgesetzt zu haben. So fand z.B. bereits im Vorfeld der
Spiele von Peking ein starker Austausch mit Fachexperten aus Sydney statt. Auch
macht die Eingliederung des OKGM in das IOC’s Olympic Games Department den
Wissensaustausch nun verpflichtend für die Organisationskomitees, d.h. der Austausch
zwischen den ehemaligen und zukünftigen Olympiastädten beruht nicht mehr nur auf
gutem Willen und freiwilliger Basis der einzelnen Austragungsorte, sondern wird
bindend durch das IOC vorgegeben. Dennoch kann das Werkzeug den nachhaltigen
Sportstättenbau bislang nur eingeschränkt fördern, da es zum einen nur für den
Olympischen Sportstättenbau angewendet werden kann und nicht für Sportbauten des
Breitensports oder andere Großveranstaltungen und zum anderen da nur zukünftige
und aktuelle Organisationskomitees Zugang zu dieser Wissensplattform erhalten. Auch
im Rahmen dieser Forschungsarbeit war kein Zugang möglich. Die mangelnde
Freigabe der Informationen des IOCs für die Öffentlichkeit behindert bislang eine
ganzheitliche Umsetzung von nachhaltigen Wettkampfbauten.
3.4.2.3. Globale Auswirkungen der Olympischen Spiele: „Olympic Games
Global Impact Study“ (OGGI)
Die Durchführung von Olympischen Spielen bringt enorme Auswirkungen auf die
Austragungsorte innerhalb einer recht kurzen Zeitspanne von wenigen Jahren
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
112
(Bewerbung, Organisation und Durchführung) mit sich: von großräumigen
Infrastrukturmaßnahmen, wie Wettkampfstätten, Unterkünfte und Verkehr, über das
Image als „Host City“ bis hin zu zusätzlichen weitreichenden Umweltbelastungen. Die
hier dargestellten Einflüsse führten bei ehemaligen Spielen stets zu zahlreichen
Diskussionen und Fragestellungen sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler
Ebene, wobei stets die Messbarkeit der Auswirkungen von Olympischen Spielen im
Vordergrund der Diskussion stand. Zur Beantwortung dieser Fragen und zur
zukünftigen Unterstützung der Organisationskomitees startete das International
Olympic Committee deshalb im Jahr 2003 die Olympic Games Global Impact Study
(OGGI) (Olympic Movement 2006b: S.1).
Die Hauptziele dieser Studie waren (Olympic Movement 2006b: S.1):
Erfassung der Gesamtauswirkungen der Olympischen Spiele
Unterstützung zukünftiger Bewerberstädte und Organisationskomitees durch
Wissenstransfer und Auswertung ehemaliger Olympischer Spiele
Identifizierung von möglichen Folgen und Einflüssen der Spiele auf den
Austragungsort zur Förderung des Olympischen Erbes
Entwicklung von vergleichbaren Bewertungskriterien für zukünftige Spiele
Zusammen mit Forschungseinrichtungen und Experten begann das IOC im Jahr 2001
mit der Entwicklung einer auf Indikatoren basierenden Methode, die die Einflüsse und
Auswirkungen von Olympischen Spielen auf die Austragungsorte hinsichtlich
ökonomischer, sozialer und ökologischer Faktoren zukünftig messen kann (Olympic
Movement 2006b: S.1). Die OGGI Methode ist als Management-Werkzeug gedacht,
mit dem die Organisationskomitees anhand von 150 Indikatoren die gesamten
Auswirkungen der Spiele auf die Austragungsorte, beginnend von der Kandidaturphase
bis zwei Jahre nach den Spielen, messen und analysieren können (Olympic Movement
2007b: S.41). Der inhaltliche Kontext der OGGI Indikatoren ist weit gefasst: von
Auswirkungen, die ein direktes Resultat der Spiele darstellen, wie die Konstruktion der
Wettkampfstätten oder des Olympischen Dorfes, bis hin zu indirekten Effekten, wie die
Änderungen der städtischen Hotelinfrastruktur oder der bisherigen
Freizeitmöglichkeiten. Weitere Indikatoren setzen sich mit der Bewertung der
Wasserqualität, der Kriminalitätsrate oder der Sportbeteiligung der Austragungsorte
vor, während und nach den Spielen auseinander (International Olympic Committee
2007a: S.2f.). Die Zeitspanne des OGGI-Projekts umfasst für jedes
Organisationskomitee einen Zeitraum von elf Jahren (siehe Abbildung 21). Die Studie
beginnt in der Kandidaturphase, d.h. zwei Jahre vor der offiziellen Ernennung als „Host
City“ und endet zwei Jahre nach den Spielen. Vorbereitende Arbeiten für das OGGI
Projekt müssen daher bereits schon während der Kandidaturphase durchgeführt
werden (Olympic Movement 2006b: S.1). Im Rahmen dieser elfjährigen Periode sind
die Organisationskomitees durch das IOC gefordert speziell vorgegebene Daten und
Fakten, die die Planung und Durchführung der Olympischen Spiele betreffen, zu
bewerten und diese in vier Teilberichten zu veröffentlichen. Einer dieser Berichte des
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
113
OGGI-Projekts wird zukünftig auch Bestandteil des offiziellen Endberichts (Official
Report) nach den Spielen sein. Somit ist die OGGI-Studie, ebenso wie die Olympic
Charter und der Host City Contract ein verpflichtendes Werkzeug für die zukünftigen
Austragungsorte (International Olympic Committee 2004b: S.15).
Beginnend mit den 2008 Beijing Olympic Games müssen alle zukünftigen
Austragungsorte verpflichtend an dieser Studie teilnehmen. Das Beijing Organising
Committee ist eines der ersten Organisationskomitees, das einen
zusammenfassenden „Olympic Games Impact Report“ im Jahr 2011 veröffentlichen
wird (Olympic Movement 2007b: S.41). Aktuell wenden die Organisationskomitees von
Peking 2008, Vancouver 2010 and London 2012 das OGGI Projekt an. Im Falle der
Olympischen Spiele von London wurde der erste OGGI Teilbericht im Jahr 2005
zusammen von Pricewaterhouse Coopers (Wirtschaftsprüfung- und
Beratungsgesellschaft), dem Department for Culture, Media & Sport (DCMS) und der
London Development Authority (LDA) herausgegeben. Wie vom IOC gefordert, wurden
hierbei die möglichen ökonomischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen
gemessen, die die Olympischen Spiele von London zukünftig mit sich bringen werden
(Pricewaterhouse Coopers LLP 2005: S.1). Es fällt auf, dass im Rahmen der Studie nur
positive Auswirkungen der Spiele aufgeführt werden, negative Effekte jedoch nicht
dargestellt wurden, was die Anwendbarkeit und Aussagekraft des OGGI-Projekts
durchaus in Frage stellt (Pricewaterhouse Coopers LLP 2005: S.4ff.).
Abbildung 21: Zeitspanne der OGGI-Studie
(Quelle: Olympic Movement 2007b: S.41)
Hauptziel der Studie ist die Bewertung der gesamten Olympischen Großveranstaltung.
Neben der Evaluierung der Gesamtauswirkungen der Olympischen Spiele und deren
Organisation, weißt die OGGI-Studie jedoch nur wenige Indikatoren zur Beurteilung
des Olympischen Sportstättenbaus auf. Die Indikatoren für den Olympischen
Wettkampfstättenbau stellen keinen eigenen Teilbereich dar, sondern verteilen sich auf
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
114
die drei Kategorien „Environmental Indicators, Social Indicators and Economic
Indicators“. Für die Analyse des Sportstättenbaus werden vorwiegend Umweltkriterien
aufgeführt, soziale und ökonomische Aspekte jedoch nicht benannt (International
Olympic Committee 2004a: S.16ff.).
Es ist festzustellen, dass die OGGI-Studie als verpflichtendes Werkzeug des IOCs
zwar einen guten Ansatz zur Bewertung und Umsetzung von nachhaltigen
Olympischen Spielen darstellt, jedoch nur bedingt eine tatsächliche Aussagekraft über
die Darstellung und Analyse der Gesamtauswirkungen von Olympischen Spiele auf die
Austragungsorte bieten kann. Wie das Beispiel von London zeigt, kann trotz des
einheitlichen Indikatorensatzes die Bewertung von den einzelnen Austragungsorten
unterschiedlich durchgeführt, ausgewertet und interpretiert werden. Des Weiteren steht
die Durchführung der Gesamtveranstaltung im Vordergrund. Für den ökologischen,
ökonomischen und sozialen olympischen Sportstättenbau ist die OGGI-Methode
jedoch kein umfassendes Nachhaltigkeitswerkzeug.
3.4.2.4. Olympic Audit and Masterplan: Planungsinstrument des
Bewerbungsprozesses
Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass bei den Planungen für die
Olympiabewerbungen die genannten Richtlinien des IOCs respektiert und eingehalten
werden, die Umsetzung der Olympiabauten und deren Einfügung in die bestehende
städtische Entwicklungsplanung nach Erhalt der Zusage aber anderen Regeln folgt.
Die Wettkampf- und Nichtwettkampfstätten werden nicht, wie bei der Bewerbung
zugesagt, in die bestehende Masterplanung des Olympiaortes integriert und die
Nachnutzung ist ungewiss, wie etwa bei den Olympischen Spielen 2004 von Athen.
Großprojekte, wie Olympische Spiele, erfordern deshalb in der Bewerbungsphase
Planungsinstrumente, mit denen strukturelle, funktionale und zeitliche Aussagen (unter
anderem zur Nachnutzung), ebenso wie Entwurfsaussagen getroffen werden können.
Hierbei hat sich der sogenannte Masterplan, d.h. ein baulicher, räumlicher und
zeitlicher Leit- und Entwicklungsplan, durchgesetzt (Huning und Peters 2003: S.4).
Das IOC fordert heutzutage daher von allen Bewerber- und Austragungsstädten einen
sogenannten „Audit- and Masterplan“ für die Durchführung der Olympischen Spiele. Mit
diesem können sowohl strukturelle und funktionale Entwurfsaussagen getroffen, als
auch zeitliche Ablaufplanungen festgelegt werden (siehe Candidature Procedure and
Questionnaire) (International Olympic Committee 2004b: S.111ff.). Dieser Masterplan
soll einer reibungslosen Entwurfs- und Ausführungsplanung im Sinne der nachhaltigen
Entwicklung dienen. Aus diesem müssen alle Entwicklungsschritte des
Planungsprozesses für die Vorbereitung, Durchführung und Nachnutzung für die
Olympischen Spiele hervorgehen. Bereits bei der Bewerbung stellt der Masterplan in
den frühen Phasen des Planungsprozesses ein wichtiges Darstellungswerkzeug der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
115
ersten Ergebnisse und der weiteren Abläufe des Olympischen Großprojekts dar. Im
Rahmen des Bewerbungsprozesses hat das IOC daher klare Richtlinien im Bezug auf
die Entwicklung eines Olympischen Masterplans festgelegt, der die regionale und
städtische Entwicklungsplanung der zukünftigen Austragungsorte und deren
Wettkampfstätten berücksichtigen soll. Diese sind im Candidature Procedure and
Questionnaire for Candidate Cities wie folgt aufgeführt: “the venues must meet
requirements and be realistic with respect to the master plan of the Host City, resource
efficiencies and post-Games legacy” (International Olympic Committee 2004b: S.132).
Abbildung 22: Konzeptplan der Stadt London für die Bewerbung für die Olympischen
Sommerspiele 2012
(Quelle: LONDON2012 2004a: S.20)
Der Olympische Masterplan ist sozusagen ein Dokument, das von den OCOGs und
dessen Partnern zur Sicherstellung einer reibungslosen Durchführung der Spiele und
einer effizienten Nachnutzung der Olympischen Bauten bereits während des
Bewerbungsprozesses erstellt und je nach Planungsphase stetig ergänzt werden
muss. Des Weiteren dient dieser dem IOC als Kontroll- und Bewertungswerkzeug. Zum
einen sind die weiteren erforderlichen Schritte des Projekts ablesbar und zum anderen
wird umfassend die Gesamtplanung für die Olympischen Spiele dargestellt. Anhand
des Masterplans bewertet das IOC sowohl während des Bewerbungsprozesses, als
auch vor den Ausführungsarbeiten den Stand der Planungen der
Organisationskomitees (Olympic Movement 2006a: S.1). Die Richtlinien für diesen
Rahmenplan sind in den Technical Manuals (siehe Kapitel 3.4.1.3) festgelegt.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
116
Abbildung 23: Olympischer Masterplan der Stadt London für die Bewerbung der Olympischen
Sommerspiele 2012
(Quelle: LONDON2012 2004a: S.20)
Dass der Olympische Masterplan auch im Rahmen des Planungsprozess für die Spiele
im Hinblick auf die Thematik „Nachhaltigkeit“ einen wichtigen Bestandteil einnimmt,
wird am Beispiel des Rahmenplans für die Spiele von London gezeigt: Im Juni 2006,
ein Jahr nach der offiziellen Ernennung Londons als Olympischer Austragungsort,
wurde der „Final Masterplan“ für die London 2012 Games veröffentlicht (London 2012
2006a). Der London 2012 Masterplan markiert den ersten Olympischen Masterplan,
bei dem die Durchführung der Spiele und die Nachnutzung der Olympischen Bauten in
den Planungsprozess integriert wurden. Mit dem Motto „providing a new model for the
long-term use of Olympic venues” wird das Bestreben des IOCs reflektiert, die
Thematik Nachhaltigkeit in die Planungen zu integrieren (London 2012 2006a) (siehe
Abbildung 22 und 23). Dem Masterplan kommt innerhalb des Prozesses der
Olympiabewerbung sowohl in der ersten Phase der Kandidatur (Candidature
Acceptance Procedure), als auch in der zweiten Phase (Candidature Procedure) eine
bedeutende Rolle zu. Als Übersichts- und Konzeptplan stellt dieser im Rahmen des
Bewerbungsprozesses detailliert die Ausgangssituation der Bewerberstädte und deren
Planungsmaßnahmen für die Olympischen Spiele dar. Er ist somit eine geeignete
Entwurfsgrundlage für den weiteren Planungsprozess nach Erhalt der Zusage für die
Spiele. Neben den aufgeführten Punkten muss im Masterplan das
Nachnutzungskonzept der Olympischen Wettkampf- und Nichtwettkampfstätten,
ebenso wie die Integration der Olympischen Planungen in die bestehende
Stadtentwicklungsplanung ablesbar sein (International Olympic Committee 2002a:
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
117
S.86). Des Weiteren sind Angaben zum Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept für die
Planung und Durchführung der Olympischen Spiele zu definieren (International
Olympic Committee 2002a: S.48)
Ein Hauptbestandteil des Olympischen Masterplans ist neben der allgemeinen
Infrastruktur (Verkehrswege, Unterkünfte, Medien etc.) die sportinfrastrukturelle
Planung, d.h. die Sportstättenkonzeption. Im Kapitel „Venues” des Candidature
Procedure and Questionnaires des Candidature File der Bewerbung für die
Olympischen Spiele 2008 wurde dies durch das IOC mit folgender Aussage bestärkt:
„Venues are a critical success factor for Olympic Games, in both financial and
operational terms. It is therefore important that Candidate Cities have a full
understanding of venues, from planning through development, construction, overlay,
operations and retrofit” (International Olympic Committee 2002a: S.54). Der
Olympische Masterplan ist folglich eine Kombination aus unterschiedlichen
Teilkonzepten der Olympischen Planungen. Im Hinblick auf eine nachhaltige
Integration des Olympischen Konzepts in die bestehende Stadt- bzw.
Regionalentwicklungsplanung des Austragungsorts stellen diese Teilkonzeptionen erst
als Zusammenfassung bzw. als Gesamtplan eine geeignete Ausgangsbasis für ein
nachhaltiges Olympisches Erbe dar.
Zusammenfassend kann ausgesagt werden, dass der Olympische Masterplan
vorrangig der Einbindung der Olympiaplanungen in die bestehende Stadtplanung der
Bewerberstädte, der Darstellung der bestehenden und geplanten Wettkampf- und
Nichtwettkampfstätten (permanent und temporär) und der Verkehrsinfrastruktur dient.
Somit stellt er bislang eines der bedeutendsten Nachhaltigkeitsinstrumente für
Olympische Spiele und deren Wettkampfstätten dar (IOC 2007b, S.57f.). Auch das IOC
betrachtet den Olympischen Masterplan als eine der wichtigsten Voraussetzungen für
eine nachhaltige Durchführung der Spiele und eine zukunftsfähige Planung der
Olympischen Wettkampfstätten. Das IOC hat diesen mittlerweile verpflichtend für alle
zukünftigen Austragungsorte als Bestandteil der Bewerbungsunterlagen festgelegt
(Olympic Movement 2006: S.2).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
118
3.5. „Nachhaltigkeitsinstrumente des IOCs“: Reine Werbemaßnahme für
nachhaltige Olympische Spiele oder Möglichkeit zur tatsächlichen
Umsetzung von nachhaltiger Olympischer Sportarchitektur?
Die Tatsache, dass die Durchführung von Olympischen Spielen und deren
Wettkampfstätten große Auswirkungen und enorme zusätzliche Umweltbelastungen
auf die Austragungsorte mit sich bringen und einen dauerhaften Einfluss in den „Host
Cities“ hinterlassen, wurde in den letzten Kapiteln mehrfach dargestellt. Welche
Faktoren der Spiele hierbei in positiver oder negativer Hinsicht auf die Austragungsorte
einwirken, konnte auf internationaler Ebene bisher noch nicht konkretisiert werden: „To
what extent, with what results, and with what benefits, has been a long-lasting debate
(Olympic Movement 2006b: S.1). Um diese enormen Auswirkungen zu definieren und
einzudämmen, begann das IOC seit Anfang der 90er Jahre Maßnahmen für
verschiedene Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln, die in den letzten
Kapiteln detailliert dargestellt wurden. Das Internationale Olympische Komitee muß
hierbei als internationaler Dachverband des Spitzen- und Breitensports im Bereich der
Thematik „Sport und Umwelt“ eine verantwortungsbewusste Rolle übernehmen. Die
Ernennung der Umwelt als dritte Dimension des Olympismus (siehe Kapitel 3.2.1), die
Implementierung des Umweltparagraphen in der Olympic Charter (siehe Kapitel 3.2.2)
und die Gründung der Sport and Environment Commission (siehe Kapitel 3.2.3) stellen
die ersten Entwicklungsschritte in Richtung Nachhaltigkeit dar (siehe Abbildung 24).
Das IOC begann jedoch im Vergleich zur internationalen Umweltdebatte (erste
Forderungen in den 60er und 70er Jahren) verhältnismäßig spät zu reagieren.
Die letzten Kapitel zeigen, dass sich die Vorgehensweise des IOCs inhaltlich in zwei
Teilbereiche gliedern lässt: den ersten Part bilden Veröffentlichungen von allgemeinen
freiwilligen Handlungsempfehlungen für das Themenfeld „Umwelt und Nachhaltigkeit“
bei Olympischen Spielen. Der zweite Teil besteht aus konkreten und verpflichtenden
Umweltrichtlinien und -vorschriften für Bewerberstädte (siehe Abbildung 24). Während
der erste Teilbereich, d.h. die Olympic Movement’s Agenda 21 (siehe Kapitel 3.3.1),
das Manual on Sports and Environment (siehe Kapitel 3.3.2) und der IOC Guide on
Sports and Environment (siehe Kapitel 3.3.3) nur freiwillige Aktionsprogramme und
Empfehlungen für die an Olympischen Spielen beteiligten Parteien darstellen, weißt
der zweite Teil mit den Umweltanforderungen an Bewerberstädte („Environment
Requirements for Bidding Cities“) (siehe Kapitel 3.4.1) und den fünf Säulen des
Managements der Olympischen Spiele („Five Pillars of the Olympic Games
Management“) (siehe Kapitel 3.4.2) detaillierte verpflichtende Vorschriften für
Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei Olympischen Spielen auf. Im
Hinblick auf den Olympischen Sportstättenbau steht bei allen Instrumenten des IOCs
das Management und die Durchführung der Spiele im Vordergrund des Interesses.
Konkrete Richtlinien für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau werden bei
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
119
allen Maßnahmen nicht ausreichend bedacht. Insbesondere im Bereich des
Sportstättenbaus fehlen detaillierte verpflichtende Richtlinien seitens des IOCs.
Die Veröffentlichungen „Manual on Sports and Environment“ (2005) und „IOC Guide on
Sport and Environment“ (2007) des IOCs sind eine praktische Umsetzung und
Weiterentwicklung der Olympic Movement’s Agenda 21 (1999) (siehe Kapitel 3.3) und
bieten erste Lösungsansätze für eine nachhaltige Entwicklung des Sports. Sie widmen
sich vorwiegend dem Themengebiet „Sport und Umwelt“ und der ökologischen und
nachhaltigen Umsetzung von Sportgroßveranstaltungen, stellen jedoch keine
Spezifizierung zum Thema „Nachhaltiger Sportstättenbau“ dar, d.h.
Nachhaltigkeitskriterien für den Sportstättenbau werden erwähnt, aber nicht vertieft
betrachtet. Die aufgeführten Maßnahmen sind nicht als verpflichtende Vorschriften und
Regeln zu verstehen, sondern als reine Handlungsempfehlungen für die Umwelt- und
Nachhaltigkeitsstrategie des IOCs, d.h. die praktische Umsetzung dieser
Empfehlungen erfolgt nach Belieben der Organisationskomitees. Folglich stellen diese
Maßnahmen keine Gewährleistung, d.h. kein Werkzeug für eine nachhaltige
Umsetzung von Olympischen Spielen und deren Sportbauten dar.
Abbildung 24: Entwicklung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie des IOC
(eigene Darstellung)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
120
Die Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategien des zweiten Teilbereichs hingegen weisen
detaillierte verpflichtende Vorschriften und Richtlinien für Umweltschutz- und
Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei Olympischen Spielen auf, die es von den
Bewerberstädten und Austragungsorten durch den „Host City Contract“ einzuhalten gilt
(siehe Kapitel 3.4). Der Candidature Procedure and Questionaire stellt hier einen
ersten Ansatz für eine nachhaltige Olympische Planung dar. Unter dem Motto „Games
that respect the Environment“ fordert dieser klare Aussagen zur Umweltplanung und
Nachnutzung der Olympischen Einrichtungen. Die Einhaltung der Richtlinien wird im
Rahmen des „Host City Contract“ mit dem IOC festgelegt und die Ausführungen vom
Olympischen Komitee (Olympic Games Coordination Commission) geprüft. Mit den
Technical Manuals (siehe Kapitel 3.4.1.3) setzt das IOC Richtlinien für die
Olympischen Planungen und Ausführungen fest, auch im Bereich des
Sportstättenbaus. Das Technical Manual on Venues gibt konkrete Anweisungen zur
Funktionalität und Umsetzung der Olympischen Sportbauten. Die Aufteilung in die zwei
Bewerbungsphasen (Applicant und Candidate City), die Vorgabe von Vorschriften und
Richtlinien und die anschließende Bewertung durch das IOC strukturieren den
Bewerbungsprozess nicht nur, sondern machen diesen auch wesentlich
übersichtlicher. Diese Transparenz fördert die Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen
und somit auch die der Olympischen Bauten. Planungskonzepte können so im Hinblick
auf ökologische, soziale und ökonomische Faktoren analysiert und effizienter
umgesetzt werden. Technische Vorschriften für Nachhaltigkeitskriterien im Bezug auf
die Ausführung von Sportbauten sind seitens des IOCs bisher jedoch noch nicht
vorgeschrieben. Die eben genannten Maßnahmen (Regeln und Richtwerte) sind
folglich nur erste Ansätze für die Umsetzung von zukunftsfähigen Olympischen
Sportbauten.
Die Durchführung der Olympic Games Study durch das IOC (siehe Kapitel 3.4.2.1)
führte zu dem Ergebnis, dass speziell die Wettkampfstätten für die Zunahme der
Ausmaße der Spiele, des Budgets und deren Komplexität verantwortlich seien. Eine
Planungsstrategie, die die Kombination von Wettkampfstätten, eine temporäre
Bauweise und die Nachnutzung berücksichtige, würde eine Reduzierung der Ausmaße
fördern und das Erbe der Spiele und somit die Nachhaltigkeit maximieren, so die
Olympic Games Study Commission (International Olympic Committee 2003a: S.14).
Diese Aussage verdeutlicht erneut die Wichtigkeit der Untersuchungen. Die in der
Olympic Games Study ausgewerteten Daten vergangener Spiele bieten daher für die
weitere Analyse geeignetes Untersuchungsmaterial, d.h. konkrete Werte und Fakten
zu Olympischen Spielen und zu deren Sportstättenbau. Neben der „Olympic Games
Study“ liefert der „Transfer of Knowledge” (siehe Kapitel 3.4.2.2) weitere
Hintergrunddaten, d.h. Zahlen, Fakten und Erfahrungswerte für zukünftige
Austragungsorte.
Diese Daten stellt das IOC jedoch nicht der Öffentlichkeit und Forschung zur
Verfügung und verhindert so eine Umsetzung von nachhaltigen Sportbauten auf
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
121
internationaler Ebene. Mit der Olympic Games Global Impact Study hat das IOC einen
Ansatz gestartet, die Auswirkungen von Olympischen Spielen zu messen bzw. zu
konkretisieren (siehe Kapitel 3.4.2.3). Die ersten Teilergebnisse der Auswirkungen von
Olympischen Spiele auf die Austragungsorte werden jedoch erst zwei Jahre nach den
Olympischen Spielen von Beijing 2008 veröffentlicht. Dennoch eignen sich nur wenige
Indikatoren dieser Studie für die weitere Untersuchung im Hinblick auf die Bewertung
von nachhaltigen Olympischen Sportstättenbauten, da diese vorrangig für die
Gesamtbewertung von Olympischen Spielen und deren Durchführungsmanagement
entwickelt wurden. Der vom IOC geforderte Olympische Masterplan (siehe Kapitel
3.4.2.4) stellt eine der wichtigsten Vorraussetzungen für eine zukunftsfähige Planung
der Wettkampfstätten und für eine nachhaltige Durchführung der Spiele im Rahmen
des Olympischen Planungsprozesses dar. Er setzt die Richtlinien des Candidature
Procedure and Questionnaire for Candidate Cities und der Technical Manuals im
Bezug auf die Einbindung der Wettkampf- und Nichtwettkampfstätten in den regionalen
oder städtischen Entwicklungsplanungen der zukünftigen Austragungsorte um, dient
der Sicherstellung einer reibungslosen Ausführung der Spiele und einer effizienten
Nachnutzung der Olympischen Bauten. Des Weiteren stellt er ein Kontroll- und
Bewertungswerkzeug für das IOC dar, das zum einen umfassend die Gesamtplanung
für die Olympischen Spiele abbildet und zum anderen die erforderlichen
Planungsschritte des Projekts ablesbar macht. Für die Umsetzung von nachhaltigen
Olympischen Spielen und zukunftsfähigen Sportstätten ist der Olympische Masterplan
daher ein entscheidendes Planungsinstrument.
Als Resümee ist festzuhalten, dass das IOC in den letzten Jahren zahlreiche
Instrumente und Werkzeuge für die Planung und Umsetzung von Olympischen
Wettkampfstätten entwickelt hat. Die internationale Kritik, dass die hier dargestellten
Nachhaltigkeitsinstrumente des IOCs in den ersten Jahren zwar vordergründig als
Werbemaßnahme für das Thema „Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen“ fungiert
haben, ist berechtigt. Dennoch bewirkte der Marketing-Effekt der „Green Games“ ein
Umdenken bei den an den Olympischen Spielen beteiligten Institutionen. Die
Instrumente des Internationalen Olympischen Komitees stellen aufgrund der
zahlreichen Daten, Fakten und Kriterien tatsächlich erste Ansätze und Werkzeuge für
nachhaltige Olympische Spiele und deren Sportstätten dar. Allerdings lassen sich mit
diesen Methoden die Nachhaltigkeitsaspekte der Olympischen Sportbauten nur bedingt
messen und beurteilen. Um zukünftig ganzheitlich ökologische, ökonomische und
soziale Sportstätten für die Olympischen Großveranstaltungen umsetzen zu können,
muß das IOC bisherige Planungsinstrumente für den Sportstättenbau enorm
weiterentwickeln und diese vor allem verpflichtend für die Organisationskomitees
machen. Folgende Aussagen lassen sich aus der durchgeführten Analyse ableiten:
Weiterentwicklung und Ausbau von Nachhaltigkeitsrichtlinien und
-werkzeugen für den Olympischen Sportstättenbau durch das IOC
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
122
Bisherige Nachhaltigkeits- und Bewertungswerkzeuge des IOCs sind vorrangig auf
die nachhaltige Planung und Durchführung von Olympischen Spielen ausgelegt.
Während das Management der Spiele von dieser Entwicklung stark profitierte und
die Thematik der nachhaltigen Durchführung der Sportgroßveranstaltung bei allen
verpflichtenden und freiwilligen Werkzeugen des IOCs eine übergeordnete Rolle
spielt, stellen Nachhaltigkeitsleitlinien für den Olympischen Sportstättenbau bislang
nur eine untergeordnete Rolle dar. Die fehlenden Nachhaltigkeitsrichtlinien des
IOCs für Olympische Sportbauten werden folglich noch unzureichend für die
Planung, Umsetzung und Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten
berücksichtigt. Für die Gewährleistung einer zukünftig ökologischen, ökonomischen
und sozialen Planung und Durchführung von Olympischen Wettkampfstätten ist es
daher unbedingt erforderlich bereits existierende Richtlinien des Sportstättenbaus
seitens des IOC verstärkt weiterzuentwickeln und neue Ansätze vorzugeben.
Verpflichtende Nachhaltigkeitsinstrumente und -richtlinien für Olympische
Sportbauten durch das IOC
Erste verpflichtende Richtlinien für nachhaltige Olympische Spiele und deren
Wettkampfbauten wurden durch das IOCs bereits eingeführt, die meisten Ansätze
des Internationalen Olympischen Komitees sind jedoch bislang noch freiwillige
Instrumente und können somit als reine Handlungsempfehlungen des IOCs von
den Austragungsorten nach Belieben der Organisationskomitees umgesetzt
werden. Erfahrungen auf internationaler und nationaler Ebene zeigen (siehe
Einführung Energieausweis Deutschland), dass reine Handlungsempfehlungen
keine Garantie für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten bei
Baumaßnahmen sind. Freiwillige Richtlinien und Planungsinstrumente sind keine
adäquaten Werkzeuge für die tatsächliche Umsetzung von nachhaltiger
Olympischer Sportstättenarchitektur. Insbesondere im Bereich des
Sportstättenbaus fehlen detaillierte verpflichtende Richtlinien seitens des IOCs.
Erst eine Weiterentwicklung dieser Ansätze und deren verpflichtende Anwendung
durch das IOC bieten eine erfolgreiche Ausgangsbasis für den nachhaltigen
Olympischen Sportstättenbau.
Festlegung von einheitlichen Mindeststandards für Olympische
Wettkampfbauten durch das IOC
Unterschiedliche Ausgangsbedingungen der Austragungsorte erschweren die
Rahmenbedingungen für Auswertungen und Vergleiche von Olympischen Spielen
und deren Baumaßnahmen, da die kulturellen, geschichtlichen und rechtlichen
Gegebenheiten der Austragungsorte sehr verschieden sind. Bislang erfolgt die
Planung und Konstruktion der Wettkampfstätten nach nationalen Vorschriften und
Auslegungen der Austragungsorte, da keine einheitlichen Standards (Richtwerte)
durch das IOC vorgegeben sind. Da die Richtlinien für das Bauwesen und für
Umwelt- und Energiestandards von Nation zu Nation sehr unterschiedlich sind,
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
123
erschwert dies nicht nur den Vergleich und die Bewertung der einzelnen
Sportstättenkonzepte, sondern führt auch dazu, dass die Olympischen
Wettkampfstätten nach unterschiedlichen Nachhaltigkeitsgrundsätzen und -
standards geplant werden. Die obligatorischen Werkzeuge des IOCs zeigen, dass
konkrete verpflichtende Richtlinien tatsächlich den nachhaltigen Olympischen
Wettkampfstättenbau fördern können. Um zukünftig die einheitliche Umsetzung von
ökologischen, ökonomischen und sozialen Wettkampfbauten auf internationaler
Ebene zu gewährleisten, hat das IOC daher weitaus größeren Einsatz zu zeigen
als bisher und verpflichtende, international identische Mindeststandards bzw.
Basiskriterien für die Olympischen Sportstätten vorzugeben.
Mangelnde freie Verfügbarkeit von Planungsinstrumenten für nachhaltige
Sportbauten durch das IOC
Zahlreiche verpflichtende Werkzeuge des IOCs, wie die Technischen Handbücher
oder der Wissenstransfer sind für die Forschung und Öffentlichkeit nicht frei
verfügbar, sondern werden vom IOC bislang nur den Kandidaturstädten zur
Verfügung gestellt. Die Analyse zeigt, dass die „Nicht-Verfügbarkeit“ der
Handbücher und der Mangel an detaillierten Leitlinien für nachhaltige und
energieeffiziente Olympische Sportstätten einer Umsetzung von ökologischen,
ökonomischen und sozialen Wettkampfbauten im Wege steht. Die Förderung des
nachhaltigen Sportstättenbaus ist daher derzeit nur eingeschränkt möglich. Die
mangelnde Freigabe der Informationen des IOCs für die Öffentlichkeit verhindert
demnach eine ganzheitliche Umsetzung von nachhaltigen Olympischen
Wettkampfbauten.
Ausbau des Wissenstransfers des IOCs für die Öffentlichkeit
Der Transfer of Knowledge des IOCs ist ein wichtiges Werkzeug für die nachhaltige
Umsetzung von Olympischen Sportbauten, wie der Erfahrungsaustausch bei den
letzten Olympischen Sommer- und Winterspielen zeigte. Der Wissensaustausch
zwischen Fachleuten und Verantwortlichen ehemaliger und zukünftiger
Austragungsorte fördert das Potential für die Planung und Durchführung des
nachhaltigen Sportstättenbaus bei Olympischen Spielen enorm. Dennoch stellt
dieses IOC-Instrument derzeit noch kein erfolgversprechendes
Nachhaltigkeitswerkzeug dar, da eine Herausgabe vom IOC nur an die
Bewerberstädte und zukünftige Austragungsorte erfolgt und für die allgemeine
Öffentlichkeit nicht frei verfügbar ist. Erst die Zugänglichkeit für die Allgemeinheit
(Forschung, Planer, ausführende Firmen, Sportverbände usw.) würde den
ganzheitlichen Wissensaustausch auf internationaler Ebene zwischen den
Sportstättenplaner fördern.
Stärkere Verankerung von Nachhaltigkeitsrichtlinien und –werkzeugen für
den nachhaltigen Sportstättenbau im Olympischen Bewerbungsprozess
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
124
Vor allem in den ersten Konzeptphasen (Vorplanung) können grundlegende
Handlungsspielräume für nachhaltige Planungsstrategien für Olympische
Sportbauten und deren Nachnutzung festgelegt werden, d.h. neben den
Planungsansätzen für eine effiziente und erfolgversprechende Organisation der
Wettkämpfe, muß bereits zu Beginn des Olympischen Bewerbungsprozesses die
nachhaltige Planung der Sportbauten im Vordergrund stehen. „Begin at the
Beginning“ bedeutet, dass schon die Bewerberstädte aufgefordert sind, diese
Ansätze in den ersten Schritten des Planungsprozesses zu berücksichtigen und
dass zur Gewährleistung einer nachhaltigen Umsetzung, Kriterien und
Planungswerkzeuge für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau unbedingt
verpflichtend durch das IOC bereits im Bewerbungsprozess eingesetzt werden
müssen. Zwar bedeutet die Integration der Thematik „Umwelt“ in den Olympischen
Bewerbungsprozess einen bedeutenden Fortschritt für nachhaltige Olympische
Sportstätten, dennoch ist das genannte Themenfeld derzeit in keiner der beiden
Bewerbungsphasen ein ausschlaggebendes Auswahlkriterium für die Wahl als
Austragungsort. Für eine Förderung des nachhaltigen Sportstättenbaus und eine
Minimierung der zusätzlichen Umweltbelastungen der Spiele, ist es daher
unbedingt erforderlich, sowohl die Nachhaltigkeitskonzeption der Olympischen
Sportbauten, als auch die Umweltplanung der Spiele und deren Baumaßnamen
wesentlich stärker, wenn nicht sogar als ausschlagendstes Kriterium, innerhalb des
Bewerbungsprozess zu gewichten. Erst durch diese Maßnahme kann eine
nachhaltige Planung von Olympischen Wettkampfstätten tatsächlich von den ersten
Schritten an gewährleistet werden.
Förderung von nachhaltigen Olympischen Bauten durch zunehmende
Transparenz des Bewerbungsprozesses
Die Aufteilung in zwei Bewerbungsphasen, die Vorgabe von Vorschriften und
Richtlinien und die anschließende Bewertung durch das IOC strukturieren den
Bewerbungsprozess nicht nur, sondern machen diesen auch wesentlich
übersichtlicher. Diese Transparenz fördert zudem die Nachhaltigkeit von
Olympischen Spielen und der Olympischen Sportbauten. Im Rahmen des
Bewerbungsprozesses können Olympische Wettkampfstätten daher im Hinblick auf
ökologische, soziale und ökonomische Faktoren besser ausgewertet und nach
Erhalt der Zusage effizienter umgesetzt werden. Trotz zahlreicher bisher
stattgefundener Umstrukturierungen des Bewerbungsprozesses ist das IOC auch
zukünftig gefordert, aktuelle und zusätzliche Anforderungen an den nachhaltigen
Planungsprozess von Olympischen Sportbauten in den Bewerbungsprozess
verstärkt zu integrieren bei gleichzeitiger Förderung der Transparenz und der
Nachhaltigkeit von Olympischen Wettkampfstätten.
Olympischer Masterplan als bedeutsames Nachhaltigkeitsinstrument für
Olympische Wettkampfstätten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
125
Zur Darstellung von funktionalen und zeitlichen Aussagen und Entwurfskonzepten
hat sich bei der Planung von Olympischen Sportbauten der Masterplan etabliert.
Der Olympische Masterplan dient der Integration der Planungen für die
Olympischen Spiele und deren Baumaßnahmen in die bereits existierende
Stadtplanung der Bewerberstädte, der Darstellung bestehender und geplanter
Wettkampf- und Nichtwettkampfstätten und der für die Spiele benötigten
Verkehrsinfrastruktur. Er ist folglich eine Kombination aus unterschiedlichen
ökologischen, ökonomischen und sozialen Teilkonzepten. Im Hinblick auf eine
nachhaltige Integration des Olympischen Konzepts in die bestehende Stadt- bzw.
Regionalentwicklungsplanung des Austragungsorts, stellen diese Teilkonzeptionen
als Zusammenfassung bzw. als Gesamtplan eine geeignete Ausgangsbasis für ein
nachhaltiges Olympisches Erbe dar. Er muß jedoch zukünftig noch stärker als
bisher in den Olympischen Bewerbungsprozess integriert und weiterentwickelt
werden, d.h. die Erstellung eines Olympischen Masterplans muß nach wesentlich
konkreteren Vorgaben als bisher folgen.
Verpflichtende Forderung des IOCs: Umweltbewertung von Olympischen
Sportbauten
Als wichtigste Anforderung an den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau kann
folgende obligatorische Richtlinie der Bewerbungsrichtlinien des IOCs angeführt
werden: „Carry out initial environmental impact assessments for all venues,
competition venues, IBC and MPC, Olympic Village(s) and interconnecting
Olympic infrastructure“ (International Olympic Committee 2006a: S. 138). Die
Einführung der aufgezeigten Bewertungsvorschrift, die bei allen Olympischen
Baumaßnahmen und somit auch bei deren Sportstätten eine Umweltbewertung von
den Austragungsorten fordert, stellt eine der bedeutendsten Errungenschaften und
Entwicklungen für den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau dar. Dennoch
muß darauf hingewiesen werden, dass zwar eine Bewertung gefordert wird, nach
welchen Richtlinien und Standards diese von den Austragungsorten durchgeführt
werden soll, steht diesen jedoch frei. Die Umweltbewertung kann folglich mit
nationalen Werkzeugen durchgeführt werden, die in der Regel sehr unterschiedlich
ausfallen und angewandt werden können. Dies erschwert zum einen die
Vergleichbarkeit der Beurteilungen, zum anderen stellt dies einen einheitlichen
Nachhaltigkeitsstandard der Olympischen Sportanlagen in Frage, da auf
internationaler Ebene enorme Unterschiede zwischen den Niveaus der nationalen
Baustandards herrschen. Verpflichtend wird nur eine Umweltbewertung verlangt.
Die Anwendung von ökonomischen, sozialen oder technischen
Nachhaltigkeitsaspekten bei der Beurteilung der Sportanlagen erfolgt auf
freiwilliger Basis.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
126
4. Olympische Wettkampfstätten und
nachhaltige Planungskonzepte
Green Games notions for the sake of good reputation”, so beschreibt Philippe Furrer,
Projektmanager des International Olympic Committee, in seinem Artikel “Sustainable
Olympic Games - A dream or a reality?” aus dem Jahr 2002 die Olympischen Spiele
von heute. Umweltfreundliche Planung und Organisation der Spiele seien in den
letzten Jahren immer wichtiger geworden und es zeigte sich, dass solche Konzepte
nicht nur ein “Greenwash Marketing Tool“ seien, sondern dass nachhaltige
Planungskonzepte das Olympische Erbe der Austragungsorte durchaus verbessert
hätten (Furrer, P. 2002: S.10).
Abbildung 25: Silhouette der Olympischen Sportstätten der Green Olympic Games von
Sydney 2000
(eigene Darstellung)
Ob diese Aussage tatsächlich zutrifft und welche Rolle hierbei die Olympischen
Wettkampfstätten spielen, soll anhand der Entwicklung der „Grünen Spiele“ und der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
127
„nachhaltigen Olympischen Wettkampfbauten“ im Rahmen von Fallstudien aufgezeigt
werden. Mit den Fallstudien werden Meilensteine, d.h. positive Auswirkungen der
Spiele der letzten Jahrzehnte beschrieben, die neue ökologische, ökonomische und
soziale Faktoren in die Durchführung von Olympischen Spielen und deren
Baumaßnahmen mit sich brachten und den Austragungsorten so ein nachhaltiges Erbe
hinterlassen haben (siehe Definition Nachhaltigkeit in Kapitel 2.1). Obwohl die
Olympischen Spiele von Sydney 2000 stets als die ersten „Green Games“ bezeichnet
werden, sind als die ersten „Grünen Spiele“, d.h. die erste Olympische Veranstaltung,
bei der ökologische und energieeffiziente Techniken bei den Baumaßnahmen
eingesetzt wurden, die Winterspiele von Lillehammer 1994 zu nennen (Chernushenko,
D. et al. 2001: S. 15). Der Begriff der Nachhaltigkeit tauchte erstmalig bei den
Sommerspielen von Barcelona 1992 auf. Allerdings wurde damals „Sustainability
anders definiert als heute. Die Kriterien, die heute für nachhaltiges Bauen in Bezug auf
die Umwelt und Energieeffizienz von Gebäuden angewandt werden, stellten für die
Planungen in Barcelona keine Ausgangslage dar (Millet 2001: S.105). Vielmehr
standen soziale Aspekte und Stadtentwicklungsprozesse im Vordergrund der
Planungen.
Nachhaltige Planungskonzepte von Olympischen Spielen und deren Baumaßnahmen
spiegeln sich auch in den Bewertungen von Umweltschutzorganisationen wider.
Anhand der Berichte von Organisationen, wie Greenpeace oder dem World Wide Fund
for Nature (WWF), die maßgeblich an den Planungen und Umsetzungen verschiedener
Olympischer Spiele beteiligt waren und diese im Anschluss beurteilt haben, werden
Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsaspekte, ebenso wie die Einflüsse und
Umweltbelastungen der Olympischen Sportgroßveranstaltungen auf die
Austragungsorte, herausgearbeitet.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
128
4.1. Entwicklung von nachhaltigen Planungskonzepten bei Olympischen
Spielen und deren Wettkampfbauten
Bei den folgenden Fallstudien wird nicht zwischen Sommer- und Winterspielen
unterschieden, da das Olympische Sportevent zwar in seiner Dimension (Anzahl
Athleten, Sportstätten usw.) unterschiedlich ist, jedoch die Austragungsorte stets mit
ähnlichen Problemen konfrontiert werden: stetige Zunahme der Ausmaße, enormes
internationales Interesse (Medien) und Planung, Ausführung und Management eines
Mega-Events unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte
(siehe Definition Nachhaltigkeit in Kapitel 2.1). Die hier dargestellten nachhaltigen
Planungskonzepte beziehen sich nicht nur auf ökologische, soziale und ökonomische
Dimensionen der Olympischen Baumaßnahmen, sondern schließen ein wesentlich
breiteres Themenfeld, d.h. eine ganzheitliche Analyse, mit ein. Hierbei wurden alle
Faktoren beachtet, die durch Olympische Baumaßnahmen positiv beeinflusst wurden,
d.h. die Auswirkungen der Wettkampfstätten auf die Olympiaaustragungsorte, die
Region, das Gastland und die politischen und kulturellen Gegebenheiten. Die
Fallstudien werden ergebnisorientiert in Themenpakete zusammengefasst, die die
Entwicklung bzw. Meilensteine der Entwicklung des nachhaltigen Olympischen
Sportstättenbaus beschreiben. Zu nennen sind Aspekte, wie Einführung von
Umweltschutzgesetzen durch Olympische Spiele, Stadtregeneration, kulturelles Erbe,
temporäre Bauten, Nutzung von Bestandsbauten und die Reduzierung der geplanten
Olympischen Baumaßnahmen. Die aufgeführten Planungskonzepte sind jeweils in
Abhängigkeit zur jeweiligen Epoche zu betrachten, in der die Spiele durchgeführt
wurden, da diese die damalige Situation und die politischen, ebenso wie die kulturellen
Ausgangsbedingungen der Olympiastädte widerspiegeln.
4.1.1. Fallstudien: Olympische Sommer- und Winterspiele von 1896 bis
heute
Fallstudie 1:
Erste Umweltschutzproteste und –gesetzgebungen durch Olympische Spiele
(Olympische Winterspiele Lake Placid 1932)
Die Thematik „Umwelt“ und „Nachhaltigkeit“ bei Olympischen Spielen und deren
Baumaßnahmen reichen bereits mehrere Jahrzehnte zurück. Schon die Winterspiele
von 1932 von Lake Placid zeigten, dass Aspekte des Umweltschutzes, wie etwa die
zusätzliche Flächeninanspruchnahme oder die Zerstörung von landschaftlich
wertvollen Gebieten durch die Errichtung von Olympischen Wettkampfstätten schon
immer sehr kritisch angesehen wurden:
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
129
Olympische Winterspiele Lake Placid 1932: Erste Umweltschutzproteste
gegen Olympische Baumaßnahmen und Einführung von
Umweltschutzgesetzen durch Olympische Spiele
Die ersten Umweltschutzaktionen und „Environmental protests“ bei Olympischen
Spielen konnten bereits bei den Winterspielen von Lake Placid 1932 (USA)
beobachtet werden. Die Association for the Protection of the Adirondacks (1930),
eine Organisation zum Schutz des Erbes der Adirondacks Mountains verhinderte
die geplante Errichtung der Olympischen Bobbahn auf staatlichem Land und somit
den Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft der Adirondacks Mountains (z.B.
Fällung von 2.000 Bäumen) (Official Report Lake Placid, S. 159f.). Diese
Entscheidung des State Court of Appeals (Staatliches Berufungsgericht), die
bedingt durch die Olympische Großveranstaltung getroffen wurde, gilt bis heute als
eine der wichtigsten Rechtssprüche zum Natur- und Umweltschutz des Staates
New York des letzten Jahrhunderts (Stephen et Chalkley 2007: S.50).
Fallstudie 2:
Erneuerung der Stadtstruktur durch Olympische Infrastruktur- und
Baumaßnahmen (Olympische Winterspiele Oslo 1952, Olympische Sommerspiele
München 1972 und Moskau 1980)
Bei den folgenden Olympischen Sommer- und Winterspielen fand die Thematik „Natur
und Umweltschutz“ kaum Beachtung. Erst 62 Jahre später bei den Olympischen
Winterspielen von Lillehammer 1994 wurden erstmalig ökologische und
energieeffiziente Planungsansätze bei Olympischen Spielen und deren Bauten mit
aufgenommen. Im Vordergrund der Durchführung der Olympischen Spiele dieser
Epoche standen vielmehr Themen wie Stadtregeneration und politisches und
wirtschaftliches „Schaulaufen“. Das Olympische Erbe dieser Städte zeigt heute,
mehrere Jahrzehnte nach den Spielen, dass Stadterneuerung durch Olympische
Spiele (Infrastrukturmaßnahmen im öffentlichen Nahverkehr, Revitalisierung von
Branchen usw.) durchaus die nachhaltige Entwicklung der Austragungsorte gefördert
hat. Bis auf wenige Ausnahmen, wie die Olympischen Spiele von 1976, die aufgrund
von ineffizienten Planungen eine hohe Verschuldung für die Stadt Montreal mit sich
brachten, konnten durch gezielte Olympische Infrastrukturkonzepte und
Baumaßnahmen eine grundlegende und dauerhafte Neuordnung der jeweiligen
Stadtstruktur erreicht werden. Allerdings erfolgte die Stadtregeneration zu dieser Zeit
nicht nach den heutigen klassischen Nachhaltigkeitsthemen, wie „Ökologie, soziale
Aspekte und Ökonomie“. Im Vordergrund standen wirtschaftliche Interessen und die
internationale Präsentation des Austragungsorts:
Olympische Winterspiele Oslo 1952: Stadtregeneration durch Olympische
Baumaßnahmen erstmalig bei Winterspielen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
130
Sowohl bei Sommer- als auch bei Winterspielen waren Stadtregeneration und
Aspekte wie Politik, Kultur oder Wirtschaft Hauptbestandteile der Durchführung der
Olympischen Großveranstaltung. Während die Sommerspiele schon immer in
Metropolen, wie Rom 1960, Tokyo 1964 oder Mexico City 1968 stattfanden, wählte
das IOC bei den Winterspielen anfangs nur kleinere Winterdestinationen als
Austragungsorte. Mit den Winterspielen von Oslo 1952 wurden die Spiele erstmalig
in einer Großstadt ausgetragen. Ebenso wie die Austragungsorte der
Sommerspiele, die versucht haben die Olympischen Spiele als städtebauliche
Infrastrukturverbesserungsmaßnahmen zu nutzen, erkannte auch die Stadt Oslo
die möglichen Vorteile des Olympischen Großevents als Instrument der
Stadtregeneration und siedelte die benötigten Olympischen Bauten über die
gesamte Stadt an. Nach den Spielen wurden diese in Nutzungen überführt, die die
Stadt dringend benötigte, z.B. Studentenwohnheime, Krankenhäuser und
Altersheime. (Stephen et Chalkley 2007: S.52). Auch die Spiele von Grenoble 1968
und Sapporo 1972 sollten als Werkzeug der regionalen Entwicklung und des
Ausbaus der touristischen und wirtschaftlichen Infrastruktur dienen (Stephen et
Chalkley 2007: S.53). Die Winterspiele von Innsbruck 1964 und 1976 wurden
ebenso als „Showcase“ der österreichischen Skiwirtschaft herangezogen.
Olympische Sommerspiele München 1972: Erneuerung der Stadtstruktur
durch Olympische Infrastruktur- und Baumaßnahmen und politische
Rehabilitation
Die „fröhlichen Spiele“ von München 1972, die in eine Zeit des schnellen
ökonomischen und demographischen Wachstums der Stadt fielen, dienten sowohl
der Erneuerung der Stadtstruktur, als auch der politischen Rehabilitierung von
Deutschland. Die Planungen für die Spiele wurden in den Masterplan der Stadt
integriert, die Verkehrsinfrastruktur wurde ausgebaut und verbessert (Ausbau der
Schnellstraßen und des öffentlichen Nahverkehrs usw.), der Stadtkern saniert und
die Fußgängerzonen im historischen Kern der Stadt etabliert (Gold J.R et M.M.
Gold 2007: S. 35). Doch auch hier zeigt sich, dass der Lebenszyklus von
Sportstätten, d.h. das Olympische Erbe begrenzt ist. Heutzutage gilt es die
damaligen Wettkampfstätten zu sanieren und teilweise erneut mit Nutzungen zu
belegen. Durch die erneute Olympiabewerbung für die Winterspiele 2018 erhofft
sich die Stadt München, die ehemaligen Wettkampfstätten zu revitalisieren und auf
den neuesten Stand der Technik zu bringen. Doch wie verhält es sich mit den
damaligen Olympischen Sportbauten der Spiele von 1972, wenn die Stadt nicht die
Zusage für die Olympischen Spiele 2018 erhält? Die Antworten reichen von
Umnutzungen der ehemaligen Olympiasportanlagen in Nichtsportanlagen bis hin
zum Abriss. Aber auch diese Lösungsansätze sind fraglich, da die ehemaligen
Wettkampfstätten von 1972 ein wichtiges Kulturgut der Stadt München darstellen.
Die Nachnutzungsfrage von Olympischen Sportstätten schließt somit nicht nur den
Zeitraum direkt nach den Olympischen Spielen ein, sondern umfasst den gesamten
Lebenszyklus der Wettkampfstätten von der Planung bis hin zum Abriss.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
131
Olympische Sommerspiele Moskau 1980: Integration der Olympischen
Baumaßnahmen in den städtischen Masterplan und Verbesserung der Sport-,
Kultur- und Freizeiteinrichtungen
Neben der Verbesserung der Infrastruktur und Stadtregeneration waren politische
Interessen der Austragungsorte ein wichtiger Bestandteil für die Durchführung von
Olympischen Spielen. Zu nennen sind Olympiastädte wie Moskau 1980, Sarajevo
1984 oder Seoul 1988 (Cerso 2003: 3). Die Stadt Moskau nutzte die Olympischen
Sommerspiele von 1980 unter anderem dazu, der Welt die Inhalte und Ziele des
Kommunismus aufzuzeigen. Den Olympischen Planungen lag ein dezentrales
Konzept zugrunde. Die Wettkampfstätten wurden auf die gesamte Stadt verteilt und
in die City’s Planning Strategy, d.h. in den Generalplan für die Entwicklung von
Moskau, und in den State’s tenth Five-Year Plan of Economic and Social
Development mit eingebunden (Gold J.R et M.M. Gold 2007: S. 38). Durch die
Olympischen Spiele konnten somit in allen Stadtteilen die Sport-, Kultur- und
Freizeiteinrichtungen verbessert werden (Gold J.R et M.M. Gold 2007: S. 40).
Fallstudie 3:
Rückbau von Olympischen Wettkampfstätten nach den Spielen (Olympische
Winterspiele Cortina d’Ampezzo 1956, Squaw Valley 1960 und Lake Placid 1980)
In dieser Epoche erkannte man die Risiken, die die immensen Olympischen
Baumaßnahmen mit sich bringen: überhöhtes Bauaufkommen, mangelnde
Nachnutzung und finanzielle Verschuldung. Auch wenn die Errichtung der
Olympischen Dörfer der Winterspiele von Cortina d’Ampezzo 1956 und Squaw Valley
1960 nicht aus ökologischen Gründen, sondern wegen Protesten der Hotelbesitzer
scheiterten, trägt diese Entwicklung zur Nachhaltigkeit des Olympischen Erbes bei. Die
68er-Jahre-Welle bewirkte auf internationaler Ebene ein wachsendes
Umweltbewusstsein, das sich bei den Spielen von Sapporo 1972 und Lake Placid 1980
widerspiegelt:
Olympische Winterspiele Cortina d’Ampezzo 1956 und Squaw Valley 1960:
Verhinderung von Olympischen Baumaßnahmen wegen mangelnder
Nachnutzung, Einsatz von temporären Bauten
Bei den Olympischen Sommer- und Winterspielen zwischen 1932 und 1992, wie
etwa Helsinki 1952, Rom 1960 oder Tokyo 1964 (Sommerspiele), oder Oslo 1952,
Cortina d’Ampezzo 1956 oder Squaw Valley 1960 (Winterspiele) stand die
Verbesserung der regionalen und städtischen Infrastruktur und die Aufwertung des
internationalen Ansehens im Vordergrund der Olympischen Großveranstaltungen.
Wurden Planungen und Baumaßnahmen des Großevents verhindert, so nicht aus
ökologischen Gründen, sondern aus Aspekten der mangelnden Nachnutzung. Bei
den Winterspielen von Cortina d’Ampezzo scheiterten die Pläne für die Errichtung
eines Olympischen Dorfes am Protest der lokalen Hoteleigentümer. Diese
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
132
befürchteten, dass die neuen Unterkünfte die Nachfrage der Übernachtungsgäste
übersteige (Comitato Olimpico Nazionale Italiano 1956: S.267). Auch bei den
Spielen von Squaw Valley 1960 stand dem Bau eines Olympischen Dorfes die
mangelnde Nachnutzung entgegen. Die Entwicklung eines Olympischen Dorfes
hätte hier die finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten des Ortes
übertroffen. So wurden die bestehenden Hotels als Unterkünfte für die
Sportfunktionäre genutzt. Für die Athleten errichtete man temporäre Bauten, die
nach den Spielen wieder rückgebaut wurden. (California Olympic Commission
1960: S.83).
Da durch den Einsatz von temporärer Bauweise keine finanziellen Engpässe und
keine Nachnutzungsprobleme für die Austragungsorte entstanden sind, zeigt sich,
dass temporäre Baumaßnahmen (Unterkünfte und Wettkampfstätten), wie bereits
auch von Pierre de Coubertin im Jahr 1911 gefordert, einen
Nachhaltigkeitsindikator für Olympische Bauten darstellen (Coubertin, P. d. 1911).
Olympische Winterspiele Sapporo 1972 und Lake Placid 1980: Rückbau von
Wettkampfstätten aufgrund von Umweltprotesten
Die hohen finanziellen Ausgaben für die Spiele entstanden durch die stark
zunehmenden Ausmaße des olympischen Mega-Events, d.h. durch immer größere
Olympische Bauvorhaben und Flächeninanspruchnahmen. Dies führte wiederum
zu zunehmendem Einfluss der Olympischen Planungen auf die umgebende
Umwelt der Austragungsorte (Stephen et Chalkley 2007: S.55). Die
Baumaßnahmen drangen mehr und mehr in Naturschutzgebiete und
Naherholungsräume vor, insbesondere bei Olympischen Winterspielen. Das
zunehmende Interesse und die Sensibilisierung der Weltbevölkerung hinsichtlich
umweltschutzrelevanter Themen in den 60er und 70er Jahren, der öffentliche
Druck der Medien und lokale Umweltorganisationen veranlassten bei den
Olympischen Spielen ein erstes Umdenken und Einlenken. Als Beispiele sind hier
die Spiele von Sapporo 1972 und Lake Placid 1980 zu nennen. Die Skiwettkämpfe
sollten auf dem in der Nähe der Stadt Sapporo liegenden Mount Eniwa abgehalten
werden, der sich innerhalb des Sjikotsu-Toya National Park befindet. Aufgrund
starker Proteste von Umweltverbänden wurden die Skiabfahrt und die zugehörige
Infrastruktur während der Spiele nur temporär errichtet und nach den Spielen
wieder komplett rückgebaut (Stephen et Chalkley 2007: S.55).
Ähnlich wurde dies bei den Spielen von Lake Placid 1980 praktiziert. Lake Placid
liegt innerhalb des im Jahr 1971 ernannten Adirondack Park und wird von der
Adirondack Park Agency verwaltet (Lake Placid Olympic Organizing Committee
1980: S.18). Die Erweiterung der Sprungschanze, die bereits für die Spiele von
1932 erbaut wurde, durfte zwar durchgeführt werden, musste sich aber den
Umweltschutzgesetzen der Adirondack Park Agency und der Federal Environment
Agency unterwerfen (Lake Placid Olympic Organizing Committee 1980: S.18).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
133
Fallstudie 4:
Maximaler Nutzen von Bestands- und Temporärbauten bei Olympischen Spielen
(Olympische Sommerspiele Los Angeles 1984)
Mit der starken Zunahme der Ausmaße der Spiele und den immer größeren Bau- und
Infrastrukturmaßnahmen wurden die zunehmenden Risiken für die Austragungsorte
immer größer (Stephen et Chalkley 2007: S.53). Besonders die finanziellen Ausgaben
und somit die Verschuldung der Austragungsorte nahmen durch die Spiele mehr und
mehr zu. Dies zeigte sich bereits bei den Spielen von Grenoble 1968. Die Spiele von
Montreal 1976, die ein „Landmark” in der Olympischen Geschichte der am
schlechtesten geplanten Spiele darstellen, hinterließen ihren Bürgern ein verschuldetes
Erbe, das noch heute 30 Jahre danach beglichen werden muß (Gold J.R et M.M. Gold
2007: S. 35).
Die geplanten Sportstätten konnten aus finanziellen und zeitlichen Gründen nicht für
die Spiele fertiggestellt werden, verschiedene Sportwettkämpfe fanden daher in
temporären Bauten statt. Das Dach des Olympiastadions wurde erst im Jahr 1987
fertiggestellt. Die Angst der Bevölkerung von Denver bezüglich einer starken
Verschuldung der Stadt durch die Veranstaltung der Olympischen Spiele, führte zur
Rücknahme der Zusage der Stadt für die Winterspiele 1976. Aufgrund der stetig
steigenden Kosten forderte die Aktionsgruppe „Citizen for Colorado’s Future“ eine
öffentliche Abstimmung, bei der mehr als 60 Prozent der Bevölkerung gegen die Spiele
stimmte. Die Spiele mussten kurzfristig nach Innsbruck verlegt werden (Stephen et
Chalkley 2007: S.55). Bei den Spielen von Los Angeles wendete man daher eine
andere Planungskonzeption an:
Olympische Sommerspiele Los Angeles 1984: Maximaler Nutzen von
bestehenden und temporären Wettkampfeinrichtungen
Um der finanziellen Verschuldung, wie bei den Olympischen Spielen von Montreal
1976 zu entgehen, ging der Austragungsort Los Angeles 1984 einen anderen Weg
als bisherige Spiele, der durchaus als nachhaltig und ökonomisch bezeichnet
werden kann: maximaler Nutzen von bestehenden und temporären Einrichtungen
(Gold J.R et M.M. Gold 2007: S. 38).
So wurde das bestehende Los Angeles Memorial Coliseum, das schon den Spielen
von 1932 als Olympiastadion diente, erneut in ein Olympic Stadium umgebaut. Nur
vier neue Olympische Sportstätten für Schwimm-, Schieß-, Ruder und
Radwettkämpfe wurden errichtet. Diese wurden durch private Finanzierungen
(Sponsoring) umgesetzt. Als Beispiele sind hier das McDonald’s Swim Stadium im
Olympic Park zu nennen, das nach den Spielen an die University of Southern
California überging, oder das Velodrome der California State University, welches
durch die Southland Corporation gesponsert wurde. Die drei Olympischen Dörfer
wurden auf Universitätsstandorten errichtet und nach den Spielen als
Studentenunterkünfte genutzt.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
134
Fallstudie 5:
Einführung von Denkmalschutzgesetzen durch Olympische Spiele (Olympische
Sommerspiele Seoul 1988)
Wichtige Ziele von Olympischen Spielen sind die Darstellung der Kultur und der
Geschichte der Austragungsorte. Dies bezieht sich auch auf die landestypischen
Bauten und Traditionen. Bedingt durch Olympische Spiele und dem daraus
resultierenden internationalen Druck entstanden durch die Olympische
Großveranstaltung nationale Denkmalschutzgesetze, wie am Beispiel der Spiele von
Seoul 1988 zu sehen ist. Die Erhaltung und Sicherung des historischen Kulturgutes
und der Baukultur ist somit ein wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt, der durch Olympische
Spiele geleistet wurde:
Olympische Sommerspiele Seoul 1988: Einführung von Gesetzen zum
Denkmalschutz
Bei den Olympischen Spielen von Seoul 1988 war die Bewerbung durch folgende
Punkte bestimmt: internationale Akzeptanz und Aufstieg in kultureller, sozialer,
diplomatischer und ökonomischer Hinsicht (Bouw et Provoost 2000: S. 105). Seoul
sah in den Spielen und den damit einhergehenden Planungsmaßnahmen die
Lösung seiner ökologischen, ökonomischen und demographischen Probleme und
die Förderung der Stadtneuplanung, ebenso wie die Möglichkeit, die Stadt in eine
Metropole umzuwandeln. Neben den Baumaßnahmen in dem 13 Kilometer
außerhalb des Stadtzentrums liegenden Seoul Olympic Sport Complex, fanden in
der Stadt zahlreiche Umstrukturierungsmaßnahmen statt, die die historische
asiatische Baukultur großflächig auslöschten. Diese großräumigen
infrastrukturellen Maßnahmen führten zu starker internationaler Kritik: der
Olympische Städtebau würde auf Kosten sozialer Aspekte und kultureller
Schutzgüter durchgeführt. Traditionelle Straßenzüge und Bauweisen wurden
komplett für die olympische Infrastruktur (Olympische Dörfer, Wettkampfstätten,
Straßen usw.) und für den kommerziellen Gebrauch zerstört. Bis zum Jahr 1983
gab es in Korea keine Gesetze zur Erhaltung von historischen Gebäuden. Erst
unter dem Druck von Kulturorganisationen und der Medien konnten in Korea im
Rahmen der Olympischen Spiele erstmalig Gesetze für den Denkmalschutz
entwickelt werden, wenn auch nur eingeschränkt. Historisch wertvolle Gebäude,
die keinen Bezug zur traditionellen koreanischen Yi Dynastie hatten, unterlagen
dieser Gesetzgebung jedoch nicht (Gold J.R et M.M. Gold 2007: S. 40).
Fallstudie 6:
Erste Ansätze von Umweltschutzmaßnahmen bei Olympischen Spielen
(Olympische Winterspiele Albertville 1992, Olympische Sommerspiele Atlanta
1996, Olympische Winterspiele Nagano 1998 und Salt Lake City 2002)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
135
Erst Anfang der neunziger Jahre schien sich die Thematik „Umweltschutz und
Olympische Spiele“ international zu etablieren. In den 70ern und 80ern reagierten
insbesondere Umweltschutzorganisationen auf den problematischen Umgang der
Bevölkerung mit der Natur. Auch im Rahmen des Sports kam es bald zu solchen
Reaktionen. Besonders die Alpin- und Natursportarten standen hierbei unter starker
Kritik und somit auch die Olympischen Winterspiele (Oittinen, A. 1998: S.187).
Ökologische Aspekte wurden zwar mehr und mehr in die Planungen mit einbezogen,
der Integrationsprozess der Thematik „Nachhaltigkeit“ in die Olympische
Großveranstaltung und die hierfür benötigten Baumaßnahmen verläuft aber auch noch
heute mehr als langsam. Die folgenden Beispiele zeigen, dass der Einbezug von
Umweltschutzthemen und Nachhaltigkeitsaspekten bei Olympischen Spielen und
deren Baumaßnahmen von Austragungsort zu Austragungsort sehr unterschiedlich
erfolgt und die Olympischen Gaststädte nicht immer kontinuierlich auf den Erfahrungen
der Vorgängerstädte aufbauen. Die Themen „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“
werden oft nach eigenen Maßstäben ausgelegt und zum Teil sogar missachtet.
Dennoch ist in der Entwicklung der Olympischen Spiele der letzten Jahre erkennbar,
dass durch die Olympische Großveranstaltung verbesserte Baustandards und
regionale und nationale Gesetzgebungen im Bereich des Umweltschutzes und der
Energieeffizienz im Bauwesen generiert werden konnten:
Olympische Winterspiele Albertville 1992: Trotz Einführung von
Umweltschutzgesetzen durch die Olympischen Winterspiele, kaum
Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten bei den Winterspielen und deren
Baumaßnahmen
Die Olympischen Winterspiele von Albertville wurden Anfang der neunziger Jahre
ausgetragen - in einer Zeit, in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte bei
Olympischen Spielen immer wichtiger wurden. Während bei den Olympischen
Winterspielen von Lillehammer die Thematik Ökologie und Energieeffizienz bei der
Durchführung der Spiele und den dafür benötigten Baumaßnahmen an erster Stelle
stand, waren bei den Winterspielen von Albertville 1992, die nur zwei Jahre vor den
Spielen von Lillehammer und zeitgleich mit den Sommerspielen von Barcelona
stattfanden, kaum Ansätze von Umweltschutzmaßnahmen und
Nachhaltigkeitsaspekten spürbar. Mit den Winterspielen von 1992, die das
Savoyard Ski Resort und die Region um Albertville zu einem der weltweit größten
Wintersportdestinationen verändern sollten, wollte sich die Region international
durch zahlreiche Baumaßnahmen, wie höchst effiziente Skiliftsysteme, modernste
Skiabfahrten und neue Infrastrukturmaßnahmen in der Verkehrsanbindung,
absetzen. Dennoch brachten Frankreich und die Region Savoyen bei den Spielen
keine Umweltabsichten mit ein: „did not advanced in environmental matters
(Chermetant 2001a: S. 113). Obwohl die Regierung der Region Savoyen im Jahr
1986 aufgrund der Spiele Gesetze und Richtlinien zum aktiven Landschaftsschutz
herausbrachte, d.h. zur Verbesserung der Landschaft, der Natur, des Wassers, der
Müllvermeidung und der Förderung des öffentlichen Bewusstseins, fanden Aspekte
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
136
wie Umweltschutz keine Berücksichtigung bei den Spielen und deren
Baumaßnahmen. Als vereinzelte Beispiele für Umweltschutzmaßnahmen im
Wettkampfstättenbau sind die Säuberung und Regenerierung von ehemaligen
kontaminierten Industrieflächen zu nennen, wie beim Bau der Bobbahn in Macot,
dem International Broadcast Centre (IBC) in Moutiers oder dem Main Press Center
(MPC) in La Léchére. Das Pressezentrum von La Léchere ist eines der zahlreichen
permanenten Bauten der Winterspiele, die nicht wie geplant nachgenutzt wurden
(Chermetant 2001a: S. 113). Auch eine große Anzahl der überdimensionierten
Hotels und Unterkünfte der damaligen Sportgroßveranstaltung standen noch Jahre
nach den Spielen leer und mussten zum Teil Konkurs anmelden (Chernushenko,
D. et al. 2001: S.45). Noch heute sind zahlreiche Spuren der Spiele zu sehen:
ehemals temporäre Bauten oder Beschilderungen liegen verstreut und zerstört in
der ehemaligen Olympiaregion umher (Chermetant 2001a: S. 113). Das Beispiel
der Olympischen Spiele von Albertville zeigte, dass bei Winterspielen für die
Eröffnungs- und Schlußzeremonien nicht unbedingt immer ein Olympiastadion
benötigt wird, sondern diese auch in temporären Bauten ausgetragen werden
können, wie hier im Ceremony Theatre, das nur für den Zeitraum der Winterspiele
für 35.000 Zuschauer errichtet wurde. Heute wirkt das Gebiet, auf dem das
temporäre Olympiastadion erbaut wurde, als Parc Olympique de Sauvay und wird
als Fußball-, Rugby- und Sportzentrum für lokale Sportvereine und Freizeitsportler,
ebenso wie für den Spitzensport genutzt (Gibello, A. 2005: S.4).
Olympische Sommerspiele Atlanta 1996: Verbesserte Luftqualität versus
aggressives Sponsoring und Zwangsumsiedlung der Bevölkerung Atlantas
Die weitreichenden Erfahrungen Lillehammers hinsichtlich ökologischer
Gesichtspunkte waren bei der Durchführung der Olympischen Sommerspiele von
Atlanta im Jahr 1996 nicht spürbar. Die Austragung der Spiele erfolgte aus rein
kommerzieller Sicht (Gold, J.R. et M.M. Gold 2007: S.20). Die Hauptausgaben der
Spiele umfassten den Bau des Central Atlanta’s Olympic Ring, d.h. die Errichtung
von 16 der insgesamt 25 Olympischen Wettkampfbauten und städtebauliche
Verschönerungsmaßnahmen. Zusammenfassend lassen sich die Spiele nicht als
zukunftsweisend bezeichnen, was sich im aggressiven Sponsoring, zügellosem
Kommerzialismus („Coca-Cola-Spiele“) und weitreichenden sozialen Konflikten
widerspiegelte (Zwangsumsiedlung armer Bevölkerungsschichten für den Bau der
Wettkampfstätten und der Olympischen Unterkünfte). Allein für das Olympic
Stadium wurden insgesamt mehr als 16.500 Einwohner Atlantas umgesiedelt
(Gold, J.R. et M.M. Gold 2007: S. 21). Trotz dieser sozialen Missstände, konnten
einige - wenn auch nur wenige - Umweltmaßnahmen, erzielt werden. Ein wichtiger
ökologischer Erfolg der Spiele von Atlanta war die verbesserte Luftqualität: eine
Studie des US Centres for Desease Control and Prevention zeigte, dass die Spiele
eine Abnahme des Autoverkehrs und eine Verbesserung des öffentlichen
Nahverkehrs mit sich brachten. Dies führte zu einer Verbesserung der Luftqualität
innerhalb der Stadt (Chernushenko et al.: S. 15). Weitere wichtige
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
137
Errungenschaften durch die Spiele waren Maßnahmen für das Müllmanagement,
ebenso wie die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der
Olympiaschwimmhalle zur Stromerzeugung und Unterstützung der
Warmwassergewinnung (Chernushenko, D. et al. 2001: S. 42).
Olympische Winterspiele Nagano 1998: Harmonie zwischen Umwelt,
Kulturlandschaft und Olympischen Spielen
In Nagano wurden zwar Themenfelder, wie „Umweltschutz“ und „Nachhaltigkeit“
berücksichtigt, jedoch verhielten sich die Organisatoren der Olympischen
Winterspiele von 1998 sehr zurückhaltend. Als eingesetzte
Umweltschutzmaßnahme ist lediglich zu erwähnen, dass die Uniformen der
Volunteers (freiwilligen Helfer) aus recycelbarem Material hergestellt wurden
(International Olympic Committee 2007a: S.3). Auch bei einigen Olympischen
Baumaßnahmen wurden energieeffiziente Technologien angewandt. So wurden
z.B. bei der Olympischen Bobbahn neue Kühltechniken eingesetzt, die wesentlich
weniger Ammoniak verbrauchen als herkömmliche Systeme (Chernushenko, D. et
al. 2001: S.41). Die Harmonie zwischen Landschaft, Kultur und Natur war bei den
Winterspielen von Nagano, als auch bei den Spielen von Lillehammer ein
Hauptanliegen, das insbesondere bei der Eröffnungs- und Schlußzeremonie in alle
Welt gestrahlt wurde (Chernushenko, D. et al. 2001: S.2). Das
Organisationskomitee der Spiele von Nagano legte insbesondere auf
energieeffiziente Licht- und Soundeffekte großen Wert (Chernushenko, D. et al.
2001: S.91).
Salt Lake City 2002: Umwelt wird mehr und mehr Mittelpunkt der Spiele, doch
Korruptionsskandale überdecken die ersten Erfolge
Bedingt durch den Olympischen Korruptionsskandal der Winterspiele von Salt Lake
City, auch „Mormon Games” genannt, rückten die zunehmenden Umwelt- und
Ökologiemaßnahmen stark in den Hintergrund des internationalen Olympischen
Interesses (Anderson 2003: S.1). Die Kandidatenstädte für die Winterspiele von
2002 waren die ersten Bewerberstädte, die Umweltmaßnahmen für die Spiele und
deren Bauten im Bewerbungsdokument (Candidate File) beschreiben mussten
(Internationales Olympisches Komittee 1999: S.5). Das Organisationskomitee von
Salt Lake City (SLOC) entwickelte hierzu ein kombiniertes Sponsorship- und
Umweltprogramm für die Winterspiele (Chernushenko, D. et al. 2001: S. 42 und
67). Hauptziel dieser Umweltmaßnahmen war vor allem eine umweltgerechte
Durchführung der Spiele, ebenso wie die Umsetzung von nachhaltigen
Olympischen Sportstätten: “To ensure that design and use of Olympic facilities
adequately assess and minimize environmental impacts and complement natural
surroundings” (Chernushenko, D. et al. 2001: S. 42 und 67). Um Aspekte wie
energieeffiziente Anlagentechnik, temporäre Einrichtungen, Wassereinsparung,
Erhaltung von kulturellen Bauten, Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs,
Monitoring und Umwelterziehung umzusetzen, gründete das Organisationskomitee
von Salt Lake City ein Environmental Education Steering Commitee, das Richtlinien
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
138
zu Umweltprojekten einführte. (Chernushenko, D. et al. 2001: S.79). Das Salt Lake
City Organizing Committee (SLOC) war für die Wettkampfstätten zuständig.
Insgesamt wurden nur sieben neue Wettkampfstätten errichtet. Die weiteren
benötigten Wettkampfstätten, Unterkünfte und Mediencenter konnten durch 20
temporäre Baumaßnahmen abgedeckt werden (Anderson 2003: S. 1). Die
umweltgerechte Planung wurde durch einen Legacy Fund in Höhe von 70 Millionen
U.S. Dollars unterstützt, der den Einsatz von ressourcensparenden
Baukonstruktionen, die Nachnutzung, die Erosionskontrolle und die
Baumbepflanzung, die Reduzierung von versiegelten Oberflächen, das Recycling
von Konstruktionsmaterial, die Förderung natürlicher Belichtung und die
Reduzierung des Energieverbrauchs umfasste (Anderson 2003: S. 4). Eine weitere
wichtige Errungenschaft war der erstmalige Einsatz der amerikanischen
Bewertungsmethode LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) bei
Olympischen Wettkampfstätten. So war das Utah Olympic Oval (Eisschnellhalle)
nicht nur die erste zertifizierte Olympische Wettkampfstätte, sondern auch eines
der ersten Gebäude weltweit, die mit LEED zertifiziert wurden.
Fallstudie 7:
Großflächige nachhaltige Stadtentwicklung durch Olympische Spiele
(Olympische Sommerspiele Barcelona 1992)
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ bei Olympischen Spielen fand erstmalig bei den
Olympischen Sommerspielen von Barcelona im Jahr 1992 Erwähnung. Die damalige
Bedeutung des Wortes „Sustainability“ ist aber mit heutigen Nachhaltigkeitsaspekten
oder den ökologischen und energieeffizienten Planungszielen der Olympischen
Baumaßnahmen der Spiele von Lillehammer und Sydney nicht zu vergleichen.
„Nachhaltigkeit“ bei den Spielen von Barcelona basierte viel mehr auf der
Verbesserung sozialer und gesellschaftlicher Aspekte. Im Vordergrund standen die
Regeneration der Stadt und die Schaffung eines zukunftsfähigen postolympischen
Erbes, wie die Öffnung der Altstadt zum Meer, die Revitalisierung der ufernahen
Industriebrachen und die Wiederbelebung der Innenstadt:
Olympische Spiele Barcelona 1992: Erstmalige Erwähnung des Begriffs
„Nachhaltigkeit“ bei Olympischen Spielen und großflächige
Stadtregeneration als Olympisches Erbe
Barcelona wird heutzutage im Rahmen der Olympischen Spiele wie folgt
beschrieben: „Model of how to achieve mega-event-driven urban regeneration
(Gold J.R et M.M. Gold 2007: S. 5). Bei der Bewerbung von Barcelona im Jahr
1981 für die Olympischen Spiele von 1992 war das Wort „Sustainability” einer der
meist genutzten Begriffe. „Nachhaltigkeit“ wurde damals aber anders definiert als
heute. Die Kriterien, die heutzutage für nachhaltiges Bauen im Bezug auf die
Umwelt und Energieeffizienz von Gebäuden angewandt werden, bildeten in
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
139
Barcelona nicht die Basis (Millet 2001: S.105). Hauptanliegen der Spiele war die
Verbesserung der städtischen Qualität. Das Ziel war der Abbau der zahlreichen
urbanen Defizite durch die Olympischen Spiele, die durch die vorangegangene
40jährige Diktatur entstanden waren, d.h. die Defizite im Straßennetz und Mangel
an öffentlichen Plätzen, Sportstätten, kulturellen Einrichtungen und Hotels zu
beseitigen. Stadtregeneration durch eine Großveranstaltung, wie die Olympischen
Spiele, war für Barcelona jedoch keine neue Strategie. Der Olympische
Austragungsort griff auf Aspekte der Stadtplanung zurück, die die Stadt Barcelona
bereits bei früheren internationalen Veranstaltungen, wie die Weltausstellungen von
1888 oder 1929, angewendet hatte. Beide Veranstaltungen führten jeweils zu
städtebaulichen Vorteilen und verbesserten die kulturellen Institutionen, den
öffentlichen Raum und das Verkehrsnetz von Barcelona (Gold J.R et M.M. Gold
2007: S. 39).
Die Stadtregeneration beinhaltete die Öffnung der Stadt zum Meer, d.h. die
Regenerierung der ufernahen Industriebrachen in urbanes Gebiet und die
Wiederbelebung der Innenstadt. Zwar stand bei den Spielen von Barcelona die
Stadterneuerung im Vordergrund der Planungen, jedoch wurden keine neuen
Flächen im Rahmen der Baumaßnahmen bebaut. Bei jedem einzelnen
olympischen Projekt wurden sogenannte „Brownfields“, d.h. Industriebrachen und
bebaute Flächen, in „Greenfields“ - in Neubaugebiete, Grünflächen oder Plätze
umgewandelt (Millet 2001: S.105). So wurde das heutige Montjuïc Stadium
(Olympiastadion) in die ursprünglichen Außenmauern des Stadions von 1929
eingefügt, das Palau Sant Jordi errichtete man an der Stelle des Belgian Pavililion
der Expo von 1929 und bei der städtebaulichen Konzeption des Olympischen
Dorfes wurde auf die Planungskonzepte des Architekten Ildefonso Cerdà
(Erweiterung der Stadt Barcelona vor 150 Jahren) zurückgegriffen. Der Bayoles
See, auf dem die Ruderwettkämpfe stattfanden und der durch Müllablagerungen
und Baumaterialien aufgefüllt war, erhielt sein früheres Profil zurück und konnte für
Ruder- und Kajakwettkämpfe genutzt werden.
Die Bewerbung der Spiele basierte auf dem Motto, dass 88 Prozent aller für die
Olympischen Sommerspiele benötigten Einrichtungen (Unterkünfte,
Wettkampfstätten, Infrastruktur etc.) bereits vorhanden seien: 33
Sporteinrichtungen konnten ohne große Umbauarbeiten für die Sommerspiele
übernommen werden, das Olympische Stadion wurde renoviert und nur zwölf
Olympische Sportbauten (Olympisches Dorf, Wettkampfstätten usw.) mussten für
die Spiele neu errichtet werden. Insgesamt wurde weniger als 20 Prozent des
Budgets für die Olympischen Sportanlagen verwendet. Der Hauptteil der Ausgaben
floss in die städtebaulichen Maßnahmen, wie den Ausbau der Infrastruktur, die
Verbindung der Olympischen Standorte untereinander, die Verbesserung des
Metrosystems, die Verlegung der Küstenautobahn, den Ausbau des Flughafens
und die Modernisierung des Telekommunikationssystems (Gold J.R et M.M. Gold
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
140
2007: S. 39). Die Wettkampfstätten waren in vier Bereiche aufgeteilt, die ringförmig
um die Altstadt angesiedelt wurden und die bislang infrastrukturell
unterentwickelten Stadtgebiete aus der Mitte des 19. Jahrhundertes fördern sollten
(Barcelona’92 Olympic Organising Committee 1993: S. 271):
Vall d’Hebron (Radfahren, Bogenschießen, und Unterkunft für Journalisten)
Diagonal (Fußball, Polo und Tennis)
Montjuïc (Hauptolympische Wettkampfstätten)
Parc de Mar (Olympisches Dorf)
Abbildung 26: Karte der Olympischen Wettkampfstätten der Sommerspiele von Barcelona
1992
(Quelle: Barcelona’92 Olympic Organising Committee 1993a: S.151)
Bei der Größe der Wettkampfstätten hielt sich Barcelona immer an die
Mindestvorgaben des Internationalen Komitees. Beispiele hierfür sind die Kapazität
des Stadions (Barcelona: 65.000 Besucherplätze, Atlanta: 85.000, Sydney:
110.000) oder der Hallen (Schwimmen – Barcelona: 10.000 Besucherplätze,
Atlanta: 15.000, Sydney: 17.500) (Millet, L. 2001: S.105). Um den Anforderungen
des IOCs und den internationalen Sportverbänden gerecht zu werden, nutzte
Barcelona die positiven Erfahrungen mit temporären Wettkampfeinrichtungen, z.B.
der Spiele von Atlanta 1984, wie mit Zuschauerplätzen, Konferenzräumen,
Toiletten oder Zeltanlagen (Barcelona’92 Olympic Organising Committee 1993:
S.133). Die temporären Zuschauerplätze waren bei den Spielen von Barcelona die
„most spectacular aspects“, wie etwa die groß dimensionierten Tribünen des Bernat
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
141
Picornell Swimming Pools, des Real Club de Polo und des Tennis de la Vall
d'Hebron zeigten. Insgesamt wiesen die Olympischen Wettkampfanlagen von
Barcelona 89.557 temporäre Sitzplätze auf (Gesamtsitzplatzkapazität: 545.280)
(Barcelona’92 Olympic Organising Committee 1993: S.133).
Durch diese temporären Einrichtungen versuchte die Stadt die Risiken der
Nachnutzung der Sportanlagen nach den Spielen möglichst gering zu halten.
Probleme in der postolympischen Auslastung sind heutzutage dennoch bei den
Sportanlagen auf dem Montjuïc zu verzeichnen. Ohne die Olympischen Spiele
wäre die städtebauliche Transformation von Barcelona jedoch bis heute undenkbar
gewesen. Die letzten Arbeiten des Masterplans wurden im Jahr 2004 für das
Forum of Cultures vollendet (Millet, L. 2001: S.105). Energieeffizienz und
ökologische Bauweisen im Bereich des Sportstättenbaus wurden bei den Spielen
von Barcelona nicht angewandt (Barcelona’92 Olympic Organising Committee
1993: S.169 ff.). Einzig bei den Planungen des Palau Sant Jordi, in welchem die
Gymnastik-, Handball- und Volleyballwettkämpfe ausgetragen wurden, war das
Energy Saving and Diversification Institute (IDAE) an einer energieeffizienten
technischen Gebäudeausstattung beteiligt (Barcelona’92 Olympic Organising
Committee 1993: S.169 ff.) (siehe Anhang 2). Anstatt des Einsatzes von
energieeffizienten Technologien, standen die Funktionalität der Sportstätten und
der maximale Komfort der Sportler im Vordergrund, ebenso wie eine 100
prozentige Deckung des Strombedarfs für die Sportgroßveranstaltung. Die
Deckung des Strombedarfs wurde nicht durch Energieeinsparungen, sondern
durch größer dimensionierte Generatoren erreicht, wie im Abschlußbericht des
Organisationskomitees von Barcelona mehrfach erwähnt wird (Barcelona’92
Olympic Organising Committee 1993).
Ökonomisch gesehen waren die Olympischen Spiele kein Erfolg. Die
veranschlagten Kosten wurden um ein vielfaches überschritten. Dennoch war die
weltweite Kritik nicht groß, da die städtebauliche Regeneration immer im
Vordergrund stand und das Planungsziel eine „Long-term strategy“ vorsah. Noch
heute, 15 Jahre nach den Spielen, steigen die Touristenzahlen stets an. Barcelona
kann innerhalb der EU die meisten Touristen pro Jahr verzeichnen (Spurr, R. 1999:
S.148ff.). Somit haben die Olympischen Spiele von 1992 der Stadt durchaus ein
nachhaltiges Erbe hinterlassen, d.h. Nachhaltigkeit kann im Falle der Olympischen
Spiele von Barcelona mit Stadtregeneration gleich gesetzt werden.
Fallstudie 8:
Die ersten „Green Games“ (Olympische Winterspiele Lillehammer 1994)
Die Winter Olympics von Lillehammer 1994 waren die erste sportliche Olympische
Großveranstaltung, die Umweltschutzmaßnahmen bei der Ausführung und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
142
Organisation der Spiele und deren Baumaßnahmen weiträumig umsetzten. Hierfür
wurden spezielle Design- und Umweltrichtlinien für den Olympischen
Wettkampfstättenbau erstellt (Lillehammer Organizing Commitee 1995a: S.50). Im
Gegensatz zu Barcelona wurden die Olympischen Wettkampfstätten in
energieeffizienter und ökologischer Bauweise ausgeführt. (Chernushenko, D. et al.
2001: S. 67). Zudem bewirkte der internationale Einfluss der „Grünen Spiele“ von
Lillehammer, dass das IOC die Thematik „Umwelt“ als dritte Dimension des
Olympismus in die Olmypic Charter einführte und die Bewerbungen für zukünftige
Spiele, wie etwa die Kandidatur der Spiele von Sydney, vom Umwelteinsatz der Region
Lillehammer inspiriert wurden (Stephen, S.J. et B.S. Chalkley 2007: S. 52):
Olympische Winterspiele Lillehammer 1994: Die ersten „Green Games“,
Inspiration für die Entwicklung der Umwelt als „dritte Dimension“ des
Olympismus und für den vermehrten Einsatz von ökologischen und
energieeffizienten Maßnahmen im Olympischen Sportstättenbau
Bei den Olympischen Winterspielen von Lillehammer 1994, den ersten „Green“
oder „Ecological Games“, nahmen die Themen „Umweltschutz“ und „Nachhaltige
Entwicklung“ erstmalig eine wichtige Rolle während der Planung und Ausführung
der Olympischen Großveranstaltung ein: „The Lillehammer Games were the first
Olympic Winter Games to initiate and implement a comprehensive, co-operative
environmental programme” (Furrer 2002: S.12).
Ebenso wie der Vorgängeraustragungsort Calgary der Winterspiele von 1988,
wollte auch Lillehammer die Spiele von 1994 dazu nutzen, die Wirtschaft
anzukurbeln (COWGOW 1988: S5). Der norwegische Trend der 70er Jahre hin zur
counter-urbanisation“, d.h. der Bewegung der Bevölkerung und ökonomischen
Aktivitäten von den Großstädten hin in kleinere Städte, machte sich auch in der
Region von Lillehammer bemerkbar (Selstadt, T. 2004: S.50). Was Anfangs zu
einem wirtschaftlichen Wachstum der kleineren Städte führte, änderte sich in den
80er Jahren mit dem Beginn der Wirtschaftskrise in Norwegen. Bedingt durch die
Schließung zahlreicher Industriekonzerne war Lillehammer eine der Regionen, die
von der Krise am stärksten betroffen war (Selstadt, T. 2004:S.50). Um Lösungen
zur Förderung der norwegischen Wirtschaft zu entwickeln, wurde eine
Regierungskommission gegründet, jedoch waren die Regionen und Städte
gefordert, eigene Initiativen zu zeigen. Eine dieser Aktivitäten war die Bewerbung
von Lillehammer für die Olympischen Winterspiele mit dem Ziel der Förderung des
Tourismus und der Wirtschaft (Selstadt, T. 2004:S.50). Während die erste
Kandidatur für die Winterspiele 1992 scheiterte und an Albertville ging, erhielt die
Stadt Lillehammer beim zweiten Anlauf die Zusage des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) für die Winterspiele von 1994. Dennoch stand man
weltweit der Entscheidung des IOCs sehr skeptisch gegenüber. Es wurde
befürchtet, dass die Stadt Lillehammer mit nur 24.000 Einwohnern (Gesamtregion
ca. 124.000) einem solchen Mega-Event, wie den Olympischen Spielen, nicht
gewachsen sei (Selstadt, T. 2004:S.50).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
143
Abbildung 27: Karte der Olympischen Wettkampfstätten der Winterspiele von Lillehammer
1994
(Quelle: Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995c: S.192)
Hauptziel der Durchführung der Olympischen Winterspiele war die wirtschaftliche
Förderung der Region Lillehammer unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer
und kultureller Aspekte. Als das norwegische Parlament 1989 die Bewerbung
Lillehammers für die Olympischen Spiele diskutierte, war klar, dass man mit den
Winterspielen einen “environmental showcase” erzeugen wollte (Lillehammer
Olympic Organizing Committee 1995a:S.132). Hierbei stand der Schutz der
Umwelt, insbesondere bei der Durchführung der Spiele und bei den dafür
benötigten Baumaßnahmen bei gleichzeitiger Förderung der Infrastruktur und der
Wirtschaft der Region Lillehammer, wie etwa der Verbesserung des Straßen- und
Bahnnetzes, die verkehrstechnische Anbindung mit der Stadt Oslo und der Ausbau
der Skigebiete, im Vordergrund der Planungen (Selstadt, T. 2004:S.50).
Das Lillehammer Olympic Organizing Committee (LOOC) zeigte anfangs jedoch
wenig Interesse an Umweltfragen. Erst unter Druck der norwegischen Regierung,
den Medien, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und bedingt durch
Konflikte mit Umweltaktivisten bei den Planungen der Hamar Olympic Hall, die in
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
144
der Nähe eines Vogelschutzgebiets errichtet werden sollte, straffte das LOOC das
Games’ environmental profile“ (Chernushenko, D. et al. 2001:S.50). In
Kooperation mit Umweltorganisationen startete das LOOC das „Project
Environmentally Friendly Olympics“ (Lillehammer Olympic Organizing Committee
1995a:S.126). Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen, wie mit
Naturschutzverbänden, der norwegischen Regierung und Vertretern der beteiligten
Städte und Regionen, förderte das „Grüne Profil“ der Spiele (Chernushenko, D. et
al. 2001:S.50).
Umweltziele des LOOC Inhalte
Green hotels Errichtung und Management der Unterkünfte und Hotels nach ökologischen
Aspekten
Green offices Einrichtung einer Umweltabteilung innerhalb des LOOCs (erstmalig in der
Geschichte der Olympischen Spiele)
Umweltklauseln mit Sponsoren Einführung von Umweltklauseln in allen Verträgen mit Sponsoren und
Lieferanten
Transport Verbesserung der öffentlichen Transportsysteme während und nach den
Olympischen Spielen
Müll Entwicklung eines Müllrecyclingkonzepts für die Lillehammer Olympics
Weiterführung des Konzepts durch die Norwegische Regierung nach den
Spielen
Öffentlichkeitsarbeit: „Educating
the public“
Umwelterziehung der Öffentlichkeit auf nationaler und internationaler Ebene
durch Informationen auf den Eintrittstickets und durch Medienübertragung im
Rahmen der Eröffnungszeremonie
Energieeffizienz und ökologische
Baumaterialien
Errichtung aller Olympischen Sportstätten nach den „latest environmental
Norwegian standards“
Energieeinsparung von 30 Prozent bei allen Olympischen Baumaßnahmen
gegenüber dem damaligen norwegischen Baustandards
Einsatz von ökologischen Baumaterialien
Einsatz von Ammoniak als Kühlungssystem in den Eishallen, anstatt von
ozonzerstörenden Produkten
„Environmental Auditing“ Entwicklung und Anwendung eines Umweltbewertungssystems für den
Olympischen Großevent und für die Planungs- und Konstruktionsphase aller
Olympischen Baumaßnahmen
Weitere Maßnahmen Teilnahme von LOOC an europäischen Umweltschutzprojekten, wie dem
„European Programme for Technology Cooperation“ (EUREKA):
Umweltmonitoring von Luft- und Wasserqualität in der Olympiaregion
Entwicklung eines „Bullet-Retrieval-Systems“, d.h. Sammlung und Recycling
der Schusshülsen im Biathlon Stadion
Herstellung der Olympischen Medaillen aus Natursteinen
Abbildung 28: Umweltziele der Olympischen Winterspiele von Lillehammer 1994
(eigene Darstellung nach Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995a: S.130 ff.)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
145
Die Thematik „Umweltschutz und Sport“ war eines der „most popular topics for the
international press“ während der Winterspiele von 1994 (Lillehammer Olympic
Organizing Committee 1995a: S.130). Das Umweltprofil der Winterspiele von
Lillehammer war mit zahlreichen Projekten verbunden, die von den Medien in alle
Welt übertragen wurden. Diese reichten von Richtlinien für den Transport, über
Umwelterziehung bis hin zu energetischen und ökologischen Baumaßnahmen
(siehe Abbildung 28). Das LOOC war das erste Organisationskomitee in der
Geschichte der Olympischen Großveranstaltung, das Umweltziele für Olympische
Spiele formulierte und eine Umweltabteilung („Green Office“) einführte. Folgende
Umweltaspekte, die auf den Nachhaltigkeitsprinzipien von UNEP (United Nations
Environmental Programme) aufbauten und den Lillehammer Municipal Regulatory
Plan integrierten, wurden vom LOOC für die Winterspiele von 1994 entwickelt
(Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995a:S.132):
Verbesserung des Umweltbewusstseins der Bevölkerung
Sicherung und Erhalt von regionalen und sozialen Aspekten
Förderung der nachhaltigen Entwicklung und des ökonomischen Wachstums
der Region Lillihammer
Gewährleistung der Einhaltung der Umweltstandards in allen Eventphasen
Einhaltung der Umweltaspekte bei der Planung und Errichtung der
Wettkampfanlagen
Im Gegensatz zu den Spielen von Barcelona von 1992, bei denen das
Hauptaugenmerk auf der städtischen Regeneration und sozialen Aspekten lag,
wurde bei den Olympischen Baumaßnahmen von Lillehammer nicht nur die
Landschaft in die Planung integriert, sondern bei allen Wettkampfstätten eine
effiziente und ökologische Bauweise abverlangt, die auch kulturelle Aspekte mit
einbezog. Unter dem Motto “Keeping Lillehammer Beautiful”, sollte die historische
und kulturelle Baukultur der Region nicht verändert werden und alle
Wettkampfstätten ein norwegisches Design erhalten (Chernushenko, D. et al. 2001:
S.117). Spezielle Design- und Umweltrichtlinien für die Wettkampfstätten wurden
im Bericht „Olympics ‘94 Visual Profile: Surroundings and Architecture“ festgelegt
und umfassten folgende Punkte (Lillehammer Olympic Organizing Committee
1995c: S.16):
Norwegischer Charakter („Norwegian character“)
Umweltfreundliches Design und Konstruktion („Environmental friendly design
and construction“)
Einheitliche und aufeinander abgestimmte Planung („Unity and coherence“)
Umsetzung der Planungen durch norwegische Planer („Work by leading
Norwegian designers“)
Neben den genannten Richtlinien wurde auch deren Umsetzung überprüft, d.h. für
die Durchführung der Olympischen Winterspiele und für alle Olympischen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
146
Baumaßnahmen wurde ein sogenanntes „Environmental auditing system
entwickelt (Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995a: S.130). Allerdings
wurden hierzu keine offiziellen Ergebnisse seitens des LOOCs veröffentlicht. Auf
die Resultate der Umweltbewertung wurde lediglich im Abschlußbericht der Spiele
hingewiesen. Die im Rahmen der Verträge mit Sponsoren und Lieferanten
geschlossenen Umweltklauseln betrafen auch die Olympischen Baumaßnahmen
(Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995a: S.126). „Visual pollution", d.h.
die Verunstaltung der Landschaft durch ungezielte und übertriebene
Werbemaßnahmen, war ein Problem, mit dem sich Lillehammer konfrontiert sah
und das vermieden werden sollte. Durch die in den Verträgen aufgestellten
Richtlinien für die Werbepartner wurden klare Vorschriften für die Sponsoren
aufgestellt: „Coca-Cola had to renegotiate a advertising deal, after it was found to
cause too much "visual pollution" (Chernushenko, D. et al. 2001: S. 117)
Für die Spiele wurden insgesamt zehn Wettkampfanlagen errichtet, die sich auf die
gesamte Region von Lillehammer verteilten (siehe Anhang 3). Die vier großen
Olympia-Hallen, in denen während der Spiele vorrangig Eishockey, Eisschnelllauf,
Eiskunstlauf und Curling stattfanden, wurden alle als Multifunktionshallen geplant.
Die Håkon Hall, die während der Winterspiele für die Eishockeywettkämpfe im
Olympiapark von Lillehammer errichtet wurde, diente auch als Arena für die
Eröffnungs- und Schlußzeremonien der Paralympischen Spiele. Um keine
Monumentalwirkung zu erzeugen, wurde die Halle so in die Landschaft eingebaut,
dass nur das Dach sichtbar blieb. (Lillehammer Olympic Organizing Committee
1995c:S.22). Ein Post-Olympic-Found der Regierung von Norwegen ermöglichte
den heutigen Betrieb als Multifunktionshalle für Sommer- und
Winterveranstaltungen. Neben Sportveranstaltungen wird die ehemalige
Olympiahalle zu 50 Prozent für Konferenzen, Messen und Konzerte genutzt (Berg,
S. 2001: S. 57). Isolierverglasung, Wärmerückgewinnung und eine effiziente
Tageslichtnutzung sind Maßnahmen, die die energieeffiziente Ausführung der Halle
unterstützen. Nachdem Lillehammer für die Olympischen Winterspiele von 1994
nominiert wurde, zeigte die Stadt Hamar direktes Interesse eine Eishalle zu
errichten, da der Ort auf eine weit zurückreichende Historie als Eisschnelllaufstadt
zurückblicken kann (Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995c:S.42).
Neben der Hamar Olympic Hall für die Eisschnelllaufwettkämpfe wurde auch das
Hamar Olympic Amphitheater für den Olympischen Eiskunstlauf errichtet. Die
Eisschnelllaufarena fungiert heute sowohl als nationale Wettkampfstätte für den
Eissport, als auch als Multifunktionshalle. Mit einer Kapazität für 20.000 Besucher
beinhaltet diese eine Eisschnelllaufbahn, eine Kunstschneepiste und eine
Kunsteisfläche für Curling, die auch als Kunstrasenplatz für Fußball genutzt werden
kann. Heutzutage erfolgt die Nachnutzung nicht vorrangig durch sportliche Events,
sondern zu 70 Prozent durch Messen, Konferenzen und Kulturveranstaltungen. Die
Hamar Olympic Hall mit ihrer Form als Wikingerschiff gilt mittlerweile als
Wahrzeichen für Norwegen (Selstadt, T. 2004: S.53) und erwirtschaftete als
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
147
Mehrzweckhalle Gewinn. Dennoch mußte die Betreibergesellschaft Konkurs
anmelden, da das Hamar Olympic Amphitheatre, welches der Hamar Olympic Hall
angegliedert ist, große Defizite verzeichnete. Ebenso wie bei allen anderen
Wettkampfstätten, wandte das LOOC auch hier verschiedenste
Umweltmaßnahmen an. So kann die Restenergie der Eisoberflächen und der
Kühlung in Heizenergie umgewandelt werden. Die Standortwahl wurde zusammen
mit Naturschutzorganisationen durchgeführt, d.h. die ersten offiziellen Pläne
wurden so modifiziert, dass der Neubau der Halle nicht ein anliegendes
Vogelschutzgebiet beeinträchtigte (International Olympic Committee 2007a: S.3).
Mit der Gjøvik Olympic Cavern Hall, in der ebenfalls Eishockeywettkämpfe
stattfanden, wurde erstmalig weltweit eine Olympische Wettkampfhalle in einen
Berg gebaut. Die hierfür abgebauten Gesteinsmassen (140.000 Kubikmeter)
wurden für den Bau eines anliegenden Bootshafens, einer Uferpromenade und
eines Parkhauses verwendet. Nach den Spielen wird die Halle heutzutage als
Multifunktionsarena genutzt. Die Nachnutzung variiert von Sport- bis hin zu
kulturellen Veranstaltungen. Des Weiteren wurde nach den Spielen in der Halle
eine Thermen- und Poollandschaft errichtet, die heutzutage stark frequentiert wird.
Die innovative Arena nutzt die konstante Temperatur, um die Heiz- und
Kühlungsenergie zu reduzieren. Hierfür wurde ein spezielles Energiekonzept für
Höhlenbauten entwickelt (Chernushenko, D. et al. 2001: S.41).
Mit dem Ziel “Compact Games” abzuhalten, wurde die Håkon Hall zusammen mit
der Kanthaugen Freestyle Arena und der Lysgårdsbakkene Ski Jumping Arena in
direkter Nähe des Zentrums von Lillehammer im Olympischen Park errichtet. Das
Gebiet hat sich nach den Spielen in ein Outdoor- und Erholungsgebiet verwandelt.
Insbesondere die Olympische Sprungschanze stellt einen
Touristenanziehungspunkt dar (Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995c:
S.22). Das anliegende Birkebeineren Ski Stadion, in dem die Langlauf- und
Biathlonwettkämpfe stattfanden, wurde ebenfalls unter Nachhaltigkeitsaspekten
erbaut. Hier bemühte man sich möglichst viele Bäume zu erhalten. Nach den
Spielen wird die Wettkampfanlage im Winter als Arena für Biathlonwettkämpfe
genutzt, im Sommer als Reiterareal und Camping-Gebiet (Lillehammer Olympic
Organizing Committee 1995c:S.42) (siehe Anhang 3).
Die Skiabfahrtswettkämpfe fanden außerhalb Lillehammers in den nationalen
norwegischen Olympic Alpine Centre, Hafjell (15 km nördlich von Lillehammer) und
Kvitfjell (58 km nördlich von Lillehammer) statt. Speziell das Skizentrum Kvitfjell
wurde extra für die Spiele neu errichtet. Der Bau des Gebiets im Jahr 1988 diente
der Bewerbung für die Spiele 1994. Die Pisten werden heute als Familienskigebiet
und Wettkampfstrecken genutzt (Lillehammer Olympic Organizing Committee
1995c:S.42). Beim Bau der Skistrecken wurde viel Wert auf eine ökologische
Umsetzung gelegt, d.h. die Pisten passten sich an das natürliche Terrain an und
man achtete darauf, möglichst wenig Bäume zu fällen bzw. Kompensationsarbeiten
zu leisten. Auch wurden Hochdruck-Kunstschneeanlagen in energieeffiziente
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
148
Niederdruck-Kunstschneeanlagen umtransformiert. Beim Bau der Lillehamer
Olympic Bobsleigh and Luge Track in Hunderfossen griff man auf die Erfahrungen
zahlreicher internationaler Spezialisten ehemaliger Olympischer Bobbahnen
zurück. Für das Kühlungssystem wurde eine Ammoniakvariante gewählt, die
Treibhausgase reduzieren soll. Aufgrund von Sicherheitsaspekten verläuft die
Ammoniakleitung in der Betonschale der Bahn. Noch heute ist die Bobbahn, die die
einzige Kunstbobbahn in Skandinavien darstellt, ein wichtiger
Touristenanziehungspunkt. (Lillehammer Olympic Organizing Committee
1995c:S.22).
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Winterspiele von
Lillehammer einen Durchbruch der Thematik „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ bei
Olympischen Spielen bewirkten: „The Lillehammer Games meant a breakthrough
for environmental work in international sports. The open and genuine interest
shown by the International Olympic Committee (IOC) in developing new
environmental goals will undoubtedly contribute to strengthening the Olympic
Movement” (Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995c: S. 169). Der
Einfluss der Winterspiele von 1994 führte dazu, dass das IOC die Olympic Charter
um die Dimension „Umwelt“ ergänzte (“environmental responsibility as the third
dimension of the Olympic Games”) und das Bewerbungskomitee von Sydney die
Thematik „Nachhaltigkeit“ in die Bewerbung für die Spiele im Jahr 2000 integrierte
(Stephen et Chalkley 2007: S.56). Bei den Spielen von Lillehammer fand erstmalig
ein Erfahrungstransfer zwischen Austragungsorten ehemaliger und zukünftiger
Olympischer Spiele statt. So gaben Vertreter der Winterspiele von Lillehammer ihr
erworbenes Wissen und ihre Erfahrungen mit Umweltmaßnahmen an die
Organisatoren von Atlanta (Olympische Sommerspiele 1996), Nagano (Olympische
Winterspiele 1998) und Sydney (Olympische Sommerspiele 2000) weiter
(Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995a: S.132). Ein weiterer wichtiger
Erfolg war, dass UNEP (United Nations Environmental Programme) die
Umweltziele der Spiele von Lillehammer in das Programm („Sports and
Environment“) aufnahm. Obwohl das Lillehammer Organisationskomittee die Idee
des „Green Profile“ erst sehr spät im Planungsprozess und nur auf Drängen von
Umweltorganisationen und der Politik eingesetzt hat, lässt sich das Olympische
Erbe sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene als positiv
bezeichnen (Chernushenko, D. et al. 2001:S.67). Folgende Aussage kann für das
Olympische Erbe von Lillehammer getroffen werden (Spilling 2000:S.131)
(Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995c:S.42):
Entwicklung der Region Lillehammer als wichtige Destination für nationale und
internationale Wintersport-Events und signifikante Touristenregion
(Besucherzahlen 1990: 350.000; Besucherzahlen 2001: 800.000) (Berg, S.
2001:S.56)
Schaffung von neuen Arbeitsplätzen (Tourismus, Medien und Manufaktur) und
Minderung der Arbeitslosenzahlen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
149
Fallstudie 9:
Mitwirkung von Umweltschutzorganisationen und Einführung von nationalen
Umweltbaustandards und Bewertungsmethoden durch Olympische Spiele
(Olympische Sommerspiele Sydney 2000)
Bereits bei der Olympiabewerbung, die zeitgleich mit der Austragung der Olympischen
Winterspiele von Lillehammer stattfand, warb der australische Austragungsort Sydney
mit weitreichenden ökologischen und nachhaltigen Planungszielen für die
Sommerspiele 2000: “wide range of environmental programmes and guidelines:
environmental issues were considered an important factor when the IOC decided to
give the games to Sydney” (Oittinen, A. 1998: S.184). Nach erfolglosen Bewerbungen
für die Olympischen Spiele von 1972 und 1988 erhielt die australische Sportmetropole,
insbesondere aufgrund der geplanten Umweltschutzmaßnahmen, im Jahr 1993 die
Zusage für die Sommerspiele von 2000 (Gold, J. R. et M.M. Gold:44f.). Trotz der
zahlreichen umwelttechnischen Errungenschaften, die die Olympische
Sportgroßveranstaltung von 2000 mit sich brachte, bezeichnete Richard Cashmann
das Erbe der Olympischen Spiele von Sydney als „Bitter-sweat awaking“ (Cashmann,
R. 2009):
Olympische Sommerspiele Sydney 2000: „Green Games“ und erstmalig enge
Zusammenarbeit mit Umweltschutzorganisationen als Katalysator für die
Einführung von nationalen Umweltbaustandards und -gesetzen und als
Entwicklungsbasis von Bewertungssystemen für nachhaltiges Bauen
Beginnend mit den „Green Games 2000 “ (Grünen Spiele) von Sydney wird
deutlich, dass Großveranstaltungen wie Olympische Spiele durchaus Impulse im
Bereich des nachhaltigen Bauens setzen können. Nicht nur bei der Durchführung
von Olympischen Spielen begann in den 90er Jahren seitens des IOCs auf
internationaler Ebene ein Umdenken in Richtung nachhaltige Entwicklung. Auch
innerhalb Australiens förderten die Olympischen Spiele die Entwicklung des „Green
Building“, d.h. des energieeffizienten und ökologisches Bauens.
Bis zur Bewerbung für die Olympischen Spiele gab es in Australien keine
gesetzlichen Grundlagen zur energieeffizienten und ökologischen Planung von
Gebäuden. Obwohl Maßnahmen zur Energieeinsparung bereits in
Forschungseinrichtungen erprobt waren, konnten sich diese in der Praxis nicht
durchsetzen, d.h. Erfahrungen über Kosten und Vorteile des energieeffizienten und
nachhaltigen Bauens waren bis zu den Spielen im australischen Bauwesen nicht
vorhanden (Prasad, D. 1999:S.87). Die Spiele beeinflussten sowohl die nationale
Gesetzgebung, als auch die australische Bauwirtschaft (Wood, P. 2007:S.2). Die
Bauindustrie und die Regierung von Australien erkannten die Vorteile von
energieeffizienter und nachhaltiger Bauweise: „has clearly been made aware of the
benefits of an environmentally benign approach“ (Prasad, D. 1999:S.87).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
150
Abbildung 29: Blick auf das Telstra Stadium (Olympic Stadium)
(eigene Darstellung)
Erst die gesetzliche Verankerung der ökologischen Bewerbungskonzeption
garantierte eine nachhaltige Ausführung und Umsetzung der Olympischen
Wettkampfstätten. Noch heute ist die Festlegung der Umweltrichtlinien durch den
australischen Bundesstaat New South Wales der größte Erfolg der Green Games.
Durch diese Gesetzgebung setzte ein Umdenken der australischen Bevölkerung
ein. Die Bewohner des australischen Kontinents wurden erstmals intensiv mit dem
Thema Naturschutz konfrontiert und der leichtfertige Umgang mit Bodenschätzen
und Energieressourcen wurde gesetzlich eingeschränkt. Heute hat die Regierung,
aufbauend auf den damaligen Grundlagen, nachhaltige Richtlinien für alle
Neubauten geschaffen. Den ursprünglichen ersten Unsicherheiten im Umgang mit
umweltfreundlichen Baustoffen, mit Solarstrom und Wasserrecycling standen
energieeffiziente Wettkampfstätten (siehe Abbildung 29) und eine funktionierende
ökologische Wohnsiedlung (Olympisches Dorf) der Spiele von 2000 gegenüber.
Das Hauptziel des Umweltprogramms für die Sommerspiele war die Sanierung und
Revitalisierung der Olympic Site am Homebush Bay (früheres Industriegebiet) in
einen Sport- und Freizeitpark und die Wiederbelebung der ursprünglichen
Vegetation und des Ökosystems. Entwickelt wurden die Umweltziele für die
Bewerbung durch den Umweltausschuss der Sydney Olympics 2000 Bid Limited.
Aspekte, wie Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs, Nutzung von
regenerativen Energiequellen, Einsatz von ökologischen Materialien, Erhaltung der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
151
Flora und Fauna und Vermeidung von Luft- und Wasserverschmutzung standen
hierbei im Vordergrund.
Abbildung 30: Blick auf den heutigen Olympic Park und die Küstenentwicklung
(eigene Darstellung)
Die Planungen für die Sommerspiele von 2000 umfassten ein 760 Hektar großes
ehemaliges Industriegebiet, den Homebush Bay, der etwa 15 km westlich des
Stadtzentrums von Sydney liegt. Die ursprüngliche Idee, durch die Olympischen
Spiele den am Paramatta River gelegenen Homebush Bay in eine
Ufervergnügungsmeile mit Gastronomie-, Shopping- und Unterhaltungs-
möglichkeiten zu verwandeln, scheiterte, da der Homebush Bay kein „sauberes“,
sondern mit Industriemüll verseuchtes Land war, das von Grund auf erneuert und
infrastrukturell entwickelt werden musste. Noch nach der Zusage für die
Olympischen Spiele im Jahr 1993 waren die Planungen mit Fähranlegestellen,
Promenaden und Luxushotels an den Uferzonen ein zentraler Bestandteil des
Konzepts. Aufgrund der hohen Verseuchung des Ufergebiets konnten die
geplanten Bauten und die Sportstätten jedoch nicht in direkter Wassernähe
errichtet werden. Die Bucht musste somit vom olympischen Masterplan
ausgenommen werden.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
152
Abbildung 31: „Living at the Waterfront“ - Entwicklungen des Wohnungsbaus an den stark
kontaminierten Uferzonen nach den Olympischen Spielen
(eigene Darstellung)
Verantwortlich für die Umsetzung der Umweltmaßnahmen und Olympischen
Bauten war die Olympic Co-Ordination Authority (OCA) (Games Info 2009). Ein
vom OCA zusammengestelltes Team aus städtebaulichen Entwicklern, Ökonomen,
Ingenieuren und Verkehrsexperten entwickelte den Masterplan für die Sydney 2000
Games. Wichtigste Bestandteile des im Februar 1996 bewilligten Masterplans
waren die Küsten- und Siedlungsentwicklung, d.h. eine öffentliche Fähranbindung
der Homebush Küste, Wohnbauentwicklung (Newington Stadtbezirk: Olympisches
Dorf; Nachnutzung: Wohnsiedlung für ca. 5000 Leute) und die Schaffung eines
städtischen Zentrums mit Sport-, Unterhaltungs- und Ausstellungsbauten, ebenso
wie die Errichtung eines Stadtparks (Millennium Parklands) (Sydney Olmypic Park
2005). Die bei der Bewerbung versprochenen Umweltschutzziele wurden in den
ersten Planungen jedoch nicht beachtet. Erst nachdem die
Umweltschutzorganisation Greenpeace und die australische Bevölkerung starken
Druck auf das Organisationskomitee ausübten und die versprochenen Kriterien
gesetzlich in der State Environmental Planning Policy (SEPP no.38) verankert
wurden, erfolgte die Berücksichtigung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte bei
den Olympischen Planungsmaßnahmen (Prasad, D. 1999:S.86f).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
153
Die Revitalisierung und Dekontaminierung des mit Industrie- und Chemieabfällen
(Schwermetalle, Dioxine und Phtalate) verseuchten Olympiagebietes „Homebush
Bay“ am Paramatta River, auf dem für rund 3,5 Milliarden Australische Dollar
olympische Sportbauten entstanden sind, stellte die Stadt Sydney vor eine kaum
lösbare Aufgabe (Sydney Organisation Committee for the Olympic Games
2001a:S.53). Der Homebush Bay ist ein Ort mit einer gemischten Geschichte, der
vor den Spielen vorwiegend als Industriegebiet mit zahlreichen Chemiefabriken, als
städtischer Schlachthof, als Ziegelwerk und als Munitionsdepot genutzt wurde. Seit
dem 19. Jahrhundert begann man die Mangrovensümpfe trockenzulegen.
Das Schwemmland wurde jahrzehntelang mit verschiedensten Materialien verfüllt,
darunter auch Industrie- und Giftmüll. Hierfür verkaufte die Regierung noch in den
70er Jahren Lizenzen ohne Auflagen und Prüfungen, um Land zu gewinnen und
die Gegend, ein von Gezeiten geprägtes Feuchtgebiet, industriell nutzbar zu
machen. Heute ist das Land, das Wasser und das Sediment der Bucht hochgradig
mit Phthalaten (Plastikweichmacher, die das Hormonsystem schädigen),
krebsauslösendem Dioxinen und Schwermetallen verseucht, die „wild“ auf dem
Gelände vergraben wurden. Bei Messungen und Untersuchungen durch die
Umweltschutzorganisation Greenpeace konnten bei Fischen Dioxin und andere
Umweltgifte in hohen Konzentrationen nachgewiesen werden. Seit 1990 ist daher
das Fischen in der gesamten Region des Homebush Bay verboten. Aufgrund der
starken Kontaminierung werden Teile des Gebiets nie für den Wohnungsbau
nutzbar sein. Noch heute bringen Unwetter und Stürme Restbestände der
Industrieabfälle vom Meeresgrund und von den Uferzonen nach oben (Greenpeace
2000b) (siehe Abbildung 31).
Die Natur hat sich zwar im Laufe der letzten Jahrzehnte das Land zurückerobert
und das ehemalige Olympiagebiet stellt mittlerweile das größte innerstädtische
Mangrovengebiet Australiens dar, dennoch trügt der Schein. Niemand weiß,
welche Abfälle und in welchem Ausmaß der Industriemüll am Homebush Bay
gelagert wurde. Im Rahmen der Olympischen Spiele wurde zwar begonnen, das
Gebiet des Olympiaparks zu reinigen, dennoch erfolgte die Dekontaminierung nicht
großflächig. Wichtigster Bestandteil dieser Maßnahmen war, den verseuchten
Boden am Homebush Bay zu belassen und vor Ort zu dekontaminieren. Hierzu
wurde das verseuchte Erdmaterial zu künstlichen Hügeln angehäuft, mit einer
Lehmschicht bedeckt, begrünt und mit einem Drainagesystem versehen (siehe
Abbildungen 30 und 31). Mit der endgültigen Fertigstellung der so genannten
Millenium Parklands im Jahr 2006 und der Erschließung von neuen Grünflächen,
entstand am Homebush Bay ein kilometerlanges Fahrrad- und Fußwegenetz durch
das größte innerstädtische Mangrovengebiet Australiens mit zahlreichen Barbecue-
und Spielplätzen und künstlich geschaffenen Hügeln als Aussichtspunkte. Nur
Warnschilder und Schautafeln, die über die ehemalige Nutzung des Homebush
Bays als Müllablagerungsplatz und die Dekontaminierungsmaßnahmen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
154
informieren, weisen noch auf die ursprüngliche Nutzung und auf die Verseuchung
des Gebiets hin. Der oberflächlich intakte Naturraum mit seiner ausgeprägten Flora
und Fauna rückt jedoch die eigentliche Problematik des Gebiets, nämlich die starke
Kontaminierung mit Industriemüll, stark in den Hintergrund.
Abbildung 32: Brickpit Ring Walk - Steg über den Hauptregenwasserspeicher des Olympic
Park (ehemalige Ziegelgrube)
(eigene Darstellung)
Heute, mehr als zehn Jahre nach den Spielen, entstehen am Ufer des Homebush
Bay zahlreiche Neubauten. Mit „Living at the Waterfront werben Bauträger und
Immobilienmakler für teure Appartmentanlagen am Ufer des Homebush Bays.
Bereits seit 1990 ist das Fischen und Baden dort verboten, auch wenn sich nur
wenige Personen daran halten und das Verbot trotz zahlreicher Warnschilder in
Vergessenheit gerät. Der heißbegehrte Blick aufs Wasser lässt die hochgradige
Kontaminierung der Bucht und deren Auswirkungen und Folgen vergessen.
Besucht man den Olympic Park über den Wasserweg, fallen die neu entstehenden
Luxusappartments am Ufer des Homebush Bays ebenso ins Auge wie die
Verbrennungsanlagen, die den verseuchten Boden vor Ort abbrennen, und die
künstlichen neu entstehenden Giftmüllhügel aus verbrannter, dekontaminierter
Erde (siehe Abbildung 31). Der in der Luft liegende Brandgeruch lässt die
Anwohner an die Zeit vor den Spielen erinnern, als das Gesamtgelände saniert
wurde.
Die nach den Spielen angrenzend an den Olympic Park entstandenen
Parkanlagen, wie etwa die Umwandlung des ehemaligen Munitions- und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
155
Waffendepots (Newington Armory) in einen zukünftigen Natur- und Freizeitpark
oder der im Jahr 2006 eröffnete Brickpit Ring Walk, ein ringförmig angelegter Steg,
der über die ehemalige Ziegelabbaugrube führt (siehe Abbildung 32), erhöhten die
Vielfalt des innerstädtischen Parkgebiets. Die ehemalige Ziegelgrube wird heute als
Hauptregenwasserspeicher des Olympic Park verwendet. Dieses und zahlreiche
weitere Wasserreservate und –speicher, die die Parklands durchziehen, sind
neben den Wassertanks im Telstra Stadium (vier Wasserspeicher á 800.000 Liter)
Teil eines ökologischen Wasserrecyclingsystems (WRAMS) des Homebush Bays,
das im Rahmen der Grünen Spiele eingeführt wurde (siehe Abbildung 33). In
diesen Wasserspeichern wird das Regenwasser gesammelt und bei Bedarf mit
wieder aufbereiteten Abwässern der Sportstätten und Haushalte gemischt und als
Grauwasser den Wohn-, Sport-, und Gewerbebauten zugeführt. Durch die Nutzung
von recyceltem Wasser für die Pflanzenbewässerung und Toilettenspülungen
werden auf dem Gebiet des Homebush Bay jährlich 850 Millionen Liter Trinkwasser
gespart. Der Erfolg dieses Wassermanagementsystems (WRAMS) in einem Land,
das trotz Wassermangels den höchsten Pro-Kopf-Wasserverbrauch der Welt hat,
wird Jahr für Jahr immer deutlicher. Die zu Anfang bestehenden Unsicherheiten der
anliegenden Bevölkerung wurden durch die anhaltend gute Wasserqualität
aufgehoben und das Wasserrecyclingsystem wird heute mit als die beste
Errungenschaft der „Grünen Spiele“ angesehen.
Dem Einsatz von Greenpeace und Bürgerbewegungen ist es zu verdanken, dass
der heutige Olympic Park nicht nur saniert, sondern dass bei den Spielen und
deren Baumaßnahmen tatsächlich Umweltschutzstandards eingeführt und eine
ökologische und nachhaltige Planung durchgesetzt wurden. Die Spiele stellten
somit sowohl einen Katalysator bei den Olympischen Spielen, als auch ein
Umdenken der Bauwirtschaft Australiens hin zu ökologischer und nachhaltiger
Bauweise dar. Noch heute bilden die bei den Spielen von Sydney entwickelten
Umweltstandards für Olympische Spiele und deren Baumaßnahmen die
Grundbasis für zukünftige Olympische Spiele. Obwohl die Olympischen
Winterspiele von 1994 (Lillehammer) im eigentlichen Sinne die ersten „Grünen
Spiele“ darstellen, ging das Olympische Großevent von Sydney aufgrund der
enormen Medienwirksamkeit und der engen Zusammenarbeit mit Greenpeace als
die ersten „Green Games“ in die olympische Geschichte ein. Die Gründung der
Sport und Environment Commission des IOCs (1996) und die Festlegung der
Thematik „Umwelt“ als dritte Dimension des Olympismus (1996) fallen genau in die
Planungsphase der Olympischen Spiele von Sydney. Zudem bildeten die
Umweltrichtlinien der Spiele von 2000 die Basis für die ersten
Umweltschutzgesetze im Bausektor des Staates New South Wales (NSW). Auf
Grundlage der hier erstmalig angewandten Bewertungskataloge entwickelten sich
Umweltbewertungssysteme zur Beurteilung australischer Bauten, wie Green Star
oder Nabers (siehe Kapitel 5.2.1).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
156
Erstmalig bei Olympischen Spielen arbeiteten auch Umweltschutzorganisationen,
wie Greenpeace und ein Bewerbungskomitee eng zusammen (Prasad, T. 1999:
S.86f.). Doch die Einbindung der Umweltschutzorganisation in die Sommerspiele
gestaltete sich anfangs mehr als schwierig. Erst mit dem Sieg des
Architekturwettbewerbs für das Olympische Dorf im Sommer 1992 und der
Entwicklung des weltweit ersten „Green Olympic Village“, bei dem Greenpeace
maßgeblich beteiligt war, konnte die eigentliche Zusammenarbeit zwischen
Greenpeace und dem OCA starten: „Prompt gewannen im Sommer 1992 jene
Architekten den Wettbewerb für das Olympische Dorf in Sydney, die das
‚emissionsärmste Quartier der Welt’ entworfen hatten (…). Keiner der Preisrichter
allerdings wusste vor der Entscheidung, dass der Plan maßgeblich von
Greenpeace erarbeitet worden war“ (Stoepel, B.:1996).
Zusammen mit der OCA stellte Greenpeace für alle Planungsbeteiligten Richtlinien
auf, damit die Olympischen Spiele umweltfreundlich organisiert werden konnten.
Diese im September 1993 veröffentlichten Environmental Guidelines for the
Summer Olympic Games wurden auf Grundlage der Ergebnisse der UN-
Umweltschutzkonferenz von 1992 (UNCED: UN Conference on Environment and
Development in Rio de Janeiro) und der National Ecologically Sustainable
Development Strategy (NESDS) der australischen Regierung erarbeitet (siehe
Kapitel 4.2.1). Mit kontinuierlicher Öffentlichkeitsarbeit und der staatlich geförderten
Institution Green Games Watch 2000 wurde seit 1995 über fünf Jahre lang auf die
Einhaltung aller aufgestellten Kriterien geachtet (Symington, B. et H. Latham 2000).
Nach Zusage des IOCs für die Austragung der Spiele wurden die Richtlinien für die
ökologische und energieeffiziente Ausführung der Olympischen Spiele und deren
Baumaßnahmen von der australischen Regierung in der State Environmental
Planning Policy gesetzlich verankert (Prasad, D. 1999:S.85). Die Regierung von
Australien und der Bundesstaat NSW verpflichteten hierdurch die Organisatoren
der Olympic Games, diese Umweltrichtlinien bei der Planung, dem Bau und dem
Betrieb einzuhalten.
Die Schwerpunkte dieser Richtlinien liegen auf folgenden Themenfeldern
(Champell, N. 2001:S.3):
Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen („Energy
conservation and use of renewable energy sources Water conservation”)
Müllvermeidung und –minimierung („Waste avoidance and minimization“)
Schutz der Gesundheit durch Festlegung von Standards für Luft, Wasser und
Boden („Protecting human health with appropriate standards of air, water and
soil quality“)
Schutz der natürlichen und kulturellen Umwelt („Protecting significant natural
and cultural environments“)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
157
Abbildung 33: Regenwasserableitung über das Dach des Telstra Stadiums in vier
unterirdische Wasserspeicher á 800.000 Liter zur Grauwassernutzung
(eigene Darstellung)
Auf Basis dieser Richtlinien entwickelte das OCA zusammen mit
Umweltorganisationen, staatlichen und privaten Institutionen,
Forschungseinrichtungen und Bürgerinitiativen folgende Planungsziele für
Projektentwickler, Architekten und Unternehmern („Homebush Bay Development
Guideline Series“) (Champell, N. 2001: S. 3):
Umweltstrategie („Environment Strategy“)
Strukturplan („Structure Plan“)
Masterplan („Masterplan“)
Transportstrategie („Transport Strategy“)
Landschaftsentwicklungsstrategie („Landscape Strategy“)
Nach den Spielen hat Greenpeace Australia in Zusammenarbeit mit verschiedenen
Experten Umweltleitlinien für nachhaltige Großveranstaltungen herausgebracht, um
diese als Umweltstandards für zukünftige Olympiaaustragungsorte und
Bewerberstädte zu etablieren. Diese sogenannten „Greenpeace International
Olympic Environmental Guidelines – A Guide to Sustainable Events“ beruhen auf
den Umweltrichtlinien, die für die Sydney 2000 Games entwickelt wurden (siehe
Kapitel 4.2.1). Mit insgesamt 34 Leitlinien stellen diese noch heute, 10 Jahre nach
den Spielen, international anerkannte, jedoch nicht verpflichtende,
Umweltstandards für zukünftige Olympiaaustragungsorte und deren
Wettkampfstätten dar (Greenpeace 200b:S.5). Zusätzlich zu den Environmental
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
158
Guidelines und der Beurteilung durch das OCA führte Greenpeace eine detaillierte
Bewertung der Baumaßnahmen für die Sommerspiele von Sydney durch (siehe
Kapitel 4.2.1): „How green the Games? Greenpeace’s environmental assessment
of the Sydney 2000 Olympics” (Greenpeace 2000a:S.8). Diese
Umweltbewertungen und Evaluationen der Olympischen Spiele durch
Umweltorganisationen setzten sich auch bei den Spielen von Athen 2004, Turin
2006 und Peking 2008 fort (siehe Kapitel 4.2).
Bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney wurden neben zahlreichen
Einrichtungen, wie dem Olympic Village (heute Newington Village für 5.000
Einwohner), der Olympic Park Railway Station oder dem International Broadcast
Centre, weitere 25 Wettkampfstätten genutzt. Hierbei verwendete man sowohl
Neubauten, als auch bestehende Sportbauten und temporäre Einrichtungen, wie
etwa das Beach Volleyball Centre am Bondi Beach. Vierzehn Olympische
Wettkampfstätten befanden sich in zentraler Lage am Homebush Bay und waren
fußläufig zum Olympischen Dorf angesiedelt. Alle anderen Sportbauten verteilten
sich auf sechs Satellitenwettkampfstätten in einer Maximalentfernung von 30
Minuten zum Olympic Park, wie etwa in der Sydney Harbour Zone und in der
Darling Harbour Area (Sydney Organising Committee for the Olmypic Games
2001a: S.59). Die Sanierung des Homebush Bay Gebiets wurde bereits Mitte der
80er Jahre festgelegt. Die Transformation des ehemaligen Industriegebiets in eine
Sport- und Freizeitgegend startete mit der Errichtung des State Sports Centre im
Jahr 1984 und dem Bicentennial Park (1988) (Sydney Organising Committee for
the Olympic Games 2001a:S.53). Diesen Einrichtungen folgten das Sydney
International Athletic Centre (1994) und the Sydney International Aquatic Centre
(1994) (Sydney Organising Committee for the Olmypic Games 2001a: S.54).
Mit der Zusage der Bewerbung wurde die Planung zahlreicher Olympischer
Wettkampfstätten am Homebush Bay beschlossen. Um eine erfolgreiche
ökologische und energieeffiziente Umsetzung aller Olympischen Bauten zu
gewährleisten, mussten insbesondere bei den Olympischen Sportstätten, die in den
Environmental Guidelines festgelegten Richtlinien beachtet werden, ebenso führte
die OCA eine Bewertung der Olympischen Sportstätten mit dem „Leitfaden für die
nachhaltige Entwicklung der Wettkampfstätten“ durch (Compendium of ESD –
Initiatives and Outcomes for OCA Facilities and Venues) (Olympic Co-ordination
Authority 1999). Die in den Themenfeldern Erhaltung der Artenvielfalt und
Ressourcen und Kontrolle des Verschmutzungsgrads aufgestellten Kriterien
bildeten die Ausgangslage für die heutigen nationalen australischen
Bewertungssysteme Green Star und Nabers (siehe Kapitel 5.2.1). Folglich stellten
die Spiele von Sydney die erste Olympische Sportgroßveranstaltung dar, aus deren
Umweltschutzkriterien für die Olympischen Wettkampfbauten sich nationale
Bewertungsmethoden für Gebäude entwickelt haben.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
159
Zahlreiche Olympische Baumaßnahmen beeindruckten durch umwelttechnische
Innovationen (siehe Anhang 4). Insbesondere das Stadium Australia, dass im Jahr
2002 in Telstra Stadium umbenannt wurde (siehe Abbildung 29), und der Sydney
SuperDome wiesen zahlreiche positive Aspekte auf (Cashmann, R. 2006: S.148).
Das Stadium wurde wegen seiner Vielseitigkeit und Einfachheit der
multifunktionalen Einrichtungen mit dem Master-Builders-Awards ausgezeichnet
und war aufgrund seiner energieeffizienten Sportarchitektur zudem Gewinner des
nationalen Energy Award. Das nach den Spielen von 110.000 auf 80.000 Sitzplätze
zurück gebaute Stadion (Recycling der Betontragstruktur und Nachnutzung der
30.000 abgebauten Sitze in anliegenden Sport Clubs) dient heute Football- und
Rugby-Vereinen und als Austragungsort für Konzerte. Die variable
Sitzflächengestaltung mit verschiebbaren Tribünenmodulen ermöglicht
unterschiedliche Sportfelder (oval bis rechteckig), d.h. die Ausübung von
verschiedenen Sportarten, wie Australian Football, Rugby, Cricket oder Fußball
(siehe Abbildung 34).
Abbildung 34: Variable Tribünengestaltung des Telstra Stadium (oval bis rechteckig) für
unterschiedliche Sportfelder zur Ausübung verschiedener Sportarten
(eigene Darstellung)
Die Maximierung von passiven und natürlichen Belüftungs- und
Belichtungskonzepten stellen im Bereich der Stadionarchitektur innovative
Möglichkeiten zur Energieeinsparung von bis zu dreißig Prozent dar (siehe
Abbildung 35). Eine weitere Innovation sind die vier Wasserspeicher im
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
160
Untergeschoß des Stadions. Pro Tank können etwa 800.000 Liter Regenwasser
auf dem Stadiondach gesammelt werden, die dem Stadion als Grauwasser, d.h. für
Toiletten und Rasenbewässerung, oder nach Bedarf der allgemeinen
Wasserversorgung des Sportparks zur Verfügung gestellt werden. (Cashmann, R.
2006: S. 148). Dennoch musste der Betreiber des Stadions, der bereits vor den
Olympischen Spielen zahlreiche Verluste erwirtschaftete (1998-1999: Verlust von
24 Millionen australischen Dollar, 1999-2000: Verlust von 11 Millionen
australischen Dollar) trotz steigender Auslastung nach den Spielen im Jahr 2004
Konkurs anmelden (Cashmann, R. 200: S.151).
Der ursprünglich für Sportgroßveranstaltungen geplante Sydney SuperDome
(15.000 bis 18.000 Zuschauer), der während der Spiele als Austragungsort für
Kunstturnen und Basketballwettkämpfe diente, hat nach den Spielen seine
ursprüngliche Nachnutzung (Sportwettkämpfe) geändert und stellt heute die
weltweit zweitgrößte überdachte Unterhaltungsarena (Messen und Konzerte) dar.
Die ehemalige Sportstätte weißt ebenfalls zahlreiche umwelttechnische
Errungenschaften auf und wurde 1999 mit dem Umweltpreis „Banksia-
Construction-Practises-Award“ ausgezeichnet. Das Umweltkonzept umfasst PVC-
freie Sitze, Abwasserrohre und Leitungen, ebenso wie eine Grauwassernutzung für
Toiletten, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine Maximierung der
natürlichen Belüftung (Cashmann, R. 2006: S. 144).
Abbildung 35: Schnitt des Telstra Stadium - natürliche Belüftung
(Quelle: Fordham, M. 2001: S.89)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
161
Trotz Einsatzes von innovativen energieeffizienten und ökologischen
Baumaßnahmen können die Olympischen Wettkampfstätten von Sydney nicht als
„nachhaltig“ bezeichnet werden, da sich die Nachnutzung der Olympischen
Wettkampfstätten und des Olympischen Parks noch immer als sehr schwierig
erweist. Das Gelände, das für ein Großevent entwickelt wurde, gleicht an manchen
Tagen einer Geisterstadt: „Before and during the Olympics the Place pumped (…)
but now it`s like a ghost town“ (Cashmann, R. 2006: S.32). Seit den Olympischen
Spielen 2000 erhöht sich die Zahl der Besucher des Olympic Parks und die Anzahl
der dort stattfindenden Veranstaltungen zwar Jahr für Jahr (2004: 6,6 Millionen
Besucher; 2005: 7,8 Millionen Besucher; 2006: 8,0 Millionen Besucher) (Sydney
Olympic Park Authority 2007:S.3), im Vergleich zu anderen Olympischen
Austragungsorten sind die hier aufgeführten Zahlen jedoch sehr gering (siehe
Kapitel 2.3.6).
Was sind die Gründe für die mangelnde Nachnutzung? Zwei wesentliche Aspekte
spielen hierbei eine Rolle. Zum einen ist die Architektur des Olympic Parks für die
Durchführung eines Massenevents, aber nicht für eine adäquate Nachnutzung
ausgelegt. Zum anderen ist die Verkehrsanbindung des Bezirks mit öffentlichen
Verkehrsmitteln noch heute sehr schlecht. Während der Sommerspiele 2000
bewegten sich etwa 50.000 Besucher pro Stunde durch den Olympic Park. Das
infrastrukturell speziell für Großveranstaltungen konzipierte Gebiet verhinderte
große Menschenanstauungen und garantierte einen reibungslosen Ablauf der
Spiele. Breite lang gestreckte gerade Straßenzüge und große Plätze bestimmen
das heutige Stadtbild (Sydney Organising Committee for the Olmypic Games
2001a: S.51ff.). Einzelne Touristen und Schulklassen schaffen es jedoch nicht die
weitläufige Fläche des Sportparks zu füllen (siehe Abbildung 36). Nur bei
Heimspielen der Rugby und Football Clubs oder der seit 1998 jährlich
stattfindenden Royal Easter Show erfüllt die Architektur ihre ursprüngliche Aufgabe
und schleust die zahlreichen Besucher ungehindert zu ihren Plätzen. Während die
Verkehrsanbindung mit dem Auto über die zwei Hauptverkehrsachsen Sydneys
(Ost-West: M4 Western Motorway; Nord-Süd: Homebush Bay Drive) relativ gut ist,
erfolgt die Anbindung an das öffentliche Verkehrssystem von Sydney auch zehn
Jahre nach den Spielen noch immer nicht in ausreichendem Ausmaße (siehe
Anhang 5). Die Anreise zum Gelände kann sowohl mit öffentlichen Fähren als
auch mit der Bahn erfolgen. Von der Fähranlegestation bringt ein Shuttlebus einmal
stündlich die Besucher zum Olympic Park. Die Abfahrtszeiten sind aber nicht mit
den Ankunftszeiten der Fähre gekoppelt, so dass man sich auf längere Wartezeiten
einstellen muss. Auch mit der Bahn besteht in das Gebiet keine direkte Anbindung,
sondern erfolgt ab der Hauptverkehrsstrecke (Lindfield Stadion) mit einem
unterirdisch verlaufenden Olympic Shuttle Train.
In den letzten Jahren beginnt sich der Olympic Park nun nach und nach zu
etablieren. Mit Gründung der Sydney Olympic Park Authority (SOPA), die seit 2001
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
162
die Nachfolgeorganisation des Organisationskomitees der Olympischen Spiele
(OCA) von Sydney darstellt, wird seit 2003 intensiv an der zukünftigen Entwicklung
des Olympic Parks gearbeitet (Games Info 2009). Aufgabe dieser Behörde, die der
North-South-Wales-Regierung untersteht, ist das Management, die Vermarktung
und die Weiterentwicklung des Olympischen Parks.
Abbildung 36: Blick auf den Bahnhof des Olympic Park: mangelnde Nachnutzung des
ehemaligen Olympiabezirks Homebush Bay
(eigene Darstellung)
Den ersten Schritt zum Aufbau eines belebten Stadtviertels stellt ein
Nachhaltigkeitsplan dar, mit dem das Gelände bis zum Jahr 2012 ökologisch,
ökonomisch und kulturell entwickelt werden soll. Die Ziele des damaligen
Masterplans wurden aufgegriffen und in den Bereichen Sport, Erziehung, Umwelt,
Freizeitgestaltung, Gewerbe und Wohnen weiterentwickelt (Sydney Olympic Park
Authority 2009: S.5). Das Stadtgebiet, das architektonisch für einen Massenevent
geplant war, soll durch die Füllung der Zwischenräume in ein funktionierendes
Stadtviertel umgewandelt werden. In der Startphase befinden sich bereits die
Neubauten von drei Hotels, die neben dem seit den Spielen bestehenden Novotel-
Hotel im Olympic Park errichtet wurden, als auch der Neubau eines Bürogebäudes
der Commonwealth Bank. Weitere Verlegungen von Abteilungen der Bank aus
dem Zentrum von Sydney an den Homebush Bay sollen folgen. Neben
verschiedenen Gewerbe- und Bürobauten ist auch das New-South-Wales-Institut
für Sportwissenschaften im Jahr 2006 eingeweiht worden. Insgesamt sollen bis
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
163
zum Jahr 2030 Neubauten mit bis zu 1,4 Millionen Quadratmetern entwickelt
werden (Sydney Olympic Park Authority 2009: S.4).
Dem Einsatz von Greenpeace und Bürgerinitiativen ist es zu verdanken, dass der
heutige Olympic Park nicht nur saniert, sondern dass bei den Spielen und deren
Baumaßnahmen Umweltschutzstandards eingeführt wurden, die nach den Spielen
die Basis für die ersten Umweltschutzgesetze im Bausektor des Staates New South
Wales (NSW) bildeten. Die Entwicklung von energieeffizienter und nachhaltiger
Bauweise in Australien beginnt somit mit den Olympischen Sommerspielen von
Sydney. Vor der Bewerbung Sydneys für die Olympischen Spiele 2000 waren
Green Buildings“ in Australien ein seltenes Phänomen: “relatively recent
phenomenon” (Renato et al 2006: S.1). Die folgenden Strategien und Gesetze, die
durch die Spiele seit 1992 eingeführt wurden, zeigen, dass die Olympischen Spiele
von Sydney nicht nur die Baustandards bezüglich der Aspekte Energieeffizienz und
Nachhaltigkeit des Staates New South Wales, sondern auch von ganz Australien
förderten (Olympic Co-ordination Authority 1999: S.1ff.) (Renato et al 2006:S.1):
1990: Ecologically Sustainable Development (ESD)
1992: National Strategy for Ecologically Sustainable Development (NSESD)
1995: State Environment Planning Policy No. 38 (SEPP 38) - Olympic Games
and related projects
1995: Sydney Regional Environment Plan No.24 (SREP 24)–
Homebush Bay
1997: Protection of the Operations Act (POEO)
1997: Australian Governments Measures for Improving Energy Efficiency in
Commonwealth Operations
1999: Environment Protection and Biodiversity Conservation Act (EPBC Act)
2002: State Environment Planning Policy No. 65 (SEPP 65) – Design Quality
of Residential Flat Development
2004: Building code for residential buildings“ (BASIX) des NSW State
Government (Wassereinsparung und Energieeffizienz)
2006: Umstrukturierung der BASIX Richtlinien für den Nichtwohnungsbau
2006: Energy Efficiency in Government Operations (EEGO) Policy (Update
von Australian Governments Measures for Improving Energy Efficiency
in Commonwealth Operations von 1997)
Fallstudie 10:
Stadtregeneration trotz mangelnder Nachnutzung und Staatsverschuldung
(Olympische Sommerspiele Athen 2004)
Die Dynamik und Errungenschaften der Spiele von Sydney in den Bereichen
„Umweltschutz und Energieeffizienz“ bei der Durchführung der Sportgroßveranstaltung
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
164
und bei den Olympischen Wettkampfstätten stellten die Olympiastadt Athen vor eine
große Herausforderung. Der Austragungsort von 2004 schien sich jedoch auf dem
Olympischen Erbe der Spiele von 1896, d.h. auf den ersten Spielen der Neuzeit,
auszuruhen. So bestimmten eher Zeitdruck und Intoleranz gegenüber
Umweltschutzmaßnahmen die Olympischen Spiele von Athen, als die tatsächliche
Fortführung der bei den Spielen von Sydney eingesetzten ökologischen und
energieeffizienten Baumaßnahmen. Obwohl die Spiele von 2004 durchaus positive
Auswirkungen für die Stadtinfrastruktur aufwiesen (Ausbau des öffentlichen
Nahverkehrs, Öffnung zum Meer, Begrünung der Stadt usw.), stellten sie im Bereich
„Ökologie“ eher einen Rückschritt als einen Fortschritt dar:
Olympische Sommerspiele Athen 2004: Stadtrevitalisierung trotz mangelnder
Nachnutzung (Olympiapark als Geisterstadt) und hohe Staatsverschuldung
„Grew rapidly and without urban planning” so lässt sich die städtische Entwicklung
Athens der letzten Jahrzehnte beschreiben (Athens 2004 Organising Committee for
the Olympic Games 2005: S.64). Starke Verkehrslasten, mangelnde Grünflächen
und öffentliche Räume, dies ist das Bild, das Athen vor den Olympischen Spielen
von 2004 aufwies. Heute zeigt sich den Besuchern eine veränderte Stadt. Durch
die zahlreichen Infrastruktur-, Begrünungs- und Stadtsanierungsmaßnahmen ist die
Stadt ruhiger, sauberer, sicherer und grüner geworden. Die Bewerbung für die
Spiele bot der griechischen Hauptstadt somit eine einmalige Gelegenheit sich
großflächig zu regenerieren.
Zwar fällt das Olympische Erbe im Rahmen der Stadtrevitalisierung durchaus
positiv aus, dennoch stellt sich heutzutage die Nachnutzung für die 36
Olympischen Wettkampfanlagen als sehr mangelhaft dar. Der Athens Olympic
Sports Centre, der Hauptsportkomplex der Olympischen Sommerspiele von 2004,
wurde nach den Spielen eingezäunt und gleicht einer Geisterstadt. Das ehemalige
Olympische Stadion von 1896 ist seit den Spielen von 2004 für die Öffentlichkeit
nicht mehr zugänglich (siehe Abbildung 37). Die zahlreichen innerstädtischen
Baumaßnahmen, wie der Bau zweier neuer Metro-Linien, die Anbindung der Stadt
an den Flughafen und die mangelnde Nachnutzung und Nichtzugänglichkeit der
Olympischen Wettkampfstätten führten zu einer hohen Staatsverschuldung, an der
die Bevölkerung Griechenlands noch lange zu tragen haben wird. Die Olympischen
Revitalisierungsmaßnahmen (Schnellstraßen, öffentlicher Nahverkehr und
Telekommunikation) koppelten sich an den Athener Masterplan “Major Projects to
Revitalise Athens” und umfassten folgende vier Teilgebiete: das Olympische Dorf
Lekanes Acharnon im Norden Athens, den Athens Olympic Sports Centre, den
historischen Altstadtkern und die Küstenzone Faliro Coastal Zone (Athens 2004
Organising Committee for the Olympic Games 2005: S.75).
Im Rahmen dieses Masterplans wurde ein Umweltschutzprogramm, d.h. eine
„Environmental Policy“ entwickelt, mit der zwar die Umweltqualität der Stadt Athen
verbessert werden sollte, für den Olympischen Wettkampfstättenbau wiesen diese
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
165
Richtlinien jedoch kaum ökologische und energieeffiziente Inhalte auf (Athens 2004
Organising Committee for the Olympic Games 2005: S.75). Für Umweltschutz- und
Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei den Olympischen Wettkampfstätten wurde zwar
vom Ministry for the Environment, Physical Planning and Public Works (MEPPPW)
und der Organisation of Urban Planning and Environmental Protection of Athens
(ORSA) die Studie „General Guidelines for Planning" entwickelt, Maßnahmen
werden hier aber nur für den nachhaltigen Betrieb und das Müllmanagement der
Sportanlagen beschrieben. Um die geplanten Umweltmaßnahmen umsetzen zu
können, wurden verschiedene neue Umweltgesetze durch das Ministry of Culture
entwickelt und im Rahmen der Law 2730/1999 gesetzlich verabschiedet: “it was
decided that the location, the uses, the terms and other urban provisions related to
Olympic but also post-Olympic use, would be regulated by Law in line with the most
recent European Union Directives on urban development and environment” (Athens
2004 Organising Committee for the Olympic Games 2005: S.154).
Abbildung 37: Olympiastadion der Olympischen Spiele von Athen 1896 - nach den
Sommerspielen von 2004 ist der Zugang für die Öffentlichkeit nicht mehr
möglich
(eigene Darstellung)
Ein Großteil der geplanten Umweltziele der Spiele von Athen wurde sehr kontrovers
diskutiert. Während die „large-scale rehabilitation“ der Faliro Coastal Zone im Süden
Athens, die ähnlich wie bei den Spielen von Barcelona, die industrielle Küstenzone von
Athen mit der Innenstadt anbinden sollte, als positiv angesehen wurde, zeigt die
Errichtung des Schinias Olympic Rowing and Canoeing Centre die Widersprüche der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
166
Olympischen Baumaßnahmen im Bezug auf Umweltschutz- und Nachhaltigkeit von
Athen auf (Athens 2004 Organising Committee for the Olympic Games 2005: S.149).
So kritisierte der Worldwide Fund for Nature (WWF) in seinem Abschlußbericht die
Errichtung der Wettkampfanlage in der bislang unberührten Schinais Küstenlandschaft
(WWF 2004:S.2). Das Athener Organisationskomitee hingegen sagte in seinem
Abschlußbericht aus, dass das Schinias Projekt sich als positiv für das Gebiet erwiesen
habe, da durch einen politischen Beschluss zukünftige unkontrollierte
Wohnungsbauten und illegale Müllablagerungen vermieden werden könnten und die
Schinais Küste im Jahr 2000 in einen Nationalpark umgewandelt wurde (Athens 2004
Organising Committee for the Olympic Games 2005: S.305).
Fallstudie 11:
Einführung einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung durch
Olympische Spiele (Olympische Winterspiele 2006)
Hauptziele der Winterspiele von Turin 2006 waren die Transformation und die
Förderung des Tourismus der Stadt und der Region Piemont (Bondonio, P. et N.
Campaniello 2006: S.6). Als südeuropäische Städte mit großen Gründerzeit-Vierteln
und strengem Straßenraster ähneln sich zwar die Olympiaaustragungsorte Barcelona
und Turin, doch während die spanische Olympiastadt durch ihr Städtebauprogramm
„zurück ans Meer“ wollte, revitalisierte Turin die zahlreichen ehemaligen
Fabrikgelände, um das „Image als Industriestadt abzuschütteln und sich als
Touristenziel zu profilieren“ (Meyer, U. 2006):
Turin 2006: Erste Olympische Spiele mit ganzheitlichem
Nachhaltigkeitsansatz und Einführung von Umweltmonitoring, -reporting und
-audit bei Olympischen Sportgroßveranstaltungen
Die Winterspiele von 2006 veränderten nicht nur die Stadt Turin, sondern wirkten
sich positiv auf die gesamte Region Piemont aus. Die ehemalige Autostadt Turin,
die im letzten Jahrhundert maßgeblich durch den Autohersteller Fiat bestimmt
wurde und die von sehr starkem Individualverkehr geprägt war, erhielt erstmalig
durch die Olympischen Spiele eine Metrolinie. „Der Familie Agnelli dürfte es recht
sein, denn sie ist auch in der Bahnindustrie aktiv. Statt der vielen kleinen FIAT-
Autos fahren in Zukunft eben mehr FIAT-Züge durch die Stadt“ (Meyer, U. 2006).
Die Verlegung der wichtigsten Bahnlinie unter Tage, die die Stadt bisher in zwei
Hälften zerschnitt, war die städtebaulich einschneidendste Olympische
Baumaßnahme. Hierdurch gewann Turin ein über 200 Hektar großes neues
Stadtgebiet im Zentrum der Stadt, bei dem „Dienstleistung, Kultur und Tourismus“
im Vordergrund der Planungen standen (Meyer, U. 2006).
Die Wettkampfstätten und Unterkünfte der Athleten verteilten sich in Turin und der
Region Piemont (Bondonio, P. et N. Campaniello 2006: S.3). Bei den
Wettkampfstätten und Unterkünften wurde sowohl in Turin, als auch im Umland
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
167
größtenteils auf Bestandsbauten zurückgegriffen. Die über 150 Meter frei
spannende Betonhalle „Palavela“ aus dem Jahr 1961 wurde speziell für die
Olympischen Spiele umgebaut. Unter das bestehende, segelförmige Betondach
der ehemaligen Ausstellungshalle wurde eine Eiskunstlaufhalle geschoben, die
heute für das Ägyptische Museum von Turin genutzt wird.
Das bestehende Stadio Communale wurde saniert und um eine eckige Halle für die
Hockey-Wettbewerbe erweitert. Neu errichtet wurden die Eisschnelllaufhalle „Oval
Lingotto“, die nach den Spielen als Messehalle genutzt wird, der Sportpalast im
Industriegebiet Miraflori, eine Curlinghalle in Pinerolo, die Sprungschanze
Pragelato und eine Bobbahn in Cesena, ebenso wie das Turiner Olympische Dorf,
das mit dem Ziel einer ökologischen Modellsiedlung errichtet wurde. Nach den
Spielen wurde dieses als Studentenwohnheim und Mietwohnungen umgenutzt
(Meyer, U. 2009). Die Eröffnungs- und Schlußfeiern fanden im Alpenstadion des
Turiner Fußballclubs „Juventus“ statt. Der „Mercati Generali“ mit seinen 25.000
Quadratmetern großen Hallen aus dem Jahr 1934 wurde für die Akkreditierung, die
Logistik, als Konferenz- und medizinisches Zentrum, für Läden und für Restaurants
umgebaut und wird nach den Spielen als Hochschule für Design genutzt. Das alte
Lingotto-Werk von Fiat erfuhr ebenfalls eine Aufwertung. Es fungierte während der
Spiele als Pressezentrum und wurde mit einer 156 Meter langen roten
Hängebrücke, die zum architektonischen Symbol der Spiele avancierte, mit dem
Olympischen Dorf verbunden (Meyer, U.:2009).
Die Stadtumwandlung Turins in eine postindustrielle Ära führte zu enormen Kosten
und brachte das nachhaltige Erbe der Spiele stark ins Wanken (Bondonio, P. et N.
Campaniello 2006: S.6). Die tatsächlichen Kosten, die größtenteils von der
öffentlichen Hand getragen wurden und die bei der Kandidatur auf 500 Millionen
Euro budgetiert worden waren, beliefen sich letztendlich auf 3,4 Milliarden Euro.
Während die finanzielle Belastung für die Metropole Turin eher tragbar scheint,
verkraften Orte wie Pragelato oder Cesana den Unterhalt der Skisprungschanze
und Bobbahn nach den Spielen nur schwer (CIPRA 2006). Nicht nur der finanzielle
Aspekt der Neuerrichtung der Bobbahn und der Sprungschanze wurden stark
kritisiert, sondern auch ökologische Faktoren, da die Wettkampfanlagen in direkter
Nähe zu einem Naturschutzgebiet errichtet worden sind.
Die Nachnutzung dieser Sportanlagen ist noch heute mehr als ungewiss, da sich in
direkter Nähe die Sprungschanzen und Bobbahn der Winterspiele von Albertville
befinden. Auch diese haben noch Jahrzehnte nach den Spielen mit
Nachnutzungsproblemen zu kämpfen (CIPRA 2006). Generell weisen die
Nachhaltigkeitsmaßnahmen der Winterspiele von Turin bei der baulichen
Umsetzung der Wettkampfstätten eher einen theoretischen als praktischen Ansatz
auf. Während speziell bei den Planungen zahlreiche energetische und ökologische
Faktoren verfolgt wurden, scheiterten diese an der tatsächlichen Realisierung, wie
sich am Beispiel der Unterkunft des Turiner Medienzentrums zeigte (Vorträge auf
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
168
der SB05 Tokyo). Dennoch lassen sich die Olympischen Spiele als das „first truly
green major sports event in Europa“ bezeichnen (Europa 2006), da man durch die
Winterspiele eine Neuorientierung in eine umwelt- und alpenverträglichere
Richtung auslösen konnte (Weitlaner, W. 2006).
Die Olympischen Winterspiele 2006 von Turin können als die ersten Olympischen
Spiele bezeichnet werden, die eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie
eingeführt haben (Frey, M. et al 207: S.1). Seit den Spielen von Lillehammer 1994
wurden zwar vermehrt Umweltthemen in die Vorbereitung und die Durchführung
von Olympischen Spielen mit einbezogen, aber das Torino Organising Committee
(TOROC) griff bei den Winterspielen auf einen umfassenden Nachhaltigkeitsansatz
zurück. Dieser umfaßte nicht nur Umweltaspekte (Frey, M. et al 207: S.7), sondern
auch ethische, soziale und wirtschaftliche Kriterien im Olympischen Programm
(TOROC 2004: S.49).
Bei den Olympischen Spielen wurden erstmalig ein Ökoaudit durchgeführt (Eco-
mangement and Audit Scheme, EMAS) und „klimaneutrale“ Spiele ausgerichtet. Im
Rahmen des Programms HECTOR (Heritage Climate Torino) wurden zahlreiche
Kompensationsmaßnahmen im In- und Ausland durchgeführt, um die 100.000
Tonnen CO2 auszugleichen, die zusätzlich durch die Spiele entstanden. Dies wurde
jedoch nicht nur positiv gesehen, da sich "Umweltschäden nicht nur anhand von
Kohlendioxidmengen beziffern lassen“, sondern auch „Abfall und Abwässer, die
schon im Vorfeld der Spiele verursacht wurden“ mit einzurechnen sind (Weitlaner,
W. 2006). Weitere wichtige Umweltprogramme stellen die Umweltberichterstattung
und das Monitoring der Spiele dar (Sustainability Report 2003 und 2005).
Werkzeuge, die wie es scheint, sich nun auch bei zukünftigen Spielen, wie
Vancouver 2010 oder London 2012, durchsetzen werden (siehe Kapitel 4.3).
Fallstudie 12:
Einführung von ökologischen und energieeffizienten Bautechnologien, Gesetzen
und Planungsinstrumenten in einem Schwellenland durch Olympische Spiele
(Sommerspiele Beijing 2008)
Die Olympischen Sommerspiele 2008 von Beijing sollten ein Wegbereiter des
Schwellenlands China sein, um den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt des
Landes auf internationaler Ebene zu zeigen. Die Stadt Beijing bemühte sich hierbei
Umweltschutz, Energieeffizienz und ökonomischen Profit miteinander zu verbinden:
„an opportunity to showcase its commitment and ability to grow in an environmentally
sustainable manner“ (UNEP 2008: S.14):
Olympische Sommerspiele Beijing 2008: Öffnung der Stadt nach außen –
Einführung von ökologischen und energetischen Baustandards und
Gesetzen in einem Schwellenland
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
169
Die bestehenden enormen ökologischen und sozialen Probleme, die der
ökonomische Boom des Schwellenlands China mit sich brachte, stellten die Stadt
vor eine kaum lösbare Herausforderung. Insbesondere die schlechte Luftqualität,
die durch die zahlreichen innerstädtischen Großindustrien und die geographische
Lage Beijings hervorgerufen wurden, soziale Konflikte und die rigorose
Stadtentwicklungsplanung der letzten Jahre bestimmten das Bild der chinesischen
Metropole nicht nur vor den Spielen. Dies war auch während der Olympischen
Großveranstaltung stark spürbar (siehe Abbildung 38). Dennoch stellten die
Sommerspiele einen Katalysator für die Umweltprobleme von Beijing dar, da
zahlreiche Umweltpläne der Sommerspiele nicht nur olympiaspezifisch waren,
sondern sich in den städtischen Masterplan integrierten (UNEP 2008: S.39).
Um den Nachhaltigkeitsprozess zu beschleunigen, wurden zahlreiche Projekte des
Beijing Environmental Master Plan (Umweltschutzprogramm der Stadt Beijing für
die Jahre 1997 bis 2015), die erst bis zum Jahr 2015 umgesetzt werden sollten,
bereits für die Sommerspiele 2008 fertiggestellt (UNEP 2008: S.14).
Abbildung 38: Olympic Park und Olympic Stadium während der Sommerspiele 2008
(eigene Darstellung)
Bedingt durch die Olympischen Spiele führte die Stadt Beijing zahlreiche Umwelt-
und Energiegesetze für alle zukünftigen Neubaumaßnahmen ein (UNEP 2008:
S.108):
Beijing Programme of Buildings Energy Saving During 11th Five Year Plan
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
170
Provision of Beijing Municipality Methods of Reinforcing Energy Conservation
Provision of Beijing Municipality Methods of Energy Saving Supervision
2006 Speeding Circular Economy and Establishing Energy Saving Act
Guidelines of Heat Pump Systems Development
Provision of Beijing Municipality Methods of Reinforcing Energy Conservation.
Provision of Beijing Municipality Methods of Energy Saving Supervision
Provision of Beijing Municipality Guidelines on Implementation of Trial Methods
on Clean Production Audit.
Beijing Programme of Circular Economy Development during 11th Five Year
Plan
Abbildung 39: Lichteffekte des National Aquatic Centre während der Olympischen
Sommerspiele von Beijing 2008
(eigene Darstellung)
Neben den Umweltrichtlinien des Masterplans der Stadt Beijing, führte das
Organisationskomitee (BOCOG) eigene Umweltrichtlinien ein (UNEP 2008: S.32).
Unter dem Motto „Green Olympics, High-Tech Olympics and People’s Olympics”
und im Rahmen des Beijing Sustainable Development Plan setzten das
Organisationskomitee BOCOG zusammen mit dem Beijing’s Municipal
Government, der Regierung von China und verschiedenen Umweltorganisationen
(UNEP, Greenpeace usw.) mehr als 20 Hauptprojekte zur Verbesserung des
Umweltschutzes um (Gesamtbudget US$ 12,2 Milliarden) (UNEP 2008: S.14). Zu
nennen sind hier vor allem die Verbesserung der Wasserqualität und Maßnahmen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
171
zur Wassereinsparung, Abwasserreinigung und Regenwassersammlung, da die
Stadt oft von Trockenperioden heimgesucht wird und die Gewässer in und um die
chinesische Metropole noch heute stark durch die Schwerindustrie verunreinigt
werden (UNEP 2008: S.19). Die Förderung der Luftqualität durch Verlagerung der
Schwerindustrie aus der Stadt, das Verbot von Fahrzeugen mit hohen
Emissionswerten und der Austausch von Kohleheizungen in Gasheizungen stellten
ebenso wichtige Meilensteine der Umweltprojekte der Spiele dar, wie die
Umwelterziehung der Bevölkerung, die Verbesserung des Müllmanagements, der
Ausbau der Infrastrukturmaßnahmen (öffentlicher Nahverkehr) und die Aufforstung
und Begrünung der Stadt (Olympic Movement 2007b: S.39). Wie bei den
Winterspielen von Turin, ließ sich auch das Organisationskomitee von Beijing mit
dem ISO 14001 Standard zertifizieren (UNEP 2008: S.14).
Abbildung 40: Beijing 2008 - Blick von der verbotenen Stadt auf das Olympic Green
(eigene Darstellung)
Die 31 Wettkampfbauten (12 Neubauten, 11 Bestandbauten und acht
Temporärbauten) der Olympischen Spiele verteilten sich über die gesamte Stadt.
Verschiedene Wettkämpfe waren auch nach Hongkong ausgelagert (UNEP 2008:
S.39) (siehe Anhang 6). Zentrum der Spiele bildete der ca. 800 Hektar große
Olympiapark „Olympic Green“ im Norden der Stadt mit zehn Olympischen
Wettkampfstätten, wie dem National Stadium, dem National Aquatic Centre (siehe
Abbildung 39), dem National Indoor Stadium oder verschiedenen temporären
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
172
Einrichtungen für Bogenschießen und Hockeywettkämpfe. Heute stellt der
Komplex, der auf der Verlängerung der historischen Stadtachse nördlich der
Verbotenen Stadt angelegt wurde, einen Volkspark mit Waldbestand,
Wasserläufen, Zierseen und modellierten Hügeln für die Pekinger Bevölkerung dar
(UNEP 2008: S.39) (siehe Abbildung 40). Um während der Planung die
Nachhaltigkeitsaspekte sicherzustellen, wurden „Environmental Protection
Guidelines for the Olympic Project“ für alle neuen, bestehenden und temporären
Wettkampfstätten entwickelt (UNEP 2008: S.42). Bei fast allen Olympischen
Sportbauten wurden Umweltmaßnahmen in die Planung integriert. Im Vordergrund
standen die Verbesserung der Energieeffizienz, die Verwendung von
umweltfreundlichen Materialien, der Einsatz von Solarkollektoren für die
Warmwassererzeugung, die Nutzung von Geothermie (Kraft-Wärmekopplung) für
Heizung und Kühlung und die Anwendung von wassersparenden Technologien
(Regenwasserspeicherung usw.) und von Photovoltaikanlagen für die
Straßenbeleuchtung (UNEP 2008: S.55ff.).
Um die Planungen bezüglich ökologischer und energetischer Aspekte bewerten zu
können und den Anforderungen des IOCs nach einem „Environmental Assessment
nachzukommen, wurde für die Beurteilung der Olympischen Wettkampfbauten das
Green Olympic Building Assessment System (GOBAS) entwickelt (UNEP 2008:
S.43) (siehe Kapitel 5.2.2). Auch Umweltschutzorganisationen, wie UNEP oder
Greenpeace bewerteten die Spiele im Anschluß hinsichtlich einer umweltgerechten
Umsetzung (siehe Kapitel 4.2.4). Des Weiteren ist Beijing der erste Olympische
Austragungsort, der im Rahmen der IOC’s Olympic Games Impact Study (OGGI-
Studie) die Spiele von den ersten Bewerbungsschritten bis zwei Jahre danach
beschreibt. Um die Energieeffizienz der Olmypischen Wettkampfbauten zu
bewerten, wurde bei allen Olympischen Baumaßnahmen ein „Energy conservation
assessment” durchgeführt, das auf nationalen chinesischen Energieeffizienz-
standards beruhte (DBJ01-621-2005). Diese Standards, die im Wohnungsbau eine
Reduzierung des Energiebedarfs um 65 Prozent und bei öffentlichen
Baumaßnahmen um 50 Prozent fordern, wurden im Jahr 2005 entwickelt, traten
aber erst 2008 in Kraft (UNEP 2009: S.90).
Die beschriebenen Umweltprojekte der Olympischen Spiele waren sicherlich ein
wichtiger Meilenstein für Beijing, dennoch stellen diese Maßnahmen nur erste
Schritte dar, d.h. in den nächsten Jahrzehnten gilt es noch zahlreiche
Umweltschutzpläne umzusetzen, um tatsächlich erste Erfolge verzeichnen zu
können. Nach UNEP waren zahlreiche dieser Maßnahmen, wie etwa die
Umweltbewertung oder das Müllmanagement, auch eher theoretisch als praktisch
ausgelegt (UNEP 2008: S.20). Die Olympischen Spiele von 2008 bewirkten zudem,
dass sich die Stadt der Welt öffnete. Noch nie zuvor haben sich so viele
ausländische Touristen und Journalisten in China bzw. in der Stadt Beijing
aufgehalten. Doch die Olympische Großveranstaltung brachte nicht nur positive
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
173
Aspekte mit sich, sondern führte zu zahlreichen sozialen Konflikten. Für die
Erstellung der Wettkampfanlagen, des Olympischen Parks und der Unterkünfte
wurden tausende Personen zwangsumgesiedelt und damit zahlreiche traditionelle
chinesische Kultur zerstört. Leiharbeiter aus ganz China, die für die Olympischen
Baumaßnahmen nach Peking berufen wurden, mussten während der Spiele die
Stadt verlassen. Somit lassen sich die Spiele von 2008 nicht als nachhaltig
bezeichnen, sondern sind lediglich ein erster Schritt, Umwelt- und
Nachhaltigkeitsaspekte vermehrt in den Bausektor zu integrieren.
4.1.2. Fallstudien: Zukünftige Olympische Sommer- und Winterspiele
Die Olympischen Spielen von Beijing stellen einen weiteren Meilenstein dar, die
Themen „Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ als Hauptbestandteile in die Olympischen
Planungen zu integrieren. Insbesondere bei den Olympischen Baumaßnahmen wurde
deutlich, dass der Einsatz von energieeffizienten und ökologischen Technologien im
Wettkampfstättenbau heutzutage möglich ist und sich Umwelt- und
Nachhaltigkeitsbewertungen der Olympischen Sportbauten mehr und mehr
durchsetzen. Auch die Wettkampfstätten der Winterspiele von Vancouver 2010 und die
Sommerspiele von London 2012 zeigen diese Entwicklung und haben sich die
Thematik „Nachhaltigkeit“ als wichtigstes Planungsziel sowohl bei der Organisation der
Großveranstaltung als auch bei den Olympischen Baumaßnahmen gesetzt:
Olympische Winterspiele Vancouver 2010: „Sustainability and aboriginal
participation” im Vordergrund der Planungen und Bewertung der
Olympischen Baumaßnahmen mit LEED (Leadership in Energy and
Environmental Design)
Bei den Olympischen Spielen von Vancouver 2010, die sich auf die vier
Olympiaareale Vancouver (Olympisches Dorf, Medienzentrum, Eissportarten),
Richmond (Eisschnelllauf), West Vancouver (Ski-Freestyle und Snowboard) und
Whistler (Olympisches Dorf, alpine und nordische Skiwettbewerbe, Bob-, Rodel-
und Skeleton) aufteilen, steht die Thematik Nachhaltigkeit im Vordergrund der
Umsetzung (VANOC 2010). Alle Olympischen Baumaßnahmen sollen „eco-
efficiently” unter folgenden Aspekten umgesetzt werden: Biodiversität und
Lebensraum, Energie und Klimawandel, Luftqualität, Wasserqualität und
Müllmanagement. Zudem wird die ökologische und energetische Qualität der
Olympischen Sportbauten mit dem nationalen Zertifizierungssystem LEED®
Canada (Leadership in Energy and Environmental Design) beurteilt (siehe Kapitel
5.2.3) (Vancouver 2010 Bid Corporation Board 2002: S.127). Ebenso wie der
Olympische Austragungsort Turin von 2006, setzt das Vancouver
Organsiationskomittee (VANOC) die Nachhaltigkeitsberichterstattung mit dem
VANOC’s Sustainability Report fort (VANOC 2010).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
174
Olympische Sommerspiele London 2012: Transformation eines Stadtbezirks
unter ökologischen und sozialen Aspekten, temporäre Bauweise als
Hauptziel und Bewertung der Sportstätten mit BREEAM
Bei den Sommerspielen von London 2012 sollen unter dem Motto “Towards a One
Planet Olympics” die Umweltbelastungen der Olympischen Spiele von London
2012 so gering wie möglich gehalten werden. In Bezug auf die Wettkampfstätten
bedeutet dies eine weitestgehende Nutzung bestehender und temporärer
Sportbauten (Beispiel: Rückbau des Olympiastadions mit 80.000 Sitzplätzen nach
den Spielen in ein Leichtathletikstadion mit 25.000 Plätzen) (LONDON2012 2004a:
S.85). Der Olympische Park „Lower Lea Valley“ im Osten Londons, in dem ein
Großteil der Olympischen Wettkampfstätten untergebracht wird, soll nach den
Spielen in einen städtischen Park transformiert werden „be transformed into one of
the largest urban park created in Europe for more than 150 years“ (LONDON2012
2004a). Alle Olympischen Baumaßnahmen werden mit dem britischen
Bewertungssystem BREEAM nicht nur nach ökologischen und energetischen
Aspekten, sondern auch nach sozialen und kulturellen Aspekte beurteilt (siehe
Kapitel 5.2.4) (LONDON2012 2004a: S.155). Hierzu veröffentlichte die Olympic
Delivery Authority (ODA) im Jahr 2006 die London 2012 Sustainability Policy.
Folgende fünf Aspekte werden betrachtet (Olympic Delivery Authoriy 2007a: S.8):
Klimawandel, Müllvermeidung, Biodiversität, Gesundheit und Einbezug des
Umfelds. Um alle Aspekte erfolgreich umzusetzen, wurde die Commission for a
Sustainable London 2012 gegründet.
Während die zukünftigen Austragungsorte Sochi (Olympische Winterspiele 2014) und
Rio de Janeiro (Olympische Sommerspiele 2016) sich eher auf internationaler Ebene
profilieren wollen, zeigen Bewerberstädte wie München (Winterspiele 2018), dass
Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Zusammenhang mit Olympischen Spielen und
deren Wettkampfbauten einen immer höheren Stellenwert einnehmen. Hierbei steht
nicht nur die ökologische und energieeffiziente Umsetzung im Vordergrund. Mehr und
mehr werden auch ökonomische und soziale Aspekte in die Planungen integriert. Um
die Umsetzung nachhaltiger Olympischer Baumaßnahmen nachzuweisen, haben sich
Werkzeuge, wie Bewertungssysteme, Berichterstattung und Monitoring, etabliert, die
das nachhaltige Erbe der Austragungsorte speziell in den Bereichen „Umwelt- und
Nachhaltigkeitsstandards“ für das Bauwesen fördern sollen.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
175
4.2. Umweltbewertungen und -richtlinien von Umweltschutz-
organisationen für Olympische Spiele und deren Sportbauten
Als international unabhängige Vereinigungen (auch NGO genannt: Non-Governmental-
Organization), die frei von politischen Parteien und wirtschaftlichen Interessen sind,
leisten Umweltschutzorganisationen und -verbände heutzutage sowohl auf lokaler,
nationaler als auch internationaler Ebene zahlreiche Dienste zur Förderung und
Verbreitung des Umweltschutzgedankens, was sich im folgenden Zitat des United
Nations Environment Programme (UNEP) zeigt: „NGOs strongly asserted the important
role civil society organizations have to play in promoting and monitoring environmental
sustainability“ (UNEP 2006). Viele Umweltschutzaktionen und -proteste werden durch
die Medien (Internet, Presse, TV etc.) in alle Welt übertragen, um die Öffentlichkeit auf
die Belange der Organisationen und Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Auch
bei Olympischen Spielen sind Umweltschutzverbände seit einigen Jahren zum Teil eng
an der Durchführung der Sportgroßveranstaltung beteiligt. Seit den Sommerspielen
2000 von Sydney arbeiten Organisationen wie Greenpeace oder das WWF (Word
Wide Fund for Nature) beratend und bewertend mit. Sie nutzen den weltweiten
Bekanntheitsgrad der Spiele und den damit einhergehenden Medienrummel zur
Forderung nach einer ökologischen und nachhaltigen Umsetzung von
Sportgroßveranstaltungen und als Plattform zum Aufzeigen von
Umweltschutzproblemen der Austragungsorte.
Die Zusammenarbeit von Umweltschutzorganisationen mit dem Internationalen
Olympischen Komitee (IOC) geht bereits einige Jahre zurück. Zeitnah mit den
Aktivitäten von Greenpeace für die Olympischen Spiele von Sydney 2000 schloss das
United Nations Environmental Programme (UNEP) mit dem IOC im Jahr 1994 ein
Cooperative Agreement für die Einbeziehung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen
bei Olympischen Spielen (siehe Kapitel 3.2). Hierbei ist UNEP nicht nur in beratender
Funktion tätig, sondern bewertet die Olympischen Spiele auch hinsichtlich ihres
Umwelt- und Nachhaltigkeitsansatzes, wie etwa mit dem „Sustainability Report 2006
der Winterspiele von Turin 2006 (UNEP 2006), der in Zusammenarbeit mit dem
Environment Department des Turiner Organisationskomitees durchgeführt wurde, oder
dem Umweltbericht „Beijing 2008 Olympic Games - An environmental Review (UNEP
2007). Gemeinsames Hauptziel aller Umweltschutzorganisationen ist die Forderung
nach verstärkter und verpflichtender Integration von Umwelt- und
Nachhaltigkeitsansätzen bei Olympischen Spielen durch das IOC zur Minderung der
Auswirkungen des Großevents Olympische Spiele auf die Umwelt. Dies zeigen auch
die Aussagen von Greenpeace und des World Wide Fund for Nature (WWF):
„We believe the IOC has an important role to play in helping Olympic host cities and
bid cities to avoid the pitfalls Sydney faced and to exceed Sydney’s environmental
standards. (Greenpeace 2000a: S.8)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
176
The IOC should set high environmental requirements for site selection,
development, energy and water conservation and pollution avoidance (…).”(WWF
2004: S. 44)
Olympische Spiele Umwelt-Audit Organsisation
Sydney 2000
How green the Games? Greenpeace’s
environmental assessment of the Sydney 2000
Olympics
Greenpeace International &
Greenpeace Australia Pacific
Environmental assessment of the Athens 2004
Olympic Games
WWF Greece
Athen 2004
How green the games? A Greenpeace
assessment of the environmental performance of
the Athens 2004 Olympics
Greenpeace International
Turin 2006 Sustainability Report 2006 Environment Department of the
Organising Committee for the XX
Olympic Games Torino 2006
Ambiente 2006
UNEP (United Nations
Environment Programme)
Environmental Assessment 2006
“Green Seal of Approval”
WWF Italia
Environmental Assessment 2006 UNEP (United Nations
Environment Programme)
China after the Olympics: Lessons from Beijing Greenpeace International &
Greenpeace China
Beijing 2008 Olympic Games – an environmental
review
UNEP (United Nations
Environment Programme)
Beijing 2008
Independend Environmental Assessment, Beijing
2008 Olympic Games
UNEP (United Nations
Environment Programme)
Abbildung 41: Übersicht über durchgeführte Umwelt-Audits von Olympischen Spielen
(eigene Darstellung)
Das erste Umwelt-Audit von Olympischen Spielen und deren Baumaßnahmen wurde
von der unabhängigen Umweltschutzorganisation Greenpeace International in
Zusammenarbeit mit Greenpeace Australia Pacific bei den Sommerspielen von Sydney
2000 durchgeführt (Greenpeace 2000a). Bei den Sommerspielen von Athen 2004 griff
das WWF auf die Bewertungskriterien von Greenpeace zurück und entwickelte die
Environmental Scorecard“, d.h. den Bewertungskatalog von Greenpeace zur
Beurteilung von Olympischen Spielen, weiter (WWF 2004). Die Evaluation der
Olympischen Spiele von Bejing 2008 hinsichtlich Ökologie und Nachhaltigkeit wurde
nicht nur von UNEP bewertet (UNEP 2007), sondern auch auf Basis des von
Greenpeace entwickelten Bewertungsmaßstabs beurteilt (Greenpeace 2007). In
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
177
Abbildung 41 sind alle bisherigen Environmental-Audits von Olympischen Spielen
zusammengefasst.
4.2.1. Greenpeace international und Greenpeace Australia Pacific: Sydney
2000
Die ersten Olympischen Spiele, bei denen eine Umweltschutzorganisation aktiv an der
Planung und Durchführung der Sportgroßveranstaltung beteiligt war und die
anschließend hinsichtlich ihrer ökologischen Maßnahmen bewertet wurden, waren die
Sydney Olympic Games 2000 (Greater London Authority 2007: S.77). Seit den
Olympischen Spielen von Sydney begleitet die Umweltschutzorganisation Greenpeace
die ökologischen Planungen und Umsetzungen von zukünftigen Olympischen Spielen.
Bereits zu Beginn des Bewerbungsprozesses war Greenpeace eng in die ökologische
Planung der Spiele eingebunden bzw. die australische Umweltschutzorganisation war
der eigentliche Antrieb der „Green Games“ (siehe Kapitel 4.1).
Kategorien der Greenpeace Environmental Guidelines
1. Energieverbrauch („Energy Consumption”)
2. Transport („Transport)
3. Kühlung und Klimaanlagen („Refrigeration and Air-Conditioning”)
4. Ozonschichtzerstörung („Ozone Depletion”)
5. Holznutzung („Timber Use”)
6. Lebensraumschutz („Habitat Protection”)
7. Wasserschutz („Water Conversation”)
8. Innenraumluftqualität („Indoor Air Quality”)
9. Verbrauch natürlicher Ressourcen („Consumption of Natural Ressources”)
10. Müllvermeidung und Minimierung („Waste Avoidance and Minimization“)
11. Genetisch veränderte Organismen („Genetically modified organisms; GMOs”)
12. Lebensqualität („Quality of Life”)
13. Kultureller und historischer Kontext („Cultural and historical context”)
14. Transparenz und Monitoring der Richtlinien („Transparency and monitoring of the guidelines”)
Abbildung 42: Kategorien der Greenpeace Environmental Guidelines
(eigene Darstellung nach Greenpeace 2000b)
Greenpeace entwickelte zusammen mit dem Organisationskomitee und verschiedenen
anderen australischen Umweltschutzgruppen die Environmental Guidelines für die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
178
Olympischen Spiele, die als offizieller Teil der Bewerbung Sydneys für die
Sommerspiele 2000 beim IOC eingereicht wurden. Diese 34 Guidelines gliedern sich in
14 Kategorien, die nicht nur ökologische und energieeffiziente Umweltindikatoren, wie
Energieverbrauch, Transport und Wasser, umfassen, sondern auch kulturelle und
historische Aspekte der Austragungsorte mit integrieren (Greenpeace 200b: S.5) (siehe
Abbildung 42). Die Greenpeace Richtlinien sollten auch für zukünftige Olympische
Spiele ein „minimum requirement“ setzen und stellen noch heute, zehn Jahre nach den
Spielen, die bislang einzigen weltweit anerkannten, jedoch bislang nicht
verpflichtenden, Richtlinien für „Green Olympic Games and Venues“ dar.
Während der Kandidaturphase Sydneys trieb Greenpeace das Thema „Green Games
auf internationaler Ebene und innerhalb des IOCs intensiv voran. Nach der Zusage für
die Olympischen Spiele im Jahr 1993 startete die Umweltschutzorganisation eine
siebenjährige Kampagne zur tatsächlichen Umsetzung der „Grünen Spiele“. Als „Green
Watchdog“ führte Greenpeace das Monitoring der Planung, der Konstruktion und der
Durchführung der ökologischen Planungsansätze der „Green Games“ durch, um bei
Nichteinhaltung der geforderten Maßnahmen sofort entgegenwirken zu können
(Greenpeace 2000: S.7). Hierbei arbeitete Greenpeace eng mit dem Sydney
Organising Committee for the Olympic Games (SOCOG), der Olympic Co-ordination
Authority (OCA) und zahlreichen weiteren Stakeholdern zusammen: “to evaluate the
environmental legacy and was most positive in its evaluation of the clearing of the
Homebush brownfield site and community liaison; though it was critical of the limited
impact on” (Greater London Authority 2007: S.95).
Kategorien der Greenpeace Bewertung: „How green the Games? Greenpeace’s environmental
assessment of the Sydney 2000 Olympics”
1. Toxische Kontaminierung („Toxic Contamination”)
2. Energieverbrauch („Energy Use “)
3. Kühlung und Klimaanlagen („Refrigeration and Air-Conditioning”)
4. Alternativen zu PVC („Alternatives to PVC”)
5. Holznutzung („Timber Use”)
6. Wassernutzung („Water Use”)
7. Transport („Transport Use”)
Abbildung 43: Kategorien der Greenpeace Bewertung „How green the Games? Greenpeace’s
environmental assessment of the Sydney 2000 Olympics”
(eigene Darstellung nach Greenpeace 2000b)
Jedoch erst die gesetzliche Verankerung der Environmental Guidelines durch die
Regierung von New South Wales (NSW) und die Integration des Green Games
Konzepts in das Gesamtbudget der Spiele auf Forderung von Greenpeace, brachte
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
179
den eigentlichen Erfolg der „Green Games“, d.h. die tatsächliche Umsetzung der
ökologischen Planungen mit sich. Kurz vor den Spielen brachte Greenpeace ein erstes
Umwelt-Audit der Spiele, die sogenannte „Environmental Report Card“, heraus. Der
Austragungsort Sydney erhielt für seine Umweltaktivitäten 6 von 10 Punkten. Des
Weiteren wurden die Maßnahmen mit A+ (sehr gut) bis F (sehr schlecht) bewertet. Das
eigentliche Umwelt-Audit der Spiele führte Greenpeace nach den Olympischen Spielen
mit einer detaillierten und umfangreichen Bewertung durch, der sogenannten „How
green the Games? Greenpeace’s environmental assessment of the Sydney 2000
Olympics” (Greater London Authority 2007: S.76). Evaluiert wurden die gesamten
Olympischen Spiele und deren Baumaßnahmen in sieben Aspekten auf Basis der
Environmental Guidelines: Toxische Kontaminierung, Energie, Klimatechnik,
Alternativen zu PVC, Holz, Wasser und Transport (siehe Abbildung 43).
Betrachtet wurden im Rahmen des Umwelt-Audits die Durchführung der Spiele und die
damit einhergehenden Baumaßnahmen, wie der Olympische Park, das Olympische
Dorf und die Wettkampfstätten. Eine Bewertung der einzelnen Maßnahmen nach
klaren Indikatoren und Angaben von Referenzwerten, z.B. „eingehalten“ oder „nicht
eingehalten“ oder „gut“ oder schlecht“ wurde jedoch nicht angewendet. Hauptproblem
der Evaluation war, dass das OCA und SOCOG keine detaillierten Auskünfte erteilten
und Angaben oft nur qualitativ beschrieben. So beinhaltet die Evaluation zum Großteil
nur die Beschreibung bzw. Dokumentation des Ist-Zustands, wie in Abbildung 44 und
Anhang 7 anhand des Olympic Stadiums und des Sydney SuperDome dargestellt
werden. Um jedoch teilweise eine Wertung durchführen zu können, wurden als
Vergleichsmaßnahmen internationale Musterbeispiele herangezogen, wie etwa im
Bereich „Energie“: die Leistungen der Solaranlage (Leistung, jährliche Erzeugung und
Anzahl der Module) des Sydney Olympic SuperDomes wurde mit Beispielen aus dem
Ausland, wie z.B. mit der Akademie Mont-Cenis (Deutschland) oder dem
Messezentrum München (Deutschland) verglichen (Greenpeace 2000a: S.8).
Das weltweit erste Umwelt-Audit von Olympischen Spielen von Greenpeace stellt eine
wichtige Dokumentation des Ist-Zustands der durchgeführten Umweltmaßnahmen der
Olympischen Baumaßnahmen der Spiele von Sydney dar. Es zeigt, dass ökologische
und energieeffziente Maßnahmen bei Olympischen Sportstätten durchaus möglich
sind. Dennoch ist aus der Studie von Greenpeace ersichtlich, dass mit der Einführung
der weltweit ersten „Grünen Spiele“ ein bedeutender Schritt hin zum Umweltschutz bei
Olympischen Spielen erreicht wurde, dass aber die Resultate von der ursprünglichen
„grünen“ Vision Sydneys weit abwichen und durchaus bessere Ergebnisse erzielbar
gewesen wären: „The Sydney 2000 Olympics have produced a mix of wins and losses
on the environment front“ (Greenpeace 2000a: S.1). Kritisiert wurde vor allem, dass die
Environmental Guidelines“, d.h. die gesetzlich festgelegten Planungsziele, bei den
Olympischen Baumaßnahmen zum Teil nicht eingehalten wurden, was wiederum die
Thematik „Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen und deren Baumaßnahmen“
durchaus in Frage stellt. Es ist zu erkennen, dass mit den „Grünen Spielen“ von
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
180
Sydney ein erster Schritt hin zur ökologischen und nachhaltigen Umsetzung von
Olympischen Spielen unternommen wurde, jedoch die Thematik „Nachhaltigkeit von
Olympischen Spielen und deren Wettkampfstätten“ sich noch ganz am Anfang
befindet: „While we have been critical of Sydney when it fell short of its original
environmental goals, an important part of greening the Olympic Games is the need for
the lessons learned here to be passed on to future Olympic host cities“ (Greenpeace
2000a: S.8).
Als größter Erfolg bei den Olympischen Baumaßnahmen ist der Einsatz von
erneuerbaren Energiequellen und eines Wassermanagementsystems zu nennen. Vor
den Olympischen Spielen wurden ca. 90 Prozent der in Australien benötigten Energie
durch Kohlekraftwerke erzeugt. Mit den durchgeführten Maßnahmen des Olympiaparks
wurde der australischen Bevölkerung aufgezeigt, dass Photovoltaikanlagen eine
sichere Energieversorgung garantieren. Auch der Einsatz eines Wasserrecycling-
Systems für Trinkwasser und Grauwasser, an dem alle Wettkampfstätten
angeschlossen sind, bestätigt noch heute das Vertrauen der Australier, die weltweit mit
den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser haben, in neue Umwelttechniken
(Greenpeace 2000a: S.10ff.).
Umweltindikatoren Sydney Olympic Stadium Sydney SuperDome
Energy use Details to photovoltaic electricity
generation:
-
Energy conservation measures:
Passive solar design (-)
Photovoltaics (-)
Solar hot water (-)
Photovoltaic lighting (-)
Green power (+)
Energy efficient lighting (+)
Natural lighting (+)
Efficient appliances (-)
Insulation & natural venting (+)
Auto-off vent if unoccupied (+)
Management control system (+)
Details to photovoltaic electricity
generation:
Description of system:
1176 solar panels mounted on the roof
provide energy comparable to 10% of
the arenas normal daily non-event
demand
Peak capacity: 70kW
Annual electricity generation:
85MWh
Energy conservation Measures:
Passive solar design (+)
Photovoltaics (+)
Solar hot water (-)
Photovoltaic lighting (-)
Green power (+)
Energy efficient lighting (+)
Natural lighting (+)
Efficient appliances (-)
Insulation & natural venting (-)
Auto-off vent if unoccupied (+)
Management control system (+)
Refrigeration &
airconditioning Refrigerants use and alternatives:
HFC-134a and HCFCs for
airconditioning systems
Environmental alternative
Ammonia chillers and HC
airconditioning
Refrigerants use and alternatives:
HCFC-123 and HFC-134a in
airconditioning
Environmental alternative
Ammonia airconditioning system
Abbildung 44: Dokumentationsbeispiele aus dem Greenpeace Umwelt-Audit der Olympischen
Spiele von Sydney 2000
(eigene Darstellung nach Greenpeace 2000a)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
181
Den größten Misserfolg der Spiele stellt die Kühl- und Belüftungstechnik
(Airconditioning and refrigeration) der Olympischen Wettkampfstätten dar. Bei der
Planung und beim Bau der Wettkampfstätten - temporär und permanent - wurden die
vorgeschriebenen Sydney’s Environmental Guidelines hinsichtlich der Kühltechnik
nicht eingehalten, d.h. Treibhausgase und ozonschichtzerstörende Stoffe, wie
halogenisierte Flourkohlenwasserstoffe (H-FCKWs) wurden bei allen Olympischen
Sportbauten verwendet. Auch bei der Sanierung des Olympiaparks am Homebush
Harbour, eines der fünf weltweit am meisten mit Dioxin verseuchten Gebiete, hielt sich
die Regierung von NSW nicht an die in der Bewerbung geschlossenen Vereinbarungen
und Versprechungen. Das Olympiagebiet wurde zwar saniert, jedoch wurden Langzeit-
Sanierungsmaßnahmen kaum in die Dekontaminierungsprozesse integriert. Zu nennen
sind hier das Fehlen eines Post-Games-Management-Plans des Standorts und die
mangelnde Integration und Information der Öffentlichkeit über die
Kontaminierungsmaßnahmen (Greenpeace 2004: S.10ff.). Die Mitwirkung von
Greenpeace bei den Olympischen Spielen bot der Umweltschutzorganisation eine
internationale Medienplattform, nicht nur um die „Green Games“ zu fördern, sondern
auch ihre eigentlichen Umweltanliegen, d.h. die Thematik Umweltschutz weltweit zu
propagieren (Greenpeace 2000: S.8).
4.2.2. Athen 2004: WWF und Greenpeace
Auch bei den Olympischen Spielen von Athen 2004 wurde von Greenpeace und von
WWF Greece ein Environmental-Audit der Spiele nach den Umweltrichtlinien von
Sydney durchgeführt. Jedoch fiel das Ergebnis der Umweltbewertung der Olympischen
Großveranstaltung im Gegensatz zu den Olympischen Spielen von Sydney 2000 sehr
schlecht aus: „with much resulting negative publicity“ (Greater London Authority 2007:
S.15). Aufbauend auf den Erfahrungen (Greenpeace Environmental Guidelines) von
Greenpeace bei den Spielen von Australien bemühte sich WWF Greece bereits seit
1998 den Prozess und die Planungen der Olympischen Spiele zu unterstützen. WWF
Greece arbeitete hierzu mit verschiedenen Umweltorganisationen und
Forschungsinstituten zusammen, mit dem Ziel die griechischen Sommerspiele
ökologisch, wirtschaftlich und sozialverträglich umzusetzen. (WWF 2004: S.3).
Das Athens 2004 Organizing Committee (ATHOC) zeigte zu Beginn der Bewerbung
sichtlich Interesse an der Umsetzung von „Green Games, die auch ein Bestandteil der
Olympischen Bewerbung waren. Ziele der „Environmental Policy for the Olympic
Games“ waren folgende Aspekte (Athens 2004 Organising Committee 2005a: S.293):
„To organise and host the Olympic Games in a healthy environment
To contribute to the improvement of environmental parameters in Athens and the
greater Attica area by strategic intervention
To develop environmental awareness“
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
182
Während bei der Olympischen Großveranstaltung von Sydney das
Organisationskomitee eng mit Greenpeace kooperierte, wurden sowohl WWF Greece
als auch Greenpeace seitens der Athener Organisatoren weder in ihrer Arbeit noch in
ihren Umweltforderungen unterstützt. Die griechische Regierung zeigte sich kurzsichtig
und widersprach allen Umweltanforderungen an die Olympischen Baumaßnahmen
aufgrund der Befürchtung einer finanziellen Mehrbelastung. Auch die griechischen
Behörden waren sehr inaktiv bezüglich der Olympischen Planungen und
Umweltschutzmaßnahmen. So verhinderte die Workers’ Housing Organization (OEK),
die für die Errichtung des Olympischen Dorfes zuständig war, den Bau des Olympic
Village nach energieeffizienten Aspekten. Das Ministry of Environment verwehrte die
Einführung von Windkraftenergie und die Behörden der Attica Region lehnten die
Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem ATHOC Headquater ab.
Die Umsetzung solcher Maßnahmen scheiterte, da das ATHOC sämtliche Dispute
bezüglich der Olympischen Planungen mit der griechischen Regierung und den
Behörden vermeiden wollte (Greenpeace 2004:S.13). Im Rahmen des
Planungsprozesses der Spiele gelang es dem WWF Greece nicht, zusammen mit dem
Athener Organisationskomitte (ATHOC) spezifische und messbare Umweltindikatoren
und Planungsziele für die Spiele und deren Baumaßnahmen zu definieren (WWF 2004:
S.2). Der Austausch zwischen den Planern, den ausführenden Firmen und den
Umweltschutzorganisationen war mehr als gering. Auch war die griechische
Bevölkerung nicht in die Planungsabläufe der Olympischen Baumaßnahmen integriert
(Greater London Authority 2007: S.90). Problematisch war, dass bei den zahlreichen
Olympischen Projekten trotz starker Proteste der griechischen Umweltschutz-
organisationen die Umweltrichtlinien und -pläne nicht eingehalten wurden, die das
ATHOC ursprünglich entwickelt hatte. Zahlreiche bislang unberührte
Landschaftszonen, unter anderem auch Naturschutzgebiete, mußten für Olympische
Bauten weichen. Zu nennen sind hier z.B. der Bau des Medienzentrums von Maroussi
oder das neue Rudersport- und Kanucenter, die trotz zahlreicher öffentlicher Proteste
in der bislang letzten unberührten Küstenlandschaft von Schinias erbaut wurden,
ebenso wie Infrastrukturmaßnahmen (Straßenbau und neue Siedlungsgebiete), die
man in den Naturschutzgebieten der Bergregionen Parnitha, Hymettus und Pendelli
errichtete (Greater London Authority 2007: S.91). Die Proteste der griechischen
Umweltschutzorganisation richteten sich bis an die oberste griechische
Gerichtsbehörde, die jedoch für die Olympischen Baumaßnahmen entschied
(Greenpeace 2004: S.4).
WWF Greece
Der Umweltbericht des WWF über die Spiele von Athen wurde in Zusammenarbeit mit
Greenpeace wenige Wochen vor den Olympischen Spielen veröffentlicht. (WWF 2004:
S.3). WWF Greece erarbeitete eine detaillierte Bewertung der Olympischen Spiele und
deren Baumaßnahmen anhand einer Environmental Score-Card. Diese baut auf den
Benchmarks der Spiele von Sydney 2000 und den Erfahrungen der Olympischen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
183
Spielen von Barcelona 1992 auf. Hierbei wurden nicht nur die ökologischen Kriterien
bewertet, auch die Integration der Bevölkerung und das Erbe der Spiele standen bei
der Evaluation der Spiele im Vordergrund. Das Gesamturteil fiel sehr hart aus. Kritisiert
wurde vor allem das Fehlverhalten der an den Olympischen Spielen beteiligten
Organisationen. Die Beurteilung der olympischen Spiele von Athen hinsichtlich der
ökologischen Durchführung und des Post-Olympischen Erbes erfolgte mit der Note
„ungenügend“: „no effort was made by the organising authorities to integrate the
environment in the planning of the world’s largest and most prestigious sports event“
(WWF 2004: S.3ff.). Die Nichteinhaltung des öffentlichen Versprechens des Athener
Organisationskomitees spiegelt diese Tatsache wieder und stellt das größte
Fehlverhalten des Austragungsortes dar: „promise for a cleaner city with less cars and
better public transport, for Olympic premises making use of bioclimatic architecture and
renewable energy, for better and greener Olympics than those of Sydney 2000“
(Greenpeace 2004: S.1).
WWF Environmental Assessment of the Athen 2004 Olympic Games
1. Gesamtplanung („Overall Planning”)
2. Natürliche Umgebung („Natural Environment”)
3. Städtische Umgebung („Urban Environment”)
4. Transport („Transport”)
5. Baukonstruktion („Construction”)
6. Wasser („Water”)
7. Müll („Waste”)
8. Beteiligung der Bevölkerung („Public Participation“)
9. Allgemeine Aspekte („Generell issues”)
Abbildung 45: Inhalte des Umwelt-Audits der Olympischen Spiele von Athen 2004 durch WWF
Greece
(eigene Darstellung nach WWF 2004)
Zwar wurden der öffentliche Nahverkehr und die Athener Straßeninfrastruktur (Ausbau
des Metrosystems, Einführung von Straßenbahnen, Modernisierung der Busse etc.)
verbessert, die Gebäude saniert („face-lifting of Athens“), neue Fußgängerwege
geschaffen und die Stadt - ähnlich wie bei den Spielen von Barcelona 1992 - durch die
Revitalisierung der industriellen Uferzone wieder mit dem Meer verbunden, das
Gesamtresultat der Umweltbewertung fiel jedoch negativ aus (Greenpeace 2004: S.
7ff.): „Huge sports complexes without definite post-Olympic use and provision for
maintenance, no improvement in the environmental profile of Greece´s energy sector,
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
184
no introduction of new water management and saving technologies, no progress in the
area of environmentally friendly construction technologies (WWF 2004: 44).
Das Umwelt-Audit der Olympische Spielen durch das WWF umfasste folgende
Bereiche: natürliche Umwelt (Schutz und Erhalt von Naturräumen), städtischer Raum
(öffentliche Plätze, urbanes Grün, Verbesserung des Stadtraums), Baukonstruktion
(Standorte der Olympischen Wettkampfstätten, Anwendung von energieeffizienten und
ökologischen Bautechniken, Nutzung bereits existierender Infrastruktur), Energie
(Nutzung erneuerbarer Energie), Wasser (Strategien zur Wassereinsparung), Müll
(Recycling und Müllmanagement) und die Beteiligung der Öffentlichkeit (Transparenz
und Informationsvermittlung) (siehe Abbildung 45 und Anhang 8). Als ungenügend
beurteilt wurden der gesamte Planungsprozess, der Schutz der Landschaft,
Maßnahmen zur Förderung von städtischen Grünflächen, Standortwahl der
Olympischen Wettkampfstätten, Mangel an ökologischen und energieeffizienten
Technologien im Gebäudesektor, Müllmanagement, Beteiligung der Bevölkerung und
Einhaltung der Umweltrichtlinien der Bewerbung Athens (WWF 2004: S.3).
Umweltbericht der Olympischen Spiele von Athen 2004 durch Greenpeace
1.
Transport und Luftverschmutzung („Transport and Air Pollution“)
2. Stadtplanung und Umsetzung der Olympischen Planungsziele („City planning and sitting of the Olympic
premises”)
3. Olympisches Dorf („Olympic Village”)
4. Energie und die Olympischen Spiele („Energy and the Olympics“)
5. Rolle des IOCs („The rule of the IOC”)
6. Auswahl des Konstruktionsmaterials („Selecting Construction Materials“)
7. Schutz der Biodiversität („Protection Biodiversity“)
Abbildung 46: Inhalte des Umwelt-Audits der Olympischen Spiele von Athen 2004 durch
Greenpeace
(eigene Darstellung nach Greenpeace 2004)
Greenpeace
Auch die Bewertung von Greenpeace fiel negativ aus, insbesondere die Umsetzung
von nachhaltigen Planungsmaßnahmen bei den Olympischen Wettkampfanlagen
hinsichtlich deren Standortwahl, Nachnutzung, Einsatz von erneuerbaren und
energieeffizienten Energiequellen, ökologischen Baumaterialien usw. (siehe Abbildung
46). Greenpeace betonte jedoch in seinem Bericht, dass zwar ein Olympisches Erbe
hinterlassen worden sei, das größte Versagen der Athen 2004 Olympics jedoch wäre,
dass zahlreiche leicht zu erreichende Umweltziele bei den Athener Spielen niemals
eine Chance gehabt hätten: „However, the taste of the Games remains bitter. There
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
185
are so many opportunities that were never given a chance. This is possibly the biggest
failure of the Athens 2004 Olympics“ (Greenpeace 2004: S.12).
Problematisch bei der Bewertung der Spiele von Athen war die Unzugänglichkeit der
Informationen über den Prozess und die Maßnahmen der Olympischen Spiele durch
die beteiligten Behörden und Planer, wie etwa durch das Environment Ministry und das
Athens Organising Committee (WWF 2004: S.5). Resümee der Umweltbewertung der
Spiele von Athen durch Greenpeace und das WWF ist die „Aufdeckung“ zahlreicher
gebrochener Versprechungen hinsichtlich der Bereiche Energietechnologien,
ökologische Baumaterialien, Schutz der Biodiversität und nachhaltige Umsetzung des
Olympischen Dorfes (Greenpeace 2004: S.8ff.).
4.2.3. Torino 2006: TOROC, UNEP und WWF
Die Olympischen Winterspiele 2006 von Turin waren die erste Olympische
Sportgroßveranstaltung, bei der eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie eingeführt
wurde (Frey, M. et al 207: S.1). Seit den Spielen von Lillehammer 1994 wurden zwar
vermehrt Umweltthemen in die Vorbereitung und die Durchführung von Olympischen
Spielen integriert, aber das Torino Organising Committee (TOROC) griff bei den
Winterspielen auf einen umfassenden Nachhaltigkeitsansatz zurück, der nicht nur
Umweltaspekte (Frey, M. et al 207: S.7), sondern auch ethische, soziale und
wirtschaftliche Kriterien in das Olympische Programm einbezog (TOROC 2006: S.49).
Im Gegensatz zu vorangegangenen Spielen, wie Sydney 2000 oder Athen 2004, bei
denen stets Umweltschutzverbände, wie WWF, Greenpeace oder UNEP die führende
Rolle im Bereich des Umweltschutzes und der Bewertung der ökologischen Qualität
der Spiele einnahmen, hatte erstmalig ein Organisationskomitee die Federführung in
der Einführung, Umsetzung und Bewertung von umweltverträglichen und nachhaltigen
Aspekten bei Olympischen Spielen inne. Hierbei arbeitete TOROC eng mit
Umweltorganisationen, wie UNEP, WWF Italia oder Greenpeace zusammen und
bildete mit lokalen, nationalen und internationalen Institutionen und Stakeholdern ein
Environmental Consultative Assembly“ zur Förderung von nachhaltigen Olympischen
Spielen (siehe Abbildung 47) (TOROC 2004: S. 95).
Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen von Athen 2004 setzte sich das Turiner
Organsationskomitee eigene Nachhaltigkeitsziele (TOROC 2006: S. 15) und „activated
itself“ zur Dokumentation, Evaluation und Bewertung von olympiarelevanten Daten, um
dem IOC die Notwendigkeit der Einführung von verpflichtenden Umweltschutz- und
Nachhaltigkeitsrichtlinien (zukünftigen Organisationskomitees) aufzuzeigen (Saini, R.
2005:S.3). Das Komitee adaptierte zur Umsetzung und Bewertung der
Nachhaltigkeitsstrategie aktuelle internationale Umweltrichtlinien und
Managementinstrumente (TOROC 2004: S.95). TOROC griff zum einen auf
Grundlagen des Internationalen Olympischen Komitees, wie auf die Olympic Charter
(1996), The Code of Ethics (1999), die Olympic Movements Agenda 21 (1999), das
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
186
Manual on Sports and Environment (1997) und die Olympic Games Global Impact
Study (OGGI, 2003) zurück (siehe Kapitel 3), d.h. auf Richtlinien, die zum Großteil auf
freiwilliger Basis beruhen. Zum anderen wählte es internationale
Nachhaltigkeitsinstrumente, wie die Sustainability Reporting Guidelines des Global
Reporting Initiative (GRI, 2002), Methoden der Europäischen Kommission, wie etwa
das Strategic Environmental Assessment (SEA, 2001) und auch
Umweltmanagementsysteme, wie ISO14001 und EMAS (Eco-Management and Audit
Scheme) (TOROC 2006: S.47).
Sustainabilty Report 2006, Torino
1. Verantwortlichkeit („Responsibility”)
2. Gleichbehandlung und Frieden („Non-discrimination and Freedom”)
3. Leben, Gesundheit und Sicherheit („Life, Health and Safety“)
4. Solidarität („Solidarity)
5. Minderheiten („Minors”)
6. Kultur („Culture”)
7. Nachhaltigkeit und Umwelt („Sustainability and the Environment”)
8. Integration und Transparenz („Integraty and Transparency”)
7. Verbreitung („Dissemination”)
8. Partizipation („Participation”)
Abbildung 47: Inhalte des TOROC Sustainable Report 2006 der Winterspiele von Turin 2006
(eigene Darstellung nach TOROC 2006: S.49)
Mit den Spielen von Turin 2006 übernahm erstmalig ein Organisationskomitee die
Beurteilung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten. Unterstützt wurde es von
UNEP. Als Werkzeug zur Umsetzung und Bewertung von nachhaltigen Olympischen
Spielen wählte TOROC die Methode der Berichterstattung (Sustainability Reporting)
(Frey, M. et al 207: S.7). Mit dem „Environmental Report 2001/02” oder dem
Sustainability Report 2006“ wandte TOROC Instrumente an, mit denen alle Aktivitäten
und Resultate der Winterspiele bezüglich der sozialen, ökologischen und
ökonomischen Umsetzung kontrolliert und bewertet wurden: „defining a clear,
transparent and comprehensive picture of the ethical, social and environmental
services provided within the scope of the olympic activities carried out, showing its
positive and negative effects through the assessment of performances related to the
socio-economic and environmental impact on the territory“(Frey, M. et al 2007: S.7).
Die Grundlagen der Berichte wurden in Übereinstimmung mit TOROC, der Region
Piemont und dem italienischen Umweltministerium entwickelt (Official Bulletin of the
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
187
Piemont Region no. 28, dated 11 July 2002) (TOROC 2006: S.17). Auch die
festgelegten Umwelt- und Nachhaltigkeitsrichtlinien der „Green Card“ („Environmental
Action Plan“ der Turiner Kandidaturphase), des Charter of Intents (2002) und des
Environmental Policy Document (2003) spiegeln sich in verschiedenen Berichten des
Turiner Organisationskomitees wider (TOROC 2006: S.15).
Der „Sustainable Report 2006“, der von TOROC und UNEP nach den Spielen
herausgebracht wurde, stellt die eigentliche Nachhaltigkeitsdokumentation und
-bewertung der Olympischen Spiele von Turin dar. Die Inhalte des
Nachhaltigkeitsberichts (siehe Abbildung 47) zeigen die ganzheitliche Bewertung und
Dokumentation hinsichtlich ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte auf. Zur
Umsetzung und Beurteilung dieser Kriterien wurden verschiedene Programme und
Maßnahmen angewandt, die hinsichtlich ihrer Umsetzung im „Sustainable Report
bewertet wurden (TOROC 2006):
Green Procurement:
Verpflichtendes Umweltabkommen mit Lieferanten und Partnern der Spiele (UNEP
2006)
Sponsors and Sustainability Programm:
Freiwilliges Sponsorenprogramm zur Förderung des Umweltschutzes der Spiele
(2006 Environmental Logo) (TOROC 2006: S.60)
Environmental Info Desk:
Informationen zu Umweltschutzmaßnahmen der Olympischen Spiele von Turin für
die Zuschauer (TOROC 2006: S.123)
Waste Management Programme:
Entwicklung eines Müllmanagementplans für die Spiele (TOROC 2006: S. 123)
Hector Programme (HEritage Climate TORino):
Durchführung von CO2-neutralen Spielen durch Bewertung des Energieverbrauchs
der Sportstätten, Unterkünfte und Transportmaßnahmen und Einführung von
Kompensationsmaßnahmen (Carbon Credits), wie von energieeffizienten
Techniken, erneuerbaren Energien und Aufforstungsmaßnahmen (national und
international) (TOROC 2006: S.123)
RESHOT Project: Tourist Accommodation Improved Energy-Environment
Programme
Einführung eines Eco-Labels für Unterkünfte und Hotels (TOROC 2004: S.124)
Social Report:
Analyse der sozialen Auswirkungen der Spiele (Global Forum for Sport and
Environment 2006)
Environmental Management System (EMS):
Einführung eines freiwilligen Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 und
EMAS bei der Durchführung des Olympischen Sportevents (TOROC 2006: S.119)
Strategic Environmental Assessement (SEA)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
188
Einsatz der SEA Directive 2001/42/EC der Europäischen Kommission, d.h. eines
Prozesses zur Entwicklung von verschiedenen Umwelt- und Nachhaltigkeitsplänen
für die Olympischen Spiele 2006 (TOROC 2004: S.95)
Environmental Monitoring Plan:
Entwicklung eines Umweltmonitoring-Plans auf Grundlage des SEA-Prozesses für
die Olympischen Spiele und die damit einhergehenden Planungs- und
Baumaßnahmen (TOROC 2006: S.96)
Environmental Audit of the Olympic Building Sites:
Umweltbewertung der Olympischen Baumaßnahmen (TOROC 2006: S.123)
SEA Strategic Plans Turin 2006
1. Pläne zur Verhütung von Naturgefahren („Natural Risk Prevention Plan“)
2. Sicherheitspläne r die Konstruktion („Construction Site Saftey Plan“)
3. Turin 2006 Wasserplan („Torino 2006 Water Plan”)
4. Materialplan („Inert Materials Plan”)
5. Nachhaltiger Transportplan („Sustainable Tranport Plan”)
6. Ökologischer Landschaftfsplan („Environment Landscaping Plan“)
7. Nachhaltigkeitsrichtlinien r die Planung, die Konstruktion und den Betrieb der Olympischen Dörfer
(„Sustainability Guidelines for design, construction and operation of Olympic and Media Villages“)
Abbildung 48: Übersicht der Inhalte der Strategic Environmental Assessment Plans (SEA)
(eigene Darstellung nach TOROC 2006: S. 96)
Speziell mit dem Strategic Environmental Assessment (SEA) hat TOROC eine
Methode angewandt, die eine breite Basis zur Planung und Bewertung von
Umweltschutzmaßnahmen der Turiner Spiele lieferte. Die SEA Directive 2001/42/EC
aus dem Jahr 2001 ist eine Richtlinie der Europäischen Kommission, deren Ziel die
Eingliederung und Umsetzung von Umweltaspekten in die Gesetze und politischen
Pläne und Programme der europäischen Nationen ist. Im Rahmen dieses Strategic
Environmental Assessment (SEA) entwickelte TOROC sogenannte Strategische Pläne
und aktivierte den Environment-Monitoring-Plan (TOROC 2004: S.95). Die
Strategischen Pläne stellten Planungsinstrumente dar, die die Nachhaltigkeit der Spiele
von den ersten Schritten an garantieren sollten, d.h. von der Planungsphase, über die
Umsetzung der Olympischen Baumaßnahmen, die Durchführung der Spiele bis nach
den Spielen (TOROC 2004: S.96). Hierzu unterzeichneten TOROC, das Regional
Government of Piedmont und das Ministry of the Environment ein Abkommen, in dem
SEA als Planungstool für die Nachhaltigkeitspläne festgelegt wurde: “a tool aimed to
assess the environmental impact and economic compatibility of a work before the
realisation with the intention to preserve the ecological value of the territory (Ruggeri,
B. et al: S.1).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
189
Die Inhalte der Strategischen Pläne reichten von Landschaftsschutzplänen bis hin zu
Maßnahmen für die Olympischen Bauten (siehe Abbildung 48) (TOROC 2004: S.96).
Hierbei stellten die „Guidelinies for the Sustainability in Design, Construction and
Operation of the Olympic and Multimedia Villages”, die 2002 von Environment Park
(Turiner Umweltinstitut) und der Politecnico di Torino entwickelt wurden, einen
wichtigen Bestandteil der SEA Pläne bezüglich der Olympischen Baumaßnahmen dar.
Allerdings wurden diese Kriterien, die auf aktuellen italienischen Baustandards und
Normen aufbauen, nur für die Olympischen Dörfer (Olympic and Media Villages)
entwickelt. Nachhaltigkeitskriterien für die Olympischen Wettkampfbauten wurden nicht
vorgegeben. Die Richtlinien sind eine Aufstellung von Green-Building-Design-
Strategien und Best-Practise-Lösungsansätzen (Ruggeri, B. et al: S.1). Das Dokument
enthält ökologische Qualitätsanforderungen an alle Wohn-, Service- und Bürobauten
der Olympischen Dörfer und umfasst deren gesamten Bauprozesse. (Ruggeri, B. et al:
S.1). Die hierfür entwickelten 71 Indikatoren, sogenannte „Codified Cards“, sind in die
in Abbildung 49 aufgezeigten Kategorien aufgeteilt:
Guidelines for the Sustainability in Design, Construction and Operation of the Olympic and
Multimedia Villages
1. Nutzung von klimatischen Ressourcen („Utilisation of climatic resources)
2. Umweltqualität des Außenraums („Environmental quality of exterior spaces”)
3. Integration von Umweltaspekten („Integration with environmental context”)
4. Ressourcenverbrauch („Resource consumption”)
5. Qualität des Betriebs („Quality of the internal environment”)
6. Umwelteinflüsse („Environmental loadings“)
7. Qualität des Innenraums („Quality of indoor environment)
8. Qualität des Services („Quality of service”)
Abbildung 49: TOROC Guidelines for the Sustainability in Design, Construction and Operation
of the Olympic and Multimedia Villages
(eigene Darstellung nach Ruggeri, B. et al 2006: S.4f.)
Im Rahmen der SEA-Strategien wurde der Environmental-Monitoring-Plan als
Werkzeug zur Berichterstattung angesehen, mit welchem zu unterschiedlichen Phasen
der Olympischen Bauprozesse die Effekte der Spiele auf den Austragungsort
(Stadtgebiet und Bergregion) gemessen und dokumentiert werden konnten: „an
instrument that provides on the one hand, a constant updating of the state of the
environment useful for orientating the Olympic Programme planning process, with the
purpose of guaranteeing through subsequent fine tuning a overall positive
environmental balance sheet and that on the other hand makes sure that the
predefined goals are punctually achieved“ (TOROC 2004: S.96). Folgende Aspekte
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
190
wurden dokumentiert: Wasser, Luftqualität, Landnutzung, Energieverbrauch, Müll, Öko-
System, städtische Umwelt und Landschaft (TOROC 2004: S.96).
Der Environmental-Monitoring-Plan basiert auf einem Katalog von 16 Indikatoren, die
von TOROC, der Regional Government of Piemont und dem Ministry of Environment
entwickelt wurden (siehe Abbildung 50). Bereits vor Beginn der Olympischen
Baumaßnahmen wurden die Ausgangsbedingungen der 46 von den Spielen
betroffenen italienischen Gemeinden (Stadt- und Bergregion) hinsichtlich der
genannten Umweltindikatoren bewertet und im „Environmental Report 2001/02“ von
TOROC beschrieben: „snapshot of the environmental conditions before the realization“
(TOROC 2003: S.88).
TOROC Environmental-Monitoring-Plan
1. Wasser („Water System”)
2. Luftqualität („Air Quality”)
3. Landnutzung („Soil Use”)
4. Energieverbrauch („Energy Consumption”)
5. Müllproduktion („Waste production”)
6. Öko-Systeme („Eco-Systems”)
7. Städtische Umwelt („Urban Environment”)
8. Landschaft („Landscape”)
Abbildung 50: TOROC Environmental-Monitoring-Plan
(eigene Darstellung nach TOROC 2006: S. 96)
Im Rahmen der Monitoring-Strategie wurde die Qualität der Olympischen
Baumaßnahmen dokumentiert (TOROC 2004: S.113). Das Monitoring und die
Bewertung der Olympischen Baumaßnahmen wurden von TOROC und der Torino
2006 Agency, die für die Olympischen Bauten zuständig war, unter folgenden
Aspekten durchgeführt (TOROC 2004: S.124):
“To check on compliance with environmental regulations to ensure maximum
effectiveness of the environmental management of construction
To minimise the impact of infrastructure construction”
Ziel des Monitorings der Olympischen Bauarbeiten war die Dokumentation des
Einsatzes von energieeffizienten Technologien, die Verwendung von ökologischen
Baumaterialien und die Sanierung und Revitalisierung von Gebieten in städtischen und
ländlichen Räumen. Dokumentiert wurden hierbei nur der Bau des Torino Olympic
Village auf der Industriebrache des ehemaligen Torino General Market und die
Errichtung des Media Village auf dem ehemaligen Gelände von Italgas. Bezüglich der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
191
von Wettkampfbauten liegt keine Berichterstattung vor. Genaue Aufzeichnungen und
deren Bewertung sind in den Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten nur erwähnt,
jedoch nicht aufgeführt, d.h. es liegen keine Nachweise vor.
Der Bericht „Sustainable Report 2006“ von TOROC, der von UNEP unterstützt wurde,
stellt somit nur eine Dokumentation der durchgeführten Umwelt- und
Nachhaltigkeitsmaßnahmen der Olympischen Spiele von Turin dar. Zwar wird der
„Status-Quo“ vor und nach den Spielen zum Großteil aufgezeigt, aber eine quantitative
Evaluierung der Auswirkungen der Olympischen Spiele, insbesondere von deren
Baumaßnahmen, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Dies zeigt sich bei der
Umweltbewertung des Mediendorfes, die vom Umweltinstitut Envipark Torino während
der Planung durchgeführt wurde. Die einstige positive Bewertung der nachhaltigen
Planungsziele für das Media Village scheiterte an der tatsächlichen baulichen
Umsetzung, d.h. die geplanten baulichen Umwelt- und Energieeffizienzmaßnahmen
wurden bei der Errichtung nicht eingehalten (Gespräch mit Andrea Moro,
Umweltmanager Envipark Torino, über das Erbe der Olympischen Spiele von Turin im
September 2005). Dies ist im Nachhaltigkeitsbericht jedoch nicht dokumentiert.
Aufgezeigt wird nur die erfolgreiche Bewertung der Planung der Unterkünfte für die
Journalisten. Die Tatsache, dass sich bei den Olympischen Spielen die
Planungsabsichten von der tatsächlichen Umsetzung der Olympischen
Baumaßnahmen stark unterscheiden, spiegelt sich auch in den Aussagen von WWF
und UNEP wider.
Neben dem Nachhaltigkeitsbericht von TOROC bewerteten auch WWF Italia und
UNEP die Olympischen Winterspiele von 2006. In der Bewertung „Ice, Snow and City
vergab WWF den Organisatoren der Turiner Spiele für die durchgeführten
Umweltstandards die Bewertung „Satisfactory“. In der Beurteilung wurde deutlich, dass
die Spiele und deren Bauten zwar weitestgehend nachhaltig und umweltfreundlich
gestaltet wurden, jedoch berücksichtigt werden muß, dass sich die Planung und
Ausführung der Olympischen Baumaßnahmen oft nicht decken und
Großveranstaltungen stets starke schädigende Auswirkungen auf die Umwelt haben:
„we can not ignore, though, a number of aspects which seriously damage the mountain
environment“. Als Beispiel nannte WWF, dass besonders in der Bergregion zahlreiche
Naturschutzgebiete durch die Olympischen Baumaßnahmen in Mitleidenschaft
gezogen wurden, wie etwa das Naturschutzgebiet Val Troncea durch den Bau der
Sprunganlagen von Pragelato oder das Landschaftsschutzgebiet der Region von
Cesena durch die Errichtung der Olympischen Bobbahn. Weiterhin kritisierte WWF den
zahlreichen Einsatz von Kunstschnee bei den Olympischen Spielen, der durch sein
Gewicht die Graslandschaft wesentlich stärker belastet als natürlicher Schnee und
einen hohen Energieverbrauch mit sich bringt (WWF 2006). Dennoch zeigte sich die
Stadt Turin nach Aussage der Bewertung von WWF sehr fortschrittlich. Hierbei wurde
auch das Maßnahmenpaket HECTOR zur Einsparung der durch die Spiele zusätzlich
verursachten CO2-Emissionen erwähnt (WWF 2006).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
192
Auch UNEP beurteilte die Spiele von Turin als positiv und bestätigte somit die Aussage
von TOROC und dem WWF. In seiner Bewertung vergab es an Turin ein „Green Seal
of Approval”: „The Games will the culmination of an extensive environmental
programme aimed at making the event environmentally friendly and sustainable in
ways that benefit the entire region for years to come” (UNEP 2006).
4.2.4. Beijing 2008: UNEP und Greenpeace
Für die Umsetzung der Umweltschutz- und Nachhaltigkeitspläne des
Organisationskomitees von Beijing im Rahmen des Konzepts One World One Dream“
der Olympischen Spiele von 2008 stand ein Investitionsvolumen von 12,2 Milliarden
Dollar zur Verfügung (UNEP 2008: S.14). Hauptziele waren die Förderung der
Umwelterziehung und des Umweltbewusstseins der Bevölkerung, die Einführung eines
Umweltmanagementsystems, der Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems während
und nach den Spielen, die Umsetzung von ökologischen und energieeffizienten
Wettkampfstätten und die Zusammenarbeit und Kooperation mit
Umweltschutzverbänden (UNEP 2008: S.29) (siehe auch Kapitel 4.1).
Nach Aussage des Beijing Olympic Committee of the Olympic Games (BOCOG) waren
mehr als 30 Umweltschutzinstitutionen in die Organisation der Spiele eingebunden. Zu
nennen sind sowohl chinesische, als auch internationale Verbände, wie Global Village
Beijing, Green Earth Volunteers, Greenpeace, World Wildlife Fund (WWF),
Conservation International, World Conservation Union (IUCN) und Friends of the Earth.
Eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem BOCOG und den Institutionen startete
jedoch erst im Jahr 2006, nachdem das United Environmental Programme (UNEP) der
Vereinten Nationen zu einem „Roundtable“ in Lausanne eingeladen hatte. Da BOCOG
keine Richtlinien für die Kooperation mit Umweltschutzorganisationen vorgesehen
hatte, basierte die Zusammenarbeit zwischen BOCOG und den Organisationen eher
auf privaten, als auf geschäftlichen Verbindungen. Die Vorschläge und Konzepte für
Umweltschutzmaßnahmen durch die Umweltschutzverbände wurden oft nicht
ausreichend bei den Planungen berücksichtigt (UNEP 2009: S.121). Bereits bei der
Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele von 2008 war die nachhaltige und
„grüne“ Umsetzung der Sportgroßveranstaltung eines der Hauptziele. Im Rahmen der
20 Hauptprojekte im Bereich Umweltschutz, die die Stadt Beijing zusammen mit der
Regierung von China entwickelte, stand die Thematik der Umweltbewertung der
Veranstaltungen und der Olympischen Baumaßnahmen (initial environmental impact
assessment) im Vordergrund (UNEP 2008: S.26). BOCOG setzte die bei den Spielen
von 2006 gestartete Umweltberichterstattung mit dem Bericht „Beijing 2008:
Environmental protection, Innovation and Improvement 2001-2006“ fort (Greenpeace
2008: S.24). Neben der Entwicklung einer Bewertungsmethode zur Beurteilung der
Energieeffizienz und Ökologie der Wettkampfstätten (GOBAS und LEED, siehe Kapitel
5.2), wurde sowohl die Großveranstaltung an sich, als auch deren Auswirkungen auf
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
193
die Stadt Peking und deren Baumaßnahmen von den Umweltschutzorganisationen
UNEP und Greenpeace beurteilt (UNEP 2008: S.44). Die Bewertung von UNEP und
Greenpeace erfolgte wie bereits bei vorangegangenen Spielen in Form einer
Berichterstattung. Hierbei wurden die Spiele nicht nach vorgegebenen Benchmarks,
sondern anhand der Ausgangssituation vor den Spielen beurteilt. UNEP und
Greenpeace veröffentlichten folgende Berichte:
2007: Beijing 2008 Olympic Games, An Environmental Review (UNEP)
2008: China after the Olympics: Lessons from Beijing (Greenpeace)
2009: Independent Environmental Assessment, Beijing 2008 Olympic Games
(UNEP)
UNEP
Die Zusammenarbeit zwischen UNEP und dem Beijing Olympic Committee of the
Olympic Games (BOCOG) startete im Jahr 2005 mit der Unterzeichnung eines
Memorandum of Understanding (MoU), das die Unterstützung durch die internationale
Umweltinstitution bei allen Umweltbelangen zum Ziel hatte. Es beinhaltete sowohl de
Entwicklung und Umsetzung von Umweltprojekten, als auch die Verfassung von
unabhängigen Berichten über die Auswirkungen der Spiele (UNEP 2008: S.11). Mit
dem Bericht „Beijing 2008 Olympic Games, An Environmental Review“ beurteilte UNEP
ein Jahr vor den Spielen (2007) die bei der Bewerbung geplanten Umwelt- und
Nachhaltigkeitsziele von BOCOG („Greening Olympics“), die Auswirkungen der Spiele
auf die Stadt Beijing im Bereich des Umweltschutzes (Greening Beijing“) und die
zukünftigen Möglichkeiten der Mitwirkung von Umweltschutzorganisationen bei
Olympischen Spielen („The NGO Perspective“) (UNEP 2009: S.13) (siehe Abbildung
51). Hierbei wurden alle Umweltprogramme und –projekte analysiert, die durch das
Beijing 2008 Organizing Committee for the Games of the XXIX Olympiad (BOCOG)
und durch die Beijing Municipal Government Departments entwickelt wurden. Die
Studie basiert auf Daten und Informationen von chinesischen Behörden und auf
Berichten von BOCOG, wie etwa „Beijing 2008: Environmental Protection, Innovation
and Improvement“. Unterstützung fand die Studie durch zahlreiche
Umweltschutzverbände, wie WWF International, WWF China, Greenpeace China,
Conservation International China, Global Village Beijing und IUCN (International Union
for Conservation of Nature) (UNEP 2007). Die endgültige Umweltbewertung von UNEP
wurde ein Jahr nach den Spielen mit dem Bericht Independent Environmental
Assessment, Beijing 2008 Olympic Games“ veröffentlicht (siehe Abbildung 51).
Grundlagen bildeten der Austausch und Informationsfluss mit verschiedensten
Umweltorganisationen und Vor-Ort-Analysen. Jedoch basierten zahlreiche Daten nur
auf den Auskünften der Regierung von Beijing. Obwohl UNEP sich bemühte, eine
objektive Bewertung durchzuführen, waren bei verschiedenen Aspekten keine Daten
verfügbar (UNEP 2009: S.13).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
194
Bewertung des Olympiakonzepts der
Olympischen Spiele von Beijing durch
UNEP 2007
Bewertung des Olympiakonzepts der
Olympischen Spiele von Beijing durch
UNEP 2009
1. Bewerbungsphase („The bidding phase”) Olympische Spiele von Beijing („The Beijing 2008
Games”)
2. Organisationsstruktur und involvierte Parteien
(„Organizational structure and involved parties”)
Luftqualität („Air Quality”)
3. Stadt Beijing und das Olympiasystem („The City of
Beijing and the involved parties“)
Transport („Transport”)
4. Umwelt und Olympische Spiele („Greening the
Games“)
Energie („Energy“)
5. Umwelt und Beijing („Greening Beijing“) Aufforstung und Schutz der Landschaft („Green
Coverage and Protected Areas“)
6. Luftqualität („Air Quality”) Wasser („Water”)
7. Transport („Transport”) Müll („Solid Waste”)
8. Energie und Industrie („Energy and Industrie”) Olympische Bauten und Wettkampfstätten
(„Olympic Sites and Venues”)
9. Wasser („Water”) Klimaneutralität („Climate Neutrality”)
10. Abfall („Solid Waste”) Rolle der Olympischen Partner („Role of Games
Partners”)
11. Aufforstung und Schutz der Landschaft („Green
Coverage and Protected Areas in Beijing“)
Perspektiven der Umweltschutzverbände („NGO
Perspective”)
12. Perspektiven der Umweltschutzverbände („The
NGO Perspective”)
Kommunikation und Erziehung („Communication
and Education”)
Abbildung 51: Bewertungskriterien des UNEP Berichts „Beijing 2008 Olympic Games, An
Environmental Review“ aus dem Jahr 2007 und „Independend Environmental
Assessment, Beijing 2008 Olympic Games“ aus dem Jahr 2009
(eigene Darstellung nach UNEP 2008 und UNEP 2009)
Die Inhalte von beiden Berichten bauen aufeinander auf und beziehen ähnliche
Aspekte mit ein. Diese reichen von der Beurteilung der Organisation der Spiele über
die Klimaneutralität der Großveranstaltung bis hin zu Umweltkommunikation und
-erziehung der Bevölkerung.
Neben der Bewertung des Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzepts der Olympischen
Spiele (Bewerbung und Durchführung) steht vor allem die Auswirkungen der
nachhaltigen Planungsziele im Vordergrund der Untersuchungen. Hierbei wurden bei
beiden Berichten folgende Aspekte analysiert:
Luftqualität:
Trotz zahlreicher Maßnahmen und Initiativen zur Verbesserung der Luftqualität, wie
die Verlegung der Schwerindustrie an die Stadtgrenzen und eine Neuausrüstung
dieser, den Austausch von Kohleheizungen durch Gasheizungen und die
Einführung von Emissionsrichtlinien für Fahrzeuge, stellt die Luftverschmutzung
noch heute das größte Umwelt- und Gesundheitsproblem der Stadt dar. Die täglich
stark steigende Anzahl von Fahrzeuganmeldungen, als auch die geographische
Lage stehen einer tatsächlichen Verbesserung entgegen (UNEP 2008: S.80).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
195
Messungen während der Spiele wiesen Schadstoffe nach, die teilweise bis zu 200
Prozent über den Höchstwerten der World Health Organzation lagen. UNEP
bewertet die Ansätze zur Verbesserung der Luftqualität von Beijing zwar als positiv,
weist aber darauf hin, dass dies nicht nicht nur auf die Zeitspanne der olympischen
Spiele reduziert werden kann, sondern die Maßnahmen einen lang andauernden
Entwicklungsrahmen benötigen (UNEP 2008: S.18) (UNEP 2009: S.26ff.).
Transport:
Im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs und dem Ausbau des Verkehrs- und
Transportsystems haben die Spiele zahlreiche Errungenschaften mit sich gebracht.
Für die Spiele wurden neue Metrolinien errichtet, neue öffentliche Verkehrskreuze
geschaffen und das Straßennetz enorm ausgebaut. Die Verbesserung der
Straßenverhältnisse wirkte sich aber auch negativ auf die Stadt aus. Denn wie es
scheint, fördert der Neubau von neuen Straßen auch die stark steigende Anzahl
motorisierter Verkehrsteilnehmer in Beijing. Obwohl für die Spiele das öffentliche
Verkehrsnetz ausgebaut wurde, zeigen die Statistiken der Stadt Beijing schon kurz
nach den Spielen, dass es stark unterdimensioniert ist (UNEP 2008: S.18). Nicht
nur der öffentliche Nahverkehr wurde verbessert, sondern die Stadt Beijing führte
für Fahrzeuge auch erstmalig Emissionsrichtlinien ein (UNEP 2008: S.97) (UNEP
2009: S.42ff.).
Energie und Industrie
Obwohl nicht alle Umweltmaßnahmen der Stadt Beijing in den letzten Jahren nur
aufgrund der Olympischen Spiele von 2008 durchgeführt wurden, waren die
„Beijing Games undoubtedly (…) a strong catalyst for many environmental
measures“ (UNEP 2008: S.19). Die im Beijing Environmental Master Plan bis zum
Jahr 2015 festgelegten Maßnahmen konnten durch die Spiele bereits bis 2008
beschleunigt umgesetzt werden (UNEP 2008: S.114). Speziell im Bereich der
Energieinfrastruktur erfolgte eine massive Restrukturierung. Vor allem die
Verlegung der Schwerindustrie (Schließung und Verlegung von 17 Firmen), der
Einsatz von effizienteren Anlagen in der Industrie und den Privathaushalten und die
Einführung von neuen Energiegesetzen (siehe Kapitel 4.1) (UNEP 2008: S.108),
führten zu dieser Umstrukturierung der Energiewirtschaft der chinesischen
Metropole. Trotz der zahlreichen umgesetzten Maßnahmen nimmt aber die
Umweltverschmutzung speziell in Beijing (Wirtschaftswachstum von 11% jährlich),
einer Stadt die mit Shanghai weltweit den höchsten Energieverbrauch aufweist,
weiterhin intensiv zu (UNEP 2008: S.19).
Wasser
Der effiziente Umgang mit der Ressource „Wasser“ ist für Beijing enorm wichtig, da
die Stadt oft von Trockenheit und Wasserknappheit betroffen ist. Im Rahmen der
Spiele konnten gezielte Maßnahmen zur Reduzierung des Wasserverbrauchs
umgesetzt werden, wie z.B. Wasserspararmaturen, Regenwasserspeicherung und
-wiedernutzung. Dennoch bezogen sich diese Aspekte nur auf das Olympische
Dorf und die Wettkampfstätten (UNEP 2008: S.19). Mit der Errichtung von neuen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
196
Abwasseraufbereitungsanlagen konnten weitere Erfolge erzielt werden. Trotz der
Förderung der Trinkwasserqualität durch den Schutz der Trinkwasserreservate und
die Festlegung von gesetzlichen Richtlinien gilt es, in der Metropole Beijing
zukünftig noch zahlreiche Verbesserungen durchzuführen. Die Wasserwerte der
Olympischen Baumaßnahmen erfüllen zwar die Standards der World Health
Organization (WHO), bedingt durch das stark veraltete Leitungsnetz hat das
Trinkwasser in den Pekinger Haushalten jedoch eine wesentlich schlechtere
Qualität (UNEP 2008: S.19).
Müll:
Im Bereich des Abfallmanagements konnte die Stadt Beijing mit dem 3-R-Prinzip
reduce, reuse and recycle“ die im Rahmen der Bewerbung festgelegten Ziele
erreichen. Der Einsatz von neuen Müllaufbereitungsanlagen und die Verbesserung
der städtischen Müllprozesse (Trennung von industriellem und medizinischem
Gefahrmüll und Recycling) waren wichtige Bestandteile dieser Maßnahme.
Dennoch weißt UNEP im Abschlußbericht darauf hin, dass speziell bei den
Olympischen Spielen mehr Wert auf die Müllaufbereitung als auf die Vermeidung
von Abfall gelegt wurde (UNEP 2008: S.20).
Forstaufwirtschaftung und Schutz natürlicher Gebiete:
Ein wichtiger Schwerpunkt des Bewerbungskonzepts waren die Begrünung, die
Aufforstung und die Entwicklung neuer Naturschutzgebiete in und um Beijing. Seit
der Zusage für die Spiele konnte ein Großteil der Stadt begrünt werden. Hierzu
schaffte Beijing drei „grüne Zonen“, die in den Bergen, in der Ebene und im
städtischen Gebiet angesiedelt waren. Bereits Ende 2006 waren diese Gebiete
fertiggestellt und beinhalteten zahlreiche Naturschutzreservate (UNEP 2008: S.20).
Klimaneutralität:
Im Rahmen der Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2008 bezog sich
die Stadt Beijing zwar nicht direkt auf die Thematik der Klimaneutralität, dennoch
zielten zahlreiche Bewerbungsziele auf eine Verminderung der CO2-Emissionen
ab. Der Einsatz von energieeffizienten Technologien in den Haushalten, in der
Industrie und im Transportsektor, die Festlegung von neuen Umweltgesetzen oder
die Begrünung und Aufforstung der Stadt zeigen dies (UNEP 2009: S.115).
Folgend auf den ersten UNEP Bewertungsbericht von 2007 startete Beijing eine
Studie, die die Ermittlung des „Carbon Footprint“ zum Ziel hatte. Diese Analyse
wurde vom Administrative Centre for China’s Agenda 21, dem Energy Research
Institute of the National Development Reform Commission of China, dem
Geography Institute of the Chinese Academy of Sciences und der Tsinghua
University durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurden Emissionen berücksichtigt,
die während des Olympischen Fackellaufs, der Errichtung und dem Betrieb der
Olympischen Baumaßnahmen (insbesondere Wettkampfstätten) und durch die
Aktivitäten der Athleten, der Olympischen Familie und der Zuschauer entstanden
sind. Ermittelt wurde ein sogenannter „Carbon footprint“ von etwa 1,18 Millionen
Tonnen an CO2. Der Einsatz von erneuerbaren Energiequellen und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
197
energieeffizienter Anlagentechnik bei den Wettkampfbauten und im
Transportwesen führte bei den Spielen bereits zu einer Einsparung von 22.300
Tonnen an CO2. Nach Aussage der Stadt Beijing haben alle Maßnahmen, die
durch die Spiele für die Stadt Beijing eingeführt wurden, zu einer Einsparung von
1,2 Millionen Tonnen CO2 geführt. Die Spiele ließen sich somit als klimaneutral
bezeichnen (UNEP 2009: S.116). UNEP befürwortete die Ermittlung der CO2-
Emissionen zwar und wies explizit darauf hin, dass erstmalig auch internationale
An- und Abreisen mit einberechnet wurden. Nach Aussage von UNEP verursachen
die internationalen Flüge etwa 64 Prozent der Emissionen. Dennoch wurde
kritisiert, dass mit dieser Studie keine eindeutige Aussage getroffen werden könne,
da die Stadt Beijing zur Vorgehensweise und Berechnung der Treibhausgase
keinerlei Aussagen veröffentlicht hat. Die Ermittlung erfolgte nicht auf
internationalen Standards und die Analyse wurde noch vor den Spielen
durchgeführt, so dass zahlreiche Aussagen nur auf Schätzungen beruhen (UNEP
2009: S.117).
Kommunikation und Erziehung:
Um das Konzept der „Green Games“ und die Thematik des Umweltschutzes zu
propagieren, führte das Organisationskomitee von Beijing zahlreiche Maßnahmen
im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit durch. Hierzu arbeitete es eng mit
verschiedenen Partnern, wie dem Beijing Municipal Government, UNEP,
Umweltschutzorganisatoren, Sponsoren und Schulen zusammen (UNEP 2009:
S.128). Zahlreiche Publikationen und Richtlinien, wie der Beijing 2008:
Environmental Protection, Innovation and Improvement Report, die Environmental
Protection Guidelines for the Olympic Projects oder die BOCOG Environmental
Reports aus den Jahren 2003, 2004 und 2005/2006 wurden herausgegeben.
Ebenso wurden verschiedenste Kampagnen organisiert: Green Community and
Green Home Campaign, One Day, No Engine Sounds’ Campaign oder die Beijing
Green Map Initiative. Im Bereich der Umwelterziehung setzte BOCOG
insbesondere bei der jüngeren Bevölkerung an und führte zahlreiche
Umweltprojekte („Green School Projects“) mit Schulen durch (UNEP 2009: S.130).
UNEP bewertete die Maßnahmen im Bereich der Umweltkommunikation und
-erziehung als sehr gut, da Personen aller Altersklassen erreicht wurden. Dennoch
sollte zukünftig nicht nur die Thematik des Umweltschutzes im Vordergrund stehen,
sondern im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung auch soziale Aspekte propagiert
werden (UNEP 2009: S.131).
Im Gegensatz zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Winterspiele 2006 von Turin
stehen bei der Beurteilung von UNEP in beiden Berichten die Olympischen
Baumaßnahmen im Vordergrund. Die Eingliederung von Umweltschutzmaßnahmen in
die Planung, Konstruktion und den Betrieb der Olympischen Bauten war eine der
größten Errungenschaften der Sommerspiele von Peking im Bereich des
Umweltschutzes. Dennoch konnte UNEP die Beurteilung der Olympischen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
198
Wettkampfstätten nur beschreibend durchführen, da bislang für Olympische Spiele und
deren Baumaßnahmen keine Bewertungsmethoden zur Evaluierung vorliegen, d.h. es
konnten keine Benchmarks gesetzt werden: „no systematic environmental footprint
analysis available that makes it possible to assess the environmental benefits of the
measures during the Games or afterwards” (UNEP 2009: S.97).
Bewertung der Olympischen
Wettkampfstätten Beijing durch UNEP 2007 Bewertung der Olympischen
Wettkampfstätten Beijing durch UNEP 2009
1. Nachnutzung („Venues and their Post-Olympic
Uses“)
Energie („Energy“)
2. Energie („Energy“) Wasser („Water“)
3. Transport („Transport“) Umweltfreundliche Materialien („Eco-friendly Materials“)
4. Wasser („Water“) Umweltmanagement auf der Baustelle („Environmental
Management at Building Sites“)
5. Abfall und Reinigung („Waste and Cleaning“) Umweltmanagement während der Spiele
(„Environmental Management during the Games“)
6. Umweltmanagement der Baustellen („Environmental
Management at Building Sites“)
Umweltmanagement nach den Spielen („Environmental
Management after the Games“)
7. Umweltfreundliche Materialien („Environmentally
Friendly Materials“)
8. Schutz der Ozonschicht („Ozone Layer Protection“)
9. Landschaft („Green Coverage“)
Abbildung 52: Aspekte der Umweltbewertung von UNEP der Olympischen Wettkampfstätten
der Olympischen Spiele von 2008
(eigene Darstellung nach UNEP 2008 und UNEP 2009)
UNEP bewertete die Wettkampfbauten nicht nur nach Umweltaspekten, sondern
beurteilte auch deren Nachnutzung (siehe Abbildung 52):
Nachnutzung
Die Nachnutzung und das Management der Wettkampfstätten von 2008 wurde für
die Olympischen Spiele von Beijing bereits in den frühen Planungsphasen
festgelegt. Für die Neubauten war nach den Spielen das Beijing Municipal
Government zuständig, alle renovierten Anlagen gingen in die Verantwortung der
State Sport General Administration und an verschiedene Distrikte Beijings über.
Die Nachnutzung wurde sehr unterschiedlich geplant. Die ehemaligen
Olympiastätten stehen zukünftig als nationale Wettkampfstätten, Messehallen und
öffentliche Sportbauten zur Verfügung (siehe Anhang 8). UNEP bewertet die
Nachnutzungsplanungen der Wettkampfstätten als ausreichend, da diese zum
einen durch gesetzliche Vorgaben gewährleistet werden und zum anderen, da es
der Stadt Beijing bislang an Sportstätten für den Breiten- und Spitzensport
mangelte (UNEP 2009: S.90).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
199
Energie
UNEP bezeichnet die Erfolge im Bereich der Energieeffizienz und des Einsatzes
von erneuerbaren Energien als die größten Erfolge der Olympischen Spiele: „The
application of energy saving design and the promotion of renewable energy in
Games venues were impressive achievements for Beijing” (UNEP 2009: S.90). Alle
Neubaumaßnahmen mussten den gesetzlichen chinesischen Energiestandards
entsprechen, die im Jahr 2008 eingeführt wurden. Im Bereich der Sportbauten
wurde eine Einsparung um 50 Prozent zu herkömmlichen Wettkampfstätten
angestrebt. UNEP weist in seinem Bericht darauf hin, dass sich die Baustandards
nicht nur in Beijing verbessert haben, sondern zu erwarten sei, dass durch die
Olympischen Spiele von 2008 in ganz China verbesserte Baustandards im Bereich
des Umweltschutzes entstehen würden: “The Beijing experience should be a
catalyst for China’s building sector as well as for other host cities”. Als Erfolge
können laut UNEP beispielsweise die Maßnahmen des Olympic Water Cube
(Olympische Schwimmhalle) genannt werden. Anlagen zur Wärmerückgewinnung
und ein hoher Anteil an natürlichem Licht in den Wettkampfstätten (z.B.
transluzente Membrantechnik) führten zu Einsparungen im Energieverbrauch
(UNEP 2009: S.90). Des Weiteren wurden bei zahlreichen Projekten erneuerbare
Energiequellen eingesetzt, wie Solarpanelen in den Olympiawettkampfstätten zur
Warmwassergewinnung (z.B. Olympic Green Tennis oder Laoshan Velodrome)
oder die Errichtung von Photovoltaikanlagen für die der Straßen- und
Außenbeleuchtung der Wettkampfstätten und zur Unterstützung der
Innenbeleuchtung zahlreicher Olympischer Sportstätten (z.B. Feng Tai Baseball
Stadium oder National Stadium) (UNEP 2008: S.56f.).
Transport
Auch die öffentlichen Transportmöglichkeiten zu den Olympiastätten für die
Besucher und Athleten wurden als positiv bewertet (UNEP 2008: S.57). So konnte
der öffentliche Nahverkehr von den Besuchern der Olympischen Spiele in
Kombination mit den Eintrittskarten frei genutzt werden. Zudem wurden zahlreiche
Busse und öffentliche Transportmittel gegen Niedrigenergiefahrzeuge
ausgetauscht. Auch der Transport der Olympic Familiy erfolgte durch sogenannte
„Low-emission“ - Fahrzeuge und frei zugängliche Fahrrädern im Olympischen Dorf
(UNEP 2008: S.58).
Wasser
Eine wichtige Errungenschaft der Spiele stellt laut UNEP die Einführung von neuen
Wassertechnologien dar: „The Games gave Beijing a great opportunity to improve
the efficiency of its water infrastructure to meet increasing demand which was not
just Games-related” (UNEP 2009: S.97). Insbesondere im Bereich der Olympischen
Wettkampfstätten wurden zahlreiche innovative Maßnahmen durchgeführt, wie
Wasserspararmaturen, Grau- und Regenwassernutzung (Gartenbewässerung,
Toiletten), Regenwasserspeicherung und effiziente Bewässerungssysteme
(Nachtbewässerung) (UNEP 2009: S.90). Über Dachflächen (z.B. National Aquatic
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
200
Centre), Straßen und Grünflächen wird Regenwasser gesammelt, das für die
Bewässerung der Olympischen Parkanlagen, der Außenanlagen der Sportbauten
und für die Toiletten der Wettkampfstätten genutzt wird (UNEP 2008: S.60). Neben
der Regenwasserspeicherung sind zahlreiche Sportbauten mit Abwasser-
recyclingsystemen ausgestattet. Obwohl bei den Sportstätten effiziente
Wassertechnologien eingesetzt wurden, zeigt UNEP auf, dass die Maßnahmen in
den Wettkampfbauten kaum Einfluss auf den hohen Wasserverbrauch der Stadt
Beijing haben. So verbraucht der Shunyi Water Sports Venue, der während der
Spiele als Austragungsort für Kanu- und Ruderwettkämpfe diente und mit
zahlreichen wassersparenden Technologien ausgestattet wurde, noch immer einen
enormen Wasseranteil aus dem Miyun Reservoir. Dies führt mittlerweile zu
Wasserengpässen in anderen Regionen (UNEP 2009: S. 97).
Abfall und Reinigung
Für die Reinigung und das Müllmanagement der Olympischen Wettkampfstätten
hat das Construction and Environment Department verschiedene Reinigungs- und
Müllmanagementpläne, Standards, Richtlinien und Abläufe entwickelt. Ziel des
Abfallmanagements war die Sortierung und das Recycling des in den Sportanlagen
erzeugten Mülls. Folgende Strategien wurden eingesetzt (UNEP 2008: S.61):
Venue cleaning and Waste Management Strategic Plan (Februar 2005)
Venue cleaning and Waste Management Operation Outline (August 2005)
Demonstration Venue Virtual Plan (2005)
Umweltfreundliche Materialien
Als positiv bewertet wurde der Einsatz von umweltfreundlichen Materialien (UNEP
2008: S.68). Beim Bau der Olympischen Wettkampfstätten wurden Baustoffe
vermieden, die Formaldehyd und ozonzerstörende Substanzen beinhalteten.
Alternative Materialien, wie Holz oder Plastikkomponenten, wurden in allen Phasen
der Konstruktion berücksichtigt (UNEP 2009: S.96). Für den Einsatz von
zertifiziertem Holz bei den Sportstätten hatte das Organisationskomitee jedoch
keine verpflichtenden Richtlinien verabschiedet. Zwar testete BOCOG zusammen
mit dem World Wildlife Fund for Nature (WWF) den Einsatz von FSC-zertifiziertem
Holz bei Baumaßnahmen des Olympischen Dorfes, aber diese Initiative wurde nicht
auf die Wettkampfstätten ausgeweitet. Laut UNEP bemühte sich Greenpeace den
Einsatz von zertifiziertem Holze zu validieren. Allerdings fehlten Informationen und
es konnte auch kein „Third-Party-Auditing“ (Prüfung durch Dritte) nachgewiesen
werden (UNEP 2009: S.97).
Schutz der Ozonschicht
Als Entwicklungsland verpflichtete sich China, nach dem Montrealer Protokoll von
1987 keine Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) bis zum Jahr 2010 und keine
halogenisierten Flourchlorkohlenwasserstoffe (H-FCKW) bis 2040 mehr
einzusetzen. Auf Basis dieses Abkommens entwickelte China ein Programm zum
Schutz der Ozonschicht (UNEP 2008: S.70). Dies war ein wichtiges Ziel der
Sommerspiele von 2008. Mit dem Memorandum of Understanding (MoU)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
201
unterstütze UNEP hierbei das Pekinger Organisationskomitee bei diversen „Ozon
Action“-Programmen, um den Einsatz von ozonzerstörenden Chemikalien in den
Olympischen Wettkampfstätten zu vermeiden. BOCOG brachte acht Richtlinien
heraus, um die Spiele „ozone-friendly“ zu gestalten. Das Beijing Municipal
Research Institute of Environmental Protection belegt im Jahr 2006 mit einer
Studie, dass diese Richtlinien bei allen Baumaßnahmen eingehalten wurden und
alle eingesetzten Klimaanlagen frei von FCKW und H-FCKW seien (UNEP 2008:
S.72). Auch Sponsoren beteiligten sich an dieser Aktion. So nutzte Coca-Cola
während der Spiele nur FCKW-freie Kühlschränke und auch McDonalds setzte
keine ozonzerstörenden Substanzen ein (UNEP 2008: S.73).
Landschaft
Die Maßnahmen zur Begrünung der Stadt und der Olympischen Wettkampfanlagen
(insgesamt 910 Hektar) standen im Vordergrund der Beijing Green Olympic Games
und wurden in den Umweltberichten von UNEP positiv bewertet. Den
Hauptbestandteil stellte die Aufforstung des 580 Hektar großen Olympic Forest
Park im Norden der Stadt dar, der als grüne Lunge der Büro- und Wohngebiete
Beijings eine wichtige Funktion einnimmt (UNEP 2008: S.73). Im Rahmen der
Begrünung wurden vor allem lokale Pflanzen angebaut, ebenso wie hitze- und
trockenheitsbeständige Arten (UNEP 2008: S.73).
Umweltmanagement der Baustellen
Das Umweltmanagement der Olympischen Baumaßnahmen war ebenfalls einer
der Erfolge der Sommerspiele von Beijing. Das 2008 Headquarter Office, das
Beijing Municipal Environment Protection Bureau und das BOCOG Construction
and Environment Department arbeiteten seit 2001 eng zusammen und führten
regelmäßige Inspektionen auf den Baustellen der Wettkampfstätten durch. Es sollte
sichergestellt werden, dass die vorgegebenen Umweltrichtlinien eingehalten
wurden und das Baumaterial den geforderten Anforderungen entsprach: „to
guarantee that the environmental management guidelines were implemented and
the construction materials corresponded to the set requirements“ (UNEP 2008:
S.63). Im Vordergrund stand die Vermeidung der Staub- und Lärmentwicklung
(„Dust and noise control“) auf den Olympischen Baustellen: „check that construction
companies implemented required dust control measures“ (UNEP 2009: S.97). Zur
Lärmreduzierung und -vermeidung durften die Arbeiten nur zu bestimmten Zeiten
durchgeführt werden (Arbeitsverbot zwischen 22.00 und 6.00 Uhr) (UNEP 2008:
S.64). Zusätzlich zu den genannten Maßnahmen wurde im Jahr 2007 für jede
Olympische Wettkampfstätte ein „Environmental Manager“ eingesetzt. UNEP
erläuterte im Abschlußbericht von 2009, dass zwar noch keine konkreten Aussagen
gemacht werden können, ob die bei den Spielen eingeführten Maßnahmen im
Bereich des Umweltmanagements in Beijing als allgemeiner Baustellenstandard
anerkannt werden würden. Jedoch haben sich diese bei den Olympischen
Wettkampfstätten als sehr positiv erwiesen und „may have a knock-on effect on the
governance of China’s construction industry“ (UNEP 2009: S.97).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
202
Umweltmanagement während der Spiele
Im Vordergrund des Umweltmanagements während der Spiele stand das Müll- und
Reinigungsmanagement (siehe Absatz „Abfall und Reinigung“). Hierzu entwickelte
BOCOG den Olympic Venues Cleaning and Waste Management Plan. Für die
Reinigungs- und Müllmanagementprozesse in und um die Sportbauten war
BOCOG zuständig. Der Abtransport der Abfälle und die Müllentsorgung gingen
hingegen in die Verantwortlichkeit der Beijing Municipal Administration Commission
über. Da speziell die Thematik „Müllmanagement” für die Bevölkerung Beijings eine
neue Entwicklung darstellte, wurden die geplanten Maßnahmen während der
Softball Weltmeisterschaft im Jahr 2006 erstmalig getestet (UNEP 2009: S.96). Die
Einführung von Richtlinien für ein Müllmanagement in Beijing wurden von UNEP
zwar als positiv beurteilt, dennoch wurde kritisiert, dass bei den Olympischen
Spielen die Müllwiederaufbereitung wesentlich mehr im Vordergrund stand als die
Abfallvermeidung (UNEP 2008: S.20).
Umweltmanagement nach den Spielen
Während und vor den Spielen war BOCOG für das gesamte Umweltmanagement
der Wettkampfstätten verantwortlich. Laut UNEP bemühen sich die zukünftigen
Betreiber der ehemaligen Olympiaanlagen, wie die State Sport General
Administration oder das Beijing Municipal Government, weiterhin
Umweltmanagementsysteme für den Betrieb und die zukünftige Instandhaltung zu
gewährleisten, ebenso wie Umweltaspekte bei allen Wettkampfstätten zu
berücksichtigen (UNEP 2009: S.97).
Greenpeace
Mit dem Bericht „China after the Olympics: Lessons from Beijing“ setzte die
Umweltorganisation Greenpeace die Evaluation der Olympischen Großveranstaltungen
der Spiele von Sydney 2000 und Athen 2004 in Beijing 2008 fort. Im Rahmen der
Evaluation der Olympischen Spiele bewertete Greenpeace die Umweltauswirkungen
der jeweiligen Spiele auf den Austragungsort und analysierte den Einsatz von
neuesten Umwelttechnologien bei der Großveranstaltung und deren Baumaßnahmen.
So zeigte die Beurteilung der Spiele von Sydney (2000), dass sich energieeffiziente
und wassersparende Technologien durchaus für Olympische Wettkampfstätten eignen
würden und in der heutigen Zeit ohne Probleme einsetzbar seien: „sustainable
technological solutions could be introduced into Olympics design and planning“
(Greenpeace 2008: S.7).
Mit Bewertung der Spiele von Athen (2004) wies die Umweltschutzorganisation
Greenpeace darauf hin, dass ein intensiver Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs
durchaus das postolympische Erbe der Austragungsstädte fördern könne. Die
Beurteilung der Spiele von Beijing zeigte, dass gezielte Umweltmaßnahmen bei
Olympischen Spielen und deren Baumaßnahmen, insbesondere in Schwellenländern
wie China, nicht nur einen verstärkten Einsatz von energieeffizienten Technologien und
erneuerbaren Energiequellen mit sich bringen würden, sondern auch die städtische
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
203
Infrastruktur (z.B. öffentlicher Nahverkehr, Müllmanagement usw.) „umkrempeln“
könnten und einen Umweltkatalysator für die Austragungsorte insbesondere im Bereich
des Bauwesen darstellen würden (Greenpeace 2008: S.7). Im Rahmen des Berichts
weißt Greenpeace explizit darauf hin, dass die Stadt Beijing wesentlich umfangreichere
Umweltmaßnahmen ergriffen hätte, als der olympische Vorgängerort Athen und “the
Games has been an opportunity to upgrade and improve city infrastructure as well as
to integrate leading energy saving technologies in Games venues“ (Greenpeace 2008:
S.9). Die Datengrundlage des Berichts war schwer zu erlangen, da die Stadt Beijing
und das BOCOG die Daten nicht öffentlich und transparent zur Verfügung stellten. Die
Grundlagen dieser Evaluation bauen daher nur auf den verfügbaren Dokumenten des
Beijing Municipal Government auf und den Umweltberichten von UNEP auf.
Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten Beijing durch Greenpeace 2008
1. Luftqualität („Air Quality“)
2. Klimawandel, Energieverbrauch und Kühlmittel („Climate Change, Energy Use and Refrigerants“)
3. Transport („Transportation“)
4. Wasser und Abwasser („Water and Sewage Treatment“)
5. Wälder („Forests“)
6. Toxische Materialien und Abfallmanagement („Toxic Materials and Waste Management“)
7. Olympische Sponsoren und Umweltrichtlinien („Olympic Sponsor Environmental Commitments“)
8. Bürgerbeteiligung („Public Engagement“)
Abbildung 53: Aspekte der Umweltbewertung von Greenpeace der Olmypischen
Wettkampfstätten der Olympischen Spiele von 2008
(eigene Darstellung nach Greenpeace 2008)
Basis des Berichts stellen die 34 Environmental Guidelines dar, die Greenpeace im
Rahmen der Bewertung der Olympischen Spiele 2000 von Sydney entwickelt hatte
(siehe Kapitel 4.2.1). Anhand dieser Kriterien bezog sich Greenpeace nicht nur auf die
Auswirkung der Spiele auf Stadt Beijing, sondern auch auf das gesamte chinesische
Staatsgebiet (Greenpeace 2008: S.8). Bei der Umweltbewertung stehen vor allem die
Auswirkungen der Spiele auf den Austragungsort im Vordergrund, aber auch in den
Bereichen Energie, Wasser, Materialien und Abfallmanagement analysierte
Greenpeace die Olympischen Wettkampfstätten (siehe Abbildung 53). Hierbei
beurteilte die Umweltorganisation vor allem den Einsatz von Solarthermie zur
Warmwassergewinnung, Wärmepumpen, Geothermie, Photovoltaik zur
Stromerzeugung und erneuerbaren Energiequellen als positiv (Greenpeace 2008: S.
20). Im Rahmen des Umweltberichts bewertete die Umweltorganisation nicht nur die
Erfolge der Spiele. Sie nannte auch die verpassten Möglichkeiten (missed
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
204
opportunities“) der Stadt Beijing hinsichtlich folgender Aspekte: Luftqualität,
Klimawandel, Energieverbrauch, Kühlmittel, Transport, Wasser und Abwasser, Wälder,
toxische Materialien, Abfallmanagement, Umweltrichtlinien für Sponsoren und
Bürgerbeteiligung (siehe Abbildung 53) (Greenpeace 2008: S.5). Als positiv beurteilte
Greenpeace folgende Bereiche (Greenpeace 2008: S.7ff.):
Anwendung von „State-of-the-art energy saving technology” und erneuerbaren
Energieträgern in den Olympischen Wettkampfstätten, wie Geothermie,
Wassererwärmung durch Solarthermie, Photovoltaikanlagen usw.
Einführung von stark verbesserten Abwasseranlagen und
Wasserwiedernutzungssystemen bei den Olympischen Sportbauten
Einsatz von Niedrigenergiefahrzeugen (gasbetriebene Busse) während der Spiele
Festlegung von neuen Emissionsstandards für Fahrzeuge
Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs
Aufrüstung von 48.000 Warmwasserspeichern und Austausch von 32.000
Kohleöfen gegen Gas- und Elektroheizungen in Privathaushalten
Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen
Umweltschutzverbänden, dem Organisationskomitee und der chinesischen
Bevölkerung
Umweltmaßnahmen der Sponsoren, wie Coca-Cola, Samsung etc.
Folgende Aspekte wurden seitens Greenpeace kritisiert (Greenpeace 2008: S.9ff.):
Eine umfassende Evaluierung der Spiele und der Wettkampfstätten konnte
aufgrund der fehlenden Transparenz und mangelnder Dateneinsicht nicht
durchgeführt werden.
Trotz der Einführung von Umweltrichtlinien für Holz durch BOCOG wurde nicht auf
internationale Richtlinien, wie z.B. Forest Stewardship Council (FSC)
zurückgegriffen.
Anstelle von Müllvermeidung standen der Ausbau und die Verbesserung der
Abfallverwertungsanlagen im Vordergrund der Olympischen Spiele.
Obwohl die Stadt Beijing zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität
eingeführt hat, waren diese oft nur von temporärem Charakter, um während der
Spiele die Luftqualität zu verbessern. Eine langfristige Luftverbesserung in Beijing
erfordert jedoch über den Zeitraum der Spiele hinausgehende Regelungen, wie
etwa die Senkung der stark steigenden KFZ-Zulassungen oder stark verschärfte
Richtlinien für Fabrik- und Industrieanlagen.
Wassersparende Technologien und Abwasserwiederaufbereitungsanlagen hätten
nicht nur bei den Olympischen Wettkampfbauten, sondern in ganz Beijing
angewendet werden sollen.
Die 2008 Games wurden zwar zum Großteil „ozone-friendly“ durchgeführt und
speziell bei den raumlufttechnischen Anlagen der Sportstätten wurde auf
Kühlanlagen mit Flourchlorkohlenwasserstoffe verzichtet, jedoch hätten hier
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
205
natürliche Kühlsysteme eingesetzt werden sollen („Climate-friendly natural
refrigeration“).
Obwohl BOCOG bezüglich der Spiele zahlreiche Umweltmanagementrichtlinien für
die Baustellen der Wettkampfstätten eingeführt hatte, wurden diese Maßnahmen
nicht auf die gesamte Stadt ausgeweitet.
Zusammenfassend kann auf Basis der Bewertungen der Olympischen Spiele und
deren Baumaßnahmen durch UNEP und Greenpeace ausgesagt werden, dass die
Spiele dem Olympischen Austragungsort Beijing die Basis für ein ausbaufähiges
nachhaltiges Erbe hinterlassen hätten, vor allem in den Bereichen öffentlicher
Nahverkehr, Abfallmanagement, Ökologie und Energieeffizienz (Baustandards): „the
Beijing 2008 Games will leave an important environmental legacy for the city of Beijing
(Greenpeace 2008: S.43). Beijing hat zwar zahlreiche Bewerbungsauflagen erfüllt,
diese Maßnahmen bezogen sich aber zum Großteil lediglich auf die Olympischen
Baumaßnahmen und nicht auf die Gesamtregion von Beijing. Trotzdem stellten die in
Beijing durchgeführten Umsetzungen der Planungsziele eine wichtige Errungenschaft
der Olympischen Spiele dar, da zahlreiche Organisationskomitees vergangener
Großevents die während der Bewerbung versprochenen Umweltmaßnahmen
letztendlich nicht umgesetzt hatten: „failed to follow up on environmental promises
(UNEP 2008: S.29). Angesichts des enormen Bauvolumens in Beijing und China, bleibt
laut UNEP und Greenpeace nun zu hoffen, dass die verbesserten Olmypiastandards
einen „knock-on effect“ auf die Regierung, die Bauindustrie und die Baustandards des
gesamten Landes haben werden (UNEP 2008: S.65).
Damit zukünftig die Vorhaben und Richtlinien in Bezug auf Umweltschutz- und
Nachhaltigkeitsthemen nicht nur freiwillig bleiben, weißen sowohl UNEP, als auch
Greenpeace explizit darauf hin, dass durch das Internationale Olympische Komitee für
die Austragungsorte verpflichtende Minimumstandards und Bewertungen im Bereich
des nachhaltigen Bauens einzuführen sind: „Minimum standards and regular and
continuous environmental assessments“ (UNEP 2008: S.33) (Greenpeace 2008:S.18).
Folgende Mindeststandards gilt es laut Greenpeace und UNEP einzuführen:
Energie:
Forderung nach Mindeststandards für den Energieverbrauch der Sportstätten, dem
Einsatz von energieeffizienten Technologien in der Planungs- und
Konstruktionsphase und der Verwendung von erneuerbaren Energieträgern zur
Reduzierung der CO2-Emissionen (Greenpeace 2008: S.20)
Transport:
Vorgaben und Richtlinien für den Einsatz von öffentlichen Transportmitteln und
Fahrrädern als Fortbewegungsmittel zu den Wettkampfstätten (Greenpeace 2008:
S.25)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
206
Wasser:
Verpflichtende Richtwerte für die Anwendung von “State-of-the-Art”-Technologien
zur Reduzierung des Wasserverbrauchs in den Wettkampfstätten, wie
Wasserspararmaturen, Regenwasserspeicherung, Grauwassernutzung oder
Wasserwiederaufbereitungsmaßnahmen (Greenpeace 2008: S.29)
Materialien:
Forderung nach Verboten von umweltschädlichen Materialien und nach Erstellung
eines Materialhandbuchs (“Construction Materials Guide“), ebenso wie die
Anwendung von international anerkannten Zertifizierungsstandards für Holz, wie
z.B. FSC-Zertifikat (Greenpeace 2008: S.35)
Luftqualität:
Vorgaben von verpflichtenden Standards und Verbote von toxischen Materialien
und Umweltgiften in den Sportstätten, z.B. bei Klimaanlagen (Greenpeace
2008:S.35)
Müll:
Forderung nach Mindeststandards zur Müllvermeidung während der Konstruktions-
und Nutzungsphase der Olympischen Sportstätten (Greenpeace 2008: S.35)
Damit die genannten Umwelt- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei den Olympischen
Wettkampfstätten im Anschluß an die Spiele beurteilt werden können, fordern
Greenpeace und UNEP vom IOC striktere Vorgaben und Aussagen zur Anwendung
von nationalen Bewertungssystemen (Greenpeace 2009: S.22): „The IOC should
strongly recommend that host cities use an existing, credible green building rating
system that can help host cities best choose low or zero emissions and energy saving
technologies and also to provide a credible reporting as well as evaluation system to
measure results”. Um die Planung und Konstruktion der OIympischen
Wettkampfstätten beurteilen und die Resultate bzw. Ergebnisse der Öffentlichkeit
transparenter aufzeigen zu können, wäre das IOC gefordert, Mindeststandards für die
Gebäudebewertungen vorzugeben: „The IOC should issue a set of standards for host
cities so that their environmental efforts and achievements are comparable“
(Greenpeace 2008: S.43).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
207
4.3. Olympische Sportbauten und Nachhaltigkeit - Widerspruch, Trend
oder Möglichkeit?
„The Olympics, with its huge, one-time influx of economic, social and
cultural capital, are a huge challenge - and an opportunity to leave a lasting
legacy of sustainabililty.”
(Van Wynsberghe 2006: S.8)
Olympische Spiele und deren Wettkampfstätten sind als einmaliger massiver Zustrom
an menschlichem, kulturellem and ökonomischem Kulturgut nicht als nachhaltig zu
bezeichnen. Unter Einhaltung bestimmter Rahmenbedingungen könnten sie den
Austragungsorten ein zukunftsfähiges Erbe hinterlassen. Dennoch müssen die Olympic
Games als das angesehen werden, was sie sind – ein Mega-Event (Van Wynsberghe
2006: S.8f.). So beschreibt Van Wynsberghe, Vorsitzender der Vereinigung The
Impact on Community Coalition“ (IOCC) im Rahmen der Evaluierung der Vancouver
2010 Winter Olympic and Paralympic Games die Olympischen Sommer- und
Winterspiele im Bezug auf deren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der
Austragungsorte. Des Weiteren erläutert er, dass eine nachhaltige Durchführung von
Großveranstaltungen jedoch nicht hieße, die Umweltauswirkungen z.B. durch den
Ankauf von CO2-Zertifikaten zu mindern, wie dies bei der Fußball-WM 2006 in
Deutschland im Rahmen des Projekts „Green Goal“ praktiziert wurde (Stahl et al 2006).
Nachhaltigkeit von Mega-Events müsse als ein ganzheitlicher Ansatz betrachtet
werden, der vorrangig im Austragungsort der Großveranstaltung beginnt und neben
den ökologischen Faktoren, auch die ökonomischen und sozialen Aspekte mit
einbeziehe. Dies trifft sowohl für die Durchführung der Veranstaltung, als auch für
deren Baumaßnahmen zu.
Diese Aussage hebt die Widersprüchlichkeit des Begriffs „Nachhaltige
Großveranstaltung“ erneut hervor. Denn Mega-Events, wie die Olympischen Spiele,
lassen sich nicht als nachhaltig definieren, da die Durchführung dieses Sportevents
und dessen Baumaßnahmen zusätzliche Auswirkungen (ökologisch, ökonomisch und
sozial) auf die Austragungsorte und deren natürliche Umgebungen hinterläßt, sowohl in
positiver als auch in negativer Hinsicht. Häufig gebrauchte Begriffe, wie „eco-
efficiency“, „sustainable development“, „the green games ethic“ und „principle of
sustainable mega-events“ zeigen den aktuellen Trend der Grünen Spiele, mit dem die
Austragungsorte im Rahmen der Olympischen Spiele werben (z.B. Olympische
Sommerspiele London 2012: „The Greenest Games ever“) (Chernushenko et al. 2001:
S.1). Die Entwicklung der sogenannten „Green Games“ findet ihren ersten Ansatz in
der Verankerung des Umweltparagraphen im Jahr 1994 in der Olympic Charter des
Internationalen Olympischen Komitees, der Satzung des IOCs und mit der Einrichtung
der IOC Sport and Environment Commission (International Olympic Committee 2004a:
S.10). Erste Umweltinitiativen zur ökologischen und nachhaltigen Durchführung
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
208
Olympischer Spiele bildeten die Austragungsorte Barcelona 1992 und Lillehammer
1994 (Kapitel 4.1 und 4.2). Den Höhepunkt der ökologischen Planungen stellen bis
heute die so genannten „Green Games“ von Sydney 2000 dar. Zusammen mit der
Olympic Coordination Authority (OCA) entwickelte Greenpeace Australia
Umweltrichtlinien für Olympische Spiele („The Greenpeace Olympic Environmental
Guidelines - A Guide to Sustainable Events“) und führten erstmalig Olympische
Wettkampfstätten in ökologischer Bauweise aus. Bei den Olympischen Sommer- und
Winterspielen von Turin 2006, Beijing 2008, Vancouver 2010 und London 2012 war
und ist der Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanke mittlerweile ein Hauptelement der
Olympischen Planungen. Dennoch stellt sich die Frage, ob „Nachhaltigkeit und
Olympische Sportbauten“ eine Trendentwicklung bzw. ein „Greenwashing-Tool“
darstellen oder die Olympischen Spiele und deren Baumaßnahmen tatsächlich eine
Möglichkeit sind, den Austragungsorten ein nachhaltiges Erbe zu hinterlassen?
Tatsache ist, dass die Olympischen Spiele über einen Zeitraum von sieben Jahren
hinweg für die Austragungsorte die größten und umfänglichsten Baumaßnahmen
(Bewerbung bis Austragung) der Geschichte der Städte mit sich bringen und die
Stadtentwicklung um Jahrzehnte beschleunigen. Jeder Teilnehmer und jede
Einrichtung, vom Athleten über den Besucher bis hin zur Wettkampfstätte, übt zudem
starke Einflüsse („big impacts“) auf die umgebende Umwelt aus (Chernushenko et al.
2001; S.1f.). Es liegt in der Natur der Sache, das diese isoliert betrachtet keinen
großen Schaden ausrichten, sich aber in einer Bündelung, wie im Falle von
Sportgroßveranstaltungen, als enormer Einflussfaktor für die Austragungsorte
erweisen. Nicht nur der „Ökologische Rucksack“ der Sportgroßveranstaltung wirkt
schwer auf die Olympiaorte, auch die sozialen und wirtschaftlichen Einflüsse des
Mega-Events bringen Jahre vor und während des Großevents, aber auch noch
Jahrzehnte nach der Sportgroßveranstaltung zahlreiche Änderungen des
ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Stadt- und Landschaftsgefüges mit sich
(Chernushenko et al. 2001: S.5). Dies reicht von Zwangsumsiedlungen (Atlanta 1984,
Beijing 2008) über Staatsverschuldung (Montreal 1976, Athen 2004) bis hin zur
Verbesserung der sozialen Ausgangsbedingungen, der kompletten Stadterneuerung
oder der Förderung der städtischen Infrastruktur (Barcelona 1992, Turin 2006).
Während wirtschaftliche Auswirkungen meist mit quantitativen Werten und Zahlen
gemessen werden können, fällt die Beurteilung ökologischer und sozialer Aspekte oft
schwer. Diese kann zum Teil nur qualitativ ausgeführt werden. In den letzten Jahren
sind jedoch auch für ökologische und soziale Kriterien weltweit Berechnungsmodelle
entwickelt und standardisiert worden, die nicht nur die Abfallmenge, den
Trinkwasserverbrauch und den zukünftigen Energiebedarf messbar machen, sondern
mit denen auch die sozialen Einflüsse der Großveranstaltung und deren
Baumaßnahmen auf die Gesellschaft ermittelt und bewertet werden könne. Seit
einigen Jahren wurde insbesondere unter internationalem Druck (Agenda 21, Kyoto-
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
209
Protokoll etc.) begonnen, die durch die Olympische Sportgroßveranstaltung
entstehenden CO2-Emissionen zu kalkulieren, um Einsparpotentiale zu entwickeln und
Kompensationsmaßnahmen durchführen zu können. Während anfangs nur die direkten
Kohlenstoffemissionen berechnet wurden, d.h. der Verbrauch der Wettkampfstätten,
des Olympischen Dorfes und der Unterkünfte der Athleten und Touristen, werden seit
den Sommerspielen von Beijing auch indirekte Emissionen, wie nationale und
internationale Flüge und Transportwege mit einkalkuliert. Eine ähnliche Entwicklung ist
auch bei anderen Sportgroßveranstaltungen, wie z.B. der Fußballweltmeisterschaft
(„Green Goal“) zu betrachten. Folgende Werte wurden bei den Kalkulationen ermittelt:
Turin 2006: 120.000 Tonnen an CO2 (direkte Emissionen) (Global Forum for
Sports and Environment 2006)
Beijing 2008: 1.189.100 Tonnen an CO2 (direkte und indirekte Emissionen) (UNEP
2009: S.105)
Vancouver 2010: 300.000 Tonnen an CO2 (direkte und indirekte Emissionen)
(Vancouver 2010 2009)
London 2012: 3.400.000 Tonnen an CO2 (direkte und indirekte Emissionen) (UK
Government 2009)
Bei den Sommerspielen von Beijing wurden nach Angaben des Pekinger
Organisationskomitees dreiviertel aller freigesetzten CO2-Emissionen durch nationale
und internationale Flüge und innerstädtische Transportwege hervorgerufen (926.100
Tonnen an CO2). Der Anteil der CO2-Emissionen der Wettkampfstätten wurde mit
einen geringen Anteil kalkuliert (24.000 Tonnen an CO2 für den Bau der
Wettkampfstätten, 77.000 Tonnen für deren Betrieb) (UNEP 2009: S.106). Das
Organisationskomittee von London 2012 berichtet jedoch, dass die größten
Einsparungen im Baubereich des Bauwesens zu erreichen wären, d.h. durch den
Einsatz energieeffizienter Gebäudetechnik und Materialeffizienz, durch die Anlieferung
der Baumaterialien auf der Schiene und auf dem Wasserweg und durch
Wiedernutzung und Recycling von Konstruktionsabfällen (UK Government 2009). Die
Aufstellung verdeutlicht, dass die berechneten Emissionen der einzelnen Olympischen
Veranstaltungen sehr verschieden ausfallen. Dies ist zum einen auf die
unterschiedlichen Besucherzahlen zurückzuführen (Sommer- und Winterspiele),
ebenso wie auf die Anzahl und Art der benötigten Sportstätten (Sommerspiele: Hallen
und Stadien, Winterspiele: überwiegend Außensporträume). Den Hauptunterschied
stellen jedoch die verwendeten Kalkulationsmethoden dar. Obwohl mittlerweile
einheitliche internationale Normen und Rechenstandards zur Ermittlung der CO2-
Emissionen vorliegen, greifen die Austragungsorte auf verschiedene Verfahren und
Modelle zurück und beziehen unterschiedliche Themenfelder mit ein. Zum Teil werden
die Aussagen zur Vorgehensweise und zu den Rechengrundlagen sogar verweigert
(z.B. Organisationskomitee Beijing 2008).
Der unterschiedliche Einbezug von Aspekten, wie Materialnutzung,
Baustellentransporte, Abriss und Festlegung des Lebenszyklus der Wettkampfstätten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
210
führt zu weiteren großen Abweichungen der Ergebnisse und erschwert die
Vergleichbarkeit der Spiele und deren Wettkampfstätten in Bezug auf die CO2-
Emissionen. Dies ist anhand der unterschiedlichen Treibhausgaswerte von Beijing
2008 und London 2012 ersichtlich. Des Weiteren beruhen die genannten Zahlen nur
auf Schätzungen im Vorfeld der Veranstaltungen, tatsächliche Werte wurden im
Anschluss an die Olympischen Spiele bislang noch nicht ermittelt.
Anhand der unterschiedlichen Ermittlungen der Treibhausgase stellt sich die Frage, ob
Olympische Spiele tatsächlich „carbon-neutral“ durchgeführt werden können und
Berechnungen im Vorfeld der Veranstaltung die realen Emissionswerte abbilden. Dies
zeigt sich am Vergleich der ermittelten Werte der Sommerspiele von Beijing 2008 und
London 2012. Während das Organisationskomitee von Beijing die CO2-Emissionen mit
1,18 Millionen Tonnen berechnet hat, kalkuliert das Organisationskomitee von London
die Treibhausgase der Spiele von 2012 auf das dreifache, d.h. auf ingesamt 3,4
Millionen Tonnen. Mit Kompensationsmaßnahmen in Höhe von 1,2 Mio Tonnen an
CO2-Emissionen bezeichnet die Stadt Beijing die Sommerspiele von 2008 als CO2-
neutral. Erste Schätzungen der Sommerspiele von London hingegen zeigen lediglich
eine mögliche Kompensation von 60 Prozent (insgesamt 3,4 Millionen Tonnen an CO2,
Einsparung von 1,9 Millionen Tonnen an CO2). Folglich ist trotz
Kompensationsmaßnahmen im In- und Ausland das Ziel von CO2-neutralen Spielen
bislang kaum zu erreichen, da zum einen die Kalkulationsmethoden und
Berechnungsgrundlagen zu unterschiedlich sind und zum anderen die
Einsparpotentiale enorm vom Engagement und den Zielsetzungen der
Austragungsorte abhängen.
Dennoch haben die letzten Kapitel gezeigt, dass Olympische Spiele und deren
Wettkampfstätten trotz all ihrer zusätzlichen Auswirkungen auf die Austragungsorte
und enormen Umweltbelastungen den Olympiastädten und -regionen ein nachhaltiges
Erbe hinterlassen können. Auch wenn die Thematik „Umwelt“ erst seit den
Winterspielen von Lillehammer 1994 einen Hauptbestandteil der Planungen und
Durchführung der Olympischen Spiele ausmacht, stellen Umweltproteste und -gesetze
bei Olympischen Spielen kein Phänomen der heutigen Zeit dar, sondern gehen bis auf
die Spiele von Salt Lake City 1932 zurück (Kapitel 4.1). Beispiele aus der
Vergangenheit zeigen, dass Olympische Spiele als Katalysatoren fungieren, die einen
andauernden Einfluss auf den Austragungsort, das Gastland und die Bevölkerung
hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte hinterlassen. Es wird
deutlich, dass die Olympische Großveranstaltung und deren Sportbauten zur
nachhaltigen Entwicklung des Austragungsortes beitragen können und aufgrund ihrer
Medienwirksamkeit eine geeignete Methode zur weltweiten Verbreitung und zur
Förderung des Nachhaltigkeitsgedankens darstellen (Van Wynsberghe 2006: S.10).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
211
Somit steht fest, dass Olympische Wettkampfstätten durch geeignete nachhaltige
Planungsstrategien und unter gleichberechtigter Beachtung ökonomischer,
ökologischer und sozialer Faktoren, die Auswirkungen auf den Austragungsort gering
halten können. Neben Punkten, wie Förderung der Infrastruktur, des Tourismus und
der wirtschaftlichen Entwicklung der Region, zeigte die Analyse (Kapitel 4.1 und 4.2),
dass sich durch die Austragung der Olympischen Spiele, den derzeitigen Vorgaben
des IOCs und dem Druck der Öffentlichkeit und der Umweltverbände vor allem die
Baustandards der Austragungsorte verbessert hätten. Des Weiteren sind bedingt durch
die Spiele neue Umweltgesetze, Planungsinstrumente und Richtlinien für das
Bauwesen sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene entstanden (siehe
Abbildung 54). Doch die „Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen und deren
Baumaßnahmen“ muß von Austragungsort zu Austragungsort unterschiedlich definiert
werden, da die Ausgangsbedingungen der einzelnen Olympiastädte aufgrund
politischer, klimatischer, kultureller und geschichtlicher Entwicklungen sehr
verschieden sind. Folglich bauten die eingesetzten Olympischen
Nachhaltigkeitskonzepte auf unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und Standards
auf und wirkten sich verschieden auf die Austragungsorte, deren Stadtgefüge und
deren Bauwesen aus. Oft wurden nur Teilaspekte der Nachhaltigkeit (z.B.
Energieeffizienz, Ökologie etc.) in die Planungen und Umsetzung mit einbezogen. Die
folgenden Erkenntnisse zeigen die positiven Auswirkungen vergangener Olympischer
Spiele im Bezug auf ein nachhaltiges Erbe der Austragungsorte:
Einführung und Verbesserung von Umweltgesetzen und Baustandards im Bereich
der Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und des Denkmalschutzes (Lake Placid 1932,
Seoul 1988, Lillehammer 1994, Sydney 2000, Salt Lake City 2002, Athen 2004,
Turin 2006, Beijing 2008, Vancouver 2010 und London 2012)
Entwicklung von nationalen Planungswerkzeugen zur Bewertung der nachhaltigen
Gebäudequalität (Lillehammer 1994, Sydney 2000, Salt Lake City 2002, Athen
2004, Turin 2006, Beijing 2008, Vancouver 2010 und London 2012)
Förderung von energieeffizienten und ökologischen Technologien im Bauwesen
(Lillehammer 1994, Sydney 2000, Salt Lake City 2002, Turin 2006, Vancouver
2010 und London 2012)
Großflächige Stadtregeneration und –entwicklung, Erneuerung der Stadtstruktur
durch Olympische Infrastruktur- und Baumaßnahmen, Integration der Olympischen
Baumaßnahmen in den städtischen Masterplan und Verbesserung der Sport-,
Kultur- und Freizeiteinrichtungen (Oslo 1952, München 1972, Moskau 1980,
Barcelona 1992, Athen 2004, Turin 2006, Beijing 2008 und London 2012)
Umwandlung von Brachen und ehemaligen Industriegebieten in städtische Wohn-
und Freizeitquartiere (Barcelona 1992, Sydney 2000, Athen 2004, Turin 2006 und
London 2012)
Begrünung der Austragungsorte (Athen 2004 und Beijing 2008)
Verbesserte Luftqualität der Austragungsorte (Atlanta 1996 und Athen 2004)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
212
Einführung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichterstattung (Turin 2006, Beijing
2008, Vancouver 2010 und London 2012)
Entwicklung von IOC Umwelt- und Nachhaltigkeitsrichtlinien (Lillehammer 1994,
Sydney 2000 und Turin 2006)
Förderung der Zusammenarbeit mit Umweltschutzorganisationen (Sydney 2000,
Turin 2006 und Beijing 2008)
Abbildung 54: Auswirkungen der Olympischen Spiele der Neuzeit auf den Umweltschutz und
die Baustandards der Austragungsorte
(eigene Darstellung)
Speziell Umweltorganisationen, wie Greenpeace, WWF oder UNEP haben stark zu
dieser Entwicklung, d.h. zur Integration von ökologischen und energieeffizienten
Planungszielen und deren Umsetzung bei Olympischen Spielen, beigetragen. Die
Institutionen waren hier nicht nur beratend tätig, sondern bewerteten die
durchgeführten Maßnahmen während und nach den Olympischen Großevents, um
Aussagen zur Umweltqualität der Sportgroßveranstaltung und deren Baumaßnahmen
treffen zu können. Die Olympischen Sommerspiele von Sydney waren die erste
Olympische Großveranstaltung, die von Greenpeace beurteilt wurde (Kapitel 4.2.1).
Aufbauend auf diesem Model führten Greenpeace, WWF und UNEP bei den folgenden
Spielen die Umweltbewertungen durch. Bei den Winterspielen von Turin 2006
übernahm erstmalig ein Olympisches Organisationskomitee die Umwelt-
berichterstattung (Kapitel 4.2).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
213
Die Umweltbewertungen (Kapitel 4.2) wurden alle auf freiwilliger Basis durchgeführt.
Die Unzugänglichkeit der Informationen über die Planung und Ausführung der
Olympischen Spiele durch die beteiligten Behörden und Planer gestaltete die
Bewertung der Spiele oft problematisch. (WWF 2004: S. 5). Kritisiert wurde von den
Umweltschutzorganisationen vor allem, dass von den Organisationskomitees meist
nicht detallierte quantitative, sondern nur qualitative Aussagen bzw. überhaupt keine
Informationen freigegeben wurden, was die Beurteilung stark einschränkte (Sydney
2000, Athen 2004 und Beijing 2008). Hierauf wies Greenpeace mit folgender Aussage
hin: „a more open environmental reporting process was needed in order to evaluate
Olympic successes and failures, to learn about the obstacles to success and allow for
learning for future Olympic Games.“ (Greenpeace 2000: S.8).
Die Bewertung erfolgte nicht anhand von festgelegten Richtlinien und Abstufungen,
sondern meist in Form einer Nachhaltigkeitsberichterstattung, die die erzielten Fort-
und Rückschritte hinsichtlich ökologischer und technischer Aspekte beschrieb.
Ausgangslage war stets der Status Quo des Austragungsorts vor den Spielen.
Hauptbestandteil dieser Berichte war, ob die geplanten Ziele und Verbesserungen
erreicht wurden und wie sich diese auf den Austragungsort ausgewirkt haben. Um
zukünftig eine Vergleichbarkeit der Berichte zu gewährleisten, müssten nach Aussage
von Greenpeace, WWF und UNEP einheitliche Bewertungsrichtlinien („Environmental
Standards“) entwickelt werden und dem IOC als „Supervising Body“ eine bedeutendere
Rolle zukommen (Greenpeace 2000: S.8). Gemeinsames Hauptziel aller
Umweltschutzorganisationen ist daher die verstärkte Integration von Umwelt- und
Nachhaltigkeitsansätzen bei Olympischen Spielen durch das IOC: „The IOC has the
responsibility to ensure the Olympic Games have a minimum impact on the
environment and leave a positive legacy for those hosting the Games. The IOC must
increase its capacity to advise, direct and pressure bidding and host cities to ensure
that their environmental commitments are met.” (Greenpeace 2004: S.7). Um eine
erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten, weisen alle Umweltschutzorganisationen in
ihren Berichten darauf hin, dass das IOC striktere bzw. verpflichtende
Umweltstandards für Olympische Spiele und deren Baumaßnahmen einführen müsste
(UNEP 2008: S.33). Nicht nur bei der Berichterstattung der Spiele von Sydney und
Athen wurde darauf aufmerksam gemacht, auch bei den Winterspielen von Turin
forderte das WWF mehr Verantwortlichkeit durch das IOC: „Although we consider the
Turin Olympic experience in a generally positive light, we hoped that the Olympic
committees would have focussed more effectively on environmental objectives,
especially considering that the sporting event take place in as sensitive area as the
Alps” (WWF 2006). Diese Forderungen veranlassten das IOC die
Nachhaltigkeitsberichterstattung zukünftig als verpflichtende Maßnahme bei
Olympischen Spielen einzuführen: „sustainability reporting should become a systematic
activity of Olympic Organising Committees starting from Vancouver 2010 XXI Winter
Olympics.” (Frey, M. et al 2007: S.7).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
214
Bewertungskriterien von Umweltorganisationen für Olympische Wettkampfstätten
1. Energie Energie
2. Transport Transport
Kühlung und Klimaanlagen
Vermeidung ozonschichtzerstörender Materialien
Luftverschmutzung
3.
Luftqualität
Innenraumluftqualität
Holz
Umweltfreundliche und natürliche Materialien
Alternativen zu PVC
4. Material
Ressourcenverbrauch
Trinkwasser 5.
Wasser
Abwasser
Umweltqualität des Außenraums
Schutz der Biodiversität und Ökosysteme
Toxische Kontaminierung des Bodens
Planung zur Verhütung von Naturgefahren
Wälder/ Aufforstung
6. Standort
Flächenverbrauch
7. Müll Müll
Lebensqualität
Kultureller und historischer Kontext
Stadtplanung
8. Regionale und soziale
Aspekte
Innenraumqualität
Nachhaltige Planung
Nachhaltigkeit in der Konstruktion
Sicherheitspläne für Konstruktion
Umweltmanagement der Baustellen
Umweltmanagement während der Spiele
Umweltmanagement nach den Spielen/ Betrieb
Reinigung
Partizipation
Umsetzung der Olympischen Nachhaltigkeitsziele
Transparenz
8. Prozess
Monitoring
9. Nachnutzung Nachnutzung
Abbildung 55: Inhalte der Umwelt-Audits von Umweltschutzorganisationen der Olympischen
Spiele von Sydney 2000, Athen 2004 und Beijing 2008
(eigene Darstellung nach Greenpeace 2000a, WWF 2004, Greenpeace 2004, TOROC
2006, Greenpeace 2008 und UNEP 2008)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
215
Die Berichte der Umweltinstitutionen folgten nach keinen vorgegebenen Benchmarks
und Richtlinien, sondern orientierten sich an den „Greenpeace Environmental
Guidelines“ der Spiele von Sydney 2000. Während bei der Bewertung der Olympischen
Großveranstaltung von Sydney und Athen vorrangig ökologische Aspekte im
Vordergrund standen, wurden mit den Spielen von Turin 2006 erstmalig auch soziale
und kulturelle Auswirkungen beurteilt (siehe Anhang 8). Bei den Sommerspielen von
Beijing kam zusätzlich die Beurteilung des Bauprozesses und der Nachnutzung hinzu.
Wirtschaftliche Aspekte wurden bislang bei keiner Bewertung berücksichtigt. Auch
wenn für die Berichte der Olympischen Spiele durch die Umweltorganisationen bislang
keine einheitlichen Benchmarks vorlagen und sich diese nur mit unterschiedlichen
Teilaspekten der Nachhaltigkeit auseinandersetzen (siehe Anhang 8), haben die
Bewertungen von Greenpeace, WWF und UNEP dennoch eine hohe Aussagekraft im
Bezug auf angewandte Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte bei Olympischen Spielen
und deren Baumaßnahmen.
Im Vordergrund der Berichtserstattungen der Umweltorganisationen standen stets der
Olympische Großevent und dessen Auswirkungen auf die Olympiastädte. Die
Olympischen Wettkampfstätten stellen jedoch nur einen Teilaspekt der Umwelt- und
Nachhaltigkeitsberichte dar. Die Analyse zeigte, dass die
Nachhaltigkeitsberichterstattung bei Sportbauten auf folgende Themenfelder einging:
Energie, Transport, Luftqualität, Material, Standort, Wasser, Müll, regionale und soziale
Aspekte, Prozess und Nachnutzung von Olympischen Wettkampfstätten (siehe
Abbildung 55). Allerdings wurden die aufgeführten Kriterien nicht bei allen
Beurteilungen ganzheitlich angewandt, sondern stellen lediglich eine Übersicht aller
Teilaspekte dar, auf deren Basis Umweltschutzorganisationen die
Umweltberichterstattungen von Olympischen Wettkampfstätten durchgeführt haben
(siehe Anhang 9). Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass bei allen Berichten
ökologische und energieeffiziente Kriterien im Vordergrund standen und erst seit den
Spielen von Turin begonnen wurde, soziale Aspekte in die Berichte zu integrieren.
Ökonomische Themen flossen bislang nicht in die Berichte der
Umweltschutzorganisationen mit ein.
Die letzten Kapitel zeigten, dass insbesondere die Baustandards im Bereich des
Umweltwesens- und des Denkmalschutzes durch Olympische Spiele und deren
Baumaßnahmen gefördert wurden bzw. erstmalig in den Austragungsorten überhaupt
Gesetze für das Bauwesen im Hinblick auf ökologische und energieeffiziente Aspekte
eingeführt wurden (Sydney 2000, Beijing 2008, Socchi 2014). Eine Verbesserung der
Baustandards konnte bei allen Austragungsorten beobachtet werden. Dies geschah
jedoch stets in Abhängigkeit von den Ausgangsbedingungen der Olympiastädte
(Industrienation versus Schwellenland): „different cities have different environmental
needs and priorities, different ways of collaborating, and different levels of involvement
from governing authorities and environmental organisations“ (Olympic Movement
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
216
2007b: S.40). Folgende Aussagen lassen sich hieraus für Olympische
Wettkampfstätten und nachhaltige Olympische Planungskonzepte ableiten:
Nachhaltigkeit und Olympische Sportbauten: kein „Greenwash Marketing
Tool“, sondern Möglichkeit zur Verbesserung der Ausgangslage der
Austragungsorte im Bauwesen
Wie die letzten Jahrzehnte der Olympischen Geschichte zeigten, scheinen sich
Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte bei Olympischen Spielen durchgesetzt zu
haben. Dennoch befindet sich die Integration von ökologischen, ökonomischen und
sozialen Themen in die Planungen und Durchführung der Olympischen Spiele noch
ganz am Anfang einer nachhaltigen Entwicklung. Der Begriff der Nachhaltigkeit bei
Olympischen Spielen lässt sich erstmalig auf die Sommerspiele von Barcelona
1992 zurückführen. Die damalige Bedeutung von „Sustainability“ hatte aber eine
andere Bedeutung als heutige Nachhaltigkeitsaspekte und umfaßte keinerlei
ökologische und energieeffiziente Planungsziele. Bei den Spielen von Barcelona
stand vielmehr die Verbesserung sozialer und gesellschaftlicher Aspekte im
Vordergrund (Millet 2001: S.105). Die ersten Olympischen Spiele, bei denen
ökologische und energieeffiziente Planungsziele bei den Olympischen
Baumaßnahmen umgesetzt wurden, waren die Winterspiele von Lillehammer 1994
(Chernushenko, D. et al. 2001: S. 15). Aber erst der Olympische Großevent von
Sydney 2000 ging wegen der engen Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation
Greenpeace und der Medienwirksamkeit als die ersten „Green Games“ der
Olympischen Geschichte ein. Nachhaltigkeit und Olympische Spiele sind aufgrund
der enormen zusätzlichen ökologischen, sozialen und finanziellen Belastungen für
die Olympiastädte im eigentlichen Sinne ein Widerspruch an sich. Dennoch wurde
deutlich, dass nachhaltige Olympische Großveranstaltungen nicht nur ein
Greenwash Marketing Tool“ sind, sondern dass diese tatsächlich eine Möglichkeit
für ein zukunftsfähiges Olympisches Erbe der Austragungsorte und deren
Baustandards darstellen (Furrer 2002: S.10). Im Bauwesen zeigte sich diese
Entwicklung anhand von neu eingeführten bzw. verbesserten Baustandards,
Planungsinstrumenten und Umweltgesetzen. Diese Entwicklung ist jedoch stets in
Abhängigkeit des Entwicklungsstandes des Austragungsorts zu betrachten
(Industrienation, Schwellenland) und muß für jeden Olympiaort unterschiedlich
definiert werden, da sich die Ausgangsbedingungen der einzelnen Olympiastädte
als sehr verschieden darstellen. Während in Austragungsorten, wie Lillehammer
1992 oder London 2012 bestehende Bau- und Umweltgesetze und
Mindeststandards verschärft wurden, sind durch die Spiele von Sydney 2000 oder
in Beijing 2008 erstmalig Umweltgesetze für das australische und chinesische
Bauwesen eingeführt worden. Anhand der Spiele von Sydney konnte
nachvollzogen werden, dass sich die entwickelten Gesetze und Baustandards nicht
nur auf regionaler Ebene positiv ausgewirkt haben, sondern dass diese auch
Auswirkungen bzw. Änderungen auf die nationale Gesetzgebung und Bauwirtschaft
mit sich brachten. Eine ähnliche Entwicklung ist in Beijing zu erwarten. Zudem
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
217
wurde sichtbar, dass Umweltschutzaktionen, -proteste und Gesetzgebungen nicht
nur ein Phänomen der heutigen Olympischen Spiele darstellen, sondern dass
bereits bei den Winterspielen von Lake Placid 1932 Umweltgesetze durch
Olympische Spiele entstanden sind (Official Report Lake Placid, S. 159f.). Dies
setzte sich im Laufe der Geschichte des Olympischen Großevents fort, wie die
Spiele von Cortina d’Ampezzo 1956, Squaw Valley 1960, Sapparo 1972, Lake
Placid 1980, Los Angeles 1984, Seoul 1988 oder Albertville 1992 zeigten (siehe
Kapitel 4.1 und 4.2). Bei den Olympischen Sommerspielen von Sydney erkannte
man zudem, dass durch die enge Zusammenarbeit mit
Umweltschutzorganisationen, die Spiele nicht nur einen Katalysator auf regionaler
Ebene darstellen, sondern dass diese auch eine Förderung der nationalen
Umweltbaustandards und -gesetzgebung bewirkten, ebenso wie eine
Entwicklungsbasis für Nachhaltigkeitsbewertungssysteme für Gebäude (NABERS,
Green Star) (Prasad, D. 1999:S. 87). Nicht nur die nationale Umweltgesetzgebung
wurde gefördert, sondern auch die Einführung von neuen Umwelttechnologien in
den Bereichen der Wasserwirtschaft, der Energieeffizienz, des Transports und des
Bauwesens. So zeigten die Spiele von Sydney, dass die Bedenken der
Bevölkerung im Bezug auf den Einsatz von neuen Techniken durch die
Olympischen Pilotprojekte ausgeräumt werden konnten (z.B. Wasser-
recyclingsystem des Olympic Park Sydneys). Auch auf das Internationale
Olympische Komitee hatten die bei den Spielen durchgeführten
Umweltmaßnahmen und Forderungen positive Auswirkungen, wie durch die
Gründung der Sport und Environment Commission des IOCs (1996) oder die
Festlegung der Thematik „Umwelt“ als dritte Dimension des Olympismus (1996)
deutlich wurde.
Sowohl beim IOC, als auch bei den derzeitigen und zukünftigen Austragungsorten
zeigte sich, dass Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten noch ganz am Anfang
steht. Zwar werden ökologische und energieeffiziente Planungsziele bereits
berücksichtigt, Themen wie Ökonomie oder soziokulturelle Aspekte finden speziell
bei den Wettkampfstätten noch kaum Anklang. Um in Zukunft Olympische
Sportbauten sowohl ökologisch, ökonomisch und sozial und somit zukunftsfähig
umzusetzen, ist das IOC gefordert Richtlinien festzulegen, die nicht nur eine reine
Umweltbewertung fordern, sondern einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen.
Stärkung der Funktion und Mitwirkung der Umweltorganisationen bei
Olympischen Spielen und deren Wettkampfstätten
Umweltorganisationen, wie Greenpeace, UNEP und WWF, haben in den letzten
Jahren maßgeblich zur Förderung der Olympischen Spiele und deren
Baumaßnahmen im Bezug auf ökologische und energieeffiziente Aspekte
beigetragen. Die Beteiligung von Umweltschutzinstitutionen bei Olympischen
Spielen und deren Kooperation mit dem Internationalen Olympischen Komitee
(IOC) geht bereits einige Jahre zurück. Hauptanliegen ist die Minderung der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
218
zusätzlichen Umweltauswirkungen und Emissionen der Spiele auf die Umwelt und
der Einbezug von Umwelt- und Nachhaltigkeitsansätzen bei Olympischen Spielen
und deren Wettkampfstätten (siehe Kapitel 4.2). Der erste Olympische Großevent,
bei dem eine Umweltschutzorganisation aktiv an der Planung und Durchführung
der Sportgroßveranstaltung beteiligt war und der im Anschluß hinsichtlich der
durchgeführten ökologischen Maßnahmen bewertet wurde, waren die Sydney
Olympic Games 2000 (Greater London Authority 2007: S.77). Seit den
Olympischen Spielen von Sydney begleitet die Umweltschutzorganisation
Greenpeace nun die ökologischen Planungen und Umsetzungen von Olympischen
Spielen und deren Wettkampfstätten. Greenpeace stellte für alle
Planungsbeteiligten Richtlinien auf, damit die Olympischen Spiele umweltfreundlich
organisiert und die Wettkampfstätten ökologisch und energieeffizient errichtet
werden konnten. Diese „Environmental Guidelines for the Summer Olympic
Games“ bildeten die Grundlage für die heute weltweit anerkannten Greenpeace-
Umweltleitlinien für nachhaltige Großveranstaltungen und deren Wettkampfbauten
(„Greenpeace International Olympic Environmental Guidelines – A Guide to
Sustainable Events“). Diese brachte Greenpeace Australia in Zusammenarbeit mit
verschiedenen Experten im Anschluß an die Spiele heraus, mit dem Ziel diese als
Umweltstandards für zukünftige Olympiaaustragungsorte und Bewerberstädte
weltweit zu etablieren. Die 34 Leitlinien stellen noch heute, zehn Jahre nach den
Spielen, international anerkannte, jedoch nicht verpflichtende, Umweltrichtlinien für
zukünftige Olympiaaustragungsorte und deren Wettkampfstätten dar (Greenpeace
2009b: S.5) (siehe Kapitel 4.2).
Die Mitwirkung an Olympischen Spielen bot den Umweltschutzorganisationen eine
internationale Medienplattform zur Förderung der „Green Games“ und auch die
Möglichkeit die eigenen Umweltanliegen weltweit zu propagieren (Greenpeace
2000: S.8). In den letzten Jahren etablierte sich zudem, dass Greenpeace, UNEP
und das WWF die Olympischen Spiele und deren Baumaßnahmen im Bezug auf
eine nachhaltige Planung und Durchführung beurteilten. Mit den
Umweltbewertungen und –berichten wiesen die Umweltorganisationen auf die
positiven Errungenschaften der Spiele hin und deckten zahlreiche „gebrochene“
Zusagen der Austragungsorte hinsichtlich der Bereiche Energietechnologien,
Einsatz von ökologischen Baumaterialien und Schutz der Biodiversität auf, wie an
den Bewertungen der Sommerspiele von Athen 2004 durch Greenpeace und WWF
deutlich wurde (Greenpeace 2004: S.8ff.) (siehe Kapitel 4.2). Auch wenn die
Umweltorganisationen bereits aktiv an der Durchführung der Olympischen Spiele
involiert sind, scheitert die tatsächliche Mitwirkung meist an den
Organisationskomitees und den städtischen und nationalen Behörden, wie bei den
Spielen von Athen 2004 und Beijing 2008 ersichtlich wurde. Um zukünftig die
Olympischen Spiele und deren Wettkampfstätten tatsächlich nachhaltig umsetzen
zu können, ist daher der Einbezug der Umweltorganisationen und deren
Erfahrungen mit Sportgroßveranstaltungen, vor allem aber die Akzeptanz der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
219
Umweltaktivisten durch die Austragungsorte (Organisationskomitee, Behörden etc.)
dringend erforderlich. Denn der internationale Druck der Umweltorganisationen auf
die Veranstalter der Olympischen Spiele und deren beratende und berichtende
Funktion bilden heutzutage eine wichtige Basis für die Umsetzung von
nachhaltigen Olympischen Spielen und deren Sportbauten.
Forderung nach stärkerem Eingriff des IOCs und verpflichtenden
Bewertungsrichtlinien für Olympische Bewerber- und Austragungsorte
Alle Umweltorganisationen (UNEP, Greenpreace und WWF) verweisen in ihren
Umweltberichten auf einen stärkeren Eingriff durch das IOC im Bezug auf
Nachhaltigkeitsrichtlinien bei Olympischen Spielen und deren Wettkampfstätten.
Andernfalls werden die Themen „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ von den
Austragungsorten nach eigenen Maßstäben ausgelegt und zum Teil sogar
missachtet, wie die Spiele von Albertville 1998 oder Athen 2004 zeigten. Trotz
Integration der Thematik „Umwelt“ als dritte Dimension des Olympismus und dem
„IOC Questioniare“ für Bewerberstädte, hat das Internationale Olympische Komitee
bislang keine verpflichtenden Leitlinien für energieeffiziente und nachhaltige
Wettkampfstätten auf den Weg gebracht (siehe Kapitel 4.2). So fordert das WWF
vom IOC Richtlinien für die Standortwahl, die Projektentwicklung, die Nutzung von
bestehenden Wettkampfstätten und den Einsatz von neuen Technologien zur
Wasser-, Energie- und Mülleinsparung, als auch für die Nachnutzung der
Olympischen Sportbauten (WWF 2004: S.18f.). Neben diesen „environmental
standards” sollte das IOC von den Bewerberstädten Bewertungen für die
Standortwahl und die Baumaßnahmen verlangen, die neben ökologischen
Aspekten auch soziale und wirtschaftliche Kriterien beurteilen: „Until now, no official
effort has been made to evaluate the environmental costs and gains of the 2004
Olympics, thus setting the base for the planning of post-Olympic environmental
mitigation measures and assisting future Olympic cities to gain from the experience
of Athens.” (WWF 2004: S.3). Dass die Integration von sozialen
Bewertungsaspekten möglich ist, zeigten die Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte
der Olympischen Spiele von Turin (Europa 2006) oder der Sommerspiele von
Beijing 2008. Damit die genannten Umwelt- und Nachhaltigskeitsmaßnahmen der
Olympischen Wettkampfstätten im Anschluß der Spiele tatsächlich objektiv
bewertet werden können, ist die Freigabe der Daten durch die
Organisationskomitees und Behörden der Austragungsorte erforderlich. Auf der
Basis transparenter Abfragen können nach den Spielen Vergleiche zwischen den
Olympischen Wettkampfbauten durchgeführt werden. Daher fordern Greenpeace,
UNEP und WWF vom IOC einheitliche Mindeststandards und verpflichtende
Vorgaben zu Bewertungsrichtlinien und -systemen (Greenpeace 2009: S.22).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
220
Nachhaltigkeitsbewertung und Berichterstattung als zukunftsfähiges
Instrument zur Förderung der Umsetzung von nachhaltigen Olympischen
Wettkampfstätten
Zum Nachweis der nachhaltigen Planung und Umsetzung von Olympischen
Wettkampfstätten haben sich auf internationaler Ebene in den letzten Jahren
Werkzeuge, wie Bewertungssysteme und Berichterstattungen, als aussagekräftige
Instrumente erwiesen. Die Analyse dieser von Umweltorganisationen
durchgeführten Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewertungen zeigte, dass sich die
Baustandards der Austragungsorte speziell in den Bereichen „Umwelt und
Nachhaltigkeit“ durch die Olympischen Spiele verbessert haben. Die Beurteilungen
stellen jedoch keine Bewertungen, sondern Nachhaltigkeitsberichte dar, die die
durch die Olympischen Spiele erzielten Fortschritte beschreiben. Hieraus lässt sich
folgern, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung eine gute Ausgangsbasis und
Wissensvermittlung für die Einführung neuer Technologien und Standarts im
Bereich des nachhaltigen Bauens bei Olympischen Spielen und deren
Baumaßnahmen bietet (siehe Kapitel 4.2). Besonders den Umweltorganisationen
und deren Bewertungsberichten kommt hier eine bedeutende Rolle zu. Seit der
Olympischen Großveranstaltung von Lillehammer 1994 wurden vermehrt
Umweltthemen in die Vorbereitung und Durchführung von Olympischen Spielen
einbezogen und Umweltberichte eingeführt. Die weltweit erste Umweltbeurteilung
von Olympischen Spielen von einer Umweltorganisation wurde von Greenpeace
bei den Spielen von Sydney 2000 übernommen. Diese Umweltbewertungen und
-evaluationen der Olympischen Spiele durch Umweltinstitutionen setzten sich bei
den Olympischen Spielen von Athen 2004, Turin 2006 und Peking 2008 fort. Im
Gegensatz zu Sydney 2000 oder Athen 2004, bei denen stets Umweltschutz-
verbände, wie WWF, Greenpeace oder UNEP die führende Rolle im Bereich des
Umweltschutzes und der Bewertung der ökologischen Qualität der Spiele
einnahmen, hatte erstmalig ein Organisationskomitee die Federführung in der
Einführung, Umsetzung und Bewertung von umweltverträglichen und nachhaltigen
Aspekten bei Olympischen Spielen inne. Hierbei arbeitete TOROC eng mit
Umweltorganisationen, wie UNEP, WWF Italia oder Greenpeace und mit regionalen
Verbänden zusammen (TOROC 2004: S. 95). Als Werkzeug zur Umsetzung und
Bewertung von nachhaltigen Olympischen Spielen wählte TOROC ebenfalls die
Methode der Berichterstattung (Sustainability Reporting). Ein Instrument, das wie
es scheint, sich nun auch bei zukünftigen Spielen, wie Vancouver 2010 oder
London 2012 durchsetzt bzw. zukünftig verpflichtend vom IOC eingesetzt wird
(siehe Kapitel 4.3.3) (Frey, M. et al 2007: S.7). Allerdings beschreiben die
genannten Berichte nur den Ist-Zustand der durchgeführten Umweltmaßnahmen
der Olympischen Spiele und deren Bauten – einheitliche Richtlinien und
Bewertungsmaßstäbe wurden bislang noch nicht entwickelt. Dennoch stellen die
Nachhaltigkeitsberichterstattungen für die Olympischen Wettkampfstätten ein
Werkzeug (Wissenstransfer) dar, mit dem die nachhaltige Umsetzung der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
221
Olympiabauten gefördert werden kann. Da die Berichte jedoch mehr den Status
Quo und die Gesamtveranstaltung beschreiben und somit im eigentlichen Sinne
keine Beurteilung mit vorgegebenen Richtwerten vornehmen, wird von allen
Umweltorganisationen seitens des IOC eine einheitliche Methodik der
Nachhaltigkeitsbewertung für Olympische Bauten gefordert. Der Einsatz von
solchen nationalen Umweltbewertungsinstrumenten für Wettkampfstätten und
Unterkünfte wird vom IOC bereits in der Bewerbungsphase vorgegeben, d.h. alle
Organisationskomitees sind verpflichtet solche Bewertungen durchzuführen (siehe
Kapitel 5). Jedoch fehlen auch hier seitens des IOC konkrete Vorgaben zu
Bewertungskriterien und Mindeststandards.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
222
5. Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von
Olympischen Wettkampfstätten
„Carry out initial environmental impact assessments for all venues, competition
venues, IBC and MPC, Olympic Village(s) and interconnecting Olympic
infrastructure.”
(International Olympic Committee 2006a: S.90)
Für die Durchführung eines nachhaltigen Planungsprozesses und der Umsetzung von
ökologischen und energieeffizienten Baumaßnahmen bei Olympischen Spielen wird
seit der Einführung der Bewerbungsrichtlinien („Candidature Procedure and
Questionnaire“) durch das IOC für alle Olympischen Bauten bereits während der
Kandidaturphase eine Umweltbewertung („environmental impact assessment“)
gefordert (International Olympic Committee 2006a: S.138) (siehe Kapitel 3). Diese
Forderung wird bislang von den Austragungsorten und Bewerberstädten mit
unterschiedlichsten Bewertungsmethoden und Planungswerkzeugen durchgeführt.
Zum einen wurden Umweltbewertungen der Olympischen Großveranstaltung von
unabhängigen Umweltorganisationen, wie Greenpeace, WWF oder UNEP
vorgenommen, die die gesamte Umsetzung des Olympischen Großevents beurteilen
(siehe Kapitel 4). Zum anderem wurden von den Organisationskomitees speziell für die
Olympischen Bauten nationale Bewertungs- und Zertifizierungsinstrumente
angewendet. Diese wurden zum Teil extra für die jeweiligen Spiele und deren Bauten
entwickelt.
Umfassende Umweltbewertungen von unabhängigen Umweltverbänden sind erstmalig
bei den Spielen von Sydney 2000 von Greenpeace durchgeführt worden (Greenpeace
2000) (siehe Kapitel 4.2). Zur Qualitätssicherung einer möglichst umweltgerechten
Planung und Durchführung der Olympischen Spiele lassen sich seit den Winterspielen
von Turin 2006 zudem die Organisationskomitees mit international anerkannten
Umweltmanagementsystemen zertifizieren. So führte das Turin Organising Committee
(TOROC) der Winterspiele 2006 als erstes Organisation Committee (OCOG) eine
Umweltmanagementzertifizierung der Spiele ein, sowohl nach dem internationalen
Standard ISO 14001, als auch nach der europäischen Äquivalente EMAS (Eco-
Management and Audit Scheme). Auch das Organisationskomitee von Beijing 2008
entwickelte ein Environmental Management System basierend auf den Grundlagen des
Standards ISO 14001 (UNEP 2007:S.40). Die Einführung eines
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
223
Umweltmanagementsystems ist auch bei den Winterspielen 2014 von Socchi geplant
(Socchi Supervisory Committee 2007: S.71).
Methode Gebäude Bewertung Entwicklung
Sydney 2000
ESD (Environmental
Sustainable Development)
Olympisches
Dorf und Wett-
kampfstätten
* Green Star
NABERS (National
Australian Built
Environment Rating
System)
Salt Lake City 2002 LEED New Construction
(U.S.)
Wettkampf-
stätten
* bereits existierendes
Bewertungssystem
Turin 2006 GBTool (Green Building
Tool)
Mediendorf * Protocollo Itaca
GOBAS (Green Olympic
Building Assessment
System)
Olympisches
Dorf und Wett-
kampfstätten
* GBAS (Green Building
Assessment System)
Beijing 2008
LEED for Neighbouring
Development
Olympisches
Dorf
Gold Neueinführung von LEED
nach China
Vancouver 2010 LEED New Construction
Canada
Typologien:
LEED for Neighbouring
Development Canada,
LEED Interior Design
Olympisches
Dorf und Wett-
kampfstätten
Silber bis Platin bereits existierendes
Bewertungssystem
London 2012 BREEAM
Typologien:
BREEAM Bespoke,
EcoHomes, BREEAM
Communities
Olympisches
Dorf und Wett-
kampfstätten
Code Level 4,
Excellent
bereits existierendes
Bewertungssystem;
Systemvariante für
Sportbauten
Etablierung des
Pilotsystems BREEAM
Communities
Sochi 2014 EIA (Environmental Impact
Assessment)
* * *
* keine Angaben
Abbildung 56: Bislang eingesetzte Umweltbewertungsmethoden zur Beurteilung der
Olympischen Baumaßnahmen bei Olympischen Spielen
(eigene Darstellung)
Eine Beurteilung der Olympischen Baumaßnahmen mit nationalen
Bewertungsmethoden, d.h. die Beurteilung der Unterkünfte der Athleten als auch der
Wettkampfbauten, erfolgte erstmalig bei den Olympischen Spielen 2000 von Sydney
(siehe Abbildung 56). Hierzu wurden spezielle Benchmarks, d.h. Zielwerte zur
ökologischen Bewertung der Wettkampfstätten festgelegt (siehe Olympic Co-ordination
Authority 1999: Compendium of ESD Initiatives an Outcomes). Auf dieser Grundlage
entwickelten sich nach den Spielen die australischen Bewertungsmethode Green Star
des Green Building Council Australia (GBCA) und das staatliche System NABERS
(National Australian Built Environment Rating System) (WOOD, P. 2007: S.5).
Auch das Chinesische Ministerium für Konstruktion (Ministry of Construction (MoC) und
das Ministerium für Wissenschaft und Technik (Ministry of Science and Technology
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
224
(MoST) brachten speziell für die Olympischen Bauten der Spiele von Beijing 2008 das
Bewertungslabel Green Olympic Building Assessment System (GOBAS) heraus
(Langer et Watson 2006: S.1). Das Organisationskomitee von Peking ließ zudem das
Olympische Dorf mit der amerikanischen LEED-Methode (LEED for Neighborhood
Development) zertifizieren.
Auch bei den Olympischen Winterspielen von Turin 2006 wurde eine
Bewertungsmethode angewandt. Allerdings wurden hier nicht die Wettkampfstätten
beurteilt, sondern es wurde lediglich das Mediendorf von Turin mit dem internationalen
Rahmenwerkzeug GBTool (Green Building Tool, heute Sustainable Building Tool)
bewertet. Der Kriterienkatalog wurde speziell auf die klimatischen, politischen und
kulturellen Gegebenheiten des Landes angepasst und aus diesem entwickelte sich die
heutige nationale Bewertungsmethode PROTOCOLLO ITACA (Istituto per la
trasparenza l’aggiorname la certificatione degli appalti 2004).
Die Beurteilung der neuen und der bestehenden Wettkampf- und
Nichtwettkampfeinrichtungen der Olympischen Spiele von Salt Lake City (2002), von
Vancouver (2010) und von London (2012) erfolgte hingegen mit nationalen bereits
existierenden Bewertungsmethoden: „to building and operating Games facilities that
would ensure a minimal environmental footprint“ (Vancouver2010 2007a). So
bewertete das Organisationskomitee von Salt Lake City die Wettkampfbauten mit dem
nordamerikanischen System LEED (Leadership in Energy and Environmental Design).
Die Olympischen Sportbauten für die Winterspiele 2010 von Vancouver wurden mit der
Methode LEED Canada (Leadership in Energy and Environmental Design Canada)
zertifiziert. Für die Spiele von London 2012 wird derzeit im Rahmen der nationalen
Nachhaltigkeitsmethode BREEAM (BRE Environmental Assessment Method) ein
spezielles Label für Olympische Sportbauten zur Gewährleistung einer ökologischen
und energieeffizienten Umsetzung der Olympischen Wettkampfbauten entworfen.
Auch ehemalige und zukünftige Olympiabewerbungen zeigen, dass heutzutage
Bewerbungskommitees bereits in der Kandidaturphase Bewertungsmethoden zur
Beurteilung der Wettkampfstätten festlegen. Bei der Kandidatur der Stadt Paris für die
Olympischen Spiele 2012 wurde im Vorfeld der Entwurf der Olympischen
Schwimmwettkampfhalle mit dem französischen Zertfizierungstool HQE (La Haute
Qualite Environmentale) zertifiziert (Gontier, P. 2005). Die Münchner
Bewerbungsgesellschaft für die Winterspiele 2018 plant derzeit die Bewertung der
Olympischen Wettkampfstätten mit dem Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen
(DGNB).
Am Beispiel der Olympischen Winterspiele von Sochi 2014 zeigt sich jedoch, dass sich
der Einsatz von Bewertungsmethoden und Gütesiegeln zur Beurteilung der
Gebäudequalität der Olympischen Wettkampfstätten noch nicht endgültig durchgesetzt
hat. So wurden erste Ansätze zur Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten von
Socchi 2014 zwar im Bid Book (Bewerbungsunterlagen) erwähnt (EIA: Environmental
Impact Assessment), konkrete Umsetzungen bislang jedoch nicht bekannt gegeben
(Socchi Supervisory Committee 2007: S.77).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
225
Während die in den letzten Kapiteln aufgeführten Umweltbewertungen vorwiegend nur
auf die Evaluation der Großveranstaltung ausgelegt waren (z.B. Beurteilung von
Greenpeace, WWF etc.), stellen die hier genannten Methoden Bewertungssysteme
dar, mit denen die Qualität von Gebäuden beurteilt werden kann. Dennoch basieren
diese Systeme überwiegend auf ökologischen und energieeffizienten Kriterien für die
Planung, Ausführung und das Management von Wohnungs-, Büro- und
Industriebauten, d.h. mit den jeweiligen Systemen werden nur Teilaspekte der
Nachhaltigkeit abgebildet. Im Bereich des „Sportstättenbaus“, speziell des
Olympischen Wettkampfstättenbaus, wurden solche Werkzeuge auf internationaler
Ebene bislang selten angewendet. Im Folgenden soll daher ein Überblick und
Vergleich über die Inhalte bereits international etablierter und bei Olympischen Spielen
angewandter Bewertungsmethoden gegeben werden. Des Weiteren wird analysiert, ob
die genannten Methoden geeignete Maßnahmen für eine Bewertung des Olympischen
Sportstättenbau hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte
darstellen und ob sich mit diesen die „Nachhaltigkeit“ von Olympischen
Wettkampfstätten tatsächlich messen bzw. verbessern lässt.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
226
5.1. Bewertungs- und Zertifizierungssysteme für nachhaltige Olympische
Sportbauten
Obwohl bereits zahlreiche Ansätze zur Entwicklung einer einheitlichen internationalen
Bewertungsmethode zur Beurteilung der Nachhaltigkeitsqualität von Gebäuden
unternommen wurden, konnte sich bislang weltweit keine einheitliche
Bewertungsmethode etablieren. Bisherige Instrumente wurden speziell für die
Bedürfnisse der jeweiligen Nationen in Bezug auf deren klimatische, kulturelle, und
gesetzgebende Ausgangsbedingungen entwickelt und bilden meist nur Teilaspekte des
nachhaltigen Bauens und des gesamten Lebenszyklus einer Immobilie ab. Auf
internationaler Ebene existieren daher heute zahlreiche komplexe Planungs- und
Bewertungsmittel für nachhaltige Architektur in unterschiedlichster Form. Sie richten
sich an bestimmte Anwender, beziehen sich auf spezifische Bewertungsgegenstände
und verwenden ausgewählte Methoden. Zudem weisen diese Systeme Verknüpfungen
zu unterschiedlichen Datenbanken und Berechnungsmethoden auf und bieten
Ergebnisse in verschiedenen Darstellungsformen und Detaillierungsgraden an. Somit
fallen diese in Abhängigkeit der nationalen Gegebenheiten, d.h. von Land zu Land, von
Kultur zu Kultur und von Klimazone zu Klimazone unterschiedlich aus (Lützkendorf
2002: S.21).
5.1.1. Planungsinstrumente für nachhaltiges Bauen
Entwickelt wurden Bewertungs- und Zertifizierungsinstrumente speziell für die
Bauwirtschaft, d.h. für Planer (Architekten, Bauingenieure, Umweltingenieure,
Projektentwickler), Bauherren (Bauindustrie, Gebäudemanagement), Finanzinstitute,
die Gesellschaft (Forschung, Bürger) und die Politik. Denn Gebäude, die unter
Berücksichtigung dieser Werkzeuge und unter Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien
erbaut wurden, zeigen viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Gebäuden:
Reduktion und Kontrolle der Umweltbelastungen von Gebäuden (U.S. Green
Building Council 2006: S.12)
Hilfsmittel zur Festlegung von nachhaltigen Planungszielen
höhere Wettbewerbsfähigkeit über den gesamten Lebenszyklus (Lechner et al
2006: S.14)
Sicherstellung der Vergleichbarkeit der Gebäudequalität
Verbesserung der Transparenz des Planungsprozesses durch Beschreibung der
Nachhaltigkeitsqualität und Bereitstellung von Informationen für die Betreiber und
Nutzer (Hauser 2008: S.83)
Gewährleistung der Umsetzung von nachhaltiger Gebäudequalität durch Monitoring
und durch Förderung der integrativen Planungsprozesse (Cole, R.J. 1999: S.1)
geringere Lebenszykluskosten und Versicherungsbeiträge (Braune et al 2007: S.4)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
227
Beim Vergleich der Planungs- und Bewertungswerkzeuge lässt sich trotz
unterschiedlicher Ausgangsbedingungen eine Systematik zur Unterscheidung dieser
Systeme entwickeln. Nachhaltigkeitswerkzeuge für Gebäude lassen sich nach einer
Vielzahl verschiedener Kriterien unterscheiden (Lützkendorf, T. 2002: S.21):
Bearbeitungs- und Bewertungsgegenstand: Wohnungsbau, Bürogebäude,
Sportbauten etc.
Bewertungsziele: ökologische Bewertung, ökonomische Kriterien, soziale Aspekte
etc.
Bearbeitungs- und Bewertungsrahmen: zeitlich, räumlich, geschichtlich etc.
Bewertungseinheiten: Qualitäten, Kriterien, Indikatoren, qualitative Aspekte,
quantitative Kategorien etc.
Methodik zur Ermittlung: gesetzliche Anforderungen, vereinbarte Grenz- und
Zielwerte, nationale Gewichtungen, Zugriff auf Datenbanken etc.
Zielgruppen: Architekten, Bauherren etc.
Darstellungsform der Bewertungsergebnisse: Tabelle, Vektor, Note etc.
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsbewertung sind heutzutage Instrumente mit konkreten
Schutzzielen und Leitindikatoren erforderlich. Diese sollen dem Planungsteam
ermöglichen, Auswirkungen und Wechselbeziehungen von gesellschaftlichen,
wirtschaftlichen und ökologischen Dimensionen zu erkennen und im Planungs- bzw.
Bauprozess zu behandeln. Die zahlreichen nationalen und internationalen
Planungsinstrumente werden in verschiedener Form abgebildet und reichen von
Checklisten über EDV-Tools bis zu Gebäudelabeln. Dieses breite Spektrum
verfügbarer Instrumente resultiert besonders im Bauwesen aus vielen
unterschiedlichen Aufgabenstellungen (z.B. Wettbewerbe, Vor-, Entwurfs- bzw.
Werkplanung, Beurteilung fertig gestellter Gebäude etc.). Die verfügbaren Instrumente
und Hilfsmittel für die Gebäudebewertung von nachhaltigen Bauten lassen sich in
folgende Teilgruppen bündeln (Hegger et al 2007: S.191):
Produktdeklarationen:
Bauprodukte und –hilfsstoffe, z.B. EPDs (Environmental Product Declaration) wie
Blauer Engel, Nature Plus etc
Element- bzw. Bauteilkataloge:
Bewertung von Bauteilen und -elementen (Umweltkennwerte, bauphysikalische
Größen etc.), z.B. Regeldetails von Software-Programmen für Energieausweise
oder Bauteilkatalog SIA D 0123 des Schweizer Verbands für Ingenieure und
Architekten
Ausschreibungshilfen:
Ökologisch orientierte Leistungsbeschreibung, z.B. WECOBIS/ WINGIS
(Deutschland), ECO-DEVIS (Schweiz)
Energieausweis:
Beschreibung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden, z.B.
Energieausweis (Deutschland), Energy Performance Certificate (Großbritannien)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
228
Checklisten und Leitlinien:
Formulierung von Zielen, Grundsätzen und Leitbildern für energiegerechtes,
ökologisches Planen und Bauen, z.B. Leitfaden für nachhaltiges Bauen des
Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBS)
Ganzheitliche Planungs- und Bewertungshilfsmittel (Tool):
Interaktive Werkzeuge zur Entscheidungsfindung wie Ökobilanzierung oder
Lebenszykluskosten, z.B. LEGEP, GaBi (Ganzheitliche Bilanzierung) oder bauloop
Gebäudelabel, -evaluationen bzw. –zertifikate:
Gebäudebewertung hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte
(z.B. LEED, BREEAM, DGNB)
5.1.2. Bewertungs- und Zertifizierungssysteme für nachhaltiges Bauen
Ein bedeutender Fortschritt bei der Nachhaltigkeitsbeurteilung basiert auf der
Entwicklung von Gebäudelabeln und -zertifikaten. Diese Label erlauben eine
umfassende Bewertung eines Gebäudes als Gesamtsystem. Sie bündeln bestehende
Planungsinstrumente und Teilaspekte des nachhaltigen Bauens (Energieeffizienz,
Ökobilanz, Lebenszykluskosten etc.) und bauen auf bereits bestehenden nationalen
Standards und Gesetzgebungen auf. In frühen Leistungsphasen vermitteln sie
Planenden und Auftraggebern eine Projektbewertung, woraus sich auch Hinweise zu
nachhaltigen Planungszielen und zu einer planungsbegleitenden Verbesserung der
Nachhaltigkeitseigenschaften ableiten lassen. Für fertig gestellte Projekte dienen
Gebäudezertifikate dazu, Nutzern und Betreibern einen nachvollziehbaren Beleg
bezüglich der nachhaltigen Qualität ihres Gebäudes zu liefern. (Hegger et al 2007:
S.191). Neben der reinen Bewertung der Gebäudequalität, stellt die Zertifizierung, d.h.
die Überprüfung der Gebäudedokumentation durch akkreditierte Auditoren und
Zertifizierungsstellen eine zusätzliche Qualitätssicherung dar.
Auf internationaler Ebene sind eine Vielzahl solcher Gütesiegel und
Zertifizierungsmethoden vertreten (Hájek 2005; S.2) (siehe Abbildung 57). Bereits
international etabliert haben sich der englische Pionier BREEAM und die
amerikanische Methode LEED. Aufgrund des ausgereiften Marketing-Konzepts wurde
diese von verschiedenen Ländern zur Bewertung adaptiert, z.B. LEED Canada, LEED
India, LEED Emirates usw. Das international angelegte SBTool (ehemals GBTool) der
Initiative iiSBE (International Initiative for a Sustainable Built Environment) stellt einen
anderen Ansatz dar. Als internationales Rahmenwerkzeug bietet es einen einheitlichen
Kriterienkatalog für neue Bewertungsmethoden, wie z.B. für das österreichische
Zertifikat TOTAL QUALITY (TQ) oder das spanische Bewertungsinstrument VERDE
(Steiger 2005: S.18). Das ursprüngliche Ziel dieser Initiative war die Schaffung eines
einheitlichen international vergleichbaren Bewertungsinstruments. Dies scheiterte
jedoch an der tatsächlichen Umsetzung, d.h. trotz einer anfangs einheitlichen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
229
Ausgangsbasis ließen sich die Kriterien nach Adaption der nationalen
Ausgangsbedingungen und gesetzlichen Grundlagen nicht mehr miteinander
vergleichen.
Bewertungswerkzeug Land Ableitung
BREEAM
(Building Research Establishment Environmental Assessment
Method)
Großbritannien Pionier
HQE
(Haute Qualité Environnementale) Frankreich BREEAM
LEED
(Leadership in Energy and Environmental Design)
USA BREEAM
LEED Canada
(Leadership in Energy and Environmental Design) Kanada LEED
CASBEE
(Comprehensive Assessment System for Building Environmental
Efficiency)
Japan BREEAM,
LEED
Green Star
(Green Building Council of Australia)
Australien LEED,
BREEAM,
ESD
NABERS Australien ESD
Three Star System
China LEED,
BREEAM,
CASBEE ,
GOBAS
DGNB
(Deutsches Gütessiegel Nachhaltiges Bauen) Deutschland BREEAM,
LEED,
CASBEE,
HQE, Green
Star
Minergie Schweiz -
Protocollo Itaca Italien SBTool
TQ
(Total Quality)
Österreich SBTool
SB Tool Portugal Portugal SBTool
SB Tool CZ Tschechische Republik SBTool
VERDE Spanien SBTool
Abbildung 57: Label und Zertifikate zur Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden
(eigene Darstellung)
Zahlreiche dieser weltweit verschiedenen Bewertungssysteme gehören dem
internationalen Dachverband World Green Building Council (WGBC) an. Mit der
Gründung des WGBC im Jahr 1998 wurde erstmalig ein globales Diskussionsforum für
die Thematik „Nachhaltigkeit im Bauwesen“ gegründet, um die Arbeit der nationalen
Green Building Councils (GBCs) zu koordinieren und voranzutreiben (World Green
Building Council 2008). Das World Green Building Council unterstützt auf
internationaler Ebene die Entwicklung von nachhaltigen Standards, Technologien,
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
230
Produkten und Projekten. Als gemeinnützige Organisation verfolgt es das Ziel, die
Immobilienbranche in Richtung Nachhaltigkeit voranzubringen (Braune et al 2007: S.6).
Über den relativen Nutzen der verschiedenen Bewertungssysteme wird in der
Wissenschaft viel diskutiert. Aus Sicht der Planer und Architekten gibt es unzählige
Wege, die gewünschte Wirkung zu erzielen zu messen, zu bewerten und darzustellen
(Braune et al 2007: S.7). Um in Zukunft eine mögliche Vergleichbarkeit der
Bewertungslabel zu erzielen, wird auf internationaler und europäischer Ebene derzeit
begonnen Normen und Richtlinien für die Bewertung nachhaltiger Gebäude zu
entwickeln. Mit diesen Standards soll ein einheitlicher Rechenweg bzw. eine
gemeinsame Methodik für bestehende und neue Zertifizierungsmethoden vorgegeben
werden. Die internationale Normung soll mit dem Standard ISO TC59SC17:
Sustainability in Building Construction, der europäische Standard mit der CEN/TC 350:
Sustainability of construction works – Framework for assessment of buildings
festgesetzt werden. Einige der jüngeren Zertifizierungsmethoden, wie das Deutsche
Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) aus dem Jahr 2008, berücksichtigten die
Vorgaben der internationalen und europäischen Normung bereits bei der Entwicklung.
Ältere Systeme, wie LEED oder BREEAM aus den 90er Jahren, versuchen die neuen
Standards im Laufe der Zeit in die bestehenden Zertifizierungsversionen zu integrieren.
Neben der internationalen Normung bezogen die Bewertungsmethoden zudem die
Erfahrungen bereits existierender Systeme mit ein, d.h. bauten auf diesen auf, führten
diese fort oder passten diese länderspezifisch an. So nutzten LEED und die
australische Methode Green Star die Erfahrungen des Pioniers BREEAM aus
Großbritannien (erste Bewertungsmethode). Das japanische Label CASBEE
berücksichtigte wiederum die mehrjährigen Erkenntnisse von LEED, BREEAM und
dem SBTool. Auch das Deutsche Gütesiegel etablierte die Erfahrungen seiner
Vorgänger in die Entwicklung des Systems.
Die Bewertungsmethoden lassen sich in zwei Gruppen teilen, d.h. nach
Bewertungstypologien der ersten und der zweiten Generation. Den
Bewertungsmethoden der ersten Generation gehören die Instrumente an, die als erste
Zertifizierungssysteme in den 90er Jahren entwickelt wurden und vorrangig die
„grünen“, d.h. die ökologischen und energetischen Qualitätskriterien eines Gebäudes
bewerten, wie BREEAM, LEED oder CASBEE („Green-Building-Approach“). Unter
Bewertungsmethoden der zweiten Generation versteht man die Werkzeuge, die nicht
nur die Ökologie und die Energieeffizienz eines Gebäudes berücksichtigen. Bei diesen
stehen die ganzheitliche Qualität des Gebäudes, ebenso wie der komplette
Lebenszyklus (Planung, Konstruktion, Inbetriebnahme, Nutzung und Abriss) im
Vordergrund der Beurteilung, d.h. ökonomische Aspekte, sozial-kulturelle Kriterien,
Technik, Standort- und Prozessqualitäten etc. („Sustainable-Building-Approach“).
Diese Systeme wurden in den letzten Jahren entwickelt. Sie bauen auf den
Erfahrungen der Instrumente der ersten Generation auf, befinden sich aber zum Teil
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
231
noch in der Erprobung. Zu nennen sind hier das SBTool, die europäische Methode
LenSe oder das im Jahr 2008 neu entwickelte Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges
Bauen (DGNB).
Im Folgenden werden die Methoden der ersten und zweiten Generation beschrieben,
die sich bereits international etabliert haben, wie LEED, BREEAM oder das DGNB-
Gütesiegel. Anhand dieser Systeme soll erörtert werden, ob sich diese zur Bewertung
der Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten eignen und ob mit diesen die
Nachhaltigkeit von Olympischen Wettkampfstätten gemessen werden kann.
5.1.3. Bewertungsmethoden der ersten Generation
5.1.3.1. BREEAM (Building Research Establishment Environmental
Assessment Method)
Das ökologisches Qualitäts- und Gütesiegel für Gebäude BREEAM (Building Research
Establishment Environmental Assessment Method) ist die derzeit auf internationaler
Ebene am häufigsten angewandte Methode zur ökologischen Bewertung von
Gebäuden. Zu Beginn der 90er Jahre wurde BREEAM als weltweit erstes
Bewertungsverfahren für Bürogebäude in Großbritannien entwickelt und liegt
mittlerweile in verschiedenen Versionen für weitere Gebäudetypen und für
unterschiedliche Kontinente (Europa, Nordamerika und Asien) vor. Mit dem Label
wurden mittlerweile weltweit mehr als 110.000 Gebäude zertifiziert, etwa 700.000
Gebäude sind derzeit für eine Bewertung registriert (Stand 2008). Schwerpunkt des
Systems mit 109.450 Zertifizierungen stellt der Wohnungsbau dar. Auf den
Nichtwohnungsbau fielen bis Ende 2009 lediglich 1.358 Bewertungen (BRE Global
2008: S.9). Die stark zunehmende Anzahl an Zertifizierungen und Registrierungen im
Wohnungsbau wird durch die gesetzliche Verankerung der BREEAM Variante
Ecohomes“ verstärkt. Seit Anfang 2007 müssen in England alle Wohnungsneubauten
die Zielsetzungen von dem von BREEAM abgeleiteten „The Code for Sustainable
Homes“ berücksichtigen (BREEAM 2007: S.19). Mit dem „The 2006 Sustainable
Procurement Action Plan“ verpflichtete sich die Regierung von Großbritannien im Jahr
2006, dass alle neuen Regierungsgebäude den „BREEAM EXCELLENT“ Standard
gewährleisten müssen. Des Weiteren sind alle Schulgebäude seit dem Jahr 2003 mit
einer „VERY GOOD“ Bewertung zu zertifizieren (BREEAM 2007: S.10). Somit
entwickelten sich einer freiwilligen Bewertungsmethode nationale gesetzliche Zielwerte
für ökologische und energieeffiziente Gebäude (BREEAM 2007: S.3).
Im Rahmen des Bewertungsverfahren wurden in den letzten Jahren für
unterschiedliche Gebäudetypen die in Abbildung 58 dargestellten
Bewertungsversionen entwickelt (BREEAM 2007: S.4). Mit diesen können Neubauten,
Komplettsanierungen, Anbauten, Mischgebäude und Innenausbauten beurteilt werden.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
232
Fallen bestimmte Gebäudetypen in keine der genannten Gebäudekategorien, so hat
BREEAM für Bewertungen auf nationaler Ebene das Werkzeug „BREEAM:bespoke“
entworfen. Auf dessen Grundlage können neue Bewertungssysteme entwickelt
werden. Dieses Instrument wird auch für die Umweltbewertung der Olympischen
Wettkampfbauten der London 2012 Games angewendet, da für den Sportstättenbau in
Großbritannien bis zur Olympiabewerbung noch keine Bewertungsversion von
BREEAM vorlag (siehe Kapitel 5.2.4). Auf internationaler Ebene hingegen dient
BREEAM:international als Ausgangsbasis für die weitere Entwicklung der BREEAM
Bewertungen in den einzelnen Ländern.
BREEAM Bewertungsversionen Gebäudetyp
BREEAM: offices Bürobauten
BREEAM: ecohomes
The Code for Sustainable Homes (seit April 2007)
Wohngebäude
BREEAM: ecohomes XB Bestehende Wohngebäude
BREEAM: multi-residentail Mehrfamilienhäuser
BREEAM: industrial Industriebauten
BREEAM: prisons Gefängnis
BREEAM: retail Einkaufscenter
BREEAM: healthcare Krankenhäuser
BREEAM: education Schulen
BREEAM: communities (in Entwicklung) Stadtquartiere, Siedlungen etc.
BREEAM: courts Gerichte
BREEAM: bespoke für neue (andere) Gebäudetypologien
BREEAM: international für Gebäude (international)
Abbildung 58: BREEAM Bewertungsversionen für verschiedene Gebäudetypen
(eigene Darstellung)
Der Bewertungsprozess der britischen Methode verläuft nach vorgegebenen Regeln.
Die eigentliche Zertifizierung und Qualitätskontrolle leitet die Institution BRE (Building
Research Establishment). Die Bewertung erfolgt in Form eines Dokumentations-
berichts, der die Gesamtpunktzahl und den Gesamterfüllungsgrad in Prozent vorgibt.
Dieser muss von einem registrierten, unabhängigen „BREEAM Assessor“ verfasst
werden, der eine Ausbildung und Prüfung bei BRE absolviert hat. Die Überprüfung
der Gebäudedokumentation und die eigentliche Zertifizierung wird im Anschluß von
BRE durchgegeführt (BREEAM 2007: S. 7). Mit der Vorbewertung „Preassessment
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
233
estimator“ kann eine erste Evaluation des Gebäudes durchgeführt werden. Die
Vorbewertung ist in Form einer Checkliste aufgebaut. Diese erlaubt den Planern nicht
nur eine schnelle erste Bewertung der Gebäudes, sondern zeigt auf, welche Kriterien
zur Umsetzung eines nachhaltigen Gebäudes führen (BREEAM 2007: S.9).
Die Bewertung kann in verschiedenen Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes
erfolgen. Bislang stehen die dargestellten Bewertungsphasen jedoch noch nicht für alle
Gebäudeversionen zur Verfügung (BRE Global 2008: S.24):
Design and procurement: Bewertung während der Planung (Design Stage – DS:
Erlangung des “Interim BREEAM Certificate“)
Post construction: Bewertung nach Fertigstellung (Post-Construction Stage - PCS:
Erlangung des Final BREEAM Certificate)
Management and operation: Bewertung von Bestandsbauten während der
Nutzungsphase (Management and Operation Stage - MO: Erlangung des
Management and Operation BREEAM Certificate)
Die Bewertung während der Planung stellt eine Festlegung und Beurteilung der
Planungsziele dar (Interim BREEAM Certificate). Diese ist freiwillig, muß aber nach
Fertigstellung des Gebäudes erneut überprüft und beurteilt werden („Final BREEAM
Certificate“) (BRE Global 2008: S.16).
Abbildung 59: Aufbau von BREEAM
(Quelle: BREEAM 2007: S.6)
Dem Gesamtsystem liegt ein einheitlicher Kriterienkatalog von insgesamt 68 Kriterien
zugrunde. Diese können abhängig vom Gebäudetypus und vom Zeitpunkt der
Bewertung „an“ und „aus“ geschaltet werden (BREEAM Offices Design & Procurement
Version 2008: 50 Kriterien oder BREEAM Courts Version 2008: 61 Kriterien). Der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
234
Kriterienkatalog gliedert sich in neun Kategorien (BREEAM 2007: S.6) (siehe
Abbildung 59 und 60):
Management („Management“)
Gesundheit und Wohlbefinden („Health & Wellbeing“)
Energie („Energy“)
Transport („Transport“)
Wasser („Water“)
Materialien („Materials“)
Müll („Waste)
Landnutzung & Ökologie („Land use & Ecology“)
Verschmutzung („Pollution“)
Abbildung 60: Bewertungsübersicht BREEAM Offices 2008
(Quelle: BRE Global 2008: S.30)
Der Hauptfokus von BREEAM ist auf die Kategorien Energie, Gesundheit und
Behaglichkeit ausgerichtet (BRE Global 2008: S.3). Dies spiegelt sich bei den
Gewichtungen der einzelnen Kategorien wider (siehe Abbildung 60). Die BREEAM-
Methode stellt ein gewichtetes System dar, d.h. die Bewertung basiert auf sogenannten
„assessment credits“. Diese Credits“ werden je nach Version für jede Kategorie
vergeben (siehe Abbildung 59 und 60) und werden im Rahmen der Bewertung
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
235
unterschiedlich gewichtet. Abhängig vom Gebäudetypus und vom Zeitpunkt der
Bewertung fallen diese Umweltgewichtungen verschieden aus (BREEAM Offices 2008
New Buildings, extensions & major refurbishment: Energy 19%; BREEAM Offices 2008
Building fit-out only: Energy 21%) (siehe Abbildung 60).
Die Gesamtbewertung besteht aus einer Gesamtnote, aus einer Zertifizierung und
einem detaillierten Abschlußbericht. Das Bewertungsinstrument vergibt für
ausgewählte Indikatoren Punktbewertungen. Je nach Gesamtpunktzahl bzw.
Erfüllungsgrad in Prozent wird ein Zertifikat ab folgender Gewichtung vergeben (BRE
Global 2008: S. 24):
30%: bestanden („pass”)
45%: gut („good“)
55%: sehr gut („very good“)
70%: ausgezeichnet („excellent”)
85%: aussergewöhnlich („outstanding“)
Zusätzlich zu den aufgeführten Punkten bzw. Prozenten können sogenannte
"Innovation Credits“ addiert werden. Jeder Innovationspunkt entspricht einem Prozent.
Maximal können zusätzlich zehn Punkte, d.h. zehn Prozent mehr erlangt werden.
Innovationspunkte können bei BREEAM auf zwei Arten erreicht werden. Zum einen
gibt es vordefinierte Kriterien zu zusätzlichen Erlangung eines Innovationspunkts. Zum
anderen kann der BREEAM Assessor maximal einen Innovationspunkt vergeben,
wenn das Gebäude besonders innovative Prozesse aufzeigt (BRE Global 2008: S.26).
Um die von BREEAM vorgegebenen Bewertungsstufen zu erreichen, müssen
sogenannte Minimalwerte bzw. -punkte (Minimum Standards“) bei festgelegten
Kriterien eingehalten werden (siehe Abbildung 61). Ein Beispiel stellt das Kriterium
„Reduzierung der CO2-Emissionen“ („Reduction of the CO2 Emissions“) dar. Hier
werden zur Erlangung des Bewertungsgrades „EXCELLENT“ mindestens sechs
Punkte, für eine „OUTSTANDING“ Bewertung sogar zehn Punkte gefordert.
Die Erfahrungen der letzten Jahre intensivierten den Bewertungsvorgang von
BREEAM, so dass die Methode für zahlreiche neue Bewertungssysteme eine
Vorbildrolle einnimmt. Um stets die aktuellsten britischen Baustandards innerhalb des
Systems abzubilden und die Qualität des Systems aufrecht zu erhalten, wird jährlich
ein neues Update für alle Bewertungsversionen herausgebracht. Dennoch stellt
BREEAM eine Methode der ersten Generation dar, d.h. bewertet überwiegend nur
ökologische und energieeffiziente Aspekte. Zur Umsetzung einer ganzheitlichen
Bewertung der Gebäudequalität ist noch zahlreicher Forschungs- und
Entwicklungsbedarf notwendig. Inwieweit sich die Methode aus Großbritannien für die
Nachhaltigkeitsbewertung von Olympischen Wettkampfbauten eignet, wird in Kapitel
5.3 dargestellt.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
236
Abbildung 61: Minimum Standards“ bei BREEAM Offices 2008
(Quelle: BRE Global 2008: S.25)
5.1.3.2. LEED (Leadership in Energy and Environmental Design)
Ein weiteres Zertifizierungssystem der ersten Generation ist das amerikanische
Gütesiegel LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). Die Methode ist
ein freiwilliger nationaler Standard zur Bewertung der Gebäudequalität im Bezug auf
ökologische und energieeffiziente Aspekte (Hegger et al 2007: S.191). Obwohl LEED
mit der Anwendung in 76 Ländern das wohl weltweit verbreitetste System zur
Beurteilung der Gebäudequalität darstellt, kommt es mit ingesamt rund 20.000
Registrierungen und 2.150 Zertifizierungen kaum an die Registrierungs- und
Zertifizierungszahlen von BREEAM heran (Stand 2009) (Baumann, O. et al 2009: S.
99ff.). Das U.S. Green Building Council (U.S.GBC) ist eine gemeinnützige
Organisation. Es startete im Jahr 1993 mit einer ersten Pilotphase (Bürogebäude) und
führte LEED für den amerikanischen Immobilienmarkt ein. Inzwischen hat sich das
Bewertungssystem zusehends in Europa und insbesondere in Asien verbreitet
(Baumann, O. et al 2009: S. 99ff.).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
237
Ähnlich wie bei BREEAM existieren spezifische Versionen für unterschiedliche
Nutzungstypen (z.B. Büro- und Verwaltungsgebäude, Bestandsbauten,
Innenraumprojekte oder Eigenheime) (siehe Abbildung 62). Diese gliedern sich je nach
Lebenszyklus in LEED New Construction and Major Renovation (LEED-NC) für
Neubauten oder LEED Existing Buildings (LEED-EB) für deren Betrieb. LEED für
Neubauten umfasst die Planung und Konstruktion verschiedener Gebäudetypologien,
wie Bürogebäude, Schulen, Einzelhandel und den Sportstättenbau (siehe Abbildung
63). LEED für Bestandsbauten bewertet die Gebäude in den Handlungsfeldern der
Instandhaltung, der Bauwerksunterhaltung und der Gebäudereinigung. Diese
Bewertungsversion erfordert eine Überprüfung bzw. Neuzertifizierung des Gebäudes
nach fünf Jahren (U.S.GREEN Council 2006: S.3).
Abbildung 62: LEED Bewertungsphasen
(Quelle: U.S.Green Building Council 2009)
Der Schwerpunkt von LEED liegt deutlich auf den Neubaubereich. Bei zwei Dritteln der
im Jahr 2008 neu registrierten Gebäude handelt es sich um Neubauprojekte. Bis jetzt
wird der Markt vom Verwaltungs- und Regierungsbauten und dem gemeinnützigen
Sektor dominiert (ca. 75 Prozent aller LEED registrierten Projekte). In den letzten
Jahren erfahren auch die Versionen LEED-EB (Bestandsgebäude) und das im Jahr
2007 eingeführte LEED System für Schulen eine starke Zunahme (Baumann, O. et al
2009: S.100).
Eingeführt wurde LEED durch das U.S.Green Building Council (USGBC). Um eine
Qualitätskontrolle durch Dritte („Third-party certification“) zu gewährleisten, übernahm
im Jahr 2008 das Green Building Certification Institute (GBCI) den
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
238
Zertifizierungsprozess, d.h. die Überprüfung der eingereichten Dokumentationen und
die Ausbildung der LEED Accredited Professionals (LEED APs). Die Zertifizierungen
müssen jedoch nocht von ausgebildeten LEED Auditoren (LEED APs) durchgeführt
werden. Ist ein LEED AP am Zertifizierungsprozess beteiligt, wird lediglich ein
zusätzlicher Bewertungspunkt erlangt. Der LEED Zertifizierungsprozess und die
Registrierung erfolgen über das Internet (LEED-Online). Eine Checkliste stellt in
Kurzfassung alle Kategorien und die dazugehörigen Kriterien dar. Diese ermöglicht es
den Planern bereits in den frühen Planungsphasen eine Übersicht über die benötigten
Anforderungen für ein nachhaltiges Gebäude nach LEED Standard zu erhalten.
Anders als bei BREEAM lag bei LEED ursprünglich ein Punktesystem zugrunde, d.h.
die einzelnen Kriterien wurden nicht nach Bedeutsamkeit gewichtet, sondern standen
im gleichen Verhältnis zueinander (U.S.Green Building Council 2006: S.14). Mit der
Einführung der neuen Version LEED 2009 (V3) wich das USGBC von der bisherigen
Systematik ab, nur einen Punkt pro Kriterium zu vergeben. Die neue Aufteilung
ermöglicht somit eine gewichtete Punktevergabe. Die Gewichtung der einzelnen
Faktoren basiert auf der Einschätzung des National Institute for Standards and
Technology (NIST) (Baumann, O. et al 2009: S.101).
LEED Bewertungsversionen: Gebäudetyp/ Bauphase:
LEED (NC) for New Commercial Construction and Major
Renovation Projects Neubauten und Sanierung
LEED (EB) for Existing Buildings: Operations and Maintenance Bestehende Gebäude: Betrieb u. Erhaltung
LEED (CI) for Commercial Interiors projects Innenausbau (gewerblich)
LEED (CS) for Core & Shell Development projects Rohbau
LEED for Schools Schulen
LEED for Retail Handel
LEED for Homes Wohnbauten
LEED (ND) for Neighborhood Development
(in Entwicklung)
Städtebau (Siedlungsbau)
LEED for Healthcare (in Entwicklung) Gesundheitsbereich (Krankenhäuser etc.)
LEED for Labs (in Entwicklung) Labore
Abbildung 63: LEED Bewertungsversionen für verschiedene Gebäudetypen
(eigene Darstellung)
Bislang variierte die maximal erreichbare Punktzahl in Abhängigkeit von der
Gebäudetypologie. So konnten bei LEED-NC maximal 69 Punkte und bei LEED-Cl 57
Punkte erreicht werden. Bei der Version LEED 2009 wird nun in allen Varianten von
einer Höchstpunktzahl von 100 Punkten und zehn zusätzlichen Bonuspunkten für
regionale Schwerpunkte und Innovationen ausgegangen. Folgende
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
239
Zertifizierungsgrade ergeben sich aus der neuen Bewertungsskala (Baumann, O. et al
2009: S.101):
40 Punkte: zertifiziert (“certified”)
50 Punkte: Silber (“silver”)
60 Punkte: Gold (“gold”)
80 Punkte: Platin (“platin”)
Weitere wichtige Aspekte der Einführung der Version LEED 2009 waren die
Vereinheitlichung und Angleichung der Kriterien der verschiedenen
Zertifizierungsversionen von LEED. Der Kriterienkatalog von LEED gliedert sich bei
allen Version nun in folgende fünf Kategorien (U.S.Green Building Council 2006: S.14):
Nachhaltiger Standort („Sustainable Sites“)
Effizienter Wasserhaushalt („Water Efficiency“)
Energie und Atmosphäre („Energy and Atmosphere“)
Materialien und Ressourcen („Material and Resources“)
Innenraumluftqualität („Indoor Environmental Quality“)
Zudem werden Zusatzpunkte in folgenden Bereichen vergeben:
Regionale Schwerpunkte („Regional Credits“)
Innovationen („Innovations“)
Die LEED-Bewertung erfolgt anhand eines Kriterienkatalogs (Beispiel LEED-NC: 57
Kriterien). Die Zertifizierung basiert auf sogenannten freien „Credits“ (Beispiel LEED-
NC: 49 Credits) und vorgeschriebenen „Prerequisites“ (Beispiel LEED-NC: 8
Prerequesites). Die Erfüllung dieser Mindeststandards (Prerequisites) stellt eine
wesentliche Grundvoraussetzung der LEED-Zertifizierung dar. Wird nur eines dieser
Kriterien nicht erreicht, ist eine Bewertung des Gebäudes nicht möglich (Baumann, O.
et al 2009: S.102). Die Mindeststandards werden in allen Kategorien gefordert. Die
Kategorien „Energy and Atmosphere“ und „Indoor Environmental Quality“ greifen
hierbei auf den amerikanischen ASHRAE Standard (American Society of Heating,
Refrigerating and Air-Conditioning Engineers) zurück. Zu nennen sind die
verplichtende Einhaltung des ASHRAE Standards 90.1 - Energy Standard for Buildings
Except Low-Rise Residential Buildings (Energieeffizienz für Gebäude) und die
Gewährleistung des ASHRAE Standard 62.1 - Ventilation for Acceptable Indoor Air
Quality (Anforderung an Ausführung der Lüftungsanlagen und Luftverteilung) (U.S.
Green Building Council 2008: S. 30ff.). Zudem wird ein sogenannter „Commissioning –
Expert“ gefordert, der die Interessen des Bauherrn und die Umsetzung der LEED-
Vorgaben während des gesamten Projektzeitraums vertritt, d.h. von der Umsetzung
der Vorgaben in der Planung, über die korrekte Installation und Überprüfung der
Funktionalität der technischen Systeme und Anlagen, bis zehn Monate nach Beginn
der Gebäudenutzung (Baumann, O. et al 2009: S.101).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
240
LEED wurde im internationalen Wettbewerb mit viel PR-Aufwand eingeführt und ist
heutzutage global verbreitet (Gertis 2008: S.244). Das amerikanische Gütesiegel
wurde bereits von zahlreichen Ländern adaptiert (z.B. LEED India oder LEED Canada)
und auf die klimatischen und gesetzlichen Ausgangsbedingungen abgestimmt (siehe
Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten von Vancouver 2010 mit LEED Canada,
Kapitel 5.2.3). Dennoch ist das Gesamtsystem aufgrund der speziell für die U.S.A
zugeschnittenen Mindeststandards und Normen ein komplexes System und ist nicht so
einfach anzuwenden, wie von vielen Planern im Ausland dargestellt wird.
Auch bei Olympischen Spielen scheint sich LEED mehr und mehr durchzusetzen.
Sowohl die Bewertung der Olympischen Sportbauten der Spiele von Salt Lake City
(2002) mit LEED und von Vancouver (2010) mit LEED Canada, als auch die
Zertifizierungsmaßnahmen bei den Sommerspielen von Beijing 2008 bestätigen diese
Entwicklung. Die Olympischen Baumaßnahmen der Sommerspiele von Beijing 2008
wurden nicht nur mit dem für die Spiele entwickeltem System GOBAS zertifiziert,
sondern man wandte auch das amerikanische Werkzeug LEED zur Bewertung des
Olympischen Dorfes an. Bei der Bewerbung der Stadt München für die Winterspiele
2018 war anfangs geplant, die Olympischen Baumaßnahmen mit LEED zu zertifizieren.
Letztendlich entschied man sich aber mit viel Überzeugungsarbeit für das nationale
Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB). Schafft es das amerikanische
System trotzdem sich bei den Olympischen Spielen durchzusetzen? Bildet das
Werkzeug tatsächlich eine fundierte Ausgangsbasis für nachhaltige Olympische
Bauten oder ist alles ein reiner Marketing-Effekt? Dies gilt es nun im Folgenden zu
prüfen.
5.1.4. Bewertungsmethoden der zweiten Generation
5.1.4.1. DGNB (Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen)
Aufgaben der im Jahr 2007 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges
Bauen (DGNB) sind die Förderung des nachhaltigen Bauens und die Entwicklung des
Deutschen Gütesiegels. Zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung (BMVBS) und unter Mitwirkung zahlreicher Fachleute wurde im Jahr
2008 die erste Version des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen für Büro- und
Verwaltungsbauten (Neubauten) entwickelt. Mit dieser startete Ende 2008 die
Pilotphase für den Büro- und Verwaltungsbau. Das Deutsche Gütesiegel wird mit
seinem ganzheitlichen Zertifizierungsansatz als Bewertungsmethode der zweiten
Generation („Sustainable Building“) verstanden. Neben der Bewertung der „Green
Building“-Kriterien gehen ökonomische, sozialkulturelle, technische und
prozessspezifische Aspekte in die Gebäudezertifizierung mit ein. Es baut auf den
Erfahrungen bestehender Methoden, wie BREEAM und LEED, auf und „schließt den
gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks (50 Jahre), also neben der Planung auch die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
241
Nutzung und den späteren Abriss, mit ein“ (Essig, N. 2009: S.62). Das Gütesiegel stellt
kein neues Planungswerkzeug dar, sondern bezieht bereits existierende Instrumente
wie Ökobilanzierungen, thermische Simulationen oder Berechnungen nach DIN V
18599 (DIN-Norm zur Kalkulation der Energiebilanz) in die Bewertung mit ein.
Nach Abschluss der Pilotphase erschien Mitte 2009 die endgültige Version für Büro-
und Verwaltungsbauten (V2009). Weitere Varianten für Industrie-, Einzelhandels- und
Wohngebäude, Schulen, den Sportstättenbau und für den internationalen Einsatz des
Gütesiegels sollen für den Neubau und den Bestand folgen (siehe Abbildung 64).
Hierzu haben sich bereits diverse Arbeits- und Expertengruppen aus Vertretern der
Bau- und Immobilienwirtschaft gebildet, die an Versionen für neue Gebäudetypologien
arbeiten.
DGNB Bewertungsversionen: Stand:
Neubau Büro- und Verwaltungsbauten bestehende Systemvariante
Bestand Büro- und Verwaltungsbauten in Pilotphase
Neubau Handelsbauten in Pilotphase
Neubau Industriebauten in Pilotphase
Neubau Wohnungsbauten in Pilotphase
Neubau Bildungsbauten in Pilotphase
Neubau Hotels in Pilotphase
Nutzen und Betreiben in Entwicklung
Mieterausbau in Entwicklung
Neubau Labore/ Krankenhäuser in Entwicklung
Neubau Sportbauten in Entwicklung
Neubau Flughäfen in Entwicklung
Abbildung 64: DGNB Bewertungsversionen für verschiedene Gebäudetypen
(eigene Darstellung)
Hauptziel des Gütesiegels ist der Schutz der Umwelt, die Schonung der natürlichen
Ressourcen, der Erhalt ökonomischer, sozialer und kultureller Werte und die Sicherung
von Gesundheit und Behaglichkeit im Gebäude (Gertis, K. et al 2008: S.244). Das
System ist in folgende sechs Hauptkriteriengruppen strukturiert, denen die eben
aufgeführten Schutzziele zugeordnet sind (siehe Abbildung 65):
Ökologische Qualität
Ökonomische Qualität
Soziokulturelle und funktionale Qualität
Technische Qualität
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
242
Prozessqualität
Standortqualität
Abbildung 65: Aufbau des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen
(Quelle: Gertis, K. et al 2008: S.246)
Die drei Hauptsäulen bilden die Ökologische, die Ökonomische und die Soziokulturelle
und funktionale Qualität. Als sogenannte „Querschnittsqualitäten“ überlagern die
Aspekte „Technische Qualität“ und „Prozessqualität“ diese drei Säulen (siehe
Abbildung 65). Die fünf Hauptaspekte der Objektbewertung werden jeweils getrennt
bewertet und mit festgelegter Gewichtung zu einer Gesamtnote verrechnet. Die
Vorgehensweise bietet die Möglichkeit, die Nachhaltigkeitskategorien in einem oder
mehreren Teilbereichen gesondert darzustellen. Im Gegensatz zur Punktebewertung
der amerikanischen LEED-Methode lassen sich so unterschiedliche Wertigkeiten
zwischen den einzelnen Nachhaltigkeitsaspekten erzeugen. Hierbei gehen die
Ökologische, die Ökonomische, die Soziokulturelle/funktionale und die Technische
Qualität mit einer Gewichtung von jeweils 22,5 Prozent in die Gesamtbewertung ein.
Die Prozessqualität macht die restlichen 10 Prozent aus. Des Weiteren wird bei der
Vergabe des DGNB-Siegels die Standortqualität eines Bauwerks betrachtet.
„Allerdings wird sie - getrennt von den fünf anderen Kategorien und der eigentlichen
Gesamtbewertung des Gebäudes - mit einer zusätzlichen Note beurteilt, da der
Standort durch das Gebäude nur eingeschränkt beeinflussbar ist“ (Essig, N. 2009:
S.63).
Die sechs Hauptkriteriengruppen untergliedern sich in folgende Kategorien:
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
243
Wirkungen auf globale und lokale Umwelt
Ressourceninanspruchnahme und Abfallaufkommen
Lebenszykluskosten
Wertentwicklung
Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit
Funktionalität
Gestalterische Qualität
Qualität der technischen Ausführung
Qualität der Planung
Qualität der Bauausführung
Qualität der Bewirtschaftung
Qualität des Standorts
Abbildung 66: Gewichtung des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen, Version 2008
Neubau Büro- und Verwaltungsbauten
(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen 2008: S.11)
Diesen Kategorien ist ein Kriterienkatalog von insgesamt 63 Kriterien zugeordnet. Die
einzelnen Kriterien werden über Kriteriensteckbriefe einer Bewertung zugeführt, die
sowohl mit quantitativen als auch qualitativen Indikatoren erfolgt. Während der
Pilotzertifizierung konnten allerdings erst 49 der 63 Kriterien bewertet werden. Die
restlichen 14 Kriterien wurden aufgrund von Forschungsbedarf zurückgestellt (Essig,
N. 2009: S.63). Ein wichtiger Fortschritt zu herkömmlichen Methoden ist, dass nicht nur
die fünf Hauptkriteriengruppen gegeneinander gewichtet sind, sondern auch den
einzelnen Kriterien Bedeutungsfaktoren (0,5-3) zugewiesen wurden (siehe Abbildung
66). Die Bedeutungsfaktoren wurden durch eine Fachgruppe des BMVBS und der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
244
DGNB unter Beteiligung externer Experten festgelegt. Diese können für jede
Bewertungsversion, Gebäudetypologie, Klimazone oder Nation neu angepasst werden.
Für die einzelnen Kriterien und Indikatoren werden nach festgelegten Regeln Punkte
vergeben. Aus den jeweiligen Punkten, den Bedeutungszahlen und der Gewichtung
der Kriteriengruppen zueinander bildet sich am Ende der Bewertung die
Gesamtpunktzahl. Aus dieser Gesamtpunktzahl ergibt sich „ein Erfüllungsgrad, dem
schließlich eine Bronze-, Silber- oder Gold-Auszeichnung entspricht“ (Essig, N. 2009:
S.64). Folgende Zertifizierungsgrade lassen sich aus der Bewertungsskala ableiten
(Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen 2008: S.10):
50 Prozent: Bronze
65 Prozent: Silber
80 Prozent: Gold
Die Bewertung muß von Auditoren durchgeführt werden, die eine Ausbildung bei der
Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen absolviert haben. Diese beraten den
Bauherrn und dokumentieren und bewerten die Qualität des Gebäudes. Die Daten
werden im Anschluss im Rahmen einer Konformitätsprüfung von der DGNB überprüft.
Erst dann erhält das Gebäude das Gütesiegel in Form einer Urkunde und einer
Plakette (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen 2009: S.7).
Bei der Zertifizierung sind das Haupt- und das Vorzertifikat zu unterscheiden. Mit dem
Vorzertifikat werden Planungsziele und -kriterien für die Bauwerke festgelegt, die sich
in der Planungsphase befinden. Das Hauptzertifikat bzw. das Gütesiegel wird erst nach
Fertigstellung verliehen, um die Umsetzung und Einhaltung der geplanten
Nachhaltigkeitsziele zu überprüfen (Essig, N. 2009: S.64).
Das Grundsystem des Deutschen Gütesiegels ist so ausgelegt, dass es auf neue
Bewertungsversionen und Gebäudetypologien flexibel reagieren kann und anpassbar
auf unterschiedliche politische, kulturelle und klimatische Gegebenheiten ist. In der
ersten Pilotphase wurden sogenannte Pflichtkriterien eingeführt, die jedoch mit der
Version 2009 verworfen wurden. Man einigte sich auf eine andere Vorgehensweise:
erhält ein Gebäude das Gütesiegel in Silber, so muß es in allen Kriterienhauptgruppen
mindestens den Bronze-Standard erreichen, bei Gold mindestens den Silber-Standard.
Mit dem Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen wurden bestehende
Planungsinstrumente gebündelt und in ein einheitliches Zertifizierungssystem
zusammengefasst. Zahlreiche Steckbriefe basieren bislang jedoch noch auf
theoretischen Ansätzen und weisen zum Teil enormen Entwicklungsbedarf auf, d.h.
„müssen erst noch praxistauglich gemacht werden“. Auch wird die Entwicklung des
Gütesiegels derzeit viel zu schnell vorangetrieben. Man versucht den hohen Standard,
den andere Systeme, wie LEED oder BREEAM mit einem Vorsprung von 15 bis 20
Jahren erreicht haben, in ein bis zwei Jahren auszugleichen. Trotz der hohen
deutschen Baustandards ist dies nicht immer machbar. Hierdurch leitet die inhaltliche
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
245
Qualität der einzelnen Kriterien und Indikatoren und es besteht die Gefahr, dass der
Überblick über das Gesamtsystem verloren geht.
Zusammenfassend ist die Entwicklung des Deutschen Gütesiegels jedoch als positiv
zu betrachten. Denn nur ein einheitliches starkes nationales System kann die
zunehmende Ausbreitung der amerikanischen Baustandards im deutschen Raum
verhindern. Welchen Einfluss LEED bereits in Deutschland hat, zeigte sich auch bei
der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2018 von München. Hier war anfangs
beabsichtigt, die geplanten Olympischen Baumaßnahmen mit LEED zu zertifizieren.
Die Absicht, das Deutsche Gütesiegel nun in die Kandidatur mit aufzunehmen, zeigt
nicht nur die zunehmende nationale Festigung des Systems, sondern stärkt auch den
Einfluss der deutschen Bewertungsmethode auf internationaler Ebene.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
246
5.2. Einsatz von Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewertungssystemen bei
Olympischen Sportbauten
Beginnend mit den „Green Games 2000“ von Sydney wird deutlich, dass
Großveranstaltungen wie Olympische Spiele Impulse im Bereich des nachhaltigen
Bauens setzen können. Nicht nur seitens des IOCs begann in den 90er Jahren auf
internationaler Ebene ein Umdenken, auch innerhalb der Austragungsorte
verbesserten die Olympischen Spiele die Baustandards im Bereich des
energieeffizienten und nachhaltigen Bauens (siehe Kapitel 4). Bedingt durch die Spiele
wurden neue nationale Planungsinstrumente und -werkzeuge entwickelt, die der
Umsetzung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Olympischen
Baumaßnahmen dienen sollten, wie etwa Methoden zur Bewertung und Zertifizierung
der nachhaltigen Gebäudequalität. Dies wird im Folgenden dargestellt.
5.2.1. ESD, Green Star and Nabers: Olympische Sommerspiele Sydney
2000
Im Rahmen der Kandidatur von Sydney für die Olympischen Spiele 2000 wurde die
nationale Nachhaltigkeitsstrategie von 1992 (National Ecologically Sustainable
Development Strategy - NESDS) vom Bewerbungskomitee (Sydney Olympics 2000 Bid
Limited) als „Environmental Guidelines for the Summer Olympic Games“ in die
Sommerspiele integriert (siehe Kapitel 4.1). Nach Zusage des IOCs wurden die
Richtlinien für die ökologische und energieeffiziente Ausführung der Olympischen
Spiele und deren Baumaßnahmen von der australischen Regierung in der State
Environmental Planning Policy gesetzlich verankert (Prasad,D. 1999: S.85).
Verantwortlich für die Ausführung dieser Richtlinien war die Olympic Co-ordination
Authority (OCA) (Prasad,D. 1999: S.88). Um eine erfolgreiche Umsetzung zu
gewährleisten, führte die OCA bei allen Olympischen Baumaßnahmen eine Bewertung
nach den Kriterien des Compendium of ESD - Initiatives and Outcomes for OCA
Facilities and Venues durch (Olympic Co-ordination Authority 1999).
Eine erste Beurteilung der Wettkampfbauten erfolgte bereits im Jahr 1997, die den
gesamten Lebenszyklus der Wettkampfstätten, d.h. von der Planung, über die
Konstruktion bis hin zum Betrieb, berücksichtigte (siehe Anhang 9). Eine zweite
Beurteilung wurde im Jahr 1999 kurz vor den Spielen durchgeführt. Neben Neubauten,
wie dem Olympic Stadium oder dem Hockey Centre wurden auch Bestandsbauten, wie
das State Sports Centre oder das Sydney International Aquatic Centre analysiert. Die
Bewertung erfolgte in drei Bereichen (siehe Abbildung 67):
Erhaltung der Artenvielfalt („Conservation of Species”)
Erhaltung der natürlichen Ressourcen („Conservation of Ressources“)
Umweltschutz („Pollution Control”)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
247
Folgende Kriterien wurden hierbei abgefragt (siehe Abbildung 67): Flora und Fauna
(Ökosysteme), Bevölkerung und deren Umwelt, Baumaterialien, Energie, öffentlicher
Raum, Boden und Erdreich, Licht, Luft, Lärm, Müllmanagement und Wasser (Olympic
Co-ordination Authority 1999).
Kategorien Kriterien
Flora und Fauna („Flora and Fauna“) Erhaltung der Arten
(„Conservation of Species“)
Bevölkerung („People“)
Konstruktionsmaterialien („Construction Materials“)
Energie („Energy“)
Öffentliche Räume („Open Space“)
Boden („Topsoil“)
Erhaltung der Ressourcen
(„Conservation of Resources”)
Wasser („Water“)
Licht („Light“)
Luft („Air“)
Lärm („Noise“)
Erdreich („Soil“)
Müllmanagement („Waste Management“)
Kontrolle der Verschmutzung
(„Pollution Control“)
Wasser („Water“)
Abbildung 67: Kategorien des Compendiums of ESD Initiatives and Outcomes for OCA
Facilities and Venues
(eigene Darstellung nach Olympic Co-ordination Authority 1999)
Durch den Erfolg der zahlreichen Umweltmaßnahmen der Olympischen Bauten wurde
auch die Bauindustrie Australiens beeinflusst: „being influenced by a customer desire
to score well on the various forms of green rating schemes“ (Prasad, D.1999: S.91).
Die für die Spiele entwickelten Richtlinien für ökologisches und energieeffizientes
Bauen wurden schon während der Olympischen Großveranstaltung vom australischen
Bausektor übernommen: „Games are cleary actin as an agent for change in a number
of ways Australian: Introducing of green criteriea in building projects“ (Prasad,D. 1999:
S.91). Basierend auf der Umweltbewertung der Wettkampfstätten entstanden in
Australien verschiedene Ansätze für Bewertungssysteme zur Beurteilung der
Gebäudequalität. Somit stellen die ESD Guidelines der Olympischen Spiele von
Sydney die Ausgangsbasis der Bewertung der ökologischen und energieeffizienten
Gebäudequalität in Australien dar (Hardie, M. et al 2006: S.2). Aus den Spielen
entwickelten sich das National Australian Built Environment Rating System (NABERS)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
248
und die Methode Green Star (Department of the Environment and Water Ressources
2007: S.6) (Wood, P. 2007: S.5).
Nabers (National Australian Built Environment Rating System)
NABERS ist eine freiwillige Bewertungsmethode, die von der australischen Regierung
zusammen mit der Bauwirtschaft für australische Bestandsbauten entwickelt wurde.
Die Bewertung wird anhand von Verbrauchswerten durchgeführt und baut auf einem
einfachen Bewertungsverfahren auf: „of how well you are managing these
environmental impacts compared with your peers and neighbours“. Koordiniert wird
das System vom NSW Department of Environment and Climate Change des
australischen Bundesstaates New South Wales (Department of the Environment and
Water Ressources 2007: S.8). Zur Bewertung der Energieeffizienz greifen NABERS als
auch Green Star auf das Australian Building Greenhouse Rating Scheme (ABGR)
zurück (Wood, P. 2007: S.5) (siehe Abbildung 68).
Abbildung 68: Bewertungsstufen des australischen Systems NABERS (National Australian
Built Environment Rating System)
(Quelle: Department of the Environment and Water Ressources 2007: S.11)
Folgende Bewertungsversionen liegen derzeit vor: Bürobauten, Eigenheime, Hotels
und Handelsbauten. Neue Versionen für Schulen und Krankenhäuser befinden sich
noch in Entwicklung. Die Bewertungskriterien gliedern sich nach den Kategorien
Energie, Wasser, Müll und Innenraumqualität (Department of the Environment and
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
249
Water Ressources 2007: S.10). NABERS bewertet keine kalkulierten Bedarfswerte,
sondern vergleicht den tatsächlichen Energie-, Wasser- und Müllverbrauch, ebenso
wie die Innenraumqualität mit vorgegebenen nationalen Erfahrungswerten.
Green Star
Die australische Bewertungsmethode Green Star wurde im Jahr 2003 basierend auf
den Kenntnissen der Olympischen Spiele von Sydney entwickelt: „for use by
developers and designers to ensure the incorporation of environmental initiatives at the
design stage” (Department of the Environment and Water Ressources 2007: S.7). Das
System wird vom Green Building Council of Australian (GBCA) koordiniert und basiert
auf den Erfahrungen bereits bestehender Werkzeuge (Renato et al 2006: S.1). Zu
nennen sind hier BREEAM (Großbritannien), LEED (U.S.A), die Queensland
Government's Sustainable Development Office Fitout Design Guidelines, der
Melbourne Docklands ESD Guide und die Sydney Olympic Park Authority's
Environmental Guidelines, die wiederum auf den Umweltrichtlinien der Spiele von
Sydney aufbauen (Department of the Environment and Water Ressources 2007: S.7).
Der Kriterienkatalog von Green Star besteht aus neun Kategorien, die sich in 65
Kriterien gliedern:
Management („Management“)
Innenraumqualität („Indoor Environment Quality“)
Energie („Energy“)
Transport („Transport“)
Wasser („Water“)
Materialien („Materials“)
Landnutzung und Ökologie („Land Use & Ecology“)
Emissionen („Emissions“)
Innovation („Innovation“)
Im Rahmen der Bewertung berücksichtigt Green Star den ganzen Lebenszyklus eines
Gebäudes vom Entwurf, über die Konstruktion bis hin zur Inbetriebnahme. Derzeit sind
verschiedene Versionen für unterschiedliche Gebäudetypologien auf dem Markt
(Green Building Council Australia 2009) (siehe Abbildung 69). Green Star ist ebenso
wie LEED, BREEAM oder das Deutsche Gütesiegel ein freiwilliges System und wird
mit Sternen bewertet wird. Maximal 100 Punkte sind im Rahmen der Bewertung
erreichbar:
45 Punkte: 4 Sterne („4 Star Green Star Certified Rating”: Best Practice)
60 Punkte: 5 Sterne („5 Star Green Star Certified Rating”: Australian Excellence)
75 Punkte: 6 Sterne („6 Star Green Star Certified Rating”: World Leadership)
Seit den Olympischen Sommerspielen von Sydney wurden im australischen Bausektor
zahlreiche Maßnahmen für die Planung und Umsetzung von nachhaltigen und
energieeffizienten Gebäuden durchgeführt. Dennoch herrscht im Vergleich mit den
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
250
europäischen Baustandards noch immer großer Handlungsbedarf. Die Untersuchung
zeigte, dass speziell im Bereich der Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden
zahlreiche Versionen für unterschiedliche Gebäudetypologien entwickelt wurden.
Obwohl die australische Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden mit den
Olympischen Sportstätten begann, steht für den australischen Sportstättenbau bislang
kein nationales Gütesiegel zur Verfügung.
Dies verdeutlicht erneut die Problematik des Sportstättenbaus: Sportbauten stellen
zwar die in der Freizeit meist genutzten Gebäudetypologien dar, werden aber auf
internationaler Ebene von der Öffentlichkeit, der Bauindustrie, der Regierung und den
Forschungsinstituten als reine Zweckbauten angesehen. Um den nachhaltigen
Sportstättenbau zu fördern, ist es daher erforderlich Richtlinien für die ökologische,
ökonomische und soziale Umsetzung von Sportbauten zu entwickeln.
Green Star Bewertungsversionen: Gebäudetyp/ Bauphase:
Green Star - Office Design v3 Büro- und Verwaltungsbauten Planung
Green Star - Office As Built v2 Büro- und Verwaltungsbauten Neubau
Green Star - Office Interiors v1.1 Büro- und Verwaltungsbauten Innenausbau
Green Star - Office Existing Building v1 Büro- und Verwaltungsbauten Bestand
Green Star - Healthcare v1 Krankenhäuser
Green Star - Education v1 Schulen
Green Star - Retail Centre v1 Handelsbauten
Green Star – Multi Residential v1 Mehrfamilienhäuser
Abbildung 69: Green Star Bewertungsversionen für verschiedene Gebäudetypen
(eigene Darstellung)
5.2.2. GOBAS: Olympische Sommerspiele Beijing 2008
Unter dem Motto „Green Olympics - Grüne Spiele“ sollten die Auswirkungen der Spiele
auf die Umwelt minimalisiert und die ökologische Situation der Stadt Peking verbessert
werden: „to build an ecologically balanced city and create pleasure environment for the
2008 Olympic Games to minimize negative impact of Olympics on environment in line
with the sustainable development ideas of protecting environment and resources, and
ecological balance” (Yanping, Z. et al 2004:S.3). Bereits im Rahmen der
Olympiabewerbung sicherte OCOG ein „Environmental impact assessment“ für die
Wettkampfstätten zu. China sah nicht nur mit der Durchführung der Olympischen
Spiele 2008, sondern auch mit der Veranstaltung der World Expo 2010 in Shanghai
eine einmalige Gelegenheit, ein eigenes nationales Zertifizierungssystem zu entwickeln
(Yanping, Z. et al 2004: S.3).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
251
Zur Förderung der Idee der Green Olympics 2008 wurde ein nationales Green Rating
System entwickelt. Mit dem System Green Olympic Building Assessment System
(GOBAS) entstand erstmalig in China ein Bewertungssystem zur Zertifizierung der
ökologischen Gebäudequalität (Yongning et Qingpent 2006: S.1). Gefördert durch das
Ministry of Construction (MoC), das Ministry of Science and Technology of China
(MoST) und die Beijing Municipal Science & Technology Commission (BMSTC) wurde
von der School of Architecture der Tsinghua University (Beijing) und weiteren
Institutionen im Jahr 2002 mit der Entwicklung des Green Olympic Building
Assessment System (GOBAS) begonnen (Youguo 2006:S.7). Die Bewertungsmethode
wurde als eines der zehn “High-tech Olympic key projects” angesehen: „to identify the
list of most important contents of green building according to Chinese situation
(Yanping et al 2004: S.3). Das nordamerikanische Gebäudelabel Leadership in Energy
and Environmental Design (LEED) und die japanische Methode Comprehensive
Assessment System for Building Environmental Efficiency (CASBEE) dienten als
Grundlage für die chinesische Bewertungsmethode GOBAS.
Nach Aussage des 2008 BOCOG Headquarters Office und der
Umweltberichterstattung von UNEP (siehe Kapitel 4.2) wurden für alle Olympischen
Wettkampfstätten Umweltbewertungen mit GOBAS durchgeführt (UNEP 2007: S.42).
Dennoch konnte auf keine detaillierten Informationsquellen zurückgegriffen werden
(siehe Bericht von Greenpeace zur Bewertung der Olympischen Spiele; Zhan 2007:
S.6). Auch sind die Kriterien von GOBAS nur in chinesischer Sprache verfügbar (z.B.
Guideline of Green Olympic Building Assessment System (GOBAS), Tsinghua
University, 2004).
Abbildung 70: Bewertungsdarstellung der GOBAS Methode
(Quelle: Yongning et Qingpent 2006: S.3)
Das Bewertungssystem GOBAS ist speziell auf die chinesischen Baustandards
abgestimmt. Beurteilt wurden die Olympischen Bauten in den Kategorien A (sehr gut)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
252
bis E (unzureichend) (Yongning et Qingpent 2006: S.3) (siehe Abbildung 70). Die
Methode ist aber bislang nicht praxisorientiert, sondern stellt lediglich ein
wissenschaftliches Rahmenwerkzeug dar. Bei der Bewertung werden die
Lebenszyklusphasen Vorplanung, Planung, Konstruktion und Gebäudebetrieb
berücksichtigt (Youguo 2006: S.6). Das chinesische System baut ähnlich wie CASBEE
auf zwei Hauptkategorien auf (siehe Abbildung 70). Bewertet wird das Verhältnis dieser
Kategorien, d.h. der Umweltqualität Q des Gebäudes zu den Umweltauswirkungen L
des Gebäudes auf die umgebende Umwelt (Japan Sustainable Building Council 2008)
(siehe Abbildung 70):
Bewertung = Q/L: Verhältnis der Umweltqualität Q des Gebäudes zu den
Umweltauswirkungen L
Q (Quality): Building Environmental Quality & Performance (Umweltqualität des
Gebäudes; Nutzer)
L (Loadings) = S+ H: Building Environmental Loadings (Umweltauswirkungen des
Gebäudes; Umfeld)
S: Energie und Ressourcenverbrauch
H: Einfluß auf die Umwelt
Folgende Kriterien bilden die Basis des Bewertungssystems (Youguo 2006: S.4ff.)
(siehe auch Anhang 10):
Kriterien der Vorplanungsphase:
Standortwahl („Site selection“)
Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt („Overall environmental impact
assessment“)
Planung des Transports („Transport planning“)
Vegetation („Vegetation“)
Energiemanagement („Energy management“)
Ressourceneinsatz („Resources utilization“)
Wasser („Water system“)
Kriterien der Planungsphase:
Architektur („Architectural design“)
Außenraumgestaltung („Outdoor engineering design“)
Material und Ressourcen („Material and resources utilization“)
Energieverbrauch („Energy consumption and impact to the environment“)
Wassersystem („Water system“)
Innenraumluftqualität („Indoor air exchange“)
Kriterien der Konstruktionsphase:
Umwelteinfluß („Environmental impact“)
Energieverbrauch und Management („Energy use and management“)
Wasser
(„Water resources“)
Sicherheitkontrolle der Wettkampfstätten („Venue safety controll“)
Sicherheit („Safety“)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
253
Gesundheit und Wohlbefinden („Health & wellness“)
Kriterien der Gebäudebetriebsphase:
Außenraum („Outdoor environment“)
Innenraum („Indoor environment“)
Energieverbrauch („Energy consumption“)
Ökologisches Management („Ecological management“)
Energieeinsparmanagement („Energy reduction management“)
Aufbauend auf Pilotprojekten und Fallstudien wurde das Olympische
Bewertungssystem GOBAS in das nationale Gütesiegel „Three Star System“
weiterentwickelt (Hong et al 2007: S.81). Diese Methode scheint sich aber als eigenes
nationales System nicht durchzusetzen (Hu et al 2004). Zahlreiche Bauwerke in China
werden derzeit mit dem amerikanischen System LEED bewertet (Hong et al 2007:
S.162). Auch das Olympische Dorf von Peking, das während der Spiele 17.000
Athleten beherbergte, weist diese Entwicklung auf. Es wurde im Jahr 2007 als
Pilotprojekt zur Bewertung mit LEED-ND (LEED for Neighbourhood Development -
Siedlungsentwicklung) registriert und erhielt als erstes internationales LEED-ND
Projekt die Bewertungskategorie „Gold“ (Chan 2008: S.35).
Bei den Olympischen Spielen von Beijing wurden zahlreiche
Umweltschutzmaßnahmen sowohl im Verkehrssektor, als auch im Baubereich
unternommen. Detaillierte Informationen zu Inhalten dieser Maßnahmen und zu
Bewertungsergebnissen wurden jedoch nicht veröffentlicht. Dies zeigt auch folgende
Aussage von Greenpeace. Im Umweltbericht über die Spiele 2008 von Peking wies
Greenpeace darauf hin, dass das Olympische Dorf und die Wettkampfstätten zwar
hinsichtlich ökologischer und energieeffizienter Aspekte bewertet wurden, aber keine
Resultate veröffentlicht worden sind: „the Olympic Village may be Leadership in Energy
and Environmental Design (LEED) certified, but to date the results of this assessment
has not been made publicly available“ (Zhan 2007: S.6). Zur Verbesserung der
Baustandards in China und zur Etablierung von Planungsinstrumenten und
Bewertungsmethoden, die speziell auf die chinesischen Bedürfnisse zugeschnitten
sind, wäre es erforderlich, die Resultate der bei Olympischen Spielen durchgeführten
Pilotprojekte in die zukünftige Entwicklung der Baustandards von China mit
einzubeziehen. Auch für den Wissenstransfer der Olympischen Spiele wäre eine
Weitergabe der Erfahrungen an zukünftige Austragungsorte, die man durch den
Einsatz der Bewertungssysteme erhalten hat, von großer Bedeutung.
5.2.3. LEED Canada: Olympische Winterspiele Vancouver 2010
Das Hauptziel der Olympiaplanungen von Vancouver 2010 lag auf dem Ausbau des
regionalen Sportstättenangebots für den Breiten- und Spitzensport unter Beachtung
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
254
ökologischer und nachhaltiger Gesichtspunkte (VANOC 2010). Bereits bei der
Kandidatur warb die Stadt Vancouver damit, die Olympischen Wettkampfstätten nach
ökologischen und nachhaltigen Planungs- und Konstruktionstechniken umzusetzen
und diese mit dem nationalen Zertifizierungssystem LEED®Canada (Leadership in
Energy and Environmental Design) zu bewerten (Vancouver 2010 Bid Corporation
Board 2002: S.127).
LEED®Canada for New Construction and Major Renovations (LEED-NC, Version 1.0)
ist die Anpassung des nordamerikanischen Bewertungssystems LEED des U.S.Green
Building Council (USGBC) an den kanadischen Standard, d.h. auf das kanadische
Klima, bestehende nationale Richtlinien, Normen und Gesetze (Canada Green Building
Council 2004: S.4) (siehe Abbildung 71). Zur Umsetzung und Weiterentwicklung des
Zertifizierungssystems wurde im Jahr 2002 das Canada Green Building Council
(CaGBC) als gemeinnütziger Verein gegründet, der ebenso wie das USGBC dem
internationalen Dachverband „World Green Building Council“ beigetreten ist (Canada
Green Building Council 2004: S.3): Die Struktur des kanadischen
Zertifizierungsvorgangs basiert auf der des amerikanischen Systems. LEED®Canada
ist wie die amerikanische LEED-Version aus folgenden Hauptkategorien aufgebaut
(siehe auch Kapitel 5.1.3.2):
Nachhaltiger Standort („Sustainable Sites“)
Effizienter Wasserhaushalt („Water Efficiency“)
Energie und Atmosphäre („Energy and Atmosphere“)
Materialien und Ressourcen („Material and Resources“)
Innenraumluftqualität („Indoor Environmental Quality“)
Innovationen („Innovations“)
Die Bewertungsstufen sind ebenfalls in vier Ebenen aufgeteilt (Canada Green Building
Council 2004: S.3f.):
26 Punkte: zertifiziert (“certified”)
33 Punkte: Silber (“silver”)
39 Punkte: Gold (“gold”)
52 Punkte: Platin (“platin”)
Sowohl die Hauptkategorien als auch die zu erreichenden Bewertungsstufen wurden
vom amerikanischen System übernommen. Die Inhalte der Kriterien und deren Anzahl
variieren jedoch, ebenso wie die Höhe der Bewertungsstufen. Während bei LEED U.S.
wesentlich strenger bewertet und erst ab 50 Punkten der Standard „Silber“ erreicht
wird, kann man mit der kanadischen Methode bereits ab 52 Punkten das Gütesiegel
„Platin“ erhalten. Inhaltlich werden beim kanadischen System LEED New Construction
unterschiedliche Ziel- und Höchstwerte an die Gebäude gestellt, die einerseits
einfacher, anderseits aber nach strengeren Richtlinien erfolgen müssen, wie z.B. die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
255
Kriterien, die die Energieeffizienz des Gebäudes bewerten (Canada Green Building
Council 2004: S.34ff.).
Abbildung 71: Darstellung von LEED®Canada NC, Version 1.0
(Quelle: Canada Green Building Council 2007: S.1)
LEED Canada stellt mittlerweile einen freiwilligen Standard für zahlreiche Neu- und
Bestandsbauten in Kanada dar (Vancouver 2010 Bid Corporation Board 2002: S.55).
Das Vancouver Organisationskomitee (VANOC) verpflichtete sich daher, die Bauten für
die Olympischen Spiele mit LEED zu zertifizieren, um die Umweltbelastungen, die von
den Wettkampfstätten ausgehen, zu reduzieren und die Sportstätten im Sinne des
„Green-Building“-Ansatzes zu errichten. Folgende Versionen von LEED kamen bei den
Planungen der Olympischen Winterspiele von Vancouver zum Einsatz:
LEED®Canada-NC (New Construction and Major Renovations): Zertifizierung
der Wettkampfstätten mit dem Silber- und Gold-Standard
LEED®Canada-ND (LEED Neighbourhood Development): Pilotprojekt zur
Entwicklung der Version „LEED Neighbourhood Development“ bei den Planungen
der Olympischen Dörfer Vancouver und Whistler, Erreichung des Silber-Standards
LEED ®US-ID (LEED Interior Design): Zertifizierung des VANOC Hauptbüros mit
LEED-ID, Erreichung des Gold-Standards
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
256
Wettkampfstätten: Umweltbewertung und Nachnutzung
Wettkampfstätten Nutzung Planung Nachnutzung Bewertung
Bestehende Wettkampfstätten
UBC Winter Sports
Centre, Vancouver
Eishockey Modernisierung der
bestehenden
Eisarena, Bau von
zwei neuen
Eisflächen
Neue größere
Eisflächen: 7,500
Sitzplätze
LEED Silber
Killarney Centre,
Vancouver
Trainingseinrichtung
für Eisschnelllauf
Erneuerung des
Eiscenters in einem
Gemeindezentrum
Verbesserung des
Freizeitangebots
LEED Gold
Trout Lake Centre,
Vancouver
Trainingseinrichtung
für Eiskunstlauf
Erneuerung des
Eiscenters in einem
Gemeindezentrum
Verbesserung des
Freizeitangebots
LEED Gold
Neubauten
Hillcrest/Nat Bailey
Stadium Park,
Vancouver
Eisstockschießen Entwicklung von
Sportstätten (zum
Teil auf bestehenden
Kiesparkplätzen)
Umbau zu
multifunktionalen
Freizeiteinrichtung
LEED Gold
Richmond Oval Eisschnelllauf Entwicklung der
Wettkampfstätte auf
einer Industriebrache
Umbau zur multi-
funktionalen Freizeit-
und Wellnesseinricht-
ung mit der Möglich-
keit zur Durchführung
von Eisschnelllauf-
wettkämpfen
LEED Silber
The Whistler Sliding
Centre Bob und
Rodelrennen
Entwicklung einer
Rodelbahn innerhalb
eines bestehenden
Skigebiets
Rodelbahn zur Sport-
nutzung (Wettkampf,
Training und Freizeit)
LEED Silber
(für Kühlanlagen-
gebäude)
LEED Planungsprin-
zipien (Restgebäude)
Whistler Olympic
Park Nordische
Kombination,
Skilanglauf, Biathlon,
Skisprung
Entwicklung von
Nordischen
Wettkampf-
einrichtungen in
einem Waldgebiet
(ehemalige Mine)
Destination für
nordische
Sportstätten für
Training, Wettkampf
und Freizeit
LEED Silber
(Day Lodge); LEED
Planungs-prinzipien
(Restgebäude)
Abbildung 72: Sportstätten der Olympischen Winterspiele von Vancouver 2010 und deren
Umweltbewertung
(Quelle:VANOC2010 2008c)
Die Bewertungsstufe „LEED Silber“ wurde als Standard bei allen Planungen der
Wettkampfstätten vorausgesetzt (siehe Abbildung 72). Einige der Bauten wurden nach
dem LEED Gold Standard geplant, wie das Hillcrest National Bailey Stadium (Eishalle)
oder der Trout Lake Centre (Eishalle). Das VANOC Hauptbüro, ein mehrgeschossiges
Bürogebäude in Vancouver, wurde mit der Version LEED-Interior Design (LEED-ID)
zertifiziert. Hier wurde auf die amerikanische LEED-Variante zurückgegriffen, da zu
diesem Zeitpunkt noch keine kanadische Version für die Bewertung des Innenausbaus
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
257
vorlag. Nicht nur das Organisationskomitee der Spiele von Vancouver verpflichtete sich
bei den Olympischen Wettkampfbauten den LEED Silber-Standard einzuhalten, auch
zahlreiche der Partnergesellschaften wendeten diese Stufe an, z.B. die Stadt
Vancouver für das Olympische Dorf (VANOC2010 2008a). Die Planungen für die
Spiele werden auch zur Weiterentwicklung des kanadischen Zertifizierungssystems
genutzt. Ziel ist hierbei nicht nur die Gebäude zu bewerten, sondern auch die
Umgebung bei der Beurteilung zu berücksichtigen. Als Pilotprojekte der Version LEED-
ND (LEED for Neighbourhood Development) dienen dem Canada Green Building
Council die Olympischen Dörfer von Whistler und Vancouver. Hierbei werden die
Standards des nordamerikanischen Systems auf die kanadischen Ansprüche der
Siedlungsentwicklung übertragen (VANOC2010 2008b).
Im Rahmen der Bewertung der Wettkampfstätten mit LEED wurde anhand der Hillcrest
Curling Facility eine Studie durchgeführt. Mit dieser sollten die zusätzlichen Baukosten,
die durch eine LEED Zertifizierung entstehen, mit möglichen Einsparungen bei den
Nutzungskosten ins Verhältnis zueinander gestellt werden. Die Studie wurde von der
kanadischen Bauindustrie, der Institution Environment Canada und dem
Organsiationskomitee von Vancouver in Auftrag gegeben. (Wardle et Sanguinetti 2006:
S.6ff.). Anhand der LEED-Canada Methode wurden verschiedene Szenarien ermittelt,
die auf den geplanten Entwürfen aufbauen und zusätzliche nachhaltige
Baumaßnahmen, wie die Steigerung der Energieeffizienz, die Reduzierung des
Wasserverbrauchs, die Minderung der Unterhaltungskosten und die Verbesserung der
Innenraumqualität analysierten. Auch wurden Möglichkeiten zur
Treibhausgasreduzierung und weitere Ausgleichsmaßnahmen betrachtet, ebenso wie
unterschiedliche Finanzierungsmodelle berücksichtigt (Wardle et Sanguinetti 2006:
S.3).
Folgende Szenarien wurden analysiert (Wardle et Sanguinetti 2006):
Szenario 1: LEED Gold, plus zusätzliche 10 Punkte
Mehraufwand der Investitionskosten: CAN $ 238.000 (0,03% der
Projektgesamtkosten bei einer Mindestrückzahlzeit von 4 Jahren)
Treibhausgaseinsparung: ca. 395.000 kg CO2
Szenario 2: LEED Gold, plus zusätzliche 13 Punkte
Mehraufwand der Investitionskosten: CAN $ 776.000 (1,1% der
Projektgesamtkosten bei einer Rückzahlung von 4 Jahren)
Treibhausgaseinsparungen: ca. 963.000 kg CO2
Szenario 3: LEED Gold, plus zusätzliche 24 Punkte
Mehraufwand der Investitionskosten: CAN $ 1.700.000 (2.5% der
Projektgesamtkosten bei einer Rückzahlung von 4-51 Jahren)
Treibhausgaseinsparungen: ca. 721.000 kg CO2
Mit dieser Studie konnte eine Matrix zur ökologischen, energieeffizienten und
ökonomischen Planung von Gebäuden, insbesondere von Eishallen, entwickelt
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
258
werden. Diese diente als Entscheidungshilfe bei der Entwicklung der Olympischen
Wettkampfstätten von Vancouver und unterstützte die Ziele des klimaneutralen
Programms von VANOC (Wardle et Sanguinetti 2006: S.76f.).
Die Studie zeigte, dass Zertifizierungsmethoden durchaus Instrumente, Richtlinien und
Regelwerke zur Umsetzung von nachhaltigen Olympischen Wettkampfbauten
darstellen und mit diesen bereits in der Planungsphase nachhaltige Planungsziele
festgelegt werden können. Sie beziehen sich nicht nur auf ökologische und
energetische Komponenten, sondern können auch ökonomische Aspekte mit in die
Bewertung eines Gebäudes integrieren. Es zeigte sich auch, dass unterschiedliche
Maßnahmen zur Umsetzung von nachhaltigen Gebäuden jedoch auch verschiedene
Auswirkungen aufweisen, d.h. im Falle einer LEED-Bewertung bedeuten mehr Punkte
nicht gleichzeitig eine verbesserte Energieeffizienz (siehe Treibhausgaseinsparungen
Szenario 2 und 3 in Wardle et Sanguinetti 2006).
5.2.4. BREEAM: Olympische Sommerspiele London 2012
Unter dem Motto “Towards a One Planet Olympics” sollen die Umweltbelastungen der
Olympischen Spiele von London 2012 soweit als möglich reduziert werden. In Bezug
auf die Wettkampfstätten heißt dies: weitestgehende Nutzung bestehender und
temporärer Sportbauten. Falls neue Sportstätten errichtet wurden, mussten diese
Bestandteil des „Long-term Regeneration Plan” des Olympiagebiets Lower Lea Valley
sein (LONDON2012 2004a: S.85). Bereits bei der Bewerbung für die Spiele 2012
verpflichtete sich die Stadt London die ökologische, soziale und kulturelle Qualität aller
Wettkampfstätten zu beurteilen (LONDON2012 2004a: S.155). Die Gebäudebewertung
stellte hierbei einen Bestandteil der gesamten Nachhaltigkeitsstrategie „Towards a One
Planet Olympics“ dar. Diese wurde von der Olympic Delivery Authority (ODA)
zusammen mit dem WWF und BioRegional entwickelt und dient der Förderung der
nationalen Nachhaltigkeitsstrategie „One Planet Living“.
Für die Planung und Durchführung der Olympischen Baumaßnahmen ist die Olympic
Delivery Authority (ODA) verantwortlich. Vorrangiges Ziel ist die Umsetzung der
Olympischen Baumaßnahmen unter Berücksichtigung der nationalen
Nachhaltigkeitsstrategie, d.h. unter Beachtung von ökologischen, ökonomischen und
sozialen Aspekten. Hierzu veröffentlichte ODA im Jahr 2006 die London 2012
Sustainability Policy. Diese baut aus folgenden fünf Aspekten auf (Olympic Delivery
Authority 2007a: S.8) (siehe Abbildung 73):
Klimawandel („Climate change“)
Müll („Waste)
Biodiversität („Biodiversity“)
Gesundheit („Healthy Living“)
Einbezug des Umfelds („Inclusion“)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
259
Zur Umsetzung der Olympischen Wettkampfstätten hat die Olympic Delivery Authority
hieraus ein Maßnahmenprogramm entwickelt, welches zwölf Themenschwerpunkte
umfasst (siehe Abbildung 73). Um die Olympischen Sportbauten bewerten zu können,
bedient sich die ODA der Bewertungsmethode BREEAM (Building Research
Establishment Environmental Assessment Methodology) (siehe Kapitel 5.1.3.1) und
den Kategorien des „One-Planet-Living“-Programms. Dieses globale Aktionsprogramm
für nachhaltige Entwicklung wurde vom World Wide Found for Nature (WWF) und
BioRegional (internationale Wohltätigkeitsorganisation für Nachhaltigkeit) entwickelt.
Folgende Bewertungsversionen und -stufen von BREEAM werden bei den Planungen
der Olympischen Spiele von London angewandt:
BREEAM bespoke, EXCELLENT: Wettkampfstätten
BREEAM Code for Sustainable, Code Level 4: Olympisches Dorf
BREEAM Communities: Olympisches Dorf, Pilotprojekt
Im Vordergrund der Planung der Olympischen Baumaßnahmen steht die Erreichung
der BREEAM „EXCELLENT“ Bewertung durch eine Reduzierung des Heiz-, Kühl- und
Energiebedarfs. Ziel der ODA ist es hierbei die gesetzlichen Energieeffizienzstandards
(2006 Part L Building Regulations) bei den Wettkampstätten um 15 Prozent, beim
Olympischen Dorf um 25 Prozent zur unterschreiten (Olympic Delivery Authoriy 2007a:
S.14). Während das Olympische Dorf mit dem BREEAM Code for Sustainable Homes
und der Bewertungsstufe „Code Level 4“ errichtet werden soll (Level 1: zertifiziert,
Level 3: gesetzlicher Standard, Level 6: „Zero-Carbon“ Gebäude), wendet BRE bei der
Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten die Version BREEAM bespoke an. Hier
soll bei allen Baumaßnahmen der BREEAM „EXCELLENT“ Standard angestrebt
werden. Zudem nimmt das Olympiadorf als Pilotprojekt an der Entwicklung der Version
BREEAM Communities teil, die der zukünftigen Bewertung von Wohnsiedlungen
dienen soll.
Für Gebäude, wie die Olympischen Wettkampfbauten, die in keine der vorgegeben
Kategorien passen, hat BRE (Building Research Establishment) auf nationaler Ebene
die Systemvariante BREEAM bespoke entworfen. Diese Variante ist ein
Rahmenwerkzeug, aus dem spezielle Bewertungsversionen für bestimmte
Gebäudetypen entwickelt werden können, die nicht den Standardversionen von
BREEAM entsprechen, wie z.B. die Bewertungsversion für den Typus der Olympischen
Wettkampfbauten (BREEAM 2007: S.26). Das Rahmenwerkzeug unterscheidet sich
von den BREEAM Standardbewertungen (BREEAM: offices, BREEAM: schools etc.)
wie folgt. Die Standardschemen haben eine festgelegte Zahl an Kriterien und fixierten
Gewichtungen für einen bestimmten Gebäudetyp. Die Bewertung wird von einem
lizenzierten BREEAM Auditor durchgeführt. BREEAM ist in die eigentliche Bewertung
nicht involviert, sondern ist nur für die Überprüfung der Bewertung und
Zertifikatübergabe verantwortlich. Bei der Zertifizierung mit BREEAM:bespoke ist
BREEAM jedoch in die Beurteilung mit integriert und entwickelt spezifische
Bewertungskriterien und Punktevorgaben für das zu zertifizierende Gebäude und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
260
dessen Funktionen. In diese Entwicklung sind auch der Auditor, die Planer und der
Bauherr mit einbezogen. Nach Festlegung der für diesen Gebäudetypus notwendigen
Kriterien bewertet der Auditor das Bauwerk. Die Qualitätsprüfung und Zertifizierung der
Bewertung erfolgt wie bei der Standardzertifizierung über BRE (BREEAM 2007: S.26).
Auf Grundlage dieses Rahmenwerkzeugs werden auch die Nachhaltigkeitsziele der
ODA in die Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten von 2012 integriert. Somit
wird bei der Beurteilung der Sportbauten der Londoner Sommerspiele nicht mehr nur
auf ökologische und energieeffiziente Aspekte eingegangen, sondern auch auf die
sozialen und kulturellen Prinzipien des „One-Planet-Living“-Programms (siehe
Abbildung 73).
Abbildung 73: Darstellung und Ableitung der Ziele der ODA für die Olympischen
Baumaßnahmen der Spiele von London 2012
(Quelle: Olympic Delivery Authoriy 2007a: S.60)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
261
Folgende Kategorien sind für die Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten
geplant (Olympic Delivery Authority 2007a: S.10):
Wasser: Optimierung von Techniken zur effizienten Wassernutzung;
Wasserwiederaufbereitung und –recycling
Treibhausgase: Reduzierung der CO2-Emissionen der Wettkampfstätten
Müll: Verminderung des Müllaufkommens und Maximierung der Nutzung von
recycelten Baumaterialien
Material: Verwendung von umweltfreundlichen und sozialverträglichen
Baumaterialien
Biodiversität und Ökologie: Schutz und Verbesserung der Biodiversität und
Ökologie der Standorte der Wettkampfstätten
Land, Wasser, Lärm und Luft: Reduzierung möglicher negativer Auswirkungen
der Wettkampfstätte auf den Standort
Unterstützung der Bezirke: Förderung des öffentlichen Raums und von
Sporteinrichtungen unter Berücksichtigung der Demographie und des Charakter
des Lower Lea Valleys (Olympiapark)
Transport und Mobilität: Förderung des Fuß- und Radverkehrs und der
öffentlichen Verkehrsmittel
Zugänglichkeit: Schaffung von gut zugänglichen und barrierefreien
Wettkampfstätten
Arbeitsplätze und Gewerbe: Förderung von neuen Arbeitsplätzen und
Geschäftsmöglichkeiten (lokal, national und international)
Gesundheit und Wohlbefinden: Förderung der Gesundheit und des
Wohlbefindens der Anwohner und Nutzer während der Bauphase und danach
Einbezug des Umfelds: Förderung des Bauprozesses durch integrale Planung
(Stakeholder, Bezirk, Wettkampfstätten usw.), Kultur, Gleichberechtigung
Die Olympischen Wettkampfstätten von London zeigten, dass die Beurteilung der
Gebäudequalität der Sportbauten von einer ökologischen Bewertung hin zur
ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertung geht. Es wird deutlich, dass
Rahmenwerkzeuge, wie BREEAM bespoke, eine geeignete Basis zur Entwicklung von
neuen Bewertungsversionen für neue Gebäudetypologien darstellen, wie hier die
Olympischen Sportstätten. Dennoch gilt es abzuwarten, ob sich die Version von
BREEAM bewährt, da sich diese noch in Entwicklung befindet. Detaillierte
Zertifizierungskriterien und -indikatoren für die Olympischen Sportstätten wurden
seitens BREEAM und des Londoner Organisationskomitees bislang noch nicht
veröffentlicht.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
262
5.3. Nationale Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden von
Olympischen Sportbauten: International einsetzbar als
„Environmental Assessment“ von Olympischen Wettkampfstätten?
Olympische Spiele und deren Baumaßnahmen können aufgrund der immensen
zusätzlichen Umweltbelastungen (Flächenverbrauch, Treibhausgasemissionen etc.),
der enormen Mehrkosten zu Lasten der Volkswirtschaft der Austragungsorte
(Baumaßnahmen etc.) und negativen sozialen Einflüsse auf die Bevölkerung der
Gaststädte (Massenumsiedelung von Personen etc.) nicht als nachhaltig bezeichnet
werden. Dass diese aber im Bereich des Bauwesens zur Förderung der Baustandards
und der nachhaltigen Entwicklung der einzelnen Austragungsorte und zum Teil auch
der Länder beitragen, war das eindeutige Ergebnis der letzten Kapitel. Gefördert wird
diese Entwicklung zum einen durch die Vorgaben des IOCs, zum anderen durch die
Eigeninitiativen der Austragungsorte und der internationalen Umweltschutzverbände.
Ein wichtiger Schritt stellte hierbei die Forderung des IOCs dar, das von den
Austragungsorten eine Umweltbewertung der Olympischen Baumaßnahmen verlangt.
Doch lässt sich die Qualität von Olympischen Wettkampfstätten überhaupt messen und
beurteilen? Eignen sich die länderspezifischen Methoden, die in den letzten Kapiteln
dargestellt und vorrangig für Büro-, Wohnungs- und Industriebauten entwickelt wurden,
tatsächlich zur Beurteilung der Gebäudequalität von Olympischen Wettkampfstätten
hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte?
Heutzutage gibt es zahlreiche Werkzeuge, Labels, Systeme und Zertifikate zur
Bewertung der ökologischen und nachhaltigen Gebäudequalität. Diese Systeme sind
zum Teil unterschiedlich aufgebaut. Sie weisen aber dennoch Ähnlichkeiten im
strukturellen Aufbau und verwandte Bestandteile auf, wie etwa die Einteilung in
Ebenen, Bedeutungsrahmen, Gewichtungen, Kategorien oder Kriterien (Seo et al.
2005: S.18). Um diese Ähnlichkeiten und Unterschiede zu analysieren und um zu
überprüfen, ob sich der Einsatz von unterschiedlichen länderspezifischen Gütesiegeln
tatsächlich für nachhaltige Olympische Wettkampfstätten eignet, gilt es diese
miteinander verglichen. In den letzten Jahren wurden bereits verschiedene Analysen
zur Vergleichbarkeit von Bewertungsmethoden durchgeführt, ebenso wie Studien zur
möglichen Anwendung und Umstrukturierung bestehender Label für andere Länder.
Vorrangig wurden hier international anerkannte Methoden, wie LEED, BREEAM,
SBTool, CASBEE oder Green Star betrachtet - Systeme, die auch bei Olympischen
Spielen eingesetzt wurden. Diese Studien fallen aber sehr unterschiedlich aus und
befassen sich vorrangig mit den Bewertungsabläufen und der Struktur der Systeme.
Die ersten und auch noch heute meist zitierten Studien führte R.J. Cole im Zuge der
Entwicklung des internationalen Rahmenwerkzeugs GBTool (heute SBTool) bereits
Ende der 90er Jahre durch. Bedingt durch die Umweltschutzziele der Rio-Konferenz
1992 (Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung), den
Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls von 1997 (Klimarahmenkonvention der Vereinten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
263
Nationen) und durch neue kostengünstigere Umwelttechnologien, erfuhren
Umweltstandards im Bauwesen eine immer höhere Bedeutung. Diese Entwicklung
wirkte sich auch auf die Zertifizierungs- und Bewertungsmethoden mehr und mehr aus.
Immer mehr Länder entwickelten eigene Gütesiegel, wie z.B. Japan das System
CASBEE oder Australien die Methode Green Star. Hierbei wurde auf das Wissen
bereits bestehender Werkzeuge, wie LEED und BREEAM zurückgegriffen. Auch
bereits national und international etablierte Zertifizierungsmethoden, wie BREEAM
oder LEED, führten im Rahmen der Verbesserung und Weiterentwicklung ihrer
Systeme Vergleiche durch, wie auch die BREEAM-Studie aus dem Jahr 2008 von
Saunders zeigte. Mit der Einführung des Deutschen Gütesiegels im Jahr 2008 kam
nicht nur ein neues Werkzeug hinzu, sondern es wurde nun erstmalig deutlich, dass
neben Energieeffizienz und Ökologie auch wirtschaftliche, soziale, technische und
prozessspezifische Aspekte bei Gebäuden beurteilt werden können.
Generell kommen alle Studien auf ein gemeinsames Fazit: Die Nachhaltigkeit von
Gebäuden, und somit auch die von Olympischen Wettkampfstätten, ist mit Hilfe von
Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden messbar. Ein Konsens über das „beste
System“ existiert jedoch verständlicherweise nicht, da die Vergleichbarkeit oft nicht
gegeben und auch nicht vorrangiges Ziel der Anwendung der Systeme ist. Aus Sicht
der Planer und Architekten gibt es unzählige Wege und Werkzeuge, die gewünschte
Wirkung zu erzielen und viele Arten, die erzeugte Wirkung zu messen und zu
bewerten, um sie den Investoren, Eigentümern und Gebäudenutzern darstellen zu
können (Braune et al 2007: S.7). Eine Gebäudezertifizierung sollte daher mit dem
länderspezifischen Bewertungssystem durchgeführt werden, das auf das jeweilige
Land, d.h. auf die jeweilige Kultur und politische Gegebenheiten des Standorts
abgestimmt ist, da nationale Bewertungswerkzeuge in anderen Ländern nur bedingt
funktionieren. Dies verdeutlicht auch die Aussage der Studie von Saunders: „it is
reasonable to assume from these results that none of the schemes travel well if used in
countries other than those which the system was initially designed to work in
(Saunders, T. 2008: S.42).
Doch ist das wirklich so? Um diese Aussage und die Messbarkeit der Nachhaltigkeit
von Olympischen Wettkampfbauten nachzuweisen, ist es erforderlich den Aufbau, die
Struktur und die Inhalte von bereits bei Olympischen Spielen angewandten Methoden
(siehe Kapitel 5.1 und 5.2) zu analysieren. Im Folgenden werden daher international
bereits etablierte Methoden, wie das amerikanische System LEED und das britische
Label BREEAM mit Bewertungsmethoden, die bei Olympischen Spielen eingesetzt
wurden (z.B. Vancouver 2010: LEED Canada), die speziell für die Großveranstaltung
entwickelt wurden (z.B.Beijing 2008: GOBAS) oder sich aus diesen gebildet haben
(z.B. Sydney 2000: Green Star), miteinander verglichen. Die Analyse bezieht sich
jedoch vorrangig auf LEED U.S., LEED Canada, BREEAM, Green Star und das DGNB
Gütesiegel, da Informationen zur chinesischen Methode GOBAS auf Englisch nich
verfügbar sind.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
264
5.3.1. Bausteine von Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden von
Olympischen Sportbauten
Bei allen Zertifizierungsmethoden steht am Anfang der Bewertung das Ziel: Umsetzung
eines nachhaltigen Gebäudes bei gleichzeitiger Erreichung einer bestimmten
Qualitätsstufe, wie „Zertifiziert, Silber, Gold, Platin“ (LEED), „Bronze, Silber oder Gold“
(DGNB) oder „1 Star, 2 Stars, 3 Stars“ (Green Star). Das Ende des
Bewertungsdurchlaufs stellt das Ergebnis dar, d.h. das tatsächlich erreichte Ziel bzw.
die Bewertungsstufe. Dieser Vorgang ist bei allen Systemen gleich, der Weg
dazwischen folgt jedoch stets eigenen Rechenregeln. Dennoch bestehen alle Systeme
aus ähnlichen Bausteinen (siehe auch Abbildung 74 und 75).
Abbildung 74: Aufbau von Systemen zur Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität
(eigene Darstellung)
Regionale und nationale Ziele bilden die Grundlage und somit die erste Ebene solcher
Methoden (siehe Abbildung 74 und 75). Die Ziele beruhen auf sozialen Werthaltungen,
die beispielsweise in politischen Programmen oder gesellschaftlichen Strömungen zum
Ausdruck kommen oder wie bei Olympischen Baumaßnahmen auf den Grundzügen
der Olympischen Bewegung. Für ein Gütesiegel für Olympische Wettkampfstätten
müssen daher in dieser Ebene zusätzliche olympiarelevante Schutzziele
hinzukommen.
Des Weiteren geben Bewertungsmethoden neben den Hauptschutzzielen auch
konkrete Zielformulierungen für jedes Bewertungskriterium vor, d.h. für jedes Kriterium
wird ein Ziel definiert, das die erwünschte Ausprägung dieser Eigenschaft vorgibt.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
265
Zielformulierungen sind somit gleichzeitig Planungsziele, die erreicht werden müssen,
wenn Gebäude bewertet werden (siehe Abbildung 75) (Österreichisches Ökologie-
Institut 2002: S.9).
Bausteine von Bewertungsmethoden
Ziele Definition: angestrebter Bewertungszustand, den es zu erreichen gilt
Beispiel: Erhalt von Werten, Schutz der Umwelt
Qualitäten, Kategorien, Aspekte Definition: Summe bzw. Oberbegriff der Kriterien, die für die Bewertung
verwendet werden
Beispiel: ökologische Qualität, funktionale Aspekte
Kriterien Definition: Eigenschaften des Gebäudes, die einer Bewertung unterzogen
werden
Beispiel: Heizenergieverbrauch, Materialmenge, Betriebskosten
Indikatoren Definition: Beschreibung des Status quo, Wiedergabe des
Zielerreichungsgrad
Quantitative Indikatoren: durch Zahlen und Einheiten
Beispiel: kWh/m2a, Trinkwasserverbrauch m3/m2a
Qualitative Indikatoren: beschreibend
Beispiel: Erhaltung der Biodiversität des Baugrundstücks
Gewichtung Definition: Bedeutung der einzelnen Kategorien im Verhältnis zueinander
Beispiel: in %, Punkten etc.
Bedeutungsfaktor
Definition: Bedeutung der einzelnen Kategorien und Kriterien im Verhältnis
zueinander
Beispiel: durch Faktoren, wie 1,2,3
Bewertungsverfahren Definition: Umsetzung der Informationen/ Kriterien in eine vergleichbare
Einheit
Beispiel: Note, Punktzahl
Abbildung 75: Bausteine von Bewertungsmethoden
(eigene Darstellung)
Die zweite Ebene des Bewertungsrahmens, d.h. die zu bewertenden Kategorien, wird
durch die Ziele vorgegeben. Im Falle der Bewertung von Olympischen
Wettkampfstätten werden folglich die olympischen Schutzziele im Rahmen dieser
zweiten Ebene in eigene Bewertungskategorien umgewandelt. Diese Kategorien, auch
oft Qualitäten oder Aspekte genannt, teilen die Ziele in Kategorien ein und bilden die
Summe der Kriterien, die für die Bewertung verwendet werden (Österreichisches
Ökologie-Institut 2002: S.9). Systeme, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, wie
das Deutsche Gütesiegel oder das SBTool, bedienen sich innerhalb dieser zweiten
Ebene meist einer weiteren Stufe (siehe Abbildung 74 und 75).
Bei Bewertungsmethoden, die vorrangig nur die ökologischen Komponenten eines
Gebäudes bewerten, wie LEED, BREEAM und Green Star, entfällt eine solche
Einteilung in Unterebenen. Hier werden die Schutzziele gleich in Bewertungskategorien
umgesetzt (siehe Abbildung 75).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
266
Abbildung 76: Bewertungsebenen von DGNB und LEED am Beispiel des Kriteriums
„Thermischer Komfort"
(eigene Darstellung)
Die Kategorien werden wiederum in eine dritte Ebene übersetzt, in sogenannte
Kriterien. Zu nennen sind hier Kriterien, wie z.B. „Thermischer Komfort“ bei LEED oder
„Thermischer Komfort im Sommer und Winter“ bei DGNB (siehe Abbildung 76). Der
Kriterienrahmen, d.h. die Summe der Kriterien, die für die Bewertung verwendet
werden, stellt den zentralen Bestandteil eines Bewertungssystems dar.
Ein Kriterium bezeichnet eine bestimmte Eigenschaft eines Gebäudes, die bewertet
werden soll. Gesellschaftliche Werterhaltungen sind ausschlaggebend dafür, welche
Kriterien zur Bewertung herangezogen werden. Diese Werterhaltungen bestimmen,
welche Eigenschaften eines Gebäudes wichtig sind bzw. den Wert eines Gebäudes
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
267
ausmachen (Österreichisches Ökologie-Institut 2002: S.8). Zur Bewertung von
Olympischen Sportbauten ist es daher notwendig spezielle Kriterien für Olympische
Spiele und deren Sportstättenbau vorzugeben.
Die Ebene der Kriterien lässt sich wiederum in einzelne Indikatoren aufteilen, mit
denen qualitativ (beschreibend), oder quantitativ (durch Zahlen) die eigentliche
Bewertung durchgeführt wird, nämlich die vierte Ebene (siehe Abbildung 75). Die
Ebene der Indikatoren gibt die eigentlichen Rechenregeln einer Bewertungsmethode
vor und ist bei allen Systemen sehr unterschiedlich. Folglich liegt der größte
Unterschied der Bewertungssysteme in der Ebene der Indikatoren. Im Falle der
Beurteilung der Olympischen Wettkampfstätten ist diese Ebene von besonderer
Bedeutung, da hier die eigentlichen Rechen- und Bewertungsregeln, d.h. Indikatoren
für den Olympischen Sportstättenbau festgelegt werden müssen.
Indikatoren werden in Relation zu einem Ziel gesetzt und beschreiben den Status quo.
Bei quantitativen (messbaren) Zielen werden die Zahlenangaben mittels Messungen
oder Berechnungen ermittelt. Bei qualitativen Zielen sind die Zielerfüllung bzw. die
Annäherung an das Ziel meist beschreibend dargestellt. Die Festlegung der
Indikatoren, ebenso wie die anzuwendenden Nachweisverfahren, erfolgen meist auf
Basis internationaler bzw. nationaler Normen und den Regeln der Technik
(Österreichisches Ökologie-Institut 2002: S.10).
In der fünften Ebene werden die verschiedenen Einheiten und Kriterien im Rahmen der
Bewertung in eine vergleichbare Einheit übergeführt (siehe Abbildung 74 und 75)
(Österreichisches Ökologie-Institut 2002: S.11). Innerhalb von Bewertungsverfahren
haben bei den meisten Bewertungsmethoden die Kategorien bzw. die einzelnen
Kriterien im Verhältnis zueinander unterschiedliche Gewichtungen, die durch einen
Bedeutungsfaktor oder ein unterschiedliches Punkteverhältnis beschrieben werden.
Die Gewichtung ist stets abhängig von den örtlichen Ausgangsbedingungen (Kultur,
Politik, Klima) und von der Art der Nutzung des zu bewertenden Gebäudes
(Bürogebäude, Wohnhaus, Sportstätte etc.). Dies ist auch bei der Beurteilung von
Olympischen Wettkampfstätten zu beachten.
Hier muß nicht nur der Typus „Sportstätte“ in die Gewichtung mit einbezogen werden,
sondern auch die Gegebenheit, dass die Sportbauten für den Olympischen Großevent
genutzt werden (Nutzung während der Spiele/ Nachnutzung) und in unterschiedlichen
Ländern stattfinden. Sowohl Gewichtungs-, als auch Bedeutungsfaktoren beruhen oft
auf einer Experteneinschätzung aufgrund von Erfahrungswerten und anhand von
Pilotprojekten. Werden zwei Kriterien als gleichbedeutend angesehen, so werden sie
als gleichwertig zusammengefasst, d.h. mit dem gleichen Bedeutungsfaktor versehen.
Wird ein Kriterium als wichtiger eingeschätzt, wird dessen Punktezahl mit einem
Bedeutungsfaktor multipliziert und somit bei der Gesamtbewertung stärker
berücksichtigt. So entsteht eine Vielzahl an unterschiedlich gewichteten Kriterien.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
268
Sydney 2000:
ESD Beijing 2008:
GOBAS Vancouver 2010:
LEED Canada London 2012:
BREEAM
1. Ebene:
Ziele Nationale und
olympische Schutzziele
Nationale und
olympische Schutzziele
Nationale Schutzziele Nationale und
olympische
Schutzziele
3 Aspekte:
Conservation of
Species
Conservation of
Resources
Pollution Control
4 Aspekte:
Planning stage
Design stage
Construction stage
Testing and
commissioning stage
- -
2. Ebene:
Qualitäten,
Kategorien,
Aspekte,
Kriterien-
gruppen
13 Kategorien
Flora and Fauna
(Ecosystems)
People (Their
environment)
Construction
Materials
Energy
Open Space
Topsoil
Water
Light
Air
Noise
Soil
Waste Management
Water
24 Kategorien
Site selection
Overall environmental
impact assessment
Transport planning
Vegetation
Energy management
Resources utilization
Water
Architectural design
Outdoor engineering
design
Materials and
resources utilization
Energy consumption
and impact to
environment
Water system
Indoor air quality
Environmental impact
Energy use and
management
Materials and
resources
Water resources
Venue safety control
Health & wellness
Outdoor environment
Indoor environment
Energy consumption
Water environment
Green management
6 Kategorien:
Sustainable Sites
Water Efficiency
Energy and
Atmosphere
Materials and
Resources
Indoor
Environmental
Quality
Innovation in Design
9 Kategorien:
Management
Health &
Wellbeing
Energy
Transport
Water
Materials
Waste
Land Use &
Ecology
Pollution
3. Ebene:
Kriterien 52 Kriterien 133 Kriterien 38 Kriterien
68 Kriterien
4. Ebene:
Indikatoren - Keine Angaben Qualitativ und
quantitativ
Qualitativ und
quantitativ
5. Ebene:
Gewichtung - Keine Angaben Mit Punkten In Prozenten
6. Ebene:
Ergebnis
Beschreibendes
Ergebnis
Keine Angaben Zertifiziert, Silber, Gold,
Platin
Bestanden, gut, sehr
gut, exzellent und
herausragend
Abbildung 77: Gliederung der bei Olympischen Spielen eingesetzten Bewertungsmethoden in
sechs Ebenen
(eigene Darstellung)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
269
Beinahe alle weltweit anerkannten Bewertungsmethoden, wie BREEAM, Green Star,
CASBEE oder DGNB basieren auf einem gewichteten Verfahren. Einzig LEED verlief
bislang nach einem gleichwertigen Punkteverfahren. Mit der Einführung der Version V3
(2009) wurde auch bei der amerikanischen Methode durch unterschiedliche
Punktzahlen eine Umweltgewichtung eingeführt. Aufgrund dieses „Environmental
Weightings“ variieren bei BREEAM die Punktzahlen der einzelnen Kriterien z.B.
zwischen 11.35 Punkten (Kategorie Energie) und 0,76 Punkten (Kategorie Transport)
(Bre Global 2008: S.90). Auch die Kriterien des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges
Bauen sind mit unterschiedlichen Bedeutungsfaktoren zwischen 0,5 und 3 versehen.
Zudem sind hier die Qualitäten in Prozenten in Verhältnis zueinander gewichtet (z.B.
Ökologische Qualität: 22,5 Prozent, Prozessqualität: 10 Prozent). Multipliziert ergeben
sich so für die einzelnen Kriterien unterschiedliche Gewichtungen im Verhältnis
zueinander (DGNB 2008: S.5ff.).
Die sechste Ebene bildet das eigentliche Bewertungsergebnis, d.h. das tatsächlich
erreichte Ziel bzw. die Bewertungsstufe (siehe Abbildung 75). Die in Ebene „fünf“
multiplizierten Kriterien ergeben einen Punkte- bzw. Prozentwert, der je nach System
einer bestimmten Bewertungsstufe zugeordnet ist. Systeme wie LEED oder DGNB
greifen hier auf die Olympische Bewertung zurück: „Zertifiziert, Silber, Gold, Platin“
(LEED) oder „Bronze, Silber oder Gold“ (DGNB). Andere Systeme wie BREEAM
(bestanden, gut, sehr gut etc.) oder Green Star (1 Star, 2 Stars etc.) zertifizieren
hingegen mit Schulnoten oder Sternen. Bei einigen Systemen können auch die
einzelnen Kategorien separat beurteilt werden, wie etwa beim Deutschen Gütesiegel in
einzelnen Qualitäten.
5.3.2. Struktur von Umwelt- und Nachhaltigkeitsgütesiegeln von
Olympischen Sportimmobilien
Umweltbewertungsmethoden gibt es schon seit Jahrzehnten. Mit der britischen
BREEAM Methode hat sich zu Beginn der 90er Jahre das umweltgerechte und
nachhaltige Bauen jedoch revolutioniert und im Bausektor mehr und mehr etabliert. Die
Zertifizierungssysteme werden meist durch sogenannte „Non-profit“-Organisationen
weiterentwickelt, wie:
BRE (Building Research Establishment): BREEAM
USGBC (U.S.Green Building Council): LEED
CaGBC (Canada Green Building Council): LEED Canada
GBCA (Green Building Council Australia): Green Star
DGNB (Deutsche Gesellschaft Nachhaltiges Bauen): DGNB
Alle Systeme starteten mit der Bewertung von Büro- und Verwaltungsbauten. Aus
diesen entwickelten sich unterschiedliche Versionen für weitere Gebäudetypologien,
wie Wohnungsbau, Schulen, Industriebauten etc. Für Sportbauten liegt bislang
international noch keine Bewertungsmethode vor. Erst durch die Forderung des
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
270
Internationalen Olympischen Komitees wurden bei Olympischen Spielen erstmalig
Zertifizierungssysteme für Olympische Sportbauten angewandt.
In den letzten Jahren stieg die Zunahme an Zertifizierungen auf internationaler Ebene
stetig an. So konnte das Marketing-orientierte System LEED Ende 2008 mehr als
20.000 für eine Bewertung registrierte Gebäude nachweisen, von denen etwa 2.150
Gebäude bislang zertifiziert wurden (Baumann, O. et al 2009: S.99). Obwohl LEED mit
seiner Anwendung in 76 Ländern das wohl weltweit verbreiteste System zur
Beurteilung der Gebäudequalität darstellt, kommt es an die 700.000 Registrierungen
und ca. 110.000 Zertifizierungen der britischen Methode BREEAM jedoch kaum heran
(BRE Global 2008: S.9). Die durchgeführten Zertifizierungen mit bestehenden
Systemen und die Einführung von neuen nationalen Systemen steigen von Jahr zu
Jahr. Diese Entwicklung ist auch bei der Bewertung der Olympischen Baumaßnahmen
zu beobachten, d.h. Nachhaltigkeitsbewertungen von Gebäuden, und somit auch die
von Olympischen Wettkampfstätten, nehmen auf internationaler Ebene an Bedeutung
zu. Vom Aufbau sind die genannten Bewertungsmethoden sehr ähnlich, dennoch
unterscheiden sich diese in ihrer Struktur und ihren Inhalten. Folgende
Unterscheidungsmerkmale lassen sich ableiten:
Ablauf des Bewertungsprozesses
Bewertungsstufen
Mindeststandards und Pflichtkriterien
Zertifizierungskosten
Inhaltliche Aspekte
Ablauf des Bewertungsprozesses:
Bewertungsmethoden wurden entwickelt, um Entwurfsziele in spezifische
Qualitätsziele zu transformieren. Diese dienen zum einen als Werkzeuge zur
Beurteilung der ökologischen, energetischen und ganzheitlichen Gebäudequalität
(„Overall Design“). Zum anderen können Planer mit diesen Instrumenten
Entwurfsentscheidungen treffen, von der Formfindung über die technische
Gebäudeausrüstung bis hin zur Materialauswahl. Speziell während den frühen Phasen
des Entwurfprozesses ist es wichtig alle möglichen Entwurfsoptionen zu
berücksichtigen und Auswirkungen des Designs auf den gesamten Lebenszyklus eines
Gebäudes zu berücksichtigen (Australian Government 2005: S.21). Nach Hegger sind
daher die Zeitfenster der Vorplanung und der Planung die wichtigsten Planungsphasen
für die Umsetzung von nachhaltigen Bauwerken (Hegger et al 2007: S.192). Dies wird
auch im „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung bestätigt (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001: S.2).
Im Rahmen der Projektentwicklung, des Vorentwurfs und des Entwurfs steckt folglich
das höchste Optimierungspotential für eine nachhaltige Bauweise. Hier hat das
Projektteam den größten Handlungsspielraum bezüglich der Umsetzung eines
nachhaltigen Gebäudes bei gleichzeitig geringsten Auswirkungen auf das
Gesamtgebäude (siehe Abbildung 78). Das hier dargestellte Diagramm wurde von der
Beeinflussbarkeit der Baukosten in der Planungs-, Bau- und Nutzungsphase abgeleitet.
Hier heißt es: „die Einwirkungsmöglichkeiten auf die Kosten einer Maßnahme sind zu
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
271
Beginn der Planung am größten“ (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001:
S. 2). Folglich gilt dies gilt auch für die Nachhaltigkeit eines Gebäudes.
Abbildung 78: Lebenszyklus und Zertifizierungsprozess
(eigene Darstellung)
Diese Aussage berücksichtigen die Bewertungssysteme mit unterschiedlichen
Werkzeugen. Bei der BREEAM Methode können mit Hilfe eines Interim BREEAM
Certificate (Zwischenzertifikats) Planungsziele bereits in der Entwurfsphase festgelegt
und bewertet werden. Diese Vorgehensweise ist jedoch nicht zwingend
vorgeschrieben. Die Einhaltung dieser Ziele bzw. die eigentliche Zertifizierung wird mit
der Bewertung nach Fertigstellung des Gebäudes mit dem Final BREEAM Certificate
durchgeführt. Bei LEED werden die Planungsziele in Form einer Checkliste festlegt,
eine Vorzertifizierung ist in diesem System bislang nur in der Variante „Core&Shell“
möglich. Die Zertifizierung wird ebenso wie bei BREEAM nach Vollendung bzw.
Inbetriebnahme der Baumaßnahme vorgenommen. Auch das DGNB Gütesiegel setzt
mit einer freiwilligen Vorzertifizierung in der Vorplanungs- bzw. Entwurfsphase
Planungsziele fest, die nach Fertigstellung mit der Hauptzertifizierung überprüft
werden.
Bei heute eingesetzten Zertifizierungssystemen sind folglich zwei Varianten möglich:
Nach Projektfertigstellung: Zertifizierung
reine Zertifizierung nach Fertigstellung bzw. Inbetriebnahme, Dokumentation der
erforderlichen Nachweise
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
272
Von Projektbeginn bis nach Projektfertigstellung: Vorzertifikat und
Hauptzertifikat
Beratung des Bauherrn und der Fachplaner während des gesamten
Planungsprozess im Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte:
Festlegung von Planungszielen (Vorzertifikat)
Monitoring und Überwachung der Einhaltung der Planungsziele während der
Konstruktion
Überprüfung der durchgeführten Nachhaltigkeitsaspekte nach Fertigstellung
(Zertifikat)
Sogenannte Nachzertifizierungen, d.h. die Überprüfung der Inhalte des Hauptzertifikats
nach mehreren Jahren nach Inbetriebnahme des Gebäudes (z.B. drei bis fünf Jahre),
werden bislang noch nicht gefordert. Nach Meinung des Autors ist eine Überprüfung
des vergebenen Gütesiegels während des Betriebs des Gebäudes von großer
Wichtigkeit. Denn verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte eines Gebäudes lassen sich
zwar in der Planungsphase mit einer Absichtserklärung abschätzen, können aber erst
mehrere Jahre nach Inbetriebnahme tatsächlich bewertet werden (z.B. Wartung,
Technische Gebäudeausrüstung, Monitoring etc.). Die Methoden BREEAM, LEED oder
DGNB verfolgen einen ähnlichen Ansatz mit den Versionen „LEED Existing Building
(EB)“, BREEAM Management and operation (MO) (MO BREEAM Certificate) oder
DGNB Bestandsbauten. Diese Varianten stellen aber mehr eine Bewertung der
Bestandsbauten und deren Betriebsabläufe dar, als eine eigentliche Nachzertifizierung.
Speziell LEED fordert bei LEED EB eine sich wiederholende Nachzertifizierung
mindestens alle fünf Jahre. Der ideale Zertifizierungsablauf gliedert sich folglich in drei
Abschnitte (siehe Abbildung 79):
Vorzertifizierung
Zertifizierung
Nachzertifizierung
Im Hinblick auf die Umsetzung von nachhaltigen Olympischen Sportstätten und deren
Bewertung wäre ein ähnlicher Bewertungsablauf erforderlich:
Vorzertifizierung: in der Planungsphase, d.h. bei der Bewerbung bzw. nach Erhalt
der Zusage
Zertifizierung: nach Fertigstellung, d.h. vor den Olympischen Spielen
Nachzertifizierung: Nachnutzung, d.h. drei bis fünf Jahre nach den Spielen
Abbildung 79: Ablauf des „idealen“ Zertifizierungsprozesses
(eigene Darstellung)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
273
Die Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten und deren Bewertung muß folglich in der
Phase der Olympiabewerbung starten. Eine Vorzertifizierung der Olympischen
Wettkampfbauten im Rahmen der Bewerbung oder in den ersten Planungsphasen
nach Zusage der Spiele bzw. ein Nachzertifizierung der Nachnutzung ist jedoch nicht
bekannt. Bislang wurde ein anderes Vorgehen gewählt. Bereits während der
Bewerbung geben die Bewerbungskomitees sogenannte Mindestbewertungsstufen
vor, nach denen die Olympischen Wettkampfstätten errichtet werden sollen, z.B.
Forderung eines LEED „Silber“ Standards bei den Spielen von Vancouver 2010 oder
eines BREEAM „EXCELLENT“ Zertifikats bei der Olympischen Großveranstaltung von
London 2012.
Obwohl mit BREEAM eine Vorzertifizierung, d.h. die Festlegung von Planungszielen
bereits in der Bewerbungsphase bzw. nach Beginn der Zusage für die Spiele, mit dem
Interim BREEAM Certificate durchführen hätte können, wird diese Vorgehensweise bei
den Olympischen Wettkampfstätten der Spiele von London 2012 jedoch bislang nicht
angewandt. Zum einen ist das Vorzertifikat im Rahmen einer BREEAM Zertifizierung
nicht zwingend erforderlich, zum anderen befindet sich die Version für Olympische
Sportbauten noch in Entwicklung.
Bewertungsstufen:
Bewertungs- und Zertifizierungssystemen liegen verschiedene Rechenregeln und
Bewertungsverfahren zugrunde. Am Ende der Bewertung steht jedoch bei allen ein
Ergebnis. Für das Resultat bedienen sich die einzelnen Methoden unterschiedlicher
Verfahren. Die amerikanische Methode LEED, das Tochtersystem LEED Canada und
das Deutsche Gütesiegel bewerten mit Olympischen Werten, wie „Bronze, Silber und
Gold“. LEED geht jedoch noch eine Bewertungsstufe weiter und zertifiziert zusätzlich
mit „Platin“. Andere Systeme wie BREEAM oder Green Star beurteilen mit Schulnoten
oder Sternen. Da bei zahlreichen Bewertungssystemen auf die Olympischen Medaillen
„Gold, Silber und Bronze“ zurückgegriffen wird, wäre eine solche Bewertung auch für
den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau denkbar.
Die Ergebnisermittlung, d.h. die Einordnung in Bewertungsstufen, erfolgt durch
Prozent- oder Punktangaben (z.B. LEED: Punkte; BREEAM Prozente) in Abhängigkeit
von einem Gesamterfüllungsgrad. Die einzelnen Bewertungsstufen sind in Abbildung
80 detailliert aufgeführt. Der unterste Level (z.B. LEED „Certified“, BREEAM „Pass“,
Green Star „4 Star“ oder DGNB „Bronze“) steht jeweils für den auf nationaler Ebene
derzeit möglichen Baustandard (Stand der Technik). Die Angaben des australischen
Systems Green Stars verdeutlichen diese Aussage (Green Building Council Australia
2009):
4 Star Green Star Certified Rating: Best Practice Australia
5 Star Green Star Certified Rating: Australian Excellence
6 Star Green Star Certified Rating: World Leadership
Folgendes Fazit lässt sich aus dem Vergleich der Bewertungsstufen ziehen: anhand
der Bewertungsstufen lässt sich eine erste Einordnung der Baustandards bzw. des
Bauniveaus der jeweiligen Nationen vornehmen. Aufgrund der unterschiedlichen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
274
Bewertungsstufen und Abhängigkeiten vom Gesamterfüllungsgrad lassen sich die
einzelnen Ergebnisse der Bewertungsmethoden jedoch kaum miteinander vergleichen,
da unterschiedliche Baustandards in Relation zueinander gesehen werden. So
entspricht die Bewertung BREEAM Offices „Sehr gut“ (ab 50 Prozent) prozentual etwa
der Beurteilung von LEED U.S. „Silber“ (ab 55 Prozent), LEED Canada „Platin“ (ab 52
Prozent) oder DGNB Bronze (ab 50 Prozent), d.h. etwa dem deutschen Baustandard
(siehe Abbildung 80).
Abbildung 80: Vergleich der Bewertungsstufen von internationalen Zertifizierungssystemen
(eigene Darstellung)
Die Auswertung verdeutlicht, dass bei den einzelnen Ländern, und somit auch bei den
Olympischen Austragungsorten unterschiedliche Baustandard-Niveaus vorherrschen.
Während man mit dem Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen erst ab einem
Erfüllungsgrad von 50 Prozent, d.h. „deutscher Baustandard plus etwas besser“, eine
Zertifizierung in Bronze erhält, erlangt man mit der amerikanischen LEED-Methode
bereits schon eine Silber-Plakette (ab 50 Prozent), bei LEED Canada sogar schon
beinahe einem Platin-Wert (ab 52 Prozent). Betrachtet man nun die Forderung des
Olympischen Organisationskomitees von Vancouver, alle Wettkampfstätten mit der
Bewertungsstufe LEED Canada „Silber“ (ab 33 Prozent) zu zertifizieren, so entspricht
diese Bewertung noch nicht einmal dem derzeitigen deutschen Baustandard für
nachhaltiges Bauen (ab 50 Prozent) und man liegt weit unter den Mindeststandards
anderer Bewertungssysteme bzw. Baustandards anderer Nationen. Bei der Bewertung
der Londoner Wettkampfstätten wurde ein weitaus höheres Maß mit der Wertung
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
275
BREEAM „Exzellent“ (ab 70 Prozent) angesetzt, was etwa LEED Gold (ab 60 Prozent)
oder DGNB Silber (ab 65 Prozent) entspricht (siehe Abbildung 80).
Diese Zusammenfassung macht folgende Aussage deutlich: um zukünftig einen
ähnlichen Baustandard bzw. eine Messbarkeit und Vergleichbarkeit der Bewertung von
Olympischen Wettkampfstätten zu gewährleisten, ist es unbedingt erforderlich ein
einheitliches Bewertungsstufenmodell für zukünftige Austragungsorte zu entwickeln.
Nachhaltigkeit von Olmypischen Bauten heißt folglich: Festlegung und Vorgabe von
Mindeststandards für den Olympischen Sportstättenbau und dies z.B. mit Olympischen
Werten, wie Bronze, Silber, Gold.
Mindeststandards und Pflichtkriterien:
Bewertungsmethoden basieren auf nationalen Normen, politischen Vorschriften und
kulturellen Gegebenheiten, d.h. wurden für einen speziellen „Bewertungsort“
entwickelt. Um die Qualität von Zertifizierungen zu steigern, haben alle Systeme
verpflichtende Mindeststandards bzw. Pflichtkriterien entwickelt, die speziell auf die
Herkunftsländer abgestimmt sind und im Rahmen einer Bewertung verpflichtend
eingehalten werden müssen. Die heutigen Zertifizierungsmethoden lösen diese
Anforderung durch unterschiedliche Vorgehensweisen:
LEED U.S.: Prerequisites
LEED Canada: Prerequisites
BREEAM: Minimum BREEAM Standards
Green Star: Conditional Requirement
DGNB: Mindestqualitäten
Bei LEED U.S. liegen bei allen fünf Hauptkategorien vorgeschriebene
Mindeststandards („Prerequisites“) vor. Schwerpunkte stellen vor allem die Aspekte
„Energie und Atmosphäre“ und „Innenraumqualität“ dar. Insbesondere der
verpflichtende Einsatz eines „Commissioning - Expert“, d.h. eines Experten für die
Inbetriebnahme, der die LEED-Vorgaben während des gesamten Projektzeitraums
(Planung, Installation und Überprüfung zehn Monate nach Inbetriebnahme) umsetzt,
die Einhaltung des ASHRAE Standards 90.1 (Energieeffizienz für Gebäude) und des
ASHRAE Standards 62.1 (Anforderung an Ausführung der Lüftungsanlagen und
Luftverteilung) stellen die wichtigsten Vorgaben des U.S. Green Building Council dar
(U.S. Green Building Council 2008: S.9ff.). Bei LEED Canada spielen ähnliche
verpflichtende Vorgaben („Prerequisites“) wie bei LEED U.S. eine wichtige Rolle, wie
z.B. die Kategorien „Energie und Atmosphäre“ und „Innenraumqualität“. Auch wird bei
der kanadischen Tochterversion ein „Commissioning - Expert (Cx)“ und die Umsetzung
der ASHRAE Standards 90.1 und 62.1 gefordert (Canada Green Building Council
2008: S.34ff.). Bei der britischen Methode BREEAM wird ein anderer Weg gewählt. Um
eine gewisse Bewertungsstufe zu erreichen, müssen für jede Stufe eine bestimmte
Punktzahl an vorgegebenen Mindeststandards erfüllt werden. Während bei der Stufe
Pass“ („Bestanden“) maximal drei verpflichtende Kriterien zu erfüllen sind, wie
„Commisioning“ (Inbetriebnahme), „High frequency lighting“ (Hochfrequenzbelichtung)
und „Microbial contamination“ (Mikrobiologische Kontaminierung), müssen bei
Erlangung des LEED „Outstanding“ Zertifikats („Aussergewöhnlich“) ingesamt 14 der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
276
65 Kriterien bindend erfüllt werden. Den Schwerpunkt bilden die Kriterien „Reduction of
CO2 emissions“ (Reduzierung der CO2-Emissionen und Energie) und „Commissioning
(Inbetriebnahme) (BRE Global 2008: S.25). Bei der australischen Methode Green Star
werden die verpflichtenden Kriterien als „Conditional Requirement“ bezeichnet.
Allerdings werden nur zwei Mindeststandards vorgegeben. Dies sind die Bereiche
„Energy“ (Energie) und „Land use & Ecology“ (Landnutzung und Ökologie). Das
Deutsche Gütesiegel verfolgt einen anderen Ansatz. Ursprünglich waren sogenannte
„Pflichtkriterien“ geplant, diese umfassten etwa dreiviertel aller Kriterien. Der Einsatz
bei der Pilotzertifizierung gestaltete sich jedoch als schwierig, so dass man von dieser
Variante abwich. Bedingt durch die hohe Anzahl an verpflichtenden Kriterien und
nationale Uneinigkeiten, einigte man sich auf folgenden Ansatz: wird ein Gebäude mit
„Silber“ ausgezeichnet, müssen alle Qualitäten mindestens eine „Bronze“
Zwischenbewertung erreichen, bei einem „Gold“ Zertifikat mindestens eine „Silber“
Zwischenstufe.
Es wird deutlich dass die Systeme unterschiedliche Herangehensweisen bezüglich des
Einsatzes von Mindeststandards und Pflichtkriterien haben. Dennoch zeigt sich eine
klare Zielrichtung. Bei allen Bewertungsmethoden stellt die Kategorie „Energie“ (CO2-
Emissionen) das wichtigste Pflichtkriterium dar. Dies sollte auch bei eingesetzten
Zertifizierungsmethoden von Olympischen Wettkampfstätten berücksichtigt werden.
Auch wenn unterschiedliche Systeme angewendet werden, sollten einheitliche
Mindeststandards und Pflichtkriterien durch das IOC vorgegeben werden, die in die
bestehenden Systeme integriert werden (siehe Einbindung von sozialen Aspekten bei
der Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten von London 2012 mit BREEAM,
Kapitel 5.2.4) und die jeweils in Relation zu den Ausgangsbedingungen der
Austragungsorte stehen. Somit kann eine Umsetzung von nachhaltigen Olympischen
Sportstätten, ebenso wie deren Messbarkeit und Vergleichbarkeit gewährleistet
werden.
Zertifizierungskosten:
Nachhaltiges Bauen wird meist mit einer starken Zunahme der Baukosten verbunden,
diese Vermutung überträgt man auch auf die Umsetzung von nachhaltiger Olympischer
Sportstättenarchitektur. Beispiele der letzten Jahre zeigten jedoch, dass Nachhaltigkeit
und Gebäudezertifizierung keinesfalls mit einer immensen Steigerung der Baukosten
gleichzusetzen ist. Um dies zu belegen, wird im Folgenden dargestellt mit welchen
Kosten im Rahmen einer Gebäudezertifizierung zu rechnen ist.
Kosten, die speziell für die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden anfallen,
können in folgende Bestandteile aufteilt werden:
Registrierungs- und Zertifizierungsgebühren (Zertifizierungsstelle)
Zertifizierungskosten (Auditor)
Bauzusatzkosten (zusätzliche nachhaltige Baumaßnahmen)
Registrierungs- und Zertifizierungsgebühr:
Wird eine Gebäudebewertung durchgeführt, entrichten die Zertifizierungsstellen, wie
USGBC (LEED), BRE (BREEAM), GBCA (Green Star) oder DGNB (DGNB) für die
Kontrolle und Überprüfung der durch den Auditor eingereichten Dokumentationen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
277
Gebühren. Hier unterscheidet man zwischen Registrierungs- und Zertifizierungs-
gebühren. Registrierungsgebühr heißt in diesem Fall: reine Kosten für die Anmeldung
bei der Zertifizierungsstelle. Die Zertifizierungsgebühren entfallen hingegen auf die
Überprüfung der eingereichten Dokumentationsunterlagen und werden meist nach
Größe des Gebäudes (nach Quadratmetern) abgerechnet. Generell variieren die
Kosten für eine Zertifizierung in Abhängigkeit von der Gebäudegröße und dem jeweils
angewendeten System sehr stark. Systeme wie BREEAM oder LEED verlangen
Kosten für die Registrierung eines Gebäudes (BREEAM: 650 Britische Pfund/ 750 Euro
oder LEED: 900 US Dollar/ 700 Euro) (Stand 2010) (Green Building Certification
Institute 2009). Andere Systeme, wie Green Star oder DGNB, haben die Kosten der
Registrierung in die Zertifizierungsgebühren mit integriert.
Betrachtet man die Zertifizierungsgebühren, so liegen diese bei LEED zwischen 2.000
(1.550 Euro) und 22.500 US Dollar (17.450 Euro), jede Nachfrage und Nachreichung
pro Kriterium kostet zusätzlich 500 Dollar (390 Euro). Beim Deutschen Gütesiegel sind
die Zertifizierungsgebühren wesentlich höher, dennoch sind hier alle Schritte in
einmalige Gebühren für das Vorzertifikat oder das Hauptzertifikat integriert
(Registrierung, Prüfungsgebühren, Zertifizierungsgebühren, Nachfragegebühren usw.).
Bei der Vorzertifizierung entfallen je nach Gebäudegröße zwischen 2.000 und 11.000
Euro an Zertifizierungsgebühren, beim Hauptzertifikat zwischen 3.000 und 25.000 Euro
(Stand 2010) (DGNB 2009a).
Zertifizierungskosten Auditor:
Während die Zertifizierungsgebühren von den jeweiligen Zertifizierungsstellen fest
vorgegeben wurden, sind die Kosten, die für die Bewertung durch den Auditor anfallen,
sehr unterschiedlich. Hier muß unterschieden werden, ob eine reine Zertifizierung, d.h.
eine Bewertung und Gebäudedokumentation der erforderlichen Nachweise nach
Fertigstellung des Gebäudes durchgeführt wird (Hauptzertifikat), oder ob eine
Nachhaltigkeitsberatung mit anschließender Bewertung von Beginn der ersten
Planungsphasen (Vorzertifikat) bis nach Projektfertigstellung (Hauptzertifikat)
vorgenommen werden soll. Die Zertifizierungskosten berechnen sich somit nach
Zeitaufwand und Kostenrahmen des Auditors.
Des Weiteren können auch zusätzliche Kosten anfallen. Wendet man internationale
Label, wie LEED in Europa an, so müssen alle Gebäudedokumentationen in englischer
Sprache übersetzt und in britische Einheiten bzw. Größen umgewandelt werden.
Weitere Zusatzkosten, die zusätzlich zu nationalen Standardberechnungsverfahren für
die Zertifizierung durchgeführt werden müssen, sind zum Beispiel
Gebäudesimulationen nach ASHRAE (LEED), Ökobilanzierung (DGNB) oder
Lebenzykluskostenberechnung (DGNB). Diese sind jedoch abhängig vom verwendeten
Bewertungsverfahren.
Bauzusatzkosten:
Laut Bauherren und Investoren lassen sich folgende Aussagen ableiten: je früher
Nachhaltigkeitsaspekte in die Planung integriert werden, umso niedriger fallen
zusätzliche Baukosten aus. Oft ist sogar mit keinen zusätzlichen Mehrkosten zu
rechnen. Dies verdeutlicht auch die Aussage von Projektentwicklern und Fachplanern
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
278
im Rahmen der Pilotzertifizierung des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen:
„Zusatzkosten sind gering und machen maximal ein bis zwei Prozent der Baukosten
aus“ oder „bei effizienter Planung lassen sich sogar Kosten einsparen“. Dass diese
Aussage nicht für alle Baumaßnahmen zutrifft, steht außer Frage. Die Baukosten sind
von Projekt zu Projekt unterschiedlich und machen abhängig vom jeweiligen Projekt
durchschnittlich zwischen null und zehn Prozent aus, wobei Amortisationszeiten hierbei
nicht berücksichtigt sind. Zahlreiche Betrachtungen, die zum Großteil mit der
amerikanischen Methode LEED, durchgeführt wurden, belegen diese Zahlen. Im
Folgenden sind einige Aussagen und Studien aufgezeigt. Eine der ersten Studien aus
dem Jahr 2003 war eine Analyse von KEMA, einer Energieberatungsfirma aus den
USA. In dieser Studie wurden nur Neubauten des Staates Kalifornien betrachtet, wie
Schulen, Labore, Büchereien, Mehrfamilienhäuser usw. Folgende Aussage konnte
getroffen werden (Nicolow, J. 2009):
Studie 1: KEMA 2003: Managing the Cost of Green Buildings
LEED Bronze: 0,0% - 2,5%
LEED Silber: 0,0% - 3,3%
LEED Gold: 0,3% - 5,0%
LEED Platin: 4,5% - 8,5%
Während die Studie von KEMA noch die zusätzlichen Baukosten in Abhängigkeit der
Bewertungsstufen setzt, wies Langdon in seiner Studie von 2004 bereits darauf hin,
dass nachhaltiges Bauen bzw. Nachhaltigkeitsbewertungen keinen signifikanten
Einfluss auf die Baukosten bewirken, sondern andere Entscheidungen weit aus
größere Einflüsse auf die Gesamtkonstruktion hätten. Bei dieser Studie wurden 90
nicht zertifizierte Projekte mit 50 Baumaßnahmen, die mit dem LEED Gütesiegel
bewertet wurden, verglichen (Langdon, D. 2004):
Studie 2: Langdon, D. 2004: Costing Green: A Comprehensive Cost Database
and Budgeting Methodology
„no statistically significant impact, with the conclusion that other programmatic
considerations have a much larger impact on construction costs than LEED
certification“
Im Jahr 2007 wiederholte Langdon diese Studie und sagte aus, dass es mittlerweile
kaum mehr Unterschiede zwischen den Kosten von „Green Buildings“ und „Non-
Green-Buildings“ gäbe. Zum einen hätten sich Baustoffe und Umwelttechnologien
enorm verbessert, zum anderen würde auch das Umweltbewusstsein der Bevölkerung
mehr und mehr zunehmen (Langdon, D. 2007: S.60):
Studie 3: Langdon, D. 2007: The Cost of Green Revisited
“there is no significant difference in average costs for green buildings as compared
to non-green buildings”
Zusammenfassend kann ausgesagt werden, dass die Baukosten von Gebäude zu
Gebäude stark variieren und je nach Maßnahme (Nachhaltigkeit, Energieeffizienz
usw.) bis zu zehn Prozent Mehrkosten verursachen können. Für Olympische
Wettkampfbauten kann daher folgende Aussage abgeleitet werden: Baukosten stellen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
279
einen wichtigen Aspekt bei Olympischen Baumaßnahmen dar. Speziell für die
Olympischen Sportstätten werden stets hohe meist achtstellige Beträge investiert.
Innerhalb dieses enormen Budgets fallen daher andere Baumaßnahmen, wie stetige
Änderungen, ästhetische Gesichtspunkte, Bauverzögerungen usw. mehr ins Gewicht
als nachhaltige, d.h. ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Je frühzeitiger
Nachhaltigkeitsaspekte in die Olympische Planung integriert werden, desto weniger
zusätzliche Kosten fallen für eine nachhaltige Umsetzung und Zertifizierung der
Olympischen Sportstätten an. Möglichst „früh“ heißt im Falle der Olympischen
Sportbauten bereits bei der Bewerbung bzw. gleich nach Zusage für die Olympischen
Spiele.
5.3.3. Überprüfung der internationalen Einsetzbarkeit von
Bewertungsmethoden bei Olympischen Sportstätten durch eine
inhaltliche Gegenüberstellung
Generell unterscheiden sich Bewertungsmethoden nach Systemen der ersten und
zweiten Generation (siehe Abbildung 81):
Erste Generation:
Die Werkzeuge der ersten Generation beziehen sich auf den Green-Building-
Approach, d.h. auf die Bewertung von energieeffizienten und ökologischen
Aspekten eines Gebäudes. Diese Systeme bewerten meist nur eine Teilphase des
Lebenszyklus, wie Planung und Konstruktion (ggf. auch die Betriebsphase). Zudem
liegt das Augenmerk der Beurteilung auf dem Gebäude. Baumaßnahmen, wie
Bauteile und -elemente oder Siedlungs- und Stadtstrukturen werden nur zum Teil
bei der Bewertung berücksichtigt (Australian Government 2005: S.11). Vertreter
sind das nordamerikanische System LEED oder der britische Pionier BREEAM.
Zweite Generation:
Unter Instrumenten der zweiten Generation versteht man Systeme, die auf dem
Sustainable-Building-Approach aufbauen, d.h. neben ökologischen und
energieeffizienten Aspekten auch ökonomische, soziale, technische und
bauprozessbezogene Kriterien in die Gebäudezertifizierung mit integrieren und
somit einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Die Bewertung basiert auf
Umweltproduktdeklarationen (EPDs), Ökobilanzierungen (Umweltbelastungen pro
Quadratmeter und Jahr), Energiebilanzen und Lebenszykluskosten (Kosten pro
Quadratmeter und Jahr) und berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus eines
Gebäudes, d.h. von der Planung über die Konstruktion und den Betrieb bis hin zum
Abriss. Zudem beruht die Bewertung nicht mehr rein auf dem Gebäude, sondern
integriert mehr und mehr Strukturen, wie Bauelemente, Siedlungen, Stadtviertel
und Infrastrukturmaßnahmen in die Beurteilung. Als Bewertungssystem der zweiten
Generation können das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) und die
internationale Bewertungsmethodik SBTool benannt werden.
Alle Bewertungsmethoden sind flexible Modelle, die jeweils die neuesten Baustandards
und -technologien, ebenso wie die nationale Normung in die aktuellsten Versionen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
280
einbeziehen. So bringt BREEAM jährlich ein neues Update heraus (z.B. BREEAM
Offices Version 2007, BREEAM Offices Version 2008 etc.), LEED hingegen im zwei bis
drei Jahresrhytmus (z.B. LEED NC Version 2.2, LEED NC Version 3.0). Die Methoden
der ersten Generation, wie LEED, BREEAM oder Green Star wandeln sich deshalb im
Lauf der Zeit, d.h. Inhalte der Methoden der zweiten Generation, wie ökonomische,
soziale, technische und bauprozessbezogene Aspekte werden auch von
Bewertungsmethoden der ersten Generation in den neuen Zertifizierungsversionen
berücksichtigt.
Abbildung 81: Einteilung von Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden
(eigene Darstellung)
Diese inhaltliche Angleichung nähert sich mehr und mehr einem ganzheitlichen
Bewertungsansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes integriert.
Während LEED bislang noch nicht alle Phasen des Lebenszyklus eines Bauwerks bei
der Bewertung berücksichtigt und auch nicht Aspekte, wie Ökobilanzierung und
Lebenszykluskostenberechung mit einbezieht, baut der Bewertungsprozess des
Deutschen Gütesiegels und der von BREEAM auf dem Ökobilanzierungsgedanken auf.
BREEAM wendet hierbei einen Lebenszyklus von 60 Jahren an, die DGNB Methode
setzt 50 Jahre voraus.
Zudem ist eine Tendenz der Bewertung von Einzelbauteilen und -elementen (Türen,
Fenster, Wandsysteme usw.), Siedlungen, Stadtstrukturen und
Infrastrukturmaßnahmen bei BREEAM und LEED zu erkennen. So bringen sowohl
BREEAM, als auch LEED derzeit neue Bewertungsversionen für den Siedlungsbau
heraus und führen Pilotphasen mit LEED for Neighbourhood Development und
BREEAM Communities durch. Diese Pilotphasen finden Ihren Einsatz auch bei
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
281
Olympischen Spielen. Hierzu bildete das Olympische Dorf der Spiele von Beijing 2008
ein Pilotprojekt für LEED for Neighbourhood Development. Auch bei den Spielen von
London 2012 wird das Olympische Dorf mit der Pilotversion BREEAM Communities
bewertet.
Generell ist bei den bei Olympischen Spielen eingesetzten Bewertungsmethoden eine
Tendenz in Richtung eines ganzheitlichen Ansatzes bemerkbar. Neben nationalen
Schutzzielen und ökologischen und energieeffizienten Kriterien werden bei den
Olympischen Bewertungssystemen erste olympische und sportstättenspezifische
Aspekte in die Beurteilung der Olympischen Wettkampfbauten mit integriert (z.B.
BREEAM: Einbezug des Umweltprogramms des Londoner Organisationskomitees und
des „One-Planet-Living“-Programms des WWF) (siehe Kapitel 5.2.4). Dies ist bislang
jedoch noch nicht bei allen Systemen der Fall. Mit dem Einsatz der kanadischen
Bewertungsmethode LEED berücksichtigte man bei den Olympischen Winterspielen
von Vancouver 2012 zwar bereits existierende nationale Standards und Schutzziele,
wie ökologische und energetische Aspekte. Olympische und sportstättenspezifische
Indikatoren wurden jedoch in die Bewertung nicht einbezogen. Zusammenfassend
kann ausgesagt werden, dass speziell bei der Nachhaltigkeitsbewertung von
Sportstätten, insbesondere bei den Olympischen Wettkampfstätten, noch großer
Handlungsbedarf vorliegt. Ökologische und energieeffiziente Aspekte werden zwar
bereits berücksichtigt, ökonomische, soziale, technische und bauprozessbezogene
Kriterien jedoch nur teilweise in die Beurteilung mit einbezogen. Detailliert wird dies im
Folgenden mit dem Vergleich der Bewertungsmethoden betrachtet.
Im Rahmen einer Gegenüberstellung wurden Studien und Vergleiche, die in den
letzten Jahren durchgeführt wurden, mit berücksichtigt. Diese beziehen sich jedoch
vorrangig auf Systeme der ersten Generation, d.h. auf LEED, BREEAM oder Green
Star. Eine Hauptaussage dieser Studien ist, dass im Rahmen der
Nachhaltigkeitsbewertung zahlreiche Kriterien vorhanden sind. Diese sind wiederum
aus spezifischen Indikatoren aufgebaut, um die Nachhaltigkeit von Regionen, Städten,
Siedlungen, Gebäuden oder Bauteilen in Teilaspekten (z.B. Ökologie oder Ökonomie)
oder ganzheitlich zu bewerten (siehe Internetseite von CRISP- Europäisches Netzwerk
für Nachhaltigkeitsindikatoren) (CRISP 2009). Welche Indikatoren, Kriterien bzw.
Kategorien zur Bewertung von nachhaltigen Gebäuden herangezogen werden müssen,
stellt jedoch schon seit Jahrzehnten eine schwierige Debatte, d.h. „hot issue of
debates“, dar (Australian Government 2005; Kloppfer 2002; Bare et al 2000; Udo de
Haes et al 1999). Auch wenn die jeweiligen Indikatoren und Kriterien unterschiedlich
sind, zeigte sich bei den Vergleichen der Gütesiegel, dass stets ähnliche Kategorien
aufgeführt und bewertet werden, die Anzahl der Kategorien in Abhängigkeit von den
jeweiligen Methoden jedoch sehr stark variieren.
So berief sich das Sustainability Advisory Council des Staates New South Wales bei
der Einführung der australischen Bewertungsmethode Green Star auf zehn
Bewertungskategorien (Sustainability Advisory Council 2002). Zu nennen sind hier:
Soziale Aspekte („Social”), Transport („Transport”), Wasser („Water”),
Wasserverbrauch („Alteration water”), Regenwasser („Stormwater”), Energie
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
282
(„Energy”), Energieverbrauch („Alteration energy”), Müll („Waste”),
Innenraumluftqualität („Indoor air quality”) und Materialien („Materials”). Im Rahmen der
Studie „Green Building Rating Systems, An Overview“ aus dem Jahr 2004 kommt
Krishan bei seinem Vergleich der Gütesiegel der ersten Generation hingegen nur auf
fünf Kategorien (Krishan, G. 2004: S.57): Standort („Site“), Wasser („Water“), Energie
(„Energy“), Materialien (Materials“) und Innenraumqualität („Indoor Environment“). Die
Studie „Technical Evaluation of Environmental Assessment Rating Tools“ der
Australischen Regierung aus dem Jahr 2005 ergänzte im Rahmen des Vergleichs der
Methoden LEED, BREEAM und Green Star diese fünf Kategorien um die Aspekte
Umweltbelastungen („Environmental loadings“), Biodiversität („Biodiversity“) und
Transport („Transport“) (Australian Government 2005: S.21).
In Europa hingegen legte man zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von Gebäuden schon
frühzeitig einen ganzheitlichen Ansatz mit vierzehn Prinzipien fest (Mesureur 2002,
Deroubaix 2002). Diese Kategorien decken sich mit der Aussage von Cole aus dem
Jahr 1999: „im Rahmen der Nachhaltigkeitsbewertung seien neben ökonomischen
Aspekten auch soziale und ökonomische Kriterien wichtig“ (Cole, R.J. 1999a). Die
Aussage spiegelt sich mit den Inhalten des SBTools wider, das bislang die
umfangreichste Gegenüberstellung der Gütesiegel auf internationaler Ebene darstellt.
Aus dem ehemaligen GBTool der International Initiative for a Sustainable Built
Environment (iiSBE), einem internationalen Rahmenwerkzeug zur Entwicklung von
nationalen und regionalen Methoden zur Bewertung der ökologischen und
energetischen Gebäudequalität, etablierte sich mit dem SBTool im Jahr 2006 ein
ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz zur Beurteilung (Larsson 2007: S.3) (siehe
Abbildung 82).
Abbildung 82: Vom GBTool zum SBTool
(Quelle: Larsson 2007a: S.3)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
283
Die internationale Initiative iiSBE verfolgt das Ziel ein Bewertungssystem für Gebäude
zu entwickeln, das in jeder Region und in jedem Land angewendet werden kann, d.h.
das alle bewertungsrelevanten Kriterien reflektiert (Klima, Kultur, Gesetze etc.) und
dennoch stets vergleichbar bleibt (Cole, R. J. et N. Larsson 2002). Dieser freiwillige
Ansatz konnte sich jedoch bislang nicht durchsetzen, dennoch bauen verschiedene
Nationen, wie Spanien mit VERDE oder Italien mit dem Gütesiegel PROTOCOLLO
ITACA auf diesem Kriterienkatalog auf. Folgende Themen lagen der Bewertung des
„Green-Building“-Ansatzes zugrunde (Larsson 2007a: S.3) (siehe auch Abbildung 82):
Energieverbrauch von nicht erneuerbaren Energien („Fuel consumption of non-
renewable fuels“)
Wasserverbrauch („Water consumption“)
Flächenverbrauch („Land consumption“)
Materialverbrauch („Materials consumption“)
Treibhausgasemissionen („Greenhouse gas emissions“)
Sonstige atmosphärische Emissionen („Other atmospheric emissions“)
Einflüsse auf die Ökologie des Standorts(„Impacts on site ecology“)
Festmüll/ flüssige Abfallstoffe („Solid waste/ liquid effluents“)
Innenraumluftqualität, Licht, Akustik („Indoor air quality, lighting, acoustics“)
Langlebigkeit, Anpassbarkeit, Flexibilität („Longevity, adaptability, flexibility“)
Betrieb und Erhaltung („Operations and maintenance”)
Dieses System wurde nun im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung mit sozialen,
ökonomischen, kulturellen und wahrnehmungsrelevanten Kriterien erweitert:
Soziale und ökonomische Aspekte („Social and economic considerations”)
Städtebau/ Planungsthemen („Urban/ planning issues”)
Um einen einheitlichen und vergleichbaren Standard bemüht man sich auch im
Rahmen der internationalen Normung. Dies beschreibt der Entwurf der deutschen
Fassung der Norm prEN 15643-1:2009 des Technischen Komitees CEN/TC 350 wie
folgt: „Der Zweck dieser EN ist, Rahmenbedingungen in Form von Grundsätzen,
Anforderungen und Leitlinien für die Beschreibung der Nachhaltigkeit von Bauwerken
zu schaffen. Der Zweck der Normenserie in diesem Rahmenwerk ist es,
Vergleichbarkeit der Beschreibungen zu ermöglichen“ (CEN/TC 320 2009: S.5).
Die internationale Norm ISO/TC 59/SC 17: Sustainability in Building Construction und
der europäische Standard CEN/TC 350: Sustainability of construction works -
Framework for assessment of buildings sind derzeit noch in Entwicklung, dennoch gibt
speziell die europäische Normung eine einheitliche Kategorienstruktur vor
(International Organization for Standardization 2008). Hierbei werden die drei
Hauptkriterien, d.h. die umweltbezogene, soziale und ökonomische Qualität, als die
eigentlichen drei Hauptsäulen aufgeführt (European Committee for Standardization
2008). Die technischen und funktionalen Nachhaltigkeitsaspekte werden als
Querschnittsqualitäten mit einer Wechselbeziehung zu den drei Hauptsäulen
dargestellt (siehe Abbildung 83) (CEN/TC 350 2009: S.5). Diese Struktur wurde bereits
bei der Entwicklung des Deutschen Gütesiegels berücksichtigt. Auch LEED und
BREEAM binden diese vorgegebene Struktur bei neuen Versionen mehr und mehr ein,
d.h. neben ökologischen und energieeffizienten Aspekten werden die „Green-Building“-
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
284
Gütesiegel zukünftig soziale, ökonomische, technische und funktionale Aspekte mit
einbeziehen.
Abbildung 83: Bereiche des nachhaltigen Bauens, die durch die Konzeption des Technischen
Komitees CEN/TC 350 zur Beschreibung der Nachhaltigkeit auf europäischer
Ebene standardisiert werden sollen (Entwurf DIN EN 15643-1)
(Quelle: Technisches Komitee CEN/TC 350 2009: S.5)
Um gezielt nachweisen zu können, ob die Bewertungssysteme, die bei Olympischen
Spielen angewendet wurden, vergleichbar sind, welcher Bewertungsansatz bzw.
welche Kategorien bei den einzelnen Systemen eingesetzt werden und auf welchen
Aspekten der Schwerpunkt der jeweiligen Gütesiegel liegt, soll die folgende
Gegenüberstellung der Bewertungssysteme LEED, BREEAM und DGNB zeigen. Die
drei Methoden wurden gewählt, da zum einen LEED und BREEAM die derzeit weltweit
verbreitesten und international anerkanntesten Methoden darstellen und bereits bei
Olympischen Wettkampfbauten zum Einsatz kamen. Die DGNB Methode hingegen
bildet ein Gütesiegel der zweiten Generation, d.h. einen ganzheitlichen Ansatz und
wird zudem bei der Bewerbung der Olympischen Winterspiele von München 2018
angewandt. Anhand des Gütesiegels aus Deutschland soll gezeigt werden, welche
zusätzlichen Kriterien bei ganzheitlichen Bewertungsmethoden herangezogen werden
und dass bereits Methoden der zweiten Generation, d.h. auch die Bewertung von
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
285
ökologischen und sozialen Aspekten, bei der Olympischen Großveranstaltung
angewendet werden können.Die Gegenüberstellung vergleicht somit Systeme der
ersten Generation mit einer Methode der zweiten Generation. Hierbei wurde auf die
folgenden, d.h. auf die zum Zeitpunkt der Analyse aktuellsten Versionen von BREEAM,
LEED und DGNB zurückgegriffen (Stand 2009):
BREEAM Offices Version 2008 (Neubau)
LEED-NC Version 2009 (Neubau)
DGNB V 2008 Version Büro- und Verwaltungsbauten (Neubau)
Auf den Versionen „Bürobau (Offices)“ (BREEAM und DGNB) und „New-Construction“
(LEED) wurde aufgebaut, da bislang noch keine Systemvarianten der einzelnen
Methoden für den Olympischen Sportstättenbau vorliegen. Bei den Spielen von
Vancouver wurde zwar LEED-NC Canada eingesetzt, dennoch ist diese
Tochterversion im Vergleich zur amerikanischen LEED Version noch nicht vollständig
ausgearbeitet (siehe Kapitel 5.1.3.2 und 5.2.3).
Daher wird im Rahmen des Vergleichs auf die amerikanische Hauptversion von LEED
zurückgegriffen. Die hier genannten Versionen stellen zudem bei allen Gütesiegeln die
jeweils ersten Systemvarianten dar und weisen die bislang umfangreichsten und weit
entwickelsten Kriterienkataloge der einzelnen Methoden auf. Der Vergleich der
Gütesiegel BREEAM, LEED und DGNB wurde in zwei Schritten durchgeführt. Den
ersten Ansatz bildete die Gegenüberstellung der Systeme auf Basis der Kategorien
(siehe Abbildung 84).
Abbildung 84: Vergleich von BREEAM V 2008, LEED V 2009 und DGNB V 2008 auf Basis der
Kategorien
(eigene Darstellung)
BREEAM
Energie
Wasser
Materialien
Verschmutzung
Müll
Ökologische
Aspekte
Ökonomische
Aspekte
Soziale
Aspekte
Sonstige
Aspekte
Lebenszykluskosten
Wertentwicklun
g
Gesundheit, Behaglich-
keit und Nutzerzu-
friedenheit
Funktionalität
Gestalterische Qualität
Komfort und
Raumqualität
Innovationen
Regionale Aspekte
Gesundheit und
Wohlbefinden
Innovationspunkt
Technische Qualität
Qualität der Planung
Qualität der Konstruktion
Qualität des Betriebs
Standortqualität
Management
Land und Ökologie
Transport
Nachhaltiger Standort
DGNB
Wirkungen auf globale
und lokale Umwelt
Ressourceninanspruch-
nahme und Abfallauf-
kommen
LEED
Energie und Atmosphäre
Wassereffizienz
Materialien und
Ressourcen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
286
Die Gegenüberstellung auf Kategorienbasis zeigte sehr schnell, dass nicht bei allen
Methoden ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird. So erscheinen insbesondere
ökonomische, technische und funktionale Aspekte nur beim Deutschen Gütesiegel,
d.h. bei einer Methode der zweiten Generation. Aber auch die Systeme der ersten
Generation weisen Kategorien auf, wie z.B. Regionale Aspekte“ (LEED) oder
„Innovationspunkte“ (LEED und BREEAM), die nicht bei Methoden der zweiten
Generation berücksichtigt werden. Die Gegenüberstellung von Gütesiegeln auf Basis
der Kategorien eignet sich daher nicht für einen detaillierten Vergleich. Zum einen
lassen sich Kategorien, wie z.B. „Land und Ökologie“ oder „Verschmutzung“ der
Bewertungsmethode BREEAM nicht eindeutig den Aspekten von LEED oder DGNB
zuordnen. Zum anderen beziehen sich sowohl BREEAM, LEED, als auch DGNB
inhaltlich auf spezielle nationale, politische, kulturelle und klimatische Aspekte, die eine
spezifische Gegenüberstellung auf Kriterien- und Indikatorenbasis erfordern.
Den zweiten Schritt stellte folglich eine Gegenüberstellung der Methoden auf
Grundlage der Kriterien und unter Einbezug der Indikatoren dar. Dieser Vergleich
zeigte nun, dass sich die Inhalte bzw. Kriterien der Bewertungsmethoden BREEAM,
LEED und DGNB in zehn Hauptaspekte einteilen lassen (siehe Anhang 11):
Ökologie: Umweltbelastungen, Materialien und Ressourcen, Abfall, Wasser
Ökonomie: Lebenszykluskosten, Wertstabilität
Soziale Aspekte: Sicherheit, Barrierefreiheit, regionale und kulturelle Kriterien
Energie: CO2-Emissionen, erneuerbare Energie, Energieeffizienz, Technische
Gebäudeausstattung, Gebäudehülle
Behaglichkeit und Gesundheit: Thermischer Komfort, Innenraumluftqualität,
akustischer Komfort, visueller Komfort, Einflussnahme des Nutzers
Funktionale Aspekte: Flächeneffizienz, Umnutzungsfähigkeit
Design: Architektur, Kunst am Bau, Innovation
Technische Aspekte: Brandschutz, Haltbarkeit, Reinigungsfreundlichkeit, Wetter-
und Umweltresistenz
Prozess/ Management: Planungsprozess, Baustellenabläufe, Inbetriebnahme,
Betrieb
Standort: Mikro-Standort, Verkehrsanbindung, Fahrradkomfort, Nachbarschaft,
Bauordnung, Erweiterungsmöglichkeiten, Flächenverbrauch, Biodiversität
Die hier entwickelte Einteilung der Kriterien in Kategorien stellen die Aspekte dar, mit
denen heutzutage die Nachhaltigkeit von Gebäuden beurteilt werden kann, d.h. die bei
Gütesiegeln, wie BREEAM, LEED oder DGNB bereits zum Einsatz kommen. Die
aufgeführten Nachhaltigkeitsaspekte eignen sich folglich zur ganzheitlichen Bewertung
der Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten, d.h. die Nachhaltigkeit von
Olympischen Sportstätten kann auf Basis dieser Kategorien und Kriterien bemessen
werden.
Der Vergleich auf Kriterienbasis zeigt aber, dass eine eindeutige Zuordnung der
Kriterien zueinander und Zuweisung zu den einzelnen Kategorien sehr schwierig ist.
Bei allen Systemen werden zwar „ähnliche“ Kriterien aufgeführt, dennoch weisen diese
oft unterschiedliche Inhalte bzw. Indikatoren auf (siehe Anhang 11). Ein Beispiel stellt
das Kriterium „CO2 Emissionen“ dar. Beim Deutschen Gütesiegel wird dieser Aspekt
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
287
mit Hilfe von vier Kriterien bewertet, die sowohl der Kategorie „Ökologische Qualität“
als auch der „Technischen Qualität“ zugeordnet sind. Bei BREEAM und LEED
hingegen werden die Treibhausgasemissionen mit jeweils zwei Kriterien beurteilt. Bei
BREEAM sind diese Kriterien der Kategorie „Energie“, bei LEED dem Aspekt „Energie
und Atmosphäre “ zugeordnet. Folgende Kriterien beurteilen den Aspekt „CO2
Emissionen“:
bei DGNB:
Kriterium 1: Treibhauspotenzial (Ökologische Qualität)
Kriterium 10: Primärenergiebedarf nicht erneuerbarer (Ökologische Qualität)
Kriterium 11: Primärenergiebedarf erneuerbarer (Ökologische Qualität)
bei BREEAM:
Kriterium Mat 1: Materials specification(major building elements (Materialien)
Kriterium Ene1: Reduction of CO2 emissions (Energie)
Kriterium Ene 5: Low or zero carbon technologies (Energie)
bei LEED:
Kriterium EA Prerequisite 2: Minimum energy performance (Energie und
Atmosphäre)
Kriterium EA Credit 1: Optimize energy performance (Energie und Atmosphäre)
Kriterium EA Credit 2: On site renewable energy (Energie und Atmosphäre)
Eine ähnliche Problematik weisen Kriterien auf, die einen gleichen Wortlaut haben,
jedoch unterschiedliche Inhalte, Nachhaltigkeitsziele und Bewertungsregeln abbilden,
wie etwa das Kriterium „Baustellenabfälle“. Beim Deutschen Gütesiegel wird zwar das
Kriterium „Müll“ genannt. Dieses ist bislang jedoch aufgrund von Forschungsbedarf
noch zurückgestellt. Das Aspekt des Baustellenabfalls wird derzeit beim Deutschen
Gütesiegel bei der Prozessqualität als Indikator „Abfallarme Baustelle“ beim Kriterium
48 „Baustelle/ Bauprozess“ abgebildet, bei der britischen Methode BREEAM in der
Kategorie „Müll“ und bei LEED in der Kategorie „Materialien“ (siehe Anhang 11). Ein
weiteres Beispiel stellt der Aspekt „Parkplatzkapazität“ dar (BREEAM: Kriterium Tra 6;
LEED: Kriterium SS Credit 4.4). So fordert das Kriterium BREEAM: Tra 6 Maximum
Parking Capacity” die Eingrenzung der Anzahl der Parkmöglichkeiten im und am
Gebäude, die amerikanische Methode hingegen bewertet die Einführung von „Car- and
Vanpool“- Parkplätzen, d.h. von Parkplätzen für Fahrgemeinschaften (LEED: Kriterium
SS Credit 4.4). Beim Deutschen Gütesiegel wird dieser Aspekt bislang noch nicht
berücksichtigt, hier steht die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln im Vordergrund
der Bewertung.
Auch die Anzahl der jeweiligen Kriterien, die einen speziellen Aspekt bewerten, variiert
stark und ist abhängig von den Ausgangsbedingungen der Bewertungsorte. So werden
Aspekte wie „Visueller Komfort“ bei der britischen Methoden mit fünf Kriterien
(BREEAM: Hea 1, Hea 2, Hea 3, Hea 4 und Hea 5) und beim amerikanischen
Gütesiegel mit zwei Kriterien (LEED: IEQ Credit 8.1 und 8.2) abgebildet, beim
Deutschen Gütesiegel jedoch nur als ein Kriterium (DGNB: Kriterium 22) dargestellt
(siehe Anhang 11). Allerdings deckt das Deutsche Gütesiegel die Inhalte der fünf
Kriterien der britischen Methode innerhalb eines Kriteriums auf Indikatorenbasis ab.
Die Gewichtung von sieben Prozent der britischen Bewertungsmethode BREEAM
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
288
verdeutlicht zudem die kulturelle und politische Bedeutung der Thematik „Licht und
Visueller Komfort“ in Großbritannien. Das Deutsche Gütesiegel bewertet diese
Kategorie hingegen nur mit 2,5 und LEED sogar nur mit 2,3 Prozent. Somit hebt der
Vergleich erneut die kulturellen und klimatischen Unterschiede der einzelnen
Gütesiegel hervor.
Des Weiteren bezieht das Deutsche Gütesiegel zahlreiche Kriterien im Rahmen der
ganzheitlichen Bewertung mit ein, die bei Systemen der ersten Generation wie LEED
und BREEAM nicht berücksichtigt werden. Dies betrifft nicht nur ökonomische und
technische Aspekte, sondern zieht sich durch alle Bewertungskategorien (siehe
Anhang 11). Aber auch BREEAM und LEED weißen verschiedene Kriterien auf, die
nicht bei der DGNB Methode aufgeführt sind. Zu nennen sind hier ökologische Aspekte
und Kriterien, die die Standortbewertung betreffen:
Lichtverschmutzung
Nutzung der Gebäudestruktur bzw. Erhaltung des Bestands
Innovationspunkte
Parkplatzkapazität
Schutz des Naturraums und der Biodiversität
BREEAM und LEED beinhalten auch Kriterien, die speziell für das jeweilige System
entwickelt wurden und nicht in anderen Systemen vorkommen. So vergibt BREEAM für
Aspekte, wie Wasser- und Stromzwischenzähler, ebenso wie für den Einsatz von
energieeffizienter Gebäudeausstattung (Lifte, Kühlräume, Rolltreppen usw.) und den
Aushang von Fahrzeiten für den öffentlichen Nahverkehr Punkte. LEED hingegen
bewertet zusätzlich die Nutzung von regionalen Produkten, das Rauchverbot im
Gebäude und den Einsatz von kraftstoffsparenden Fahrzeugen.
Zusammenfassend zeigte die Analyse, dass die Bewertungsmethoden keine neuen
zusätzlichen Planungsinstrumente darstellen, sondern auf den jeweiligen nationalen
Werkzeugen aufbauen und diese im Rahmen eines Gütesiegels, wie BREEAM, LEED
oder DGNB bündeln. Folgende drei Instrumente bilden hierbei die Bausteine zur
Beurteilung der Nachhaltigkeit von Gebäuden:
Energiebilanz: BREEAM, LEED und DGNB
Ökobilanzierung (Life-Cycle-Analysis - LCA): BREEAM und DGNB
Lebenszykluskosten (Life-Cycle-Costs - LCC): DGNB (Anmerkung der Autorin:
seit Einführung der Version 2008 Integration der Lebenszykluskosten auch bei
verschiedenen BREEAM Versionen)
Diese Planungsinstrumente stellen auch für die Olympischen Sportstätten wichtige
Werkzeuge dar. Um die Bewertungsgrundlagen dieser Instrumente detaillierter
nachvollziehen zu können, werden die Richtlinien, Inhalte und Unterschiede der
einzelnen Werkzeuge in Abhängigkeit vom jeweiligen Gütesiegel im Folgenden
dargestellt:
Energiebilanz:
Die hier aufgeführten Bewertungsmethoden greifen alle auf unterschiedliche nationale
Werkzeuge zurück. Für die Energiebilanz sind folgende Werkzeuge zu nennen:
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
289
BREEAM: Energy Performance Certificate (EPC)
LEED: ASHRAE Standard 90.1 (2007) - Energy Standard for Buildings Except
Low-Rise Residential Buildings
DGNB: DIN V 18599 Energetische Bewertung von Gebäuden
Diese, speziell auf die klimatischen, politischen und kulturellen Bedürfnisse der
jeweiligen Nationen zugeschnittenen Planungsinstrumente und Normen machen die
eigentlichen Unterschiede der Bewertungsmethoden aus. Auch wenn mit allen
Systemen eine energetische Bewertung von Gebäuden durchgeführt wird, die Aspekte,
wie Heizung, Kühlung, Warmwasserbereitung, raumlufttechnische Konditionierung und
Beleuchtung von Gebäuden mit einbeziehen, liegen bei allen Systemen
unterschiedliche Berechnungsregeln und Einheiten zugrunde. Einige dieser Methoden,
wie das Energy Performance Certificate (BREEAM) oder die DIN V 18599 (DGNB)
bauen auf einer gemeinsamen europäischen Basis auf, nämlich auf der im Jahr 2002
verabschiedeten EU-Richtlinie 2002/91/EG (EPBD Energy Performance of Buildings
Directive), mit der die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes durch vordefinierte
Kennwerte in Europa erfasst werden soll. Der ASHRAE Standard 90.1 (American
Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers) hingegen, der der
LEED Methode zugrunde liegt, stellt zwar ebenso ein allgemeines Verfahren zur
Quantifizierung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden von Gebäuden dar, basiert
aber auf den gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz von den Gebäuden in
den USA (Baumann, O. et al 2009).
Ökobilanz (LCA):
Derzeit wird eine Ökobilanzierung (LCA), die den gesamten Lebenszyklus eines
Gebäudes mit einbezieht, nur bei den Systemen BREEAM und DGNB gefordert. LEED
macht zwar Vorgaben für Materialien, bezieht jedoch nicht den gesamten
Lebenszyklus, d.h. die Herstellung der Bauprodukte, die Konstruktion, den Betrieb und
den Abriss des Gebäudes über einen bestimmten Zeitraum in die Bewertung mit ein.
Hierbei fordert LEED, dass bestimmte Umweltschutzkriterien im Rahmen einer LEED-
Zertifizierung erfüllt werden müssen, wie z.B. der Einsatz von schadstoffarmen
Materialien (VOC) (IE Q Credit 4.4: Low-Emitting Materials), die Forderung von
wiedergenutzten und recycelten Baustoffen (MR Credit 3: Materials Reuse und MR
Credit 4: Recycled Content), die Verwendung von regionalen Materialien (MR Credit 5:
Regional Materials) und nachwachsenden Rohstoffen (MR Credit 6: Rapidly
Renewable Materials), ebenso wie von zertifiziertem Holz (FSC Holz) (MR Credit 7:
Certified Wood). Im Jahr 2004 hat sich seitens des U.S. Green Building Councils eine
Arbeitsgruppe gebildet, die sich bemüht einen einheitlichen nationalen Standard für die
Ökobilanzierung von Gebäuden in den U.S.A zu entwickeln. Dennoch konnte bis heute
zu dieser Thematik noch keine nationale Ausgangsbasis geschaffen werden (Scheuer,
C. et G. A. Keoleian 2002).
Die Bewertungsmethoden DGNB und BREEAM bauen auf folgenden Werkzeugen und
Standards zur Entwicklung der Ökobilanzierung auf:
BREEAM: Ökobilanzierungsinstrument „Green Guide to Specification“ basierend
auf der DIN EN ISO 14040: 2006 Environmental management - Life cycle
assessment - Principles and framework, der DIN EN ISO 14044: 2006
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
290
Environmental management - Life cycle assessment - Requirements and
guidelines und der DIN ISO EN 21930:2007 Sustainability in building construction -
Environmental declaration of building products
DGNB: Ökobilanzierungsinstrumente, wie GaBi, LEGEP, BAULOOP etc.
aufbauend auf der nationalen Datenbank “Ökobau.dat” des Bundesministeriums für
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, der DIN EN ISO 14040: 2006 Environmental
management - Life cycle assessment - Principles and framework, der DIN EN ISO
14044: 2006 Environmental management - Life cycle assessment - Requirements
and guidelines und der DIN V 18599 - Energetische Bewertung von Gebäuden
Bei BREEAM wird die Ökobilanzierung in der Kategorie „Material & Resources“
(Ma1_Materials Specification) mit dem Planungsinstrument „Green Guide to
Specification“ beurteilt (BREEAM 2008: S.2). Das Programm bewertet das
Gesamtgebäude mit Werten von A+, A, B, bis E über einen Lebenszyklus von 60
Jahren und bezieht 13 Ökologieaspekte in die Beurteilung mit ein, d.h. vom
Klimawandel über Eutrophierung bis hin zur Versauerung. Die Bewertung erfolgt
anhand von Bauelementen. Mit Bauteilkatalogen kann ein Wert ermittelt werden, der
mit Massenangaben pro Quadratmeter multipliziert wird und auf einem speziellen Wert
aus einer Umweltwertdatenbankwert basiert (z.B. kg CO2 Äquivalent). Hierbei bezieht
sich das Werkzeug nur auf die im Gebäude verbauten Materialien, der
Energieverbrauch (Warmwasser, Heizung, Kühlung usw.) für die Nutzung des
Gebäudes wird bislang nicht mit berücksichtigt.
Beim Deutschen Gütesiegel wird die Ökobilanzierung in der „Ökologischen Qualität“
abgebildet. Auf Basis von nationalen Werten, die durch das Bauministerium (BMVBS)
in der Datenbank „Ökobau.dat“ vorgegeben werden, wird das Gebäude über einen
Lebenszyklus von 50 Jahren (z.B. Festlegung für Büro-und Verwaltungsbauten) für
folgende Aspekte analysiert: Treibhauspotenzial (GWP), Ozonschichtabbaupotenzial
(ODP), Ozonbildungspotenzial (POCP), Versauerungspotenzial (AP),
Überdüngungspotenzial (EP), nicht erneuerbarer Primärenergiebedarf (PEne),
Gesamtprimärenergiebedarf und Anteil erneuerbarer Primärenergie (PEe). Die mit Hilfe
von verschiedenen Programmen, wie GaBi, LEGEP oder BAULOOP erzeugten Daten
werden im Rahmen des Gütesiegels in den eben genannten Kriterien im Verhältnis zu
Referenzgebäuden gesetzt. Dies erfolgt über Einheiten, die pro Quadratmeter und Jahr
angegeben werden (z.B. CO2-Äquivalente/ m2a). Die Ökobilanzierung bezieht beim
Deutschen Gütesiegel neben den Materialien den mit Hilfe der DIN V 18599 ermittelten
Energieverbrauch des Gebäudes während des Betriebs über den gesamten
Lebenszyklus von Jahren mit ein.
Lebenszykluskosten:
Lebenszykluskosten werden derzeit nur bei der DGNB Methode bewertet. Bei
BREEAM und LEED sind zwar erste Entwicklungen zu beobachten, Einigungen über
nationale Bewertungsrichtlinien konnten bislang jedoch noch nicht festgelegt werden
(Anmerkung der Autorin: seit Einführung der Version 2008 Integration der
Lebenszykluskosten in die Bewerbung auch bei verschiedenen BREEAM Versionen,
z.B. BREEAM Europe). BREEAM bezieht die ökonomischen Aspekte bislang nur beim
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
291
Kriterium „Ene 5_Low zero carbon technologies“ mit ein. Hier wird eine Energie- bzw.
Low-Carbon-Studie gefordert, die neben Themen, wie Nutzung erneuerbarer Energien,
technischer Gebäudeausrüstung auch die Energiekosten des gesamten Lebenszyklus
des Gebäudes integriert, die die CO2-Emissionen eines Gebäudes während des
gesamten Lebenszyklus betreffen. Auch bei LEED werden ökonomische Aspekte
bislang nur bei Kriterien berücksichtigt, die sich auf den Energiebedarf eines Gebäudes
beziehen. Beim Pflichtkriterium „EA Pre 2_Minimum Energy Performance“ wird
gefordert, dass bei der Gebäudesimulation der Energiebilanz nach dem Appendix G of
ANSI/ ASHRAE/ IESNA Standard 90.1-2007 alle Energiekosten, die ein Gebäude
betreffen in die Bewertung mit einbezogen werden. Beim Kriterium „EA Credit 1
Optimize Energy Performance“ erfolgt die Beurteilung anhand der Berechung der
prozentualen Verbesserung der Energiekosten gegenüber eines Referenzgebäudes,
das auf der Gebäudesimulation des Pflichtkriteriums „EA Pre 2_Minimum Energy
Performance“ basiert.
Beim Deutschen Gütesiegel hingegen wurde die Bewertung der Lebenszykluskosten
bereits von Anfang an in die Nachhaltigkeitsbeurteilung integriert (Kriterium
16_Lebenszykluskosten). Die Beurteilung bezieht sich hierbei auf die Bewertung der
Herstellungs- und Nutzungskosten eines Gebäudes über einen Zeitraum von 50
Jahren (siehe Ökobilanzierung DGNB, Version 2008 Büro- und Verwaltungsbauten).
Kosten für den Rückbau und die Entsorgung werden in der jetzigen Version noch nicht
mit berücksichtigt. Unter Herstellungskosten versteht man alle Kosten, die für die
Projektentwicklung, über die Herstellung bis zur Übergabe des Gebäudes anfallen.
Diese beziehen sich auf die Kostengruppen 300 (Baukonstruktion) und 400
(Technische Anlagen) nach DIN 276 „Kosten im Bauwesen“. Die Folgekosten stellen
alle übrigen Kosten von der Übergabe über die Inbetriebnahme bis hin zur Entsorgung
dar und werden auf Basis der Kostengruppen 310 (Ver- und Entsorgung) und 320
(Reinigung und Pflege) der DIN 18960 „Nutzungskosten im Hochbau“ ermittelt. Bei der
Berechnung der Folgekosten werden auch die Ergebnisse der Energiebilanzierung
nach DIN V 18599 und des im Steckbrief 14 „Trinkwasser“ kalkulierten Wasserbedarfs
und Abwasseraufkommens einbezogen. Die Ermittlung der Kosten erfolgt auf Basis
des sogenannten Barwerts in Euro pro m2 BGF (Bruttogeschoßfläche), d.h. eines
Wertes, den zukünftige Zahlungen in der Gegenwart aufweißen (Abzinsung von
zukünftigen Zahlungen). Hierbei werden vorgegebene Kostenkennwerte und jährliche
Preissteigerungen berücksichtigt werden.
Die hier dargestellten Planungsinstrumente zeigen, dass die energetischen,
ökologischen und ökonomischen Aspekte eines Gebäudes mit bereits existierenden
nationalen Planungsinstrumenten nachgewiesen und mit Hilfe von
Nachhaltigkeitsbewertungsmethoden beurteilt werden können, d.h. anhand von
Indikatoren und Benchmarks können die Eigenschaften eines Gebäudes in Verhältnis
zu anderen Bauwerken gesetzt werden. Folglich ist es heute möglich
Energiebewertungen, Ökobilanzierungen und die Ermittlung der Lebenszykluskosten
auch bei Olympischen Sportbauten durchzuführen und die Nachhaltigkeit dieser
Bauwerke zu messen. Während speziell BREEAM und DGNB auf ähnlichen
Standards, wie der EU-Richtlinie 2002/91/EG (Energiebilanz) oder für die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
292
Ökobilanzierung auf den Normen DIN EN ISO 14040: 2006 Environmental
management - Life cycle assessment - Principles and framework, DIN EN ISO 14044:
2006 Environmental management - Life cycle assessment - Requirements and
guidelines (Ökobilanzierung) aufbauen, bezieht sich die LEED Methode hingegen auf
amerikanische Rechenstandards. Die Inhalte der ökologischen und sozialen Kriterien
lassen sich anhand der Vorgaben der jeweiligen Gütesiegel vergleichen. Die größten
Unterschiede der Bewertungssysteme basieren auf der Ermittlung der Energiebilanz.
Der deutsche Standard DIN V 18599 stellt eine stationäre Berechnungsmethode mit
monatlichen Bilanzierungszeiträumen dar, die Berechnung des Energiebedarfs in den
U.S.A hingegen erfolgt dynamisch. Hierbei wird basierend auf dem amerikanischen
ASHRAE Standard 90.1 und speziellen Wetterdaten und Klimazonen der energetische
Bedarf der Gebäude mit Hilfe einer Gebäudesimulation ermittelt (Bundesministerium
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 2006: S.56). Um die Inhalte der
Bewertungssysteme bezüglich der energetischen Bewertung jedoch genauer
nachzuvollziehen zu können, ist daher ein detaillierter Vergleich der Werkzeuge wie
der DIN V 18599 und dem ASHRAE Standard 90.1 nötig, d.h. weiterer
Forschungsbedarf bezüglich der Bewertung der Energieeffizienz erforderlich.
Ein wichtiges Ergebnis der Gegenüberstellung der Bewertungsmethoden stellen die
unterschiedlichen Schwerpunkte der einzelnen Gütesiegel dar, die die politischen,
kulturellen und klimatischen Ausgangssituationen der jeweiligen Gütesiegel
widerspiegeln. Die prozentuale Ermittlung der Schwerpunkte erfolgte in zwei Schritten,
da die Standortqualität beim Deutschen Gütesiegel nicht in die Gesamtbewertung mit
einbezogen, sondern separat beurteilt wird:
Schritt 1: prozentuale Einteilung nach Bewertungsaspekten mit Einbezug der
Standortqualität (siehe Abbildung 85)
Schritt 2: prozentuale Einteilung nach Bewertungsaspekten ohne Einbezug der
Standortqualität (siehe Abbildung 86)
Schritt 1: Einbezug der Standortqualität
Allen Kriterien der Gütesiegel BREEAM, LEED und DGNB wurden seitens der Green
Building Councils BRE, USGBC und DGNB nationale Gewichtungen zugeteilt. Den in
zehn Hauptaspekten eingeteilten Kriterien, die im Rahmen der Gegenüberstellung
definiert worden sind, wurden die von den jeweiligen Bewertungsorganisationen
ausgewiesenen Gewichtungen zugeordnet. Aus der Abbildung 85 ist erkennbar, dass
der Aspekt „Standort“ beim Deutschen Gütesiegel separat bewertet wird, da die
Bewertung der Standortfrage unabhängig von der Gebäudebeurteilung erfolgt und
diesem bei der DGNB Bewertungsmethode eine wichtige Rolle zukommt. Obwohl die
Bewertung der Standortqualität bei Systemen, wie BREEAM oder LEED mit einer
Gewichtung von 19,5 Prozent (BREEAM) und 20,9 Prozent (LEED), einen
Schwerpunkt der Nachhaltigkeitsbemessung darstellt und auch bei der Durchführung
von Olympischen Spielen einen wichtigsten Bestandteil der Planungen einnimmt, kann
der Aspekt der Standortfrage im Rahmen einer einheitlichen Gegenüberstellung der
Schwerpunke prozentual nicht mit berücksichtigt werden, da dieser nicht bei allen
Bewertungssystemen in die Gesamtbeurteilung integriert ist. Dennoch kann anhand
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
293
des Vergleichs gefolgert werden, dass die Standortkriterien für die
Nachhaltigkeitsbemessung von Olympischen Sportstätten eine wichtige Rolle
einnehmen und im Rahmen einer Nachhaltigkeitsbeurteilung berücksichtigt werden
müssen.
BREEAM
Offices V 2008 (%) LEED
NC V 2009 (%) DGNB
NBV 2008 (%)
1. Ökologie 27,0 24,5 15,5
2. Ökonomie 0,0 0,0 22,5
3. Soziale Aspekte 2,0 3,6 2,4
4. Energie 18,9 25,5 13,7
5. Behaglichkeit und Gesundheit 15,6 12,7 15,8
6. Funktionale Aspekte 0,0 0,0 2,4
7. Technische Aspekte 1,0 0,0 9,0
8. Design 1,0 5,5 4,0
9. Prozess/ Management 15,0 7,3 10,0
10. Standort 19,5 20,9 (4,7)
separat bewertet
Abbildung 85: Inhaltliche Aufteilung von BREEAM Offices V 2008, LEED NC V 2009 und
DGNB NBV 2008 im Vergleich (mit Standort) auf Kriterienbasis
(eigene Darstellung)
Schritt 2: Ohne Einbezug der Standortqualität
Um im Rahmen der Gegenüberstellung einen aussagekräftigen Vergleich zu
gewährleisten, wurde die Standortqualität nun bei allen Systemen prozentual
herausgerechnet. In Abbildung 86 werden erneut die unterschiedlichen Inhalte von
Bewertungsmethoden der ersten und zweiten Generationen gezeigt. Hier wird deutlich,
dass bei BREEAM und LEED Aspekte wie Ökonomie, Funktionalität und Technik
bislang noch keine oder nur wenig Bedeutung finden. Dennoch sind bereits erste
Ansätze zu erkennen, ökonomische, funktionale und technische Inhalte in die Kriterien
der Bewertungsmethoden der ersten Generation zu integrieren, d.h.
Bewertungsmethoden der ersten Generation beziehen neue Kriterien und Aspekte mit
ein und wandeln sich inhaltlich mit der Einführung neuer Versionen zu Gütesiegeln der
zweiten Generation (Anmerkung der Autorin: seit Einführung der Version 2010
Integration der Lebenszykluskosten in die Bewerbung auch bei BREEAM). So hat
BREEAM technische Kriterien, wie z.B. „Mat 7_Designing for robustness“ bereits in die
Bewertung mit einbezogen. Die amerikanische LEED Methode versucht bereits schon
seit längerem die Beurteilung von Lebenszykluskosten in die Bewertung mit
einzuschließen. Dennoch scheiterte die Integration von ökonomischen Aspekten in die
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
294
Version LEED-NC 3.0 (2009) an der Einigung über einheitliche nationale
Bewertungsrichtlinien.
BREEAM
Offices V 2008 (%) LEED
NC V 2009 (%) DGNB
NBV 2008 (%)
1. Ökologie 33,6 31,1 16,3
2. Ökonomie 0,0 0,0 23,6
3. Soziale Aspekte 2,5 4,6 2,5
4. Energie 23,5 32,2 14,4
5. Behaglichkeit und Gesundheit 19,4 16,0 16,5
6. Funktionale Aspekte 0,0 0,0 2,5
7. Technische Aspekte 1,3 0,0 9,5
8. Design 1,2 6,9 4,2
9. Prozess/ Management 18,5 9,2 10,5
10. Standort *separat bewertet *separat bewertet *separat bewertet
Abbildung 86: Inhaltliche Aufteilung von BREEAM Offices V 2008, LEED NC V 2009 und
DGNB NBV 2008 im Vergleich (ohne Standort) auf Kriterienbasis
(eigene Darstellung)
Stellt man nun die Schwerpunkte gegenüber, so zeigt sich, dass insbesondere
Aspekte, wie Ökologie, Energie, Behaglichkeit und Gesundheit stets die
Hauptschwerpunkte aller Bewertungsmethoden ausmachen (siehe Abbildung 87).
Auch die Thematik „Ökonomie“ beim Deutschen Gütesiegel weist mit 23,6 Prozent im
Gegensatz zur Energie (14,4 Prozent) und Ökologie (16,3 Prozent) eine große
Bedeutung auf. Allerdings muß hier darauf hingewiesen werden, dass die Gewichtung
noch auf den Festlegungen der Pilotphase beruht. Erste Diskussionen bei der
Auswertung der Pilotphase zeigten, dass auch bei der DGNB Methode zukünftig die
Themenfelder „Ökologie“ und „Energie“ stärker bewertet werden sollen. Neben den
eben genannten Aspekten, nehmen aber auch die Punkte „Prozess“ und „Technik“ bei
der Nachhaltigkeitsmessung eine wichtige Rolle ein, wenn auch mit sehr
unterschiedlichen Gewichtungen (BREEAM: 18,5 Prozent, LEED: 9,2 Prozent und
DGNB: 10,5 Prozent). Die soziale Dimension der Nachhaltigkeitsbewertung hingegen
fällt bei allen Systemen sehr gering aus (BREEAM: 2,5 Prozent, LEED: 4,6 Prozent
und DGNB: 2,5 Prozent). Bislang erhalten Themen, wie Sicherheit, Barrierefreiheit und
regionale Aspekte nur eine sehr geringe Gewichtung. Hier stellt sich nun erneut die
Frage der Eingruppierung der Kriterien in Nachhaltigkeitskategorien. Betrachtet man
die Kategorie „Soziale Qualität“ aus einem größeren Blickwinkel, so lassen sich dort
auch Aspekte, wie Behaglichkeit oder Design in die Nachhaltigkeitskategorie „Soziale
Qualität“ mit einbeziehen (wie z.B. bei der DGNB Methode). Somit wäre der
prozentuale Anteil der sozialen Dimension wesentlich größer (BREEAM: 23,1 Prozent,
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
295
LEED: 27,5 Prozent und DGNB: 23,2 Prozent). Dennoch gilt es hier anzuregen, dass
speziell Aspekte wie „Region“ und „Kultur“ wesentlich stärker als bisher in alle
Bewertungssysteme mit einbezogen werden müssen.
Schwerpunkte der Bewertungsmethoden
BREEAM V 2008 (%) LEED V 2009 (%) DGNB V 2008 (%)
1. Ökologie 33,6% 1. Energie: 32,2% 1. Ökonomie: 23,6%
2. Energie: 23,5% 2. Ökologie: 31,1% 2. Behaglichkeit: 16,5%
3. Behaglichkeit: 19,4% 3. Behaglichkeit: 16,0% 3. Ökologie: 16,3%
4. Prozess/ Management: 18,5% 4. Prozess/ Management: 9,2% 4. Energie 14,4%
5. Soziale Aspekte: 2,5% 5. Design: 6,9% 5. Prozess/ Management:10,5%
6. Technische Aspekte: 1,3% 6. Soziale Aspekte: 4,6% 6. Technische Aspekte: 9,5%
7. Design: 1,2% 7. Design: 4,2%
8. Soziale Aspekte: 2,5%
9. Funktionale Aspekte: 2,5%
Standort (*separat bewertet) Standort (*separat bewertet) Standort (*separat bewertet)
Abbildung 87: Schwerpunkte von Bewertungssystemen (BREEAM V 2008, LEED V 2009
und DGNB V 2008)
(eigene Darstellung)
Bezieht man sich auf die klassischen Säulen der Nachhaltigkeit „Ökonomie, Ökologie
und soziale Aspekte“, so lässt sich für die Systeme BREEAM, LEED und DGNB
folgende Aussage treffen:
BREEAM (V 2008):
Ökologie (Ökologie und Energie): 57,1%
Ökonomie: 0,0%
Soziale Aspekte (soziokulturelle Aspekte, Behaglichkeit, Gesundheit, Design):
23,1%
Sonstige Aspekte (Prozess/ Management, technische Aspekte, funktionale
Aspekte): 19,8%
LEED (V 2009):
Ökologie (Ökologie und Energie): 63,1%
Ökonomie: 0,0%
Soziale Aspekte (soziokulturelle Aspekte, Behaglichkeit und Gesundheit, Design):
27,5%
Sonstige Aspekte (Prozess/ Management, technische Aspekte, funktionale
Aspekte): 9,2%
DGNB (V 2008):
Ökologie (Ökologie und Energie): 30,7%
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
296
Ökonomie: 23,6%
Soziale Aspekte (soziokulturelle Aspekte, Behaglichkeit und Gesundheit, Design):
23,2%
Sonstige Aspekte (Prozess/ Management, technische Aspekte, funktionale
Aspekte): 22,5%
Zusammenfassend kann folgende Aussage getroffen werden: Die dargestellten
Vergleiche, Gegenüberstellungen und Zusammenfassungen von Bewertungssystemen
zeigten, dass alle Systeme sehr individuell auf die nationalen, politischen,
gesellschaftlichen und klimatischen Ausgangsbedingungen der jeweiligen Nationen
angepasst sind, für die diese entwickelt wurden. Folglich gibt es auf internationaler
Ebene kein „bestes bzw. allgemeingültiges System“, das in jedem Land
uneingeschränkt anwendbar ist. Diese Aussage belegt auch das Zitat von Saunders im
Rahmen des Vergleichs der Systeme BREEAM, LEED, Green Star und CASBEE aus
dem Jahr 2008: „It is reasonable to assume from these results that none of the
schemes travel well if used in countries other than those which the system was initially
designed to work in. It therefore suggests that, where used outside the native country,
any of the systems should be tailored to take account of the local context.” (Saunders,
T. 2008: S.42).
Die Studie, die von BRE erstellt wurde, fordert daher, dass für alle
Bewertungsmethoden von den jeweils zuständigen Green Building Councils ein
gemeinsamer Mindeststandard auf Kriterien- und Indikatorenbasis entwickelt werden
soll, um die Qualität aller Zertifizierungsmethoden zu fördern und diese besser
vergleichbar zu machen: „Setting common minimum standards and common indicators
for all schemes would ensure consistency; it could also help the move towards dual
certification“ (Saunders, T. 2008: S. 45). Zwei Schritte seien hierzu laut Saunders
notwendig: zum einen die Doppel- und Mehrfachzertifizierungen von Gebäuden zur
Ableitung von Ähnlichkeiten und Unterschieden und zum anderen die Entwicklung und
Festlegung von einheitlichen Kriterien und Mindeststandardwerten auf Basis der
ermittelten Ergebnisse der Doppelzertifizierungen (Saunders, T. 2008: S.45). Diese
und weitere Aussagen lassen sich auch für die Nachhaltigkeitsbewertung von
Olympischen Sportbauten ableiten:
Nachhaltigkeitsgütesiegel: Werkzeuge zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von
Olympischen Wettkampfbauten
Bewertungsmethoden stellen Werkzeuge dar, mit denen die Nachhaltigkeit von
Gebäuden umgesetzt und beurteilt werden kann und die bestehende
Planungsinstrumente, nationale Standards und Gesetzgebungen, ebensowie
Aspekte des nachhaltigen Bauens in einem Gütesiegel bündeln. In frühen
Planungsphasen können mit diesen erste Informationen über die Qualität eines
Projektes ermittelt werden, aus denen sich auch Hinweise zur Verbesserung der
Nachhaltigkeitseigenschaften ableiten lassen. Bei fertiggestellten Gebäuden dienen
Gebäudezertifikate dazu, Nutzern und Betreibern eine nachvollziehbare
Dokumentation und Bewertung bezüglich der nachhaltigen Gebäudequalität zu
liefern. Dass der Einsatz von Nachhaltigkeitsbewertungen auf internationaler
Ebene mehr und mehr zunimmt, zeigt der stetige Anstieg an Zertifizierungen. Auch
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
297
bei Olympischen Bauten werden Nachhaltigkeitsbewertungsmethoden vermehrt
eingesetzt. Dies wird zum einem durch die Vorgaben des IOCs im Rahmen des
Bewerbungsprozesses gefördert, zum anderen bieten Zertifizierungsmethoden
Kriterien und Richtlinien für die Planung und Umsetzung von nachhaltigen
Olympischen Wettkampfbauten an. Erste Gütesiegel zur Zertifizierung der
ökologischen und energetischen Gebäudequalität wurden bei Olympischen
Sportstätten zwar bereits angewendet, dennoch steht die Entwicklung und der
Einsatz eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatzes und Bewertungsrichtlinien für
den Olympischen Sportstättenbau noch ganz am Anfang. Neben Aspekten, die die
Ökologie und Energieeffizienz eines Gebäudes betreffen, gilt es hier zukünftig
ökonomische, soziale und technische Kriterien, ebenso wie olympische und
sportstättenspezifische Aspekte, sowohl für den Neubau, als auch für den
Sportstättenbestand in die Beurteilung zu integrieren.
Olympische Spiele: Impulsgeber für die Entwicklung von nationalen
Gütesiegeln für die Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität
Beginnend mit den „Green Games 2000“ von Sydney wird deutlich, dass
Großveranstaltungen wie Olympische Spiele Impulse für den Austragungsort im
Bereich des nachhaltigen Bauens setzen können. Nicht nur seitens des IOCs
begann in den 90er Jahren auf internationaler Ebene ein Umdenken, auch
innerhalb der Austragungsorte verbesserten sich die Baustandards im Bereich des
energieeffizienten und nachhaltigen Bauens („Green-Building“) durch die
Olympische Sportgroßveranstaltung (siehe Kapitel 4). Bedingt durch die Spiele
wurden oft neue nationale Planungsinstrumente und -werkzeuge entwickelt und
gesetzlich verankert, die der Umsetzung von ökologischen, ökonomischen und
sozialen Olympischen Baumaßnahmen dienen sollten, wie etwa Mindeststandards
im Bereich des energieeffizienten Bauens oder Methoden zur Bewertung der
nachhaltigen Gebäudequalität. So stellen die ESD Guidelines der Olympischen
Spiele von Sydney 2000 die Ausgangsbasis der Bewertung der Gebäudequalität in
Australien dar (Hardie, M. et al 2006: S.2). Hieraus entwickelten sich das National
Australian Built Environment Rating System (NABERS) und die Methode Green
Star (Department of the Environment and Water Ressources 2007: S.6) (Wood, P.
2007: S.5). Auch für die Olympischen Sommerspiele von Peking 2008 wurde
speziell das nationale Bewertungssystem Green Olympic Building Assessment
System (GOBAS) herausgebracht. Andere Austragungsorte, wie Vancouver 2010
oder London 2012 griffen auf bereits bestehende Gütesiegel zurück (z.B. LEED
Canada –NC, Vancouver) oder paßten diese auf den Olympischen Sportstättenbau
an (z.B. BREEAM, London).
Durch das breit ausgelegte Marketingkonzept von LEED wird die amerikanische
Methode heutzutage in immer mehr Ländern und auch bei Olympischen Spielen
angewandt. Die Bewertung der Olympischen Bauten der Spiele von Salt Lake City
2002 mit LEED, von Vancouver 2000 mit LEED Canada, als auch die
Zertifizierungsmaßnahmen bei den Sommerspielen von Beijing 2008 bestätigen
diese Entwicklung. Auch für die Bewerbung der Winterspiele 2018 von München
gab es Bestrebungen das amerikanische LEED System anzuwenden. Hier einigte
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
298
man sich jedoch darauf, nicht die amerikanische Methode LEED, sondern das
Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) in die Olympiabewerbung
einzubinden.
Olympische Sportbauten: Von der „Green Building“-Sporthalle hin zur
„Sustainable Building“-Sportstätte
Neben der Beurteilung der energetischen und ökologischen Aspekte eines
Gebäudes, können heutzutage soziale, ökonomische und technische Kriterien
unter Einbezug des gesamten Lebenszyklus mit bereits existierenden nationalen
Planungsinstrumenten nachgewiesen und bewertet werden, d.h. die Eigenschaften
eines Gebäudes lassen sich anhand von Indikatoren und Benchmarks im
Verhältnis zu anderen Bauwerken messen und vergleichen.
Dies gilt auch für die Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Olympischen
Sportbauten. Bislang wurden bei Olympischen Spielen vorrangig
Bewertungsmethoden eingesetzt, die den „Green Building“-Ansatz verfolgen (LEED
oder BREEAM), d.h. die Bewertung von energetischen und ökologischen Aspekten.
Wie bei allen international angewandten Gütesiegeln ist auch bei den bei
Olympischen Spielen eingesetzten Bewertungsmethoden eine Tendenz in Richtung
eines ganzheitlichen Ansatzes („Sustainable Building“) bemerkbar (siehe
Olympische Spiele London 2012: Ergänzung der Kriterien von BREEAM mit den
sozialen und kulturellen Nachhaltigkeitszielen der Olympic Delivery Authority).
Sowohl die britische Methode BREEAM, als auch das Deutsche Gütesiegel zeigen,
dass im Rahmen der Bewertung von Olympischen Bauten der gesamte
Lebenszyklus von Sportimmobilien mit einbezogen werden kann, d.h. von der
Herstellung über die Konstruktion bis hin zu Betrieb und Abriss. Eine ganzheitliche
Nachhaltigkeitsbewertung der Olympischen Sportstätten wird derzeit nur auf
freiwilliger Basis der Austragungsorte durchgeführt. Damit zukünftig bei
Olympischen Sportstätten nicht mehr nur energieeffiziente und ökologische
Aspekte in der Planungsphase der Olympischen Sportstätten bewertet werden, ist
das IOC daher gefordert Kriterien, die den gesamten Lebenszyklus einer
Olympischen Sportstätte betreffen (Olympische Großveranstaltung und
Nachnutzung) verbindlich vorzuschreiben, wie z.B. die Beurteilung der Ökobilanz,
die Bewertung der Lebenszykluskosten und die Bemessung von sozialen und
technischen Aspekten.
Das IOC fordert zwar in der Kandidaturphase bereits für alle Olympischen
Sportbauten eine Umweltbewertung „Carry out initial environmental impact
assessments for all venues (…). Um jedoch eine ganzheitliche
Nachhaltigkeitsbewertung zu gewährleisten, müsste diese Forderung wie folgt
abgeändert werden: „Carry out initial sustainable impact assessments for all
venues (…)“ (International Olympic Committee 2006a: S.138).
Keine Entwicklung eines einheitlichen internationalen Bewertungsmodells für
Olympische Sportstätten, sondern Festlegung von Mindeststandards und
Bewertungsschwerpunkten durch das IOC
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
299
Bislang existierende Gütesiegel sind nur bedingt international einsetzbar, da diese
speziell auf den klimatischen, politischen, nationalen und kulturellen
Ausgangsbedingungen der Nationen basieren, für die diese entwickelt wurden. Um
nachhaltige Olympische Sportbauten zu gewährleisten und dennoch vergleichbar
zu machen, ist es daher erforderlich die Bewertungsmethode zu wählen, die
speziell auf den Gegebenheiten des Olympischen Austragungsorts basiert. Folglich
ist ein einheitliches internationales Olympisches Bewertungssystem kein
Erfolgsgarant für eine nachhaltige Umsetzung von Olympischen Sportbauten, da
dieses nicht auf die speziellen Ausgangsbedingungen der jeweiligen
Austragungsorte eingehen kann. Aufgrund des Einsatzes von unterschiedlichen
Bewertungsmethoden, fällt die Umsetzung der Olympischen Baumaßnahmen, als
auch die Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewertung der Olympischen Baumaßnahmen
bisher noch immer sehr unterschiedlich aus. Nur die Anwendung von nationalen
Bewertungsmethoden, die die Vorschriften des IOCs, d.h. bestimmte
Mindeststandards und Nachhaltigkeitskriterien für den Olympischen
Sportstättenbau mit einbeziehen, gewährleisten eine nachhaltige Umsetzung und
eine spätere Vergleichbarkeit. Bei Olympischen Spielen erfolgt sowohl die Auswahl
der Bewertungsmethode, als auch die Festlegung von Mindeststandards (z.B.
Richtlinien für die Energieeffizienz, Gefahrstoffklassen von Materialien usw.) und
Bewertungsstufen (z.B. Silber, Gold, Platin) bislang jedoch nur durch die
Austragungsorte, d.h. die eigentlichen Ziele und Bewertungsverfahren für
nachhaltige Olympische Wettkampfstätten wurden alleinig durch die
Austragungsorte vorgegeben.
Daher gilt es seitens des IOCs nicht nur eine ganzheitliche
Nachhaltigkeitsbewertung der Sportstätten zu fordern, sondern auch einheitliche
internationale Mindeststandards, Nachhaltigkeitsziele bzw. -kriterien und
Schwerpunktthemen für die Olympischen Baumaßnahmen festzulegen, nach
welchen die Gebäude der Sportgroßveranstaltung ganzheitlich beurteilt werden
können. Diese müssen aber immer in Relation zu den Ausgangsbedingungen der
Austragungsorte stehen (z.B. Industrienation, Schwellenland, Klimazone etc.).
Integraler Planungsprozess: Einsatz von Nachhaltigkeitskriterien und
-bewertungsmethoden bereits in der Bewerbungsphase
Je frühzeitiger Nachhaltigkeitsaspekte in die Olympische Planung integriert werden,
desto effizienter können Olympiasportstätten geplant und konstruiert werden und
desto weniger zusätzliche Baumehrkosten fallen für eine nachhaltige Umsetzung
und Zertifizierung der Olympischen Sportstätten an. Möglichst „früh“ heißt im Falle
der Sportbauten für die Olympische Großveranstaltung bereits die Durchführung
einer Vorzertifizierung in der Bewerbungsphase. Eine Umweltbewertung wird
seitens des IOCs zwar schon gefordert, dennoch ist der Zeitpunkt der
Nachhaltigkeitsbeurteilung der Olympischen Baumaßnahmen bislang nicht
festgelegt. Seitens des IOCs müssen daher detaillierte Aussagen getroffen werden,
dass bereits in der Bewerbungsphase Vorzertifzierungen der Sportbauten
durchgeführt und deren Ergebnis eine detaillierte Entscheidungsgrundlage für den
Auswahlprozess darstellen müssen. Die Bewertung der Nachhaltigkeitsziele der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
300
geplanten Olympischen Sportstätten sollte mit nationalen Bewertungsmethoden
bzw. mit Gütesiegeln erfolgen, die auf die Ausgangsbedingungen der
Austragungsorte angepasst sind und die vom IOC vorgegebenen
Themenschwerpunkte und Mindeststandards berücksichtigen.
Stärkung der Lobby für den nachhaltigen Sportstättenbau
Bislang gibt es bei internationalen Gütesiegeln unterschiedliche
Bewertungsversionen für den Neubau und den Bestand, z.B. für Büro- und
Verwaltungsbauten, Schulen, Handelsbauten usw.. Systemvarianten für den
Sportstättenbau (Breitensport) wurden jedoch bislang bei keiner nationalen
Bewertungsmethode entwickelt. Nur im Bereich des Spitzensports entstanden in
den letzten Jahren durch die Vorgabe des IOCs erste Zertifizierungsansätze für die
Olympischen Sportbauten. Während bei den Spielen von Vancouver 2010 auf eine
bereits existierende Version (LEED New Construction) zurückgegriffen wurde, die
bei allen Neubauten eingesetzt werden kann, änderte man für die Spiele von
London 2012 den Kriterienkatalog aus Großbritannien BREEAM:bespoke speziell
auf die Anforderungen von Olympischen Wettkampfstätten. Diese Tatsache
verdeutlicht erneut die Problematik des Sportstättenbaus auf internationaler Ebene,
nämlich die bisher geringe Beachtung des Typus „Sportstätte“. Sportstätten des
Spitzensports werden oft als Prestigebauten betracht. Sportbauten des
Breitensports, die die in der Freizeit meist genutzten Gebäudetypologien darstellen,
werden hingegen auf internationaler Ebene sowohl durch die Öffentlichkeit, als
auch durch die Bauindustrie, die Behörden und durch Forschungsinstitute als reine
Zweckbauten angesehen. Hoher Sanierungsbedarf, neue Sportarten und die
Forderung nach neuen Sporträumen rücken jedoch den allgemeinen
Sportstättenbau immer mehr in den Vordergrund. Um zukünftig die Umsetzung und
Bewertung von nachhaltigen Sportstätten zu fördern, ist es daher dringend
erforderlich eine internationale Lobby für den ökologischen, ökonomischen und
sozialen Sportstättenbau zu schaffen und die bisherigen Erfahrungen des IOCs in
die Umsetzung und Bewertung des nachhaltigen Olympischen Sportstättenbaus
mit einzubinden.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
301
6. Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen
Gebäudequalität von Olympischen Wettkampf-
bauten: Maßnahme zur Umsetzung von
nachhaltigen Sportbauten?
Die Thematik „Nachhaltigkeit von Olympischen Wettkampfstätten und deren
Bewertung“ stellte den Schwerpunkt der letzten Kapitel dar. Es wurde deutlich, dass
Umwelt- und Nachhaltigkeitsbeurteilungen von Olympischen Wettkampfstätten
zahlreiche ökologische, soziale und ökonomische Vorteile für die Planung und
Umsetzung von Olympischen Sportbauten mit sich bringen. Im Rahmen der Arbeit galt
es zu klären, ob Olympische Spiele und deren Wettkampfstätten sich als nachhaltig
bezeichnen lassen und inwieweit Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten
definiert, bewertet und messbar gemacht werden kann. Des Weiteren wurde
hinterfragt, ob bestehende Planungs- und Bewertungsinstrumente eine ausreichende
Basis für eine ökologische, ökonomische und soziale Umsetzung von Olympischen
Wettkampfstätten darstellen oder erst die Entwicklung einer einheitlichen
internationalen Bewertungsmethode und deren verpflichtender Einsatz durch das IOC
zur tatsächlichen Umsetzung einer nachhaltigen Gebäudequalität der Olympischen
Sportbauten beiträgt.
Die letzten Kapitel zeigten, dass die größten, sichtbarsten und langwierigsten
Umweltauswirkungen von Olympischen Spielen durch die Wettkampfstätten verursacht
werden. Die Sportstätten sind für die Zunahme der Ausmaße der Spiele, das enorme
Olympische Budget und die Komplexität der Großveranstaltung verantwortlich. Dies ist
aber stets in Abhängigkeit von der Nutzung, dem Standort und dem Betrieb der
Olympischen Sportbauten zu betrachten. Diese Aussage wird durch die Olympic
Games Study des IOCs bekräftigt (siehe Kapitel 3), aber auch mit dem Zitat von
Chernushenko nachgewiesen: „Environmental impacts depend on for what facilities are
used, where they are located and how they are run, but no event or activity can take
place without a venue.” (Chernushenko, D. et al 2001: S.107). Trotz der extrem
zunehmenden Ausmaße („unparalleled growth“) des weltweit erfolgreichsten und
größten Sportevents ist zu beobachten, dass in den letzten Jahren vermehrt
umweltfreundliche Maßnahmen bei Olympischen Spielen durchgeführt wurden (Furrer
2002: S.2f.). Dies gilt nicht nur für die Veranstaltung an sich, sondern auch beim
Olympischen Sportstättenbau stehen Ökologie, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
mittlerweile im Vordergrund der Planungen: „environmentally friendly way of planning
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
302
and organising the Games have taken far more importance over recent years“ (Furrer
2002: S.10) (siehe Kapitel 2 und 4).
Abbildung 88: National Aquatic Centre während der Olympischen Sommerspiele von Beijing
2008
(eigene Darstellung)
Obwohl Olympische Spiele mit ihren neuen Konstruktions- und Baumaßnahmen
zusätzlichen enormen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Druck (Zunahme
des Verkehrs, des Ressourcenverbrauchs und der Müllproduktion, sowie
Zwangsversiedlungen und Staatsverschuldung) auf die angrenzende Umwelt des
Austragungsortes ausüben und somit in keinster Weise als nachhaltig bezeichnet
werden können, zeigte die Analyse, dass die Durchführung der Großveranstaltungen
speziell im Bauwesen starke Verbesserungen für die Austragungsorte und -regionen
mit sich brachte. Zu nennen sind hier insbesondere die Neueinführung und Förderung
von Baustandards, Gesetzgebungen und Umwelttechnologien für das Bauwesen der
Olympiastädte (siehe Kapitel 4): „Examples of such are new standards in the building
industry, use of renewable energy sources, innovations in environmentally friendly
technologies, upgrade of water and sewage treatment, new waste management
systems and, very importantly, environmental education programmes.” (Furrer 2002:
S.6). Zudem konnte in den letzten Kapiteln nachgewiesen werden, dass bei dieser
Entwicklung Werkzeuge und Instrumente zur Bewertung der nachhaltigen
Gebäudequalität von Sportstätten eine bedeutende Rolle gespielt haben. Diese werden
mittlerweile auch verpflichtend seitens des IOCs von den Austragungsorten gefordert.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
303
Im folgenden Schlusskapitel wird nun ermittelt, ob Bewertungs- und
Zertifizierungsmethoden zur Beurteilung der ökologischen, sozialen und
wirtschaftlichen Qualität von Gebäuden tatsächlich ein erfolgreiches Instrument zur
Umsetzung von nachhaltigen Sportbauten darstellen. Hierzu werden die Thesen
abgeleitet, die in Kapitel 1 aufgestellt wurden. Die Ableitung der Thesen stützt sich auf
die Beschreibung der Rahmenbedingungen (Kapitel 2 „Status Quo des nachhaltigen
Olympischen Sportstättenbaus“) und auf den Untersuchungsrahmen (Kapitel 3
„Instrumente des IOCs zur Umsetzung von nachhaltiger Olympischer Sportarchitektur“,
Kapitel 4 „Olympische Wettkampfstätten und nachhaltige Planungskonzepte“ und
Kapitel 5 „Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von Olympischen Wettkampfstätten“).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
304
6.1. Olympische Spiele als Katalysator: Verbesserung der regionalen und
nationalen Baustandards durch Olympische Spiele und deren
Baumaßnahmen (Ableitung These 1)
These 1:
Olympische Spiele können aufgrund der zahlreichen zusätzlichen
Umweltbelastungen auf die Austragungsorte nicht als nachhaltig bezeichnet
werden. Nur eine Reduzierung der Ausmaße der Olympischen Baumaßnahmen
(Wettkampfstätten) ist ein Erfolgsgarant für zukünftige nachhaltige Olympische
Spiele.
Während die ersten Spiele noch Bestandteile von Weltausstellungen waren und in
relativ kleinem Rahmen stattfanden (Wimmer, M. 1975: S.21f.), stellen die
Olympischen Spiele der Neuzeit mit über 11.000 Sportlern und 300 Wettbewerben
heutzutage das größte und beliebteste Sportgroßevent der Welt dar (IOC 2006b: S.55)
(siehe Kapitel 2.3.1). Der enorme Anstieg an Wettkämpfen, Athleten, teilnehmenden
Nationen und die stets wachsende Medienpräsenz bei Olympischen Spielen bewirkten
zudem eine steigende Anzahl an benötigten Wettkampf-, Trainings- und
Unterkunftsbauten (Sommerspiele: 25 bis 30 Wettkampfstätten; Winterspiele: 15 bis 20
Sportstätten) (siehe Kapitel 2.3.1). Der Gigantismus der Spiele stellt die heutigen
Austragungsorte bereits Jahre vor den Spielen vor riesige Herausforderungen und
Baumaßnahmen, die aufgrund der zunehmenden Kosten, der Standortfragen und der
Nutzung nach den Spielen kaum mehr zu bewältigen sind. Da die größten sichtbarsten
und langwierigsten ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen von
Olympischen Spielen durch die Wettkampfstätten verursacht werden (siehe Kapitel
2.2.2), ist ein Umdenken, d.h. eine Reduzierung der Baumaßnahmen, unumgänglich.
Mit den Spielen und deren Baumaßnahmen gehen vor als auch nach dem Großevent
zahlreiche zusätzliche Belastungen einher, die nicht nur, wie in These 1 beschrieben,
die Umwelt betreffen, sondern auch soziale und wirtschaftliche Auswirkungen mit sich
bringen (siehe Kapitel 4.3):
zusätzliche ökologische Belastungen:
Treibhausgase (z.B. CO2-Emissionen bedingt durch Baumaßnahmen,
innerstädtische und nationale Transporte und internationale Flüge),
Flächenverbrauch, Eingriffe in die Natur und Landschaftsschutzgebiete,
Ressourcenverbrauch (Materialien, Wasser), Abfallaufkommen, Störung der
Biodiversität (Lärm, Menschenmassen) etc.
zusätzliche soziale Belastungen:
Zwangsumsiedlungen, Vertreibung armer und indigener Bevölkerungsschichten
etc.
zusätzliche wirtschaftliche Belastungen:
hohe Staatsverschuldung etc.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
305
Der Gigantismus der Olympischen Spiele und die zusätzlichen Belastungen des
Großevents stehen der Nachhaltigkeit von Olympischen Wettkampfbauten somit mehr
als im Wege. Im Rahmen der Untersuchung wurde jedoch deutlich, dass Olympische
Spiele auch positive Einflüsse mit sich bringen, vor allem für die Baustandards der
Olympiastädte, der umliegenden Regionen und der Nationen. Folglich ist
Nachhaltigkeit von Olympischen Wettkampfstätten stets in Abhängigkeit der
Ausgangssituation der Austragungsorte zu betrachten und muss unterschiedlich
definiert werden (siehe Kapitel 2). Analysiert man die Etappen des Olympischen
Sportstättenbaus der Neuzeit wird deutlich, dass sich die Olympischen Prestigearenen
und –hallen tatsächlich mehr und mehr in umweltgerechte und nachhaltige Sportstätten
wandeln. Die Integration von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten
befindet sich beim Olympischen Sportstättenbau aber noch in den ersten Schritten. Um
zukünftig nachhaltige Wettkampfstätten umsetzen zu können, ist ein Umdenken
seitens des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der Austragungsorte
unumgänglich. Für zukünftige Olympische Spiele ergeben sich nachstehende
Forderungen (siehe Kapitel 2), die die Aussage der These widerspiegeln (siehe Kapitel
2, 3 und 4):
Radikale Reduzierung der bisherigen Ausmaße der Olympischen Baumaßnahmen,
d.h. der Anzahl der benötigten Sportneubauten, durch verstärkte Nutzung von
Bestandsbauten und temporärer Bauweise (Rückbau bzw. Teilabbau der
Wettkampfstätten nach den Spielen) (siehe Kapitel 2 und 4.3)
Festlegung von Nachnutzungskonzepten der Olympischen Wettkampfstätten
bereits in der Planung (siehe Kapitel 3.5 und 5.3)
Umsetzung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Planungskonzepten bei
den Olympischen Sportstätten (Umweltschutz, Energieeffizienz, Einsatz von
erneuerbaren Energien und Ressourcen, Barrierefreiheit, Sicherheit,
Wirtschaftlichkeit etc.) (siehe Kapitel 4.3)
Einsatz von verpflichtenden Planungsinstrumenten für Wettkampfbauten, mit denen
nachhaltige Planungsziele frühzeitig festgelegt und in der Planung, Konstruktion
und im Betrieb bewertet werden können (siehe Kapitel 5.3)
Folglich sind Nachhaltigkeit und Olympische Spiele aufgrund der enormen zusätzlichen
ökologischen, sozialen und finanziellen Belastungen für die Olympiastädte im
eigentlichen Sinne ein Widerspruch, dennoch wurde im Rahmen der Fallstudien und
der Umweltbewertungen bzw. -berichte von Umweltschutzorganisationen im Kapitel 4
deutlich, dass nachhaltige Olympische Großveranstaltungen nicht nur ein “Greenwash
Marketing Tool“ sind, sondern diese tatsächlich eine Möglichkeit für ein zukunftsfähiges
Olympisches Erbe der Austragungsorte und insbesondere für deren Baustandards
darstellen (Furrer 2002: S.10). Des Weiteren tragen die Großveranstaltungen aufgrund
ihrer Medienwirksamkeit dazu bei, den Nachhaltigkeitsgedanken weltweit zu verbreiten
und zu fördern.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
306
Die letzten Kapitel machten deutlich, dass sich Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte
bei Olympischen Baumaßnahmen scheinbar durchgesetzt haben. Dennoch steht die
Einbindung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Themen in die Planungen
und Umsetzung der Olympischen Wettkampfstätten noch ganz am Anfang. Auch wenn
der Begriff der Nachhaltigkeit bereits bei den Sommerspielen von Barcelona 1992
eingeführt wurde, umfasste dieser damals eine reine Verbesserung sozialer und
gesellschaftlicher Aspekte der Stadtregeneration. Bei den „Green Games“ von
Lillehammer 1994 und Sydney 2000 standen vielmehr ökologische und
energieeffiziente Ziele im Vordergrund der Olympischen Baumaßnahmen
(Chernushenko, D. et al. 2001: S.15) (siehe Kapitel 4.1). Eine ganzheitliche
Betrachtung bezüglich ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Planungsaspekte
wurde bislang bei den Olympischen Wettkampfstätten noch nicht umgesetzt.
Die Nachhaltigkeitsansätze der Olympischen Spiele der letzten Jahre führten in den
Olympiastädten nicht nur zur Erneuerung der Stadtstruktur, wie zur großflächigen
Stadtregeneration und -begrünung, zur Umwandlung von Brachen und ehemaligen
Industriegebieten in städtische Wohn- und Freizeitquartiere und zur Verbesserung der
Luftqualität, sondern brachten insbesondere für das Bauwesen der Austragungsorte
zahlreiche Erfolge mit sich (siehe Kapitel 4):
Einführung und Verbesserung von Umweltgesetzen und Baustandards im Bereich
der Energieeffizienz, der Nachhaltigkeit und des Denkmalschutzes
Förderung von energieeffizienten und ökologischen Technologien im Bauwesen
Entwicklung von nachhaltigen Planungswerkzeugen zur Bewertung der
nachhaltigen Gebäudequalität
Folglich zeigt sich Nachhaltigkeit im Bezug auf Olympische Spiele und deren
Wettkampfstätten insbesondere durch die Verbesserung der Baustandards der
Olympiastädte und der Regionen. Bereits bei den Winterspielen von Lake Placid 1932
wurden erstmals Umweltgesetze durch Olympische Spiele eingeführt (Official Report
Lake Placid, S. 159f.). Dieser Prozess setzte sich im Laufe der Olympischen Spiele der
Neuzeit fort, wie die Fallbeispiele in Kapitel 4.1 und 4.2 zeigen. Die Entwicklung ist
jedoch stets in Abhängigkeit des Entwicklungsstandes des Austragungsorts zu
betrachten (Industrienation, Schwellenland) und muß für jeden Olympiaort
unterschiedlich definiert werden, da sich die Ausgangsbedingungen der einzelnen
Olympiastädte sehr verschieden darstellen (siehe Kapitel 4.3) (siehe Abbildung 89).
Hierbei muß zwischen Schwellenländern, wie z.B. China (Olympische Spiele Beijing
2008), und Industrienationen, wie z.B. Großbritannien (Olympische Spiele London
2012), unterschieden werden. So wurden durch die Olympischen Spiele in Sydney
2000 oder Beijing 2008 erstmals Umwelt- und Energieeffizienzgesetze für das
australische und chinesische Bauwesen eingeführt. In den Olympiastädten
Lillehammer 1992 oder London 2012 hingegen baute man auf bestehenden Bau- und
Umweltgesetzen und Mindeststandards auf bzw. verschärfte diese. Zudem konnte im
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
307
Rahmen der Analyse nachvollzogen werden (z.B. Olympische Spiele Sydney 2000),
dass sich die Gesetze und Baustandards auch auf die nationale Gesetzgebung und
Bauwirtschaft positiv ausgewirkt haben.
Abbildung 89: Verbesserung der Baustandards in den Olympischen Austragungsorten durch
Olympische Spiele und deren Baumaßnahmen
(eigene Darstellung)
Die Untersuchung zeigte, dass Olympische Spiele nicht nur ein Katalysator für
nationale Umweltbaustandards und -gesetzgebungen sind, sondern auch eine
Einführung von neuen Umwelttechnologien in den Bereichen der Wasserwirtschaft, der
Energieeffizienz und des Transports fördern, ebensowie eine Entwicklungsbasis für
neue Planungsinstrumente darstellen (siehe Kapitel 2, 4 und 5). Die Integration von
neuen Planungsinstrumenten durch Olympische Spiele geht bis in die 70er Jahre
zurück. Bereits bei den Spielen von München 1972 wurden erstmalig zur effizienteren
Umsetzung der Großbauprojekte neue Techniken der Prozesssteuerung angewandt,
die sich später auch auf nationaler Ebene durchsetzten (siehe Netzplantechnik Kapitel
2.3.4). Allerdings stand hier mehr die verbesserte Koordination und Kostenkontrolle der
Bauprozesse im Vordergrund (Eschenbruch, K. 2003: S.8). Mit der Forderung des
IOCs nach einer Umweltbewertung der Olympischen Wettkampfstätten entwickelten
sich aus Olympischen Umweltbewertungswerkzeugen nationale Systeme zur
Beurteilung und Zertifizierung der nachhaltigen Qualität von Gebäuden (Sydney 2000:
NABERS, Green Star; Beijing 2008: GOBAS) (siehe Kapitel 5) (Prasad, D. 1999:S.87).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
308
Aus den hier aufgeführten Aussagen wird die These 1 wie folgt abgeleitet:
Im Rahmen der Analyse konnte nachgewiesen werden, dass Olympische Spiele und
insbesondere deren Wettkampfstätten zahlreiche zusätzliche Belastungen auf die
Austragungsorte ausüben. Diese wirken sich jedoch nicht nur auf die Umwelt, sondern
auch auf soziale und wirtschaftliche Bereiche aus. Deshalb lassen sich Olympische
Spiele und deren Baumaßnahmen im eigentlichen Sinne nicht als nachhaltig
bezeichnen. Es zeigte sich aber, dass Olympische Spiele, insbesondere die
Olympischen Sportbauten, zu einer nachhaltigen Entwicklung des Austragungsortes
(auch auf nationaler Ebene) beitragen können und bedingt durch die
Großveranstaltung vor allem im Bereich des Bauwesens zahlreiche neue
Baustandards, Gesetze und Technologien (Bauprozess, Umweltschutz,
Energieeffizienz, Denkmalschutz etc.) entwickelt und eingeführt wurden. Dennoch steht
der zunehmende Gigantismus den Olympischen Spielen der Nachhaltigkeit von
Olympischen Wettkampfbauten mehr als im Wege. „Nachhaltigkeit von Olympischen
Sportbauten“ erfordert daher eine radikale Reduzierung der bisherigen Ausmaße der
Baumaßnahmen, d.h. eine verstärkte Nutzung von bestehenden und temporären
Bauten. Dass dies möglich ist und durchaus zu erfolgversprechenden Spielen
beitragen kann, wurde im Rahmen der Fallstudien in Kapitel 4 aufgezeigt (z.B. Los
Angeles 1984, London 2012 etc).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
309
6.2. Stärkere Verpflichtung des IOCs: Verankerung von Methoden zur
Bewertung der Gebäudequalität von Olympischen Wettkampfstätten
in den Prozess der Olympischen Bewerbung (Ableitung These 2)
These 2:
Mangelnde Vorschriften und Kriterien für nachhaltige Olympische
Wettkampfstätten durch das Internationale Olympischen Komitee (IOC) im
Rahmen des Olympischen Bewerbungsprozesses verhindern eine Umsetzung
von ökologischen, ökonomischen und sozialen Sportbauten auf internationaler
Ebene.
Um die enormen zusätzlichen Auswirkungen der Spiele und deren Wettkampfbauten
definieren und mindern zu können und den Forderungen der Öffentlichkeit
(Umweltorganisationen, Bevölkerung etc.) nachzukommen, begann das IOC Anfang
der 90er Jahre verschiedene Maßnahmen, Richtlinien und Werkzeuge für eine
umweltgerechte und nachhaltige Durchführung der Olympischen Spiele und deren
Sportbauten zu entwickeln (siehe Kapitel 3.2):
1994: Ernennung der Umwelt als dritte Dimension des Olympismus
1996: Implementierung des Umweltparagraphen in der Olympic Charter
1996: Gründung der Sport and Environment Commission
Die eben genannten Vorkehrungen und die Entwicklung von freiwilligen
Handlungskatalogen, wie der Olympic Movements Agenda 21, dem Manual on Sports
and Environment oder dem IOC Guide on Sports and Environment stellen eine positive
Entwicklung dar (siehe Kapitel 3.3). Dennoch wird deutlich, dass das IOC in den ersten
Jahren viel zu zögerlich mit dieser Thematik umgegangen ist und kaum verpflichtende
Richtlinien für die Austragungsorte vorgeschrieben hatte. Dies führte dazu, dass erst
heute, nach mehr als 20 Jahren, ein Umdenken der an den Olympischen Spielen
beteiligten Institutionen beginnt. Unterstützt wird dieser Prozess durch Richtlinien und
Werkzeuge des IOCs, die mittlerweile vor allem in der Bewerbungsphase von den
Austragungsorten verpflichtend berücksichtigt werden müssen. Die Analyse der letzten
Kapitel zeigte jedoch, dass die aufgeführten Instrumente nur erste Ansätze für eine
Umsetzung von nachhaltigen Olympischen Sportstätten darstellen (siehe Kapitel 3). Zu
nennen sind folgende Instrumente:
Applicant and Candidature Procedure and Questionnaire
Technical Manuals
Transfer of Knowledge
Olympic Games Gobal Impact Study
Audit and Masterplan
In den letzten Kapiteln wurde nachgewiesen je früher Nachhaltigkeitsaspekte in die
Olympische Planung einbezogen werden, desto effizienter und „nachhaltiger“ können
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
310
Olympische Wettkampfstätten während und nach den Olympischen Spielen
(um)geplant, (um)konstruiert und betrieben werden. Möglichst „früh“ bedeutet im Falle
der Olympischen Wettkampfstätten bereits in der Bewerbungsphase („Olympic Bid“)
(siehe Kapitel 3.5 und 5.3.2). Aussagen von Hegger (Hegger et al 2007: S.192) und
dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (Bundesamt
für Bauwesen und Raumordnung 2001: S.2) bestätigen, dass der Olympische
Bewerbungsprozess (Vorplanung und Entwurf) die wichtigste Planungsphase für die
Umsetzung von nachhaltigen Olympischen Sportstätten darstellt und hier das
Optimierungspotential am größten ist. Denn in den ersten Konzeptphasen, d.h. im
Zeitraum der Olympiakandidatur, hat das Olympische Projektteam
(Bewerbungskomitee) den größten Handlungsspielraum bezüglich der Planung und
Umsetzung von nachhaltigen Olympischen Wettkampfstätten und der Standortwahl,
bei gleichzeitig geringen Auswirkungen (z.B. Kosten) auf die jeweiligen
Gesamtgebäude und den Austragungsort (siehe Abbildung 90).
Abbildung 90: Nachhaltigkeit und Olympischer Planungsprozess
(eigene Darstellung abgeleitet aus Abb. 14 und 78)
Folglich müssen Vorgaben für nachhaltige Planungsstrategien von Olympischen
Wettkampfstätten und deren Nachnutzung bereits im Bewerbungsprozeß verpflichtend
festgelegt werden. Hierfür sind ein stärkerer Einsatz und konkretere Vorgaben als
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
311
bisher durch das IOC erforderlich (siehe Kapitel 3). Seit den Olympischen
Winterspielen von Lillehammer 1994 nehmen die Aktivitäten im Bereich des
nachhaltigen Sportstättenbaus zu und der Einsatz einiger Olympiastädte und der an
den Olympischen Spielen beteiligten Umweltinstitutionen, wie Greenpeace, WWF oder
UNEP, bewirkte die Entwicklung der ersten verpflichtenden Umweltrichtlinien durch das
IOC (Lillehammer 1994 und Sydney 2000: Integration der Thematik „Umwelt“ als dritte
Dimension des Olympismus; Turin 2006: Einführung der verpflichtenden
Nachhaltigkeitsberichterstattung) (siehe Kapitel 4.3). Dennoch zeigten die Beispiele
vergangener Spiele, dass eine Planung und Umsetzung von ökologischen,
ökonomischen und sozialen Sportstätten stark vom Engagement der
Organisationskomitees bzw. der Austragungsorte und der Umweltorganisationen
abhängig ist (siehe Kapitel 4.2 und 4.3), aber erst obligatorische Richtlinien des IOCs
tatsächlich den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau fördern (siehe Kapitel 3.5).
Die Fallbeispiele des Kapitels 4.1 stellten dar, dass durch die Einhaltung
verpflichtender IOC-Vorgaben der Sportstättenbau hinsichtlich ökologischer und
energieeffizienter Aspekte gefördert wurde (z.B. Festlegung der Nachnutzung bereits
im Kandidaturprozeß). Hieraus haben sich neue Umweltgesetzgebungen (z.B.
Verbesserung der Baustandards) und Planungsinstrumente in den Austragungsorten
und -nationen (z.B. Umwelt- und Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme für Gebäude)
entwickelt (siehe Kapitel 3.5 und 4.3). Eine Verbesserung des Olympischen
Sportstättenbaus hinsichtlich ökologischer und energieeffizienter Aspekte (z.B. Einsatz
von ressourcenfreundlichen Materialien, neuen Umwelttechnologien zur Energie- und
Wassereinsparung etc.) wurde bei den Olympischen Spielen von Lillehammer 1994,
Sydney 2000, Salt Lake City 2002, Beijing 2008, Vancouver 2010 und London 2012
deutlich (siehe Kapitel 4.1).
Im Rahmen der Analyse wurde nachgewiesen, dass die bislang aussagekräftigsten
verpflichtenden IOC-Vorgaben für den Olympischen Bewerbungsprozeß der
Olympische Masterplan und der Anforderungskatalog „Applicant and Candidature
Procedure and Questionnaire“ für Bewerberstädte darstellen (IOC 2007b, S.57f.)
(siehe Kapitel 3.5). Allerdings bilden die Werkzeuge nur Teilaspekte der Nachhaltigkeit
ab (z.B. Ökologie, Energieeffizienz) und sind somit nur ansatzweise ein Instrument für
einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, d.h. für die ökologische, ökonomische und
soziale Planung und Ausführung von Olympischen Wettkampfstätten. Der Olympische
Masterplan zwingt die Bewerbungs- bzw. Organisationskomitee bereits in der
Kandidaturphase strukturelle und funktionale Aussagen für die bestehenden und
geplanten Wettkampf- und Nichtwettkampfstätten (permanent und temporär) zu treffen,
zeitliche Ablaufplanungen festzulegen und das Nachnutzungskonzept der Olympischen
Wettkampf- und Nichtwettkampfstätten, ebenso wie die Integration der Olympischen
Baumaßnahmen (Wettkampfstätten, Unterkünfte und Verkehrsinfrastruktur) in die
bestehende Stadtentwicklungsplanung zu beschreiben (International Olympic
Committee 2004b: S.111ff.). Des Weiteren gilt es Angaben zum Umwelt- und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
312
Nachhaltigkeitskonzepts für die Planung und Durchführung der Olympischen Spiele
und deren Baumaßnahmen zu definieren (International Olympic Committee 2002a:
S.48) (siehe Kapitel 3.4.2.4). Neben dem Masterplan ist als weiteres wichtigstes
obligatorisches Werkzeug für den Olympischen Sportstättenbau der
Anforderungskatalog „Applicant and Candidature Procedure and Questionnaire“ für
Bewerberstädte zu nennen. Um den Bewerbungsprozess transparenter zu gestalten,
erfolgt die Bewerbung seit dem Korruptionsskandal der Winterspiele von Salt Lake City
2002 in zwei Phasen (Applicant City und Candidate City) und nach den Vorgaben des
Bewerbungskatalogs „Applicant and Candidature Procedure and Questionnaire“ (siehe
Kapitel 3.4). Zur Umsetzung von ökologischen Olympischen Sportstätten stellt das IOC
an die Bewerberstädte und Austragungsorte folgende Anforderungen: „Carry out initial
environmental impact assessments for all venues, competition venues, IBC and MPC,
Olympic Village(s) and interconnecting Olympic infrastructure“ (International Olympic
Committee 2006a: S. 138) (siehe Kapitel 5.2). Diese Richtlinie fordert von allen
Olympischen Sportstätten eine Umweltbewertung und stellt eine der bedeutendsten
verpflichtenden IOC Vorgaben für die Umsetzung und Bewertung von nachhaltigen
olympischen Sportstätten dar.
Die Aussage, dass insbesondere das IOC als internationaler Dachverband des Sports
wesentlich stärker und mit gezielteren Forderungen in die Umsetzung und Bewertung
von nachhaltigen Olympischen Spielen und deren Wettkampfstätten eingreifen müsste,
wird auch durch die Umweltschutzorganisationen unterstützt, die an Olympischen
Spielen beteiligt waren (siehe Kapitel 4.2 und 4.3) (WWF 2004: S. 18f.): „The IOC
should set high environmental requirements for site selection, development, energy
and water conservation and pollution avoidance by exacting environmental standards
(…) through independent environmental and social impact assessment and through
focussing on re-using or adapting existing facilities and infrastructure and restoring
degraded sites.“ Alle Umweltinstitutionen (Greenpeace, UNEP und WWF), die in den
letzten Jahren maßgeblich zur Förderung der Olympischen Spiele und deren
Baumaßnahmen hinsichtlich ökologischer und energieeffizienter Planungsziele und
deren Umsetzung bei Olympischen Spielen beigetragen haben, weisen in ihren
Umweltberichten auf einen stärkeren Eingriff des IOCs in Bezug auf
Nachhaltigkeitsrichtlinien für die Umsetzung und Bewertung von Olympischen
Wettkampfstätten hin. Dies betrifft vor allem Bereiche der Standortwahl, der
Projektentwicklung, der Nutzung von bestehenden Wettkampfstätten und des
Einsatzes von neuen Technologien zur Wasser-, Energie- und Mülleinsparung, als
auch für die Nachnutzung der Olympischen Sportbauten und deren Bewertung (WWF
2004: S.18f.) (UNEP 2008) (WWF 2006) (Greenpeace 2004). Laut Aussage von
UNEP, Greenpeace und WWF müsse das IOC wesentlich striktere bzw.
verpflichtendere Umweltstandards als bisher für Olympische Spiele und deren
Baumaßnahmen einführen, da die jetzigen Forderungen zu Umweltschutz- und
Nachhaltigkeitsthemen von den Austragungsorten nach eigenen Maßstäben ausgelegt
und zum Teil sogar missachtet werden (siehe Kapitel 4.2 und 4.3).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
313
Aufgrund der dargestellten Aussagen erfolgt die Ableitung der These 2 nach folgenden
Aspekten:
Die bisherigen Vorgaben des IOCs und die Integration der Thematik „Umwelt“ in den
Olympischen Bewerbungsprozess sind einerseits ein bedeutender Fortschritt für die
Umsetzung von ökologischen und energieeffizienten Olympischen Sportstätten,
andererseits stellen ökologische Aspekte in keiner der beiden Bewerbungsphasen ein
ausschlaggebendes Auswahlkriterium für die Wahl der Austragungsorte dar (siehe
Kapitel 3.4.1.4). Auch werden schwerpunktmäßig nur ökologische Vorgaben für die
Gesamtveranstaltung aufgestellt, soziale und ökonomische Richtlinien für Olympische
Wettkampfstätten sind vom IOC bislang nicht verpflichtend vorgegeben. Zudem sind
zahlreiche Werkzeuge des IOCs, wie die Technischen Handbücher oder die
Internetplattform des IOC-Wissenstransfers nicht frei zugänglich, sondern werden
bislang nur den Kandidaturstädten zur Verfügung gestellt. Die mangelnde Freigabe der
Informationen des IOCs für die Öffentlichkeit und die fehlenden verpflichtenden
Nachhaltigkeitsrichtlinien (ökologische, ökonomische und soziale) für Olympische
Sportbauten sind somit ein unzureichender Ansatz für die Planung und Umsetzung von
Olympischen Wettkampfstätten. Beispiele der vergangenen Olympischen Spiele
zeigten, dass der Einsatz von ökologischen und energieeffizienten Umwelttechnologien
im Sportstättenbau mittlerweile durchaus möglich ist (Stand der Technik). Um den
nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau zu fördern und die zusätzlichen
Umweltbelastungen der Spiele zu minimieren, ist es daher erforderlich, die Umwelt-
und Nachhaltigkeitskonzeption der Olympischen Spiele und deren Baumaßnamen
wesentlich stärker, d.h. als eines der ausschlaggebenden Kriterien, innerhalb des
Bewerbungsprozesses zu integrieren (siehe Kapitel 3.5), und bereits existierende
verpflichtende Richtlinien für den Sportstättenbau seitens des IOC verstärkt
weiterzuentwickeln und frei zugänglich zu machen, ebenso wie neue detaillierte
obligatorische Nachhaltigkeitsansätze festzulegen (siehe Kapitel 3.5).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
314
6.3. Nachhaltige Olympische Wettkampfstätten: von der „Green Building“
- Bewertung hin zur Nachhaltigkeitszertifizierung (Ableitung These 3)
These 3:
Erst die Entwicklung von Bewertungskriterien für nachhaltige Olympische
Sportbauten fördert die Gebäudequalität der Wettkampfstätten in Bezug auf
Funktionalität, Nachhaltigkeit, Design und Nachnutzung und macht die
Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten messbar.
In den letzten Jahren haben sich auf internationaler Ebene Systeme zur Bewertung
und Zertifizierung der nachhaltigen Planung und Umsetzung von Olympischen
Wettkampfstätten als aussagekräftige Instrumente erwiesen. Mit Hilfe von Bewertungs-
und Zertifizierungsmethoden können die Nachhaltigkeit von Gebäuden umgesetzt,
beurteilt und überprüft (z.B. akkreditierte Zertifizierungsstelle) und die bestehenden
Planungsinstrumente, nationalen Standards und Gesetzgebungen, ebenso wie
Aspekte des nachhaltigen Bauens in einem Gütesiegel gebündelt werden (siehe
Kapitel 5). Dies trifft auch für den Olympischen Sportstättenbau zu. In frühen
Planungsphasen, d.h. bereits während des Bewerbungsprozesses lassen sich mit
diesen Methoden erste Informationen über die Qualität der Wettkampfstätten ermitteln,
aus denen sich Hinweise zur Verbesserung der Nachhaltigkeitseigenschaften ableiten
lassen. Bei fertig gestellten Sportbauten dienen Gebäudezertifikate dazu, Nutzern und
Betreibern eine nachvollziehbare Dokumentation und Bewertung bezüglich der
nachhaltigen Gebäudequalität zu liefern (siehe Kapitel 5.3).
Der Einsatz von Nachhaltigkeitsbewertungen auf internationaler Ebene nimmt
heutzutage mehr und mehr zu und auch bei Olympischen Sportbauten werden solche
Methoden vermehrt eingesetzt (siehe Kapitel 5.2). Dies wird zum einem durch die
Vorgaben des IOCs im Rahmen des Bewerbungsprozesses gefördert, zum anderen
bieten Bewertungsmethoden Kriterien und Richtlinien für die Planung und Umsetzung
von nachhaltigen Olympischen Wettkampfbauten.
Für die Durchführung eines nachhaltigen Planungsprozesses und die Umsetzung von
ökologischen und energieeffizienten Baumaßnahmen bei Olympischen Spielen wird
seit der Einführung des „Candidature Procedure and Questionnaire“ durch das IOC
bereits während der Kandidaturphase eine Umweltbewertung für alle Olympischen
Wettkampfbauten gefordert (International Olympic Committee 2006a: S.138) (siehe
Kapitel 3 und 5): „Carry out initial impact assessments for all compentition venues (…)“
(International Olympic Committee 2006a: S.90). Diese Forderung wird bislang von den
Austragungsorten und Bewerberstädten mit unterschiedlichsten Bewertungsmethoden
und Planungswerkzeugen durchgeführt. Zum einen wurden freiwillige
Umweltbewertungen von unabhängigen Umweltorganisationen und -verbänden, wie
Greenpeace, WWF oder UNEP vorgenommen, die jedoch vorrangig die Umsetzung
des Olympischen Großevents beurteilen und nur zum Teil die Olympischen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
315
Baumaßnahmen mit einschlossen (siehe Kapitel 4.2). Zum anderem wurden von den
Organisationskomitees für die Olympischen Bauten nationale Bewertungs- und
Zertifizierungsinstrumente angewandt, die zum Teil speziell für die jeweiligen Spiele
und deren Baumaßnahmen entwickelt wurden (siehe Kapitel 5).
Insbesondere Umweltorganisationen, wie Greenpeace, WWF oder UNEP, haben stark
zur Integration von ökologischen und energieeffizienten Planungszielen und deren
Umsetzung bei Olympischen Spielen beigetragen. Die Institutionen waren nicht nur
beratend tätig, sondern verpflichteten sich selbst die durchgeführten
Umweltmaßnahmen während und nach den Olympischen Großevents zu bewerten, um
Aussagen zur Umweltqualität der Sportgroßveranstaltung und deren Baumaßnahmen
treffen zu können. Die Olympischen Sommerspiele von Sydney waren die erste
Olympische Großveranstaltung, die von Greenpeace beurteilt wurde (Kapitel 4.2.1).
Aufbauend auf diesem Model führten Greenpeace, WWF und UNEP bei den folgenden
Spielen Umweltbewertungen durch (Kapitel 4.2 und 4.3). Die Bewertung erfolgte nicht
anhand von festgelegten Richtlinien und Abstufungen, sondern meist in Form einer
Nachhaltigkeitsberichterstattung, die die erzielten Fort- und Rückschritte der
olympischen Austragungsorte hinsichtlich ökologischer und technischer Aspekte
beschrieb und sich an den „Greenpeace Environmental Guidelines“ der Spiele von
Sydney 2000 orientierte. Die Basis bildete stets der Status Quo der Olympiastädte vor
den Spielen.
Eine Beurteilung der ökologischen und energieeffizienten Gebäudequalität der
Olympischen Sportbauten durch ein Organisationskomitee auf Forderung des IOCs
erfolgte erstmals bei den Sommerspielen von Sydney 2000 (ESD Guidelines) (siehe
Kapitel 3.4 und 5). Diese Anforderung wird bislang von den Austragungsorten mit
unterschiedlichen Bewertungswerkzeugen erfüllt. Zum einen wurde auf bestehende
nationale Bewertungs- und Zertifizierungsinstrumente zurückgegriffen, zum anderen
wurden von den Organisationskomitees im Rahmen der Olympischen Spiele spezielle
Bewertungsinstrumente für die Olympischen Wettkampfstätten entwickelt, die nach den
Spielen als Ausgangsbasis für neue nationale Zertifizierungssysteme dienten (siehe
Kapitel 5.2). Hierbei zeigte sich, dass Olympische Spiele einen Impulsgeber für die
Entwicklung von nationalen Gütesiegeln zur Bewertung der nachhaltigen
Gebäudequalität darstellen (z.B. Sydney 2000: Green Star und Nabers; Beijing 2008:
GBAS) (siehe Kapitel 4.3 und 5.2). Folgende Bewertungsmethoden für Sportbauten
wurden bislang bei Olympischen Spielen eingesetzt:
Sydney 2000: ESD (Environmental Sustainable Development) - neues
Bewertungssystem für Olympische Wettkampfstätten
Salt Lake City 2002: LEED NC (New Construction) - bestehendes
Bewertungssystem für Neubauten
Beijing 2008: GOBAS (Green Olympic Building Assessment System) - neues
Bewertungssystem für Olympische Wettkampfstätten
Vancouver 2010: LEED NC Canada (New Construction) - bestehendes
Bewertungssystem für Neubauten
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
316
London 2012: BREEAM:bespoke - bestehender Bewertungskatalog,
Weiterentwicklung für Olympische Wettkampfstätten (neue Gebäudetypologie)
Die Analyse der letzten Kapitel zeigte, dass sich Bewertungs- und
Zertifizierungsmethoden in zwei Gruppen gliedern lassen: nach Bewertungstypologien
der ersten und der zweiten Generation. Die Systeme, die als erste
Zertifizierungssysteme in den 90er Jahren auf internationaler Ebene entwickelt wurden
und die vorrangig die „grünen“, d.h. ökologischen und energetischen Qualitätskriterien
eines Gebäudes bewerten („Green Building“ - Approach), gehören der ersten
Generation an. Als Bewertungssysteme der zweiten Generation bezeichnet man
Werkzeuge, die nicht nur ökologische und energieeffiziente Aspekte eines Gebäudes
berücksichtigen, sondern bei denen die ganzheitliche Qualität des Gebäudes ebenso
wie der komplette Lebenszyklus (Planung, Konstruktion, Inbetriebnahme, Nutzung und
Abriss) im Vordergrund der Beurteilung stehen. Somit finden ökologische,
ökonomische, sozial-kulturelle, technische, standortspezifische und funktionale
Aspekte Berücksichtigung („Sustainable Building“ - Approach) (siehe Kapitel 5.3).
Diese Aufteilung lässt sich auch auf die Bewertung von Olympischen Sportbauten
übertragen. Bislang wurden bei Olympischen Spielen vorrangig Bewertungsmethoden
eingesetzt, die den Green-Building-Ansatz (z.B. LEED oder BREEAM) verfolgen, d.h.
die Bewertung von energetischen und ökologischen Aspekten.
Wie bei allen international angewandten Gütesiegeln ist auch bei den im Rahmen der
Olympischen Spiele eingesetzten Bewertungsmethoden eine Tendenz in Richtung des
ganzheitlichen Ansatzes („Sustainable Building“) zu beobachten (siehe Olympische
Spiele London 2012: Ergänzung der Kriterien von BREEAM mit sozialen und
kulturellen Nachhaltigkeitszielen der Olympic Delivery Authority) (siehe Kapitel 5.2.4).
Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den Bewertungen der Olympischen Spiele und
deren Baumaßnahmen durch Umweltorganisationen (siehe Kapitel 4.2). Während bei
der Beurteilung der Olympischen Großveranstaltungen von Sydney 2000 und Athen
2004 vorrangig ökologische Aspekte im Vordergrund standen (siehe Kapitel 4.2.1 und
4.2.2), wurden mit den Spielen von Turin 2006 erstmalig soziale und kulturelle
Auswirkungen beurteilt (siehe Kapitel 4.2.3). Bei den Sommerspielen von Beijing 2008
kam die Beurteilung des Bauprozesses und der Nachnutzung der Olympischen
Baumaßnahmen mit hinzu (siehe Kapitel 4.2.3).
Dass sich heutzutage Wettkampfstätten ganzheitlich, d.h. nach ökologischen,
ökonomischen und sozialen Aspekten, bewerten lassen und somit der gesamte
Lebenszyklus von Olympischen Sportimmobilien mit einbezogen werden kann, d.h. von
der Herstellung über die Konstruktion bis hin zu Betrieb und Abriss, zeigte der
Vergleich der international angewandten Bewertungssysteme in Kapitel 5 (siehe
Kapitel 5.3). Um bei Olympischen Sportstätten zukünftig eine ganzheitliche
Nachhaltigkeitsbewertung zu gewährleisten, müsste das IOC, wie bereits mit These 2
nachgewiesen (siehe Kapitel 6.2), wesentlich strikter als bisher in die Beurteilung der
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
317
Olympischen Sportbauten eingreifen. Ein erster wichtiger Schritt wäre die Anforderung
des „Candidature Procedure and Questionnaire“ hinsichtlich der Umweltbewertung
(environmental impact assessment“) im Rahmen des Bewerbungsprozesses wie folgt
abzuändern: „Carry out initial sustainable impact assessments for all venues (…)“
(International Olympic Committee 2006a: S.138) (siehe Kapitel 5.3.3). Dies wird durch
die Aussage der Umweltorganisationen Greenpeace, WWF und UNEP bestärkt, die
vom IOC als „Supervising Body“ eine verstärkte Integration von
Nachhaltigkeitsaspekten im Rahmen der Umsetzung und Bewertung von Olympischen
Spielen und deren Baumaßnahmen fordern (Greenpeace 2000: S.8) (Kapitel 4.3).
Da das IOC von den Austragungsorten nur eine Beurteilung der Umweltbelastungen
der Wettkampfstätten verlangte und keine Angaben zu Bewertungsinhalten und
-prozessen machte, erfüllten die Austragungsorte diese Anforderung mit
unterschiedlichen Bewertungswerkzeugen. Bedingt durch die verschiedenen
Instrumente sind die Bewertungsresultate der Wettkampfstätten kaum miteinander
vergleichbar und besitzen eine unterschiedliche Aussagekraft bezüglich ökologischer,
ökonomischer und sozialer Aspekte (siehe Kapitel 5.3). Neben Kriterien, die die
Ökologie und Energieeffizienz eines Gebäudes beschreiben, wäre es erforderlich den
gesamten Lebenszyklus einer Olympischen Sportstätte (Olympische
Großveranstaltung und Nachnutzung) in die Beurteilung zu integrieren. Ebenso wären
ökonomische und soziokulturelle Bewertungsaspekte und Kriterien mit einzubeziehen,
die speziell den Olympischen Sportstättenbau (Neubau und Bestand) betreffen
(Feddersen, A. et W. Maennig 2003: S. 19) (siehe Kapitel 5.3.3). Die Vorgabe von
detaillierten Angaben und Vorschriften zu den Inhalten und Abläufen der Bewertung
der Nachhaltigkeitsqualität von Olympischen Sportstätten, die Berücksichtigung von
internationalen Normen und Zielsetzungen für Nachhaltiges Bauen (ISO TC 59 SC 17:
Sustainability in Building Construction, CEN TC 350: Sustainability of construction
works - Framework for assessment of buildings) und der Einbezug von Olympischen
Werten und Vorgaben des IOCs und der Olympischen Bewegung (Olympic Charter,
Candidature Procedure and Questionnaire) würden die Nachhaltigkeitsbewertung von
Olympischen Sportstätten enorm fördern (siehe Kapitel 5.3).
In den letzten Kapiteln wurde deutlich, dass neben den klassischen in der
internationalen Normung geforderten Säulen (Ökonomie, Ökologie und sozio-kulturelle
Aspekte) für die Gebäudetypologie „Olympischer Sportstättenbau“ gezielte Olympische
und standortspezifische Aspekte abgefragt werden müssen. Diese werden wie folgt
definiert: Olympischer Planungsprozess, temporäre Bauten, Funktionalität der
Wettkampfstätten, Barrierefreiheit und Zugänglichkeit im Hinblick auf die
Paralympischen Spiele, Nutzung von Bestandsbauten, Sportstättenarchitektur und
Nachnutzung der Wettkampfstätten, Integration der Olympischen Baumaßnahmen in
das bestehende Stadtgefüge, Wiederbelebung von Brachen und transportspezifische
Aspekte während und nach den Spielen. Aus diesen Anforderungen lässt sich die in
Abbildung 91 dargestellte Bewertungsstruktur ableiten.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
318
Abbildung 91: Nachhaltigkeitsaspekte zur Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität von
Olympischen Wettkampfstätten
(eigene Darstellung)
Da sich mit Bewertungsmethoden nicht nur die Gebäudequalität beurteilen lässt,
sondern auch frühzeitig Entwurfsziele in spezifische Qualitätsziele transformiert werden
können (Planungsphase), lassen sich mit diesen Methoden bereits während der
Kandidaturphase Entwurfsentscheidungen und ökologische, ökonomische und soziale
Planungsziele festlegen. Des Weiteren können erste Aussagen zur nachhaltigen
Gebäudequalität der Olympischen Wettkampfstätten getroffen werden (z.B. Kandidatur
von Paris 2012: Einsatz der HQE Methode; Kandidatur von München 2018:
Anwendung des DGNB Gütesiegels) (siehe Kapitel 5.3). Das Kapitel 5 verdeutlichte,
dass sich der Bewertungsablauf von Gebäuden (Neubauten) bei allen Systemen in drei
Abschnitte gliedert: Vorbewertung, Bewertung und Nachbewertung (siehe Kapitel
5.3.2). Diese Aussage bekräftigen herkömmliche Zertifizierungsmethoden, wie
BREEAM, LEED und DGNB, mit unterschiedlichsten Werkzeugen. Mit Hilfe eines
Interim BREEAM Certificate (Zwischenzertifikats) (BREEAM), einer Checkliste (LEED)
oder eines Vorzertifikats (DGNB) legen bestehende Systeme Nachhaltigkeitsziele
bereits in der Planung fest und können somit eine erste Beurteilung der geplanten
Gebäudequalität im Entwurfsstadium vornehmen (Vorzertifikat) (siehe Kapitel 5.3.2).
Die eigentliche Bewertung erfolgt bei allen Systemen nach Fertigstellung des
Gebäudes. Nachzertifizierungen, d.h. die Überprüfung der Inhalte der Hauptbewertung
während des Betriebs (z.B. drei bis fünf Jahre nach Inbetriebnahme) werden bislang
bei allen Bewertungsmethoden nicht verpflichtend gefordert, allerdings von den
Zertifizierungsstellen zukünftig angedacht (siehe Kapitel 5.3.1). Die Bewertung von
Bestandsbauten (Betrieb von Gebäuden) erfolgt nach folgenden Verfahren: LEED
Existing Building (EB), BREEAM Management and Operation (MO) (MO BREEAM
Certificate) oder DGNB Bestand (siehe Kapitel 5.3.2). Die Durchführung der Bewertung
durch akkreditierte Prüfer (Auditoren, Zertifizierer etc.) und die zusätzliche Überprüfung
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
319
der Bewertungsdokumentationen durch Zertifizierungsstellen der einzelnen Systeme
gewährleisten die Qualität der Bewertungsmethoden (siehe Kapitel 5).
Eine ähnliche Vorgehensweise des IOCs würde den nachhaltigen Olympischen
Sportstättenbau während des gesamten Lebenszyklus fördern („long-term planning“:
Bewerbung, Olympische Spiele und Nachnutzung) und den Auswahlprozess der
Olympiabewerbungen unterstützen. Das folgende Verfahren wäre hierbei notwendig
(siehe Kapitel 5.3.2) (siehe Abbildung 92):
Vorbewertung: während der Olympiabewerbung bzw. nach Zusage als
Austragungsort, d.h. in der Entwurfsphase (Applicant and Candidate City)
Bewertung: nach Fertigstellung, d.h. für die Olympischen Spielen (Host City)
Nachbewertung: nach den Olympischen Spielen, d.h. Überprüfung der
Nachnutzung (Olympic City)
Abbildung 92: Bewertungsprozess der Nachhaltigkeitszertifizierung von Olympischen
Wettkampfstätten
(eigene Darstellung)
Die Festlegung von Nachhaltigkeitszielen und deren verpflichtende Vorbewertung in
der Phase der Olympiabewerbung würde dem Auswahlprozess der Spiele nicht nur als
detaillierte und aussagekräftige Entscheidungsgrundlage dienen, sondern auch die
tatsächliche Umsetzung von Olympischen Wettkampfstätten unterstützen, da bereits in
der Planung verpflichtende Nachhaltigkeitsziele festgelegt werden können. Eine
erneute Bewertung bzw. Zertifizierung nach Fertigstellung (durch Dritte, z.B. IOC)
sichert zudem die Qualitätskontrolle und die Durchführung der ökologischen,
ökonomischen und sozialen Planungsziele. Zur Gewährleistung der Nachnutzung der
Olympischen Sportbauten nach dem Großevent würde eine verpflichtende
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
320
Nachbewertung bzw. –zertifizierung ein geeignetes Werkzeug darstellen, um die
Umsetzung eines nachhaltigen Olympischen Erbes zu fördern.
Zusammenfassend lassen sich für die Bewertung und Zertifizierung von Olympischen
Wettkampfbauten für deren Planungs-, Konstruktions- und Betriebsphase folgende
Vorteile aufzeigen (siehe Kapitel 3, 4 und 5):
Förderung der Umsetzung von nachhaltigen Olympischen Sportstätten durch
Festlegung von verpflichtenden Planungszielen bereits in der Bewerbungsphase
Förderung der Nachnutzung und Auslastung der Olympischen Wettkampfstätten
nach den Olympischen Spielen durch höhere Wettbewerbsfähigkeit und
erheblichen Mehrwert der Olympischen Sportbauten über deren gesamten
Lebenszyklus hinweg (Olympische Spiele und danach) (abgeleitet nach Lechner et
al 2006: S.14)
Sicherstellung der Vergleichbarkeit der Gebäudequalität der Olympischen
Sportstätten auf nationaler und internationaler Ebene hinsichtlich ökologischer,
ökonomischer und sozialer Aspekte
Verbesserung der Transparenz des Olympischen Planungsprozesses durch die
Beschreibung der Nachhaltigkeitsqualität der Olympischen Sportbauten und der
Bereitstellung von Informationen für die Betreiber und Nutzer der Wettkampfstätten
(abgeleitet nach Hauser, G. 2008: S.83)
Gewährleistung der Umsetzung der nachhaltigen Gebäudequalität der
Olympischen Wettkampfstätten und deren Betrieb durch einen integralen
Planungsprozess (Planungsphase) und ein gezieltes Monitoring (Betrieb)
Förderung der Qualitätsstandards des internationalen Sportstättenbaus durch die
Beschleunigung der Markteinführung von neuen energieeffizienten Technologien
und ökologischen Materialien (abgeleitet nach Deutsche Energieagentur GmbH
2006: S.3)
Reduzierung der zusätzlichen ökologischen, sozialen und ökonomischen
Belastungen und Auswirkungen des Olympischen Mega-Events auf die
Austragungsorte durch Minderung der Emissionen (Treibhausgase etc.),
Verbesserung der funktionalen und technischen Gebäudequalität, der
Energieeffizienz, der Ressourceneinsparung (Wasser, Materialien etc.), des
Nutzerkomforts und der Öffentlichkeitswirkung der Olympischen Wettkampfstätten
über deren gesamten Lebenszyklus (abgeleitet nach U.S. Green Building Council
2006: S.12)
Verbesserung der Behaglichkeit und des Nutzerkomforts der Olympischen
Sportbauten: verbesserte Ausgangsbedingungen für die Athleten
Für die These 3 lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:
Die Erfahrungen zeigen, dass Gebäude, die unter Berücksichtigung von
Nachhaltigkeitskriterien erbaut wurden, viele Vorteile gegenüber konventionellen
Gebäuden aufweisen (Braune et al 2007: S.4). Dies gilt auch für den Olympischen
Sportstättenbau, wie in den letzten Kapiteln nachgewiesen wurde (siehe Kapitel 4 und
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
321
5). Der Einsatz von Bewertungs- und Zertifizierungssystemen macht die Nachhaltigkeit
von Olympischen Wettkampfstätten messbar und mit anderen Gebäuden vergleichbar
(Lützkendorf 2002: S. 3) (siehe Kapitel 5.3). Allerdings ist diese Vorgehensweise auf
internationaler Ebene derzeit nur eingeschränkt möglich, da das IOC von den
Austragungsorten nur eine Umweltbewertung fordert und die Austragungsorte die
Gebäudequalität der Wettkampfstätten bislang vorrangig nach ökologischen und
energieeffizienten Aspekte bzw. nach eigenen Auslegungen bewertet haben („Green
Building“). Erst eine verpflichtende Nachhaltigkeitsbeurteilung, die den gesamten
Lebenszyklus (Bewerbung, Olympische Spiele und Nachnutzung) der
Wettkampfstätten (Bestand und Neubau) berücksichtigt, d.h. die eine Vorbewertung,
Bewertung und Nachbewertung von ökologischen, ökonomischen und sozialen,
ebensowie olympia- und standortspezifischen Kriterien beinhaltet (Sustainable
Building“) und deren Überprüfung durch akkreditierte Dritte erfolgt (z.B. Zertifizierung
durch IOC), fördert die Nachhaltigkeitsqualität der Olympiastätten. Dieser Ansatz trägt
zur Minderung der zusätzlichen ökologischen, ökonomischen und sozialen
Mehrbelastungen der Olympischen Spiele auf den Austragungsort bei und unterstützt
die nachhaltige Entwicklung des Sportstättenbaus (Breiten- und Spitzensport) auf
internationaler Ebene (siehe Kapitel 4.3 und 5.3).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
322
6.4. Internationale Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsbewertungs-
methoden für Olympische Wettkampfstätten: Forderung nach
Mindeststandards (Ableitung These 4)
These 4:
Nur der verpflichtende Einsatz eines einheitlichen internationalen Gütesiegels
zur Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen Gebäudequalität von
Olympischen Wettkampfbauten durch das IOC führt zur tatsächlichen
Umsetzung von nachhaltiger Sportstättenarchitektur auf internationaler Ebene.
Die letzten Kapitel zeigten, dass Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden geeignete
Werkzeuge darstellen, mit denen die Nachhaltigkeit von Olympischen
Wettkampfstätten umgesetzt und beurteilt werden kann. Mit diesen können bestehende
Planungsinstrumente, nationale Standards und Gesetzgebungen und Aspekte des
nachhaltigen Bauens der Austragungsorte in einem Gütesiegel für Olympische
Wettkampfstätten gebündelt werden. In frühen Planungsphasen, d.h. bereits während
des Bewerbungsprozesses, können mit diesen Methoden nicht nur erste Informationen
über die Qualität der Olympischen Sportstätten (Bestand und Neubau) ermittelt
werden, aus denen sich Hinweise zur Verbesserung der Nachhaltigkeitseigenschaften
ableiten lassen, sondern auch ökologische, ökonomische und soziale Planungsziele
festgelegt werden. Bei fertig gestellten Wettkampfstätten dienen die Gebäudezertifikate
dazu, Nutzern und Betreibern eine nachvollziehbare Dokumentation und Bewertung
der nachhaltigen Gebäudequalität der Olympischen Sportstätte zu liefern (siehe Kapitel
5.3.3). Eine solche Umweltbewertung der Olympischen Wettkampfstätten fordert das
Internationale Olympische Komitee seit den Spielen von Sydney 2000 von den
Austragungsorten bereits während des Olympischen Bewerbungsprozesses (siehe
Kapitel 3.5). Das IOC macht bislang keine Vorgaben, welche Inhalte und
Bewertungsabläufe von den Austragungsorten bei der Beurteilung der Sportbauten
einzuhalten sind (siehe Kapitel 3.5). Die eigentlichen Ziele und Bewertungsverfahren
für nachhaltige Olympische Wettkampfstätten, d.h. die Inhalte und Kriterien (z.B.
Richtlinien für Energieeffizienz, Gefahrstoffklassen von Materialien usw.), die
Bewertungsprozesse (z.B. Bewertungszeitpunkt) und die Bewertungsstufen (z.B.
Silber, Gold, Platin), wurden alleinig durch die Austragungsorte festgelegt und daher
von den Organisationskomitees mit unterschiedlichsten Werkzeugen und Vorschriften
vorgenommen (siehe Kapitel 5.2 und 5.3).
In den letzten Kapiteln wurde nachgewiesen, dass im Rahmen der Beurteilung von
Olympischen Wettkampfstätten vorrangig die ökologische und energetische
Gebäudequalität („Green Building“ - Ansatz) der Olympischen Sportstätten beurteilt
wurde (siehe Kapitel 5.3.3). Neben Aspekten, die die Ökologie und die Energieeffizienz
eines Gebäudes betreffen, können heutzutage aber auch ökonomische und soziale
Kriterien unter Einbezug des gesamten Lebenszyklus, d.h. von der Herstellung über
die Konstruktion bis hin zu Betrieb und Abriss, mit bereits existierenden nationalen
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
323
Planungsinstrumenten nachgewiesen und bewertet werden. Dies gilt sowohl für den
Neubau, als auch für den Sportstättenbestand. Aufgrund des Einsatzes von
unterschiedlichen Bewertungsmethoden, fällt die Umsetzung der Olympischen
Baumaßnahmen und die Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewertung der Olympischen
Baumaßnahmen in den Austragungsorten immer sehr unterschiedlich aus. Diese ist
stets von der Qualität und dem Fortschritt der Baustandards der jeweiligen
Olympiastädte abhängig (Unterschiede zwischen Industrienationen und
Schwellenländer: z.B. Turin 2006, Beijing 2008 oder Vancouver 2010; siehe Ableitung
These 1, Kapitel 6.1). Damit zukünftig bei Olympischen Sportstätten auf internationaler
Ebene eine vergleichbare Gebäudequalität geschaffen werden kann und nicht mehr
nur ökologische und energieeffiziente Aspekte bewertet werden, sondern eine
ganzheitliche Beurteilung („Sustainable Building“ - Ansatz) erfolgt, ist das IOC daher
gefordert verpflichtende gezielte Vorgaben für die Bewertung der Wettkampfstätten zu
erstellen. Diese gilt unbedingt in den Olympischen Planungsprozess mit einzubeziehen
(siehe Ableitung These 3, Kapitel 6.3).
Hier stellt sich die Frage, ob ein einheitliches internationales Gütesiegel für die
Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen Gebäudequalität von Olympischen
Sportbauten durch das IOC tatsächlich eine Basis für die Planung und Umsetzung von
nachhaltigen Olympischen Sportstätten darstellt. Die Vergleiche, Gegenüberstellungen
und Zusammenfassungen von Bewertungssystemen der letzten Kapitel zeigten, dass
die existierenden Gütesiegel und die bei Olympischen Spielen angewandten
Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden nur bedingt international einsetzbar sind, da
diese individuell auf den klimatischen, politischen, nationalen, gesellschaftlichen und
kulturellen Ausgangsbedingungen der Nationen basieren, für die diese entwickelt
wurden. Zudem gibt es auf internationaler Ebene kein „bestes bzw. allgemeingültiges
System“, das in jedem Land bzw. Olympischen Austragungsort uneingeschränkt
anwendbar ist (siehe Kapitel 5.3). Folglich ist eine international allgemeingültige
Bewertungsmethode für Olympische Wettkampfstätten kein Erfolgsgarant für eine
nachhaltige Planung, Umsetzung und Beurteilung von Olympischen Sportbauten, da
diese die speziellen Ausgangsbedingungen der jeweiligen Olympischen
Austragungsorte nicht ausreichend berücksichtigt (siehe Kapitel 5.3). Diese Aussage
belegt auch die Studie von BRE aus dem Jahr 2008. Daher wird gefordert, dass für alle
Bewertungsmethoden von den zuständigen Institutionen (z.B. Green Building Council,
Kapitel 5.1.2) ein gemeinsamer Mindeststandard auf Kriterien- und Indikatorenbasis
entwickelt werden soll, um die Qualität der Zertifizierungsmethoden zu fördern und
diese besser vergleichbar zu machen: „Setting common minimum standards and
common indicators for all schemes would ensure consistency;“ (Saunders, T. 2008:
S.45) (siehe Kapitel 5.3.3). Diese Aussage lässt sich für die Nachhaltigkeitsbewertung
von Olympischen Sportbauten ableiten. Um die Qualität der bislang eingesetzten
nationalen Werkzeuge zu fördern, d.h. verstärkt weiterzuentwickeln, neue Ansätze
vorzugeben und die Gebäudequalität von Olympischen Sportstätten international
vergleichbar zu machen, wäre das IOC gefordert verpflichtende
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
324
Bewertungsschwerpunkte und Basiskriterien für eine ganzheitliche Bewertung der
Olympischen Wettkampfstätten einzuführen, die Prozessablaufe für die Olympischen
Bewertungsmaßnahmen festzulegen, ebenso wie Mindeststandards auf
Indikatorenbasis vorzugeben, die jeweils in Relation zu den Ausgangsbedingungen der
Austragungsorte stehen (siehe These 3, Kapitel 6.3).
Welche Bewertungsschwerpunkte und Basiskriterien lassen sich für die Bewertung der
Olympischen Sportstätten aus den Ergebnissen der letzten Kapitel ableiten? Die
Auswahl von Indikatoren, Kriterien bzw. Schwerpunkten zur Bewertung der
nachhaltigen Gebäudequalität stellt seit Jahrzehnten eine schwierige Diskussion dar
(Australian Government 2005; Kloppfer 2002; Bare et al 2000; Udo de Haes et al 1999)
(siehe Kapitel 5.1). Dies gilt auch für den Olympischen Sportstättenbau. Im Folgenden
wird daher ein Basiskriterienkatalog mit Bewertungsschwerpunkten zur Beurteilung der
nachhaltigen Gebäudequalität der Gebäudetypologie „Olympische Wettkampfstätte“
(Neubau und Bestand) vorgeschlagen. Diese Kriterien beziehen sich nicht nur auf die
klassischen in der internationalen Normung geforderten Nachhaltigkeitssäulen
(Ökonomie, Ökologie und soziokulturelle Aspekte), sondern auch auf die im Kapitel 6.3
ermittelten olympischen und standortspezifischen Aspekte (Ableitung These 3, Kapitel
6.3) (siehe Anhang 12 und Abbildung 93):
Ökologische Aspekte
Ökonomische Aspekte
Sozio-kulturelle Aspekte
Olympische Aspekte
Standort Aspekte
Die fünf Bewertungsschwerpunkte wurden mit den Nachhaltigkeitskriterien erweitert,
die aus dem Vergleich der internationalen und der bei Olympischen Spielen
eingesetzten Bewertungsmethoden abgeleitet werden konnten (Kapitel 5.3.3), ebenso
wie mit den aus den Kapiteln 2, 3 und 4 erörterten Olympischen Aspekten. Für eine
ökologische, ökonomische und soziale Umsetzung und Bewertung der Olympischen
Wettkampfstätten wird aus den Ergebnissen der letzten Kapiteln daher folgender
Basiskriterienkatalog vorgeschlagen, der auf der in Kapitel 5.3 ermittelten
Bewertungsstruktur aufbaut (siehe Anhang 12 und Abbildung 93):
Ökologische Kriterien:
Ermittlung und Beurteilung der Umweltbelastungen der Olympischen
Wettkampfstätten (Ozonschichtzerstörung und -bildung, Versauerung und
Eutrophierung der Luft, des Bodens und des Wassers) über den gesamten
Lebenszyklus (Konstruktion, Betrieb, Abriss) durch eine Ökobilanzierung (siehe
Kapitel 5.3.3)
Bewertung des Mikroklimas (Wärmeinseleffekt), der verwendeten Materialien
und Ressourcen (erneuerbar, „responsible sourced“, zertifiziertes Holz,
Umweltproduktdeklarationen etc.), des Abfallaufkommens und –managements,
der Demontagefreundlichkeit der Sportstätten und der Reduzierung des
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
325
Wasserverbrauchs durch innovative Technologien zur Trinkwassergewinnung
und Abwasseraufbereitung (siehe Kapitel 5.3.3)
Energetische Kriterien:
Beurteilung der CO2-Emissionen, des Energiebedarfs, der Energieeffizienz und
der Energiekonzepte der Wettkampfstätte über den gesamten Lebenszyklus
(Herstellung, Betrieb und Abriss) durch die Erstellung von Energiebilanzen
(siehe Kapitel 5.3.3)
Bewertung des Einsatzes von erneuerbaren Energiequellen, der technischen
Gebäudeausstattung (Betrieb, Monitoring und Back-up-Fähigkeit) und
Durchführung von Verbrauchsmessungen (Haupt- und Zwischenzähler) (siehe
Kapitel 5.3.3)
Ökonomische Kriterien:
Ermittlung und Bemessung der Lebenszykluskosten der Olympischen
Sportstätten, d.h. der Herstellungs-, Betriebs- und Abrisskosten während und
nach den Spielen, und der Wertentwicklung der Wettkampfstätten über den
gesamten Lebenszyklus (Olympische Spiele und danach) (siehe Kapitel 5.3.3)
Durchführung und Bewertung eines Kostenvergleichs zur Ermittlung der Kosten
für Olympische Neu-, Bestands- und Temporärbauten (siehe Olympic Games
Studies, Kapitel 3.4.2.1)
Sozio-kulturelle Kriterien:
Beurteilung der Sicherheit in und um die Sportstätten, der Barrierefreiheit und
Zugänglichkeit der Wettkampfflächen, der Tribünen, der Sanitärbereiche und
der Eingangsbereiche im Hinblick auf Besucher und Athleten (siehe Kapitel
5.3.3)
Bewertung des Einbezugs regionaler Aspekte, ebenso wie der Förderung der
lokalen Wirtschaft (siehe Kapitel 5.3.3)
Bemessung der Lebensqualität der Austragungsorte durch die Olympischen
Baumaßnahmen (Gerechtigkeit, Integration usw.) und des Einbezugs der
kulturhistorischen Bauweise (siehe Kapitel 4.1, 4.3 und 5.2.4)
Behaglichkeit und Gesundheit der Sportler:
Ermittlung und Bewertung des thermischen Komforts der Sportler und der
Besucher, der Innenraumluftqualität, des akustischen (Lärm- und Schallschutz
der Sportler und Anwohner) und visuellen Komforts (Auslegung der Belichtung
für den Spitzen- und Breitensport), ebenso wie der Einflussnahme des Nutzers
zur Förderung der Behaglichkeit und Leistungsfähigkeit der Sportler (siehe
Kapitel 5.3.3)
Funktionalität der Wettkampfstätten:
Beurteilung der Flächeneffizienz und Multifunktionalität der Sportstätte, d.h. der
Umnutzungsfähigkeit nach den Spielen und über den gesamten Lebenszyklus
hinweg (siehe Kapitel 5.3)
Bewertung der Einhaltung und Umsetzung der sportfunktionalen Anforderungen
der Internationalen Sportstättenverbände (IFs) für die Sportinfrastruktur, wie
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
326
z.B. Wettkampfbereiche, Umkleiden, Sanitärräume etc. und die Flächen für die
Besucher und die Olympische Familie, wie z.B. Sitz- und Stehplätze, Lounge
etc. (siehe Technical Manuals, Kapitel 3.4.1.3)
Technische Aspekte der Wettkampfstätten:
Ermittlung und Bewertung des Brandschutzes während der
Großveranstaltungen und für die tägliche Nutzung, der Dauerhaftigkeit der
Oberflächenmaterialien und Sportgeräte, der Nutzer- und
Reinigungsfreundlichkeit der Sportstätte für Personal und Athleten und die
Widerstandsfähigkeit der Sportbauten gegen Unwetter und Naturgewalten zur
Förderung der Sicherheit und der Qualität der Wettkampfstätten (siehe
Technical Manuals, Kapitel 3.4.1.3 und Kapitel 5.3.3)
Architektur der Sportstätten:
Bewertung der Qualität des Designs der Olympiasportstätte, wie die
Durchführung von Architektenwettbewerben, der Dach-, Fassaden-,
Außenraum- und Innenraumgestaltung (Kunst am Bau und Dachbegrünung)
und die Anwendung neuer innovativer Energie- und Technologiekonzepte
(siehe Kapitel 5.3)
Bemessung der Mitwirkung und Beteiligung der Bevölkerung des
Austragungsortes an der Planung (Partizipation) (siehe Kapitel 4.3)
Olympischer Planungsprozeß:
Beurteilung der Qualität der Planung und des Einbezugs von
Nachhaltigkeitszielen und Nachnutzungskonzepten bereits während der
Entwurfsphase, d.h. während des Olympischen Bewerbungsprozesses, ebenso
wie die Durchführung eines integralen transparenten Planungsprozesses (siehe
Kapitel 4.3 und 5.3)
Bewertung der Umsetzung der geplanten Olympischen Nachhaltigkeitsziele
während der Konstruktionsphase und der Anwendung bzw. Beachtung von
Sicherheitsaspekten und eines Umweltmanagementsystems auf der Baustelle
(siehe Kapitel 4.3 und 5.3)
Bemessung und Überprüfung der Inbetriebnahme und der Qualität des Betriebs
in beiden Phasen (Olympische Spiele und danach) durch ein gezieltes
Monitoring und der Qualifikation des Betriebspersonals und der Nutzer
(Sportler) (siehe Kapitel 4.3 und 5.3)
Olympisches Erbe:
Beurteilung und Gewährleistung der Qualität der Nachnutzung durch
Festlegung der Nutzungen der Olympischen Wettkampfstätten nach der
Großveranstaltung bereits während der Planungs- bzw. Bewerbungsphase
(siehe Kapitel 4.3)
Minderung der Anzahl der neu zu erstellenden Sportstätten mithilfe der
Durchführung eines Sportstättenentwicklungsplans (Bestandsanalyse) und der
Nutzung von Bestandsbauten (siehe Kapitel 4.3)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
327
Bewertung des Einsatzes von temporären Sportbauten (Wettkampfflächen,
Tribünen, Sanitärbereiche etc.), deren Demontierbarkeit, Recyclingfähigkeit und
Wiedernutzung (siehe Technical Manuals, Kapitel 3.4.1.3 und Kapitel 4.3)
Beurteilung der Entwicklung und Umsetzung eines Olympischen Masterplans
(siehe Technical Manuals, Kapitel 3.4.1.3, Kapitel 3.5 und 4.3)
Standortspezifische Aspekte:
Bewertung des Mikrostandorts (Sicherheit, Naturkatastrophen etc.), der
Nachbarschaft (Sicherheit, Lärm, Nähe zu nutzungsspezifischen
Einrichtungen), des Fahrradkomforts und der Verkehrsanbindung der
Sportstätten, wie der Infrastruktur während und nach den Spielen, der
Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, der öffentlichen Zugänglichkeit der
Wettkampfstätten und die Parkplatzanbindung und -kapazität (siehe Technical
Manuals, Kapitel 3.4.1.3, Kapitel 4.3 und 5.3)
Beurteilung und Überprüfung der Gesetzgebung (z.B. Förderung der
Bauordnung im Bezug auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte), der
Erweiterungsmöglichkeiten der Wettkampfstätten nach den Spielen, der
Reduzierung des Flächenverbrauchs, der Nutzung von Brachen (z.B.
Olympische Spiele Barcelona 1992) und der Ökologie des Standorts
(Förderung der Biodiversität, Dekontaminierung von verseuchtem Land, Schutz
von Naturschutzgebieten etc.) (siehe Kapitel 4.3)
Bemessung der Begrünung und Aufforstung der Austragungsorte und der
Integration der Olympischen Baumaßnahmen in das bestehende Stadtgefüge
und den städtischen Masterplan (siehe Kapitel 4.3)
Aus diesem Basiskriterienkatalog können Vorschläge für Pflichtkriterien, einheitliche
Rechenregeln und Einheiten, ebenso wie Mindeststandards auf Indikatorenbasis für
die Olympischen Wettkampfstätten abgeleitet werden. Eine Angabe von Mindestwerten
muß aber jeweils in Relation zu den Ausgangsbedingungen des Austragungsorts
angesehen werden (z.B. Schwellenland, Industrienation, Klimazone des
Austragungsorts etc.). Die im Folgenden dargestellten Planungsinstrumente bilden
wichtige Bausteine zur Ermittlung einer Bewertungsgrundlage auf Indikatorenbasis und
zur Beurteilung der Nachhaltigkeit der Olympischen Sportstätten über deren gesamten
Lebenszyklus (Olympischen Spiele und Nachnutzung) (siehe Kapitels 5.3):
Energiebilanz:
Berechung des Energiebedarfs der Wettkampfstätte (Heizung, Kühlung,
Warmwasserbereitung, raumlufttechnische Konditionierung und Beleuchtung
der Sportanlagen)
Einheit der Indikatoren: z.B. Angabe in kWh/(m²*a) (Europa) oder kBtu/(sq
ft.*yr) (Amerika)
Ökobilanzierung (Life-Cycle-Analysis - LCA):
Bestimmung der Umweltbelastungen (gesamter Lebenszyklus: Konstruktions-,
der Betriebs- und der Abrissphase)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
328
Einheit der Indikatoren: z.B. Angabe in kg CO2-Äqu./(m²*a) (Europa) oder kg
C2H4-equ./(sq ft*yr) (Amerika)etc.
Lebenszykluskosten (Life-Cycle-Costs – LCC):
Ermittlung der Herstellungs- und Betriebskosten
Einheit der Indikatoren: z.B. Angabe in Euro/m² (Europa) in Dollar/ sq ft
(Amerika)etc.
Es zeigte sich, dass ein Großteil der Bewertungskriterien aus bestehenden
Bewertungs- und Zertifizierungssystemen übernommen werden kann und nur die
Indikatoren auf den Olympischen Sportstättenbau und den jeweiligen Austragungsort
abzustimmen sind (ohne farbliche Markierung, Abbildung 93 und Anhang 12). Hierbei
sind vorrangig Aspekte zu nennen, die die Ökologie, die Energieeffizienz und die
Wirtschaftlichkeit der Wettkampfstätten betreffen. Einige der in Kapitel 5.3.3
analysierten Nachhaltigkeitsaspekte müssen auf die Anforderungen des Olympischen
Sportstättenbaus modifiziert (siehe rote Markierungen, Abbildung 93 und Anhang 12)
bzw. neu definiert werden (siehe graue Markierungen, Abbildung 93 und Anhang 12).
Zu modifizierende und neu zu entwickelnde Kriterien stellen vor allem die Kategorien
dar, die sich auf die soziokulturellen Aspekte des Olympischen Sportstättenbaus, die
Olympische Qualität, d.h. den Olympischen Planungsprozess, die Gesundheit und
Behaglichkeit der Sportler, die Funktionalität der Wettkampfstätten und die
Standortqualität der Wettkampfstätten beziehen (siehe Anhang 12). Um die Qualität
der Bewertung der Olympischen Wettkampfstätten zu gewährleisten, ist das IOC
gefordert, neben der Festlegung von Mindeststandards und Basiskriterien auch
Vorgaben zu den Bewertungsprozessen festzulegen (siehe Ableitung These 3, Kapitel
6.3). Zu nennen wäre hier die zeitliche Abfolge des Bewertungsablaufs (Vorbewertung
in der Olympiabewerbung, Bewertung nach Fertigstellung für die Olympischen Spielen,
Nachbewertung der Nachnutzung nach den Spielen durch Dritte, z.B. IOC), die
Vorgabe des zu beurteilenden Lebenszykluses der Wettkampfstätten für die im
Rahmen der Zertifizierung geforderten Bilanzierungsinstrumente (Schätzung des
Lebenszyklus in Kapitel 2.3.5: 40 Jahre) und die Anpassung der verpflichtenden
Kriterien an die neuesten Baustandards und -technologien und an die internationale
Normung (z.B. im Takt der Olympischen Spiele, d.h. alle zwei bis vier Jahre). Denn die
Analyse des Kapitels 5.3.3. zeigte, dass alle Bewertungsmethoden flexible Modelle
sind, die jeweils die neuesten Baustandards, -technologien und Normen in die
Entwicklung, d.h. in die aktuellsten Versionen, mit einbeziehen (z.B. durch Updates der
Bewertungsversionen) (siehe Kapitel 5.3.3).
Folgende Schlussfolgerungen lassen sich aus These 4 ableiten:
Die weltweit angewandten Bewertungs- und Zertifizierungsmethoden sind speziell auf
die klimatischen, politischen, nationalen, gesellschaftlichen und kulturellen
Ausgangsbedingungen der einzelnen Länder abgestimmt. Daher sind diese Systeme
nur beschränkt auf internationaler Ebene einsetzbar. Auch existiert kein „bestes bzw.
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
329
allgemeingültiges System“, das an jedem Olympischen Austragungsort,
uneingeschränkt anwendbar ist (siehe Kapitel 5.3). Eine international einheitliche
Bewertungsmethode für Olympische Wettkampfstätten gewährleistet daher nicht, wie
in These 4 dargelegt, eine tatsächliche Umsetzung von nachhaltiger
Sportstättenarchitektur von Olympischen Spielen, da diese nicht auf die speziellen
Ausgangsbedingungen der jeweiligen Olympischen Austragungsorte zugeschnitten ist
(siehe Kapitel 5.3). Zur Förderung und Weiterentwicklung von nationalen
Bewertungswerkzeugen, die bislang bei Olympischen Spielen eingesetzt wurden und
zur Sicherstellung der internationalen Vergleichbarkeit der Gebäudequalität von
Olympischen Sportstätten ist das IOC daher gefordert, Prozessablaufe zum
Bewertungsvorgang (siehe Ableitung These 3, Kapitel 6.3), verpflichtende
Bewertungsschwerpunkte, Basiskriterien und Mindeststandards (in Relation zu den
Ausgangsbedingungen der Austragungsorte) zur ganzheitlichen Bewertung der
Olympischen Wettkampfstätten basierend auf folgenden Inhalten einzuführen:
ökologische Kriterien, energetische Kriterien, ökonomische Kriterien, sozio-kulturelle
Kriterien, Behaglichkeit und Gesundheit der Sportler, Funktionalität der
Wettkampfstätten, technische Kriterien der Wettkampfstätten, Architektur der
Sportstätten, Olympischer Planungsprozeß, Olympisches Erbe und standortspezifische
Kriterien. Vorschläge für Bewertungskategorien und Basiskriterien zur Beurteilung der
genannten Aspekte sind in Abbildung 93 und Anhang 12 zusammengefasst.
Aspekte Kategorien Kriteriengruppen
Umweltbelastungen (Luft, Boden, Wasser) über den gesamten
Lebenszyklus
Materialien und Ressourcen (erneuerbar, recycelt, responsible
sourced etc.)
Abfall (Vermeidung, Trennung und Recycling)
Ökologische
Kriterien
Wasser (Trinkwasser und Abwasser)
CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus
Erneuerbare Energien
Technische Gebäudeausstattung (Energieeffizienz)
Ökologische Aspekte
Energetische
Kriterien
Verbrauchsmessung (Einsatz von Verbrauchs- und
Zwischenzählern)
Lebenszykluskosten (über den gesamten Lebenszyklus)
Wertstabilität
Ökonomische Aspekte Ökonomische
Kriterien
Kostenvergleich der Wettkampfstätten (Neubau-, Bestands- und
Temporärbauten)
Sicherheit (Athleten und Besucher)
Barrierefreiheit und Zugänglichkeit (Athleten und Besucher)
Regionale Aspekte
Förderung der Lebensqualität (Gerechtigkeit, Integration etc.)
Sozio-kulturelle
Aspekte Sozio-kulturelle
Kriterien
Kultureller und historischer Kontext (Bauweise)
Thermischer Komfort (Athleten und Besucher)
Innenraumluftqualität (Athleten und Besucher)
Olympische Aspekte Behaglichkeit und
Gesundheit der
Sportler und
Zuschauer Akustischer Komfort (Athleten, Besucher und Anwohner)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
330
Visueller Komfort (Athleten und Besucher)
Einflussnahme (Athleten und Besucher)
Flächeneffizienz
Umnutzungsfähigkeit (Multifunktionalität der Sportstätte)
Funktionalität der
Wettkampfstätten
Sportfunktionale Anforderungen der IFs (Wettkampf, Umkleide- ,
Medizin-, Medien-, Lounge- und Besucherbereich)
Brandschutz (während der Großveranstaltung und bei
täglicher Nutzung)
Dauerhaftigkeit (Oberflächenmaterialien und Sportgeräte)
Reinigungs- und Nutzerfreundlichkeit (Personal und Sportler)
Technische
Kriterien der
Wettkampfstätten
Widerstandsfähigkeit (Naturkatastrophen)
Qualität des Designs
Innenraumgestaltung
Innovation (Anwendung neuer Energie-, Material- und
Technologiekonzepte)
Architektur der
Sportstätte
Partizipation (Beteiligung der Bevölkerung und der Sportler)
Qualität der Planung (für die Olympischen Spiele und deren
Nachnutzung)
Qualität der Konstruktion (für die Olympischen Spiele und
deren Nachnutzung)
Qualität der Inbetriebnahme (während und nach den
Olympischen Spielen)
Olympischer
Planungsprozess
Qualität des Betriebs (während und nach den Olympischen
Spielen)
Qualität der Nachnutzung
Minderung der Anzahl der benötigten Sportstätten
Temporäre Sportstätten und Tribünen
Olympisches Erbe
Olympischer Masterplan
Mikrostandort (z.B. Sicherheit, Naturkatastrophen etc.)
Verkehrsanbindung (Infrastruktur während und nach den
Olympischen Spielen)
Fahrradkomfort (während und nach den Olympischen
Spielen)
Nachbarschaft (während und nach den Olympischen Spielen)
Gesetzgebung/ Bauordnung
Erweiterungsmöglichkeiten (nach den Olympischen Spielen)
Reduzierung des Landverbrauchs und Wiederbelebung von
Brachen
Ökologie des Standorts (Biodiversität und Dekontaminierung)
Begrünung und Aufforstung
Standort Aspekte Standortspezifische
Kriterien
Integration der Olympischen Baumaßnahmen in das bestehende
Stadtgefüge
Erläuterung:
modifizierte Kriterien
neue olympiaspezifische Kriterien
Abbildung 93: Kategorien zur Bewertung der nachhaltigen Olympischen Gebäudequalität
(eigene Darstellung)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
331
6.5. Ausblick: Zukünftige Entwicklung der Nachhaltigkeitsbewertung von
Olympischen Wettkampfstätten
Die Thematik „Nachhaltigkeitsbewertung und -zertifizierung von Gebäuden“ gehört zu
einem jungen Forschungskomplex, zu dem auf nationaler und internationaler Ebene
zahlreiche Untersuchungen betrieben werden und der derzeit die Marktgängigkeit von
Immobilien mitbestimmt. Da die Bewertungsmethoden eine weite Bandbreite an
Themeninhalten aufweisen und flexible Systeme sind, die stets an die neuesten
Baustandards, -technologien und internationale Normung angepasst werden müssen,
ist die Forschung gefordert die Bewertungsinhalte und -prozesse stetig
weiterzuentwickeln. „Olympische Wettkampfstätten“ hingegen blicken auf eine über
100 jährige Geschichte zurück, wurden aber trotz ihrer Sonderstellung als
Prestigebauten in den letzten Jahrzehnten nicht ausreichend in der Forschung
berücksichtigt. Da die Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität von Olympischen
Wettkampfstätten in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle einnahm, wurde im
Rahmen der Arbeit analysiert, ob Bewertungs- und Zertifizierungssysteme zur
Beurteilung der nachhaltigen Gebäudequalität ein Werkzeug zur Umsetzung von
ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Olympischen Wettkampfstätten
darstellen.
Abbildung 94: Beispiel Olympische Spiele Sydney 2000: Einführung und Förderung von
nachhaltigen Baustandards durch Olympische Spiele
(eigene Darstellung)
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
332
Abschließend werden die Ergebnisse der Analyse der letzten Kapitel resümiert und
verschiedene Möglichkeiten zur Erweiterung des Themenkreises
„Nachhaltigkeitsbewertung von Olympischen Sportbauten“ angeregt, auf die weitere
Forschungsaktivitäten aufsetzen können. Generell kann ausgesagt werden, dass
Olympische Spiele und deren Bauten zur Verbesserung der Baustandards der
Austragungsorte hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozio-kultureller Faktoren
beigetragen haben (siehe Abbildung 94). Im Rahmen dieser Entwicklung spielen
Planungsinstrumente zur Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität eine wichtige
Rolle und es wurde sichtbar, dass sich diese bei der Umsetzung und Beurteilung von
nachhaltiger Wettkampfstättenarchitektur auf internationaler Ebene bereits
durchgesetzt haben (siehe Kapitel 6.1) und sich die Nachhaltigkeit von Olympischen
Wettkampfstätten im Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Aspekte
bewerten lässt (siehe Kapitel 6.3). Allerdings wurde deutlich, dass ein einheitliches
verpflichtendes Bewertungs- bzw. Zertifizierungssystem für Olympische
Wettkampfstätten nicht zwingend zu einer tatsächlichen Umsetzung von nachhaltigen
Olympischen Wettkampfstätten beiträgt und sich aufgrund der unterschiedlichen
Ausgangsbedingungen nur beschränkt auf internationaler Ebene einsetzen lässt. Im
Rahmen der Bemessung der Nachhaltigkeit von Olympischen Sportbauten muss daher
auf nationale Bewertungsmethoden der Austragungsorte zurückgegriffen werden, da
diese speziell auf die klimatischen, politischen, nationalen, gesellschaftlichen und
kulturellen Ausgangsbedingungen der einzelnen Olympiastädte bzw. Nationen
abgestimmt sind.
Folglich gibt es auf internationaler Ebene kein allgemeingültiges Olympisches
Bewertungssystem, dass in allen Austragungsorten uneingeschränkt angewendet
werden kann (Kapitel 6.2, 6.3 und 6.4). Da das IOC bislang nur eine Umweltbewertung
fordert und die bei den Olympischen Spielen eingesetzten Bewertungsmethoden
vorrangig nur die ökologischen und energieeffizienten Aspekte des Olympischen
Sportstättenbaus bewerteten, ist das IOC gefordert, Prozessabläufe zum
Bewertungsvorgang und verpflichtende Bewertungsschwerpunkte vorzugeben, die eine
ganzheitliche Nachhaltigkeitsbewertung der Olympischen Wettkampfstätten fördern
(siehe Kapitel 6.3). Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Gegebenheiten der
Austragungsorte gilt es Basiskriterien und Mindeststandards (z.B. einheitliche
Einheiten etc.) für einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertungsansatz der
Olympischen Wettkampfstätten einzuführen und diese in die bestehenden nationalen
Systeme der Austragungsorte zu integrieren (siehe Kapitel 6.3). Denn die Vorgabe von
Bewertungsschwerpunkten, die Festlegung von Mindestwerten auf Indikatorenbasis
und die Integration dieser Vorschriften in bestehende nationale Systeme, fördert und
gewährleistet die internationale Vergleichbarkeit der Gebäudequalität von Olympischen
Sportstätten, ebenso wie die Weiterentwicklung von nationalen
Bewertungswerkzeugen und (Kapitel 6.4).
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
333
Zukünftige Forschungsaktivitäten für die Umsetzung von Olympischen
Wettkampfstätten und deren Nachhaltigkeitsbewertung lassen sich aus den in Kapitel 6
ermittelten Bewertungsschwerpunkten ableiten:
Ökologische Kriterien
Energetische Kriterien
Ökonomische Kriterien
Sozio-kulturelle Kriterien
Behaglichkeit und Gesundheit der Sportler
Funktionalität der Wettkampfstätten
Technische Kriterien der Wettkampfstätten
Architektur der Sportstätten
Olympischer Planungsprozeß
Olympische Kriterien
Standortspezifische Aspekte
Da auf internationaler Ebene verschiedene Berechnungsmethoden zur Ermittlung der
nachhaltigen Gebäudequalität eingesetzt werden, gilt es diese Themenschwerpunkte
auf den nachhaltigen Olympischen Sportstättenbau anzupassen und
weiterzuentwickeln. Eine weitere Forschungsmöglichkeit stellt die Ermittlung von
Basiswerten auf Indikatorenbasis für die bei Olympischen Bewertungssystemen
eingesetzten Planungsinstrumenten dar (z.B. Mindestwerte für den Energiebedarf,
CO2-Emissionen, einheitliche Einheiten etc.), um weltweit eine internationale
Vergleichbarkeit zu gewährleisten und die Umsetzung von nachhaltigen Sportstätten
zu fördern.
Um diesen Entwicklungsprozess voranzutreiben, wäre eine Kooperation bzw.
Ankopplung des IOCs an Organisationen vorteilhaft, die auf langjährige Erfahrungen
mit Zertifizierungssystemen zur Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität
zurückblicken können. In den letzten Jahren haben sich verschiedene
Zertifizierungsorganisationen (Green Building Councils) als World Green Building
Council (WGBC) zusammengeschlossen (1998), um verstärkt auf internationaler
Ebene die Thematik „Nachhaltigkeit im Bauwesen“ zu fördern und gemeinsam die
Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität voranzutreiben: „to transform traditional
building practices and fully adopt sustainability“ (World Green Building Council 2008).
Ziel ist die Förderung der Kommunikation zwischen den verschiedenen Institutionen,
Ländern und der internationalen Bauwirtschaft im Bereich des nachhaltigen Bauens,
ebenso wie die Unterstützung des Aufbaus von Nachhaltigkeitsbewertungssystemen
und deren Weiterentwicklung: „to support effective green building rating systems“
(World Green Building Council 2008). Eine weitere internationale Institution zur
Förderung der nachhaltigen Gebäudequalität stellt die SB Alliance dar, eine
Vereinigung von Forschungsinstitutionen, der Bauwirtschaft und von Green Building
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
334
Councils, deren Ziel die Entwicklung eines gemeinsamem Mindeststandards ist:
„common metrics“ (SB Alliance 2009).
Zusätzlicher Forschungsbedarf kann auch in Bezug auf die Gebäudetypologie
„Olympische Sportstätte“ definiert werden. Im Rahmen der Bewertung muß auf die
Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Olympischen Sportbauten im Bezug auf Sommer-
und Winterspiele, auf Indoor- und Outdoor-Sportarten, ebenso wie auf die
verschiedenen Größen und Nutzungs- und Energiekonzepte der für die Olympischen
Spiele benötigten Sportbauten hingewiesen werden. Eine Aufteilung in
Gebäudetypologien mit ähnlichen Nutzungsarten und Gebäudekonzepten wäre daher
im Rahmen der Bewertung von Olympischen Wettkampfstätten notwendig, da sich
hieraus unterschiedliche Forderungen für die Festlegung von Pflichtkriterien und
Mindeststandards für den Basiskatalog ableiten lassen. Diese Vorgehensweise, d.h.
die Ausrichtung der Bewertungskataloge auf unterschiedliche Gebäudetypologien,
wenden auch Zertifizierungsmethoden wie BREEAM (Großbritannien), LEED
(Nordamerika) oder das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB)
(Deutschland) an (siehe Kapitel 5.1). Bereits im Kapitel 1 wurden die verschiedenen
Olympischen Sportstättentypologien aufgeführt (siehe Abbildung 3). Aus dieser
Einteilung lassen sich die Gebäudetypen für die Bewertung der Olympischen
Wettkampfstätten ableiten. Unterschieden werden könnte im Rahmen der Bewertung
hierbei zwischen Stadien, Sporthallen und Spezialwettkampfstätten für Indoor- und
Outdoor-Sportarten (Spezialwettkampfstätten Indoor: z.B. Schwimmhallen, Eishallen;
Spezialwettkampfstätten Outdoor: z.B. Reitanlagen, Ski-, Snowboard-
Wettkampfanlagen).
Die Bewertung der Umweltqualität von Olympischen Sportstätten hat sich seit den
Spielen von Sydney 2000 bei der Olympischen Großveranstaltung etabliert. Derzeit ist
die Tendenz in Richtung einer ganzheitlichen Beurteilung zu beobachten. Die
Auszeichnung der Beurteilung der Olympischen Wettkampfstätten wird bislang aber mit
unterschiedlichen Anerkennungen vollzogen. Dies reicht von der Schulnotenbewertung
(z.B. BREEAM) bis hin zu olympischen Werten (z.B. LEED: bronze, silber, gold, platin).
Die derzeit einzige Preisverleihung für Olympische Sportarchitektur auf internationaler
Ebene stellt der im Zwei-Jahres-Rhythmus vergebene IAKS/IOC Award dar, der nach
Fertigstellung der Olympischen Sportstätten vergeben wird. Blickt man jedoch 100
Jahre zurück, so waren Kunst- und Architekturwettbewerbe bereits zu Beginn der
Olympischen Spiele wichtige Bestandteile der Wettkämpfe. Pierre de Coubertin,
Gründer der Olympischen Spiele, sah bereits im Jahr 1906 die Notwendigkeit der
Abhaltung und Prämierung von Kunst- und Architekturwettbewerben und deren
Bewertung während der Spiele (z.B. Olympische Spiele Stockholm 1912) (International
Olympic Committee 2006: S.21). Dieser Gedanke soll im Rahmen der
Nachhaltigkeitsbewertung der Olympischen Sportbauten erneut aufgegriffen werden,
da die Zertifizierung der Nachhaltigkeit von Sportbauten bei Olympischen Spielen auch
Nachhaltigkeit von Olympischen Bauten
335
eine Wiederbelebung des Bewertungsansatzes von Piere des Coubertin bedeuten
würde. Die Auszeichnung könnte ähnlich, wie bei herkömmlichen
Bewertungsmethoden durch die Olympische Werte „bronze (gut), silber (sehr gut) und
gold (mit Auszeichnung)“ oder als eine „Green Medal“ (Grüne Medaille) für die
Wettkampfstätten definiert werden. Diese könnte durch das IOC im Rahmen der
Olympischen Spiele übergeben werden und somit würde für alle Welt die
Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele und deren Wettkampfstätten sichtbar gemacht
werden.
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field_65134QX.html; 23.08.2009
Anhang
356
Anhang
Anhang 1: Entwicklung der Etappen der Olympischen Wettkampfarchitektur
anhand des Olympia Stadion von 1896 bis heute
Zuschauerplätze: Olympische
Sommerspiele:
Besonderheit:
für Spiele danach
Etappe 1: von temporären Wettkampfstätten auf Sportplätzen zur Hauptkampfbahn
Athen 1896 U-förmig, gleicht einem an beiden Seiten
verlängerten Theater, zu enger Radius der
Laufbahn, kein Spielfeld, auf den Fundamenten
des antiken Panathinaikon-Stadions
80.000
Paris 1900 Bestandteil von Weltausstellungen, offener
Sportplatz
-
St. Louis 1904 Bestandteil von Weltausstellungen, offener
Sportplatz
-
London 1908 Bestandteil von Weltausstellungen, erstes großes
Olympiastadion mit vielen sporttechnischen
Neuerungen, wie Hauptkampfbahn mit
Aschenbahn, Radrennbahn, Schwimmbecken,
Leichtathletikfeld und Boxanlagen
100.000
Stockholm 1912 U-förmig mit flankierten Ecktürmen, Höhepunkt
des Olympiastadionbaus in historisierender
Bauform
30.000
Etappe 2: von der Hauptkampfbahn zum Olympia-Stadion
Amsterdam 1928 letztmalig mit Radrennbahn, ab 1928 ist die 400-
Meter-Laufbahn verbindlich
40.000
Los Angeles 1932 letztmalig in modifizierter U-Form, Stadionfeld
vertieft, Aufteilung der Sportarten in eigene
Wettkampfstätten
105.000
Berlin 1936 Massives Bauwerk, Stadionfeld vertieft, erstmalig
großer Sportkomplex am Rande der Stadt,
Aufteilung der Sportarten in eigene
Wettkampfstätten
100.00
Etappe 3: vom Olympia-Stadion zur Prestigearena
Helsinki 1952 Stadionfeld vertieft, Stadion von nun an nur mit
Leichtathletikfeld und 400-Meter-Bahn
70.000
Rom 1960 letztmalig mit eindeutiger Längsorientierung,
bereits vor Olympischen Spielen erbaut
(Vorleistung)
80.000
Tokio 1964 bereits vor Olympischen Spielen erbaut (für
Asienspiele 1959)
57.000
Mexiko City 1968 in Kreisform, Wallstadion, Zugänge ohne Treppen
durch Tunnel und Rampen, bereits vor
80.000
Anhang
357
Olympischen Spielen erbaut (Vorleistung)
München 1972 in Kreisform, Wallstadion ergänzt durch
Tribünenaufbau an Westseite, erstmalig 70% der
Zuschauerplätze überdacht, erst nach Bewerbung
erbaut
80.000
Montreal 1976 in Kreisform, Hallenstadion mit abnehmbarer
Zeltdachkonstruktion, enorme Kosten
60.000
Los Angeles 1984 Nutzung des Olympia-Stadions von 1932 90.500
Barcelona 1992 Umbau des Stadions von 1929, Fassaden Altbau
(historisierende Fassade), Innenraum Neubau
77.000 56.000
Etappe 4: von den Olympischen Prestigearenen zum umweltgerechten und nachhaltigen Olympia-Stadion
Sydney 2000 Größtes Stadion der Olympischen Geschichte,
erstmalig unter dem Motto des Umweltschutzes
geplant (mit „Ecological Benchmarks“)
123.000 80.000
Athen 2004 Bereits 1982 für Sportgroßveranstaltungen
geplant, Teilerneuerung und Überdachung von
95% der Sitzplätze für Olympische Spiele (keine
Integration von ökologischen und nachhaltigen
Planungskonzepten)
75.000
Beijing 2008 Prestigebau mit neuesten Techniken (nur
vereinzelte Integration von ökologischen und
nachhaltigen Planungskonzepten)
100.000 80.000
London 2012 erstmals Rückbau von 80.000 Sitzplätzen und
Nachnutzung als Leichtathletikstadion, Bau der
Olympischen Wettkampfstätten nach BREEAM
„Excellent-Standard“
80.000 25.000
(Quelle: eigene Darstellung nach Wimmer 1975)
Anhang
358
Anhang 2: Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte der Wettkampfstätten der
Olympischen Sommerspiele von Barcelona 1992
Wettkampfstätten
Nachnutzung Nachhaltigkeits-
konzepte
Neubauten
Palau Sant Jordi Multifunktionshalle für
Sportveranstaltungen, Messen,
Ausstellungen und Konzerte
-
INEFC Universitätssportstätte -
Montjuïc Area
Pavelló L'Espanya
Industrial
Sporteinrichtung -
Archery Field Temporär Temporär
Pavelló de la Vall
d'Hebron
Sporteinrichtung -
Vall d’Hebron Area
Tennis de la Vall
d'Hebron
Sporteinrichtung -
Olympic Harbour Hafen - Parc de Mar Area
Pavelló de la Mar Bella Poblenou Bibliothek und historisches
Archiv -
Palau d'Esports in
Badalona
Sporteinrichtung -
Palau d'Esports in
Granollers
Sporteinrichtung -
Mollet del Vallès
Shooting Range
Polizeiakademie -
L'Hospitalet de
Llobregat Baseball
Stadium
Sporteinrichtung -
Weitere Standorte
Castelldefels Olympic
Canal
Sporteinrichtung -
Umbauten
Olympic Stadium Sporteinrichtung -
Bernat Picornell
Swimming Pools
Sporteinrichtung -
Montjuïc Swimming
Pool
Sporteinrichtung -
Palau de la Metal-
lúrgia
Messen und Ausstellungen (bereits
im Vorfeld) -
Montjuïc Area
Palau d'Esports de
Barcelona
Sport- und Kulturveranstaltung,
Konzerte, Freizeitevents -
FC Barcelona Stadium Fußball -
Palau Blaugrana Sporteinrichtung -
Diagonal Area
Real Club de Polo de Sporteinrichtung -
Anhang
359
Barcelona
RCD Espanyol
Stadium
Fußball -
Vall d’Hebron Area Velòdrom Sporteinrichtung -
Estació del Nord Sporteinrichtung - Parc de Mar Area
Frontó Colom Sporteinrichtung (Frontennis:
Demonstrationssport) -
Weitere Standorte
Pavelló Club Joventut
in Badalona
Sporteinrichtung -
Banyoles Lake Sporteinrichtung und Freizeitgelände -
Terrassa Hockey
Stadium
Sporteinrichtung -
Nova Creu Alta
Stadium in
Sabadell
Fußball -
Viladecans Baseball
Stadium
Sporteinrichtung -
El Montanyá
Equestrian Centre
Sporteinrichtung -
Parc del Segre in La
Seu d'Urgell
Sporteinrichtung -
Romareda Stadium,
Zaragoza
Fußball -
Luis Casanova
Stadium, Valencia
Fußball -
Pavelló d'Esports in
Reus
Sporteinrichtung -
(Quelle: eigene Darstellung nach Barcelona’92 Olympic Organising Committee 1993: S.160ff.)
Anhang
360
Anhang 3: Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte der Wettkampfstätten der
Olympischen Winterspiele von Lillehammer 1994
Wettkampfstätten Nachnutzung Nachhaltigkeitskonzepte
Outdoor-Wettkampfanlagen
Olympic Alpine Centre,
Hafjell 15 km von
Lillehammer
Bestand
während der Spiele:
Skiabfahrtswettkämpfe
nach den Spielen:
Familienskigebiet
Wettkampfstrecken
Anpassung der Pisten an Terrain
Vermeidung der Fällung von
Bäumen, Kompensations-
maßnahmen
Austausch von Hochdruck-
Kunstschneeanlagen in
energieeffizientere Niederdruck-
Kunstschneeanlagen
Olympic Alpine Centre,
Kvitfjell 58 km von
Lillehammer
Neubau
während der Spiele:
Skiabfahrtswettkämpfe
nach den Spielen:
Familienskigebiet
Wettkampfstrecken
Anpassung der Pisten an Terrain
Vermeidung der Fällung von
Bäumen, Kompensation
Austausch von Hochdruck-
Kunstschneeanlagen in
energieeffizientere Niederdruck-
Kunstschneeanlagen
Olympic Bobsleigh
and Luge Track,
Hunderfossen
15 km von
Lillehammer
Neubau
während der Spiele:
Bob- und
Rodelwettkämpfe
nach den Spielen:
Touristenausflugsziel,
Wettkämpfe, damals
bislang einzige
Bobwettkampfbahn
Skandinaviens
Energieeffizientes Kühlsystem mit
Ammoniak
Ammoniakleitungen laufen aus
Sicherheitsgründen in der
Betonschale der Bahn
Zwei separate Startpunkte, daher
nutzbar als Bobbahn und
Rodelbahn
Kanthaugen Freestyle
Arena Lillehammer Neubau
während der Spiele:
Olympischer Park
Freestyle
nach den Spielen:
Outdoor- und
Erholungsgebiet
Naturnahe Planung
Lysgårdsbakkene Ski
Jumping Arena Lillehammer Neubau
während der Spiele:
Olympischer Park
Skispringen
nach den Spielen:
Outdoor- und
Erholungsgebiet
Naturnahe Planung
Birkebeineren Ski
Stadium Lillehammer Neubau
während der Spiele:
Olympischer Park
Langlauf- und Biathlon
nach den Spielen:
Outdoor- und
Erholungsgebiet
Wettkampfarena
Reitergebiet
Camping
Naturnahe Planung
Erhaltung von Bäumen
Anhang
361
Indoor-Wettkampfhallen
Håkon Hall Lillehammer Neubau
während der Spiele:
Olympischer Park
Eishockey
nach den Spielen:
Outdoor- und
Erholungsgebiet
Sommer- und
Winterbetrieb der Halle
durch Post-Olympic-
Found der Norwegischen
Regierung
Multifunktionshalle (50%
Nachnutzung durch
Sportevents)
Multifunktionshalle (Handball,
Volleyball, Gesundheitszentrum,
Konferenzcenter, Kletterwand
usw.)
Um keine Monumentalwirkung zu
erzeugen und Halle in Landschaft
einzugliedern, wurde die
eigentliche Halle in den Boden
versenkt, nur das Dach ist
sichtbar
Isolierverglasung, Wärme-
rückgewinnung, effiziente
Tageslichtnutzung, energie-
effiziente Kühl- und Heiztechnik
Hamar Olympic Hall,
Hamar 60 km von
Lillehammer
Neubau
während der Spiele:
Eisschnelllauf
nach den Spielen:
Nationale Wett-
kampfstätte für Eissport
Multifunktionshalle (70%
Nachnutzung durch
Messen, Konferenzen,
Konzerte)
Multifunktionshalle
(Eisschnelllauf, Curling,
Kunstrasenplatz für Hallen-
fußball, Messen usw.)
Handball, Volleyball, Ge-
sundheitszentrum, Konferenz-
Center, Kletterwand usw.)
Heutiges Wahrzeichen
Norwegens („Vikingskipet“)
Wärmerückgewinnung
Energieeffiziente Bauphysik
Festlegung der Standortwahl mit
Naturschutzorganisationen
Hamar Olympic
Amphitheatre , Hamar 60 km von
Lillehammer
Neubau
während der Spiele:
Eiskunstlauf
nach den Spielen:
Eiskunstlauf
Nachnutzung nur schwer
möglich, Konkurs
-
Gjøvik Olympic Cavern
Hall, Gjøvik 45 km von
Lillehammer
Neubau
während der Spiele:
Eishockey
nach den Spielen:
Sport- und Kultur-
veranstaltungen
Einbau einer
Schwimmhalle
Integration der Wettkampfstätte in
Höhle, somit Reduzierung der
Heiz- und Kühltechnik durch
konstante Temperaturen
Abgebautes Gestein wurde für
den Bau eines Bootshafens und
Uferpromenade genutzt
Mehrzweckhalle (Fußball,
Handball, Volleyball,
Ausstellungen, Konzerte usw.)
Entwicklung eines speziellen
Wärmespeicherungssystems für
Höhlenbau
Kein Verbau von zusätzlichen
Flächen
(Quelle: eigene Darstellung nach Lillehammer Olympic Organizing Committee 1995c)
Anhang
362
Anhang 4: Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte der Wettkampfstätten der
Olympischen Sommerspiele von Sydney 2000
Wettkampfstätten Nachnutzung Nachhaltigkeitskonzepte
Neubauten
Stadium Australia Athletikwett-
kämpfe, Fußball
und Eröffnungs-
feier
Umbenennung in Telstra
Stadium
Sportwettkämpfe
(Australian Football,
Rugby), Messen,
Konzerte etc.
Rückbau von 110.000
Zuschauerplätzen auf 80.000
Sitzplätze
Optimierung des Tageslichts
und energieeffiziente
Beleuchtung (20% des
herkömmlichen Energiebedarfs)
Passive Natürliche Belüftung
(„heat stack effect“)
Einsatz von
Energiekontrollsystemen
Energieeffiziente
Warmwassererzeugung
Recycling und Wiedernutzung
von Baustellenmaterialien (70%)
Demontage der früheren
Schlachthofes und Nutzung des
recycelten Materials
Regenwasserspeicherung über
das Dach (4 mal 800.000l
Regenwasser) und Nutzung für
Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
(Spielfeld)
PVC-freie Sitze und Dach
Flexibles Spielfeld
Müllmanagementsystem
Einsatz von kontrolliertem Holz
State Hockey Centre Hockey Nationale und
internationale
Hockeywettkämpfe
Regenwasserspeicherung und
Nutzung für Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
SuperDome Basketball,
Gymnastik
Multifunktionshalle,
Ausstellungen,
Konzerte, Fußball,
Volleyball
Natürliche Belichtung und
Belüftung
„Microclimate-air-conditioning-
system“ nur für besetzte
Sitzflächen
PVC-freie Sitze, Bodenbeläge,
Wände und für Abwasserrohre
und Leitungen
Nutzung von recycelten
Baumaterialien (98%)
Regenwasserspeicherung und
Nutzung für Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
Multifunktionshalle
Photovoltaikanlage (Dach)
1999: Auszeichnung mit
“Banksia Construction Practises
Award” (Umweltpreis)
New South Wales
Tennis Centre Tennis Lokale und internatio-
nale Tenniswettkämpfe,
Konferenzen
Regenwasserspeicherung und
Nutzung für Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
Sydney International
Archery Park Bogenschießen Bogenschießen
(Training und
Wettkämpfe
Regenwasserspeicherung und
Nutzung für Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
Umweltpreis „Royal Australian
Institute for Architecture
Awards“
Anhang
363
Sydney Showground Jährliche Royal Easter
Show, Rodeo, Carneval
etc., Pferde- und
Kuhhandel
Innovatives Lüftungssystem mit
Pylonen und schwarzes Dach
(natürlicher Luftzug)
Regenwasserspeicherung und
Nutzung für Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
Dunc Grey Velodrome Radwettkampfe Nationale und
internationale
Radwettkämpfe,
Basketball, Badminton,
Ausstellungen, Messen
und Konzerte
Recycling und Wiedernutzung
von Baustellenmaterialien (94%)
Regenwasserspeicherung und
Nutzung für Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
Blacktown Olympic
Centre at Aquilina
Reserve
Softball, Baseball Hauptwettkampfstätte
von NSW für Softball
und Baseball
-
Baseball Stadium Baseball, Moder-
ner Zehnkampf,
Reit- und Spring-
wettkämpfe
Royal Agricultural
Society, Baseball und
Konzerte
-
Pentrith Whitewater
Stadium, Penrith Lakes Kanu, Kajak Training und Wett-
kämpfe für Kanu und
Kajak
-
Ryde Aquatic Leisure
Centre Waterpolo Öffentliche
Schwimmstätte
Hocheffizientes Ozon-, UV-
Desinfektions- und Filtersystem
Erwärmung des Poolwassers
durch Wärmerückgewinnung
(Halle)
Sydney International
Shooting Centre, Cecil
Park
Shooting Range Nationales und
internationaler
Wettkampf- und
Trainingscenter
Recycling und Wiedernutzung
von Baustellenmaterialien (87%)
Equestrian Centre
Horsley Park Dressur, Springen Wettkämpfe und
Training
Pflanzung von 100.000 Bäumen
als Kompensationsmaßnahme
Sydney International
Regatta Centre, Pentrith
Lakes
Kanu- und Ru-
derwettkämpfe
Kanu- und Ruderwett-
kämpfe, Training
Pflanzung von 25.000
Wasserpflanzen und Einsetzung
von 12.000 heimischen Fischen
als Kompensationsmaßnahme
The Pavillons of the
SuperDome Handball, Moder-
ner Zehnkampf,
Badminton,
Gymnastik,
Volleyballs
Ausstellungen und
Royal Easter Show,
Basketball, Handball
-
Bestand/ Umbauten
Sydney International
Aquatic Centre Schwimmen,
Springen, Tauchen
Öffentliches
Schwimmbad,
Wettkämpfe, Training
Energieeffiziente Luftstrom-
technik zur Kühlung und
Heizung (Kühlung von nur 20%
des Volumens)
Regenwasserspeicherung und
Nutzung für Toiletten und
Außenanlagenbewässerung
Sydney Harbour,
Rushcutters Bay Segeln Öffentlicher Hafen -
State Sports Centre Taekwondo und
Tischtennis
Multifunktionshalle für
Training und Wett-
kämpfe (Softball,
Fechten, Basketball und
Gymnastik), Konzerte
-
Sydney Convention and
Exhibition Centre Judo, Wrestling,
Boxen und Fechten
Messe und Ausstellung -
Sydney Football
Stadium, Centennial
Parklands
Fußball Rugby, Fußball,
Konzerte
-
Anhang
364
Temporäre Bauten
Beach Volleyball Centre,
Bondi Beach Volleyball - Temporär
Sydney Convention and
Exhibition Centre Judo, Wrestling,
Boxen und Fechten
Messe und Ausstellung Umnutzung von
Bestandsbauten
Sydney Entertainment
Centre Volleyball Konzerte, Musicals
Umnutzung von
Bestandsbauten
Interstate Football
Venues:
Brisbane Cricket
Ground
Brisbane Bruce Stadium
Canberra Hindmarsh
Stadium
Melbourne Cricket
Ground
Fußball
Fußball
Fußball
Fußball
Cricket
Australian Football
Australian Football
Cricket
-
(Quelle: eigene Darstellung nach Chernushenko, D. et al. 2001; Prasad, D. 1999: S.85ff and Sydney
Organisation Committee for the Olympic Games 2001a)
Anhang
365
Anhang 5: Sydney Olympic Park - Nachnutzung sechs Jahre nach den
Olympischen Spielen von 2000
Olympischer Park Sydney – nach den Spielen
Verkehrsanbindung – Bahn
Anhang
366
Verkehrsanbindung – Fähre
Verkehrsanbindung – Auto
Anhang
367
Olympic Park - Dekontaminierungsmaßnahmen des verseuchten Bodens
Olympic Park heute: Neubau von Wohnanlagen an der stark kontaminierten Wasserfront
(Quelle: eigene Darstellung)
Anhang
368
Anhang 6: Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte der Wettkampfstätten der
Olympischen Sommerspiele von Beijing 2008
Wettkampfstätten Nachnutzung Nachhaltigkeitskonzepte
Neubauten
National Stadium Athletikwettkämpfe
und Fußball
Sportwettkämpfe
(Athletik, Fußball etc.),
Messen, Konzerte etc.
Geothermie unter dem
Rasenplatz
Photovoltaikanlage auf dem
Stadiondach
Schaffung von begrünten
Flächen (5.2ha)
Grauwasserverwendung
Regenwassersammlung
(Stadiondach), -speicherung
und -anwendung
National Indoor Stadium Gymnastik,
Handball
Sportwettkämpfe,
Messen, Konzerte etc.
Geothermie für Heizung und
Kühlung
Photovoltaikanlage (Dach
und Südfassade) für
Straßenbeleuchtung und
Beleuchtung Tiefgarage
Schaffung von begrünten
Flächen (2.06ha)
Wassersparende Armaturen
für Toiletten,
Handwaschbecken und
Pflanzenbewässerung
Regenwassersammlung und
-speicherung
National Aquatics
Centre Schwimmen,
Tauchen,
Wasserpolo
Schwimmhalle
(Öffentlichkeit und
Schwimmwettkämpfe)
Schaffung von begrünten
Flächen (1.51ha)
Wassereinsparung durch
Wasserspararmaturen
Grauwasserverwendung für
Toiletten und Außen-
bewässerung
Regenwassersammlung,
-speicherung (Sammlung und
Speicherung auf dem Dach)
und -anwendung für
Außenbewässerung und
Kühlturm
Olympic Green, Tennis
Centre Tennis Tenniswettkämpfe und
Training
Geothermie
Photovoltaik
Schaffung von begrünten
Flächen (5.25ha)
Solarenergie für Heißwasser
Grauwasserverwendung
Regenwassersammlung,
-speicherung (Tank) und
-verwendung
Beijing Shooting Hall Schießen Schießzentrum
(Öffentlichkeit, Training,
Wettkämpfe)
Photovoltaikanlage für
Straßenbeleuchtung
Solarenergie für Heißwasser
Abwasseraufbereitung mit
neuester energieeffizienten
Technologien
Laoshan Velodrome Radfahren Radwettkämpfe und
Training
Solarenergie (2.000 qm) für
Heißwasser
Wassereinsparung durch
Wasserspararmaturen
Regenwassersammlung,
-speicherung (Tank) und
Anhang
369
-verwendung
Wukesong Indoor
Stadium Basketball Sportwettkämpfe,
Messen, Konzerte etc.
Photovoltaikanlage
Regenwassersammlung
(Dach), -speicherung (Tank)
und -verwendung
Shunyi Olympic
Rowing-Canoeing Park Kanu, Rudersport,
Kayak, Marathon
(Schwimmen)
Erholungspark und
Badelandschaft,
Ruderwettkämpfe und
Training
Wärmepumpe
150 solarbetriebene
Straßenlampen
Wasserspartechnologien
HDPE Antipenetration film
Abwasserwiederaufbereitung
sanlage vor Ort
Regenwassersammlung,
-speicherung (Tank) und
-verwendung für die
Wettkampfanlage
Beijing University
Gymnasium Tischtennis Sportwettkämpfe,
Messen, Studenten und
Öffentlichkeit
Geothermie
Solarenergie (2.000 qm) für
Erwärmung des
Schwimmbads (Pool und
Heizung)
Wasserspartechnologien
China Agriculture
University Gymnasium Wrestling Universitätssport-
zentrum, Konferenzen
Einsatz von solarbetriebenen
Straßenlampen
University of Science
and Technology Beijing
Gymnasium
Judo, Taekwondo Universitätssport-
zentrum, Konferenzen
Einsatz von solarbetriebenen
Straßenlampen
Solarenergie (2.000 qm) für
Heißwasser und Beheizung
Regenwassersammlung,
-speicherung und
-verwendung
Beijing University of
Technology Gymnasium Badminton,
Gymnastik
Sport- und
Kulturzentrum
(Universität),
Wettkämpfe
(Badminton)
Geothermie
Abwasserwiederaufbe-
reitungsanlage vor Ort
Bestand/ Umbauten
Olympic Sports Centre
Stadium Fußball, Moderner
Pentathlon
Sportwettkämpfe,
Messen, Konzerte etc.
-
Olympic Sports Centre
Gymnasium Handball Sportwettkämpfe,
Messen, Konzerte etc.
-
Ying Tung Swimming
Pool Wasserpolo,
Moderner
Pentathlon
Schwimmzentrum
(Öffentlichkeit, Training)
-
Beijing Shooting Range Shooting Schießzentrum
(Öffentlichkeit, Training,
Wettkämpfe)
-
Laoshan Velodrome Mountainbike Radwettkämpfe und
Training
-
Fengtai Softball Field Softball Multifunktionshalle für
Tennis, Basketball,
Baseball, Schießen und
Fußball
Photovoltaik (Süd- und
Westfassade) für
Straßenbeleuchtung
Solarenergie für Heißwasser
(Vacuum glass pipes)
Beijing University of
Aeronautics and
Astronautics
Gymnasium
Gewichtheben Sportwettkämpfe,
Messen, Konzerte,
Studenten und
Öffentlichkeit
-
Beijing Institute of
Technology Gymnasium Volleyball Universitätssport-
zentrum, Konferenzen
-
Capital Indoor Stadium Volleyball Eisporthalle (Training
und Wettkampf), aber
auch Multifunktionshalle
(Handball, Volleyball
-
Anhang
370
etc.)
Workers’ Indoor Arena Boxen Sportwettkämpfe,
Messen, Konzerte etc.
-
Temporäre Bauten
Fencing Hall Fechten und
Pentathlon
- Temporär
Olympic Green, Archery
Field Bogenschießen - temporär
Solarenergie für Heißwasser
Schaffung von begrünten
Flächen (3.3ha)
Abwasserrecycling und
Nutzung für Bewässerung
Regenwassersammlung und
-speicherung
Olympic Green, Hockey
Field Hockey - Temporär
Solarenergie für Heißwasser
Schaffung von begrünten
Flächen (3.3ha)
Abwasserrecycling und
Nutzung für Bewässerung
Regenwassersammlung und
-speicherung
Laoshan Bicycle Moto
Course BMX - Temporär
Urban Cycling Road
Course Radfahren - Temporär
Wukesong Baseball
Field Baseball - Temporär
Changyang Park Beach
Volleyball Ground Beach Volleyball - Temporär
Photovoltaikanlage und
solarbetriebene Straßen-
lampen
Solarenergie für Heißwasser
Wasserspartechnologien
Regenwassersammlung,
-speicherung (Tank) und
-verwendung
Triathlon Venue Triathlon - Temporär
(Quelle: eigene Darstallung nach UNEP 2008: S.44ff.)
Anhang
371
Anhang 7: Greenpeace-Environmental-Audit der Spiele von Sydney 2000
Sydney Olympic Stadium Sydney SuperDome
Toxic contamination Details to the whole Olympic Park
(Homebush Bay):
Landfill Leachate Management
contamination and clean-up issues
Breakdown of leachate contamination
Details to the whole Olympic Park
(Homebush Bay):
Landfill Leachate Management
contamination and clean-up issues
Breakdown of leachate contamination
Energy use Details to photovoltaic electricity
generation:
-
Green power use:
100% green electricity for 5 yrs -10%
Pure, 90%
Green Power. Saves an estimated
5,000 tonnes
CO2 emissions p.a.
During Games - Pure Energy: 10%
During Games - Green Power: 90%
Energy conservation measures:
Passive solar design (-)
Photovoltaics (-)
Solar hot water (-)
Photovoltaic lighting (-)
Green power (+)
Energy efficient lighting (+)
Natural lighting (+)
Efficient appliances (-)
Insulation & natural venting (+)
Auto-off vent if unoccupied (+)
Management control system (+)
Comments to energy conservation
measures:
Passive/natural venting has reduced
areas needing airconditioning by
approx. 40%
Estimated stadium will account for 15%
of total power demand during Sydney
Olympics
Lighting system reduces energy needs
by 20%
Electricity consumption:
Annual electricity consumption (MWh):
-
Electricity consumption during Games
(MWh): ~2300 MWh
Details to photovoltaic electricity
generation:
Description of system:
1176 solar panels mounted on the roof
provide energy comparable to 10% of
the arenas normal daily non-event
demand
Peak capacity: 70kW
Annual electricity generation:
85MWh
Green power use:
100% green electricity for 5 yrs -10%
Pure, 90%
During Games - Pure Energy: 10%
During Games - Green Power: 90%
Energy conservation measures:
Passive solar design (+)
Photovoltaics (+)
Solar hot water (-)
Photovoltaic lighting (-)
Green power (+)
Energy efficient lighting (+)
Natural lighting (+)
Efficient appliances (-)
Insulation & natural venting (-)
Auto-off vent if unoccupied (+)
Management control system (+)
Comments to energy conservation
measures:
Grid-connected PV to offset approx.
10% of power used.
100% green power for 5 years
Energy efficient lighting
Energy efficient heating/cooling system
Electricity consumption:
Annual electricity consumption (MWh):
~8612MWh
Electricity consumption during Games
(MWh): -
Refrigeration &
airconditioning Refrigerants use and alternatives:
HFC-134a and HCFCs for
airconditioning systems
Environmental alternative
Ammonia chillers and HC
airconditioning
Refrigerants use and alternatives:
HCFC-123 and HFC-134a in
airconditioning
Environmental alternative
Ammonia airconditioning system
Anhang
372
Alternatives to PVC Hydraulics materials:
Concrete pipes, pits and tanks: 1590
tonnes
Cast iron paperwork and fittings: 239
tonnes
Copper and brass pipe and fittings:
160 tonnes
VCP and fittings: 149 tonnes
Ceramics: 136 tonnes
Stainless steel: 41 tonnes
Various plastics: 3 tonnes
Cabling:
Mechanical cabling type: 59.5 % not
using PVC
Fire cabling type: 60 % not using PVC
EWIS cabling type: 60 % not using
PVC
Electrical cabling type: 50,5 % not
using PVC
Lifts/ escalators cabling type: 90 % not
using PVC
Seating:
no PVC seating at the major Olympic
sites
244,710 kilograms of PP-based seating
to Stadium Australia
Tensile roofing:
PVC has been largely avoided in their
design and construction
Hydraulics materials:
no PVC was used for hydraulics
Cabling:
System of metal cable trays instead of
plastic PVC conduits was mostly used
throughout although standard PVC
cabling was also installed for other
purposes
Seating:
no PVC seating at the major Olympic
sites
SuperDome was supplied by Camatic
who devised eight seating styles in PP
with nylon (PA) arms and mountings
The plastic elements of the 21,000
seats are estimated to weigh about
147,000 kilograms
Tensile roofing:
PVC has been largely avoided in their
design and construction
Timber use From the representative analysis by
venue and volume of wood products
used, most timber supplied for the
2000 Olympics was not from verified
sustainably managed sources
From the representative analysis by
venue and volume of wood products
used, most timber supplied for the
2000 Olympics was not from verified
sustainably managed sources
Water use Long-term water management strategy:
Water Reclamation and Management
Scheme (WRAMS)
“waterwise" approach to fittings in
buildings and landscaping
Non-potable water (recycled from site)
used for:
Landscape irrigation
Wash down
Ornamental water features
Industrial use
Toilet flushing
Stormwater collected from roofs of
several Olympic
Site buildings could be reused directly
Water-saving practices:
Five-litre flush toilets
Long-term water management strategy:
Water Reclamation and Management
Scheme (WRAMS)
“waterwise" approach to fittings in
buildings and landscaping
Non-potable water (recycled from site)
used for:
Landscape irrigation
Wash down
Ornamental water features
Industrial use
Toilet flushing
Stormwater collected from roofs of
several Olympic
Site buildings could be reused directly
Water-saving practices:
Highly water efficient fittings,
appliances & devices
Flush control on all urinals
Flow control water systems reducing
annual water demand by 30 per cent
Transport Primary travel option:
Rail station on-site
Additional travel:
Nine regional bus routes
Primary travel option:
Rail station on-site
Additional travel:
Nine regional bus routes
(Quelle: eigene Darstellung nach Lillehammer Organizing Committee 1995c, Berg, S. 2001, Selstadt, T.
2004, International Olympic Committee 2007a und Chernushenko, D. et al 2001)
Anhang
373
Anhang 8: Gegenüberstellung der Kriterien von Umweltbewertungen und
Richtlinien ehemaliger Olympischer Sommer- und Winterspiele
durch Umweltschutzorganisationen (NGOs)
Anhang
374
Anhang
375
(Quelle: eigene Darstellung nach Greenpeace 2000b, WWF 2004, Greenpeace 2004, TOROC 2006,
UNEP 2008, UNEP 2009 und Greenpeace 2008)
Anhang
376
Anhang 9: Kriterienkatalog „Compendiums of ESD Initiatives and Outcomes
for OCA Facilities and Venues”
Kriterienkatalog „Compendiums of ESD Initiatives and Outcomes for OCA Facilities and Venues”
Provision of Education on the environmental values of
the Homebush Bay for visitors to the site
Enhancement of remaining natural ecosystems
Preparation of environmental management plan for
environmental conservation areas
Protect natural ecosystems
Improvement of marine flushing of wetland areas
Protect significant vegetation communities
Flora and Fauna
(Ecosystems)
Recreate habitats for local ative fauna species
Eduation of visitors
Create a desirable recreational place
Protect areas of heritage signifigance
Create a visual identity in harmony with the natural
environment
Provision of easy access to Homebush Bay
Protection of items and areas of heritage significance
Create an environment which healthy for humans ans
animals
Conservation of Species
People (Their
environment)
Provision of easy access
Minimise the use if ozone depleting substances
Maximise use recycled and reused materials
Minimise the use of materials which deplete natural
resources or create toxoc pollution in their manufacture
use, or disposal
Construction Materials
Minimise usw of PVC
Energy Saving Design
Use renewable energy sources
Promotion of the use of public transport
Energy saving design
Energy
Energy saving devices and techniques
Preserve significant areas of open space as a resource
for generations to come
Preserve areas of open space
Maximise visual ans physical links
Conservation of Ressources
Open Space
Minimse land uptake for buildings ans permanent hard
surfaces
Anhang
377
Minimise importation of topsoil Topsoil
Control soil erosion
Use water saving techniques
Use water saving devices and techniques
Water
Wasterwater management
Light Minimise impact of light spill
Measures to improve local air quality
Maintain indoor air quality
Measures to improve local air quality
Whereever practicable minimise the use of ozone
depleting substances
Control dust
Whereever practicable minimise the use of ozone
depleting substances
Air
Minimise greenhouse gas emissions
Minimise impact of noise Noise
Facilities designed to limit noise emissions and minimise
impact on local residents and wildife
Control soil erosion
Prevention of future soi contamination
Soil
Protect soil and sediments
Maximise use of recycled and reused materials Waste Management
Waste management techniques and technologies
Control post construction stormwater flows
Maintain water quality
Wastewater management
Pollution Control
Water
Control soil erosion
(Quelle: Olympic Co-Ordination Authority 1999)
Anhang
378
Anhang 10: Kriterien von GOBAS
Kriterienkatalog GOBAS (Green Olympic Building Assessment System)
Coordination with overall city planning
Hazard prevention and reduction
Site uses
Water and topography
Ecological environment
Site quality
Site selection
Existing transport and community facilities
Land planning
Groundwater
Water resources
Ecological diversity
Electro-magnetic pollution
Noise pollution
Solar availability
Outdoor comfort and heat island effect
Wind environment
Overall environmental
impact assessment
Heritage conservation
Transport network
Public transport
Parking
Transport planning
Pedestrian traffic management
Existing vegetation Vegetation
Vegetation ratio
Energy conversion efficiency
Impact to city electricity supply
Renewable energy
Energy management
Impact to environment
Number and sizes of facilities
Total materials consumption
Part 1: Predesign
Stage
Resources utilization
Existing buildings
Anhang
379
Post-game uses
Waste disposal
Water use regulations
Water supply
Sewerage system
Waste water treatment and recycling
Rainwater recycling
Landscaping water use
Water system
Wetland
Building size, volume and area control
Building material selection
Architectural energy efficiency
Indoor thermal comfort
Natural lighting
Solar availability
Noise insulation and control
Natural ventilation
Architectural design
Functions and flexibility in design
Site engineering design
Greening and landscape design
Road engineering design
Outdoor lighting
Outdoor engineering
design
Light pollution
Resources consumption
Energy consumption
Environmental impacts
Building material reuse ratio
Materials and resources
utilization
Waste disposal
Cooling/heating energy exchange system
Energy supply system
Part loading, partial space feasibility
New heat recovery technology
Use of other energy systems
Part 2: Design Stage
Energy consumption and
impact to environment
Lighting energy reduction
Anhang
380
Energy recording, monitoring & control
Use of renewable energy
Environmental impact of energy system
Use of CFC materials
Drinking water treatment
Wastewater treatment and reuse
Use of recycled water
Use of rainwater
Vegetation water consumption
Landscaping water consumption
Equipment & facilities
Water system
Drinking water treatment
Indoor air exchange
Air conditioning system design
Indoor building materials
Indoor air quality
Ventilation
Land contamination impact
Air quality impact
Noise impact
Water pollution
Light pollution
Safety impact to surrounding environment
Environmental impact
Trees and heritages protection
Energy conservation
Energy efficiency
Energy use and
management
Energy optimization
Material reduction
Resources reduction
Materials and resources
Resources reuse
Water resources protection
Water reduction
Water resources
Water utilization
Management system
Part 3: Construction
Stage
Venue safety control
Safety measures
Anhang
381
Health & wellness Indoor air exchange
Impact to ecological environment
Protection and improvement to existing ecology
Outdoor thermal comfort and heat island effect
Wind environment
Environmental noise
Environmental vibration
Air quality
Road engineering
Outdoor environment
Transport
Indoor air quality
Acoustic
Lighting
Thermal comfort
Other green functions
Indoor environment
Building adaptability
System testing Energy consumption
Energy consumption in testing period
Water distribution
Water supply system
Sewerage system
Wastewater treatment and recycling
Rainwater recycling
Vegetation water consumption
Landscaping water consumption
Water environment
Equipment and facilities
Vegetation
Waste collection and treatment
Air conditioning system and hygiene management
Water management
Part 4: Testing and
Commissioning
Stage
Green management
Water reduction management
(Quelle: China Architecture & Building Press 2003)
Anhang
382
Anhang 11: Gegenüberstellung der Inhalte und Gewichtungen von DGNB V
2008, BREEAM V 2008 und LEED V 2009 (Berücksichtigung der
Gewichtung der jeweiligen Methode)
Anhang
383
Anhang
384
Anhang
385
Anhang
386
Anhang
387
Anhang
388
(Quelle: eigene Darstellung)
Anhang
389
Anhang 12: Kriterien zur Bewertung der nachhaltigen Gebäudequalität von
Olympischen Wettkampfstätten
Aspekte Kategorien Kriteriengruppen Kriterien Quelle
Ozonschichtzerstörungspotenzial Kapitel 5.3
Ozonschichtbildungspotenzial Kapitel 5.3
Versauerungspotenzial Kapitel 5.3
Eutrophierungspotenzial Kapitel 5.3
Umweltbelastungen (Luft,
Boden, Wasser)
über den gesamten
Lebenszyklus
Mikroklima Kapitel 5.3
Zertifiziertes Holz Kapitel 5.3
Erneuerbare Materlialien Kapitel 5.3
Vermeidung von Gefahrstoffen (EPD) Kapitel 5.3
Nutzung von recycelten Materialien Kapitel 5.3
Verantwortungsbewusste Herstellung
(responsible sourced)
Kapitel 5.3
Materialien und
Ressourcen
Regionale Materialien Kapitel 5.3
Müllvermeidung, Trennung und
Recycling
Kapitel 5.3
Müllaufbewahrungsraum Kapitel 5.3
Recycling und Müllaufbereitung auf der
Baustelle
Kapitel 5.3
Abfall
Rückbaubarkeit, Recycling- und
Demontagefreundichkeit
Kapitel 5.3
Reduzierung des
Trinkwasserverbrauchs
Kapitel 5.3
Innovative Abwassertechnologien Kapitel 5.3
Ökologische
Kriterien
Wasser
Nutzung von Grauwasser Kapitel 5.3
Reduzierung des Energieverbrauchs Kapitel 5.3
Innovative Energiekonzepte Kapitel
CO2-Emissionen über den
gesamten Lebenszyklus
Dichtheit der Gebäudehülle Kapitel 5.3
Erneuerbare Energien Einsatz erneuerbarer Energien Kapitel 5.3
Energieeffizienz Kapitel 5.3
Betrieb der TGA Kapitel 5.3
Monitoring der TGA Kapitel 5.3
Technische
Gebäudeausstattung
Back-up Fähigkeit der TGA Kapitel 5.3
Ökologische
Aspekte
Energetische
Kriterien
Verbrauchsmessung Einsatz von Verbrauchs- und
Zwischenzählern
Kapitel 5.3
Anhang
390
Herstellungskosten Kapitel 5.3 Lebenszykluskosten
Nutzungskosten Kapitel 5.3
Wertstabilität Wertentwicklung Kapitel 5.3
Ökonomische
Aspekte Ökonomische
Kriterien
Kostenvergleich der
Wettkampfstätten
Kostenvergleich von Neubau-,
Bestands- und Temporärbauten
Kapitel
3.4.2.1
Olympic
Games
Study
Sicherheit der Sportler Kapitel 5.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Sicherheit
Sicherheit der Besucher Kapitel 5.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Athleten (Paralympische Spiele) Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Barrierefreiheit und
Zugänglichkeit
Besucher Kapitel 5.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Regionale Aspekte Berücksichtigung regionaler Aspekte
und Förderung der lokalen Wirtschaft
Kapitel 5.3
Lebensqualität Förderung der Lebensqualität
(Gerechtigkeit, Solidarität, Arbeitsplätze,
Integration usw.)
Kapitel 4.3
Kapitel
5.2.4
Sozio-
kulturelle
Aspekte
Sozio-kulturelle
Kriterien
Kultureller und historischer
Kontext
Berücksichtigung der kulturhistorischen
Bauweise
Kapitel 4.3
Thermischer Komfort Behaglichkeit der Athleten und
Besucher (klimatische Verhältnisse,
Zugluft usw.)
Kapitel 5.3
Innenraumluftqualität (Athleten und
Besucher) Kapitel 5.3 Innenraumqualität
Verhinderung mikrobieller
Verunreinigungen der Innenraumluft
(Athleten und Besucher)
Kapitel 5.3
Raumakustik (Athleten und
Besucher) Kapitel 5.3Akustischer Komfort
Schallschutz (Athleten, Besucher und
Anwohner) Kapitel 5.3
Belichtung durch Tageslicht Kapitel 5.3Visueller Komfort
Belichtung durch Kunstlicht für
Leistungssport (Athleten und
Besucher)
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Behaglichkeit
und Gesundheit
der Sportler
Einflussnahme des Nutzers Einflussnahme der Athleten und
Besucher Kapitel 5.3
Flächeneffizienz Kapitel 5.3
Olympische
Aspekte
Funktionalität
der Wettkampf-
stätten
Funktionalität
Umnutzungsfähigkeit
(Multifunktionalität der Sportstätte) Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Anhang
391
Infrastruktur Sport (Athleten):
Wettkampfbereich
Umkleiden
Sanitärräume
Medizinischer Service
Medien
etc.
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Sportfunktionale
Anforderungen der IFs
Infrastruktur Besucher und Olympische
Familie:
Eingangsbereich
Parkbereich
Sanitärräume
Sitz- und Stehplätze
Lounge
etc.
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
bei Großveranstaltung Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Brandschutz
bei täglicher Nutzung Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Oberflächenmaterialien (Wettkampf-
und Besucherflächen) Kapitel 5.3 Dauerhaftigkeit
Sportgeräte Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Nutzer (Personal und Sportler) Kapitel 5.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Reinigungs- und
Nutzerfreundlichkeit
Besucher Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Technische
Kriterien der
Wettkampf-
stätten
Widerstandsfähigkeit Widerstandsfestigkeit gegen Hagel,
Sturm und Hochwasser
Kapitel 5.3
Durchführung eines Architektenwett-
bewerbs
Kapitel 5.3 Qualität des Designs
Gestaltung des Dachs, der Fassade und
des Außenraums
Kapitel 5.3
Innenraumgestaltung Kunst im Bau Kapitel 5.3
Innovation Anwendung neuer innovativer Konzepte
(Energie, Materialien, Technologien
etc.)
Kapitel 5.3
Architektur der
Sportstätte
Partizipation Beteiligung der Bevölkerung und der
Nutzer (Sportler)
Kapitel 4.3
für die Olympischen Spiele Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
für die Nachnutzung Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Einbezug von
Nachhaltigkeitsaspekten in die
Planung und Ausschreibung
(Bewerbungsprozeß)
Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Qualität der Planung
Integraler transparenter
Planungsprozess Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Olympischer
Planungs-
prozess
Qualität der Konstruktion für die Olympischen Spiele Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Anhang
392
für die Nachnutzung Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Umsetzung der Olympischen
Nachhaltigkeitsziele Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Einführung von Sicherheitsaspekten
in die Konstruktion Kapitel 4.3
Umweltmanagement der Baustelle Kapitel 4.3
während der Olympischen Spiele Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Qualität der
Inbetriebnahme
nach den Olympischen Spielen Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
während der Olympischen Spiele Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
nach den Olympischen Spielen Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Monitoring Kapitel 5.3
Qualifikation des Betriebspersonals
und der Nutzer (Sportler) Kapitel 4.3
Qualität des Betriebs
Umweltmanagement während und
nach den Spielen Kapitel 4.3
Qualität der Nachnutzung Festlegung der Nachnutzung bereits in
der Planung (Bewerbungsprozess)
Kapitel 4.3
Durchführung eines regionalen
Sportstättenentwicklungsplans
(Bestandsanalyse)
Kapitel 4.3 Minderung der Anzahl der
benötigten Sportstätten
Nutzung von Bestandsbauten Kapitel 4.3
Einsatz temporärer Sportbauten Kapitel 4.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Temporäre Sportstätten
und Tribünen
Überprüfung der Demontierbarkeit,
Recyclingfähigkeit und des Wieder-
nutzungskonzepts
Kapitel 4.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Olympisches
Erbe
Olympischer Masterplan Entwicklung und Umsetzung des
Olympischen Masterplans
Kapitel 3.5
Kapitel 4.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Mikrostandort Berücksichtigung des Mikrostandorts
(z.B. Sicherheit, Naturkatastrophen etc.)
Kapitel 5.3
Infrastruktur während der Spiele
(Transportpläne, integriertes Ticket
etc.)
Kapitel 5.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Infrastruktur nach den Spielen
(Transportpläne etc.) Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Standort
Aspekte Standort-
spezifische
Aspekte
Verkehrsanbindung
Anbindung an den öffentlichen
Nahverkehr (Distanz zu Haltestellen) Kapitel 5.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Anhang
393
Öffentliche Zugänglichkeit der
Wettkampfstätten Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Parkplatzanbindung und -kapazität Kapitel 5.3
Kapitel
3.4.1.3
Technical
Manuals
Abstellmöglichkeiten und Umkleiden
während der Spiele Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Fahrradkomfort
Abstellmöglichkeiten und Umkleiden
nach den Spielen Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
während der Spiele Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
nach den Spielen Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Sicherheit, Kriminalität, Lärm Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Nachbarschaft
Nähe zu nutzungsspezifischen
Einrichtungen (Einkaufsläden,
Schulen etc.)
Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Gesetzgebung/
Bauordnung Förderung der Gesetzgebung
(Umwelt- und
Nachhaltigkeitsaspekte)
Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Erweiterungsmöglich-
keiten Möglichkeit zur Erweiterung der
Wettkampfstätten nach den Spielen Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Reduzierung des Flächenverbrauchs Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Reduzierung des
Landverbrauch
Wiederbelebung von Brachen Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Förderung der Biodiversität Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Dekontaminierung von verseuchtem
Land Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Außenraumqualität Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Ökologie des Standorts
Schutz von Naturschutzgebieten Kapitel 5.3
Kapitel 4.3
Begrünung und
Aufforstung
Begrünung des Grundstücks und der
Umgebung
Kapitel 4.3
Integration der
Olympischen
Baumaßnahmen in das
bestehende Stadtgefüge
Integration der Olympischen
Sportstätten in den städtischen
Masterplan
Kapitel 3.5
Kapitel 4.3
Erläuterung:
neue olympiaspezifische Kriterien
modifizierte Kriterien
(eigene Darstellung)
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ISBN 978-3-8396-0168-6
9 783839 601686