AKTIVE LEBENSGESTALTUNG MIT SENIOREN • VOR 28 JAH
Um den Unternehmer Tobias Volz zu verstehen, gibt es für mich ein Schlüssel-
Foto…das so viel aussagt über seine Power, über seinen geschäftlichen Mut
und die Art und Weise, wie er sein Unternehmen führt...
Es wurde auf dem Campingplatz in Allensbach aufgenommen... Unter einer
schattenspendenden Weide sitzt ein junger Gitarrenspieler im Gras, eine Frau
im Rollstuhl ihm gegenüber... Jung und Alt, Gesunder und Kranke; durch die
Musik miteinander verbunden.... Auch bei seinen Tagestreffs, bei denen ich oft
dabei war, spielte Tobias Volz auf der Gitarre, die Senioren sangen aus voller
Kehle mit; Volz hatte vorher Textblätter verteilt...
Gerade jetzt ist es sicher nicht ganz einfach, mit Senioren zu arbeiten, Zuver-
sicht und Freude zu vermitteln, das Personal zu motivieren und junge Auszubil-
dende, aus fernen Ländern, trotz Sprachschwierigkeiten und bürokratischen
Hürden zu verstehen, anzuleiten und „mitzunehmen“....
Wenn wir die Pflegelandschaft anschauen – und das betrifft jede Einrichtung –
werden zukünftig auch in unserem Team einige Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
ter das Rentenalter erreicht haben, so Volz. Das heißt, die Personal-Situation
wird nicht besser, und deshalb brauchen wir Schritt für Schritt Übergangslösun-
gen, wie wir diese Zeiten durchstehen. Wenn wir in die politische Landschaft
schauen, reden wir jeden Tag vom Fachkräftemangel, aber man muss ein biss-
chen genauer hinhören, wir müssen jetzt schon vom Arbeitskräftemangel spre-
chen. Und das betrifft nicht nur uns, sondern sehr viele Firmen von der Gastro-
nomie bis zum Öffentlichen Dienst. Ist die Integration junger, motivierter
Menschen die Lösung??
Es gibt inzwischen ein neues Integrationsgesetz, das wenigstens in die richtige
Richtung geht, aber was wollen denn die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen?
Die wollen einen Ablaufplan, wie Integration in ihrem Betrieb erfolgreich funk-
tionieren kann. Von der Beeintragung der Arbeitsgenehmigung, bis zur Wohn-
suche, Krankenversicherung, zum Familiennachzug, zur Integration in einer Ge-
meinde, zum Kindergartenplatz, Schulplatz, das sind ja ganz viele Dinge die
einen Ablaufplan benötigen. Inzwischen gibt es vom Bundesministerium zwar
einen wunderbaren Ablaufplan, aber schaut man den genauer an, dann muss
man sich überlegen, was kann ich als Arbeitgeber im Zeitmanagement wirklich
leisten? Die Arbeitgeber werden ja auch weniger. Wir sind alle in dem Bereich,
wo wir nicht sagen können, wir haben noch 10 Stunden Luft in der Woche, da
machen wir dann noch ein bisschen Integration...
Ja, die Zeiten waren sicherlich schon einfacher, aber Tobias Volz hat schon im-
mer Möglichkeiten gefunden, nicht zuletzt auch wegen seiner optimistischen
Grundeinstellung. Ich erinnere mich sehr genau an das wundervolle Einwei-
hungsfest seines neuen Gebäudes, zu dem wir einen Nachbericht veröffentlicht
hatten, das war im September 2020. Tobias Volz war einer der ersten, der ein
Enegieplus-Holzgebäude in der Region in Auftrag gab und damit in seinen
Pflegebetrieb etwa 2 Millionen Euro investierte. Seine Frau Amrei und er feier-
ten das 25-jährige Betriebsjubiläum gleichzeitig mit der Einweihung des Neu-
baus – das 500 qm große Gebäude verbraucht nur Restmengen an Energie.
Zum Einweihungsfest gab es einige lustige Anekdoten, Architekt Till Schaller er-
zählte schmunzelnd vom ersten Tag, als er sich mit Tobias Volz auf der Baustelle
getroffen hatte... Volz habe zu ihm gesagt, „am 19. September will ich einzie-
hen – und exakt heute am 19.09.2020 stehen wir hier!!“
Der damalige Bürgermeister von Allensbach, Ludwig Egenhofer, beglück-
wünschte Tobias Volz, „1995 ist er aus Bayern hierher gekommen, er wollte un-
bedingt an den Bodensee!! – Er kam, sah und siegte!“
Zum Thema Arbeitskräftemangel sieht er drei Punkte: Zuerst den Ausbildungs-
betrieb, dann das Thema Integration und sehr wichtig die Telemedizin. Das Zu-
sammenspiel dieser drei Möglichkeiten lässt uns positiv in die Zukunft schauen,
so Tobias Volz! Wenn wir es hinbekommen, wenigstens die momentane Größe
zu halten, dann ist das schon ein wichtiger Erfolg! Derzeit haben alle Betriebe
das Problem des Mangels an Fachkräften. Wenn wir uns vergrößern könnten,
weil wir ausreichend Fachkräfte haben, – wenn wir das schaffen, unseren Dienst
sogar auszubauen und noch mehr für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bür-
ger zu sorgen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Aber Tobias Volz hat noch weiter gedacht: Wir waren bisher ein Einzelbetrieb,
seit 1. Oktober sind wir eine GmbH. Sie ist nicht nur eine wirtschaftliche Sache,
sicherlich auch, aber letztendlich ist die GmbH die Grundlage dafür, dass wir
nicht, wie manche privaten Dienste, einfach vom Markt verschwinden. Diese Er-
fahrung haben wir jetzt in der Stadt Konstanz gemacht und im Hegau wird es
wahrscheinlich nicht viel anders sein. Das ist das Eine… das Zweite ist, dass wir
uns immer vor Augen führen müssen, dass wir gute Strukturen brauchen, wir
haben jetzt die Digitalisierung eingeführt und arbeiten nun komplett papierlos.
Wir haben uns fast ein Jahr lang Zeit genommen, um diesen Schritt gut zu
schaffen, damit es keine Schwierigkeiten gibt. Es ging vollkommen nahtlos,
samt Abrechnungen, wir waren sehr sehr froh, dass wir alle älteren und jünge-
ren Mitarbeiter zugleich mitnehmen konnten auf dem digitalen Weg und es
gab da tatsächlich überhaupt keine Gegenwehr.
Wichtig ist dabei, dass die digitale Welt für uns nicht den automatischen Kon-
trollmechanismus bedeutet. Es geht mir nicht um die Kontrolle der Mitarbeiter,
wie lang sie wo brauchen, wann sie Pause machen, das war mir ganz ganz wich-
tig, denn die technischen Voraussetzungen dafür sind ja vorhanden! Ich weiß
auch, dass es einige gibt, die das wirklich durchkalkulieren; das kann ich auch
verstehen, das ist auch in Ordnung, aber wir sind wirtschaftlich auf einem so
guten Weg, dass wir sagen können, wir möchten diesen Druck nicht machen. Es
waren die Jungen, die die Digitalisierung wollten. Wir sagten: Wißt ihr nicht,
was das heißt? Wir könnten euch auf Schritt und Tritt kontrollieren, ist es das,
was ihr wirklich wollt?? Wir haben dann unsere Regelung gefunden, und so lan-
ge ich da bin, wird es das auf keinen Fall geben! Was danach ist, weiß ich na-
türlich nicht. Die Digitalisierung ist nichts Negatives, ganz im Gegenteil – denn
sie optimiert auch die Versorgung der Klienten.
Und wenn wir jetzt den nächsten Schritt gehen und uns für die Telemedizin ent-
scheiden – im vollen Wissen, dass wir in Zukunft weniger Pflegekräfte, weniger
Ärzte haben werden. Wo können wir mit guter qualifizierter Arbeit und Fach-
lichkeit den Datenaustausch sicher stellen, ohne ein Fax zu benutzen, ohne eine
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Große Lust
auf das volle bunte Leben…