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44 Sprachrohr 01.201344
Aus dem Studium
veröentlicht werden, gewinnt diese
Frage noch an Bedeutung. LaTeX sollte
für alle Computer-anen Studenten
und Wissenschaftler die 1. Wahl sein,
und sei es nur wegen der Möglichkei-
ten im Bereich mathematischer For-
meln und Literaturverzeichnisse, oder
wegen der Stabilität auch bei großen
und komplizierten Dokumenten.
GNU Emacs (http://www.gnu.org/
software/emacs/) in Verbindung mit
AucTeX ist wohl unschlagbar als La-
TeX Editor, aber es gibt mittlerweile
viele Alternativen, sogar den MS Word
ähnlichen LaTeX Editor LyX http://
www.lyx.org/, der sicherlich einen viel
einfacheren Einstieg ermöglicht als
Emacs. Man soll sich aber nicht täu-
schen - wenn es kompliziert wird (und
hat es jemals eine Abschlussarbeit gege-
ben, bei der es nicht kompliziert wur-
de?), kämpft man dann mit LyX und
LaTeX, während man bei Emacs so
dicht und unmittelbar an LaTeX dran
ist, dass man sich voll und ganz auf La-
TeX konzentrieren kann.
Man kann seine Abschlussarbeit
(bzw. sein Buch) natürlich auch mit
MS Word oder LibreOce (http://
de.libreoce.org/) schreiben, insbe-
sondere wenn sie nicht zu lang und zu
kompliziert (also Grak- und Mathe-
matik-lastig) wird, sollte dann aber un-
bedingt darauf achten, dass der ver-
wendete PDF-Exporter eine für den
Buchdruck ausreichende Qualität be-
sitzt. BOD warnt hier vor den in die-
sen Programmen eingebauten PDF
Exportern und stellt eigene Software
für den PDF Export bereit.
Ich habe mich bei meiner Masterar-
beit für LaTeX entschieden, und dies
nie bereut. Ohne hier in technische
Details gehen zu wollen, will ich aber
das ema des Seitenformats und der
Schriftgröße erwähnen. Ich habe für
meine Masterarbeit folgende ‚erste Zei-
le‘ verwendet:
\documentclass[german, a4paper]
{scrbook}
also die KOMA-Skript (nomen est
omen) Dokumentenklasse 'scrbook'
für ein deutschsprachiges Dokument
im DinA4 Format. Die Grundeinstel-
lungen dieser Dokumentenklasse (z.B.
Schriftgröße 11pt) sind dann völlig
OK, und man bekommt von LaTeX
sozusagen 'gratis' einen perfekten Satz
und ein perfektes Layout - was man
von WYSIWYG Programmen wie MS
Word nicht unbedingt behaupten
kann.
Bücher werden allerdings nur im
Ausnahmefall im DinA4 Format veröf-
fentlicht, das schon erwähnte Format
17.0 x 24.0cm ist dagegen eine für wis-
senschaftliche Veröentlichungen häu-
g verwendete Variante. Die Ab-
schlussarbeit muss also auf ein
Buchformat runterskaliert werden. Da-
bei habe ich dann meinen ersten Fehler
gemacht - ich habe die Masterarbeit als
pdf-Dokument auf epubli hochgela-
den und dann das Format 17.0 x
24.0cm ausgewählt (das Skalieren
könnte man mit Ghostscript auch vor
dem Hochladen auf dem eigenen
Rechner erledigen, aber das automati-
sche Skalieren durch epubli, ein Ser-
vice den BOD nicht bietet, ist schon
sehr komfortabel und einfach). Dann
habe ich auf die Bildschirmvorschau
vertraut - wo alles sehr gut und lesbar
aussah - und gleich den zweiten Fehler
gemacht: das Buch veröentlicht, be-
vor ich ein gedrucktes Exemplar in der
Hand hatte. Entschuldigend kann ich
dazu sagen, dass dies zwei Wochen vor
Weihnachten war und ich dachte,
durch die massiven Verkäufe im Weih-
nachtsgeschäft reich und berühmt zu
werden, oder zumindest einen Flug in
den Süden herauszuholen.
Das Ergebnis dieser übereilten Ver-
öentlichung war dann aber, dass ich
über die Weihnachtsfeiertage mein La-
TeX Dokument noch einmal überar-
beiten durfte - im kalten und grauen
Norddeutschland. Und dass ich eine
neue ISBN beantragen musste und ein
weiteres Testexemplar bestellen musste,
sich die Kosten also verdoppelt hatten.
Es gibt im Prinzip zwei Möglichkei-
ten ein LaTeX Dokument an ein For-
mat wie 17.0 x 24.0cm anzupassen:
man wählt das Format von vornherein
aus, und passt dann die Geometrie des
Dokumentes an dieses Format an, oder
man bleibt bei DinA4 und skaliert
nachträglich runter. LaTeX Experten
würden sicher die erste Variante emp-
fehlen, ich fand die zweite Variante
einfacher und habe die erste Zeile mei-
nes LaTeX Dokumentes folgenderma-
ßen geändert:
\documentclass[fontsize=14pt,
DIV=13, german, a4paper, table]{scr-
book}
Die Schrift war dann nach dem
Runterskalieren auch für die 'Grau &
Schlau' Fraktion, zu der ich mich auch
zähle, einfach zu lesen, und ich musste
mich nicht weiter mit den Feinheiten
des Seitenlayouts beschäftigen.
Durch diese einfache Änderung hat-
te mein Dokument dann gleich 40 Sei-
ten mehr, und ich musste viele Seiten-
umbrüche, Abbildungs- und
Tabellengrößen anpassen.
Keine Probleme hatte ich dagegen
mit den Abbildungen selber, denn da-
bei hatte ich bereits im Vorfeld eine
richtige Entscheidung getroen.
Abbildungen - Qualität
und Urheberrecht
In einer Abschlussarbeit kann man
durchaus Abbildungen aus anderen
Veröentlichungen wiederverwenden,
wenn man richtig zitiert. Und sie müs-
sen nicht unbedingt gestochen scharf
sein - es geht schließlich um den In-
halt, nicht (nur) um das perfekte Aus-
sehen.
Bei einem Buch sieht das ganz an-
ders aus. Ich musste bei einem anderen
Buchprojekt, bei dem ich ein freies
(gratis) Buch als PDF auf Scribd (www.
scribd.com) veröentlicht habe (mit
den LaTeX Sourcen auf Github (htt-
ps://github.com/) für jedermann ver-
fügbar) feststellen, wie delikat das e-
ma Urheberrecht ist, und wie
empndlich Menschen beim ema
'geistiges Eigentum' reagieren. Mein
Tipp ist also - niemals auf das Gute im
Menschen vertrauen, sondern immer
den Worst Case annehmen, und Abbil-
dungen und Graphiken lieber aufwen-
dig selber 'nachzubauen' anstatt per
Copy & Paste einzufügen, wenn es um
eine Buchveröentlichung geht.
Natürlich gibt es viele Software-Pro-
gramme, um Graphiken zu erstellen.
Wenn man aber sein Dokument in La-
TeX schreibt, gibt es eine wirklich coo-
le Möglichkeit seine Graphiken eben-
falls direkt in LaTeX zu erstellen: tikz
(http://www.texample.net/tikz/examp-
les/all/). Tikz kann alles, die Qualität
der Abbildungen ist in jedem Format
exzellent, und es gibt so viele Beispiele
im Internet, dass man tikz nicht einmal
richtig verstehen muss, um es zu ver-
wenden.