
burger Schlachtfeldes ermöglicht es auch heute noch jedem zu erkennen, dass
der »Devil’s Den« eine kleine Anhöhe und nicht eine »Teufelsschlucht« ist (S. 89).
Flüchtigkeitsfehler dieser Art ziehen sich massiv durch das Buch, werden aber
noch von der ungenauen Darstellung der Ereignisse übertroffen, die vermutlich
auch auf die komplizierte Struktur des Buches zurückzuführen ist. So berichtet
Schild, wie am ersten Kampftag das I. US-Korps bei Gettysburg eintraf, dann aber
von den stärker werdenden Konföderierten zurückgetrieben wurde. Plötzlich trifft
der Leser auf einen General O. O. Howard und den deutschen Immigranten Carl
Schurz. Howard kommandierte das XI. Korps und Schurz eine von dessen Divisio-
nen. Dass dieses Korps inzwischen in die Kämpfe involviert war, erwähnt der
Autor nicht (S. 79 f.). Einige Seiten später diskutiert Schild, ob James Longstreet
den Angriff am zweiten Tag bewusst verzögert habe. Er schreibt, dass Longstreet
das Eintreffen der Division Pickett erwartete und erst später mit seinen konföde-
rierten Truppen angreifen konnte, da er »auf Einheiten warten musste, die erst
am Nachmittag zur Verfügung standen« (S. 89). Dies suggeriert, dass Pickett zu
diesem Zeitpunkt auf dem Schlachtfeld eingetroffen war, was jedoch nicht
zutrifft. Den wichtigsten Grund für die Verzögerung schildert Schild nicht: Long-
streets Anmarschweg führte über offenes Gelände, das die Union gut einsehen
konnte. Daher vollzog er mit seinen beiden Divisionen einen umständlichen
Countermarch, um sich von einer anderen Seite der Ausgangsstellung zu nähern.
Solche Unterlassungen sind umso erstaunlicher, da Schild in seinem Literatur-
verzeichnis exzellente Monografien auflistet, etwa Stephen Sears’voluminöses
Buch zur Schlacht. Dennoch spricht der Autor immer wieder von in der Forschung
umstrittenen Darstellungen, etwa wenn es um die Zahl der am »Pickett’s Charge«
am dritten Schlachttag beteiligten Soldaten geht, und führt als Belege für seine
Behauptungen »Ältere Publikationen« und die Schätzungen Meades oder Long-
streets an, die deutlich über den exakter recherchierten Ergebnissen jüngerer
Forschungsarbeiten, wie dem Buch von Sears liegen (S. 95). Wieso diese Zahl
oder an anderer Stelle der Verlauf bestimmter Ereignisse umstritten sein sollen,
wenn doch aktuelle Arbeiten exakt belegte Beweise und Argumente ins Feld
führen, erläutert der Autor nicht. Stattdessen geht die Fehlerkette beim Pickett’s
Charge weiter, der nach Schild von den »nur 10.500 Mann der Division Picketts
plus einiger hundert Mann Verstärkung anderer Divisionen« (S. 94) durchgeführt
wurde. Tatsächlich gehört die Darstellung, wonach dieser Angriff vor allem von
Picketts noblen Virginiern ausgeführt wurde, bereits zu einem der viel bemühten
Schlachtfeldmythen. In Wirklichkeit waren an dem Angriff auch eine Division
unter Johnston Pettigrew und die bereits am ersten Schlachttag arg in Mitleiden-
schaft geratene Division General Penders (unter dem Kommando von Isaac Trim-
ble) beteiligt. Zusammen kamen diese nach Sears auf ca. 13.000 Soldaten, von
denen nur 5830 zu Picketts Division gehörten.
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