PRAXISDOSSIER | JULI 2025 | URBANE TRANSFORMATION 7 I
Best Practices –praxiserprobte Konzepte und Prozesse –
machen bewährte Lösungen sichtbar und bieten Kommunen
wertvolle Anregungen. Sie sind jedoch nicht unmittelbar
übertragbar, sondern erfordern stets eine Prüfung und
Anpassung an die lokalen Gegebenheiten.
Die hier ausgewählten Best Practices zeigen auf unterschied-
liche Weise gelungene Ansätze zur Fortschrittserfassung und
Evaluation von Smart-City-Aktivitäten –sowohl auf strate-
gischer als auch auf operativer Ebene. Die angewandten
Methoden und der Umfang der Umsetzung variieren und
spiegeln damit die Vielfalt der Herangehensweisen wider.
Gleichzeitig wird deutlich, dass erfolgreiche Monitoring- und
Evaluationsprozesse nicht zwingend von Stadtgröße oder
verfügbaren Ressourcen abhängen.
Die Städte Kassel, Mannheim und Hamburg überzeugen
durch ihre klare Wirkungsorientierung und strategische
Verankerung. Sie zeigen, wie sich Fortschritts- und Erfolgs-
messung über die Projektebene hinaus gestalten lässt und
entwickeln Ansätze, die auch übergeordnete Zielbilder und
Strategien messbar unterstützen. Dabei liegt der Fokus auf
der Erfassung tatsächlicher Veränderungen –auch dort, wo
Wirkungen schwer quantifizierbar sind. Kassel und Mannheim
nutzen hierfür das IOOI-Modell zur strukturierten Wirkungs-
erfassung, während Hamburg mit der Strategie-Pyramide
eine nachvollziehbare Ziel-Maßnahmen-Logik etabliert. Diese
Herangehensweisen bieten anderen Kommunen wertvolle
Orientierung, wie Monitoring stärker in strategische Steue-
rungsprozesse eingebunden und methodisch gestaltet
werden kann.
In der Stadt Soest ist der strategische, verwaltungs-
übergreifende Rahmen besonders hervorzuheben: Die Smart-
City-Strategie ist als übergeordnete Gesamtstrategie fest in
der Verwaltung verankert und eng mit anderen Zielsystemen
der Stadt verzahnt. Diese integrative Verankerung schafft
stabile Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, Monitoring
und Evaluation systematisch in bestehende Prozesse
einzubinden und dauerhaft fortzuführen. So zeigt Soest
exemplarisch, wie eine ganzheitliche Steuerung die nach-
haltige Umsetzung und Weiterentwicklung von Smart-City-
Maßnahmen unterstützt.
Die Städte Bochum, Hamm und München veranschaulichen
die Bedeutung eines detaillierten Monitorings auf Projekt-
ebene sowie einer klaren Kommunikation nach außen. Mit
webbasierten Dashboards –etwa in Bochum und Hamm –
oder der sehr individuellen Lösung des Digitalisierungsradars
in München werden Kennzahlen und Fortschritte anschaulich
und transparent dargestellt. So können sowohl Bürgerinnen
und Bürger als auch interne Stellen jederzeit den Stand der
Smart-City-Maßnahmen nachvollziehen. Diese Transparenz
stärkt das Verständnis, die Akzeptanz und die Identifikation
der Stadtverwaltung und -gesellschaft mit den laufenden
Projekten.
Die Stadt Troisdorf setzt mit ihrem regelmäßigen Fortschritts-
bericht und dem Smart-City-Plan auf ihrer städtischen
Website auf klare Kommunikation des Fortschritts –ein
Beispiel dafür, wie regelmäßige und klar aufbereitete
Informationen den Dialog fördern und Transparenz sichern.
.
Aus erster Hand:
Erkenntnisse aus Gesprächen
mit kommunalen Akteuren
Da die kommunale Praxis stark durch lokale Gegebenheiten
geprägt ist, gestaltet sich eine standardisierte Erfassung von
Fortschritts- und Erfolgsmessung im Bereich Smart City
schwierig. Strukturen, Zielsetzungen und verfügbare Res-
sourcen unterscheiden sich teils erheblich von Stadt zu Stadt.
Auch die institutionellen, strategischen und operativen
Rahmenbedingungen der Smart-City-Aktivitäten variieren
deutlich.
Die im Rahmen des Praxisdossiers durchgeführte quantitative
Analyse zum Status quo und zu identifizierten Best Practices
wurde deshalb um eine qualitative Erhebung ergänzt. Ziel
dieser vertiefenden Untersuchung ist es, ein besseres Ver-
ständnis für die Vielfalt kommunaler Herangehensweisen und
Sichtweisen zu gewinnen und praxisnahe Erkenntnisse für die
Weiterentwicklung entsprechender Verfahren abzuleiten.
Dazu wurden Interviews mit kommunalen Experten geführt –
darunter Chief Digital Officer sowie Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter aus Smart-City- und Digitalisierungsabteilungen.
Im Mittelpunkt standen zentrale Fragestellungen rund um
den aktuellen Stand von Fortschritts- und Erfolgsmessung,
konkrete Vorgehensweisen und Methoden, Zielsetzungen,
beteiligte Akteure, bestehende Heraus-forderungen sowie
Bedarfe.
Insgesamt wurden 14 Kommunen befragt. Bei der Auswahl
der Städte wurde darauf geachtet, sowohl Groß- als auch
Mittelstädte verschiedener Größenklassen sowie geförderte
und nicht geförderte Kommunen einzubeziehen. Die qualita-
tive Analyse bestätigt dabei die Ergebnisse der quantitativen
Analyse: Die deutschen Städte befinden sich in sehr unter-
schiedlichen Entwicklungsstadien. Während einige bereits
umfassende Konzepte zur Fortschritts- und Erfolgsmessung
etabliert haben, stehen andere noch am Anfang oder planen
erste Schritte in Richtung Monitoring. Der Status quo reicht
von punktuellen Einzelmaßnahmen bis hin zu systematisch
verankerten Evaluationsprozessen.
Der Austausch mit den Kommunen zeigt zudem: Einen
einheitlichen Standardprozess gibt es nicht –ebenso wenig
wie den „einen richtigen Weg“. Vielmehr zeigt sich, dass
unterschiedliche methodische Ansätze zum Erfolg führen
können –vorausgesetzt, sie werden kontextsensibel und
praxisnah umgesetzt. Entscheidend sind dabei nicht nur die
notwendigen Ressourcen, sondern vor allem auch der Wille
und das Engagement der beteiligten Akteure.
Um so richtig mit Wirkungsmessung
zu arbeiten, braucht es Ressourcen,
Zeit und Willen.
CDO der Stadt Soest über die Anforderungen für
ganzheitliche Fortschritts- und Erfolgsmessung