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man darin leider keine Merkmale, die die Hypothese, Haselberg habe die Novelle
übersetzt, eindeutig stützen bzw. widerlegen können.
Die Morphologie und die Graphie der Cimone-Novelle, von denen später die
Rede sein wird, sind weitgehend überregional geprägt, es tauchen doch auch sprachliche
Eigenschaften, die sicher als Westoberdeutsch einzustufen sind, und zwar als
Niederalemannisch. Das ist kohärent mit Haselbergs Geburtsort und lässt deswegen die
Hypothese, dass Verleger und Übersetzer gleichgesetzt werden können, grundsätzlich
zu. Die Novelle ist aber in Straßburg, wo ebenfalls Niederalemannisch gesprochen wird,
gedruckt worden. Findet man also ein morphologisches oder graphisches Kennzeichen,
das einer niederalemannischen Mundart eindeutig entspricht, so kann man nie völlig
sicher sein, ob es vom Übersetzer oder vom Drucker abhängt
. Darüber hinaus ist es
nicht unmöglich, dass Haselberg einfach beabsichtigte, eine deutsche Version der
Novelle drucken zu lassen, und dass er sich zu diesem Zweck in Straßburg einen
Übersetzer suchte. Dass sich die Graphie der Cimone-Novelle in meisten Fällen an eine
überregionale Schreibgewohnheit anpasst, kompliziert die Sache weiter. Es ist also
völlig unmöglich, aus der Graphie irgendeinen eindeutigen Hinweis darauf zu
entnehmen, dass Haselberg die Novelle übersetzt hat.
Auch eine Untersuchung des Wortschatzes hilft uns tatsächlich nicht weiter:
Normalerweise kommen in der Übersetzung gewöhnliche, gemeindeutsche Wörter vor,
mundartlich geprägte Ausdrücke sind hingegen nur sehr selten zu finden. Manchmal
handelt es sich dabei um Ausdrücke, die sowohl in Straßburg als auch in Haselbergs
Heimat, der Insel Reichenau im Bodensee, geläufig waren und die deswegen zur
Beantwortung unserer Frage nicht beitragen können. Darunter ist sicher das Verb
abmeren (‚ein Schiff losbinden‘ [Haselberg 1516, VIva und VIIIrb]) zu zählen: Im DWB
Eben wegen der Unterschiede zwischen tatsächlicher Schreibung des Textes und lokalen Schreib-
gewohnheiten des Druckorts hatte sich die in Merlo [1885] durchgeführte Untersuchung der Graphie des
Lobspruchs auf die Stadt Köln als besonders aufschlussreich erwiesen: Der Lobspruch wurde in Köln,
also in wmd. Sprachraum, gedruckt, er präsentiert aber einige sprachliche Merkmale, die nicht für Wmd.
charakteristisch sind, sondern die alemannische Herkunft des Verfassers eindeutig erkennen lassen
[Merlo 1885, S. 170]. Bei dem Lobspruch ist es vor allem die Nicht-Diphthongierung der mhd.
Langvokalen, die auf einen alemannischen Verfasser hindeutet. Dies für die wobd. Mundarten typische
Phänomen kann nicht der Graphie entnommen werden, da die Diphthongschreibung im Text weitgehend
realisiert ist, sondern aus der Anzahl an Reimen von mhd. /i:/ auf kurzes /i/, die sich als ganz verfehlt
erwiesen, wenn die Diphthongierung vorausgesetzt würde [s. ebd., S. 170 f.]. Unter anderen Merkmalen,
die für eine alemannische Herkunft des Verfassers sprechen, seien außerdem das Auftauchen von <o> für
mhd. <â> [ebd, S. 172, Anm. 24] und die Endung –nt für die 3. P. Pl. Präteritum [ebd., S. 171, Anm. 6]
sowie die sehr häufigen Apokopen von auslautendem e [ebd., S. 172, Anm. 23] erwähnt. Leider erweist
sich dieses Verfahren für die Cimone-Novelle nicht nützlich.