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Brendon Feeney, Tanztheater
Ana Yoffe, Schauspiel Schauspiel
PREMIERE 23.9.223
GROSSES HAUS
Das mangelnde
Licht
Nino Haratischwili
Nach Jahren der inneren wie äußeren
Entfernung voneinander begegnen sich
Keto, Nene und Ira 29 in Brüssel wieder.
Anlass für das Zusammentreen ist eine
Foto-Retrospektive ihrer toten Freundin
Dina, der kompromisslosesten und lebens-
hungrigsten der einstmals vier jungen
Frauen. Momentaufnahmen ihrer gemein-
samen Jugend katapultieren die Überleben-
den zurück ins Tbilisi der späten 8er und
frühen 9er Jahre. Hier berauschen sie sich
am Leben, der ersten großen Liebe und an
der unwahrscheinlichen Freundschaft, die
sie verbindet. Sie feiern dabei aber auch
eine Gnadenfrist, bis die Realität über sie
hereinbricht. Und mit ihr all das, was die
ersten Jahre der georgischen Unabhängig-
keit bringen: Chaos in den Straßen, Drogen,
Bandenkriminalität und Gewalt in einem
patriarchal strukturierten Land.
Unverzeihlicher Verrat und tragi-
scher Tod stellen die Freundschaft der vier
auf die Probe und ihr ganz privates Ausein-
anderdriften spiegelt die Gespaltenheit
einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg.
Dennoch ist keine der vier bereit, sich mit
dem Mangel an Licht abzufinden.
Die seit 23 in Deutschland
lebende Nino Haratischwili erzählt nach
ihrem Bestseller »Das achte Leben – für
Brilka« erneut mit soghafter Emotionalität
und kraftvoller Bildsprache von ihrer
Heimat Georgien. Eindringlich stellt sie
dabei die Frage nach persönlicher Verant-
wortung: Wie handelt man moralisch
richtig in einer Welt, die jeder Logik zu
entbehren scheint
Regie: Dagmar Schlingmann
Bühne: Sabine Mader
Kostüme: Inge Medert
Musik: Alexandra Holtsch
Dramaturgie: Katharina Gerschler
»Das mangelnde Licht« wird gefördert von der
Stiung Braunschweigischer Kulturbesitz.
PREMIERE 8..223
KLEINES HAUS
Babettes Fest
Nach dem Roman von Karen Blixen
in einer Bühnenfassung von Christoph Diem
und Holger Schröder
Nach den Aufständen der Pariser
Kommune 87 haben zwei gottesfürch-
tige Schwestern, die an einem norwegi-
schen Fjord leben, die geflüchtete Köchin
Babette aus Paris aufgenommen. Zwölf
Jahre besorgt sie nun bereits deren Haus-
halt. In dieser Zeit hat Babette an einer
Lotterie in Frankreich teilgenommen – und
erzielt schließlich den Hauptgewinn:
. Francs. Babette möchte nun den
Schwestern und der Gemeinde ein großes
Festmahl zubereiten. Über seine Zusam-
mensetzung erfährt man nicht viel, doch
der Genuss verändert die Gäste, ohne dass
es ihnen bewusst wäre. Erzogen zu einer
bescheidenen Lebensweise, fehlt ihnen das
Bewusstsein, dieses kulinarische Meister-
werk als solches zu begreifen, auch wenn
es Resonanzen an vergangene Sehnsüchte
und verpasste Momente auslöst.
Karen Blixens leise Erzählung holt
große Fragen über die Kompromisslosig-
keit, mit der man seiner Kunst folgt (oder
folgen muss), über die Einsamkeit des
Schaensprozesses, seine Flüchtigkeit
und seinen lang anhaltenden Nachklang
in eine abgelegene Welt am Rande der
Zivilisation. Auch das Braunschweiger
Publikum soll Teil werden der Festgesell-
schaft und sich am Prozess (kulinarischen)
Kunstschaens berauschen.
Regisseur Christoph Diem hat
zusammen mit Ausstatter Florian Barth
und Dramaturg Holger Schröder bereits
viele Stücke auf die Bühne gebracht, dabei
aber auch nicht-dramatische Vorlagen wie
Romane oder Filmstoe realisiert, wie
zuletzt die Chaplin-Adaption »City Lights«
im Kleinen Haus.
Regie: Christoph Diem
Bühne & Video: Florian Barth
Kostüme: Elena Gaus
Dramaturgie: Holger Schröder
»Babettes Fest« wird gefördert von der
Stiung Braunschweigischer Kulturbesitz.
URAUFFÜHRUNG 24..223
AQUARIUM
Wir werden
diese Nacht nicht
sterben
Guido Wertheimer
Viele Gespenster gehen um in Berlin. Der
Autor und Erzähler dieser performativen
Spurensuche und Aron, der rätselhafte
junge Berliner Jude, den die Universität ihm
zur Seite stellt, spazieren hinter ihnen her
und versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu
kommen. Manchmal sind die Gespenster
zum Greifen nah, manchmal verflüchtigen
sie sich oder verstecken sich in den Ereig-
nissen der Gegenwart.
Guido Wertheimer schreibt ein
Tagebuch über seinen Aufenthalt in Berlin,
die Stadt, in der seine Großeltern geboren
wurden. Anfang 22 besucht er die Orte,
an denen sich die Geschichte s
einer Familie
in den 92er und 93er Jahren abspielte
(oder sich hätte abspielen können). Dabei
versucht er nicht, Fragen des Judentums
oder des Nationalsozialismus zu bearbei-
ten: Was er beschreibt, ist eine Außensicht
auf die Stadt, die eigene Geschichte, die
Vergangenheit seiner Familie wie die
eigene Gegenwart. Die Verse skandieren
den Lauf der Zeit, folgen ihm, reflektieren
ihn, verweilen manchmal in kleinen
Momenten der Reise und werden dann
zurückgeschleudert ins Zeitgeschehen. Es
sind Seiten eines bestimmten Tagebuchs,
die aber durch den Resonanzkörper
der Bühne kollektive Erfahrungen und
Gefühle berühren.
Guido Wertheimer, geboren 996
in Buenos Aires, erhielt für sein Stück 222
den Preis der jungen Dramatik des Staats-
theaters Braunschweig und des Theaters
Magdeburg. Seine Arbeiten als Autor und
Regisseur in Argentinien, Kolumbien,
Ecuador, Peru, Bolivien und Deutschland
befassen sich mit Erinnerung, Identität,
Archiv, den Städten. Seit 22 studiert er
als Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung
Szenisches Schreiben an der UdK Berlin.
Regie: Guido Wertheimer
Rauminstallation: Florian Barth
Originalmusik & Sounddesign:
Gustavo Obligado
Visuelle Installation:
Ella Estrella Tischa Raetzer
Archivbearbeitung: Ana Iramain
Dramaturgie: Katharina Gerschler