Georg Schild, Gettysburg 1863. Lees gescheiterte Invasion, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2017, 232 S. (= Schlachten – Stationen der Weltgeschichte), EUR 29,90 [ISBN 978-3-506-78246-5] PDF Free Download

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Georg Schild, Gettysburg 1863. Lees gescheiterte Invasion, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2017, 232 S. (= Schlachten – Stationen der Weltgeschichte), EUR 29,90 [ISBN 978-3-506-78246-5] PDF Free Download

Georg Schild, Gettysburg 1863. Lees gescheiterte Invasion, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2017, 232 S. (= Schlachten – Stationen der Weltgeschichte), EUR 29,90 [ISBN 978-3-506-78246-5] PDF free Download. Think more deeply and widely.

Georg Schild, Gettysburg 1863. Lees gescheiterte Invasion, Paderborn [u.a.]:
Schöningh 2017, 232S. (=Schlachten Stationen der Weltgeschichte),
EUR29,90 [ISBN 978-3-506-78246-5]
Besprochen von Alexander Querengässer: Leipzig, E-Mail: mgzredaktion@bundeswehr.org
https://doi.org/10.1515/mgzs-2018-0031
Wenn ein renommierter Verlag eine neue Reihe mit dem Titel »Schlachten
Stationen in der Weltgeschichte« etablieren möchte, dann stellt Gettysburg
wahrscheinlich die dankbarste Aufgabe für den Autor eines Auftaktbandes dar.
Denn über kaum eine andere Schlacht in der Geschichte wurde bisher so
umfangreich geschrieben und geforscht, wie über diese dreitägige Auseinander-
setzung zwischen der konföderierten Armee von Nordvirginia unter ihrem legen-
dären Befehlshaber Robert Edward Lee und der Potomac-Armee der Nordstaaten
unter George Gordon Meade. In den USA ist die Zahl an Darstellungen dieser
Schlacht, die mit Lees Niederlage endete, Legion. Von daher sollte es sicherlich
kein schwieriges Unterfangen darstellen, die neue Reihe des Schöningh Verlags
mit einer abgerundeten Darstellung der Schlacht von Gettysburg zu eröffnen.
Dennoch ist der vorliegende Band leider mehr als unbefriedigend ausgefal-
len. Das titelgebende Ereignis bleibt in Schilds Buch kaum mehr als eine Station
in seiner Erzählung, nämlich der Geschichte des Krieges der Sklavenhalterstaaten
gegen ein System, das auf Marktwirtschaft beruht (S.12). Abgesehen davon, dass
der Umstand, ob ein Staat die Sklaverei zulässt oder nicht, nicht ausschlaggebend
für die Frage ist, ob er Marktwirtschaft betreibt oder eben nicht, versteigt sich
Schild hier auf eine sehr verengte Sicht der Dinge.
In seinem einleitenden Kapitel »Für die Sklaverei kämpfen« setzt der Autor
auf die überholte These, im Bürgerkrieg sei es ausschließlich um das Für oder
Wider der Sklaverei gegangen. Dies unterfüttert er mit Selbstzeugnissen und
zeitgenössischen Zeitungsberichten an denen es durchaus nicht mangelt. Eine
Darstellung von Gegenargumenten unterlässt Schild jedoch völlig. So begrün-
deten die elf aus der Union ausgetretenen Südstaaten ihre Entscheidung mit dem
Argument, dass ihrer Auffassung nach das Gesetz der Einzelstaaten (states rights)
über dem der Union stehe. Ob dies ein tatsächlicher oder nur ein vorgeschobener
Grund war, wird vom Autor überhaupt nicht thematisiert. Ebenso wenig passt es
in seine These, dass vier der elf konföderierten Staaten in denen es angeblich
kaum Gegner der Sezession gab (S.12) nicht nach Lincolns Wahl oder dem
Beschuss von Fort Sumter aus der Union austraten, sondern erst nach Lincolns
Aufruf, dass sich 75.000Freiwillige zur Niederschlagung der Südstaatenrebellion
melden sollten. Zwar erwähnt er dies (S.34), allerdings legt er vorher ausgiebig
dar, dass alle elf Staaten nur der Erhaltung der Sklaverei wegen die Union
MGZ 77/1 (2018): 216219 OLDENBOURG
MGZ, © 2018 ZMSBw, Potsdam. Publiziert von De Gruyter
verlassen hätten (S.3033). Der Rest des ersten Kapitels skizziert in groben Zügen
den Verlauf des Bürgerkrieges von der ersten Schlacht bei Manassas/Bull Run bis
hin zu Lees Invasion nach Pennsylvania im Sommer 1863.
Für das eigentliche Kapitel über die Schlacht, wofür gerade einmal 40Seiten
eingeräumt werden, formuliert Schild bereits im einleitenden Teil einige angeb-
lich in der Forschung formulierte Fragen, etwa warum Lee davon überrascht
gewesen sei, dass ihm die Unionsarmee unter Meade nach Norden folgte (S.11).
Es ist dem Rezensenten nicht bekannt, dass diese Frage ernsthaft in der amerika-
nischen Forschung diskutiert worden wäre und sie wäre auch vollkommen irrele-
vant, denn Lee postierte die Masse seiner Kavallerie unter General »Jeb« Stuart
bewusst südöstlich seiner Armee, damit sie ihn vor einer Annäherung Meades
warnen konnte.
Schon in der Einleitung wird schnell klar, dass Schild kein versierter Militär-
historiker ist. Äußerst polemisch urteilt er über die Kämpfe am Little Round Top
und Picketts Charge: »Die Konföderierten erhielten den Befehl, in enger Forma-
tion auf eine befestigte Verteidigungslinie der Unionstruppen zuzumarschieren,
wo sie ein leichtes Opfer der Unionssoldaten wurden. Beide Episoden belegen
die fortschreitende Dehumanisierung im Bürgerkrieg. Das Leben der eigenen
Untergebenen war wenig wert, der Gegner musste um jeden Preis vernichtet
werden« (S.13). Abgesehen davon, dass die Unionsstellungen, die Pickett
angriff, gar nicht befestigt waren, belegen diese Sätze vor allem, dass Schild das
Wesen der damaligen Kriegführung nicht verstanden hat, denn diese bestand
nun einmal noch immer darin, Männer in dicht gedrängten Schlachtlinien an
den Gegner heranzuführen, was also an sich noch längst keinen Beleg für eine
spezielle Dehumanisierung innerhalb des Bürgerkrieges darstellt (für die sich
sicherlich an anderer Stelle Beweise anführen ließen). Es findet sich in dem Buch
auch keine längere Passage, die sich mit dem Militärwesen dieser Zeit auseinan-
dersetzt und die Armeen von Nord- und Südstaaten hinsichtlich ihrer unter-
schiedlichen Struktur und ihren wirtschaftlich-sozialen Faktoren analysiert oder
das in West Point gelehrte Verständnis von Strategie und Taktik erklärt. Dies
wäre jedoch in einer modernen Schlachtengeschichte durchaus zu erwarten
gewesen und hätte wohl auch manche unwissenschaftliche Polemik verhindern
können.
Dazu gesellen sich etliche Ungenauigkeiten oder offensichtliche Fehler in der
Darstellung militärischer Ereignisse oder Strukturen. J.E.Johnston kann gar nicht
der erste Oberbefehlshaber der Armee von Nordvirginia gewesen sein, weil diese
erst unter dem Befehl von Lee diesen Namen erhielt (S.47). James Longstreet
hatte das Kommando über das I.Korps dieser Armee anders als Schild es
darstellt (S.60) bereits vor dem Tod von »Stonewall« Jackson inne, denn dieser
war Kommandierender General des II.Korps gewesen. Ein Besuch des Gettys-
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burger Schlachtfeldes ermöglicht es auch heute noch jedem zu erkennen, dass
der »Devils Den« eine kleine Anhöhe und nicht eine »Teufelsschlucht« ist (S.89).
Flüchtigkeitsfehler dieser Art ziehen sich massiv durch das Buch, werden aber
noch von der ungenauen Darstellung der Ereignisse übertroffen, die vermutlich
auch auf die komplizierte Struktur des Buches zurückzuführen ist. So berichtet
Schild, wie am ersten Kampftag das I.US-Korps bei Gettysburg eintraf, dann aber
von den stärker werdenden Konföderierten zurückgetrieben wurde. Plötzlich trifft
der Leser auf einen General O.O.Howard und den deutschen Immigranten Carl
Schurz. Howard kommandierte das XI.Korps und Schurz eine von dessen Divisio-
nen. Dass dieses Korps inzwischen in die Kämpfe involviert war, erwähnt der
Autor nicht (S.79f.). Einige Seiten später diskutiert Schild, ob James Longstreet
den Angriff am zweiten Tag bewusst verzögert habe. Er schreibt, dass Longstreet
das Eintreffen der Division Pickett erwartete und erst später mit seinen konföde-
rierten Truppen angreifen konnte, da er »auf Einheiten warten musste, die erst
am Nachmittag zur Verfügung standen« (S.89). Dies suggeriert, dass Pickett zu
diesem Zeitpunkt auf dem Schlachtfeld eingetroffen war, was jedoch nicht
zutrifft. Den wichtigsten Grund für die Verzögerung schildert Schild nicht: Long-
streets Anmarschweg führte über offenes Gelände, das die Union gut einsehen
konnte. Daher vollzog er mit seinen beiden Divisionen einen umständlichen
Countermarch, um sich von einer anderen Seite der Ausgangsstellung zu nähern.
Solche Unterlassungen sind umso erstaunlicher, da Schild in seinem Literatur-
verzeichnis exzellente Monografien auflistet, etwa Stephen Searsvoluminöses
Buch zur Schlacht. Dennoch spricht der Autor immer wieder von in der Forschung
umstrittenen Darstellungen, etwa wenn es um die Zahl der am »Picketts Charge«
am dritten Schlachttag beteiligten Soldaten geht, und führt als Belege für seine
Behauptungen »Ältere Publikationen« und die Schätzungen Meades oder Long-
streets an, die deutlich über den exakter recherchierten Ergebnissen jüngerer
Forschungsarbeiten, wie dem Buch von Sears liegen (S.95). Wieso diese Zahl
oder an anderer Stelle der Verlauf bestimmter Ereignisse umstritten sein sollen,
wenn doch aktuelle Arbeiten exakt belegte Beweise und Argumente ins Feld
führen, erläutert der Autor nicht. Stattdessen geht die Fehlerkette beim Picketts
Charge weiter, der nach Schild von den »nur 10.500Mann der Division Picketts
plus einiger hundert Mann Verstärkung anderer Divisionen« (S.94) durchgeführt
wurde. Tatsächlich gehört die Darstellung, wonach dieser Angriff vor allem von
Picketts noblen Virginiern ausgeführt wurde, bereits zu einem der viel bemühten
Schlachtfeldmythen. In Wirklichkeit waren an dem Angriff auch eine Division
unter Johnston Pettigrew und die bereits am ersten Schlachttag arg in Mitleiden-
schaft geratene Division General Penders (unter dem Kommando von Isaac Trim-
ble) beteiligt. Zusammen kamen diese nach Sears auf ca. 13.000Soldaten, von
denen nur 5830 zu Picketts Division gehörten.
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Das Buch endet mit zwei Kapiteln über das Ende des Bürgerkrieges und zur
Erinnerungskultur, welche aber mehrheitlich aus seitenweise zusammenkolpor-
tierten Zeitungsberichten und Selbstzeugnissen bestehen. Es fehlt auch ihnen an
Struktur. So werden viele Augenzeugenberichte zur Schlacht wiedergegeben, die
besser in das vorherige Kapitel gepasst hätten. Auch die Fehlerkette setzt sich
fort. So behauptet Schild, Lee hätte Picketts Charge befohlen, weil ihm die neuen
gezogenen Gewehre, die es erst ab Ende 1862 gegeben hätte, fremd waren (S.117).
Dabei hatte die amerikanische Armee bereits 1855 gezogene Musketen für die
Infanterie eingeführt. Der einzige rote Faden, der sich durch Schilds Buch zieht,
ist seine Meistererzählung vom Bürgerkrieg als Sklavenbefreiungsfeldzug. Andere
Haltungen werden nicht diskutiert und wenn sie in einem Zitat anklingen, vom
Autor, der sich sonst schwer tut eine eigene Haltung zu den Augenzeugenbe-
richten einzunehmen, abgebügelt.
Am Ende bleiben viele Fragen offen. Was möchte Schilds Buch sein? Für eine
Geschichte der Schlacht von Gettysburg wird dieser viel zu wenig Raum einge-
räumt, für eine Geschichte des Bürgerkrieges passt der Titel nicht. Für eine
moderne Schlachtengeschichte ist das Buch zu oberflächlich, da Schild es unter-
lassen hat, moderne militärgeschichtliche Fragen, etwa das Versorgungssystem,
innere Struktur, Bewaffnung und Taktik, angemessen zu schildern. Die Beantwor-
tung dieser Fragen kann aber durchaus hilfreich sein, um Verlauf und Ausgang
einer Schlacht zu erklären Roman Töppel hat dies in seinem ebenfalls in dieser
Reihe erschienenen Buch über die Schlacht bei Kursk hervorragend umgesetzt.
Diese Diskrepanz und die enorme Zahl sachlicher Fehler und struktureller Mängel
führen leider dazu, dass für das vorliegende Werk keine Empfehlung ausgespro-
chen werden kann.
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